Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 80 (7.10.1921)
- Date
- 1921-10-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 80 * Seite fßö Jüdische Ju gcndfind Berufspolili!» Vom Dr. Walte•■ Preuß, Sekretär des ״Jüdischen Aibeitsamtes.“ Die jüdischen Verhältnisse in Deutschland nähern sith einem Stadium, in dem ein bewußtes Eingreifen in alle Fragen des jüdisch-sozialen Aufbaus möglich erscheint. Die Ereignisse der letzten sieben Jahre haben die gesamte deutsche Judenhcit zu einem stärkeren IScwiißtsein ihres eigenen Wertes heranreifen lassen. Vor nein Kriege wäre cs unmöglich gewesen, daß die Ein- Wanderung größerer Massen ostjiklisdicr Arbeiter einem im Großen ’und Ganzen auf Verständnis beruhendem Entgegenkommen zumindest vieler jüdischer Führer be-> gegnet wäre. Diese Einwanderung hat die meisten Jtidcngeniciiulcu vor ganz neue Verhältnisse gestellt und hat ein Dement der Unsicherheit in sie getragen, das audi die anderen Kreise zu erschüttern begann. Nehmen wir dazu die stark erwachte neue nntisemitisdie Propaganda, so wurden notgedrungen fast alle Kreise des deutsdien Judentums zu einer positiven Stellungnahme gedrängt, die 90ziale Schichtung der Juden ia Deutschland bot einen bequemen Vorwand für die euch sonst um Vorwände nidit verlegene Antisemitendique; und die Judensdiaft, in der Meinung, daß man den Antisemitismus durdt Beseitigung von Vor* wänden bekämpfen könne, war reif dafür geworden, dem GedankcnderBerufsumschichtung näher zu treten. Dieser Umstand gab auf der anderen Seite die erfreuiidie Möglichkeit, viel aktiver jüdische Jugendpolitik zu betreiben» als cs vordem der Fall war, zumal Objekte wie die Jugendlichen der neuen Ostjudensiedlung in ihrer sozial so ungesidicrtet» Lage geradezu nnd» aktiver Hilfe drängten. So ist cs gekommen, daß an denjenigen Stellen, die sich überhaupt mit jüdisch-sozialer Arbeit befaßten, der Gedanke der Jugendarbeit in verstärktem Maße, heramvuehs. Nidit verschwiegen darf dabei werden, daß gleidigeartete Sirebunge» im deutsdien Volke, wie audi in allen anderen Völkern, derartigen Bestrebungen Nahrung boten. Es ist klar, daß der Chaluzgedankc des Zionis« nun. derartige Ideen besonders begünstigte,, so daß der Begriff einer wahrhaften jüdisdien Jugendbewegung lange Zeit identisch mit zionistisdier Jugendbewegung zu sein schien. Galt dodi vor dem Kriege der sögenannte neutrale Jugendbund mit Recht geradezu als Prototyp einer nichtwahrhaften Jugendbewegung. Es ist bezeichnend, daß eine ganze Reihe offiziell nichtzionistischer Gruppen vom Gedanken der Erneuerung, Bewegung und Umschichtung in aktiver Weise erfaßt worden sind. So selbstverständlich von zionistischer Seite diese Wandlung zu begrüßen ist, so ist damit doch keineswegs alles getan, was zu tun ist, um noch aktiver dem Emeucrungsprozeli der jüdischen Jugend zu fördern. Wie in Deutschland neben den Wandervogel- und Sied- Imigsbewegungen der neuzeitliche Gedanke der Berufs- Beratung in der Gründung der Berufsämter Platz griff, so müssen auch in» deutschen Judentum in aktiver Weise sämtliche Kreise durch aktive Berufsberatung erfaßt und beeinflußt werden. Wer die Verhältnisse kennt, weiß, wie zahlreiche Massen jüdischer Jungens uud Mädchen einfach durch die gedankenlose Trägheit ihrer Familien in bestimmte Berufe, die angeblich Aussichten auf guten Geldvenlienst bieten, gedrängt werden, ganz gleich, ob der Junge geeignet dafür ist, ob er Lust dazu hat, ob eine derartige einseitige Berufsberatung der Gesamtheit dienlich ist und ob die Aussichten wirklieh derartig sind, wie die Elteru sich das cinreden. Es ist erwiesen, daß die Existenz der deutschen Bendsberatung in zahlreichen Fällen die Gesamtheit des deutschen Volkes vor großen Verlusten bewahrt hat. interessante Einblicke in diese Verhältnisse bot die Tagung der Berulsbcratungsämter in Frankfurt a. M. im Juli cL wo gezeigt wurde, daß der Lehrstelle^■ wedisel seit Einsetzen der Beratung stellenweise bedeutend nachgelassen hat. Eine aktive jüdische Berufs• Beratung, die auf genauer Kenntnis der sozialen, mediziuischen, psydvotogisdten und wirtschaftlichen Voraus- Setzungen beruht, müßte in ganz gleicher Weise und viel erhöhterem Maße der jüdischen Gesamtheit zugute kommen. Es ist nidit mehr möglich, derartige Dinge heute so nebenbei und von ehrenamtlichen alten Herren ausführen zu lassen, wie das in der guten alten Zeit Mode war, sondern «9 handelt sich hier um ein außerordentlich schwieriges Problem. Der nächstliegende Vorschlag, etwa die deutsdien Berufsämter audi für die jüdische Berufsberatung zu benutzen, erscheint bei näherer Prüfung, trotz einzelner unleugbarer Vorteile, verhängnisvoll und falsdi; denn cs ist ganz ausge» schlossen, daß der deutsdie .Berufsberater genügendes Verständnis für die Psydie des jüdisdien Jungen auf» bringen kann. Nehmen wir einen naheliegenden Fall: Ein kräftiger Junge aus ganz assimilierten Kreisen ließe sid» bereden, Landwirt zu werden, Es würde fast umnöglidt für ihn sein, auf die Dauer als jüdischer Landwirt in Deutschland seine ,Existenz zu finden, von Ausnahmen natürlich abgesehen. Das aber wird dem deutsdien Berufsberater nicht bekannt sein. Viel schwicrigor aber liegen di« ,Verhältnisse, wenn man berücksiditigt, wie psychisch anders der zunächst so viel ־״scheinende jüdische Junge ist als sein deutscher Mitschüler und in wie anderer Weise er auf die Antorclcrungcn des jeweiligen Berufes zu reagieren pileßt Aus *oziolog.sdien und psychobgisdien ,Voraussetzungen Äfl"}Le,"״g1r°BcrTeü ßcr lK'uti2c״ Lehrstellen für den jüdisdien Jungen ganz ungeeignet, und cs bedürfte eigcntlidi Lehrstellen, die auf /die besonderen Voraus- Setzungen des heutigen jüdischen jungen eingestellt sind Das Gebiet der jüdisdien JucendJ^dio® nödr 181 erschlossen; «her dex vielfache Wecfed gerade £ J U EDISCHE RU HDSCH AU jüdischen Jürgens ans ihren Ldin,teilen heraus beweist, wie sdiroff die Disaoiiaiucn pind, die zwischen der üblichen Art der Ausbildung ,und dein Durchsd'.aitt der jüdisdien Jugend bestehen. Es ist ganz Idar, ,daß der deutsche Handwerksmeister vielleicht technisch, sicherlich nicht psychologisch der geeignete Lehrmeister eines jüdisdien Jungen ist, ebenso klar, daß audi zwischen dem jüdisdien Lehrling und dem jüdischen Handwerksmeister sowie noch mehr, «km jüdischen Kaufmann, soweit für ihn Lehrlingsausbildung zugleich eine Frage des Gcschäftsinteresses ist, Differenzen sehr bald entstehen müssen; denn die ganze heutige Lehrlings- Ausbildung muß in ihren Gruitdziigen als verfehlt betrachtet weiden; aber ihre sehiidiidici» Wirkungen machen sieh bei den unter ganz anderen soziologischen Gesetzen stellenden jüdisdien Kindern in besonders vcriiängnisvoller Weise bemerkbar. Solange cs nicht möglidt ist, die jüdische Lehrlingsausbildung auf eine ganz andere Basis zu stellen, muß durdi eine geeignete Berufsberattmg wenigstens der schlimmste Schaden der durd» die vielfach verfehlten Ansiditcn der meisten jüdischen Eltern und durdi die Ungeeignetheit der Lehrstellen verursacht wird, nach. Möglichkeit ausgeglichen werden. Mehrere Wege erscheinen liier möglich. Zunächst muß die jüdisdie Berufsberatung, auf möglichster Kenntnis der jüdischen Entwicklung und der allgemeinen ökonomischen Voraussetzungen beruhend, die allgemeinen Gcsetze zu erkunden versudicn, unter denen die jüdisdie Psyche stellt. Sehr interessante Tatsachen fördert schon heute die ärztlidie Berufsberatung der jüdischen Kinder zutage. Man muß z. B. untersuchen, ob bestimmte Krankheiten, die bei jüdisdien Kindern besonders!läufig sind, durch Milieuwirkungen, infolge Anlage oder Erblichkeit entstehen, was für die Berufsberatung 1 wichtig ist; inan 111ufi untersudicn, ob für dauernd der jüdisdie junge Mensch geeigneter für intellektuelle Berufe erscheint als für körpcrlidie usw. Die jüdisdie Berufsberatung hat fernerhin von allgemeinen Gcdankcngängen sich tragen zu lassen. Sic muß die allgemeine ökonomische Entwicklung des deutsdien Judentums beaclitcn, hier besdilcunigcnd und evtl, kämpfend eingreifen. Sie muß jüdische Berufsberatung sein, d. 11., sie muß mögfidist eine Umstellung in diejenigen Berufe bewirken, die einen bewußteren und aufrechteren jüdischen Typ zu schaffen geeignet sind. Der starke Zug jüdisdter Jungen der Großstadt in die Konfektion z. IS. kann heute nur nodi als sdiädlidi und auch ökonomisch nicht mehr begrüudbar erscSieincn. Jüdisdie Berufsberatung darf sidi aber nidit von weiteren Gesiditspunkten politischer oder religiöser Art tragen lasser». Sie darf keinesfalls eine Umschichtung in Berufe anempfelilen, die zu ökonomischen Existenzen führen könnten, die auf die Dauer dem Jungen sdiädiich wären. Aus all diesen Gründen muß mit großer Energie die Jüdisdie Berufsberatung in den Vordergrund des In׳■ teresses gezogen werden. Der heutige Zustand, der mehrere Stellen mit dieser Materie sich befassen läßt, ist auf die Dauer uncrtniglidi und nicht haltbar. ln sämtlichen jüdisdien Rcligionssdiulctt, Knaben- und Mädchenschulen, sowie in der jüdisdien Familie muß es eine Selbstverständlichkeit werden, daß das jüdische Kind vor der Berufswahl in die jüdisdie Berufsberatung gehört, und daß die Lehrstelle bei einem jüdischen Meister dem jüdischen Knaben zugewiesen werden muß. Voraussetzung dafür ist die Schaffung einer modernen, einhcitiidien, hauptberuflich gcldtdcn jüdischen Berufsberatung, deren Aufgaben hier in den Grundzügen formuliert sind. (Audi wenn sie praktisch vorläufig nur in der Lage ist, Lehrstellen in der üblichen, unzulänglichen Art zu beschaffen,) Bestrebungen, eine soldic Steile in kürzester Zeit zu sdiaffen, sind Im Gange, und es ist zu fordern, daß an ihr, wie auch an anderen sozialen Aufgaben der Neuzeit, sidi alle jüdischen Organisationen, besonders die Jugendorganisationen, beteiligen. Es ist die dringende Forderung an alle Stellen, besonders an alle jüdisdien Meister und Haushaltungen zu richten, diese Berufsberatungssfellc (vorläufig beim Jüdisdien Arbeitsamt: Auguststraße 17) durd» Stellen zu unterstützen. Darüber hinaus muß die Berufsberatung verbunden werden mit Einrichtungen, die in ständigem Konnex mit den Knaben und Mäddren, die einmal durch die Berufsberatung gegangen sind, bleiben. Ein Zusammen- Schluß der jüdischen Lehrlinge, soweit sie nicht bereits Jugendbewegungen angehören, ersdieint aus mancherlei Gründen sehr notwendig. Denn es ist nur natiirlidi, daß eine Berufsberatung, die sid» große und, wie wir glauben, für das deutsdie Judentum entscheidende Auf-, gaben gestellt hat, nur ein Bruchteil des Zieles in der» wenigen Stunden erreichen wird, die der eigentlichen Berufsberatung zur Verfügung stehen. Die dauernde Beeinflussung der Knaben im Sinne eines geraden Menschentums und stolzen Judentums kann nur geschchen, wenn der Konnex mit ihnen aufrecht erhalten bleibt. Die Gründung jüdisdier Ldirlingsvcrdne erscheint dadurch motiviert und gereditfertigt, da es viel-, fadi nicht möglidi ist, die Lehrlinge der Jugendbewegung zuzuführen. Der Versudi eines derartigen! Lehrlings« Vereins ist bereits gemadit worden; er kann nur daran scheitern, daß sich nidit genügend Helfer für ihn zur Verfügung stellen. Hier liegt eine große und fruchtbare Aufgabe besonders für junge jüdisdie Studenten vor. Es ist ein besonderer Zweck dieser Ausführungen, zur Mitarbeit in dem Lclirlingsvcrcin, der jetzt vom Jüdisdien Arbeitsamt, Auguststr. 17, eingerichtet wird, aufzufordern. Ohne «ine derartige Hilfe, die auch von Maddien ausgeführt werden müßte, kann die Berufs« I heratung nidits Entscheidendes leisten; sie müßte über- 1 "4״Pt außerdem mit dneia umfangreichen Recherchen״ und Pflegsdiaftssystesn ausgestattet werden, um so iruditbar zu werden, wie sie es vermag. Ein besonderes Kapital jüdisdier Jugend und Berufe politik ist die speziell zionistische Ausbildung der Chaluzim. ■Auch auf diesem Gebiete ist bislvcr iännt nidit das gesdtdien, was mit Leichtigkeit hätte geschehen können. Deutschland ist das gegebene Land, um menschlich und fadiüdi auwgebildete Chaluzim 251 sdiaffen. Man denke nur daran, daß der junge ostjüdisdie Qiahrz sidi in Preußen einer relativen! Zügigkeit erfreut, ferner, daß die Ausbildun&vmöglich. keiten im Metalluud audi im Baugewerbe nicht all«! schlechte sind. Grolle Schwierigkeiten macht das l־'c!1!c» von Geldmitteln, falls der Betreffende, wie mcisj gänzlich unbemittelt ist, und er auf eine Stell urJ mit Kost und Logis angewiesen ist. Während für landwirtsdiaftliche Ausbildung gerade in Deutsch!nn<j veriiältnismäßig viel getan worden ist, was auch wh! Dr. Ruppin auf dem Karlsbader Kongreß anerkannt wurde, liegt die technische Ausbildung noch imni« sehr im Argen und zwar aus mehreren Gründen, Eit!, mal gehen die meisten deutsdien Chaluzim, die einzigen, die über Geld verfügen, in die Landwirtschaft, die unbemittelten ost jüdischen in die teduiischen Berufe (Schlosser, Maarrer usw.) Weiterhin sind die Voraus. Setzungen für eine Ausbildung in den technischen iK. werben viel schwieriger, da nicht einmal feststeht, welch* Berufe nun eigentlich in Palästina eine Zukunft lubtn, Ferner sind anders als in der Landwirtschaft, Lehrlingsstellen mit Kost und Logis gerade bei vielen dringMul erforderlichen Berufen nicht zu bekommen. Man v.-iire daher eigentlich darauf angewiesen, Lchrstätten zu grii1> den, in denen eine sachgemäße Ausbildung erfolgt untj doch soviel erarbeitet wird, daß die Lehrlinge aus 1l«:n Uebersdiuß eine bescheidene Lebenshaltung führen können. Derartige Versuche sind bisher mit der Cha. luzschlosse rci, Berlin, Elisabethstr. 45 gemadit worden. Dieser Versuch ist bisher, infolge des Vir- Haltens der Berliner Zionisten, nicht zu der Entwichlung gekommen, wie erhofft war. Es ist leider 7u beobachten, daß auch für eine solche Sache bei sehr vielen Zionisten der Zionismus dort aufhört, wo sie aucäi das kleinste Opfer zu bringen haben. Es ist nicht gelungen, auch nur einige Zionisten dazu zu bewegen, die Chaluzsclilosserei mit Aufträgen zu bedenken, 90 daß die Lehrlingszahlet» bisher gaz beschränkt bleiben mußten und irgendwelche Ueberschüsse nicht zu erzielen waren. Gelänge es, einige größere Aufträge zu bekommen, so wände sidi das bald äniem, und bei «!er sachgemäßen Leitung, die die Chaliuschlosserci hat, würde eine größere Zahl von guten Schlossern heran• zuzithen sein, die sonst keinerlei Möglidikeit gelnbt hätten, einen für Palästina geeigneten Beruf zu erlernen. Unter diesen Umständen konnte an weitere Unternelimungen, wie eine Tischlerwerkstatt«, nicht herangegangen werden. Ein größerer Versuch, Bauhaiktwerker auszubilden, dürfte in Rheinland-Westfalen zu Erfolgen führen. In diesen Aufgaben liegt ein wescutlieh er Teil zionistischer Jugend- und Berufspolitik. lüue eigentliche Berufsberatung ist hier weniger erforderlich, da der Gialuzgedanke in sidi schon den Gedanken der Berufsumsdiiehtung trägt und dex Produktivierungsdrang gerade die Größe der zionistischen Bewegung ausmacht. Es sei zum Sdilusse der Ausführungen nodi einmal betont, daß von Bestrebungen dieser Art die Zukunft des deutschen Judentums abhängt. Der ökonomische Prozeß der Prolctarisieriuig ergreift das Ostjudcntian mit gewaltiger Sdmdligkeit. Die jüdische Entwicklung drängt dazu, ganz neue Ersdieinungen des jüdisdien Lebens hervorzutreiben. Auch in Deutschland muß dne bewußte Berufspolitik diesem Drange nadifolgen und sidi einordnen in den Gesamtpnozeß des jüdisdien Lebens. Es wird die Aufgabe des jungen Zionismus sein, diese Entwicklung zu verstehen und das gesaunte deutsche Judentum mit fort zur cißen. Jüdisches Künstlertheater Seit melrr als einem Monat besitzt Berlin eine ständige Bülme, wo allabendlich ernste Schauspieler jüdisdic Stücke aus dem Leben der Juden des Ostens in deren gesprochener Spradie spielen. Hier wird zieh ersten Male in Deutschland wirklich Ostjiidi&ches vorgeführt, d. 11. etwas, was für die Ostjndcn allein, im Gegensatz zu den Westjuden, charakteristisch ist. Denn was man sonst alles als ostjüdisci» bezeichnet, ist entweder Bestandteil des religiösen Judentums und um fallt also auch Teile des Westens, oder es .ist überhaupt Mache, Lobhudelei, Verleumdung, Mißverständnis, jedenfalls nichts Charakteristisches. Beispiele dafür lassen sidi der Kriegspresse (audi der zionistisdien) gemögend entnehmen. Wer also einen Ostjuden sdien will, wie er wirklich aussieht, wie er spricht, wie er sich räuspert, wie er liebt und wie er haßt, der ״die ins jüdische Künstler-Theater. Man sage nicht, «Ins wäre Ethnographie und nidit Kunst. Denn gerade weil cs Kunst ist, weil es edit und erlebt ist, ist es audi ethnographisch von Wert Es ist nidit die Schuld der Künstler, daß zwischen Ost- und Westjuden tum, ja zwischen der jungen und alten Generation im Ostjudentum selber, der Abgrund 90 groß ist, daß das Leben der Alten sidi ethnographisch ausnimmt. Ein Stück aus dem Tiroler Bauernleben wirkt in Berlin auch cthnograpfiisdt, wenn es gut ist Wenn es »dilecht ist, ist cs Kitsch und nidit Ethnographie. Kitsch aber wird im jüdisdien Künstler-Theater vermieden. Mindestens von den Schauspielern. Das Repcr* totre läßt vorläufig zu wünschen übrig. Es werden! abwediselnd zwei Dramen von Perez Hirschbein