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Jüdische Rundschau · 1921-11-22 · Heft 93 (22.11.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 93 (22.11.1921)
Date
1921-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ludendorff, der Zusammenbruch und die Juden Von HamQosl.tr.; Nachstehender Aufsatz erschien in der ״Vixct. Zeit!11^** vom 10• d. Mts. I« den Kreisen, die giatucn, mit der bekainpfutig und Ausschaltung des v\1n ihtteti als verdcrlilu:,!!litt- -estelHe« ״juaiselten uiniLisses■‘ im heutige» ‘ Iritd ein wesentliches Stück Arbeit für die Wieder- , iitrfridttmijj unseres poliusch nV.tczu machtlosen uad wirt* echaftlieh erschöpften Landes leisten zu können, hat 1 v.enikirffs l*־;wrh über ״Kriegführung und Politik“ einen , i jso1t-'er!־> stat ken Widerhall gefunden. Nicht nur wegen; ,;cf bekannten militärpolitische» Ansichten des l*c!dbeim, die ja auch /um Gemeingut der genannten Kreise gehören, sondern vor allem auch, weil General Ludendorff an mehrere!* Stellen dieses Buches sieh mit äußerster Srlürf« gegen das deutsche Judentum wendet. | Die vier Stellen des Bucht־•, an denen siel! der; Autor mit dt־״ angehliehcn Minierarbeit des iuteniatio , u.'dcn Judentums gegen Deutschland beschäftigt, sind freilich für den Kenner der antisemitischen Propaganda- »rteratur von einer vcrh'.üffeiiJen Farblosigl!cit. Nirgends blicht sich ein• eigenes Urteil Hahn, und überall werden Ansicht und Behauptungen gegeben, deren Quellen all/.uluikaunt sind mul die «!entlieh zeigen, dal! General Luden- : dorff, als er die Juden frage zur Unterstützung seiner , Ihiweisfülirung licrange/ogen itat, sielt auf die nicht ein- , mal kritisch iturcbilichte Wiedergabe von Leseein.lriicken beschränkt hat. Ls ist die.» wieder einmal ein Beweis dafür, wie die öffentliche Meinung in Deutschland und auch die Ansichten vieler Wortführer der Parteien, duh.1t Klischees beeinflußt sind, iiisif daß nur sehr wenige »rlbständige und vorurteilsfreie Köpfe es über sich ge- Winnen können, sich ein unbeeini In fites und nicht nach l*arte!«c־habk>!!e »!!gestempeltes Bild des Judentums zu; machen. ן Nicht so sehr gegen Lttdetulorft, soliden*;:egen ein! Klischee, eine Schablone, muH man sich alsa eigentlich wenden, wenn man einmal in voller Oefieatlichkeit die I hauptsächlichsten Behauptungen untersuchen will, die, 1 zur Freude nationalistischer Kreise, Ludemiorff in seinem , fluche sich zu eigen machte. Ich presse die Anklagen! 1 udeiuUrft•;, deutlicher die Anklagesdublone, in wenige 1 Sitze zusammen: Die Oberleitung des nacli Weltherrschaft strebenden; hidischett Volkes hat den Weltkrieg herbeigeführt, resp. j benutzt, tun Palästina für die Juden zu erobern und י hnen!n Europa und Amerika eine überstaatliche und I dberkapitalistisehe Vormachtstellung zu schaffen. Zu; diesem Zweck arbeiteten der Orden Bnc Brith, die j Alliance israelite Universelle, der Zionismus und die i internationale Freimaurerei Hand in Hand mit der | Entente, um den Untergang Deutschlands herhei/u- 1 iflhreu Ludeiuiortt bcgeltt, wie schon gesagt, denselben Fehler, den, aus politischer Tendenz, oder aus psychobgischer Unfähigkeit, sich in das Wesen des Judentums hiitcinzt«,arbeiten, die landläufige antisemitische Propaganda macht, wenn sie dem Judentum ״Weltherrschaft!}• laste ‘ oder ״uatfouale Epobcrungstendenz“ znsclireibt. Das eigentliche Wesen des Judentums ist allen diesen l.euten verschlossen, w’eil sic immer wieder übersehen, <ia<i das Judentum als eine Gemeinschaft, zu deren .Struktur es keine weltgeschichtlich« Analogie gibt, nicht inner den Gesichtspunkten erfaßt und beurteilt werden kann, wie sie sonst für die Abschätzung und Eiiigliedc- »mg von Nationen und Religionen üblich sind, Es muß kta!gestellt werden, daß das Judentum, ungeachtet aller Begriffsverwirrung, die heute darüber herrscht, weder!׳me Konfession an sich ürt noch eine bloße nationale Gemeinschaft mit territorialen und anderen politischen ׳'Hen. Das Konfessionelle, das Bekenntniselement, tritt ׳m Judentum keineswegs in den Vordergrund, vielmehr «her das Praktisch-Ethische, das heißt, die Erziehung ׳•in harmonischen Handeln und Lehen, zur Solidarität (mit Allem Menschlichen) und zur Verantwortlichkeit *egeaüber sowohl den Ahnen, als auch der Mitwelt i'ttd endlich auch' gegenüber den uiigelwrenen Genermionct». Fallt, man so den Begriff des Judentums uittl erkennt, «laß das Wort ״national“ als Ixi.ti reifliche Re«• akliott gegen die seil 150 Jahren eingeführle Aufftmsung '׳«ittt Judentum a!« einer bloßen Konletslott, als instinktive Abwehr gegen eine wlllkürlkhe Verklo'nertmg der 110■ lonal« n'ligiüsen Einheit eine vollkommen «andere Bedeutung ■•־»•, als das gleiche Wort im Lexikon der heutigen N.vdsvölker, so sicht man auch den Grundfehler Luden• »Drffsdier und schablonenmiilligcr Logik. Weder keimt nationalrcligiösc Judentum weltpolitische Machtzicle, ׳" denen die Demütigung oder der Untergang Deutschkm.ls ,>(jer irgend eines anderen Staatsgefüges erforderlieh wäre, noch hat cs, außer dem Wunsche der zio- *ntischen Gruppe, in Palästina wieder eine hebräische Kuliur in einer jüdischen Heimstätte auferstchcn zu iasseiA territoriale Gelüste. Und dieses Palästina ist 1« nicht gedacht als Ausiiuß imperialistischen Streben*, vrmlcni als eine Heimat für viele Hundert tausende uu- »lensdtlidi Unterdrückter und Gepeinigter, als eine Stätte, wo, 1»» Anknüpfung an das geistig starke und cinhcit- Hebe alte biblische Judentum, ein für Weltfrieden, mensch- Hctien Aufstieg und Durdigeistigung unserer material!- sieriet» Lebensformen wirkendes vorbildliches Gemeinwesen entstellen soll. Nicht besser kann es umschrieben werden als mit den Worten des Zionisten Theodor HerzI: ״Wir sollen endlich als freie Männer auf unserer eigenen Scholle leben und bi unserer eigenen Heimat JUEDISCH E RUNDSCHAU __ ruhig sterlien. Die Welt wird durch unsere Freiheit i befreit, durch unseren Reichtum bereichert und ver- J gröliert durch unsere Größe. : Und was wir dort nur für unser eigenes Gedeihen j versuchen, wirkt machtvoll und beglückend hinaus zum I Wolile aller Menschen.“ j Der Zionismus, der nie eine andere ״Po!itik״ , betrieben hat als eine jüdische, d. h. die der Auferweckung! der jüdischen Geister und d-cr Wiederbelebung des uralter! ׳ PaUislinalandcx, hat sich niemals in den Dienst einer 1 Mächtegruppe oder eines Landes gestellt. Er konnte j Palästina nur aus den Händen dessen eutgegemiclimen, der es in Wirklichkeit besaß. Eine politische Versdnvöning zu diesem Zwecke gegen Deutschland einzugehen, hätte nicht nur den Tod des Zionismus als einer nur in ihrer Neutralität und allein jüdisch orientierten Politik cxistcn/.bcrcchtigtcn .überstaatlichen Bewegung bej deute», sondern wäre auch praktisch ein Irrsinn gewesen.; Denn die Zionisten wußten und wisse;! sehr genau, 1 daß nicht Deutschland ein Hindernis der Palästiuabc- (ln alle zionistischen Ingen«! In der allernächsten Zeit, erscheint im Seihst- Verlag de» Keren IJajessud eine Broschüre über ״D e Ausnutzung i Wasserkräfte Palästinas“ in welcher auf ilio Bedeutung des Keren Hajessod bei de!• Durchführung der Elektrüi׳/.iern»g Faliistinas bingcwlesen wild / Wir bitten, uns die 1 Adressen von uichtzionistisehen Ingenieuren eiu- »enden zu wolle», da I)eat>8i« htigt ist, diese BroschUm als Propagandasehrif. zu verschicken. ( KerenHajessod-Paiästina-Grundfonds; Sächsische Straße 8. Siedlung war, und daß schließlich und endlich jede Macht, j die über Palästina einmal das Verfügungsrecht besitzt•» j würde, gezwungen sei, mit ilmeti zusammen zu gelten, weil nur das jüdische Volk imstande und willens ist, die 1 lumlcrttausemle von opferwilligen und begeisterten Mensehe» zu entsenden, die notwendig sind, um aus »fein verwüsteten und entvölkerte:! Palästina von neuem einen; blühenden Garten z.11 machen. Ucber die im deutsch-; jüdischen Leben völlig bedeutungslose Alliance Israelite j Universelle braucht hier kein Wort gesagt zu werde», j ebensowenig über den Orden läne Brith, der niemals! Politik getrieben oder auch nur diskutiert hat, sondern seine Aufgabe ausschließlich in der Pflege reinster und schönster Menschen• uad Bruderliebe erblickt hat. Daß die religiös indifferente» Freimaurerlogen schließlieh, gerade mit der* bewußt jüdischen Kreisen, mit den ״Zionisten“ und ״Nationaljuden“, nichts zu tun haben, i in Deutschland zum überwiegenden Teil judenrein sind | und zur zionistischen Bewegung und zu allen jüdisch- , nationalreligiösen Zielen überhaupt keine innerlichen oder politischen Beziehungen haben, dürfte gleichfalls eine 1 Binsenwahrheit für Kenner des Logenwesens sein. j Um so bedauerlicher ist es, wenn in diesen Tagen j in der Berliner Tageszeitung ״Der Tag“ der Haupt- ■ Schriftleiter Dr. Oesterreich in einem Leitartikel ludendorffs Ausführungen über die Juden erwähn; *1׳.*.! sie j i sehr eigenartig dmhirch zu paiicren sucht, da“, er in i entschuldigendem Toi* erklärt, alle Juden seien ja nicht j einander gleich und auf den neuen ״Verband national-; deutscher Juden“ träfe das, was gegen die Zionisten; gesagt sei, keineswegs zu. Ich beneide den Verband; natkiiuddeutschei׳ Jude» nicht um die Propaganda, die; ihm hier entsteht und glaube, daii es auch den Männern ' von Geschmack in seiner Mute unsagbar peinlich sein! muß, in dieser Weise gegen ihre übrigen Glaubens-; und Stammcsgemisse» in Dcutswhlaml ausgesptelt zu : werden Der Jude ist wohl seiner Grundanschauung־ nach Pazifist, weil er glaubt, daß das Heil der Menschheit nicht aus dem Stahlbad des Krieges, sondern aus einer fried-; liehen Kulturarbeit entspringt, die den Menschen frei 1 und glücklich innclit mul sozialer Gerechtigkeit zum 1 Siege vvihilft. Abei׳ deshalb hat er seine Pflicht «18; Staat»luirgur im Kilejfe und darüber hlmmi acht Men* | sclieiiutoglkhei getan. Und in dem Hirn de» deutschen | Juden hatte in dieser Zeit, gleichviel, ob er Zionist 1 oder etwa!; andeics war, außer dem Gedanken, das! Vaterland zu schützen, »las er angegriffen glaubte, kein I anderer Platz, auch nicht der irrsinnige, von deutsch- ׳ völkischer Seite erfundene ״Gedanke“, Deutschland ad; majorem glori.uit jüdisch imperialistischer Wclthcrrschafts- : pliiiie /.um Erliegen zu bringen. Und weil der zionistische und niehtzionistisehe Jude diese seine vaterländische; Pflicht mit der gleichen. Begeisterung erfüllt hat wie jeder! andere deutsche Staatsbürger, weil er in Palästina keine! Wcltmaehtpolitik treiben, sondern religiöse und soziale Gedanken von großer Schönheit und Stärke durchsetzen will, weil er, kraft der besonderen Innigkeit, mit der; er die 5030jährige Treue zum Judentum empfindet, auch die Treue zum Vaterlande und Staatsvolke heilig und hoch hält — deshalb glaubt er, trotz Ludendorff und den Deutschvölkischen und auch trotz der jüdischen Kreise, die da glauben sich auf Kosten der übrigen Juden gegen die aiitiscmitsche Propaganda verteidigen zu müssen, alles Anrecht darauf zu haben, als vollwertiger deutscher Staatsbürger angesehen und gewertet zu | werden. I J Seite 6Ö3 parteinaebriebten Oie Ressortteilung cer zionistischen txekutive Organisation der Departements Aus London wird berichtet: ln den letzten Sitzungen der zionistische« Exekutive wurde die Teilung der Arbeit und die Aufteilung der ein- .׳einen Referate unter die Mitglieder der Exekutive vorgenonunen. Als Ergebnis dieser Beratungen wurde die folgend-• Einteilung beschlossen; Politisches Departement: Dr. Weizmann, S o k o 1 o w und j a b o t i n s k y. Finanzielles Departement: J. Co wen. Dieses Departement wird in ständiger Fühlungnahme mit den Herren Feiwcl, Dr. Haipcrn und N'aiditsdt als Mitgliedern des finanziellen und Wirtschaftskomitees arbeiten. Prcssedepnrtcment: Jabotinsky. Organisations - Deparlcmcnt: Licht heim, Motzkin und So low c i tsch i k. Den einzelnen Sektionen dieser Abteilung wur* den folgenden Arbeiten zugewiesen: Fragen betreffend die zionistischen Föderatianen, und separate Verbände: Lichthei.n und So 1 o we j t sc h i k. Schekalim, allgemeine Korrespondenz, mit den Föderationen, den separaten Verbänden und den Aktions-Komitees, ferner die Vorbereitung von Ver- Sammlungen ustv.: Licht heim. Diaspora-Arbeit in Osteuropa: Motzkin und Solowejtschik. Propagandatätigkeit: Motzkin. Administration des Zentralbüros, Einwanderungs- und Transporttragen: L i c h t h e i nt. Die Exekutive in Palästina ln einer am 20. Oktober abgchallencn Sitzung des Waad Halcumi in Jerusalem machten Ru ppi n und Eder im Anschluß an ihre Berichte dis foigende offizielle Mitteilung: Die zionistische Exekutive in Palästina wird aus acht Mitglieder« bestehen, und zwar sechs durch den Kongreß gewählten und zwei Vertreter des J isch u w , welche vom Waad Leu tu i gewählt werden. Es wird eine genaue Arbeitsteilung vorgenommen werden, in der Weise, daß an der Spitze eines jeden Arbeitsdepartetnents ein Mitglied der Exekutive mit voller Verantwortung stehen wird. Ueberdies wird die Exekutive auch aus solchen Mitgliedern bestehen, die keinem besonderen Departement angeboren, sondem «an der allgemeinen Arbeit der Exekutive teilnehmen werden. Hinsichtlich der Leiter der einzclnen Departements wurde noch kein Beschluß gefaßt. Die S'fzung des Akiions«Comics London, 17. Nov. (Bulletin der Zionistischen Exekutive.) Das ״Jüdische Korrcspoadenzhurcau“ hat die Nachricht veröffentlicht, daß mehrere Mitglieder dos Actions-Comites, und zwar Oberrabbiner Dr. Chajes, Abgeordneter Stricker, Twersky, Kaplan und Rubaschow auf einem Meeting Protest ge^en die Entscheidung der Exekutive, wonach die nächste, iaii Dezember fällige Actfons-Corniiü-Sitziing verschoben werden soll, erhoben ltnhen, Die Exekutive stellt fest, daß sie keinen derartigen Beschluß gefaßt hat, da'ier auch kein Grund für einen Protest gegeben ist. lüe Exekutive hat lediglich unter Anführung des Umstandes, daß die Herren Dr. Weizmann, Sokoknv •and Jalmtimky bis Ende Dezember in Amerika verweilen werden, in einem Rundschreiben die «Mitglieder des Actions-Comitü* befragt, wie *ie sieh zu elfter Verschiebung stellen. Die Entscheidung wurde Ihnen Überlasse», Da» PräsiilHwn des Acilaiw-Comitd* hat dai Recht, jederzeit eine Sitzung einzuberufen. Oberrabhltter Dr, Chaje» ist Präsident, ing, Stricker einer der Vizepräsidenten. Die Extkutive hat kein Interesse an der Verschiebung. Sie hat sich aber zur Mitteilung verpflichtet gefühlt, daß die obenerwähnten Mitglieder der Exekutive an einer Sitzung im Dezember aient teilnehmcn konnten. (Dazu erführt die ,,Wn. M.'ztg.“ von de» Wiener A.-C.-Mitgliedern, daß die Mitteilungen der Londoner Exekutive den Tatsachen entsprechen. Die genannten fünf Mitglieder des Actions-Comites haben nirgends ״Protest“ eingelegt, sondern lediglich die Anfrage der Exekutive dahin beantwortet, daß kic die festgesetzte Abhaitx«$r der Sitzung für notwendig erachten.) A. D Gordon erkrankt Wie wir erfahre», ist der bekannte palästincnswel» Arbeitcrpliilosoph A. D. Gordon, dessen ״Briefe at« Palästina•‘ auch in deutscher Sprache erschiene» sind, ernstlich erkrankt und mußte nach Wien gebracht werden, wo er sich einer Operation unterziehen wird, Wir wünschen dem verehrmtgswürdigen Manne gutes Oelingen der Operation und baldige Genesung, damit er in voller Kraft und Rüstigkeit zur Stätte seines Wirken« zurückkehren kann.

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