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Jüdische Rundschau · 1921-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1921)
Date
1921-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 596 JU-E01SCHE RUNDSCHAU Nr. 82/83 die uns vergönnt waren, »eben Her/.i zu arbeiten, in seinen Geist ciitzudrin.gcii. Wir sprachen zu den Dipluniateu der Welt im Namen des jüdischen VoUes und der Zionistischen Organisation. Wir sprachen die Sprache des nationale» Zionismus, die Sprache der nationalen Idee. Die Welt war auch vor dem Kriege national eiugerichtet aber sie wollte sieh während des Krieges noch viel nationaler cinrichten. Sie wollte die politische Geograp'hie mit <len Grenzen der nationalen Ethnographie wo- 1״ö׳>Iich in Einklang bringen. Deshalb, als sich die Völker beim Aeropag der Mächte mit ihren Ansprüche» meldeten, sagten wir uns, daß auch für uns die Zeit 1׳cki>1n111n! sei. Wenn wir uns jetzt nicht melden, so werden unsere Ansprüche zier Verjährung verfallen._ Wir erhoben also unsere Ansprüche auf jmsere alte Heimat, Da sagte!!tan uns; A ׳ Hirz. r»g\r־M W Wifc < ״״. Wir sind entschlossen, die nationale Selbständigkeit der Völker, die sie seit einem Jahrhundert eingebüßt haben, wieder herzustellen, aber Eure Sache ist viel zu alt. Euch ist vor 2000־ Jahren Unrecht ge» sehehen. So historisch kann man nicht sein. Darauf erwiderten wir: Wir habe» ein stärkeres Recht als andere Nationen, die seit 100 Jahren unter dem Verlust ihrer Selbständigkeit leiden, denn wir leiden schon seit 2000 Jahren. Darauf sagte man uns, die Politik richtet sieh nach Analogien und Tatsachen, Darauf wiesen wir hin auf die Analogie des griechischen Volkes. Man sagte uns: Die Juden sind ja gar nicht in Palästina. Wir erwiderten: Die Griechen waren ja in Griechenland auch nicht da. Oeffnen Sie das Huch der Geschichte, so werden Sie sehen, daß das Land, das jetzt von Griechen bewohnt ist, von allen möglichen Mischstämmeu bevölkert war, die nach und nach begannen, siel! zu den Griechen zu bekenne». So hängt die Frage des heimatlichen Palästina mit dem jüdischen Volk in der ganze!» Welt zusammen, Einen grollen Teil meiner Zeit mußte ich diesen Verhandlungen widmen. Wir verlangtet» M i n d e r h c i t s r e e h t e für die Juden in allen Ländern, wo sie in grollen Massen leben. Diese, Forderung ist vorläufig auf dem Papier erfüllt worden. Auch den anderen Minderheiten sind Minder-, heitsrechte zugebilligt worden. Aber es existiert sonst keine einzige Minderheit, die nicht irgendwo in der Welt eine Mehrheit ist. Die Garantie der Minderheitsrechte hat mir insofern Wert, als zu gleiciter Zeit dieses Volkseicincnt in irgendeinem Lande in der Welt koiw zentriert ist und eine Mehrheit darstellt. Deshalb be» steht ein tiefer logischer Zti sa in m c n 11 a n g zwischen der Diaspora und Palästina. Das jüdische Volk will nach Zion zurückkehren, das jiieiisclie Volkstum wird sein Zentrum in Palästina haben. Große Teile des Judentums werden als jüdische IVriplierieii in der Welt leben, es mul! für sie gesorgt werden, ihre Würde und ihre nationalen Rechte müssen gesichert werden. Zwischen diesen beiden Postuiateu bestellt kein Widerspruch, ist kein Widerspruch in zier politischen Welt gefunden worden, weil wir im Namen des jüdischen Volkes sprachen, weil wir die Romantik von Palästina für uns hatten, weil wir die Romantik eines alten Volkes für 1ms hatten, das wieder jung zu werden beginnt. Wir sagten offen und ehrlich, was wir für Palästina und was wir für die Diaspora bean- Sprüchen, so daß es als einheitliches System der Vernunft der Staatsmänner erschien. Deshalb haben wir das erreicht, was zu erreichen war. Es ist Tatsache geworden: wir sind in das Stadium eines Volkslebens eingetreten, wir sind schon in der Welt das anerkannte jüdische Volk, für welches ein Heim in Palästina gebaut wird. Wir haben diesen Bau schon begonnen. Ich kann Ihnen nicht allskalkulieren, wie wir es errichten werden, wieviel es kosten wird. Wenn wir Monumente in der Welt selten, uns .an ihnen ergötzen und an ihnen lernen, sie weiter zu schaffen und wenn in diesem Augenblick ein Rechenmeister mich fragt, wieviel es gekostet hat und wo man das Geld hergenommen hat, so könnte ich diese Fragen nicht beantworten. Dafür werden wir Rechenmeister haben, denn ohne Rechenmeister geht es nicht. Wir dürfen uns aber nicht von vornherein nur auf diesen Rechenstaiidpnnkt stellen. Man muH sehr oft die Zahlen vergessen und sich hineinstürzen in eine große Sache. Wir, das jüdische Volk, sind aut Leben und Tod in diese Sache eingetreten. Wir müssen für das jüdische Volk das Natioiialhcini bauen, und da gibt es kein Rechnen mehr. Jeder Jude muH eintreten mit seiner ganzen Person, mit all seiner Kraft, das ist unser Reichtum. Das übrige wird sich von selbst ergeben. Wenn Sie von politischen Erfolgen gesprochen haben, dürfen Sie nicht vergessen, dal! diese Erfolge nur der Anfang sind, der Anfang einer Arbeit, die jetzt mit noch größerer Energie geleistet werden muH. Das Mandat ist noch nicht ratifiziert. Ich gebe zu, daß es mangelhaft ist, aber wir müssen diese Lücken ausfüllcn. Sie wissen selbst, welche Möglichkeiten einer Interpretation gegeben sind, und wir müssen dafür sorgen, zlaß es so interpretiert wird, wie es unserer Sache dienlieh ist. Die freie, nicht Immigration, sondern Repatri- . ierttng, muH vor sich gehen Das muß ruhig und maßvoll gemacht werden. Nicht in aufreizender, provokatorischer Form, sondern ruhig, Schritt für Schritt, so muß Palästina unser werden. Ich glaube daran, ich bin überzeugt davon, daß Palästina in wenigen Jahren unser wird, und ich will hoffen, daß wir alle, die wir liier anwesend sind, es noch erleben werden, daß in Palästma eine auferstandene Welt zu selten ist, Die Pioniere, die wir jetzt dort sehen, das ist die Rückkehr des jiidischen Volkes nach Erez-Israel. So sind die Juden auch aus Babvlon zurückgekehrt, in Gruppen, in Fannlien, deren Namen angegeben werden. Und so werden auch wir zurückkehren. Mit Arbeit werden wir Palästina gewinnen, nicht erobern, sondern ge■ winncn, nicht nur für uns, sondern für die ganze Mensch׳ heit, und wir werden das goldene Jerusalem wieder zur Leuchte der Welt machen. Sokolow schloß mit folgenden Worten: ״Ich _ bitte Sie, tragen Sie, die Zionisten, die Bot■ schaft hinaus in das jüdische Volk. Wir haben im Namen des jüdischer» Volkes und für das jüdische Volk Ä״״?. bewilligt bekommen, es liegt au uns, in Palastma die Heimstätte zu errichten. Was ich unter Euch sehen will, ist Begeisterung, Wir stehen vor Jom Kippur Und da kommt nur m trmnenmg ei»Wort dasl-in Wu i iw’ sSK.״gtt» recht zu Kol Nidre eingerichtet. Aber er ihlute, linli f■‘ 1 * ■־. CI.Abcr d. J. eine envorbergerehene neue Dir';- ’...:crltöhung von S0*/a in Kraft getreten ist and eine־'ac:::>״ erfocrliülmn״ bevorstelit, sind ccch wir, wie alle anderen Verleger genötigt, eise netto Abonnementserhöht! 11 g vorzuttchniea. Für dl« von unseren Ortsgruppen Im Samtnolabonnement bestellten Abonnements tritt die Erhöhung erst am 1. Januar 1922 ln Kraft. Da;׳;c;׳en sind wir gezwungen, von allen neu hinzutretenden Einselabonnenten schon Jetzt einen Abonnementsprels in Höhe von ווי׳וף׳ ־-10 du zu fordern. Ebenso mSssen wir einen Teil der Auslands- Abonnements schon für das 4. Quartal 1921 erhöhen. Es betragen demnach die Abonnementsgebübren für 4. Quartal vierteljährlich: Für Afrika 2 011. ״ Amerika 0,75 cts. ״ Aegypten 2 sh. ״ Belgien 6 Pres. ״ Bulgarien 20 Leva. ״ Dänemark, Schweden u. Norwegen 3 Kr. ״ Deutsch - Oesterreich 300 Kr• ״ England 2 3h. ,, Estland 30 deutsche Mark. ״ Frankreich 6 Freu. ״ Griechenland 6 fraaz. Frca. ״ Holland 2 Gulden. . ״ Italien 8 Lire. ״ Jugoslavien 55 jugoslavische Kronen ״ Lettland 30 deutsche Mark. ״ Litauen 30 deutsche Mark. ״ Palästina 2 sh. ״ Polen 1000 polnische Mark. ״ Rumänien 25 Lei. ״ Schweiz 4 Frca. ״ Spanien 3 Pesetas. ״ Tschechoslowakei 30 Kr. ״ Türkei 4 franz. Frca. ״ Ungarn 180 Kr. Verlag der 1׳Jüdischen Raadschaa. Berlin W 8, Sächsische Straße 8. ־ Jl «W a Die ÄtiDlr ך?* der *UI istlzir.: finge etwas fehlte mul <la sagte er: ,Das Feuer ist nicht da!‘ Und als er das sagte, verbreitete sich eine Wärme in der Schule und durchdrang die Herzet» lind die Oemüter aller Andächtigen. Werde ich ein solcher Wunder• rabbi sein?,..“ Nach der mit einem großer» Beifallssturm aufgenommeneti Rede Sokolows verlangte die Versammlung spontan unter stürmischen Kundgebungen, daß auch der anwesende Jabotinsky spreche, Jabotinsky sprach hierauf einige anfeuernde Worte. Er sagte u. a.: ״Die Begeisterung hat mir Wert, wenn sie imstande ist, sich in menschliche Energie umzusetzen, in eine Energie, die Tag für Tag einen Schritt vorwärts gellt, und wenn dieser Schritt nicht gelingt, ihn am nächsten Morgen von neuem versucht, es muH eine Energie seit», die sich in schöpferische Tat verwandelt. Unsere Parole muß sein: Arbeit in Palästina, Gold im Galutli, Blut, wem» es gilt, letzte Opfer zu bringen. Das ist, glaube ich, der Sinn der heutigen Versammlung und die Anregung, mit der wir heute Berlin verlassen. Berlin war immer das Vorbild der guten Organisation, und die Organisation besteht darin, daß man Tatsachen schafft. Gehen Sie weiter auf diesem Wege, dann wird man das Recht haben zu sagen, daß diese Versammlung ein großer Schritt vorwärts war.“ (Stürmischer Beifail.) Die Versammlung »ahn» zum Schluß die nachstehende Resolution an: Resolution. ״Die_ in Berlin am 9. Oktober 1921 tagende zionistische Fcstversammlung spricht dem Präsidenten der zionistischen Exekutive, Herrn Nahutn Sokolow, den tiefsten Dank aus für seine Arbeit, die zur Anerkennung, des historischen Rechtes des jüdischen Volkes geführt hat. Sie erneuert mit dein Ausdruck des Dankes das Gelöbnis alle Kräfte aiizuspaiuien, um der zionistischen Leit1uvg_deu Aufbau Erez-lsraeis auf der durch die politischen Erfolge geschaffenen Grundlage zu ermöglichen. In der Erkenntnis, daß der Aufbau Palüstinas das zentrale Problem der jüdischen Gegenwart ist, fordert sie jeden Juden auf, sich opferbereit au dieser Aufgabe zu beteiligen.“ * Montag, den 10. d. M., sprach Sokolow in einem Kreise geladener jüdischer Persönlichkeiten. Zu dieser Veranstaltung war die Einladung seitens eines Komitees ergangen, dem 11. a. die Herren Prof. Einstein, Rabb. Dr. Baeck, Generalkonsul Landau, Dr. Alfred Apfel, Prof. Sobernheim sowie mehrere Zionisten angehörten. Die Ausführungen Sokolows, der die Prinzipien zionistischer Politik und die Erfahrungen seiner Arbeit darlegte, fanden bei den zahlreichen Anwesenden aufmerksamstes Interesse. Jerusalem, 28׳. Sept. (J.C.B.) Sir Herbert Samuel ist soeben vor! seiner Reise nach Galiläa hierher zurückgekehrt und empfing in Audienz dL>n 1 Vertreter der Zionist Commission Dr. Th»״ der über die ungemein strenge Interprcticrim״ der Einwand■crungsbesti!Innungen Bc! s c 11 w e r d e führte, welche die angemessen,. Ausnützung der guten Bescliäftigungsaussicliien jn, Laude unmöglich macht. Ür. Thon legte besonder« Nachdruck darauf, da!! Palästina Arbeiter brauche und daß es eine kurzsichtige Politik gerade diese Leute vom Lande fernzuhalten, Welche für seinen Wohlstand überaus wichtig seien. Er behauptete, es gebe jetzt in Palästina genügend Ar. beitsgelegenheitcn. Sir Herbert Samuel nahm die Ausführungen Dr. Thons mit größter Aufmerksamkeit auf und versprach, die Lage genauest zu unter, suchen und demgemäß■ neue Verfügungen zu treffen. Weitere Konferenzen Herbert Samuels mit den Arabern London, 6. Oktober. (J.C.B.) Wie aus Jen!• salem gemeldet wird, hatte der Oberkommissar am 29. September eine neuerliche Besprechung mit den Arabern, um ihre Ansichten über Schulfragen, sowie über die Errichtung von Agrarbanken zu hören. Die Frage der öffentlichen Sicherheit im Süden J er u sa 1 ein , 4. Oktober. (J.C.B.) In Ri schonle-Zion fand eine Konferenz zwisdten dem Direktor des Sicherheitsdepartements, Colonel Bramlev, dem Gouvcrncurstellvertreter von Jaffa, Mr. Campbell, und dem Distriktskommandanten von Jalta, Mr. Winright einerseits und den Vertretern des Verbandes der judiiischen Kolonien amlcrerscits zwecks Besprechung der verschiedenen fragen der öffentlichen Sicherheit und der Verteidigung statt. Colone! Bramlev versprach im Namen der Regierung ,allesmögliche zur Aufrechterhalumg der öffentlichen Ordnung atif/uwenden. Mr, Campbeil drückte den Wunscli aus, alle zwei Wochen gemeinsarnc Zusammenkünfte zwischen Vertretern jüdischer und arabischer Dörfer zu veranstalten, um aut diese Weise die arabisch-jüdische Freundschaft zu fördern. Bau des Hafens in Haifa Jerusalem, 26. Sept. (J.C. B.) Der Bau des Hafens in Haifa soll in kurzer Zeit beginnen. Die Arbeit wird von der Firma S. Pearson & Co. unternommen und bedeutet eine Ausgabe von 10 Mill. Pfd. Sterl., welcher Betrag der palästinensischert Regierung von der Firma vorgestreckt und durch die der Firma zu gebenden Konzessionen gedeckt werden wird. Herbert Samuel ruft jüdische Kapitalien New York, 1. Oktober. (J.C.B.) Mr. Harry FisheJ, Schatzmeister der Hias, wurde vor seiner Rückkehr aus Palästina vom High Commissioncr Sir Herbert Satnuel empfanget». Der Oberkommissär drückte sein Bedauern aus, daß die Juden ermangeln, größere Kapitalien it» Palästina zu investieren. Ja Häuserbau in Palästina f a, 0. Oktober. (J. C. B.) Hier Der Feieriege wegen erscheint die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau״* am 2t. d. Mts., die darauffolgende am 28. d. Mts. fand eine Ver- Sammlung der I läuserbaugesellschaft Ncwch-Schnlotn statt, die jetzt schon ■105 Mitglieder zählt. Die Gesell- Schaft ist in» Begriffe, einen Vertrag über den Ankauf von 220 Dunnm für 26 (),)() C ab/uschltvßen. Hierbei zahlen die Mitglieder 10 060 .C, der Rest wird als Au• leihe aufgenommen. Für den Häuserbai! gibt die AP.C. einen Kredit auf 50 Häuser und Bürgschaft für Kredit auf weitere 150 Häuser, so daß die Gesellschaft an den Bau von 200 Häusern schreiten kann. Die Iknigeseil• schäften Kedem und Haboneh haben den Häuserbau übernommen. Uebersiedlang jüdischer Bauemfamiliea aas Siebenbürgen nachPalästina Klausenburg, 10. Oktober. (J.C.B.) D!e Siebenhürgener ״Achusa“ hat mit dein Jüdischen Nationalionds einen Erbpachtvertrag■ auf einige Tausend Dnnam für 300 jüdische Bauernfarailien abgeschlossen, die mit ihren Viehbeständen und mit vollem Inventar demnächst nach Palästina ubersicdeln, um zum F rübjabrsanbau bereits im Lande zu sein, Jede Familie erhält 15 Dunam Bodens für gemischte Landwirtschaft. Errichtung einer orthodoxen Schule in Jerusalem Jerusalem, 5. Oktober. (J. C. B.) Das orthodoxe Anfsichtskomitce der Zionist Commission hat die Vorarbeiten zur Eröffnung einer großen Taehkernom- Schule in Jerusalem beendet. Zum Leiter wurde der vormalige Direktor der Tachkemoni-Sehuie in Jaffa, Dr. Wagnel, bestellt In orthodoxen Kreisen verspricht man sich durch diese neue religiöse Schule eine Erstarkung des orthodoxen Einflusses auf die Erziehung in Palästina.

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