Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 94 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 672 Nf 5! thodcn des Ackerbaues reichliche Ernten, ohne dea Bodca zu erschöpfen. Teilt man die Gcsamt1i».Uc Ctiiuas in die Zahl der Haushaltungen, so ergibt sich ein durchschnittlicher Bodenbesitz von 3•/* Hektar pro Familie. Es gibt allerdings eine große Anzahl von Familie״, die mir über 1'/» Hektar bis zu >/» Hektar verfügen. Nur wenige besitzen aber 20 Hektar, die Zahl der Besitze von 100 Hektar ist äußerst gering, und es gibt fast keine, die großer sind als 100 Hektar, ln jeder der großen Provinzen mit 30—10 Millionen Einwohnern konnte mau 3—4 Besitze von 300—503 Hektar aufriihkti. Oie von einem Besitzer kultivierte Flache übersteigt aber nicht 12 Hektar (Simon, a.;1. O. S. 39S/3»<)). Diese Besitz- Verteilung hat zur Folge, daß es in China so gut wie keinen Menschen gibt, der nicht ein Stück Land sein eigen nennt. Ein Teil des Besitzes, etwa a,4 Hektar für die Familie, ist überhaupt unveräußerlich. Und so kommt es, dal) aller Interessen mit der Kultivierung des Bodens Zusammenhängen. Dank den weisen Maßnahmen chinesischer Kaiser der grauen Vorzeit tmd auch der nicht so fernen Vergangenheit konnte jede Bevölkcrungsztmahme durch innere Kolonisation dem Lande erhalten bleiben. Der Bodenbesitz blieb hier nicht das Privileg einer bevorzugten Kaste der Eroberer‘), so»- dem in friedlicher Arbeit konnte ein jeder sich einer Fläche bemächtigen, die er mit seinen Angehörigen bearbeiten konnte. 5, Wie doch ganz anders sich die Besitz Verhältnisse im ״zivilisierten“ Westen entwickelt haben! Der Bodenbesitz, in den Händen weniger Großgrundbesitzer, ja vielerorts Latifundienbesitz! Es würde zu weit führen, wollte ich hier auf die Gründe für diese Entwicklung cingchen. Es mögen nur einige wenige Zahlen das Widersinnige der Besitzverteilung im Westen illustrieren: 874 Personen hatten 1873 nicht weniger als 28','a 'tu der ganzen Fläche von England und Wales in Händen, in Schottland 5SÜ Personen gar 79y״ <׳/«! Die Hälfte von Großbritannien gehört ein paar tausend Leuten. Fast ebenso liegen die Verhältnisse in Irland, wo 744 Personen •17,7 0/0 der Fläche in Besitz haben. Auch in seinen Kolonien hat י) Zwar hat auch China seine Feudalzeit mit allen ihren Ucbeln durchgemacht. Es verstand aber schon im 11. Jahrhundert durch eine durchgreifende Agrarreform den Großgrundbesitz abzuschaifen: aller 1030 Mon =־־> 6 ha übersteigende Privatbesitz mußte dem Staate äugetreten werden, die Kroniändercien und der andere der Regierung zufallende Grundbesitz durfte nicht mehr verkauft״ sotidcrn nur verpachtet werden, (Dr. Ed. Erxes, China, Perthes׳ Kleine Völker- und Länderkunde, Gotiia 1919). j v 1: d 1 ב che nur מ c c 11 a u Großbritannien die gleiche Bodenpolitik eingeführt: in Australien :.im! 63 0/0 und auf Neuseeland 72,5 0/0 'des gesamten Besitzes in Händen von Großgrundbesitzern (Par/dlengrölte von 1000 bis über 50 001) Acres). In den Vereinigten Staaten ist die durchschnittliche Größe der Farmen' 146 Acres, nur 17,5 % der Gesamtfläche entfallen auf die Betriebsgröße unter 103 Acres. Mehr als die Hälfte gehört in die. Stufengröße 100—503 Acres, nicht weniger als '23,8 °/0 der Gesamtfläche werden von Betrieben mit über 1003 Acresbeansprucht. In Frankreich sind 71 0/0 der Gesamtfläche in Händen von Landwirten mit Parzellen von 10 Hektar 25 Acres und darüber. In Deutschland entfällt die größere Hälfte der landwirtschaftlich benutzten Fläche (51,5 0/0) auf die Parzellengrölien 20—100 Hektar und über 100 Hektar■'1). in fast sämtlichen Ländern des Westens haben wir es mit Großgrundbesitz zu tun, zumindest aber mit Mittelgrundbesitz. Diese Feststellung ist für das behandelte Problem von außerordentlichem Wert. Aus der Gegenüberstellung der ßcsitzvcrhäitnissc Chinas und des Westens ergibt sich die Tatsache, daß die Anbaumethode, die Kultivierungsrichtung eine Funktion der Be si t zf o r rn ist. 6. China mit seinem Kleinbcsitz an Boden konnte sich die intensivste Methode des Ackerbaues, die der Gärtnerei, der Ackcrbeetlailtur aneignen, Europa und Amerika dagegen mußten ihren Ackerbau in anderer Weise ״intensivieren“. Die chinesische Methode ist nur dort durchführbar, wo die Parzelle von deren Inhaber mit Hilfe seiner Angehörigen allein bearbeitet werden kann, oder dort, wo viele Arbeitskräfte zur gegebenen Zeit schnell zu beschaffen sind. Sie wird abgelehnt werden müssen, sobald der Landwirt über größere Flächen verfügt und Arbeiter schwer erhältlich sind. Die Besitz- Verhältnisse gaben auch der modernen Agronomie, der Landwirtschattswissenschaft, die Richtung ihrer Forschling an. Der Begriff der ״Intensität“ wurde von den Theoretikern und Praktikern des Ackerbaues in Europa und Amerika ganz, anders aufgefaßt als in China. Die Größe des Bodenbesitzes im Westen zwang den Forscher, der Natur des Getreides Gewalt anzutun, die Getreidcpflanzc aus einem Tiefwurzler in einen Flachwgrzler zu verwandeln. Er mußte Methoden erfinden, die die erfolgreiche Kultivierung großer Flächen ermöglichen. Daher die starke Betonung der Düngerlehre, der landwirtschaftlichen Maschinenbaukunde. Durch chemische Düngemittel konnten große Strecken Landes •'׳)M.Scring, Die Politik der Grumlbesitzvcrfeilung in den großen Reichen, Verband!, des LauKles-Oekouomic* Kollegiums, Berlin 1912, P. Parey. produktiv gemacht werden, durch vcrvollkommnete rate und Maschinen die Bode» fläche gelockert und zu!! Aufnahme der Saat vorbereitet, die Ernte schnell llr,j billig eingchcimst werden. Es ist eine ״intensive“ Kultur nach den Begriffen des Westlers, zweifelsohne. Sie ist aber extensiv im Vergleich zur Kultumiethode des Chinesen, der sein Getreide garten mäßig anbaut 7. Die westliche Land Wirtschaftswissenschaft grilf eiert Befürworter der chinesischen Ackerbeetkultur in Europa der! Russen Demtschinsky, mit Argumenten an, die nicht stichhaltig sind. Die Methode sei in der Praxis einfach undurchführbar, hieß es zunächst. Ohne Zweifel ist sie undurchführbar, solange der Besitzer eine Fläche von beispielsweise 10 Hektar sein eigen nennt, die er unbedingt ganz bestellen will. Könnte er sich aber dazu entschließen, nur ein Viertel seiner Fläche mit dem gleichen Aufwand an Arbeit und Dünger, gleichzeitig aber unter Ersparnissen an Saat, mit Getreide zu bepflanzen, so würde er von der kleineren Parzelle den gleichen Ertrag erzielen, wie von der größeren. Er würde nicht allein an Land, sondern auch an Geräten, Arbeitsvieh und Baulichkeiten sparen. Mein eingangs dieses Artikels nach Simon zitierter Chinese brauchte zur Bearbeitung seiner 1,94 Hektar nur einen Bütfel, den er aber nicht ganz in seiner Wirtschaft hat ausnützen können: nicht weniger als an 140 Tagen konnte das Tier in Lohn arbeiten. Aber unsere Landwirtschaftswissen, schaft vertritt nur zum geringsten Teil die Interessen von Landwirten mit 10 Hektar Besitz. Wie wir gesehen haben, ist der größte Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Händen von größeren Grundbesitzern. Für diese fällt die Umpflanzung des Getreides gänzlich fort Nur die Behäufelung kommt hier in Frage. Dem• tschinskys Propaganda gab somit den Ansporn zur Aus» findigmachung zweckmäßiger Methoden der feldmaßigea Behäufelung, zum Bau geeigneter Geräte usw. (Schluß folgt.) An die zionistischen Ortsgruppen und Jugendvereinei Wir bitten hierdurch alle Ortsgruppen und Jugendvereine, aas einige Exemplare ihrer Statuten eiazuschickea. Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W15. Slchshcbt Str. 8. PC«*» i Poo rin ir ־׳ Wt Unser Appell in Nr. 89 der ״Jüdischen Rundschau“ hat erfreulicherweise starken Widerhall in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen gefunden. Die von uns versandten Zahlungsaufforderungen an diejenigen Zionisten, die mit den gezeichneten Steuerbeträgen im Rückstände waren, werden in großem Umfange eingelöst. Viele Gesinnungsgenossen geben gleichzeitig der Geldentwertung entsprechende Erhöhungen ihrer Zeichnung für das Jahr 1921 auf. / In den Ortsgruppen wird eine rege Propagandatätigkeit für die Zionistensteuer entfaltet, wobei besonders auf die Gewinnung hoher Zeichnungen Wert gelegt wird. Daneben geht die Heranziehung aller Mitglieder für Zeichnung der Steuer, um die Steuerkontingente aufzubringen. Besonders gute Ergebnisse haben bisher Chemnitz, Cöln, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a.M., Gelsenkirchen, Halberstadt, Hindenburg, Magdeburg,München, München-Gladbach, Nürnberg,Trier gemeldet. / Dagegen fehlen bisher Berichte aus den Gruppen: Allenstein,Aschaffenburg,Bonn,Bremen, Cöthen, Danzig, Frankfurt a. O., Freiburg, Gleiwitz, Görlitz, Halle, Heidelberg, Karlsruhe, Kattowltz, Mainz, Münster, Nauheim-Friedberg, Nordhausen, Oppeln, Osnabrück, Pforzheim, Plauen, Ratibor, Rybnik, Schönlanke, Soest, Spandau, Stolp, Tarnowitz, Zoppot. / Wir bitten diese Gruppen nochmals dringend um sofortige Meldung der von ihnen bisher erzielten Ergebnisse, sowie um schleunige Ueberweisung der eingezogenen Beträge. / Wir, bitten ferner alle diejenigen Gesinnungsgenossen, die direkte Zahlungsaufforderungen erhalten haben, um umgehende Absendung ihrer Zahlungsrückstände. Wir richten diesen BHentlichen üppell an tinsm iüitaiMei1 and Freunds, um Kostspielige Mahnungen zu Ersparen. ZIONISTISCHES VHHEINKSUJBJQ FÜR DEUTSCHLAND BERLIN W 15, Sächsische Straße 8 Postscheckkonto: Berlin 8091. Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Depositenkasse Kurfürstendamm 2tl. Die neuen Steuerstufen: Stufe I: Mk. 100.—, Stufe II: Mk. 300.—, Stufe III: Mk. 500.—, Stufe IV: Mk. 1000.—, Stufe V: Mk, 3000.-