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Jüdische Rundschau · 1921-10-11 · Heft 81 (11.10.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 81 (11.10.1921)
Date
1921-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 500 •J ט EDI SCH 0 RUNPSCHAU Kt. bl Das Budget unterscheidet vier Kategorien von Ausgaben. ׳Die •erste Kategorie bilden, die laufenden Verwaltungsausgaben und alle anderen Leistungen, insbesondere für das׳ Sehulvveik und Sanitäfsvve.scii, die im Interesse der jüdischen Bevölkerung notwendig sind, jedoch keine Wirtschaftliehe ‘Anlage bedeuten. Die zweite Kategorie 11111• faßt die nationalen Investierungen, insbesondere für Einwanderung und Landwirtschaftliehe Kolonisation, die bleibende wirtschaftliche Werte schaffen sollen, jedoch keinen gewinnbrin* genden Charakter haben. Diese beiden Kategorien znsannnen bilden unser regelmäßiges Palästinabutlget, für welches i!n nächsten Jahre 656000 £ aufgebracht weiden müssen. Die dritte Kategorie enthält die Beträge für die geplanten Wirtschaftliehen Institute, insbesondere die städtischen und ländlichen Kreditinstitute und das Rutlienberg- Projekt. Hierfür sind 550000 Pfund eingesetzt. Die vierte Kategorie endlich enthält den Betrag, der dem N a tiona 1 f on d s für Bodenkaufe zufließen soll, und der auf 300000 £ festgesetzt wurde. Insgesamt ist also ein Budget von 1506000 £ für das nächste Jahr eingesetzt. Die einzelnen Posten dieses Budgets, auf das wir liier nicht näher eingchen können, sind nach reiflicher Erwägung aller Einzelheiten unter Zu- Stimmung unserer sachverständigsten Berater aus Palästina aufgestellt worden. Gelingt es uns, im nächsten Jahr und in den folgenden Jahren die Mittel zur Deckung dieses Budgets zu beschaffen, so werden wir damit einen wirklichen, Stadt und Land in zweekmälliger Verteilung umfassenden Kolonisationspkm durchführen können, der zelintausenden von jüdischen Familien die Ansiedlung!im Lande ermöglichen wird. Diese Skizze der wichtigsten Kongreßbcsclilüsse mag zeigen, wie ernst in Karlsbad während der zweiwöchentlichen Tagung gearbeitet worden ist. Die Früchte dieser Arbeit werden bleiben. Die Tatsache des Kongresses selbst, die!Wiederlier- Stellung regulärer Verhältnisse in der Organisation, die Neuordnung unserer leitenden Körperschaften, werden von wohltätigster Wirkung für die künftige Arbeit unserer Organisation sein. Mit dem XI1. Kongreß beginnt für uns eine neue Epoche zionistischer Arbeit; die Durchführung seiner Bc- Schlüsse muß jetzt das höchste Ziel eines jeden Zionisten sein. N lieber den nationalen Charakter unserer Bewegung und unserer Organisation brauchte auf diesem Kongreß nicht viel gesprochen zu werden. Es war in Wahrheit ein zionistischer Kongreß, und also ein nationaljüdischer Kongreß. Die Verwirrungen und Verirrungen der letzten Jahre sind damit hoffentlich ein für allemal abgetan. Wir sollen uns wohl vor Unduldsamkeit hüten und sollen die Mitarbeit aller Juden zu gewinnen suchen; doch muß für uns und für die ganze Welt feststehen, um was es sich bei dieser Arbeit handelt: um׳ die Wiedergeburt der j.V.liscfien Nation tri Pa- ן Iiistina. •Wer diesen Gedanken in seiner ganzen Kraft und Schönheit nicht begreift, mag, wenn er cs will, immerhin ein Stück!Weges mit uns zusaniniengcbcn; doch innerhalb des Zionismus ist sein Platz nicht. Noch immer sind wir Zionisten, wie zu Herds Zeiten, diejenigen, die den Gedanken der jüdischen Wiedergeburt im jüdischen Volk durchzusct/cn entschlossen sind. Noch immer müssen wir — nicht aus Eigenliebe zu uns oder unserer Organisation, sondern um der Aufgabe treu zu bleiben, die das Schicksal uns zugewiesen bat -- im Namen des jüdischen Volkes sprechen und handeln. Wir werden nur so lange stark sein, wie wir den Glauben an diese unsere ge-schichtliehe Mission unerschüttert in uns selbst bewahren. Zu unserem Glück hat der XU. Zionistenkongreß über dieses Grundthema keine Diskussion mehr führen ׳müssen. Der XII. Kongreß ist nur ganz einfach au den Ausgangspunkt zurückgekehrt, von wo aller Zionismus kam und immer kommen wird: zur nationalen Idee. Mit dieser Idee im Herzeu werden alle Zionisten von neuern an die Arbeit gehen und verwirklichen, was die Beschlüsse des Kongresses vorgezeichnet haben. Sie werden all jene praktischen Aufgaben lösen, die gelöst werden müssen, weil der Zionismus nicht im Reich der Gedanken, sondern auf der harten Erde verwirklicht werden muß. Wir werden jetzt einen großen Keren Hajessod schaffen, wir werden Banken gründen, weiden Land kaufen, Arbeiter ansiedeln, Hospitäler und Schulen errichten. Dies alles werden wir tun und keine politische oder wirtschaftliche Schwierigkeit wird uns abschrecken, niemals werden wir erlahmen; denn cs ist ja alles um der einen Idee willen, die uns erweckte, uns ergriff und verwarn deltc, bis wir nichts anderes mehr sein konnten und sein wollten, als Diener und Träger dieser Idee: der jüdischen Wiedergeburt in Palästina. Konferenz der Achduth Haawodah Die Beziehungen zn den Arabern Die dritte Konferenz der palästinensischen Arbeiter« partei ״Achduth Haawodah“ wird während der Sukkothwoche stattfinden. Einer der Hauptpunkte der Tagesordiumg wird, außer den Berichten der Partcidclcgierten, zum XII. Zionisteiiküngrcß, die Frage der Beziehungen zu den Arabern sein. Hierzu wurde folgende Resolution von l). Ben Gurion vorgeschlagen: 1. Die Schaffung freundlicher Beziehungen zwischen den jüdischen mul arabischen Arbeitern auf der Basis gcmciusanicr wirtschaftlicher, politischer und kultureller Arbeit ist eine unumstößliche Bedingung für unsere Emanzipation zu einem frei arbeitenden Volke und für die Befreiung des arbeitenden arabischen Volkes von der Unterdrückung der herrschenden Kapitalisten. Dies legt den jüdischen Arbeitern die Verpflichtung auf, an der Spitze der Freiheitsbewegung der Völker des Nahen Orients zu stehen. 2. Diese Politik muß mit Bezug auf die öffentlichen Arbeiten sofort in die Wirklichkeit umgesetzt werden. ״ ״1*«י■»■.״,!״«*?"■ *"י ■ y*■» n׳’«■■■» ■י;״■s1 «r *■» fffi י■«■ ר^■י Alle öffentlichen Arbeiten, die die Organisation» •*6>a Regierung erhalt, müssen durch die gcraeiisgn, Arbeit jüdischer und arabischer Arbeiter glli, geführt werden. Es ist vorzu/ithen», daß die ambisehon Arbeiter in separaten Gru׳pj>cu organisiert werden die unter denselben Bedingungen wie die jüdisdx'ii arbeiten. Die Vertreter der ar,ibisdien Arbeiter wolle״ an der Leitung der Arbeit tcilnehmen. 3. Dii.־ arabischen Arbeiter sollen eine Krankenkasse in Verbindung mit der Krankenkasse der jüdisdien Arbeiter euiriditen. Wo es die Verhältnisse ertauben sollen die arabisdicn Arbeiter ihre eigenen Genossen' schaftsküclum haben, die sie seihst bewirtschaften.!,! ihrer freien Zeit sollen für die arabisdicn Arbeiter populäre Vorlesungen über die Arbeiterbewegung, das Leben in den Genossenschaften, arabische und allgi'unir״. Geschichte, Gesundheitspflege mw. veranstaltet werden. Das Ziel dieser gemeinsamen Arbeit soll vor allen! die Erziehung der arabischen Arbeiter zu organisierter ge. ineinsainer Arlreit auf den Grundlinien von Verantwort, iidikeit und Disziplin sein. 4. Die jüdischen Gewerkvercimgungen sotten arabischen Arbeiter in Gewerkvcreinigütigen in ^•0 Arbeitszweigen organisieren, welche jüdische und arabische Arbeiter beschäftigen, wie Eiscnbahnwcifcstättcn Metallwerke usw. Die arabischen Gewcrkvcreinc sollen den jüdischen Gewerkvereinen ״.״geschlossen werden und gemeinschaftlich mit ihnen an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Einrichtung von kulturellen und ärztlichen Wohlfahrtsstellen arbeiten. 5. Die Arbeiterorganisation wird gcmcinsduftiidie Arbeiterklubs in den Städten für Vorlesungen und Diskussionen für die arbeitende Jugend beider Völker errichten. Diese Klubs sollen auch gemeinsame Ausflüge, Spiele, Vorlesungen über die jüdische und arabische Nationalbcwcgnng, örtliche Fragen ttsw. veranstalten. Sie sollen populäre Literatur in arabischer Sprache für die Arbeiter veröffentlichen und Alxaulkurse m hebräisch und arabisch einrichte». 6. Die jüdischen landwirtschaftlichen Genossenschäften sollen in Unterhandlungen mit den umhegend«! arabischen Dörfern treten, zum Zweck eines gemeinsamen Schutzes gegen räuberische Ueberfälle, Arbcitsverbesscrangen und zu gegenseitiger nachbarlicher Unterstützung im allgemeinen. Eine Begrüßungsfeier für Sokolow Am 9. d. M. fand im Blüthncr-Saalc eine Begrüßia^gsfeier der Berliner Zionisten für den auf der Durchreise in Berlin befindlichen Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Herrn Nahum Sokolow, statt. Der Besuch dieser Festveranstaltung übertraf alle Erwartungen. Der Saal faßte kaum die Tausende, die erschienen waren, um Nahum Sokolow und in seiner!*erson der zionistischen Idee zu huldigen. Die Ansprachen der Festredner, insbesondere die Dr. Schmarjahu Le Tins und Sokolows selbst, lösten bei der Versammlung tosenden Beifall. Eine Resolution, in der den beiden Führern der Zionistischen Organisation der Dank für ihre hingebungsvolle Arbeit ausgesprochen und an alle Juda! der Appell zur Mitarbeit am Aufbau Erez-Israels gerichtet wurde, fand einstimmige Annahme. Ein ausführlicher Berieht über die Versammlung folgt. Idee, wenn Weltsch die Kernlehre des kritischen Ideaüstnus — die Lehre von der autonomen Grundlegung als der unumgänglichen Voraussetzung für Produktivität des Geistes — auch für die Kritik des Glaubens׳ geltend macht, um diesen seinem Wesen nach als spontane Entscheidung aufzudecken, als Hypothesis, als ureigene Tat und freie Vertrauenssetzung des Ich, durch die es sich den ״Grund legt für die midiste Strecke des Lebens“ (5. 11). Damit kommt der Verfasser einem Gedanken nahe, der in den mannigfaltigsten Zusammenhängen und Grenzgebieten der modernen Religion*- forschung immer entscheidender auftritt, und der ohne Zweifel zu den fruchtbarsten und weittragendsten Errungenschaften der gesamten Gcistcswissenscliafi von heute gezählt werden darf: dem Gedanken des religiösen Apriorismus. Von diesem neuen Gedanken ausgehend, untersucht Wcltsch den uralten Gegensatz zwischen Determinismus und Autonomie oder, wie er ihn gern nennt, zwischen Gnade und Freiheit, um in dem Nachweis zu gipfeln, daß das Postulat der Freiheit dem Imperativ der Religion nicht mir in keiner Weise zuwiderlaufe, wie dies in der Geschichte non mancherlei Seiten immer wieder behauptet wurde, sondem im Gegenteil die Religion erst befruchte, lu- ■o und dir, was aus der Geschichte der Religion des Judentums eindeutig zu ersehen sei, Lebens- und Widerstand* fühigkeit, sittliche Zuversicht und schöpferisdi« Tatkraft verleibe. Ob dieser Gedankcngang wirklich vom Verfasser beabsichtigt ist — mit Sicherheit läßt sich das nicht sagen. Nur das letzte Kapitel des Buches (״Schöpferische Freiheit als religiöses Prinzip“, S. 117 ff.) scheint einheitlich die augedeutctc Stellungnahme zu bezwecken. Das Buch als Ganzes hingegen 'läßt leider eine klare und eindeutige Absicht, einen in sieh geschlossenen Gedanken und Zweck ־durchaus vermissen. Bei noch so aufmerksamer Lektüre steht man wiederholt der Dar- Stellung ratlos gegenüber, weiß sehr häufig nicht, worauf cs dem Verfasser ankommt, sucht auf lan;ren Strecken vergeblich irgendeinen Faden und fragt sich sd!ließlieh: ״Wozu das alles?“ Wozu die ewigen Wieder- Uolungen, wozu die vielen und langen Zitate, wozu die Zwei Bücher um Hermann Cohen*) Feli>: Weltsch und Jacob Klat7.kin gehören, jeder in seiner Art, sicherlich zu den begabten u:td beachtenswerfen Vertretern der jungjüdisclien Schriftsiellcrgeiieralion. Ihre neuesten Arbeiten jedoch stimmen den unbefangenen Leser uni so bedenklicher, je getreuer sic die Tcn.tcnzen und Richtungen wiedergeben, von denen die Mentalität Jung Judas augenblicklich beherrscht wird. Es läßt sich freilich noch iiidit übersehen, ob diese Icndcnzcn bleibenden Charakters sind, oder aber nur Symptome einer akuten Krisis darstellen, welch letztere sich ja aus der allgemeinen Anomalität des Zeitalters leicht erklären ließe. Aber in jedem dieser Fälle muß nuimichr eine vernehmliche Selbstkritik Einsetzen, wenn anders die als jungjüdischc Renaissance sich ankündigende Geistesrichhing nicht in eine mehr oder weniger originelle Dekadenz verlaufen . soll. Es muß endlich eine Autorevision herausgefordert werden, die uns darüber Rechenschaft geben soll, ob denn eine knl- •urolle Wiedergeburt des Judentums, die angestrebt wird, auf schöngeistige Reflexionen und nationalisierende Philosophemen aufgehaut werden könne, yi> hierzu nicht vielmehr strengste sachliche Arbeit von!löten sei, die weltenfern von jeilen! Dilettantismus und behutsam frei voa! allen wie immer gearteten Tendenzen sich bewegen ^׳־'r besitzen auf dem Schaffensgebiete des Kuliurjudentums von heute trotz scheinbarer ״Hyper- Produktion“ zu wenig, viel zu wenig wirklich ’produktive Geister, um nicht an sie die höchsten AnforderungcT! stellen zu müssen, um aber zum mindesten 1e eine Forderung mti aller Schärfe immer von neuen* zu erneben; Was ihr euch auf euren! Spezialgebiete nicht erlauben würdet, das dürft ihr euch auch nicht erlauben, wem! dir euer Können einmal dem Juden- *) Felix Weltsch, Gnade und Freiheit Unter sära■ sg■״ & wa£״; tum widmet. Ir» der Regel aber verhält cs sich so, daß unsere jungen Schriftsteller sonst, d. h. auf den Gebieten ihres eigentlichen Berufes, t ne ist sehr gewissenliaft und sachlich arbeiten, diese unerläßlichen Eigenschäften aber vermissen lassen, sobald sie gclegentlieh sich dem oder einem Problem des Judentums zuwenden. Weil ihnen dieses Herzensangelegenheit ist, weil sie da auch persönlich, auch mit dem Gefühl ״attachicrt“ sind, glauben sie, mit dem bloßen Gefüllt, diesem ״schönen“, aber doch keineswegs verbindlichen und kontrollierbaren Vermögen, auskommen zu können, und halten cs hier ausnahmsweise nicht für nötig־, sich über den Gegenstand genügend zu unterrichten, über den sie öffentlich sachliche und kritische Urteile abgeben. Ein klassisches Beispiel dafür waren die judaistischen Gelegenheitsarbeiten Hermann Cohens. Dieser unermüd* liehe Denker, der auf seinem Spezialgebiet Gigantisches geleistet hat, der rastlos und mit geradezu peinlicher Genauigkeit an der Methodik und Systematik der philo- 90phischa» Bestrebungen seinerzeit ein Leben lang gcarbeitet hat, äußert Ansichten über das Judentum, die völlig haltlos sind, kümmert sich weder um Tatsachen, noch um Geschichte, noch auch nur um die von ihm sonst so sorgfältig gepflegte Beweisführung und gibt etwas für Kritik und Wissenschaft aus, was in Wirklichkeit Predigt, Homiletik ist Wir sind die letzten, die den Wert noch so willkürlicher und persönlicher Aeußcrungcti eines religiösen Gemüts verkennen8), aber eine Kultur läßt sich darauf keineswegs aufbauen; Gefahr aber für eine jede Kultur entsteht, wenn solche Aeußeruiigcu als gemeingültige und normative Wahrliehen hingcstdlt werden. Die zwei genannten Bücher sind indessen nicht nur wegen dieses charakteristischen Zuges der Leichtfertigkeit beim Urteilen über Fragen des Judentums als solche ״um Hermann Cohen" gekennzeichnet. Die Schrift von Weltsch bewegt sich auch in positiver Hinsicht um den Grundgedanke^ des Marburger Meisters. Es ist zweifellos eine glückliche und sehr tragfähige Jude**‘. ia >***

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