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Jüdische Rundschau · 1921-10-11 · Heft 81 (11.10.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 81 (11.10.1921)
Date
1921-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hi» QJJ (^fr RadftkUoc mnd Vttl.j V IS, SW»Ud>* Slr.tt«!1 Endumt Dj.nnl•; und Freit•;. B«<ug1praU bei der Enpoditio« »ud de» PentlKtero viefUIjihrlish 18.- M. ln DeuticKUnd. Au.l«nd«bon»*• taer.t« wcriUn in der Wahrung־ der cmxctaeo U»o<l*r berechnet• Nummer 31 1—ץ Berlin, I1.X. 1921 An«clgen-Vorwaltung: Jüdische Rundschau G.a. b. H., Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telephon; Amt Uhiemi 84$ und 846. AlielfiKpreli für die •icbeog«»0»Uene Nonpareilleteil« 4,—* ML» F*müien*n*eis׳tn $ M. pro Zeile A1>1«if«Qachlu0t Dienet«!: und Freitag: nachmittag; 4 Uhr« Telephon; Uhlend 84S 0.846, Po*t*cb<־rkkont0J Berlin Nr, 17392. Für Oreteneich. PoeUparkeeeenamt Wien, Konto Nr. J56 030. Für Techechoslowakei; PoeUpark&uemrst Prag, Konto Nr. 1$6 030. —־ kedektioneachluß Sonnte? und Mittwoch oechmitta;, — ערב יום כפוס תרפ״ב gxxviL jahrg. Der Zionismus erstrebt 101׳ das Jüdische Volk die Schaltung einer Öffentlich• rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." ו I ■H I € { An unsere Leser! Die soeben ln Kreit getretene außerordentliche Steigerang der Löhne im Zeitnngsgewerbe zwingt auch uns, den Inserat-Zeilenpreis mit Wirkung vom I. Oktober zu erhöhen. Es kosten allgemeine An• zeigen pro Zeile M. 4.— und Familienanzeigen pro Zeile 14. 5.—. Berlin, im Oktober 1921. Verlag der jüdischen Rundschau a. m. b. H. Die Ergebnisse des Kongresses Von Richard Licht heim. Der XII. Kongreß liegt nun schon einige Wochen hinter uns, und allmählich klären sich die Meinungen über die Bedeutung, die dieser Tagung in der Kette der zionistischen Geschichte zufällt. in allernächster Zeit wird die Exekutive sämtliche Beschlüsse des Kongresses in systematischer Zusammenstcllung veröffentlichen. Ein Blick in dieses kleine Heft wird genügen, um die Frage zu bc* antworten, ob dieser Kongreß sachliche Arbeit ge• leistet hat. Tatsächlich ist noch niemals auf einem zionisti sehen Kongreß, eine so ungeheure Menge von Arbeit geleistet worden, und für den genaueren Kenner der zionistischen Fragen und Probleme ergibt sich auch aus den Beschlüssen des Kongresses, daß hier nicht nur zu den verschiedenen Angelegenheiten unserer Organisation Stellung genommen wurde, sondern daß ein Arbeitssystem festgestellt worden ist. In organisatorischer Hinsicht hat der Kongreß äußerst Wichtiges geleistet. Es wurde nicht nur ein neues Statut festgelegt, dessen Einzelheiten den Erfordernissen der Gegenwart angepaßt wurden, es wurde 'vielmehr eine tiefgreifende organisatorische Neuordnung unseres gesamten Leitungsapparates durchgcführt. Die Beschlüsse des Kongresses, welche die Neuordnung der Leitung betreffen, sind keineswegs die zufälligen Ergebnisse einer gelegentlichen Konnnissionsberatung oder Plenarabstimmung, sie sind vielmehr das Resultat einer Entwicklung, die sich seit längerer Zeit bemerkbar gemacht hat. Schon auf der Sitzung des Actions-Comites in Prag und in den organisatorisehen Vorschlägen der Exekutive an den Kongreß wurden die Richtlinien angedeutet, nach denen die Neuordnung der Leitung vorgenommen werden mußte. Es handelte sich praktisch darum, eine Leitung zu schaffen, die nicht nur wie die früheren, Leitungen der Zionistischen Organisation imstande ist, die Organisation als eine nationalpolitische jüdischc Körperschaft zu führen und zu vertreten, sondern die daneben gleichzeitig die praktischen Aufgaben der Palästinakolonisation, die in wenigen Jahren gewaltig herangewachsen sind, zu lösen vermag. Politisch cs Komitee und Kolonisationsministcriuni zugleich — das ist jetzt der Charakter der zionistischen Leitung. Um den daraus erwachsenden Aufgaben gerecht werden zu können, bedurfte die Leitung einer Umgestaltung, die darauf abziclte, in Palästina eine möglichst selbständig arbeitende, kolonisatorisch aktionsfähige Verwaltung cin/.urichtcn, und die Londoner Exekutive so ausz.ugestalten, daß sie die komplizierten wirtschaftlichen und finanztechnischen Fragen, die dauernd an sie herantreten, zu bewältigen vermag. Das ist der Sinn der Einrichtung des FinanzundWirtschaftsrates in London, von dessen Mitgliedern drei Sitze in der Exekutive und Stimmrecht in finanziellen Fragen haben, und der Sinn der Umwandlung der Zionist Commission in eine palästinensische Exekutive, die die eigentliche kolonisatorische Arbeit in Erez Israel führt und einen Teil der Gesamtexekutive bildet. Wie diese Neuordnung sich bewähren wird, muß die Zukunft lehren, aber jedenfalls muß anerkannt werden, daß der Kongreß sich seiner Aufgäbe bewußt war und den Versuch einer entscheidenden Neuordnung unternommen hat. Freilich sind nicht alle organisatorischen Beschlüsse des Kongresses von gleichem Range, und gewiß haben sich bei der Ausgestaltung des Statuts und bei der Behandlung organisatorischer Einzclfragcn manche Irrtümer cingeschlichen. Es ist fraglich, ob es im heutigen Stadium zweckmäßig war, Institutionen wie den Nationalfonds vollständig nach Palästina zu verlegen, und das Gleiche gilt von dem Beschluß (der übrigens schon auf der jahreskonferenz in London gefaßt wurde), die hmnigrationszentrale der Londoner Leitung aufzulösen und nach Palästina zu übertragen. Es muß sich erst herausstellen, ob es zweckmäßig war, die rein organisatorischen und. finanztechnischen Aufgaben des Nationalfonds und ebenso der Immigrationszcntrale init den kolonisatorisch-wirtschaftlichen Aufgaben dieser Institute in Palästina •räumlich zu vereinigen. Daß diese letzteren, nämlich die wirtschaftlichen und kolonisatorischen Arbeiten, in Palästina selbst geleitet werden müssen, ist unbestritten. Zur Politik hat der Kongreß sich in einer Reihe von Resolutionen geäußert, die zum Ausdruck bringen, daß die Linie der Politik, wie sie von der Exekutive in letzter Zeit verfolgt wurde, mit den Ansichten des Kongresses im wesentlichen übereinstimmt. Damit ist auch die Goluspolitik — dieses in den letzten Jahren so umstrittene Thema — ausdrücklich als ein integrierender Bestandteil der zionistischen Politik bezeichnet worden. Der Keren Hajessod ist nun endlich nach langen Kämpfen und nach Ueberwindung mannigfaclicr Schwierigkeiten zu dem großen Finanzinstrument der Palästinakolonisation erhoben worden, und der Kongreß hat allen Zionisten die Maaßerpflicht auferlegt. Damit ist der Meinungskämpf, der unsere Organisation in den letzten Jahren erschütterte, zum Abschluß gebracht. Uebcr den Keren Hajcssod darf jetzt nicht mehr diskutiert, es muß jetzt für ihn gearbeitet werden. Durch seine Beratungen über den Keren Hajcssod hat der Kongreß erfreulicherweise gezeigt, daß er nicht nur aus der Begeisterung heraus einen aligemeinen Beschluß fassen wollte, sondern daß er auch kritische Ein wände zu würdigen vermochte. Wenn die ehemaligen Fülirer des amerikanischen Zionismus in ihrem Kampf gegen den Keren Hajcssod sich besonders darauf stützten, daß es unzulässig sei, einen Spendenfonds mit einem Fonds für geschädliche Investierungen zu verbinden, weil die Meinung erweckt werden könne, daß die geschäftliehen Vorteile als Lockmittel für den Fonds benutzt würden, der im großen und ganzen den Zeichnern doch keine Rentabilität im geschäftlichen Sinne zusichern könne — so hat der Kongreß hierauf mit der Feststellung geantwortet, daß für die nächsten 5 Jahre keinerlei Anspruch auf Dividende besteht, selbst wenn die vom Keren Hajessod zu gründenden geschäftlichen Unternelunungen einen Gewinn bringen sollten. Erst vom Jahre 1927 an kann der Council des Keren Hajcssod über etwaige Erträge aus den geschäftlichen Unternehmungen verfügen. Wenn dieser Beschluß auch in sachlicher Hinsicht als ein Kompromiß betrachtet werden muß, so drückt er jedenfalls den ernsten Willen der Zionistischen Organisation aus, das vom jüdischen Volk geforderte Opfer nicht durch Zusage kleiner Vorteile zu erlisten. Gleichzeitig aber wurde festgestellt und soll auch hier noch einmal fcstgestcllt werden, daß nach der herrschenden Auffassung der Gedanke des Keren Hajcssod die Beteiligung an rentablen Unternehmungen nicht ausschlicßt, und daß die amerikanische Forderung auf absolute Trennung zwischen Spendenfonds und Invcstierungsfonds abzulehnen ist. Es handelt sich hier eben nicht um eine rein finanztechnische Frage, sondern um die Grundauffassung der zionistischen Kolonisation. Nach unserer Auffassung ist Palästina durch das jüdische Volk für das jüdische Volk aufzubauen. Dieser Aufbau begreift in sich wirtschriftliche Einrichtungen und Unternehmungen der verschiedensten Art. Es handelt sich teils um' kuiturdle Aufgaben, wie etwa das Schulwesen; es handelt sich um wirtschaftliche Einrichtungen, die dem allgemeinen Wohl dienen, ohne jedoch einen Nutzen in Form einer Dividende abwerfen zu können, wie die Förderung der jüdischen Imrnigration; ferner die (immer kostspielige und niemals lukrative) Erschließung neuer Ländereien; und schließlich auch um die Gründung von Unternehmungen zu bestimmten wirtschaftlichen Zwekken, die dem allgemeinen Wohl dienen, zugleich aber auch Gewinn verheißen, wie etwa die Er* richtung von Banken oder industriellen Unternehmungen. Daß dieser wirtschaftliche Aufgabenkomplex in» Rahmen eines Fonds zusammengefaßt wird, findet seine natürliche Rechtfertigung darin, daß wir Palästina unter einem leitenden Gesichtspunkt, nämlich dem der Errichtung der nationalen Heimstatte für das jüdische Volk, aufbauen, und daß gerade in der ersten Zeit die einheitliche Führung des gesamten Kolonisationsvverks von entscheidender Bedeutung ist. Diese Führung liegt in den Händen der Körperschaft, die im Mandat als jewish Agency anerkannt wird, d. h. in den Händen der Zionistischen Exekutive, die sich dabei des Keren Hajessod als des großen jüdischen Staatsfonds bedienen soll. Die Verwaltung dieses Fonds wird durch ein Direktorium ausgeübt, das zur einen Hälfte von der Zionistischen Exekutive, zur anderen Hälfte von dem Council des Fonds, (d. h. den Vertretern der Zeichner) ernannt wird. Durch diese Konstruktion ist die Möglichkeit gegeben, daß diejenigen nichtzionistischen Kreise, die siel» ernsthaft entschließen, mit der Zionistischen Organisation beim praktischer» Aufbau Palästinas zusammenzuarbeiten, die ihnen gebührende Vertretung finden. Der Aufbau Palästinas — hier hatte der Kongreß die schwerste Arbeit zu leisten. Seitdem die großen politischen Entscheidungen gefallen sind, ist in den zionistischen Massen von Tag zu Tag die Ungeduld gewachsen. Immer lauter tönte der Ruf nach endlichem Beginn der wirklichen Aufbauarbeit in ,Palästina. Die Leitung, die nur über sehr geringe Geldmittel verfügte und organisatorisch auf die Kolonisation eines Landes gar nicht ringerichtet war, mußte die in den ersten Monaten und Jahren nach der Balfour-Erklärung ringsum wahrnehmbaren Wünsche der Zionisten enttäusehen. Eine Zeitlang sah es sogar so aus, als ob die Exekutive aus der Not eine Tugend machen, die Nichterfüllung der weitgehenden Wünsche der Zionisten zu einem Programmpiinkt erheben wolle. Es wurde eine Zcitlang von London aus viel darüber mitgeteiit, warum die Immigration in engsten Grenzen bleiben und der wirtschaftliche Aufbau nur sehr allmählich vor sich gehen könne, doch fehlte der unbedingte Wille, den engen Rahmen des gegenwärtig Erreichbaren so rasch wie möglich zu sprengen und durch Aufbringung sehr großer Mittel und Aufstellung eines umfassenden Kolonisationsplanes Vorbereitungen zu einem größeren Kolonisationswerk zu treffen. Zur Begründung der vorsichtig abwartenden Haltung der damaligen Exekutive wurde gesagt, daß kein größerer Kolonisationsplan möglich sei, so lange keine Gewißheit bestehe, daß die dafür erforderlichen Geldmittel aufzubringen seien. Andererseits aber konnten diese Geldmittel nicht beschafft werden, so lange der Plan fehlte, nach welchem diese Geldmittel aufgebracht und verwendet werden sollten. Die Leitung hatte bereits Monate vor dem Kongreß erkannt, daß mit dieser Auffassung gebrochen werden müsse, und daß man aus dem geschilderten Zirkel einen Weg ins Freie finden müsse. Darum wurde schon der Prager Actions-Comite-Sitzung der Umriß eines Finanz- und Kolonisationsplanes vorgelegt, der nunmehr vom Kongreß in allen Einzelheiten durchgearbeitet, ergänzt urul gebilligt worden ist. ..•*«* V. IV. Iiuviimvii JÜIUU ii nach meiner Empfindung die wichtigste Tat ׳ XII. Kongresses. Der Plan mag gut oder schlci mag n den Einzelheiten vorzüglich oder anfecht sein: aber es ist ein Plan, der in ganz bestimm Vorschlägen und Zahlen ausdrückt, was nach , sicht der Zionistischen Organisation in den nä sten Jahren in Palästina geleistet werden soll. 1 äußeren Form nach präsentiert sich dieser P als ein Budget. Selbstverständlich darf an die Budget nicht der Maßstab gelegt werden, den ת an das Budget eines Staates legt, welcher sich sichere Eingänge aus Zwangssteuern stützen ka Unser Budget ist nicht ein Budget in diesem Sir denn uns fehlt die Macht, Steuern auszuschrei und durch den Staatsbeamten einzutreiben. Ur Budget ist nur ein Geldwerbeplan auf w< erwogener Grundlage.

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