Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1921)
- Date
- 1921-09-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 556 jUEDiSCHE RUNDSCHAU I 4 i ,J 1 ו¬ ו' 1 ff < j < Ke ersten zwei Punkte werden n1״cnorames, die weiteren der Exekutive als Material übergeben. Schluß der Sitzung 12 Uhr nachts. <!3a1 Beridit über die 25. und 26. Sltesig bringen wir in der fofeendei» Nummer. — Die Red.) Siebenufidzwanzigste Sitzung Mittwo-ch, den 14. September 1921, abends. Präsident Sokolow eröffnet um 10,35 Uhr abends die Sitzung. J. Grün bann! (Polen): leb habe die Ehre, Ihnen den llcrk'ht der politischen Kommission zu erstatten. Die politische Kommission, hat sich am d. September Iconstitm'ert und seither zweimal täglich Sitzungen ab;e-!!alten. Sie. hat Berichte von den Herren Präsidenten Weizmaim und Sokolow, von den übrigen Mitgliedern der Exekutive, von den Mitgliedern des Waad Hazlrim und \\>n einigen führenden Vertretern_ des Waad Haleunii cutgcgengcnotntneu. Sie hat eine Resolations׳- kommission eingesetzt, die eine Anzahl \x>!! Resolutionen ausgearbeiiet hat. Die politische Kommission bat beschlossen, dem Kongreß nur Resolutionen über die wich* tigsten Fragen vorzulegen und alle übrigen Beschlüsse der Exekutive als Anregung zu übergehen, damit diese sie im Einvernehmen mit dem Actions-Oanütc tingehender Erwägung unterziehe. Der Referent verliest nunmehr die neun Resoiutionen, die wir an anderer Stelle wiedergeben. Grünbaum: Die po'.itische Kommission hat es für notwendig gehalten, dem Kongreß vorzuschlagcn, sich in diesem entscheidenden Augenblick mit einem Aufruf an das jüdische Volk zu wenden. Referent verliest de« an anderer Stelle »!!gedruckten Aufruf unter lebhaftem Beifall des Kongresses, der sich erhebt. Präsident Sokolow: Ich bringe nunmehr die An* träge der politischen Kommission zur Abstimmung. Zu Resolution I erklärt Kaplanski (Poale-Zkm): hn Namen der Fraktionen Zcüre-Zion und Poale-Zion erkläre ich:' Wir sind i!1 der Beurteilung des Wertes der Balfonr-Deklaratson anderer Meinung und werden uns der Abstimmung über diese Resolution enthalten. Die Resolutionen I bis VI werden ohne weitere IXbatte angenommen. Zur Resolution Vll gibt Bea Z wi (Poale-Zion) 2f folgende Erklärung im Namen der Fraktionen Poale- Zion iimi Z.eiiT-Zi.in ab: ,,Der po'.itische Kurs der gegenwärtigen Regierung Palästinas ist reaktionär und antijüdiseb. Er steht unter dem Einfluß von Elementen, die im Verbände mit des» Efteiulis und Feudalen die Beherrschung des arabischen Orients anstreben, was im Gegensatz zu den Interessen und Bestrebungen sowohl der arabischen wie der jüdischen arbeitenden Massen steht. Das hat zu einer vollständigen Unsicherheit des jüdischen Lebens und der jüdischen Arbeit in Palästina geführt Dunkle Mächte haben die Möglichkeit erhalten, Pogrome utul UebcHülle zu organisieren, die von der Regierung z.u politischer» Verfolgungen jüdischer Arbeiter und zu neuen Schwierigkeiten für unsere Kolonisationsarbeit mißbraucht wurden. Die Einstellung der jüdischen Ein- Wanderung war der schwerste Angriff gegen unsere Rechte und unseren Willen zu sozialer und nationaler Befreiung in Palästina. Die Rede vom 3. Juni hat die Interessen der jüdischen Nation, »«besondere der jüdischen Bevölkerung Palästinas, vollständig ignoriert und hierdurch das im La 11 de herrschende politische Regime sanktioniert. Wir haben daher zu der gegenwärtigen palästinensischen Regierung kein Vertrauen und betrachten ihren politischen Kurs als eine Gefahr für die jüdische Bevölkerung Palästinas sowie für unsere ganze Aufbauarbeit“ Resolution VH wird angenommen. Zu Resolution VIII erklärt Jean Fischer: Der uns hier vorgelegte Antrag enthält eine prinzipielle Ent- Scheidung, die ohne vorherige griiiulliche Diskussion auf dem Kongreß getroffen werden soll. Ich bin gezwirn gen, gegen die Resolution zu stimmen. Resolution VIIi und IX werden angenommen. ICapiattski (Poale-Zion) stellt folgenden Zusatzantrag: Der Kongreß empfiehlt dem Actions-Comitö im Einvernehmen mit der Exekutive des amerikaiäsclirjüdisehen Kongresses, dem Waad llaleumi Paläsliaas und, anderen jüdischen demokratischen Organisationen die 1,öligen Schritte für die Einberufung eines jüdischer» Weltkongresses zu unternehmen, dessen Aufgabe es sein soll, alle jüdischen Volkskriifte für den Aufbau Palästinas sowie für den Kampf um die nationalen Reclitc in den verschiedenen Ländern zu organisieren. Grün bäum: Die Resolution hat der politischen Kommission nicht Vorgelegen. Darüber, ob der Zeitpunkt für die .Abhaltung eines allgemeinen jüdischen Kongresses geeignet ist, können verschiedene Meinungen bestellen. Wem» aber der Antragsteller damit einver* standen ist, daß sein Antragder Exekutive zur gemein* same« Beratung mit dem A.-C. übergeben wird, so stimme ich dem zu. Kaplanski: Ich erkläre mich mit dem Vorschlag Grunbaum, betreffs meines Antrages einverstanden. Präsident Sokolow: Ich bringe nunmehr den Aufruf an das jüdische Volk, den die Kornmission vorschlägt, zur Abstimmung. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der Kongreß erhebt sich. Präsident Sokolow unterbricht un* ll Uhr 30 Mia die Sitzung. Die Schlußsitzung un» K1aUhrI40SMin'°tOW *r5IfnCt die SitruÄ״ wia t«u? r *'c s berichtet über die noch un 1^1,•d,M Organisationsstatuts, Paragraphen bis 54. Sämtliche Paragraphen werden in der vor! schlagenen Fassung ohne Debatte angenommen. mungenf Neucrunacn «״thaltm sie folgende Best! ■ ,^cr Zentralrat (früher Zentralkomitee ן-ן,! konteren*) erhält das 1W1, ndTzwckk&Sn die Exekutive abzuherufen, die das Recht hat, gegen diesen Beschluß an den Kongreß zu appcLicren. Von den Mitgliedern des A.-C. haben mir die 25 Gewählten Stimmrecht. Das A.-C. hat ein eigenes Präsidium, das berechtigt ist, das A.-C. jederzeit einzuberulen. Eine völlige Neuerung ist die Schaffung eines F i - nanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Organisation. Diese aus 3 bis 7 Mitgliedern bestehende Körperschaft hat alle Fragen wirtschaftlicher und iiiianziell-er Natur zu prüfen, Pläne auf diesem Gebiet auszuarbeiten und der Exekutive zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Die Exekutive ihrerseits ist verpflichtet, alle Angelegenheiten, wenn sie in dieses Gebiet fallen, dein Finanz- und Wirtschaftsrate zur Prüfung zu überweisen. Drei vom Kongreß gewählte Mitglieder dieses Rates haben in allen in die Kompetenz des Rates fallenden Angelegenheiten Sitz und Stimme in der Exekutive, im A.-C. und im Zentralrat haben sic die gleichen Rechte wie die Mitglieder der Exekutive. Nunmehr schlägt Dr. Emil Margulies im Namen der Organisatiohskommissioi» zwei Resolutionen zur Annalune vor, Sic lauten: Der J2IL re§ hat sich erneut für eine großzügige Bodenpolitik des Nationalfonds erklärt, wie sie mit dem Erwetbder Emelsböden bereits begonnen hat. Der Durchführung dieser gewalÜgenAufgabe dienten Insbesondercdiediesjährlgen Glückwunsch-Ablösungen zu Rosdi-Haschanah Es Ist Ehrenpflicht jedes Einzelnen, sich mit einer großzügigen Spende daran zu beteiligen. Wer seine Netijalusablösung rechtzeitigzu Rosch-Haschsnah veröffentlicht sehen will, der sende den Betrag sofort an den Jüdischen Matlonalfonds E. V., Postscheckkonto: Berlin 28 247. I. Die Exekutive hat diejenigen Mitglieder des Dircktoriuins des Keren Hajessod, weklie die Zionistische Organisation in diesem Drcküoruin zu vertreten haben, aus dem Finanz- und Wirtschaftsrat zu wählen. Die Exekutive ist berechtigt, im Einverständnis mit dem Actions-Gomitd einzelne Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates als Governors für die zionistischen Finanzinsütute zu bestellen. Die Exekutive und das Actions-Gomite ftolkr» sich grundsätzlich der Einrichtung des Finanz- und Wirtsduftsrates bedienen, um dadurch eine Koordinatiou aller finanziellen und wirtschaftlichen Institirtkmen und Aktionen der Zionistischen Orgxnisation hcrzustellen. II. Der Kongreß wählt ein aus sechs Personen beste- 'Iiendes Statutcnkoiuitec. Nach Beratung mit!Lesern Komitee hat die Exekutive der nächsten Sitzung des Zentralrates die Entwürfe: 1. eines Wablreglements, 2. einer Geschäftsordnung für den Kongreß, 3. einer Gesdiäftsordnung für de!» Zentralrat vorzulegen. Das vom Zentralrat beschlossene Wah’rcglemcnt, sowie die Geschäftsordnung, sollen bis zur Beschlußiassung durch den n ichsten Kongreß provisorisch Qcltungskrait besitzen. Die Exekutive w!rJ bevollmächtigt, im Einvernehmen mit dem Statutenkomitcc etwaige stiistischc Unebealieiten in diesem Statut zu beseitigen. Die Anträge der Orgaaiisationsfoammission werden debattelos angenommen. Ing. Robert Stricker erstattet das Referat des Perinanenzausschusses und schlagt die Liste, die wir an anderer Stelle wiedergeben, zur en bloC-Atmahme vor. Die einzelnen Namen werden lebhaft akklamicrt. Stricker beantragt ferner das Kougteßgericht: Vorsitzender: Justizrat Dr. Max Bodenhenner; Mitglieder: Michael Alcinikoff, Dr. Arnold Barth, Dr. Meier Ebner, Dr. Desidcr Friedmann, Apolinary Hartglas, Beri Locker, Dr. Michael Ringel, Dr. Chaim Tartakowcr; Kongreßanwalt: Dr. Emil Margulies; Ehrengericht: Vorsitzender: S. Gronemann; Mitglieder: Lazarus Barth, Herbert Bcntwidi Dr. Samuel Daiches, Dr, S. Hirsch, Dr. Mucnz, Dr. Henryk Rosmarin; Revisoren: M. Shire, Simon Marks; Stellvertreter: Paul Goodman, Rcvd. J. K. Goldhtootn; Statuteukomiiee; Dr. Arnold Barth, Alexander Goldstein, Bcri Locker, Dr. Emil Margulies, Dr. Michael Ringel, Nachum Twersky. Nach Verlesung der Liste des Actious-Gomitös erklärt Dr. Daicltcs: Icli stelle fest, daß aus England kein einziger Name genannt ist. Ich empfehle dem Kongreß, den Mann, an den die Balfour-Deklaraüaa adressiert ist, einstimmig zu wählen. Stricker; Durch die Annahme des Statuts ist cs leider unmöglich, die Zahl der Mitglieder des A.-C. zu erhöhen, wir würden sehr gern auch einen Herrn aus England im A,-C. sehen, doch sieben wir fest, dal! England seinen Vertreter 111 der Exekutive hat, und bitten Sie dalu-r, den Rahmen des Statuts, das Sic angenommen haben, nicht zu durchbrechen. (Lebhafte Zwischenrufe Dr. Daichcsö Kaplanski (Poale-Zion): Ich habe die Erklärung abztigcbci», dal) steh die Fraktionen Zei're-Zioi» wwl Poale-Zion an der Wahl der Exekutive nicht beteiligt haben. Hermann Struck: Im Namen der Fraktion Misrach» habe Ich mitzuteilen, daß sich unsere Fraktion an den Wahlen in die Exekutive nicht beteiligt hat Präsident Sokolow: Das Wort hat Dr. Sdimarja Lern». Dr, L e v I n: Blalik sol sprechen. ״ Uujer begeistertem Beifall betritt BiaUfe die Rednertribüne . Nr. 75 Die Rede Bialiks I ßialik: Hoher Kongreß! Gott wollte *j I nicht, daß unsere heutige Freude vollkommen $ci I Der Tag, den wir seit Jahrtausenden erwarte!! * der Tag der Verkündung des Anfanges der Er’ I losteng, den wir in Feuertränen und Möllenqualta 1 herbeiseluitcn, ist endlich gekommen. Der erste I Klang, das erste Echo der Erlösung ist an!!!!, I gelangt; aber in dieser Stunde, in der wir hofften 1 alle Juden aus allen Ländern und aus allen Himu!״;s’ I richtungen versammelt zu sehen, sehen wir k׳'ujCT I nur die Boten eines kleinen Teiles. Ein grGkj Teil derer, die sich darauf vorbereiteten, zu urj hierher zu kommen, um den ersten Ruf zu \17. nehmen, mußte leider fern von 1ms bleiben, denke an die 500 Delegierten, die aus Rußland hätten kommen können und die von uns durch eine 1 eiserne Wand getrennt sind. Wer weiß, ob auch r.u- I ein schwacher Abklang dieses Rufes an sie ^e. 1 langen wird, ja, ob wir es überhaupt noch erleben I werden, sie zu sehen. Richten wir unsere Heran! nach dem Osten und entsenden wir ihnen unsem 1 Segen und unsere Wünsche, wenn nicht einer voll, kommenen Erlösung, so doch wenigstens der Rek tung aus einer fürchterlichen Hölle, wo sie sich in Asche und Blut wälzen. Wer weiß, -ob die nächste I Zukunft ihnen diese Erlösung bringen wird und ob ihr Blut nicht vergebens für uns geflossen i,j. Denken wir immer an diese unglücklichen Brüder und vergessen wir ihrer nicht, bis sie wieder sich aus dieser Asche und aus diesem Blute erhoben haben. Einen kleinen Trost wollen wir darin sehen, daß unser Volk aus dieser fürchterlichen Lage eine Lehre ziehen wird. Vor ungefähr vier Jahren, noch vor der russischen Revolution, als das russische Judentum sich in glänzenden materiellen Verhältnissen befand, hofften alle nach dem Fricdcnsxchhilt ihr Vermögen nach Palästina zu reiten. Und als gerade dann die Balfour-Üeklaration verkündet wurde, ergriff das ganze russische Judentum eine unbeschreibliche Freude, sie sahen darin das langerwartete Wunder. Wir sehen nun, was aus all diesen Hoffnungen geworden ist. Möge das jüdische Volk jetzt sich endlich einmal überlegen, daß es in einem fremden Lande für uns keine Hoffnungen geben kann. In einer Minute wird alles zugrunde gerichtet, nicht nur!eicht verdiente Kapitalien. sondern altererble und schwer cnvorlwme Rcichtütuer werden restlos vernichtet. Mögen Sk• all das bedenken und Ihre Vermögen dahin bringet», wo sie für ewig dem jüdischen Volk gesichert bleiben. Die Stunde der Tat hat geschlagen. Wir sind überdrüssig der Träume, der Phantasien und Pläne, und wollen Taten sehen, ln der Arbeit werden sich die Gegensätze ausgieichen. Die ewigen Streitigkeiten und theoretischen Auseinandersetzungen zermürben unsern Willen und zerbröckeln uns in einzeine Staubkörnchen, die sich nicht zu einem tnasdven Klumpen zu&ammentun können. Unter der Oberfläche der Tat werden sich aber unsere einzcincn Wurzeln zusamincnfindcn, sie werden zusammcmvachscn zu einem starken Stamm und die einzelnen Bäume werden einen großen Wald bilden. Laßt uns nur durch die Arbeit in unserem Boden Wurzel schlagen, und kein noch so heftiger Sturm wind uns je mehr entwurzeln können. Hier sitzen Linke, Rechte und Zentrum. Alle streiten miteinander in der Welt der Ideen, der Phantasien und Plane. Wenn Sic an die Tat gelten, merken Sie erst, wieviel unnützes Gerede und leere Worte in diesem Streit vorhanden sind. Werfet die Worte in dm Schmelztiegel der Tat und das reine Gold wird von selbst als ein starker Barren ausschciden. ln der Arbeit kommt man stillschweigend, ohne Worte, zu einer Einigung. Ge־ rade die Rechte muß es wissen, daß die größte Tat, die wir jetzt erleben, durch die Linke vollbracht wird. Nicht nur in Palästina, sondern in Rußland, in den fürchterlichsten Zuständen, in denen sich das Judentum befindet, sind wir Zeugen einer der prachtvollsten Erscheinungen unsere« Zeitalters in der jüdischen Welt. Zchntau.scr.de jüdischer junger Leute, Kinder und Enkel von Krämern, die nie produktive Arbeit kannten, stehlen sich über gefahrvolle Stege utul Grenzet! utul strömen in das gelobte Land, um' dort die schwersten Arbeiten monatc- und jahrelang zu verrichten, um produktive Arbeit zu leisten und von ihrer Hände Arbeit zu leben. Wo in aller Welt haben wir eine ähnliche Erscheinung gesehen? Es ist keine Mode, kein bloßer Jugenddrang! Es ist in der ücschichte noch nicht vorgekommen, daß- Tausende von jungen Leuten sich selbst zu solcher Zwangsarbeit verurteilen. Das ist eine einzig dastehende Erscheinung auf der ganzen Welt Und wenn wir überhaupt eine Hoffnung haben, unser Leben zu 1 veredeln und es mcnschliclver zu gestalten, so