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Jüdische Rundschau · 1921-10-07 · Heft 80 (7.10.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 80 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Alice M a sa r y k , Major Ccrnosek tt. a., die jüdische weithilfskonfercnz feierlich eröffnet, Dr. Leo Motzkin (Paris) bedauert nulkrordentlieh, daß er die Konferenz nicht in tsdieclnsehcr Sprache eröffnen kann und führt aus; Die Konferenz wurde von zwei Organisationen etubcnrlen: Der NVelthillszentrale, die erst vor einem Jahre zustnndegekomnien ist, und der ״II i a s“ (Hchrew Imi nigra non Aul Society), die sieh jetzt auf die Arbeit in Europa erstreckt, ganze Judentum ist sich heuto ik'Stcn K'wunt, uuu gr.us jüdischen Massen vollkommen? Ausrottung «!י , . günstige Lömhijjt der Frage ist Moll auf dem I rm/1|> dei (iesajmVertretung möglich. Fs ist notwendig, den »cdrohten die Ausreise aus den Pogroinlämlern zu ennn״- liehen, die Wanderung zu ivjjeln mul d;e Bedingungen in den Ländenv, in welche sich ü.cse Massen bewegen, weiuen, vorzubemtc.11. Dies ist aber ivm־ durch ein einheitliches Vorgehen des jüdischen ,Volkes möglich. Wir müssen den ’ verantwortlichen l'akloreu klar machen, daß sie an den Morden mitschuldig sind, falls sie den Juden nicht die Möglichkeit geben, der l’ogiomhülle zu ent• kommen. Mit diesem Appell können wir uns dann an die demokratischen Parteien, Rcgiertingen und den Völkerbund wenden. Mr. Held hegriilit in englischer Sprache die Konft-renz im Namen der amerikanischen ״Hins". Sulam (Venedig) wiedciholt die Grüße des ita* lieuischen Hilfskomitees und die freundliche Erklärung der italienische» Regten»!״. Herr Maas (Argentinien) berichtet über die Tätigkeit der dortigen Hilfsorganisation. Die Konferenz wählte folgendes Präsidium; Herrn f.co Mot zkin (Paris) als Präsident, und die Herren .Adolf Heid (New York), l)r. Klee (Berlin), M. K r e i u i 11 (Petersburg, zur/eit Berlin), Dr, J o e 11 e I ־ m;11111 (London 1 als Vizepräsidenten. l’iitcr lebhaftem Beifall der Anwesenden hegriilit ' tler Präsident Motzkiu den Vertreter des Präsidenten des tschechoslowakischen Roten Kreuzes, Dr. Alice Masaryk und Major Cerno sek. Herr Shclvi» (New York) berichtet über die Tätigkeit der ״Hias“, die sich jetzt auch auf Europa erstreckt. Er bespricht die Stimäerigkeiien, mit denen sie zu kämpfen hat. Hesiniders aber sei cs die Angst vor dem Bolschewismus, die sieh für die Beschränkt»»״ der Immigration einsetzt. Aller jvolilisehe Einfluß der ״Hins“ und Louis Marshalls hat da nichts geholfen, um die Bill ab/uwenden. Die ״Hia->“ hat eine dreigliedrige Kommission nach Mexiko ent sendet, aas deren Bericht jedoch hervor* ׳;eilt, daß das Land für eine jüdische Immigration willkomme« ungeeignet ist. Daher werden jetzt ähnliche Versuche auf der Insel Kuba ue'ormmtmcii. Herr Maas (Argentinien) bespricht die Möglich, kciten der Einwanderung nach Argentinien und betont, daß die argentinische Republik zwar viele Emigranten von den Grenzen zurüriigeschicki hat, jedoch׳ keinen einzigen Juden. I>r. Krciniiv bespricht sodann die Lage der Juden in Sowjetrußlaml, wo noch am 30. Juni die letzten Pogrome slatigefutidcn haben. Nach einer genauen Statistik wurden über 200 000 Juden getütet, innige 100 000 verwundet. Es strömen daher alle aus der Provinz iiv die Städte, wo es ihnen durch Bildung von Selbstschutz noch gelingt, sich vor den B.mditctr zu schützen. Es macht sich eine kolossale Bewegung nicht nur zur rumänischen, sondern auch zur polnische» Grenze bemerkbar. Als Beispiel der Lage der Juden sei angeführt, daß die Regierung verfügt bat, daß alle von den fV>gtx>men betroffenen Jude« als Arbeiter nach Ural gehen, \v־־k t'ür sie eine sichere Vernichtung' bedeutet. Erst vor einem Monat hat die Regierung ihre Stellungnahme geändert und allen Männern unter 18 und über 30 Jahren tuid de» Frauen, die ihre Männer iit Amerika oder in den anclcrcii Ländern haben, erlaubt, falls sie in anderen Ländern naturalisiert sind, gruppenweise: auszuwandern. Die vier Millionen Juden haben diese Konferenz als erste Möglichkeit begrüßt, wo sie sich an die jüdische Oeffentlidikeit wenden könne«. Der Redner beleuchtet daun clie kolossale Schuld der jüdischen Kommunisten, die sich gegen das jüdische Volk gestellt 1::ul auch die Hilfe der humanen NJiclitjadcn, gestört haben, Nachdem er noch die Tätigkeit der amerikonischem und kanadischen Delegierten in Sowjctrußland einer scharfen Kritik unterzogen hat, wendet er sich an die Konferenz mit dem Appell, den schwer bedrohten Jüdischen Masse» in Sowjet™IJland zu Hilfe zu komme», Dr. ßruskus (Petersburg) ergänzt die Ausführangen von Dr. Kremin besonders über die Tätigkeit der amerikanische» Delegierten. Latzki teilt sodann der Konferenz eine schriftliche verbindliche Deklaration der Sowjetregierung׳ mit, in der sich diese im Gegensatz zu ihrer bisherigen Politik teilweise und noch! rinnicr bedingt für die Emigration ausspricht, und das gesellschaftliche Komitee als die einzige maßgebende Instanz in dieser Richtung anerkennt. Die N.ichmittagssitzung wird von Dr. Klee (Berlin) eröffnet. B eyer berichtet namens der Mandatsprüfungskontmission. "!!eher deren Antrag werden 41 [«legierte mit Sitz und Stimme und 7 Delegierte mit Beratungsrecht zugelassen. Auf der Tagesordnung stellen folgende Bcratungsr gegenstände; 1. Erleichterung der Emigration auf fulitisch-sozialem Gebiet; 2. Gründung einer jüdischen migrationsbank; 3. Vermittlung zwischen Emigranten und Verwandten und Geldüberweisungen; 4. Vorbcreitung der Emigranten für die Lebensfeedingungen in den Immigrationsläjvdern; 5. Abmachungen mit den Schiffsgesellschaften; 6. Kredithilfe für die Emigranten; 7. Regelung der jüdischen Emigration aus Rußland; 8. Schaffung eines Zentralorgans für die Emigranten; 9. Verschiedenes. big. Wladimir T e m k i n (Exekutive, Paris) be* richtet ergänzend über die Tätigkeit der Welt hilf s* z e 1111׳ a I e für die ukrainischen Flüchtlinge in Hcllarahien und schildert die Entstehung sämtlicher Einrichtungen, welche zwecks Regelung der Fürsorge für die Emigranten erforderlich waren. Er weist auf die Schwierigkeiten hin, djo Hilfsarheit von tler Emigrationstäligkeit zu scheiden. Fr gedenkt auch tler großzügigen Unterstützung, die die Exekutive durch viele Hilfsgcsellsehaftcn erfahren hat. Der Vorsitzende verliest eine herzliche Begrüßung des tschechoslowakische« Ministeriums für soziale Fürsorge, Hierauf erstattet A. Held (״Hias“) sein Referat über die Verbindung der Emigranten mit ilircn Verwandten mul konstatiert, daß die ״Hias“ bis heute zirka 15 Millionen Dollar aus Amerika an die Emigranten ausgezahlt hat, welche Betrüge die amerikanisdien Ver- ZtonlstlsEtiBP iruppgiTObanfl Qtwschlesien Sonnt«{*, den 9, Oktober, nachm. 41/•» Uhr, in Bcuihen, Restaurant Zweig, Friedrich-Wilhelms-Ring 6 Tagung der' Ortsgruppen-Vertreter Tagesordnung: 1. Bericht erst attung d, KongreCdelegierteaDobrzynski und Wiener. 2. Referat, von Dr. Sc 11 va ז/,, Tarnowitss, über den Ausbau der Jugendorganisationen iu Oberscblesien. 8, Vorb«rei1u11g der Wiuterarln-it, insbesondere für don Kore« linjossod. Allo organisierten Zionisten Bind alsGiiste willkommen. D*־. Dobr;ry»»»t<I, Vorsitzender, wandten fast kostenlos durch die ״Hias“ überwiesen haben. Er weist auf die unersetzlichen Schäden hin, die die Emigranten durch private Banken erleiden. Leider haben diese ei» Netz von Agenten! eingerichtet, die sich an die Emigranten hcrnnmachm Die Regelung der Geldüberweisungen werde eine der wichtigsten Aufgaben der zu schaffenden Eniigrationszentrale sein. Herr Latzki erstattet ein ausführliches Referat über die Grii«Jung einer Eni igrationsbank. Nach einer eingehenden’ historischen Begründung der gesellschaftlicheti Krcdithistitiitiomm kommt Referent zu toigciulcit Resultaten; In Berücksichtigung der sieh nunmehr in uiiaulltaKsatnem Strome ergießenden jüdischen Emigration, der Ausbeutung, welcher die Emigranten durch private Bankiers, Agenten und Schiffskantors ausgesetzt sind, konstatiert die Konferenz, daß der Kampf g_e g e 11 das p r i v a t e U ti 10 r n e 11 m e r 111 tu auf dem Gebiete der Emigration eine wichtige Aufgabe der jü* dischcit Gesellschaft sei, ln die'ein Kampfe muß die jüdische Gesellschaft sieh eitler Waffe bedienen: eines jüdischen Finanzinstituts für Emigranten. Diese Emigrantenhank soll a 11 c ö k o nomischcn Betliirfnisse des Emigranten befriedigen, wie lieber* Weisungen, Geldwechslung, Schifiskartenkauf, Versieherttng usw. Der Reingewinn soll für Emigrantenfürsorgc, Vertretung hei Schiffsgesellsehafien usw, verwendet werden, _ Die Konferenz möge die zu schaffende Zentrale beauftragen, die Gründung dieses Unternehmens zu verwirklichen. An der lebhaften Debatte über die beiden Referate beteiligten sich die Herren Dr, Göttlich, N i s s e 11 ha 11■ m , Golden borg, Gurcwjcz, J o c 11 c 1 in a 1111, E f r o i k i u, Dr. L e w i n und H c I d. Alle Redner anerkennen die Notwendigkeit der Bankgründimg. Einige wünschen, die Bank solle sielt für den Anfang mir ein engbegrenztes Tätigkeitsgebiet setzen und sich von privaten Bankgeschäfte» fernhalten. Auch wird der Wunsch geäußert, die Frage Fachmännern zur Begutachtung vorzulegen. Bei der hierauf vorgenonime* neu Abstimmung wird prinzipiell die Gründung einstimmig beschlossen. Hierauf wird eine Kommission, bestehend aus de» Herren Dr. Kahn (Berlin), Dr, Jo che (mann (London), Dr, Göttlich (Warschau), Dr. Sullam ((Venedig), Ka uders (Prag) ge* wählt, welche bis zur nächsten Sitzung nähere Vorschlüge in der Bankfrage zu erstatten hat. Mot zkin verliest ■ein Telegramm aus Beßarahien, in welchem mitgeteilt wird, die ukrainisehe n F 1 ü c h 11 i ng e werden ins Innere des Landes evakuiert und die Arbeit weJXlc 7 Millionen Lei erfordern, (Die Welthilfszentrale assigniere sofort eine halbe Million Lei und fordere <jie anderen Orgatvisatione» auf, ebenfalls Beiträge m Zeichnern. Dr. Krämer teilt mit, dal) er soeben auch einen Hilferuf aus Rowno erhalte» habe, woselbst ebenfalls für die Evakuierten große Summen nötig seien. Er unterbreitet den genauen Bericht dem Prnsidium, ebenso einen Bericht und das Budget des Fürsorgekomitees beim Wiener Palästinaamt. Er fordert auch eine Berücksichtigung der ukrainischen Flüchtlinge, welche in OstgMizien evakuiert werden sollen. Der Referent des Rettungskomitees sei nach Hause berufen worden und deshalb sei dieses hier nicht vertreten. Motzkili und Rosenbaum beantragen die Einsetz.ung einer Organ i sa tio nskonim is s ion, welche sich mit der Frage der Emigrationszen«- trale zu befassen habe. Es werden hierauf folgende Herren einstimmig in die Kommission gewählt: Efroikiii, Olschwanger, Dr. Lewin, Goldenberg, Schelwin, Dr. Krämer, Temkin, Brudzkus, Maas, Perlmann, Dr. Koh an*Bernstein. Um 8 Uhr abends wird die Sitzung vertagt. Die Kom- ■ missionen werden Nachtsitzungen abhalten. (J. C. B.) Die Resolutionen Prag, 27. September. (J. C. B.) Die Einigrationskonlcrenz nahm eine Reihe von Resolutionen an, von «lenen die wichtigsten lauten; 1. Die jüdische Ernigrationskonferenz hält es lür dringend, daß die künftige jüdische E m i g ra t io n s z e n t r a I e alle Mittel in Bewegung setzt, damit die Hindernisse, welche der Auswanderung der Juden aus dem Osten Europas, insbesondere aus den Pogromgebiete!!, eutgegenstehen, endgültig aus der Welt geschafft werden sollen. 2. Die jüdische Emigrationskcmfemiz hält es für eine der wichtigsten Aulgaben des jüdischen Volkes und aller jtidischen Instanzen, durch ein geschlossenes, solidarisch«־,» Vorgehen die Erd ft »ung einer Reihe von Länder», die für die Einwanderung geeignet sind, zu ermöglichen. Die künftige Zentrale soll für diese Aktionen an alle jüdischen Institutionen und alle politis eben Organisationen iibethaupt appellieren und zugleich durch die internationalen jüdische» Organisationen eine einheitliche Aktion vor dem Völkerbund veranlasse». 3. Da die Interessen der jüdischen Etnigration eine vollständige, einheitliche Tätigkeit der aut diesem Gebiete wirkende» Gesellschaften erforderlidi machen, beauftragt die jüdische Eniigrationskonferenz das von ihr eingesetzte Zentralorgan, die diesbezügliche!» Verhandlungen mit den irt Betracht kommenden Organisa׳■ tione» anfziinelnuen. Die Emigrationskonferen/ bcschlofi einstimmig di- Gründung einer E m igra t io n s ba!1 k und beauftragte das Zentralorgan, mit den an dieser Konferenz fehlenden großen jüdischen Organisationen, unbeschadet des duritativen und philanthropischen Charakters desselben, in der Bankgrümlung zu kooperieren. Die auf clie Bankgründimg bezughabenden Resolutionen lauten: 1. Die neue Bank soll die bereits bestellenden ähnlichen jüdischcit Gesellschaften nicht beeinträchtige», sonder» dieselben tunlichst fördern und sidi ihrer bedienen. 2. Sie soll sie» zunächst mit den Geldüberweisungen befassen. Sie soll den Namen ״Jüdische Zentralb a n k“ führen und nichts ir, ihren Titel au!nehme», was mit der Emigration Zusammenhang!. Sie kann ihren Tätigkeitsbereich bloß mit ausdrücklicher Zustimmung der Griindungskörpcrschaften erweitern. 3. Die Baak ist eine Aktiengesellschaft mit bevorrechteten Grunderaktien. Das Gründung ־־kapital beträgt 50 080 englische Pfund mit je 100 Piuiul jver Share; ,kleinere Stücke werden nicht ausgegeben. Die Bank wird ihre» Sitz in London habe» mit Korrespondenzfilialen in allen Orten, wo ein qlinliches jüdisches Institut nicht t> ■- steht. 4. ln den Vereinigten Staate», Kanada, Argentinien und anderen überseeischen Ländern werden Saving Banks (Sparkassen; in Verbindung; mit der Zentralbank gegründet. 5. Die anwesende» Organisationen übernehmen die Kosten der Gründung. Die Tätigkeit der Bank soll sobald als möglich beginnen, selbst wenn nur ein Teil des Aktienkapitals vorhanden ist. Konferenz der Ir.״enieurverbände Für de» 31, August war von den bisher bestehenden Landesverbände« zionistischer Jngeniuire eine Tagung nach .׳Karlsbad einberufe» worden. Am 30. August fand eine Vorkonferenz statt. Ber der Konferenz selbst waren Vertreter der Landesverbände in Deutschland, Oesterreich, Polen, Ostgalizien, Erez-lsracl, Rumänien. Holland und Rußland sowie Ingenieure aus der Tschecho- Slowakei, Jugoslawen und Frankreich anwesend. Die vom ״Verband jüdischer Ingenieure für den Aufbau Palästinas“ ‘(Deutschland) aufgestcllten Diesen, die weiter unten angeführt sind, erfuhren aBgemeiue Billigung. 1. Für die Durch füll ruivg des Aufbaues des jüdischen Heimes in technischer Hinsicht ist für aik: Institutionen! der Zionistischen Organisation ein technisches Zentra?- amt zu errichten. 2. ln die Verwaltung des Keren Hajessod ist ein Techniker als zuständiges Organ für alle tedmischen Arbeiten aufzunehmen. 3. Alle auszuführenden Projekte sind grundsätzheh auf dem Wege eines öffentlichen Wettbewerbes oder Ausschrei'bens zu erlangen und auszuführca. 4. Die Besetzung von technischen Aemtern darf nur durch öffentliches Aussdtreiben erfolgen. 5. Die Entscheidung ad Punkt 3 und 4 darf nur unter Mitwirkung des technische» Zentralamtes erfolgen. b. In den Wirkungskreis des technischen Zentralamtes fällt die Ausgestaltung des technischen Erziehung;,- wesens. 7, I>.1s technische Zentralamt hat bei seinen Ent- Schließungen tunlichst die Gutachten der technischen Verbände einzuholen. Der Optionsskandal 11« Oesterreich Wien, 22. Sept. (J. C. B.) Die hiesige liberale Presse nahm eine scharfe Kampagne gegen die rassenantisemitische Optionspraxis des deutschnationalen Innenministers Dr. Wabers auf, der entgegen dem Vertrag von St. Germain und dem Brüssler Staatsvertrag samtliehe jüdische Optionsbevvcrbcr, trotzdem sie allen Bedingungett •entspreche», zurückweist. Personen, die in Wien geboren und liier seit 50 Jahren ununterbrochen wohnen, werden mit dem Bemerken zurückgewiesen, daß sic als Juden nicht optieren können. Die hiesige ״Sonn- und Mon f a gsz e i t ung“ veröffentlicht eine Zuschrift des deutschen Schriftstellers Hermann Blumenthal, dessen Optionsgesuch ebenfalls wegen jüdischer Rassenzugehörigkeit des Bewerbers abschlägi״ beschießen wurde, obwohl Blumenthal sieben Werke von bedeutendem literarischen Wert in deutscher Sprache veröffentlichte, seit 25 Jahren in Wien wohnhaft und seit 10 Jahren Beamter der österreichische» Hypothekenbank ist und trotzdem er seinem Optiousgesuche ein Zertifikat des Unterrichtsministeriums beilegte, daß er auf dem Gebiete der deutschen Literatur Hervorragendes leistete 6

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