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Jüdische Rundschau · 1921-09-23 · Heft 76 (23.9.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 76 (23.9.1921)
Date
1921-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 560 .JU.ED1SCHE RUNDSCHAU * «־־-/I ^4# ף, רך? '; i | ׳“ «M» T!! /גך׳־ j 1 ,«י*׳ J>cr der eiiglisdien Regierung von Samuel überreichte Vcrwaltungsbcriclrt für die Zeit vom 1. Juli 1920 bis 30. Juni 1921 wurde ntuunclir als ״Weißbuch“ einer weitere!» Ocffentlielikeit zugänglich gemacht. Der Bericht beginnt mit der Schilderung des Zu- Standes!Palästinas nach Abschluß des Krieges und gebt dam! auf die Politik der Verwaltiuig und die Form der palästinensischen Regierung über. Weitere Kapitel befassen siel! mit den Finanzen, der öffentlichen Sicherlieft usw. Be! Schilderung des Zustandes Palästiuas nach Kriegsende wird ganz besonders darauf hingewiesen, daß es wohl einem jeden Europäer bekannt sei, daß Palästina sowohl vor dem Kriege als auch jetzt noch schwach bevölkert ׳und noch schwächer entwickelt• sei. Die Lamlwirlscliaftsmeihoden sind primitiv und auch die bereits kultivierten Ländereien könnten produktiver;:cstaltct werden. Es gibt auch große produktioiisfäliige Gegenden, die überhaupt noch nicht erschlossen and. Verschiedene Industrien wurden durch die türkische Geset/gclnmg lahmgclegt, keine ermutigt. Die Märkte von Palästina und der umgrenzenden Länder wurden liauptsächlich von Europa, aus versorgt, — Die religiösen und historisdien Verbände, die die größte Anziehung für den ganzen Westen und einen großen Teil des Ostens besitzen, haben bisher mir einen kleinen Teil von Pilgern und Reisenden nach Palästina gebracht, die beim Vorhandensein besserer Bedingungen wohl in großen Massen die heiligen Orte besuchen würden. Grund der geringen Bevölkerungsdichte ist die schleckte Entwicklung des Landes. Befinden sich doch in Pu- Listina kaum 700 000 Personen, also viel weniger, als die einzige Provinz Galiläa zu Zeiten Christi besaß. Von dieser kleinen Bevölkerung wohnen 235 ODO in den großen Städten und 405 000 in den kleineren Orten und Dörfern. Vier Fünftel derGesamtbevölkcrung sind Muselinanen, ein kleiner Teil davon arabische Beduinen, wälixend die übrigen, obwohl sie arabisch sprechen und Araber genannt werden, zum größten Teile einer gemischten Rasse angeboren. Die jüdische Bevölkerung zählt 70 000, die fast alle erst während der letzten •10 Jahre nach Palästina cingcwandcrt sind. Die Juden lebten in vielen Ländern unter schweren Ausnahmegesetzen. Man unterdrückte ihre Fähigkeiten und ließ sie nicht ihre Energie entwickeln. In Palästina erblickten sie ein Heim, in dem sie ruhig und zufrieden werden leben können. Der Erfolg der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien hat das regste Interesse der jüdischen Massen der ganzen Welt erweckt. Diese Massen, die in den überfüllten Städten sich so sehr mit Kleinhandel befassen mußten, vernahmen den Ruf, als Produzenten auf dem Lande ein gesünderes und schöneres Leben zu beginnen. Viele von ihnen, bereits fertige Landwirte, erblickten in Palästina einen Boden, nicht weniger fruclitbar und viel freier als jener Boden, an den sie sich bereits gewöhnt hatten. Die Politik S, M, Regierung ist cs, diese legitimen Bestrebungen 'der jüdischen Rasse in der ganzen Welt in bezug auf Palästina zufrieden zu stellen, in Uebcreinstimrming mit einem vollen Schutz für die Rechte der dort bereits ansässigen Bevölkerung. Was mich betrifft, bin ich der Auisicht, daß die Möglichkeiten vorliegen, diese Kombination durchzufüh ren. Praktisch ist jener Zionismus, der diese notwendigen Bedingungen erfüllt. Es ist klar, daß es die Aufgabe der Mandatsmacht ist, auch für den Wohlstand der arabischen Bevölkerung zu sorgen, ebenso wie die britische Verwaltung es als ihre Pflicht anschea würde, für das Wohl der lokalen Bevölkerung in jedem Teile des britischen Imperiums zu sorgen. Die M a II - nahmen, für das Wohl der Araber zu sorgen, müssen dieselben sein, die wir in Palästina ergreifen würden, wenn cs dort keine zionistische Frage gäbe, wie auch keine Balfour-Dcklaration, Es gibt in dieser Politik nichts, das mit den vernünftigen zionistischen Bestrebungen unvereinbar wäre. 1111 Gegenteil — falls das Wachsen des jüdischen Einflusses begleitet wäre von einer Erniedrigung der Araher, oder selbst von einer Vernachlässigung, den Zustand der Araber zu heben, wäre dies zugleich auch ein Mißerfolg eines der Hauptziele des Zionismus. Die Unzufriedenheit der Araber würde die Juden diskreditieren und als Resultat würde der Einfluß der In der deutschen Land Nr. 76 Zionisten sehr leiden. Zugleich müssen auch die Sendments bcz. Palästinas zu friedenge stellt wenden, ein ehrwürdiges und nobles Sentiment, das in wachsendem Maße die jüdische Gemeinschaft der ganzen Welt belebt. Die Bestrebungen der M Millionen Juden haben auch das Recht, anerkannt zu werden. Sie erstreben die Möglichkeit, ein Heim in dem Lande zu errichten, das ihr politisches Zentrum war und stets das religiöse Zentrum ihrer Russe geblieben ist Sie wünschen, daß dieses Heim nationalen CJiarakter (rage, in Sprache und Gebräuchen, in geistigen Interessen, in religiösen und politische!( Institutionen Dies alles heißt nicht, daß die jüdische Einwanderung eine arabische Auswanderung nach sich ziehen würde, oder daß die Hebung des Wohlstandes im Lande durch die Entwicklung des jüdischen Unternehmungsgeistes auf Kosten der Araber gehen würde und nicht zum Nutzen der Araber, auch nicht, daß die Benutzung der hebräischen Sprache einer Verdrängung der araWsclien Sprache glciciiiriiinc, oder daß die Bildung von erwählten Councils (Räten) in den jüdischen Gemeinden, um die jüdischen Angelegenheiten zu kontrollieren, dazu führen würde, daß die Araber der Herrschaft dieser Councils unterworfen würden Mit einem Worte, der Grad, bis zu welchem die jüdischen Bestrebungen in Palästina verwirklicht werden können, ist an die Wal»- ru!1״ der Rechte der jetzigen Einwohner geknüpft. Das sind die Prinzipien, die für die jetzige Verwaltung in ihrer Politik weglcitcnd waren. Das verflossene Jahr war jedoch für die Anwendung dieser Prinzipien nicht günstig. Der lange Aufschub der formellen Bestätigung des internationalen Status von Palästina hat U n ru 11 e verursacht Noch ernster waren die Konsequenzen, daß es nicht möglich war, eine Regierungsu»leihe aufzulegcn, ohne welche man vielc_öffentliehen Arbeiten, die direkt oder indirekt Nutzen abgeworfen hätten, nicht durchführen konnte. Die finanziehen Zustände in Ost- und Zentraleuropa, wie auch die internen Schwierigkeiten der Zionistisehen Organisation in den Vereinigte» Staaten, hinderten die Zionisten bisher an der Aufbringung von großer» Summen für die Entwicklung von Unternehmungen und Kolonisierung des Landes, wenn auch eiidgc Landküufe bereits durchgeführt und auch viele Vorbereitungen für die Zukunft gemacht worden sind. Die Folge davon war, daß, obwohl ein großer Druck ausgeübt wurde, jüdische Immigranten ins Land zu lassen, gleichzeitig verhältnismäßig nur wenig Möglichkciten für Beschäftigung dieser Immigranten bestanden. Die Zahl der eingewanderten Immigranten während der Berichtsperiode betrug gegen 10 000, davon 315 Nichtjudcn. Ucber 8000 gelangten ins Land unter Aufsicht der Zionistischen Organisation, die übrigen selbständig. Samuel erwähnt des weiteren die verschiedenen Einrichtungen, die im Laufe des letzte!» Jahres in Palästina gemacht wurden und weist u. a. auf das große Verlangen nach Bildungsmöglichkeiten hin. Im Durchschnitt wurde je eine Schule pro Woche eröffnet und dies soll im gleichen Umfange 4 Jahre hindurch fortgesetzt werden. Wegen der Vorfälle in Jaffa lag der Bericht der Uatersuchungskommisson unter Vorsitz von Sir Haycraft bd Ausarbeitung dieses Berichtes noch nicht vor, weshalb nodi nichts über diese unglücklichen Vorfälle gesagt werden soll, die 88 Tote und 238 Verwundete im Gefolge hatten. Auf die angcblidie Verbreitung des Kommunismus eingehend, betont Samuel, daß zum Teil unter den Neuunmigranten, wie auch unter den früheren Liawohnern des Landes sich eine kleine Gruppe von Kommunisten gebildet habe, die versuchte, eine Agentur der bolschewistischen Propaganda zu werden. Diese Gruppe hat fast eine universelle Gegnerschaft gegen sich hervorgerufen und eine so große Aufmerksamkeit erregt, wie sie ihr ziffernmäßig gar nicht hätte zukommen sollen. Soweit es möglich war, hat man von ihnen viele identifiziert, 15, die Ausländer waren, aus dem Lande ausgewiesen und weiteren 8, die ottomaiusche Staatsbürger waren, und 5 Ausländern das Versprechen der guten Aufführung abgenommen. Samuel schließt seinen Bericht mit einer anerkennen׳- den Bemerkung für die .itische militärische Administrativbchördc. Die Erhaltung der Garnison kostet gegen 2500 000 Pfd. aber die amerikanische Auffassung vom Zionismus als reiner Kolonis'ationsangdegenhcit, die Wirtschaftlieh zu führen und möglichst nach Ländern zu dezentralisieren ist. Simon hat von der Kongreßtribüne diese Anschauung verteidigt, aber es hat den Anschein, als ob er dies im •Grunde doch nur um Brandeis willen getan hat, ,nicht aus seiner eigenen zionistischen Seele heraus. Was sonst über Amerika gesagt wurde, auch von Amerikanern, zeigte klar, daß der von der früheren zionistischen Leitung Amerikas eingeschlagene Weg ein Irrweg war, der nicht nur zu gar keinen Erfolgen, auch keinen materiellen Erfolgen führte, aber den Ziorusmus Schaden nehme״ ließ an seiner Seele.‘ Der Kongreß ltat sich entschlossen von diesem Weg abgewandt. Er hat von neuem das Bewußtst״ geweckt, daß wir nur stark sind durch innere Kräh• daß wir nicht aufgeben dürfen, was uns in Tagen der Gefahr und des Mißerfolges ebenso aufrecht• zuerhalten vermag, wie es uns in Tagen des Erfolges Sammlung und Aufbauwillen gibt. Was alle mehr oder weniger verschwommen fühlten, was in all der Unzulänglichkeit gestammelter und abgebrauchter Worte nicht sich äußern konnte, Itat in der wundervollen Schlußrede Bialiks, dem herrlichsten Moment des Kongresses, hinreißenden Ausdruck gefunden: daß die zionistische Idee des Aufbaues eines neuen menschlichen Gemeinschaftslebens wie eine Feuersäule vor uns hergehen muß, wenn wir zum Ziele gelangen sollen. Der Kongreß, bei dem leider die hebräische Sprache weniger gebraucht wurde als schon bei früheren!Anlässen^ hat so doch in hebräischer Sprache sein entscheidendes Geisteswort erhalten. Der Zionismus muß sich wieder zu nationaler Größe ermannen. R.W. sniannsehaft Es ״ab wohl keinen Landesverband in der Zioni-*־ scheu Organisation, der auf dem Kongreß in gleich'.' Stärke wie die deutsche Landsmannschaft vertreten Jf wesen wäre. Wenn die Zahl unserer Delegierten tm sprechend der Schekelzalil nur elf betrug, so war doc|" die Zahl der Zuhörer um so größer: Sie dürfte nicht viel unter 400 geblieben sein. Man sah Zionisten au. allen Teilen Deutschlands, die bewährten Träger 'Un* sercr zionistischen Arbeit, die wieder einmal einen Kon greß mitmaclien wollten, und zionistische Jugend, fyf die der Karlsbader Kongreß der erste Kongreß war| den sic als Zionisten miterlebten. Mancher war unter ihnen dessen zionistische Leistung und dessen Verständnis für unsere Probleme ihm sicherlich den Platz eines Dekgierten verschafft hätte, wenn er einer zahlenmäCr׳ stärkeren Landesorganisation angehört hätte. k Die Sitzungen der deutschen Landsmannschaft sind sehr interessant und wichtig gewesen und ermöglicht«! den Teilnehmern, den Kongreß ganz anders mitzuerlcbcn als wenn sie nur an den Sitzungen des Plenums teilgenommen hätten. Aut diesem Kongreß spielten sich ja noch mehr a!s aut früheren Kongressen die entscheidenden Dinge nicht im Plenum, sondern in den Kommissionen ab. Wer den Gang des Kongresses, die auttauchenden Probleme, du■ Stellungnahme der verschiedenen Gruppen zu ihnen, verstehen wollte, mußte über die Arbeit der Kommissionen auf dein Laufenden gehalten werden. Dazu kam ein weiteres: Die ausgedehnte Generaldebatte behandelte so viele Probleme gleichzeitig, daß es unmöglich war, sich in ihr über bestimmte wichtige Fragen erschöpfend zu orientieren. Diese Orientierung war aber gerade für die deutschen Zionisten, wie für alle Zionisten Mittel- und Osteuropas von besonderer Bedeutung, weit es notwendig war, den Zusammenhang mit den Problemen des Weltzionismus wiederzugewinnen, der während des Veit• krieges vielfach verloren gegangen und in den letzten Jahren noch nicht überall wiedergefunden worden ist Der Aufgabenbereich der deutschen Landsmannschaft auf dein Kongreß ergab sich mimnehr klar. Es mußten einmal Sitzungen stattfiiidc-n, in weichen diejenigen cleutscheu Delegierten, die in den Kommissionen saßen, über die dort verrichtete Arbeit orientierten. Diese Sit/imgen fanden beinahe täglich statt. Sie waren zugänglich für jedes Mitglied der deutschen Landsmannschaft, jeder konnte an den Diskussionen tcilnehmen und seine Anregungen übermitteln. Sehr eingehend wurden z, B. die Fragen des organisatorischen Wiederauf bau s der Bewegung erörtert. Die deutsche Landsmannschaft trat entschieden dafür ein, daß das Aciiorss-Comite auf eine kleine, 25 nicht überschreitende Zahl von Mitgliedern beschränkt würde und daß diese Körperschaft ein wirkliches Kontrollorgan aus ständig mitarbeitenden Gesinnungsgenossen sein sollte, das auf diese Weise imstande sei, gleichzeitig auch die Stellung der Exekutive zu stärken. Die Stimmung der Landsmamischaft war entschieden gegen ein Actions-Cormte von der Größe des auf der Londoner Jahreskonferenz geschaffenen und war ebenso dagegen, daß die Arbeit*• iühigkeit dieses Actions-Comites durch zu starke Berücksichtigung der Wünsche von Landsmannschaften und Föderationen beeinträchtigt würde. Die endgültigen Be- Schlüsse des Kongresses liegen ja erfreulicherweise in der Richtung dieser Auffassung. In ähnlicher Weise beschäftigte sich die deutsche Landsmannschaft in wiederholten Aussprachen mit den Problemen des Keren Hajessod, mit dem Maasscrprinzip, der Frage der Beteiligung der Nichtzionisten, dem Verhältnis des Keren 1 lajessod-Direktoriums zur Exekutive. In diesen Fragen bestand eine volle Uebcreinstimmung in der Landsmannschaft, die sich bei ui!s nicht nur auf Ueberlegung, sondern auch auf die Erfahrung einer einjährigen Keren Hajessod-Arbeit stützt. Eine andere Besprechung dieser Art betraf das Budget; cs wurde über die Zusammensetzung der E x e kutive gesprochen und viele einzeln auftauchende Fragen erörtert. Alle diese Sitzungen waren sehr stark besucht und wurden offenbar als sehr notwendig und fruchtbar empfanden. Es war für die Delegierten von Bedeutung, die! Stimmung der Landsmannschaft kennen zu lernen, und in jeder derartigen Besprechung tauchten Anschauungen und Anregungen auf, die irgendwie verwertet werden konnten, Die gegebene Form für diese Sitzungen war die der Diskussion: Bericht über die Arbeit in der Kommission und nachfolgende freie Aussprache. Da• neben aber gab es eine andere Art von Sitzungen, die die deutsche Landsmannschaft angeregt hatte und mit der österreichischen und tschechoslowakischen gemein• sam veranstaltete. In diesen Sitzungen handelte es sich nicht um Diskussion, sondern um Information der Lands• mannschaft, Kenner bestimmter grundsätzlicher Fragen äußerten sich vor dem Forum der Landsmannschatt, und es dürfte Einstimmigkeit darüber herrschen, daß diese Sitzungen unser Verständnis für die Probleme der Bewegung vertieft haben, Vor allem handelte es sich hier um den Gesamtkomplex der Pa- 1 ä s t i n aa r bei t. Die Tatsache, daß seit der Balfour- Erklärung in Palästina fast nichts geschehen ist, die Mißstimmung zwischen manchen Gruppen des Jischuw, die Frage nach der Rentabilität der Kwuzoth, die Fräse nach den geeigneten Männern für das Aufbauwerk, die Frage der Verwaltung der Gelder, endlich die arabische Frage mit all ihren Beziehungen ist in der Hauptsuche nicht diskutiert worden, sondern sie wurde von Palästinensern der verschiedensten Richtung und Auffassurig vor uns erörtert. Auch diese diskutierten nicht

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