Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1921)
- Date
- 1921-11-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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■9 er 1' U V \ R«!.Vtio• «nd V.rt.ir W 55, SJ«*.U*. Su.6..8. E״d,.i»» H« Diennt•; «■ו״ Frril»!. Bwufipr«* bei <W F.*ped1U״״ und den Po»t«utern vierteljährlich IN,4» -־־• Deutschland. Av* 1ad*nht>no©״ ro»ucav«TB v1«r%«1j»u>»Maa * ,— *־* —״ •־-״־ .: . t״,4 .,״.* «tot« weriSeo in der Wihnio* der •>n»cloap LaoJrr W<a»p»L Nummer 91 Berlin, 15 XI. »921 Anxelgen-Vcrwnltung: ' ׳ , JüdischeRundschauC.m.l>,H..Berlin W15, Sächsische $tr.8 TaUpbon; Amt Uiiiuod 845 und 846. Aa1«lff«nprel• für di« •i«Het>2««p«Henc Nonp*r*ÜU««ii• t, — M, FamilicQuntei^eQ 5 M. pro Zeilt Atuaigfioichiu&l Dien••(•! und ir«1Ug atebaritUff 4 Ufer. TrJepbooJ UHiaod 845 u.846, PotUdierikootoi Bertio Nr. ׳, .3^5 לג f\xt Oe»terr«ich. Poat*p1fk«ti*n«mt Wien, Konto Kr. 156 Ö^Q. ן ׳,'Pur *JVhrcho•lovrakei; Pott• p«»k»a*enttnt Pr■!׳, Konto Nr. L56 05Q, — RecUktionMchluß SonnUg׳ und Mittwoch uacfamitttj. — יד מרהשון׳ חרפ״נ 1 XXVI. Jahrg. Oor ZionUmu* erstrebt tOr das Jüdische Volk die Schaffung olnor öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. x» ©*IJ Die Jerusalemer Unruhen im Unterhaus Sir W. J oy n so ״ - H i cks fragte den Premierminister, ob seine Aufmerksamkeit auf die kürzliehen arabisch-jüdischen Unruhen in Jerusalem! ״denkt worden sei, ob er davon Kenntnis habe, daß das Unterhaus genaue Berichte über die vorhergehenden Unruhen erhalten habe und über die sehr ernste Lage in Palästina unterrichtet sei, die sich aus der Auslegung der Balfour-Deklaration durch das Kolonialministeriuni ergeben hat; und ob er sowohl dem Mandat wie auch der militärrsdicn Lage einen Tag zur Besprechung im Hause einräumen wolle. C11 a m b e r 1 a i n (Vorsitzender) antwortete ־. Meine Aufmerksamkeit ist auf die kür/lichen Unruhen in Jerusalem gerichtet. Ich freue mich sagen zu können, daß infolge der schnellen und wirksamen Tätigkeit der Lokalbchorden die Unruhen nur geringen Umfang anneluuen konnten. Leider kann ich den zweiten Teil der Anfrage nicht verstehen. Es ist richtig, daß aus Gründen, welche dem Hause bei früheren Gelegenheiten erklärt wurden, der Bericht der Kommission, die zur Erforschung der Unruhen in Jerusalem Ostern 1920 ernannt war, niemals veröffentlicht worden sind, aber genaue Dokumente, welche sich mit den Unruhen in den ersten Maitagen 1921 befassen, sind dem Hause innerhalb der letzten Tage vorgelegt worden. Es tut mir leid, daß ich keine Möglichkeit sehe, einen Tag für diese Diskussion einzuräumen. Das Rutenbergsche Projekt Itn Unterhaus fragte Sir W. Joynson-Hic k s <i;n Staatssekretär für die Kolonien, ob die palustinensische Regierung mit Herrn Rutenberg, einem russischen Juden, einen Kontrakt abgeschlossen habe für die Errichtung einer großen Anlage zwecks elektrischer Kraftgewinnung, ob Kostenvoranschläge auch von andern Finnen eingeholt worden seien, und ob beabsichtigt sei, im Zusammenhang mit diesem Unternehmen nur jüdischc Arbeiter cinz.ustellen, unter gänzlicher Aus- Schließung palästinensischer Arbeitskräfte. Mr. Wood: Herr Rutenberg hat sich mit Zu- Stimmung und unter Mitwirkung der Zionistischen Organisation an die palästinensische Regierung gewandt zwecks Erlangung der Konzession für die Nutzbarmachung der Gewässer des Jordans, des Jarniuk und anderer Flüsse in Palästina, zur Gewiumtng von elektrischer Kraft und Verteilung der so ge voiuicncn Kraft über das ganze Land. Das Projekt wurde von der palästinensischen Regierung sowohl wie vom Kolonialamt eingehend geprüft und inan kam zu dem Entschluß, daß die Ausführung desselben Palästina und auch der Bevölkerung des Landes im allgemeinen von Nutzen sein würde. Infolgedessen wurde mit Herrn Rutcnberg ein Abkommen getroffen, wonach sich die palästinensische Regierung verpfiieh■ tet, ihm, vorbehaltlich der Erfüllung gewisser Be• dingungen von seiten Herrn Rutenbcrgs, die Kon - Zession zu erteilen. Anderweitige Bcwer hungen um eine derartige Konzession sind nicht eingegangen, und unter Berücksichtigung der Lage der Dinge dürfte es wahrscheinlich sein, daß sich' keine andere Partei oder Organisation berufen fühlte, darum einzukotnmen und auch vielleicht nicht in der Lage gewesen wäre, das Projekt in befriedigender Weise durchzufüliren. Was den dritten Teil der Frage anbelangt, so beabsichtigt Herr Rutenberg keinesfalls, pa■ lästincnsisdie Arbeiter von dem Unternehmen aus• zuschlicßen; er dürfte, im Gegenteil, eine große Anzahl Palästinenser beschäftigen. Sir H. Brittain: Ist die Andeutung, daß ein Jude nicht das gleiche Anrecht zu einer Kon Zession in Palästina hat, als irgendein anderer, nicht etwas unfair? Im ״Daily Ghroniclc“ vom 8. November erschien folgender Leitartikel: Das Jordantalprojekt, bezüglich dessen gestern im Parlament eine Frage gestellt wurde, ist in zweifacher Hinsicht interessant. Erstens wurde der Kontrakt für diese Arbeiten durch die Zionistische Organisation vergehen, die bereits viel Geld filr die Erforschung dieses > und ähnlicher technischer Probleme angewandt hat. Herr j Rutenberg, dessen Projekt von der palästinensischen Rej gicrung genehmigt worden ist, ist ein jüdischer Ingenieur, j und solche Arbeiten, wie die, welche man nunmehr im Jordanta! 7.11 unternehmen gedenkt, liefern einen guten J Beweis dafür, welch großen Dienst der Zionismus dein j Lande als Ganzem, einschließlich der Araber, zu leisten , imstande ist. Die Vergebung dieses Kontraktes durch j die Zionistische Organisation deutet darauf hin, daß das j Mandat, obgleich es noch nicht ratifiziert ist, bereits! in Kraft getreten ist. Der zweite interessante Punkt ist I der, daß diese neuen Arbeiten nicht der Irrigation, sonj dern der Kraftgewinmtng dienen sollen. Palästina hat keine Kohle, und soweit voraus/uschen ist, hängt seine künftige industrielle Entwicklung von seiner Wasserkraft ab. Die Meinungen über die künftige materielle Entwicklang Palästinas sind sehr verschieden. Viele setzten ihre Hoffnung auf die geographische Lage Palästinas als Bindeglied zwischen Ost und West und glauben, daß das Land, wenn es eine wirtschaftliche Festigkeit erlangt hat, für die Vermittlung des Handels zwischen dem Mittelmcer und Mesopotamien eine große Rolle spielen wird. Die Vertreter dieser Ansicht meinen, daß schließlich Haifa dazu bestimmt sein wird, den Endpimkt für den überlündischcn Handelsverkehr zu bilden, der über die Wüste hinweg vermittels des Yamniktalsl sich den Eingang nach Palästina bahnt und dann über den Jordan zur See gelangt Andere wieder sind geneigt, der Landwirtschaft den Vorrang einzuräumen, und führen 11. a. den Grund an, daß kein anderer Beruf so• geeignet sei, den Menschen ein gemeinschaftlich uatioiiales (iepräge zu gehen oder sie in gleichem Maße mit Liebe zu ihrem Lande zu erfüllen. Es gibt aber auch eine Richtung der Spekulation, und dieser schwebt eine industrielle Zukunft für das Land vor Augen. Elektrische Kraft kann nunmehr über weite Entfernungen geleitet werden; überdies wäre eine Entwicklung der palästinensisebvii Textilindustrie möglich, und die salzhaltige (iegend des Roten Meeres dürfte die Unterlagen einer chemischen Industrie bieten. AU diese Projekte jedoch setzen das Vorhandensein billiger Kraftquellen voraus; das gleiche, wenn auch vielleicht in etwas geringerem Maße, gilt für die Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft und des Handels, denn diese sind zum großen Teil auf Verkehrsmittel angewiesen, und diese wiederum auf eine billige Betriebskraft. Der Jerusalemer Bodenverkauf London, 8. Nov. (J. C. R.) Auf eine Anfrage Lord S y d c n h a m s im englischen Oberhausc, wann der Bericht über die J a f f a c r Ausschrci« t tt n g e n dem Parlamente vorgelegt werden wird, ob der 15 o d e n v e r k a 11 f durch d a s griechischo r 111 o d o x c Patriarchat in Jerusalem vom High Comniissioner angeordnet würde und ferner ob der Verkauf derart durchgeführt würde, daß die Liegenschaften von der Zionistischen Organisation ohne alle Kon״ karren/, eiworben werden konnte, antwortete im Namen der Regierung der Herzog von Sutherland, daß der Bericht über die Jaffaer Pogrome dem Parlamente in kurzem vorgelegt werden wird. Betrefffs des zweiten und dritten Teiles der Anfrage wies der Herzog von Sutherland in einer ausführlichen Erwiderung auf die inneren und finanziellen Schwierigkeiten des Patriarchats hin, die mit dem Bankerott gleichbedeutend waren. Dieser konnte nur durch einen Verkauf eines Teiles der großen Ländereien des Patriarchates abgewendet werden. Aehnliches geschah bereits im Jahre 19D4, was einen Beweis dafür bietet, daß der gegenwärtige Verkauf nicht vereinzeit in der Geschichte des Patriarchates dastehe. Eine vom High Comniissioner eingesetzte Kommission zur Sanierung der Verhältnisse des Patriarchates habe den zu verkaufenden Roden sorgfältig ausgcwnhlt, wobei darauf geachtet wurde, daß nur solcher Baden verkauft werde, der keine historische Bedeutung besitze. Die Verkaufsmodaiitäten und Bedingungen seien höchstwahrscheinlidi vom Finanzkontroll-Koinitcc aufgestellt worden, und zwar in der Absicht, den möglichst höchsten Preis zu erzielen. Die britische Polizei in Palästina H. Morrison fragte den Staatssekretär im Koloninlministerium, ob, in Anbetracht der jetzigen unbefriedigenden Lage in Palästina, die Regierung die Frage einer Mäßigung des jetzigen Verwaltungssystems in Betracht ziehen wolle, uni sich die Sympathie der Mehrheit der Bewohner zu beschaffen und infolgedessen die großen Kosten des jetzigen Verwaltungssystemsä zu vermindern, die jetzt der englische Steuerzahler tragen muß? Mr. Wood antwortete, daß er seinen sehr genauen Erklärungen, die er dem Hause im Laufe des Jahres machte, nichts hinzuzufügen hat. Bericht der Untersuchungskommissfon für die Mai-Ausschreitungen in Jaffa London, 9. Nov. (J. C. B.) Soeben wurde hier der Bericht der zur Untersuchung der Mai- Ausschreitungen in Jaffa eingesetzten Kommission veröffentlicht. Der Bericht ist von Sir Thomas H. Haycroft, dem Oberrichter Palästinas, H. L. Luks, dem Gehilfen des Gouverneurs von Jerusaletn, und J. N. Stubs vom Justizdepartement unterzeichnet. Sämtliche waren Mitglieder der Untersuchungskommission. In einem an das ,Ministcrium für Kolonien gerichteten Begleitschreiben zum Bericht erklärt Sir Herbert Samuel, daß Maßnahmen zur Verbesserung der palästinensischen Polizei bereits ergriffen wurden. Betreffs der itn׳ Bericht erwähnten Klage, daß die Araber keine der Zionist Commission ähnliche Körperschaft haben, die einen Einfluß zu ihren Gunsten ausübei* könnte, erklärt Sir Samuel, daß ein aus den führenden christlichen und mohammedanischen Notabcln bestehendes Bcratungskamitec gebildet wurde, das stets in enger Verbindung mit dem High Comniissioner bleiben wird. Mr. Churchill erklärte, er betrachte den Bericht als sehr geschickt verfaßt, klar und logisch. Der ticricht beweise klar die Notwendigkeit einer Revision mancher Vorschriften für eine polizeiliche und Militäraktion im Falle ähnlicher Geschehnisse in Zukunft int Hinblick auf die während der Mat-Ausbrüche gemachten Erfahrungen. (Wir werden auf diesen Bericht noch ausführlich zurückkommeri. Red. d. ״J. R.“) Abreise der zionistischen Delegation nach Amerika London, 7, Nov. (J.C. B.) Wie bereits gemeldet, hat sielt uie Zionistische Derogation oercits nach Amerika cingeschifft. So ko low׳ wird unmittelbar nach seiner Landung in New York sich in politischen Angelegenheiten nach Washington begeben. Wie w׳ir erfahren, werden Ende November auch Dr. Wei/.mann und Mr. C 0 w e n der Delegation nach Amerika folgen. Dr. Wcizmanns Aufenthalt in Amerika w׳ird vornehmlich der Wahrnehmung zionistischer Interessen bei der Abrüstungskonferenz in Washington gelten, während Josef Cowen die Eröffnung von Filialen der Jüdischen Kolonialbank und der Angio-Palestinc-Company in den Vereinigten Staaten organisieren wird. Der Finanz- und Wirtschaftsrat Das Bulletin der Zionistischen Organisation in London teilt mit: Der Finanz- und Wirtschaftsrat hat am 30. Oktober und an den folgenden Tagen Sitzungen abgehalten, an welchen die Herren Feiwel, Haipern, Kaplanski und Naiditsch teiinahmen. Es wurde die Organisation der Tätigkeit des Rates besprochen und die Arbeit in Ressorts unter die Mitglieder aufgeteilt. Naiditsch wurde zum Vorsitzenden gewählt. Es wurde beschlossen, die erste Plenarsitzung des Rates (dem bekanntlich noch eine Reihe von nicht in London wohnenden Mitgliedern angehören, darunter Dr. Arnold Barth-Berlin und S. Schocken-Zxvickau -- A. d. R. d. ״J. R.״) im Monat Dezember 1921 abzuhalten. Unter den Beratungsgcgenständeu befand sich die Frage der Hypothekenbank in Palästina und die Frage der Darlehen an Chaluziin. Der Wärtschaftsrat hat eine Reihe von Richtlinien festgesetzt, die er der Exekutive und dem Direktorium des Keren Hajessod zur Annahme empfehlen wird. Eine Reihe von dringendsten Fällen wurde übereinstimmend erledigt Die Namen der Toten Jerusalem, 11. November. (J.C.B.) D Namen der vier Juden, die bei den Unruhen a 2. November den Tod fanden, sind: David Cohet Arje Peterfraind, Isachar Bor, Isak Mesne Zweiundzwanzig Personen wurden durch Bomb verwundet, die auf die Jeschiwa ״Torath Chajirr geworfen wurden.