Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 86 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 614 Nr. 86 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Die Elektrifizierung Jerusalem, 17. Oktober. (J. C. B.) Wie bereits gemeldet, wurde /.wischen der Kolonie Rischon-Ie-Zion mul einer Prager (.iesellschaft ein Vertrau über die lieliefenmg der Kolonie mit Wasser und e 10k trisch er’Kraft abgeschlossen. JVlan verspricht sich von der Durchführung dieses Vertrags äußerst günstige Erfoljrc für das wirtschaftliche l-dien der Kolonie. Das Voriundensein von ausreichenden Wnssermengen wird nicht nur die allgemeinen Erträge steigern, sonder« wird es auch den Kolonisten ermöglichen, den Viehst-xnd bcdeutend zu vergrößern. Der Handel mit Deutschland London. 12. Oktober. (J. C. B.) Der ״Sunday Pictorial“ beklagt sich, daß die Zionisten große Mengen von Waren aus H a in b u r g und anderen Ländern, hingegen sehr weniff aus England nach Palästina, einführen. ״Der britische Steuerzahler — schreibt das Blatt zahlt wohl 5 Millionen jährlich fiir eine Garnison?tun Schutze der Zionisten, die das damit beantworten, daß sie ihren Handel nach Deutsch- 1 a n d leite n.״ Geschenke für die Jüdische Nationalbibliothek Das British Museum in London hat der Jüdischen Nationalbiblfothok den sechsbändigen Nachkatalog, welcher die Neuerwerbungen der Bibliothek des Museums vom Jahre 1SS1 bis 1015, nach Fächern geordnet, enthält, zum Geschenk gemacht. Ein schönes Geschenk erhielt die Bibliothek von seiten der Zei're-Zion: den Faszikel ״Zionismus“ ans dem russischen Ministcrium des Aeu Ilern aus den Jahren 1906 und 1907. Der Faszikel enthält unter anderem auch die wiederholten Eingaben David Wolffsohns an Stolypin über den Zionismus mit den Randbcmcrkungen des Ministeriums des Aeußem. Die Zionistische Organisation von Amerika übersandte der Bibliothek neuerlich 30 Kisten mit moderner englischer wissenschafüicher Literatur. Palästinensische Araber gegen die arabische Delegation Jerusalem. Die arabische Zeitung ,,Palestiive‘• berichtet tilier di;־ Gründung mohammedanischer Gesellschäften in Nazareth und anderen Plätzen in Galiläa zu dem Zwecke, gegen die arabische Delegation, die sich jetzt in London befindet, zu opponieren. Weiter heißt es, daß diese Gesellschaften einen formellen Protest gegen die Delegation an den Oberkommissar gesandt haben. Kleine Nachrichten (J. P. Z.) Auf Einladung des High Commissioner erschien M a i c ro w i t z aus Rischor! le Zion am 7. Okt. zu einer halbstündigen Audienz bei Santuel, in der widvtige, die Lage der Kolonien betreffende Fragen besprechen wurden. Laut ״Doar Hajom“ hat die ״Alliance Israclitc“ beschlossen, ihre seit dem Krieg geschlossene Schule in lat'fa wieder zu eröffnen. Zum Leiter der Schule wurde S as 50 0 11, früher Leiter einer Alliance-Schule in Aegypteil, ernannt, der bereits in Jaffa eingetroffen ist lind Vorbereitungen zur Eröffnung der Schule trifft. Die Jaffacr arabisdie Zeitung ״El Ach bar“ drückt ihre große Bewunderung aus über die rege Bautätigkeit in der Nähe Tcl-Awiws. Sie sdireibt hängig von dieser besonderen Gestaltung — der hört wohl ein Stammeln, das aus der Fidle des Empfindens kommt; der sicht wohl, wie jemand bewegt wird — aber ohne da׳ß es ihn seihst bewegt. Was־ wirksam ist an diesem Stück, kommt nicht vom Dichter, sondern von der unvergleichlichen Aktualität seines Themas. (Und ’•'un den unvergeßlichen Bühnenbildern. Aller für die zeichnet der Regisseur verantwortlich, der sogar gegen die Anweisungen des Autors verfahren ist.) Aber da ist .1־m Schluß eine Szene, die rächt »in׳• mittelbar das Problem des Stückes fortführt und von der ich nicht weiß, ob sie an sich so stark ist oder ob sic es für mich war, weil mir hier viel bereits Gedachtes und Empfundenes in eine knappe und höchst eindrucksvolle Form gebracht zu sein schien. Der bereits zum Tode verurteilten Frau naht der Vertreter der Staatsreligion. Ihm ist strafbar und sündhafte Auflehnung weniger, was sie tat, als was sie glaubt: ihr Glaube nämlich an die Güte der mensdiliehen Natur, an ihre BesserungsiäMgfceit, ja Besserung»־ notwemligkeit. Der Mensch ist böse von Anbeginn. Und für die Gerechtigkeit ist kein Platz auf Erden; hier für sie wirken, heißt Gott ins Handwerk pfuschen. Seinen Einwänden aber setzt sie immer wietlcr wie I lanimerschiag entgegen das eine Wort: ״Ich glaube“ - das einzig entgegengesetzt werden kann. Und icli cmpfand wieder, was ich vor Landauers ״Aufruf“ empfand. Der weiß, daß der Sozialismus durchaus nicht kommen muß, ja daß er vielleicht niclit kommen wird. Der betrugt sich nicht mit der bequemen Illusion von der jcschiehtscntwicklmig, die notwendig zum ersehnten Ziel “ mu1;״?icscr Idealist siebt viel klarer und viel trostloser als der scheinbar wissenschaftliche Marxist LT Sku 1 ף lCt״?n E״dc8 311 Entwänden * *lübst /-׳‘״togen das eine Wort: ich glaube — das einzig en Rege .,gesetzt werden kann. -4־?.rÄ 6 jcr־״״ - •״“"״ u. Wer sich dieser Tage nach Tel-Awiw begibt, muß'in Verwunderung geraten über die zahlreichen, ver* schiedcne» Ikutlen, die bis zum Mcercslmfcn ostwärts »amt nordwärts reichen. Am Meeresufer wird ein gewaltiger Bau errichtet, <ler ein großes Theater, Kino, Restaurant, Cafelums, Badeliaus tisw. umfassen wird. Wenn man seinen Blick weiter wendet, sicht man große Bauten mit hohen Stockwerken, lw>hc Schlösser lind weite Fabriken lauen und breite Slralkm anlegcn, und wenn man die geschmachvolle Technik :und die :dien Grundsätzen der Aestlietik entsprechende Architektonik betrachtet, wird man bezaubert und denkt an den fortwährenden Wettkampt zwischen Bautätigkeit und Kolonisation, der sich dort abspielt. Dies alles weist auf die große Energie und Bereitschaft und die vervollkommnet«! Methoden der Ansführenden hin. Am 2. Oktober sind aus Konstantinope! 90 Immigrauten nach Jaffa gekommen. — Am 28. Sept. brachte die ״Hedwig“ 130 Immigranten aus der Ukraine und Serbien nach Haifa, dar.mter zahlreiche Familien. POK! Sonntag, den 30. Oktober 1921, vorm. 111/j Uhr im Obsrliohtsaal tl. Phllharmonlo, Bernhurgcr Str. 22/23 : ” I —-D Z : Redner: Dr. J. Brutzkus, Ch. Gr£lnborg, : Dr. M. Hindos, Dr.V. Jacobsohn, : E. Tscherlkower, M. Kloinmann? und andoro י Eintritt Mk. 3.—, im Vorverkauf crhRltlich in den ־ Buchhandlungen Kver, KnoKcbsckstrasse 64/55,; I׳'ordintttul 0 8t, e r t a g , Augsburger Strasse 2Ö; und im Büro der B. 74, V״ Seydolstr. 3 u. an der Kasse. Am 9. Okt. fand in Jaffa eine Versammlung der jüdischen Schriftsteller statt, um den zukünftigen Arbeit*- plan der Sehriftstellcrorganisatioii zu beraten. Dr. Zifroni sclilug vor, sofort an die Herausgabe einer palästinensischen Enzyjjopädie in 10 Bätulen zu schreiten, m der alles, was Palästina betrifft, behandelt werden soll. Fi chm au» sprach über die Notwendigkeit einer Jugendliteratur und schlug die Organisierung einer literarisehen Woche in Palästina vor, deren Ergebnis für obigen Zweck verwendet werden soll. Auf der von 30 Mitgliedern besuchte» Versammlung wurden gemäß den erwähnte» Vorschlägen verpflichtende Beschlüsse gefaßt. Prof. Gerstang ha* mit dem 10. Okt. in der British-Archäologische« Schule seine Vorlesungen wieder aufgenommen. Erhöhung der Postgebühren. Um das im Budget der Postverwaltung von Palästina entstandene Dcü/.it zu decken, hat die palästinensische Postvcrwaltung die Bewilligung der Itostzc«träte von London zur Erhöhung der itostgebühren atvgesucht und erhalten. Dementisprechend sind die A11 slandsgebühren um durchschnittlich 30 0/q erhöht worden. Das deutsche Konsulat in Jerusalem. Der deutsche Vizekonsu! Dr. Ko pp ist in Jerusalem eingetroffen und hat seine Arbeiten zunächst provisorisch im Gebäude der spanischen Gesandtschaft aufgenommen, tums charakterisiert, den Tatsachen entspricht. Aber wen» er recht hat, dann steht in jener Gcfängnisszene das jüdische Weltgefühl gegen das christliche. Ja, es ist, als ob die beiden Spredier vorher das Buch, gelesen und einen wesentlichen Teil seines Inhalts hätten auf die kürzeste Formel bringen wollen. Der Verneiner des Diesseits, der diese Welt heidnische» Mächen überläßt, steht gegen jenes unendlich anders geartete Empfinden, das von einem tiefen und frommen Glauben an dieses Dasein und seine menschliche Form beseelt ist. Und man füllt: die Reihe der radikalen F.i'ihrcr, die man wie Hunde erschlug und hinter Gitter sperrte, ist letzten Endes weniger einer rohen Soldateska zum Opfer ■gefallen als einer Moral, der als Sünde und Auflehnung gegen heilige Ordnung erscheint, was der Geopferten frommste Regung und damit unabwendbare Notwendigkeit war. Und wenn Toller selbst honte hinter Mauern sitzt, dann nur äußerlich deshalb, weil auch er eine Zeitlang der Gew׳alt verfiel, in Wahrheit aber, weil er glaubte ändern zu müssen. Gustav Krojanker. Literarische Mitteilungen Mit Beginn des neuen Jahres erscheint in J e r u - salem eine neue Zeitschrift, die Humor und Satire gewidmet ist, unter dem Namen ״Dachlil“ (״Die Vogelscheuche“]. Am 4. Thischri sind es vierzig Jahre geworden, seitdem dieser ben Jchuda nach Jerusalem kam lJi!d 1,‘° erste hebräisch sprechende Familie gründete. Dieses Jubiläum ist von der Jerusalemer Presse und von dem ״Midrasch Halaschon“ gefeiert und gewürdigt wPTdcn. Das nächste lieft der Veröffentlichungen des ״Midrasch Halaschon“ soll ben Jchuda gewidmet sein. LA. Lubetzki. Aus Wien erhalten wir die Nachrieht, daß der hebräische Kritiker und Romanschriftsteiler 1. A. Lubetzki im Alter von 47 Jahren gestorben ist. Er war dem hebräischen Lesepublikum als ständiger Mitarbeiter von ״Haschiioach“ und anderer führender Zeitschriften bekannt. An meine Opponenten auf dem Kongreß Eine ungehaltene Rode von Dr. S, E. S o * k i ״ Umstände haben es mit sich gebracht, daß id! mellt dazu kam, de» Gegnern des von mir befürworteten Systems der Kolonisation ausführlicher auf ihre Ein. wände zu erwidern. Man kann freilich der Ansicht vm, daß die ganze Debatte über Kolonisationsinethoden nicht vor den Kongreß gehöre, ich stimme dieser Ansicht bei Der Kongreß ist nicht dazu berufen und nicht danach, zusammengesetzt, utn über die Richtigkeit dieses oder jenes System oder Vorschlages ein Urteil abzugeben. Die ״Fachleute‘, die zu Worte kamen, haben nur das zustandegeb rächt, daß der Eindruck von: meinem Referat über die ״intensive Kolonisation“ abgesdnvädit wjmle. Die Diskussion über dieses Referat gehörte, wenn tiiwrliaupt auf dem Kongreß darüber diskutiert werde» sollte, unbedingt in die Kolonisationskommisßion, die doch letzten Endes die Budgetvorschläge gemacht und) vor dem Koivgrosse vertreten hat. Natürlich könnte man ntodh einen Schritt weiter, gehen und sagen, das ganze Referat hätte nicht auf dem Kongresse gehalten werden sollen. Dies wäre aber falsch! Die Exekutive hat es mit Recht als Bedürfnis empfunden, daß von der Kongreßtribüne aus den Ik׳le. gierten und dem zionistischen Publikum neue Gedanke;! verkündet würden, Gedanken, auf Erfahrung und tks obachtung gestützt, die Aussicht auf eine erfolgreiche baldige Besiedlung unseres Landes eröffnen, Ideen und Auffassungen, die grundverschieden sind׳ van denjenigen, die bislang unsere Palästinaarbeit beherrscht haben. Dieses Bedürfnis nach neuen verheißungsvollen Wegen für die Kolonisation ist die Reaktion auf die bisherige!! kostspieligen und trotzdem erfolglosen Methoden der Arbeit. Hat doch seinerzeit die Exekutive Dr i ranz. Oppenheimer beauftragt, auf dem Kongreß ül!er genossenschaftliehe Kolonisation •ein Referat zu halten, in welchem der Urheber der Idee die Ansichten seines Planes entwickelte, der den meisten noch unbekannt war. So auch jetzt. Die Exekutive hat zunädist in langeren Besprechungen vor dem Kongresse und' wahrend des Kongresses die Ucber/etigung gewonnen, »laß ein Versuch auf Grund meiner Vorschläge gegenwärtig, man darf es wohl sage», das drin ge!ulst e Bedürfnis für unsere ganze Sache ist und hielt es daher für erforderlich, die Delegierten durch ein dahingehendes Referat mit diesen Vorschlägen bekanutzuniachcn. Es ist Sache der Exekutive, wirkliche Sachverständige zu befragen, ob meine Vorschläge Aussichten auf Erfolg eröffne». Dies war auch geschehen und geschieht noch ferner. Fachleute, die Erfahr« »ge n auf dem Gebiete intensiver Kolonisation haben, wenden um ihre Bourteilung meiner Ideen angegangen uml zur Mitarbeit herangezoge». I)a man mm einmal auf dem Kongresse die ausfülirlichen Reden meiner Opponenten angehört hat, 90 halte ich es für erforderlich — nicht für die Opponenten selbst, die sind nidit zu überzeugen, sondern für diejenigetv, die ein positives Interesse an diesen neuen Ideen nehmen ■- auf die wichtigsten Einwendungen einzugehen. Zur Charakteristik meiner Opponenten selbst muß ich sagen, daß mit einer einzigen rühmliche» Ausnahme von Dvck sämtliche sich viel weniger durch Sachlichkeit als durch persönlichen Acrger auszeichneten, dem sie dttrdt recht kräftige Aust'rücke Luft machten. Durdi Schaliapin über ״Habimah“ (Das hebräische Theater in Moskau) Ein Mitarbeiter der Londoner jüdischen Zeitung ״De Zeit“ besuchte den in London weilende» berühmten russischen Sänger Schaliapin, der zugunsten der ״Rusesehen Hungerhilfe“ eine Tournee durch England und Amerika unternommen hat. Nachdem sich die beiden Herren über die Lage des russischer» Theaters unterhalten hatten, kam »las üm.prääi auf das Moskauer hebräische Theater ״Habimah". Schaliapin geriet m Eifer und äußerte sich gegen den Mitarbeiter der ,/.eit", daß er sich auf die Gelegenheit freue, hier etwas für ״Habimah“ 'tun zu können. ״Ich wollte die hiesige jüdische Gesellschaft wissen lassem welchen Schatz sie in Moskau besitzt. Ich finde keine Worte, um meinen ' Eindruck über dieses Theater wiederzugeben. Obwohl icli kein Jiddisch verstehe, bereiteten mir die Auffülmmgcn dieses Theaters, denen ich häufig beiwohnte, großen Genuß. ״Habimah“ ist vieUeieht das schön יי»• Tlieater, das ich Je gesehen habe. Aber Sie können stell keine Vorstellung von den Leiden machen, ■die die jüdischen Schauspieler zu erdulden Jiabcii. Uml Ihre Pflicht ist es, ihnen zu Hilfe zu eilen. Sie leiden materiell und moralisch. Es gab eine Zeit, in der ,Habimnh• in großer Gefahr war. Leute von der Politik wolltet» .־ms gewissen Gründen ihrer Existenz ein Ende bereiten. Da haben wir Künstler, die wir mit Politik nichts zu tun haben, unsere ganze Energie daran gesetzt, ,Habimah' am Leben zu erhalten, ,llabimah‘ ist weder Revolution noch Konterrevolution, sondern reine Kunst, und als solche ist sie vielleicht der einzige lichte Punkt in Moskau. Jetzt funktioniert ,Habimah‘ weiter. Doch wer weiß, ob sie nicht im Kampf ums Dasein unterliegen witxi. Wir können nicht mehr helfen, wir sind selbst amu!ch reise selbst herum, um für Rußland m bitten Id» wende mich deshalb durch Sie an die jüdische Ocffentlicbkeit Sagen Sie der .jüdischen Oeffcntlichkcit in meinem Namen, daß sie .,Habimah' retten »Ute, so lange c9 ■noch Zdt »9t.“