Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 82-83 (14.10.1921)
- Date
- 1921-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Für OiWrreieb; Poitiparkasianamk “Wien, Konto Nr. 156 ״ Q, Füf T»ch<eth0*low«tVe1: Poatsparkwutenamt Pr»jf, Konto Nr. 156y->0. — KadakUoattchluS *vonot«; und MiUwoda nncbroitU■?. יב, תשח/" תרפ״ב־"xxvi. jahr^T Nummer 82/831 Berlin, 14. X 1921 _ Dar Zionismus erstrebt für das jüdische VoiK dla Schaffung einer Btlonlltch-rochtllch gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.•* Wie luicits Cur/ gemeldet, fand aut Sonntag, den 1). d. M״ im überfüllten Bliitlmersa.il in Berlin ein großes Massenmeeting /ur Begrüßung des Präsidenten der Lxekutive, Herrn Nahum Sokolow, statt, Die Versammlung war ein lebendiger Beweis der Wertschätzung׳■ und Verchrnng für den zionistischen Führer, der nach langjiihriger Abwesenheit wieder zu kurzem Aufenthalt nach Berlin zurückgekehrt ist. Herr Sokolow war Gegenstand lebhafter Ovationen, die ein Ausdruck des IXinkes für die gixiiie Arbeit waren, die Sokolow im Dienste des jüliischen Volkes mit hingebungsvoller Energie geleistet hat. Was dazu zu sagen ist, haben die Redner der Feier gesagt. Wir können uns daher auf die Wiedergälte ihrer Reden beschränken. Die Versammlung wurde eröffnet vom Vorsitzenden der Ü.Z.V., Dr. Egon Rosenberg, de r cs als glückliches Schicksal pries, daß dem jüdischen Volk in der schweren Zeit des Krieges zwei Männer vom palitischen Ingenium und von der Tatkraft Weizmanns und Sokolows geschenkt wurden. Er begrüßt außer Sokolotv noch die Herren Jabotmsky, Dr. Halfern und Dr, Sdtmarjn Levin, die lebhaft akkläiniert wurdet». Als erster Rechter spricht der Vorsitzende der Z, V. f. D.. Felix Rosenblüth, der etwa folgendes aus führt: Als 0er Zionismus zum ersten Male der Welt sein Programm verkündete, da hat man überall in der Welt i.'tid vielleicht nirgends lauter und holutvollcr als in Deutschland die Frage aufgeworfen, wie es möglich sein sollte, die zerstreuten Teile der Diasporajudenheitj wieder zu einer nationalen Einheit als Staatsvolk zucainim-nzosdimieden. Mail berief sielt auf den jüdischen Individualismus, der jeder Einordnung und Führung sjxttet. Man hat dem jüdischen Volk die inneren Fälligkeiten abgesprochen, wieder ein nationales Gemeinwesen mit staatlich-sozialer Gliederung aufzubauen. Man hat hä uns jene sozialen Tugenden verneint, die eben erst aus einer zusammenhanglosen Masse von Menschen ein organisch vcrbtuidenes Volk machen. Wenn an diesem Vorwurf etwas richtig gewesen sein sollte, so können wir sagen, daß auch hier das Wort Theodor Hcrzls zutrifft, daß schon das Wandern auf dem Wege zum Ziele uns zu neuen, zu besseren Menschen gemacht hat. Wir haben alle schon oft erlebt, daß der Zionismus mit jener wunderbaren Kraft der Antizijxition das Wunder einer inneren Wandlung an uns vollzogen hat, daß wir gelernt haben, uns ideell im vorhinein als Bürger unseres werdenden Gemeinwesens zu empfinden, das heißt, als Menschen mit der Verantwortlichkeit und den Pflichten des einzelnen gegenüber der höheren Ordnung der Geineinschaft. Es ist in diesem Jahrzehnt der Arbeit des politischen Zionismus in der Tat 90 etwas wie ein zionistisches Staatsvolk entstanden, ein Vortrupp des werdenden Palästinastaatsvolkes, eine Gemeinschaft mit eigentümlichen Kriterien der Ordnung und Gliederung, die sielt beispielsweise im Zionistenkongreß eine parkmicnta rische Körperschaft mit eigenartiger gesetz* gebe rischer Kraft geschaffen hat. Dieser Prozeß der Staatsvolkswcrdwig aber, meine Damen und Herren^ ist unlösbar verknüpft mit einem Phänomen, das auch erst durch den Zionismus wieder neu im jüdischen Volk ״csdiaffon wurde, mit dem Phänomen des Führcrtums. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob diese Wandlung vielleicht überhaupt erst möglich geworden ist dadurch, daß im Zionismus Führcrpersönlichkcitcn mit natürlicher Uctcrgeordnetheit entstanden sind, oder ob diese Menscheu zu Führ־־:׳:: cmporgewachsen sind aus dein Drange dieses Umwaiidlungspmzesses. Aber wir wissen, daß erst der Zionismus dem jüdischen Volk wieder Führer geschenkt hat, und wir betrachten dieses Fuhrertuin als Symbol der Regcncrationsbcwegung, in der wir stehen. Erst in den Tagen des Zionismus ist es wieder möglich geworden, daß jüdische Männer überall in der Welt von dem gleichen Gruß aus jüdischen Herzen als Führer empfangen wurden, und wir erkennen diese Erscheinung als sichtbaren Beweis dafür, daß wir heute in einer Zeit leben, in der unser Volk neu erwacht ist und seine Kraft neu sammeln will. Der Zionismus hat uns wieder Füll rer trnd Repräsentanten gegeben, auf die das jüdische Volk alles überträgt, was an Hoffnungen und Zukunftswillcn in tr.in lebt. Diese Männer können stark sein, weil sie sich als Träger dieses Volkswillens fühlen. Der Zionismus hat uns wieder zentrale Persönlichkeiten gegeben, ymu das »st der hoffnungsvollste Beweis dafür, daß im jüdischen Volk zentripetale, aufbauende, sammelnde Kräfte leben. Deshalb wollen wir, Wenn wir in diese Begrüßniigsfeier emtreten, uns bewußt sein, daß diese reier keine äußere Demonstration ist, sondern eine Manifestation des Lebenswillens der jüdischen Nation, der ת , •wa^tmtration und nach Vereinheitlichung strebt und für den zentrale Führcrpersönlichkeiten ein Symbol ein Beweis sind. In diesem. Sinne begrüßt die Zionistische Vereinigung für Deutschland am heutigen Tage Herrn Nahum Sokolow, den Präsidenten der Exekutive, als den Repräsentanten unserer Be• weguug, als den Mann, der zusammen mit Weizmann «las Recht des jüdischen Volkes auf Palästina verkündet und verteidigt hat und der im Kampf für unser Ideal unser anerkannter Führer wurde. Wir grüßen in unserer Mitte Herrn Sokolow, und in diesem Gruß erleben wir unsere Uebcreinstimniung mit der Judeiiheit der ganzen Welt, die Einheit der jüdischen Nation, (Lebh. Beifall,) Dr. Schmarja Levin sagt in seiner Rede u. a.: ״Bei einer zionistischen Veraiistaltimg hat ein großer englischer Staatsmann, Sir Robert Cedi, gesagt, daß die einzigen Errungenschaften des Krieges die Balfour-Deklaration und die League of Nations sind. An der Balfour-Deklaration sind wir alle interessiert, der Bund der Nationen könnte uns aber als etwas Fcmlicgens und Fremdes erscheinen. Ich glaube aber, Robert Cccil hat den Zusammenhang /.wischen diesen beiden Dingen tiefer erfaßt. Es ist nicht Uebertreibung noch Ucbcrhcbung, wenn idv die These aufstelle, daß die Verwirklichung des Zionismus vom Siege der zweiten Idee bedingt ist. Denn in ihr liegt die Garantie der Dauerhaftigkeit. Noch vor dem Waffenstillstand hat sich in Amerika ein Maim gefunden, der Vertreter von 120 Millionen Menschen, der diese Idee aufnalim. Es ist keine neue Idee, es ist die alte jüdische Idee der Propheten. Wenn Sie die jüdische Psycftc an den klassischen Denkmälern studieren, so werden Sie finden, daß kein Wort für den Begriff ,Menschheit‘ vorhanden ist, sondern diese Werke sprechen immer von dem Verband aller Nationen. In einem Worte spiegelt sich eine Weltanschauung, und cs ist kein Zufall, daß die hebräische Sprache, die bereits im Altertum ein solch holte Entwicklung erreicht hat, kein besonderes Wort für den Begriff Menschheit geprägt hat. Denn sie haben den Sm:: des historischen Prozesses tief begriffen, und cs ist ihnen klar, daß die N «־. t i o n d a s H ö e h s t e i s t, w a s d i e G e 9 c h t c n t e hervorbringt. Nicht das Verschwinden der Nationen, noch deren Verschmelzung zu einer Einheit hat ihnen vorgeschwebt, sondern das 11 a r mo n i s c h e Leben sämtlicher Nationen und Völkerschäften. Sie waren zu ernst, um sich Illusionen hinzugeben und Phantomen zu dienen, deshalb galt ihre Predigt immer dem Bund der Nationen urvd nicht dem verschwommenen Begriff einer abstrakten Menschheit, Wilson, der diese Idee predigte, hatte kein Glück. Aber vielleicht ist es der Gang der Geschichte, daß die ,erste Auflage‘ einer Idee zerbrochen wird und daß eine zweite Auflage erscheinen muß, um zur Geltung zu kommen. Wir haben dafür ein krasses Beispiel in den zehn Geboten. Die ersten Gesetzestafeln wurden zerbrachen, und erst in der zweiten Auflage feierte die' Idee, die ihnen zugrunde lag, ihre Auferstehung. Es ist unsere Sache, die Idee des Völkerbundes aufmnehmen, sie zu verbreiten, bis sie Wirklichkeit wird. Man kann sich nie auf eine einzelne Nation, verlassen, mag sic auch die beste und edelste sein. Denn auch die besten xmd edelsten werden manchmal in ihren Handhingen von egoistischen Motiven geleitet. Das Gleichgewicht der Welt kann nur durch eine Körperschaft reguliert werden, die .־die Nationen repräsentiert und den Interessen aller Rechnung trägt. Der Zionismus ist mit dieser großen Rico verknüpft, und es ist deshalb unsere Aufgabe, uns ihrer mit aller Energie anzunelimeii. Wir können ihr in manchen. Beziehungen ztun Siege verhelfen, denn wir haben schon manche Idee in der Welt populär gemacht. Es ist kein, Zufall, daß gerade aus Palästina wcltbefruchtemle und weltbeherrschende Ideen ausgingen. Es kann sein, daß unsere Unzufriedenheit, die uns nach Palästina treibt, gerade darin liegt, daß wir nach einem Platz für die Verwirklichung von neuen Ideen trachten. Denn das letzte Wort ist noch nicht gesprachen, m»d lange wird noch der Mensch herumirreri, bis er ans dem Labyrinth seinen Ausweg findet. Der richtige Ort für die Veiwirkliclumg der einstweilen nur geahnten Idee jst weder in Genf noch in Haag zu suchen. Ein jüdischer Denker, der aber nicht nur strenger Logiker, wie mancher cs glaubt, sondern auch ein großer Ahncr unserer Zukunft ist, Achat! Haam, hat von einem .Tempel auf dem Berge Zion g*- träumt, wo die Vertreterschaft aller Nationen dem ewigen Frieden einen Tempel weilten wird. Und ich benutze gerade diese Gelegenheit, von der Idee der Völkerverbrüderung ־zu sprechen, weil sie mit der Persönlichkeit Sokolows verbunden ist, Sokolow hat cs verstanden, den Zionismus in seiner Totalität aufzufassen, und deshalb war er ebenso energisch als Präsident der jüdischen Delegationen wie in seiner rein zionistischen Tätigkeit, wobei er die glänzendste Gelegenheit hatte, mit den Vertretern der verschiedenen Nationen in beständigen Kontakt zu kommen und gar manchen vielleicht unbewußten Einfluß auf die Gestaltung solcher Beziehungen, die die Idee des Völkerbundes um einen Schritt weiterbringen, auszuüben.“ Kurt Blumenfeld begrüßt darauf in kurzen Worten Hern» Sokolow. Er weist darauf hin, daß Herr Sokolow die Fülle des Wissens und die Fähigkeit, den Maßstab der Jahrhunderte auzulcgcn, mit der Kraft verbindet, dem Augen!- blick gerecht zu werden. Die zionistische Bewegung, die im Gegensatz zu dem kurzatmigen Revolutionen anderer Völker eine ״Revolution mit langem Atem״ sei, brauche eine solche Persönlichkeit an führender Stäle. Nicht durch Tagescrfolge sei die zionistische Sache zu fördern, sondern durch unverdrossene, stetige Arbeit. Die Energie, die im Augenblick erfordert wird, dürfe nicht aus einer Desperadostimmung kommen, sie brauche vielmehr die freudige Tat von Menschen, die von der Unzerstörbarkeit der zionistischen Sache üben• zeugt sind. Herr Blumcnfeld sprach in diesem Zusammenhang über die Notwendigkeit, die Erkenntnis des wahren Zustandes der zionistischen Bewegung zur Grundlage unserer Arbeit zu machen. Auf alle diese Reden antwortete sodann Nahum Sokolow: Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, der Zionistenkongreß liegt hinter uns. Wir gehen jetzt mit den Kongreßrcsolutionen in die Weit hinaus, um sie in die Tat umzusetzen. Schon einer der Herren Vorredner, Dr. Levin, bemerkte, daß Personenkultus keine jüdische Sache ist. Er hat Recht. Wenn diese Versammlung1 dazu bestimmt wäre, der Ausdruck eines persönlichen Kultus zu sein, so würde ich mit Dank ablehnen. Doch ich habe den Eindruck, daß keiner unter limeir diese Versaminltm״ als eine persönliche Ehrung für mich hetrachtet, len bin für Sie in diesem Augenblick der Vertreter einer Idee, der Repräsentant einer Organ isation. Sic ehren nicht mich, sondern Sie ehren die Idee, zu deren Wortlührcrn ich zu gehören den Vorzug habe. Ich möchte hier ein gut jüdisches Wort zitieren: Hilf ihm, wenn er unter der Last zusanutienbridit. Ich breche schier zusammen unter der Last der KoittpU* mente, der wohlgemeinten, der weit übertriebenen, die an meine Adresse gerichtet sind. Hellen Sie mir, mich unter dieser Last aufzurichten. Ich werde Ihnen Gleiches ml; Gleichem vergelten. Es wäre weder mir noch meinen Kollege:: möglich gewesen, irgend etwas zu erreichen, wäre nicht unserer Arbeit eine Arbeit vcrausgvga/^ui, die hier, von Euch gemacht worden ist, die von Euch noch immer gemacht wird, von Euch, Zio nisten Berlins, von Euch, Zionisten Deutschlands von Euch, der zionistischen Jugend Deutschlands die wir in allen Ländern als Vorbild zitieren. Wäre diese Arbeit nicht gemacht und entwickelt worden, und würde diese Arbeit nicht jetzt einer größeren Zukunft entgegengehen, so wäre unsere ArbcR nicht möglich. Ich bo ״lückwünsche Sie zu Ihr׳:; Arbeit, zu Ihrer Begeisterung und Opferfreudig;׳ät, von der wir, die Zionisten der Welt, viel Groß־׳־׳, erwarten. Ich bin unter Euch, und es ist mir v.ie ein Traum. Noch vor drei, vier, fünf Jahren Hätte ich es nicht geahnt. Mir beweist dies, daß der Zionismus stärker ist als der Moloch des Weltkrieges, und daß wir jetzt enger vereinigt sind, als uns die äußeren Umstände trennen konnten. Es ist für mich ein Feiertag, daß ich hier unter Euch bin und von Euch empfangen werden kann. Das ist der Sieg der ziomstischen Einheit. Und nun ein Wort zu den Erfolgen. Wenn man Erfolge erzielt - und ich will nicht zu bescheiden sein und in Abrede stellen, daß wir politische Erfolge erzielt haben — so muß man immer darauf ach‘en welchen Methoden diese Erfolge zu verdanken sind Dies ist nicht nur eine historische Betrachtung und soll nicht nur dazu dienen, irgendein Rätsel der Vergangenheit zu lösen, sondern sie soll auch als Anweisung für die weitere Tätigkeit dienen. Ein Wort zu den poiittsclien Erfolgen. Sie bestellen, wie allen Zionisten bekannt ist, in dem, was wir im Laufe der Jahre angestrebt und was wir erreicht haben: Die internationale Anerkennung und die internationalc Bestätigung unseres Ideals, der 11atioiialen Heimstätte in Palästina. Hiermit stehen die Namen, unseres Präsidenten Dr. Clmim weizmann und meine Wenigkeit, in Verbindung. Auch möchte ich bei dieser Gelegenheit eines teuren unvergeßlichen Namens gedenken, Dr. Tschlenow, der uns in der ersten Periode unserer Arbeit geholfen hat. Es smd keine Bcmfsdiplomaten, die diese ErfoDe erzielt haben. Lau^c vor der I״ricdcnskonicrc11z tauchfeit Juden auf, die versuchten, sich mit der Welt in Verbindung zu setzen, und in London, Paris, Rom und anderen politischen Zentren Propaganda zu machen Wir sprachen mit den Machthabern der Wett die Snruche ehr .eher Leute Es gibt in England Tausende von Juden, die einflußreicher und bekannter sind als Weizmann, der aus Pmsk gebürtig ist. ln Paris, dein ZenkT 1 ״UUd!uCh 1” *aPfitäte׳״ war «s meine Wenigkmt. Unter all diesen Leuten erscheint ein fremder lüde, der höchstens auf eine literarische Karriere in h“ nr?‘s4fr f!prache 11״.Oste״ Europas zurückschaucn kann Das ist alles, was ich in meinem Tornister trtrr den Marschallstab eines europäischen Diplomaten truir ich me in metnen» Koffer. #ir sind die Schüler des erstem jüdischen Politikers, Theodor Herzls Ich kftnnm viel*4 friß-wu•*’ 03H ich1־“n seinen Fü־ßen saß. Ich saß Pol״ AhPrZtndKa .*? .manchen Rabbiners in Polea, Aber ich bemühte mich in den wenigen Jahren,