Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 92 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 92 JUDDI9CHB RUNDSCHAU;62 ן|16! sische 1 Der haben *ihren t der 1 die farentinein *vor« laben f sieh r die . Da• rbeiteines k>ku• aus• Jben, alem Willialais ln• de En• des iifslene telefür leie cht• Reihre be- •ekt an ■ten fen 3er lar- •pel 'fi׳e ina cht itcl en. für ich em rn, ich er- £״ ter Jtlit tfcsttu •t> te as n- II » ein 1s fe *r I I pt » Si $ 9 |t ft t« a r; 1 1 I 1 1 1 b Wirtschaftspolitik und Binjan Haarcz Von Rudolf Samuel, Göttingcn, Wem» eine Gruppe innerhalb des Parteibildung fortsch»eilet, bat d1c.)t)ffic!* ü;',‘ qJ Recht, zu verlangen, da 1i die neue Parte! auf aßen hieten des Lebens ihr Programm entwickelt. Sie dar» sich nicht auf irgehdvveldie einzelne oder untergeordnete Frieren beschränken, sondern sie muß zeigen, wie sie vi f ^iruml ihre» besonderen. Einstellung das ztoni- *rische Ziel erreichen, den Aufbau des neuen Gemeinwesens re ״ein will. Zum ersten Male übergibt 111 einer kleinen Broschüre1) Binjan Haarez der zionistischen OeÜeiidiclikeit üedankciigiinge, die sich auf das Gebiet des Wirtschaftlichen erstrecken. Das ist der Grui ׳ warutii diese kleine Schrift einer kurzen Uiitcr. such 11 nr׳, im besonderen auf ihren prinzipiellen Inuit hin, unterzogen werden soll. Da der Verfasser erklärt, daß ״allein beachtlich die Ucbcrlcgungcn seien, mit denen palasliuensisdie Arbeiter ihre Gegnerschaft beo-rüntk'n'S s0־ mag vx3n einem ihnen verwandten btanupunkt aus hier einiges erwidert werden. Geben wir zunächst in wenigen Sätzen den Inhalt der Schrift wieder. Herr Dr. Simoaison echt von der Araberfrage aus von dem bekannten Dilemma, das durch die Unterbietung des jüdischen Arbeiters durch den arabischen entsteht, das zu dem mehr als zehnjährigen Kampf ״um die Eroberung der jüdischen Arbeit‘״ geführt hat und heute wie früher auf eine־ Lösung wartet. Die Lösung, die der jüdische• Arbeiter gefunden hat, die Genossenschaft, wird von Herrn Dr. Simonson abgelchnt, und zwar snit der Begründung, daß das Genossenschaftswesen ein mißglückender, zum Untergang verurteilter Versuch sei. Um diesen Mißerfolg zu zeigen, bespricht er zunächst nur die Versuche, iudit* striche Genossenschaften zu errichten. Bei dieser Treu- 111mg der städtischen und dörflichen Kooperativen bedient er sich Oppenheimers Terminologie, indem er die ersten disharmonische, die /.weiten harmonische Genossenn!׳nn /I11* I nt!»rpc<f*n <h*r ■irhi<,rh<‘f1 1'h׳»i’11'n nonnt. Genossenschaften untereinander seien entgegengesetzt gerichtet, sie müßten untereinander einen Konkurrenzkampf führen, weil auf dem industriellen Markte die Preis• bildung im wesentlichen durch das Angebot des Er• zeugers statt findet. Obwohl man eigentlich als liar• nionischc Genossenschaften nur die Konsumgenossenschäften bezeichnen kann, weil bei ihnen tatsächlich 111 allen Punkten das gleiche Interesse obwaltet, wird dieser Begriff nun auch auf die landwirtschaftlichen Genossenschäften ausgedehnt, weil bei ihnen die Preisbildung im wesentlichen durch die Nachfrage der Verbraucher stattfindet, alsa keine Unterbietung des Produzenten, keine Konkurrenz cintritt. So kommt er zu dem Schluß, daß die industriellen Genossenschaften nur zwei Möglich, keiten der Entwicklung zeigen: entweder ein Genossen- «chaftssvstem in ganz kleinem Maßstahe und im dauernden Kampf mit den privaten Firmen, oder aber, um die disharmonierenden Kooperativen zu einer einheitlichen Front zu vereinigen, eine Vertrustung des Genossenscliaftswescas in der •;leic'ieu Alt und Weise, wie cs sich bei den Privatfirmen allmählich anbahnt. Diese Vertrustung aber bedeute eine Ausbeutungsform und müsse daher als ein Scheitern des Versuchs angesehen werden. Während also auf dem Gebiete der Landwirtschaft die Genossenschaft als zum mindesten eine Form des Aufbaus und der Begründung jüdischer Arbeit anerkannt wird, wird sic auf dem der Industrie und des Gewerbes abgelchnt, 90 daß die private Initiative des einzelnen kapitalistischen Unternehmens allein übrig bleibt. Zur Lösung der sozialen Frage wird an ihrer Stelle ein Kartell der Arbeitnehmer im Sinne etwa der englischen Alliancies als Universalmittel empfohlen, wobei die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit durch ') Sanitätsrat Dr. Emil Simonson: ״Privatinitiative und Araberfrage in Palästina.“ Verlag Binjan Haarcz, Berlin. .»■׳!■.׳יי ״Zwischen zwei Welten“ ist ein neues Lied in der Symphonie der ewigen und einfachen Motive, eine neue Variation der durch die Widersprüche des Daseins geschaffenen Konflikte. Im Kampfe um das elementare Recht seines Herzens, um das ״Ewig-Menschliche“ Übertritt Chonon die Grenze, die göttliche, und betritt den Weg des Bösen. Und der Macht des bösen Trotzes stellt die Kraft seiner Heiligkeit der Zaddik entgegen, in dessen Adern heilig Blut seit Generationen fließt. Der Sitro Achro*)-Chon<on (Der Dybuk) kämpft mit dem ״Boten des Allmächtigen“, mit Rabbi Asrieike. Wer wird siegen? Der Sieg gehört nicht dem Verleidiger der herrschenden Mehrheit, obwohl er heilig ist. Der Sieg gehört ihrem einsamen Opfer, obwohl es sündig ist Und liier, in diesem Siege, den An-sky dem ״W a s“ über das ״Wie“ verleiht, liegt das Revolutionäre dieses Dichters. Aber es führt zum Motive der humanistischen Moral: da siegt das Recht des liebenden Herzens. Weder die äußerliche Macht der ״Scheinwelt“ noch die Welt des ״Brinitzcr Besitzers“, sondern cs liegt die endgültige (ierechtigkeit der Welt der Wahrheit, das natürliche und primitive Recht des ״armen Yorik“, der vergessene und 1/״arme Jeschiboth-Schüler, jünger der Kabbala“. ״Vom tiefsten Abgrund bis zum höchsten Gipfel“ erhebt sich die getretene Gerechtigkeit, und es siegt das allmcnschlichc, elementare Recht. Dies ist eia Renaissancemotiv. *"י Werke An-skvs ist die Kühnheit seiner Muse neu. Er faßt dieses Motiv humanistischen Gedankens in den Tiefen des ״Aberglaubens“, in dem Altertum der jüdisehen Gasse, deren leidenschaftlicher Forscher er war defen zar*cr> ed!er Sänger er geworden ist. Mit der Tiefe eines feinfühligen Seelenkennere hat der Dichter . *> nennt die Kabbala den Teufel. Wörtlich: ״< andere Seite“ (des Herrn). Seife 653 Hinweise auf die Produktion ■von Qualitätserzeugnissen, durch die Ausbeutung der (nun srihon bald sagenhaften) Mineralien des Toten Meeres und ähnliche Ratschläge umgangen wird. Außerdem tröstet Dr. Simonson sich und uns mit dem zu erwartenden außerordentlich großen Handelsverkehr, beruhend auf der günstigen geographisehen Lage und dem durch landschaftliche Schönheiten und historische Erinnerungen hervorgerufenen Fremdenverkehr. « Die Schrift Dr. Simons« ns leidet von vornherein an dem prinzipiellen und grundlegenden Fehler, daß er den Gegner nicht keimt, gegen den er kämpft. Es ist immer cm Fehler, sich den Gegner so zurechtzumachen, wie man ihn gern haben möchte. Es ist immer falsch, mit den Schwächen anstatt mit der Stärke des Gegners ist der Orundpleiler der zionistischen Arbeit in Deutschland! zu rechnen, und kein Feind ist so unverständig, wie wir cs gerne möchten, Sanitätsrat Simonsons Schrift mutet an wie eine antisozialistiselic Broschüre vor etwa 10--15 Jahren. Die Arbeiterschaft ist aber nicht stehen geblieben, ihr Streben hat sich entwickelt, der Sozäahsmus hat heute ein anderes Gesicht. Es ist eine zu junge und zu lebenssturke Bewegung, als daß er schon jetzt absterben könnte. Er beginnt immer mehr die Gefahr zu erkennen, die iltn bedroht hatte, als er in talmudistischer Marxphilologie zu erstarren schien. Ehe Herr Dr, Simonson zum Angriff überging, hätte er sich informieren müssen, was seine Gegner eigentlich wollen. Wir wollen versuchen, ihre Gedanken andeutungsweise zu skizzieren. Drei Dinge sind es, die u, E. für den Sozialismus und gegen den Kapitalismus, gegen die Privatinitiative sprechen. Erstens ist der Kapitalismus nicht in der Lage, die Produktivkräfte der Nation zur vollen Entfaltung zu bringen. Die Gründe dafür sind mannigfaltiger Art, In erster Linie geschieht die Erzeugung, wenn sie durch kapitalistische Unternehmungen ausgeübt wird, nicht in der Ordnung und Reihenfolge, wie es vom nationalen Standpunkt aus gefordert werden müßte. Betrachten wir das Volk als eine Gesamtheit, die in Gemeinsamkeit in Palästina leben will, so müssen wir fordern, daß auch durch die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Produktivkräfte zuerst die Erzeugnisse produziert werden müssen, die jedem Glied der Nation das notwendige Existcnzmininuun sichern. Wenn aber das Wirtschaftssystem auf der Grundlage der kapitalistischen Privatinitiative errichtet ist, 90 ist für den Unternehmer nicht die Bedarfsdeckung der Gesamtheit, sondern der Profit seiner Firma richtunggebend, d. h. es muß naturgemäß ein beträchtlicher Teil der Produktivkräfte durch die Konkurrenz von der Produktion von Nutzgegenständen zur Produktion von Gegenständen, die erst in zweiter, dritter und vierter Linie notwendig wären, abgcleukt werden. Ein anderer Grund, der die volle Entfaltung der Produktivkräfte unmöglich macht, ist der Umstand, daß im kapitalistischen System zu viele produktivfähige Kräfte an unproduktiven Stellen des Wirtschaftskürpers eingesetzt werden. Wir können an dieser Stelle nicht auf den ganzen Komplex dieser Fragen cingchen. Man vergleiche z. B. das soeben in zweiter Auflage erschienene Werk von R. Wilbrandt: Sozialismus, Zweitens erheben wir den Vorwurf, daß das kapitalistische System in Palästina den Aufbau neuen 1 ״« ׳ra’iyiL’f■»■m*. 11■ ■*uig!!!; jüdischen Volkslebens verhindert. Es ruft eine Klassen-! sclieidung hervor, da aus den oben genannten Grundah I das Existenzminimurn der arbeitenden Bcvo,kernn׳;sschichten weit unter dem erreichbaren Durchschnitt liegt, während bestimmte Schichten, die als Geldgeber einen Reclitstitel auf bestimmte Produktionsmittel erlangt haben, nicht nur für sich, sondern auch für ihre Nach« kommen und für alle Zeiten einen weit überdurensehnittlichcn Konsum zu verzehren in der Lage sind. Die Anfänge, und mehr als das, sind seit einer Reihe von Jahren in Palästina schon deutlich bemerkbar, uni es ist vom Standpunkt des wirklichen Nationalismus aus! ein unhaltbarer Zustand, daß ein Teil der Volks« gegossen, wie z. B, die Chaluzim bei den Kwisclmn, barfuß laufen müssen, während andererseits der Ober« rabInner Kuk sich in einem Aufruf gegen das Ucker, handnehmen des Luxus in gewissen Schichten wendet. Das ist der Weg, der in gerader Linie zu europäischen Zustunden führt, die die große Masse des Volkes 111 uasagbaren Bedingungen festhatten und es ihnen unmöglich machen, an den Kulturschöpfungen des Volkes Anteil zu nehmen, von eigener Kulturprodukbon ganz^ zu schweigen. Was cs aber bedeutet, wenn die Sphäre des kulturellen Lebens nur einer bestimmten, nicht allzu grollen Schicht der Nation Vorbehalten bleibt, das hat die Erstarrung und Mechanisierung des geistigen Leben* in den letzten fünfzig Jahren der westeuropäischen Geschichte wirklich zur Genüge gezeigt. Dort, wo die! anonymen Massen nicht in der Lage sind, das kulturelle Leben zu befruchten, muß unweigerlich Erstarrung uml darum der nationale Tod eintreten. Zu alldem kommt noch, was wir nur erwähnen und nicht ausführen wollen-, daß das kapitalistische System grundsätzlich auf Voreinzelung aufgebaut ist, auf den Kampf des einzelnen gegej! alle anderen, 1j.nd daß diese Atomisierung neue nationale Gemeinschaftsbildurig unmöglich macht. Und drittens behaupten wir, daß die kapital!« stische Wirtschaftsweise nicht für eine nationale Koloni« sation brauchbar ist. Wir können uns darüber kurs fassen, da wir bereits einmal ausführlich an dieser Stelle2) auf diese Probleme eingegangen sind, ohne daß allerdings einer der in Betracht kommenden Herren in der Lage gewesen wäre, darauf zu antworten. Eine feste jüdische Volkswirtschaft in Palästina kann nur entstehen, wenn sie auf der Basis dörflicher Siedlungen errichtet wird, d. 11. ,wenn sie vor allen Dingen in der Lage ist, den Bedarf des Jisclmw an den wichtigsten Nahrungsmitteln selbst zu decken. Dieser Gedanke der Selbstversorgung, der im Gegensatz §teht zu dem System des Anbaus von tür den Ex!>ort bestimmten Produkten, scheint sich jetzt immer mehr durchzusetzcn, Nun ist aber die Verzinsung des Kapitals, das zur Gründung dörflicher Sied- Junger» investiert werden muß, im besten Falle eine so geringe, daß es für das private Kapital unmöglich ist, sich an dieser ersten und bei weitem wichtigsten Fordenmg einer nationalen Kolonisation zu beteiligen, sondern diese kann nur durch nationale Gelder ermöglicht werden. Und auch für die Industrie, an deren große Zu* kunft wir übrigens erst dann glauben werden, wem» diese Zukunft Gegenwart geworden ist, sind die Voraussetzunger» erst zu schaden. Ehe nicht ein innerer Markt, bessere Vcrkehrsbedingimgcn, billige Energie- Versorgung und vieles andere vorhanden ist, können auch die in Industrie angelegten Kapitalien die für das Privatkapital notwendigen Zinsen nicht tragen. Audi hier muß eine Regelung durch die Gesamtheit dem industriellen Aufschwung zumindesten vorausgehen. Die Organe des jüdischen Volkes müssen in Palästina das tun, was in arideren Ländern die staatliche Fürsorge erreicht hat. Man hat in einem anderen Zusammenhänge an dieser Stelle von Merkantilismus gesprochen, aber man hat dabei vergessen, daß dieser Merkantilismus eine notwendige Entwicklungsstufe für alle die Völker gewesen ist, die erst spät zur Entwicklung einer Industrie ge׳, langten und die ohne den Merkantilismus, solange ihre *) Jüdische Rundschau 1920, Nr. 89. CgLSÜJL 1JL JLHBBBSffBl1 W*1 ■ 1!!JJl'.J 1 ■י■■■»!. n den Zustand der Jungfrau gezeigt, in welche ״ein Dybuk gefahren ist“ ln der Reihe der Personen sind alle Hauptlukten verschieden. Durchaus in Tönen revolutionärer Predigt ist Chonon besungen. Seine Monologe, seine Erlebnisse sind durchaus Erforschen und Ableugnen von dem, was i s t. Auf Grund ewiger Wahrheiten sucht er neue Werte und neue Wege zu Recht und Glück. Im Körper des Jeschiwa-Schülers, der von einem Sabbath zum anderen fastete, schlägt das Herz Romeos, windet sich der Geist von Kail Moor. Es ist die Flamme des feurigen Pathos von ersticktem Menschenrecht und beleidigtem Herzensgefühl unter den Gewölben des uralten Beth-Medrasch Aus anderen Fäden ist der Zaddik gesponnen. Da finden wir alle Töne der Geister, die ״zwischen zwei Weiten“ gespalten sind. Der ״Chassidische Rabbi“ ist ein Erbe der Schmerzen, die den Prometheus krönten und den ״Prinz von Dänemark“ zum Helden aller Zeiten machten. Der greise Rabbi Asrieike ist ein neues Mitglied dieses Märtyrerkreises für menschliches Licht, Glück, Ruhe. Er ist ״alt und schwach, sein Körper benötigt der Ruhe, seine Seele durstet nach Abgeschiedenheit, und zu ihm kommen die Qualen und das Weh der Welt“. Er will segnen und muß fluchen. Er will ruhen und muß kämpfen. Und wenn Chonon Predigt, Pathos, Pro• test ist, wenn Rabbi Asrieike eine tragische Entzweiung gepeinigten Geistes, ein Herz, zwischen Widersprüchen gespalten und geplagt ist, so ist Lea ein durchaus psychologisches Motiv, Und wie sich in Chonon An-sky der Revolutionär konzentriert, wie Rabbi Asrieike vom heißen Atem An-skys des Dramatikers behaucht ist, so ist Lea vom Seeleaforscher, vom raffinierten Psycho״ logen geschaffen, dessen durchbohrende Intuition die Grenzen des rationellen Scelcnzustandes überstieg, dessen Eingebung diejenigen Stege beleuchtete, wohin vorher bloß die Kühnheit des abergläubischen Vorurteils hereingedrungen ist Ganz abgesondert steht die vierte Gestalt: der ״Meschulcach“*). Da ist das Mystische. Da ist in einer Rolle die Stimmung konzentriert, die das Werk durchpulst und den Dichter selbst umfängt, wenn er die fatale Konsequenz erschaut, welche in der Alltäglichkeit seines, der fremden Welt unsichtbaren Heimes, steckt und die Erlebnisse und Vorfälle seines spezifischen Kreises durch ewige Fäden mit den Motiven der Allmenschlichkeit verbindet. Und merkwürdig ist, daß alle Personen keine Gespenster der dichterischen Phantastik sind, sondern aus dem Leben herausgegriffene Gestalten. An-sky gehört nur das protestierende Pathos von Chonons Weltbeurteilung. Weiter ist alles an der Grenze der ethnographischen Alltäglichkeit. Der heilige Reb Asrieike mit seinen Fabeln und Predigten: die kranke Waise mit dem Dybuk in ihrem Leibe, der Chassid Sender, welcher in dem Abgrund seiner Rechnungen versunken ist und um Münzen seine letzte Abrechnung verliert, die zarte Wärterin Fradc mit ihren Liedern vom Paradies, der ״Meschuleach“ mit seinem ständig wachenden Gewissen, der Beth-Medrasch mit seinen ״Schatten in den Winkeln“, die Hochzeit mit allen Einzelheiten, das Totengericht und der Bannfluch_ alle, alle Bilder und Personen vom ersten Verse ״Warum, warum“ bis zum letzten Satze ״Gelobt sei der gerechte Dichter“, alles ist aus dem realen Leben. Es ist mystisch, tragisch, aber dieses ״beide Welten“ umfangende, tragische Mysterium ist in allem und der Reihe nadi real Und in diesem Werke soll man bei seiner ganzen für fremde Augen außergewöhnlichen Natur keine symboiisehen Schatten suchen, sondern die weise Wahrheit Goethes erkennen: *). Laut Bekundungen mancher Freunde des Dichter 7ך 'y.,r persönlich haben es von ihm nicht gehört - ist diese Rolle auf die Empfehlung von K. I. Stanis lawsky hereingebracht, welchem der Dichter das Werl un ersten, russischen, Original vorgelesen hatte.