Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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575 •־!! 8/79 ^r1£ stcn n11r ein ל!j-iltcn ■״ Ver. »nders m, der Ut den ®*ruhig '* d'.-Vii drängt Au Iler- *egin״ ■isciK'n d ver. י Die gegen Innrer Auf. •־Schaft Juden mehr, au Du. W0Winiext, ‘Ischemi in egimc freien ersten ׳bens. *men. tzimg ßlrnd diese doch üben wenn luden, 1 von lalio• Re-;die» 31.md nden ner. »des- •nenci!1 olkr dgen icsen des hten, Tatzum?״״ft Ste. russi* und öbelradie irisch 1 die * Sa idcniege• jeren vußtrden, Wille s so,!ende ia er gute (für xiukt eines Jens־ midi Ist blauf Tat nach des pitel. *iche ge• Uten rinen ipfe- »tur- »ube des erste denvon ensders { 'f I i 1 I I 4 ו Nr. 78(79 ־ .. unter der Leitun? der Gesellschaft ״Tarbnth“ (01־ uaiiisation für hebräische Erziehung und Kultur) standen, ine Sdn׳!e11 wurden oluie Ausnahme van den Bolsehcnisten gesperrt, die Lelirer entlassen, das Sdiulvermögen beschlagnahmt und die Organisation ״Tarbuth“ als ,,gegenTevolutioivir“ gvbrandmarkt. Die Zionisten versuchten anfangs, den maßgebenden Leitern der bol• schewisiisclieii Schulpolitik zu erklären, daß eine Sprache an sidi doch weder revolutionär noch gegenrevolutionär sein kann. Aber vergebens! Wenn auch die niditjüdischen Kommunisten mivunter begriffen zu haben schienen, so standen ihnen doch immer jüdische Ge* nassen zirr Seite, um jedes Kompromiß auf diesem Gebiet zu verhindern. Die Vernichtung der jiküsdinationalen Kulturinstitutc wunde schließlich von den Bolschewisten crreidit. Wenn man noch hinzufügt, daß sämtliche hebräischen Zeitungen eingestellt, die Budidruckereien nationalisiert, die Büchcrvorräte teils als i i elzm a t e r i al, teils als Rohmaterial zur Papier• bereilung benutzt wurden, — so lut man ein vollständiges Bild von der Zerstörung geistiger Güter. Aber die Zionisten blieben unter der russischen Judcnheit noch immer die aktive Partei, die den Kampf um die nationalen Güter hartnäckig fortsetzte. Verfolgungen und Terror konnten die kulturelle und organis.v torische Arbeit unter den Massen dodi leicht vollständig vernichten. In Privat- und auch Bethäuseni hat man zum Beispiel die im öffentlichen Lehen unter, drückten Schulen in aller Heimlichkciit wieder aufgebaut. Obwohl diese Arbeit jetzt noch erweitert wird, entsteht jedoch gerade um die gegenwärtige Jahreswende eine Todesgefahr für unser heimliches Schuhverk: die Mehrzahl der Lehrer und führenden Zionisten ist des ewigen Ringens und Kämpfeas müde geworden und hat auf verschiedenen Wegen Rußland verlassen. Da die jüdischen Massen führerlos zurückgeblieben sind, ist zu befürchten, daß das heimliche Sdmlwerk im nächsten Jahr wegen Lehrer- und Geldmangels zusaminenbrechen wird. Dann wäre endlich das von den jüdischen Kom* muuistcn so heiß erstrebte Ziel erreicht: die nationale Finsternis würde ihren Todesmantel über das Judennun in Rußland ausdehnen. Wenn dieser nationalen Kata• Strophe für die Gesamtheit des jüdischen Volkes rechtzeitig begegnet werden soll, muß schleunigst eine giofie Hilfsaktion der Juden außerhalb Rußlands, in erster Linie aber der im Ausland« lebenden russisehen Juden eiugeleitet werden. Auf die zweckmäßige Organisierung des :Hilfswerks wird noch zurückzu, kommen sein. Teilnahme der Juden an der Konferenz ia Angelegenheit der rassisch-ukrainischen Flüchtlinge Genf, 22. September. (1. C. B.) Unter Vorsitz Nansens wurde hier eine Konferenz abgehalten, die sich mit der Frage der russischen und iikrainischeii Fliiclitlinge befaßte. An dieser Konferenz nahm auch Mr. Lucia« Wolf in! Namen mehrerer jüdischer Orgaivisationen teil. Derselbe wurde in das von der Konferenz, eingesetzte spezielle Komitee gewählt, das einen delinitiven Hilfsplan für die unzähligen Massen russischer und ukrainischer Flüchtlinge, die über ganz Europa zerstreut sind, auszuarbeiten hat. Laut J. C. B. wurde auf Betreiben der lokalen jüdisehen Sektion der russischen kommunistischen Partei der hebräische Unterricht ini jüdischen Gymnasium in Smolensk verlxjten. Der vom Leiter des Gymnasiums an den russischen Zeutralsowjet gerichtete Protest wurde /uriickgewicseii. der Freiheitsgiäuhigc Menschen und Dinge, Denn nur für diesen gibt es Kampf um die Verwirklichung des Guten, Schuldgefühl um des Schlechten willen; er ist der allem Verbundene, nie Beruhigte. Der Gnaden- ״laubige fühlt sich vor jedem Schuldgefühl geborgen, kein irdisches Geschehen ist durch ihn beeinflußbar; er ist der von allem Abgelöste, immer Gesicherte. Die jüdische Religiosität ist freiheitsgläubig, die Christliehe gnadengläuhig, wenngleich die ausgebauten Religionen selbst nicht ganz glaubenslogisch sein können. Denn die Freiheitsreligion, die ein Stück schöpferischer Macht in den Menschen verlegt, könnte nicht inehr an einem allmächtigen Gott außerhalb der Natur festhallen, die Gnadenreligion, für die alles Tun des Menschen wertlos »st, verlöre jedes Anrecht auf ethische Fordenmgen. Hier nun, wo gleichsam die Rechenfehler der Religioncu aufgedeckt erscheinen, erhebt sich das Buch in klarem logischen Anstieg zu religiöser Höhe: aus der Analyse des Willens wird ein Buch über Gott, Für den Freiheitsgläubigen, der mitschafft am Werden der Welt, ist dieses Werden höchste Wirklichkeit, und darum ruht für ihn Gott im Werden der Welt. Er sagt nicht: Hott ist, er sagt: Gott ״wird“ und der Wille des Menschen hat an diesem Werden, das dem absoluten Bein z.ustrebt, heiligen Anteil. Ich scheue diesen Gedankenbogen von der menschlichen Abstraktion eines absoluten Seins in die furchtbare Wirklichkeit Gottes. Aber ich bewundere die logische Kühnheit, die hier an die Grenzen der Mystik vorstößt. So beginnt denn das Buch mit dem nbgrundloseu Vertrauen zur Wirklichkeit und schließt mit dem ttnendliehen Glauben an das göttliche Werden. Zwischen diesen Unendlichkeiten stehe der Mensch, erschüttert, aber nicht erdrückt, voll aufrichtender Kraft und voller Verantivortung! Pfag• Friedrich Thieberger. / _ JUED1SCHE RUNDSCHAU Herbert Samuel am Scheidewege j Während in Karlsbad der Zionistenkongreß , tagte, sind zwei Dokumente erschienen, die für das! politische Schicksal Palästinas in nächster Zukunft; von größter Bedeutung sind: Der cndgiltigc Entwurf des Mandates, und der erste Verwaltungsbericht Herbert Samuels. Der Mandatsentwurf ist — so!'hoffen wir -- das letzte Glied in der Kette vorbereitender Akte, die mit der Balfour-Dcklaration begannen und die Hoffnungen des jüdischen Volkes auf das höchste gespannt, aber auch durch ewiges Hinausschicben und wcchsclvolles Schwanken seine durch Krieg und Pogrom geschwächten Nerven zerrüttet haben. Der Entwurf unterscheidet sich nur in wenigen Kleinigkeiten von dem seinerzeit von uns vollinhaltlich publizierten; möge er sich von ihm vor allem dadurch unterscheiden, daß er nicht wieder zurückgestellt, sondern nunmehr durch Völkerbundsbeschluß zu internationaler Satzung gemacht wird. Die politischen Verhältnisse Palästinas müssen endlich konsolidiert werden, dann wird auch die Landesregierung die lange angekündigte Anleihe mifnehmen können, es werden neue Entwicklungsarbeiten möglich sein, die Juden und Araber beschäftigen und einen großen Teil der Un- Zufriedenheit beseitigen werden. Gleichzeitig wird dann für die jüdische Arbeit im Lande die Rechtsgrundlage geschaffen sein, und die Zionistische Organisation als die Jewish Agency wird einerseits durch ihre legalisierte Stellung größere Arbeitsmöglichkeiten haben, andererseits von den Juden die großen Mittel, derer sie zum Aufbauwerk bedarf, mit größerem Nachdruck verlangen können. Die Durchführung wird allerdings nicht nur von der politischen und rechtlichen Gestaltung, sondern vor allem von den realen Verhältnissen ablängen. Es ist ein Vorzug des Berichtes Herbert Samuels, daß er den Faktor der Wirklichkeit in das Kalkül einstellt und ihn zuin Ausgangspunkt seiner Erwägungen macht. Mit Recht macht Samuel einer gewissen Kategorie Zionisten zum Vorwurf, daß sic die Wirklichkeit nicht sehen und ihre Welt so sehr aus politischen Deklarationen und Formeln aufbauen, daß sie zu den phantastischsten Verwirrungen kommen. Samuel sagt, es gebe Zionisten, die zuweilen, völlig im Banne der Größe ihres Ideals, an die Existenz einer gegenwärtigen Bevölkerung Palästinas vergessen; solche naiven Stubenpolitiker werden dann unwillig, wenn sie durch die Wirklichkcit aus ihren Träumen gerissen werden. Schlimmer aber sind diejenigen, welche sich zwar der Schwierigkeit des Problems bewußt sind, aber cs radikal lösen wollen, etwa durch Wcgkolonisieren der Araber, wie einst Zangwill vorschlug (Im selben ״Jewish Chroniclc“, der sich jetzt über Herbert Samuel so aufregt). Solche Auffassungen haben den Zionismus in einem falschen Licht erscheinen lassen und sind seiner Verwirklichung nicht günstig gewesen. Herbert Samuel sieht als britischer Staatsmann und als Jude das Problem ganz anders. Für ihn müssen die berechtigten Anspriichi: des jüdischen Volkes bezüglich Palästinas in Einklang zu bringen sein mit der vollen Beiriedigung der Rechte der gegenwärtigen Bewohner und mit ihrer systematischen Höherentwicklung. Nur derjenige Zionismus, der diese Bedingung erfüllt, scheint ihm durchführbar (״practicable“). Er ist aber überzeugt, daß die Mittel gefunden werden können, um diese Verbindung hcrzustellcn. Samuel formuliert sehr scharf. Es sei die Aufgabe der Mandatannacht, das Wohlergehen der Landcsbevölkerung zu fördern, genau als ob es keinen Zionisnius und keine Balfour-Dcklaration gäbe. Dies aber sei voll vereinbar mit den zionistischen Ansprüchen; denn wenn das Wachsen des jüdischen Einflusses mit einer Entrechtung oder Benachteiligung der Araber verbunden wäre, dann wäre der Zionismus mißlungen. ״In einem Wort, der Grad, bis zu welchem jüdischnationale Ansprüche in Palästina befriedigt werden können, ist bedingt durch die Rechte der gegenwärtigen Bevölkerung.“ Die Darstellung Herbert Samuels scheint uns in der Tat den aktuellen, ״durchführbaren“ Zionismus richtig zu charakterisieren. Zwar gibt es einen messianischen Zionismus, der von der Wirklichkcit völlig unabhängig ist; zwar wird das jüdische Volk niemals sein ideales Recht auf Palästina, aufgeben; aber im gegenwärtigen geschichtlichen Moment hängt die Ausnützung der sich darbietenden Chance von dem klaren Blick und Wirklichkeitssinn des jüdischen Volkes ab. Das jüdische Volk muß erkennen und voll würdigen, was tatsächlich an großen Möglichkeiten heute da ist, deren Ergreifung seine Sache ist, aber es muß auch verstehen, was cs nicht verlangen und nicht tun darf. Von diesem Verständnis und Takt hängt es ab, ob die heutige Chance .vergrößert oder gemindert wird. In diesem Augenblick gibt cs keinen abstrakten Zionismus, sondern die konkrete Aufgabe der Stunde, die mit den gegebenen Bedingungen rechnen muß. jüdische Immigration, jüdische Unternehmungen und Arbeit im Lande, jüdisches Kultur- und Wohlfahrtswerk können nicht gegen die Araber gerichtet sein, sic müssen vielmehr mit dem Wohlstand des Landes auch die Lage der arabischen ebenso wie der jüdischen Bevölkerung heben. Dies liegt durchaus in den Intentionen des Zionismus, der erst wieder in seinem Karlsbader Kongreß die feierliche Erklärung abgegeben hat, daß sein Werk einer friedlichen Bewegung der beiden großen semitischen Völker den Weg bereiten soll. Zionistische Realpolitik muß dieses Ziel im Auge haben, sonst verliert sich der Zionismus in nationalistischer Romantik, für die heute im Völkerleben kein Platz ist. So sehr wir also die grundsätzliche Ein- Stellung Herbert Samuels bejahen können, so sehr müssen wir doch gegen die Art Verwahrung einlegen, in der er von den jüdischen Rechten spricht. Nachdem er in dem Einleitungskapitcl seines Bcrichtes eine in Ton und Inhalt durchaus sympathische Darlegung des Zionismus gegeben hat, schwächt er im zweiten Kapitel den Eindruck dieser Darstellung immer mehr ab. Er übersieht dabei, daß die Verwirklichung des Zionismus es gewesen ist, die England als Legitimation der Besitzergrci* fung Palästinas benützte; er vergißt, daß das Mandat England zu dem ausgesprochenen Zwecke übertragen worden ist, die Errichtung der jüdischen Heimstätte zu fördern. Es fehlt in seinem Bericht die starke, positive Betonung dieses Tatbestandes. Er spricht vom Zionismus beinahe nur in apologotischem Tone; denn obwohl seine Anschauung über die Beziehungen des Zionismus zu den Arabern unseres Erachtens im großen ganzen richtig ist, bekommt sie doch durch das Fehlen einer Fest- Stellung der aus der Balfour-Dcklaration und dem Mandate unverrückbar fließenden jüdischen Rechte einen einseitigen Charakter. Die Annahme des zionistischen Programms als der einzig möglichen Lösung der Judenfrage seitens des Völkerrates ist eine Anerkennung geschichtlicher Notwendigkeiten, die von den heutigen Machtverhältnissen in Palästina unabhängig ist. Die Juden sind in Palästina keine ״Minorität“; denn selbst wenn die zwar wertvolle, aber doch an Umfang geringe praktischzionistische Arbeit der letzten Jahrzehnte nicht geleistet worden wäre, wenn also gar kein Jiscluiw־ in Palästina wäre, würde dies an der prinzipiellen Sachlage nichts ändern. Samuel selbst erklärt, daß Palästina heute unentwickelt und unterbevölkert ist. Das Land kann eine Einwanderung von Menschen und Kapital nicht nur vertragen, es bedarf ihrer sogar. Und am Rahmn der geschaffenen politischen Situation, auf Grund der durch das Mandat eingeräumten politischen Rechte werden die Juden diese Rolle aus!Lilien und dadurch wieder mit dem Boden verbunden werden, von dem sie einst losgerissen wurden. In der Durchführung dieser Aufgäbe müssen die Juden fraglos mit der Wirklichkeit rechnen und auf die bestehenden Rechte Rücksicht nehmen; aber zunächst muß ihr eigenes Recht ungeschmälert anerkannt sein, und an ihm darf nicht gerüttelt werden. Diese Bestimmtheit vermissen wir in dem Report des High Commissioner. Er spricht von den ״Gefühlen“ der über die Welt verstreuten Juden in bezug auf Palästina und fügt hinzu: ״Die Aspirationen dieser vierzehn Millionen Menschen haben gleichfalls das Recht, beachtet zu werden“ — als ob nicht die Anerkennung dieses Rechtes längst erfolgt wäre, als ob es dieser Empfehlung überhaupt noch bedürfte. Es scheint, daß diese Stelle des Berichtes mehr an die Araber als an die britische Regierung gerichtet ist, in deutlieh apologetischer Tendenz. Dies verschiebt aber den politischen Tatbestand in einer für die Juden unerträglichen Weise. Und eine zweite Bemerkung ist zu machen, die sieh bei der Betrachtung der Praxis Herbert Samuels aufdrängt. Die Beurteilung dessen, was in die Rechte der arabischen Bevölkerung eingreift, kann von sehr verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Wenn man von vornherein die weitge* hendstc Rücksicht auf alle Empfindlichkeiten pro. klamiert, wenn man geradezu prophylaktisch jeder Empfindlichkeit entgegenzukommen strebt, dann steigert und ermutigt man diese Empfindlichkeit. Die berechtigten und wohlverstandenen Interessen der Araber können durch den Zionismus nicht verletzt werden, weil die Zionisten selbst sehr wohl wissen, was sie nicht nur dem arabischen Volk sondern auch ihrer eigenen nationalen Ehre schuldig sind, die unbedingte Respektierung jeder anderen Nation verlangt. Wenn man aber von vornherein etwaige mögliche künftige Nachteile durch deutliehe Bevorzugung der Araber gewissermaßen zu kompensieren sucht, so erregt man den Anschein,