Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1921)
- Date
- 1921-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr, Feiwel: In der Anregung Simons (ohne da» auf seine Begründung eingeheu will) steckt eine «Lalier Millionen Pfd. durchaus legitim« und loyale Vorsicht. Wir haben ein Budget aufgestellt, das für den re-relmaßigeii Etat 700000 Pfd. beträgt. Wenn «las Verhältnis /.Wischen den einzelne״ Ausgabe/.wecken wie im gestrigen Keren Haiessod*Besddull emgehmten werden soll, nt ün nächsten Jahre ein Betrag von aufzubringen, um '״!smm Verpflichtungen entspreehui zu können. Es wäre imillig, sich liier ,Schatzungen hmzuseben Wenn man mit solchem Eifer und solcher Bner־״ie ein Budget verlangt und einzelne Posten erhöht hat muß man auch die Verantwortung fühlen, daß man das äußerste tun muH, an! dieses Budget auch in der Praxis möglich zu machen. Wir haben natürlich keine Garantie, daß wir diesen Betrag: erhalten, sondern nur Hoffnungen und, wie ich glaube, begründete Hoffnungen. Trotzdem sollte man der Exekutive der Zionistischen Organisation eine gewisse Laiitikle lassen, im Rahmcrt des Budgets nicht absolut chronologisch yorztigeheu, ich würde daher den Antrag Simon, ohne ihn in eine leicht zu Mißdeutungen führende Einleitung zu kleiden, in die Form bringen, daß wir der Exekutive keine absolute Diskretion geben, aber erklären: ״Das Direktorium des Keren Hajcssotl, bzw. die Exekutive vier Zionistischen Organisation wird ermiieh* tigt, von den Keren Hajessod-Eingängen des nächsten Jalues zunächst den regelmäßigen Etat zu decken und sodann alle ״'eiteren ein'aufendcn Beträge für die übrigen Verwendungszwecke des Keren Hajessod zu reservieren.‘1 Simon: kh wünsche klare Verhältnisse. Wir wählen eine Exekutive, der wir unser ganzes Schicksa! in die Hand geben. Aber ich will nicht, «lad man angesichts einer noch ungeklärten Lage Versprechungen macht, ganz gleich, ob erster oder zweiter Ordnung. Nachdem Sie dieses Budget angenommen haben, könne» Sie nichts anderes tun, als erklären, daß vorläufig von einer Reservierung von ISO °/0 für wirtschaftliche Am»- Ligen keine Rede ist. Was später sein wird, darüber kann man sich verständigen, wenn erst Geld Vorbauden ist Der Antrag Feiwel wird angenommen, dadurch entfällt die Abstimmung über den Antrag Simon, Der Konüiki mit den Misrachi Dr. Chnjes (Oesterreich): Der Zwischenfall von heute mittag bezeicimetc nicht einen Kampf zweier Weit- .״!־schaumigen, sondern ein Mißverständnis, Ich hin ein Mann, der sich mellt von Dogmen beeinflussen läßt, der jeden Zwang, in welcher Form immer er sich aiisciriickt, bekämpft. Wenn es sich heute wirklich um den Kampf zweier Weltanschauungen gehandelt hätte, hätte ich nicht versucht, zu vermitteln. Kämpfe müssen ansgekämpft werden. Aber «lall der Zionismus vielleicht Schaden leidet wegen eines Mißverständnisses, das dürfen wir nicht dulden. Ich habe gegen «kn Antrag auf 11 ebergang zur Tagesordnung gestimmt, weil icli glaube, daß man beiden Teilen Gelegenheit geben muß, ihre Meinung zu sagen. Sie, meine freunde von der Linken, mögen andere Ansichten über das Judentum haben als die jüdische Tradition. Sie mögen sich denken, es wird sich in Palästina ein anderes Leben entwickeln. Aber doch werden Sie cinsehen, daß man im Hause eines Mannes, der bestimmte Bräuche hat, diese Bräuche respekticrcn muß. Wie Ihre Auffassung vom Judentum ist, ist Ihre Sache, aber eines stellt fest: Sie kommen in ein Land, das seit Jahrtausende» gewisse Sitten nusgebildet hat, und zumindest in den Jahrtausenden unseres Exils waren es diese Bräuche, die uns das Vaterland ersetzt haben. Wir haben das Vaterland noch nicht. Wir brauchen die Bräuche noch, um uns unser Vaterland zu schaffen. Niemand von Ihnen wird seinem Gewissen Gewalt antun, wenn er in einer Institution lebt, die ihm persönlich Freiheit läßt, aber im Oeffent'ichen den Wegen folgt, die ,seit Jahrtausenden die Wege unseres Volkes sind und die Seele unseres Volkes gebildet haben, ich anerkenne keinen Zwang, aber ich weiß zu unterscheiden, was ich den Sitten des Landes und Volkes, meines Landes und Volkes, schulde. Darum habe ich den Mut, ihnen folgenden Koinpromißantrug vorzuschlagen: ״In den ö f f c n 11 i c 11 cn Haiv.lhmgen der von der Zionistischen Organisation gegründeten, erhaltenen und subventionierte» Institutionen darf nichts geschellen, was gegen die jüdische Tradition verstößt. Die Leitung der Zionistischen Organisation hat die!Durchführung dieses Beschlusses zu sidicrii,1‘ Ich betone: In den'öffentlichen Handlungen. Hier ist nicht di« Red« von einem Eingriff in die persöniche Freiheit. Dr. Wc i 7.11t «inn: Es liegt uns allen daran, so schnell a.!s möglich zur Erledigung der weiteren Arbeit zu schreiten. Ich glaube, daß die Ihnen vorgesch lagern! Kompnomißresohitiioii beiden Seiten akzeptabel sein dürfte, kh erkläre nochmals aufs feierlichste, daß wir esuntc keinen Umständen z u 1 assc n w ii r d e 11, daß irgend welche Eingriffe in die individueile Freiheit geschehen. Mit diesem Zusatz und mit dieser Erklärung, glaube ich, dürften sich beide Seifen zufrieden geben, und ich ersuche Sie ün Interesse des Kongresses, des weiteren Zusamt» enarbeitens und der schnellen Beendigung■ des Kongresses, diese ■Resoluttion an zu nehmen. Schweizer (Hitachduth): Im Namen der Fraktionen Poa!c־Zion, Zcire-Zaon ׳und Hitachduth habe ich die Ehre, folgend« Erklärung abzugeben: ״Wir betrachten «lie Religion als eine Gewisset«- angete-gcnlieit jetles einzelnen, und wir achten die Uebcrzeugung und die Gewissensfreiheit eines jeden Menschen und jeder Gruppe. Wir weisen die Beschuldigungen zurück, daß die jüdische Arbeiterschaft in Palästina dieses Prinzip verletzt. Wir werden jeden Versuch, uns mit irgendwelchen Machtmitteln ־zu zwingen, ein religiöses Leben zu führen, mit aller Kraft bekämpfen. Der jüdische sclmw wird auf den Grundlagen der Weltlichkeit und rreihert für alle Uchcrzengmugcii errichtet werden. Religiöse Fragen liegen nicht im Kompetenzbereich des zionistischen Kongresses, und keine Resolution in dieser Richtung kann für irgend jemand bindend sein und ihn zu etwas ,verpflichten. Wir werden ums bei der Resolution der Exekutive der Abstimmung enthalten.‘‘ Da der vorge'egte Antrag gegenüber dem mittags von der Exekutive vorgebrachten geändert ist, beantragen wir, die Abstimmung bis nach der Pause zu verschieben. Dr. Weizmann unterstützt diesen Antrag. Ex wird angenommen. Die Sitzung schließt um 9 Uhr. Sonnabend, den 24. September, abends 8 Uhr In ßroisen Saal d. Lehrcrverolnshausos, Alextnderstr.4t Kcdner: Abraham GoMberg. New York, (Delegierter des XII. Zionistenkongresses in Karlsbad.) die Vierundzwanzigstc Sitzung Dienstag, den lß, September 1021, abends. Vizepräsident Lipski eröffnet um 1/*ll Uhr abends Sitzung, Es wird «lie Abstimmung über die Resolution Dr. Uhajcs eingeleitct, welche am Schluß der vorigen Sitzung eingcbraclit wurde, Herl Locker (Poalc-Zi'on): Im Namen der Fraktion Poalc-Zinti, Zci're-Zion und liitadidufh teile ich mit, daß wir zu unserer in «!er «origen Sitzung verlesenen ,Deklaration nichts hinzti/ufügen haben. Wir werden den Kampf gegen jede Kk-rlkalisienmg von Erez-Israel und des Zionismus mit den schärfsten Mitteln bekämpfe». Die jüdische Arbeiterschaft gib; ihr Blut her, urvd Ihr droht, Euer Gehl zu entziehen. Jeder Versuch der Be- Schränkung der Gewissensfreiheit und jeder Versuch, ms Erez-I.srael einen Kirchenstaat zu machen, wird unseren entschlossenen Widerstand iiiv.len. (Groller l.äritt). Im Namen der Fraktion gehe ich folgende takln rung ab: ״Im Einklang mit der Erklärung, die wir heute abgegeben haben, stellen wir fest, daß die Resolution Dr. Uhajcs nicht in den Kompetenzbereich des Kongresses gehört. Wir werden uns an der Abstimmung nicht beteiligcu uml erklären jede Resolution als ungültig, die die Gewissensfreiheit verletzt. Wir werden uns einer solchen ResoluFon nicht unterwerfen. Bei jedem Versuch, im Leben sulche Beschlüsse tlurchzuführen, wird die jüdi-sclic Arbeiterschaft in Palästina, gestützt aut die Macht der jüdischen Arbeiterschaf: der ganzen Welt, ihre Ehre uml Unabhängigkeit zu schützen wissen.'• Struck (Misrachi): Me'׳ n lieber Gesinnungsgenosse, Herr Locker, hat versichert, daß er und seine engeren Freunde gegen die Klerikalisierung \־;>u Erez-Israel den schärfsten Widerstand erleben werden. Wir werden iiut in diesem Kampfe unterstützen, «lernt Klerikal!smus ist unjtidisch. Wir werden aber nicht müde werden in unserem Kampfe, Erez-Israel jüdisch zu machen, mul wir glauben, daß Erez-Israel so sein wird, wie die Mehrheit des jüdische» Volkes i<t. Wenn Sie im Namen der Arbeiterschaft Palästinas sprechen, so ist cs meine PfFcht,. beitem Der Nationalfonds Prof. Warburg referiert für die Nationalfoadskommission. Er berichtet, daß sich die^Par lästinakommission in vier Suhkommisconen, die KoU> »;xationv, Emigraitems-, Kultur- und Samtätsfcommission geteilt habe, welche nadt für sich referieren werden. Ihnen habe siel» die National fondskomm ission an geschlossen. Er verlest hierauf folgende Resolution: , 1. Das Hauptbüro des N a t io na I f o nd s ו st so ra sch al 9 möglich nach E rez-I s rae 1 zu verlege». 2. Zwei bis vier Mitglieder des Direktoriums des Nationalfonds haben ihren Wohnsitz in Erez-Israel 3. Der Kongreß nimmt die Beschlüsse der ersten Weltkonfcrenz des Natiouatfbwls in bezug auf den inneren Ausbau der Natkmalfond *■Organisation zur Kenntnis. 4. Der Kongreß begrüßt «las Prinzip landsmanuschaftlieher Kolonisation auf dem Botten des Nationalfonds. 5. Der Kongreß begrüßt den Kauf von ländlichen und städtischen Böden, die der NahonaJfonds in letzter Zeit in Ercz Israel durchgefiilirt hat 6. Der National fonds darf in Hinkunft keinerlei Darkhen gewähren, sondern hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschl'eßlich zum Kauf von Boden, dessen AmcBoration und Aufforstung zu verwenden. 7. Der Kongreß bestätigt die von der Londoner Jahreskonferenz 1920 beschlossenen Thesen, durch die der Nationalfonds zum Träger der jüdischen Bodenpoiitik in Stadt und Land Erez-Israels bestimmt wird. Licht he im: Entsprechend den Beschlüsse» der Exekutive in Natkmalfondsfragcn, bitte ich Sie, samtliehe Anträge nicht anzunehmen, sonder» «1cm künftige» ׳A.-C. als Material zu überweisen. Es «var nicht in Aviv sieht genommen, daß eine besondere Nationalfondx- Kommission gegründet wird. Die Beschlüsse gehöre» teils in das Gebiet der Kolonisation, teils in das Gebiet der Organisation. Die Resolutionen befinden sich im Wider- Spruch zu der allgemeinen Politik. JuEus Simon: Ich wende mich entschieden gegen de» Vorschlag von Herrn Lichtheim, De Frage ist, ob «vir danach streben sollen, unsere finanziellen Institute in Palästina zu koasätiiieren oder nicht. Ich hätte kein Bedenken, diese Fragen der Exekutive zu überweisen, wenn nicht bedauerlicherweise die Exekutive trotz eines Beschlusses des Natonalfonds sich bereits vorher gegen den Beschluß ausgesprochen hätte. (Lichtheim: Um die Entscheidung dem Kongreß zu überlassen.) Und jetzt beim Kongreß will Lichtheim sie wieder an das A.-C. zurückvenveisen. Ich kann mir nicht denken, daß eint Propaganda von einem andern Platze stärker am-geübT werden könnte als von Palästina. Es ist der erste Versuch, unsere Institutionen in Palästina selbständig zu mache», M. Ussischkin unterstützt de״ Antrag Simons. I>ie Sammlungen des Nationalbnds würden in London leiden, «veil dort viele andere Sammlungen (Keren Ha-• jcssxxl usw.) zentralisiert sind. In letzter Zeit hat übrigens tiic Exekutive darüber überhaupt nicht gesprochen. Es ist Sache des Kongresses darüber zu beschließen. Ich bitte Sic im Namen des Direktoriums des Nationalfonds, die Resolutionen anzunehmen. Licht heim: Ich hatte nicht die Absicht, die sacliliehe Debatte zu beginnen Wenn mein Antrag nicht angenommen wird, so wäre ich dazu genötigt Herr Simon ist der Meinung, «laß wir in London überhaupt nichts brauchen als eine Expositur. Düs ist ganz falsch. Der Sammelappnrat unserer Finan/insütutc■ ist mit unserer Propaganda verknüpft und muß einheitlich geführt werden. Dann müssen Sic auch beschließen, daß auch der Keren Hajesscxi und «lie ganze Propaganda nach Palästina geht. So aber wird nur eine organisatorische Verwirrung geschaffen. Der Antrag Lichtheim wirti abgelehnt. Dr. Sofer beantragt, den ersten Absatz anzunehmen vind die übrigen dem A.-C zu! ube.rwcisen, Beide Anträge werden angenonftncjt. Dr. Bierer hält das darauf ׳hinzuweisen, «laß es auch ttufer den Ar- Palästinas Mi-uarhistcn gibt. Wir verlangen weiter nichts, als «laß Sie uns nach un-crer Fayon selig werden lassen. Für den AnPag glaube ich nicht «veiler sprechen zu müsse». Er spricht für sich selbst. Die Resolution Uhajcs wird ohne Widerspruch angenommen. Die Linke enthält sich der Ahstinjnutng. Struck (Misrachi): In schmerzlicher Stunde mußte ich heute namens meiner Fraktion eine Erklärung abgeben. Die Vorgänge des heutigen Vormittags hatten 1ms die Befürchtung nahegelegt, «laß unsere Bemühungen, immer weitere Kreise «les religiösen Judentums dem zionistischen Gedanken zu ge«\־i«1nen, eine ernstliche Hemmung erfahren würden. Durch «Fe Entschließung, die 11er Kongreß soeben angenommen hat, sind diese Befürchtungen im ««esciitliche» hinfällig ge«vordcn, denn «vir er««׳,׳irtcir, ׳:laß «lie Leitung die Gewissensfreiheit die sie durch «len Mund ihres Präsidenten der linken Seite dieses Hauses verbürgt Im;■, nach der Gesamtheit des jüdischen Volkes gewähren wird. Wir erwarten, daß die Leitung durch «lie Tat bc«vciscn^«vird, daß sie ernstlich gewillt ist, die Ent««ickhmg alles wahrhaft jüdischen Lebens Oicrbei/uführen, Solche Taten «verden mehr als alle Versicherungen «laza beitragen, die Scharen der religiöse» Massen in unsere Reihen zu führen. Mit ihnen allen gemeinsam wollen wir uns freudig der Arbeit für die zionistischen Ziele «widmen, damit auf uraltem Boden «in wahrhaft freies, aber auch wahrhaft jüdisches Volksleben entsteht. Sanitätsreferat Es ist bedauerlich, «laß so wenig über die sanitäre Arbeit in Palästina gesprochen wird. Wir müssen dafür sorgen, daß kein kranker Mensch nach Palästina kommt, daß insbesondere kein an aktiver Tuberkulose, Syphilis, Trachom und Tabes Erkrankter einwandert. Es muß jeder ein Gcsundheitsblatt haben. Dr. Bierer beantragt .folgende fünf Punkt« betreffe»:! die Reorganisation des sanitären Dienstes tr> Palästina: 1. Das gesamte Sanitäts- und Krankenwesen des Jisdutw in Palästina ist zu zentratisierc» und «ler Zk>- nistischcn Organisation unterstellen. 2. Zu diesem Z«vcck ist am Sitz der zionistischen Vcnvaltung in Palästina ein Sanitätsdepartement, der Waad Habriuth, »1 schaffen. 3. Der Waad Habriuth besteht aus den Sanitätsreferenteu, je eine» im Ehrenamte wirkenden Vertreter «ler palästinensischen organisierten Aerzteschaft, des Waad Haleumi, der Krankenkasse und drei im Ehret►־ amte wirkenden Vertreten! der Zionistische« Organ!- sation, «lie die Exekutive über Vorschlag der Aerzkkommission «les Kongresses zu bestimmen hat. 4. Der Obmann des Waad Habriuth• ist Sanitätsreferent bei der palästinensischen Exekutive, mit denselben Rechten mul Befugnissen der Vertreter der anderen Departements. Er wird van der Exekutive auf Grund einer öffentlichen Ausschreibung bestimmt 5. Ke Beschlüsse des Waad Habriuth haben binde»- den Charakter, und der Obmann hat für dieselben bei der palästinensischen Exekutive cinzutreten. 1