Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1921)
- Date
- 1921-11-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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*""ייו. iclfe 64S JUEDISCHC RUNDSCHAU Nr. Bl Jcwisti Agency und Agudas Jisrocl Der geschäftsführende Ausschuß des Zentralrates der Agudas Jisrocl in Wien ersucht die ״J. P, Z.“ um Veröffentlichung folgender Zuschrift: ״Die irn Frühjahr von der Wiener Konferenz der Agudas Jisroel beschlossene politische Aktion, die auf eine Umbildung der Jcvvish Agency nach Art. 4 des Palästinamandates im Sinne gleichberechtigter Heranziehung der Ort hodoxic gerichtet war, hat einen unmittelbaren Erfolg nicht erzielt. Die seit Juni dieses Jahres mit dein Colonial Office in London geführten niündliehen und schriftlichen Verhandlungen ergaben zwar, daß die englische Regierung den gerechten Forderungen der Orthodoxie nicht ohne Verständnis gegenübersteht, indessen erklärte sich Churchill schließlich durch Schreiben vom 21. Oktober außerstande, unter den gegenwärtigen Umständen (in present circumstances) die der Zion ist isoliert Organisation durch den Mandatentwurf bereits cingcräumten Rechte daneben noch auf eine andere Körperschaft auszudehnen. Die Agudas Jisroel wird sich durch diese vorläufige Ablehnung ihres in erster Linie gestellten Antrages weder in ihrer praktischen Erez-Jisroel- Arbeit beirren, noch von der energischen Fortsetzung ihres Kampfes um die politische Geltung der Orthodoxie in und für Erez Jisroel abhalten lassen. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß eine lediglich durch die zionistische Partei dargestellte Jewisli Agency keinerlei Recht zur Vertretung der jüdischen Volksgesamtheit besitzt, wird die Agudas Jisroel vielmehr vor allen maßgebenden Instanzen weiterhin gegen die Monopolisierung der politischen Einflußnahme bezüglich Erez Jisroel durch eine einzelne, der Tliora neutral gegenüberstehende Partei Verwahrung einlegen und die unveräußerlichen Rechte des Volkes der Bibel gegenüber jeder einseitigen Parteihcrrschaft nachdrücklich' vertreten. Sie ist sicher, dabei auf die kraftvolle Unterstützung der tlioratreucn jüdischen Massen auf dem Erdenrunde zählen zu dürfen.“ Die Ablehnung, die der Agudas Jisroel von der englischen Regierung zuteil geworden ist, ist begründet und war vorauszusehen. Die Aktion der Aguda, die plötzlich nach der Balfour-Deklaration und den zionistisehen Erfolgen ihr palästinensisches Herz entdeckt hat, war eine recht unerfreuliche Illoyalität, die unter Hintansetzung der auf dem Spiele stehenden jüdischen Volksintercsscn den innerjüdischen Parteistreit in die politische Ocffentlichkcit zerrte. Die Agudas Jisroel hat nichts, aber auch gar nichts zur Erlangung der im Mandate den Juden eingeräumten Rechte getan, sie hat die zionistische Bemühung gehindert, wo sie konnte; trotzdem sollen natürlich auch ihr wie allen Juden die Vorteile des Mandates zugute kommen, sic wird die Früchte der zionistischen Arbeit rnitgenießen. Auch die unmittelbare Mitarbeit mft der Zionistischen Organisation steht ihr wie allen jüdischen Verbänden offen, wenn sic ehrliche Aufbauarbeit leisten will. Die Zionistische Organisation ist sich darüber klar, daß das ganze Volk Palästina aufbauen muß, und gerade in der ihr von der Geschichte zugewiesenen Rolle a!3 politische Sachwalterin fühlt sie besonders stark die Verantwortung, Aber es sciiclnt, daß es der Aguda weniger auf Leistung als auf Prestige ankommt, darum beansprucht sie jetzt, nachdem sie an der Arbeit nie tcilgenommcn hat, eine tnr nicht zustchende Anerkennung als Jewish Agency, wofür sie nicht die geringste Legitimation hat. In ihrem Trennungsfanatismus verschmähte sie cs nicht, die mühsam errungene jüdische Position bei der englischen Regicrung zu untergraben. Glücklicherweise hat die engliselie Regierung, die wohl über die wahre Sachlage im Bilde ist, der Aguda die ihr zukoinmende ablehnende Antwort gegeben. Das jüdische Volk aber wird ein solches Intrigenspiel nicht verstehen und gerade auch die rcli• giösen Massen, denen Ercz-Israel wirklich teuer ist, werden den «inseitig parteipolitischen, die nationalen Oesamtinteressen schädigenden Sdiritt verurteilen, Andrzej Niemojewslti gestorben Am 3. d. M. starb infolge eines Herzschlages der bekannte polnische Publizist Andrzej Niemojewski im 57. Lebensjahre. Er war einer der bekanntesten antisemitischen Hetzer, dessen Zeitschrift ״Mysl Niepodlegla“ fast in jeder Nummer böswillige Hetzartikcl gegen die Juden enthielt. Schriftstellerisch und politisch hat Niemojewski mehrfach die Farbe gewechselt, insbesondere war seine politische Tätigkeit vor dem Kriege und während desselben etwas trübe. Nach dem Kriege verschrieb er sich völlig den Natlonaldcmokraten. Interessant ist, daß Niemojewski ein guter Orientalist war, sich viel mit historischen Forschungen auf dem Gebiete der alten jüdischen Oeschichte befaßte und in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts mit jüdischer Unterstützung eine Reise nach i1׳ü• \.8* u,n*crn,a*1m• gak dann mit Hilfe eines .clne״aus2®׳S(i*cäncte polnische Ucber- ÄtÄ״ K.rle«c8uvo1‘ Josephus Flavins heraus, die nach dem griechischen Original abgefaßt ist Kriegszustand in Jerusalem (JPZ.) Laut aus Jerusalem eingetroffenen Privatm cid un gen wurde dort infolge der letzten Vorfälle der Kriegszustand erklärt. Starke militärische Abteilungen patrouillieren in den Straßen. I!1 Jaffa ist ein englisches Kriegsschiff cingctroffen. Die Regierung, die vor den bevorstehenden Unruhen gewarnt worden war, hatte energische Abwehr maßregeln getroffen und auch in den Kolonien einen Sicherheitsdienst organisiert. Trotzdem ist bis jetzt nicht klar, ob nicht dennoch der Regierung irgendwelche Vernachlässigungen vorgeworfen werden können. In jüdischen Kreisen Jerusalems herrscht vor allem Erbitterung gegen den Jerusalemer Militärgouverneur, der seit jeher den Juden sich nicht besonders geneigt erwiesen hat und dessen sofortige vorläufige Dispensierung vom Amte allgemein gefordert wird. Die Regierung hat sofort Spczialgerichtc zur Aburteilung der verhafteten Schuldigen eingesetzt. Die Namen der Verhafteten sind vorläufig noch nicht bekannt. Freitag Mittag fand die Beerdigung der jüdischen Toten statt, die ohne irgendwelche Zwischenfälle vor sich ging. Laut einem weiteren Bericht herrscht im Lände überall Ruhe. Die Liste der Opfer weist 6 Tote, 5 Juden und einen Araber auf. 32 Juden und 6 Araber sind verwundet, darunter mehrere schwer. 40 Verhaftungen wurden vorgenommen und begannen die Gerichtsverhandlungen gegen diese bereits am 3. November. Die Juden verlangen Absetzung von Slorrs Der Waad Leumi, der Waad hair (Stadtrat) von Jerusalem, der Rabbinerrat, die Organisation der sepliardischen Juden und die Zionist Commission haben dem Oberkommissar eine gemeins a m c Petition überreicht, worin sie eine spezielle Untersuchung der Unruhen und die Enthebung des Gouverneurs von Jerusalem fordern. Die Bestattung der Jerusalemer Opfer London, 6. Nov. (J.C. B.) Wie aus Jerusalem gemeldet wird, fand dort am Freitag die Beerdigung der dem arabischen Ueberfall zum Opfer gefallenen Juden statt. Das Begräbnis konnte in aller Rulve, ohne weitere Zwischenfälle, geschehen. Die neue Session des Waad Leumi Jerusalem, 8.November. (J.C.B.) Gestern wurde hier die achte Session des Waad Leumi, der gewählten Vertretung der jüdischen Bevölkerung Palästinas eröffnet. Wie verlautet, wird der Waad Leumi eine Reihe von Resolutionen über die jüngsten Unruhen in Palästina annehmen und in diesem Zusammenhang die Stellung der palästinensischen Judenheit zur Administration Palästinas präzisieren״ Die Einwanderung nach Palästina Jerusalem, 6. Nov, (J. C. B.) Während des Monates September sind über die Häfen Haifa und Jaffa 1400 Einwanderer nach Palästina gelangt, dazu kommt eine kleine Anzahl von Emigranten, welche den Landweg von Aegypten mit der Eisenbahn benützt haben. Der größte Teil der in der letzten Zeit Eingewanderten sind Familienväter mit Pro• f e ss io n, Unter den Einwanderern befindet stell auch eine Gruppe von 150 Familien mit Vermögen, welche bereits auf kooperativer Basis im Auslande gearbeitet haben und sielt im Lande gemeinsam niederlasscu werden. Die Einwanderung von Arbeitern wird von der Reglerung außerordentlich erschwert. Nach den letzten Verordnungen muß nicht nur der Arbeitgeber den Einwandcrungslustigcn «inladen, sondern cs müssen zwei Zeugen und eine finanzielle Institution Arbeitsmöglichkcit bestätigen. Dieses Zertifikat muß von der Stadlbehördc und dem District Governor bestätigt, dann dem Einwanderungsdepartement vorgelegt werden. Besuch des Zivilkomtnlssars in Kfar-Saba und En-Chai Der Zivilkommissär von Palästina, Sir Windham De cd es, besuchte die beiden Kolonien Kfar-Saba und En-Chai (in der Nähe von Petach-Tiksvah), welche während der Maiunruhen zerstört worden sind. Er sah die Verwüstungen, die sogar vor dem Friedhof nicht Halt machten, der die vielen während des Krieges verstorbenen Angehörigen aller Konfessionen birgt Als Vertreter der jetzt in Pctach-Tlkwah lebenden Einwohner begrüßte Herr Dr. Sk iw In den Gast, erzählte die Geschichte der Ansiedlungen, die Leiden, denen die Einwohncr während des Krieges ausgesetzt waren und beklagte sich darüber, daß die Engländer nach ihrem Einzug wohl den umliegenden Dörfern, aber nicht den jüdischen Kolonien geholfen haben. Trotzdem wurden mit Hilfe der Ica, der Zionist Commission und der A. P. C. die Ruinen wieder hergcstcll; doch sind die Siedlungen im Mai neuerlich durch die Araber zerstört worden. Herr Skiwin verlangte von der Regierung eine Entschädigung und die Ermöglichung eines Wiederaufbaues. ln seiner Antwort betonte Heedes, daß er vor seinem Besuche keine Vorstellung von der Größe dts Unglücks gehabt habe und daß er jetzt alles ihm Möjliehe zugunsten der Ansiedlung tun werde. In Begleitung Sir Dcedes befand sich Major Campbell, der Gouverneur von Jaffa, der den Kolonisten empfahl, auch unter den schwersten Bedingungen in ihre Dörfer zuruckzukehrea oder, falls sie dies derzeit nicht tun können, Qhaluz i in zum Wiederaufbau zu verwenden. Im Zusammenhang mit dem Besuch wurden in den umgebenden Dörfern Durchsuchungen veranstaltet und hierbei in drei Dörfern geraubte Gegenstände aufg e! und e n. General Hadad Pascha über den Zionismus Jerusalem, 6. Nov. (J.C.B.) Der Vertreter König Husseins und Faisuls, General Hadad Pascha, äußerte sich einem Vertreter einer hiesigen arabischen Zeitung gegenüber, daß es von den Arabern unklug sei, von der englischen Regierung die Abschaffung der Balfour-Deklaration zu fordern. Großbritannien kann unmöglich sein Wort brechen, es darf sich aber kein Araber finden, der England zur Nichteinhaltung gegebener Versprechungen veranlassen soll. Ich bin sicher, daß England seine Pflicht beiden Parteien gegenüber bei Wahrung der Rechte beider erfüllen wird. Die Araber gegen David Yellin Die arabische Zeitung ״Bet el Mukades“ berichtet, die Regierung habe die Veröffentlichung einer Deklaration verboten, welche der moslemitisch-christliche Verein in Jerusalem als Antwort auf die Erklärung Y eil ins auf dem Kongreß an Herbert Samuel ge• richtet hat. Gleichzeitig verbot die Regierung den Abdruck dieser Deklaration und teilte den Zeitungen mit, daß sie das Original der Rede eingeholt habe und das Resultat ihrer Erhebungen mitteilen werde. (J.CB.) Häaserbau in Jaffa Entsprechend den in Prag■ gefaßten Rcsolutionen, betreffend den Bau von 200 Häusern für die Obdachlosen in Jaffa, wurden von London 24000 Pfund an die A. P. C. nach Jaffa überwiesen. Infolge eines von Jabotinsky abgesandten Telegramms, wonach die Anleihe nur für solche Grundstücke zu erfolgen hätte, welche hypothekarisch belastet werden können, beschloß die A. P. C,, für Häuserbauten auf Nationalfondsboden keinen Kredit zu gewähren. Ein späteres Telegramm aus London hob diese Be- Stimmung auf, doch hatte die Bank unterdessen bereits über das Geld verfügt. Es schweben derzeit Verhandlungen wegen neuerlicher Regulierung der Anleihe. Unterdessen sind in Jafia neuerlich 45 Dunam für Häuserbau gekauft worden und der Kauf weiterer 200 Dunam steht bevor. (Die zionistische Leitung und die Direktion der A. P. C. wird gut tun, sich zu dieser unverständliches Meldung ehestens zu äußern. — A. d. R.) Arabisch-jüdisches Komitee für den Jaffaer Orangenhande! Die arabischen und jüdischen Orangenpflanzer in Jaffa haben ein Ucbereinkonimen getroffen, dessen Hauptpunkte folgende sind: 1. Der Exporthandel ist von einem gemeinschaftlichen (arabischen und jüdischen) Komitee zu leien, und kein Orangenpflanzer darf seine Erzeugnisse anders als unter den Voraussetzungen dieses Komitees an einen fremden Markt senden. Dieses Komitee wird die Aufsicht über das Quantum führen, das für den Export verfügbar ist, die Grundpreise mit den Schiffsagenturen festsetzen und für die Erschließung neuer auswärtigen Märkte sorgen. 2. Die jüdischen Pflanzer sollen 40 und die nichtjüdischcn 60 0/0 der für den Export verfügbaren Gesamtmenge liefern. 3. Da* vereinigte Komitee soll aus acht Milgliedern, vier Juden und vier Nichtjudcn, bestehen. 4. Der Vorsitzende soll unter den Nichtjuden erwählt werden, aber er darf nicht mehr als eine Stimme haben. Wenn eine ent• scheidende Stimme fehlt, so soll sie dem Distrikt»- gouverncur übertragen werden. Palästinensische Schiffahrt Vor einigen Wochen lag das Schiff ״Adith“ itn Hafen von Haifa vor Anker. Dies Schiff ist von der Firma Cohen Bros in England gekauft worden, um die Handelsmöglichkeiten zwischen den Häfen Paläsinas und Syriens zu probieren. Sollte sieh der Versuch al» günstig erweisen, so sind die Besitzer geneigt, weitere Schiffe zu erwerben. Die Soskinschen Experimente in Palästina Auf der Grundlage des Programms von Soskin führt eine Gruppe in Saronja bei Sidiron Jakob eine Sied• lung auf, welche den Gemüsebau betreiben solL Der Jahresabschluß endigt mi einem 1 eichen Defizit, so daß der Versuch im allgemeinen als gelungen bezeichnet werden kann. Im nächsten Jahre werden 90 Dunam für Gemüsebau bestimmt werden, außerdem wird Vieh-, Geflügel- und Bienenzucht hiiuugefügt (J.C.B.)