Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1921)
- Date
- 1921-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652382--14323-2672135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 73 1 f I 1 ¥ v t t 1 H « i?! t!1 1 i! i i I I» X « Seite 532 jur-mscn h r u n n s c n a ü Simon, ob ihm etwas darüber bekannt sei, er antwortete : nein. ׳Und zwei, drei Tage darauf wurde die Agrarbank | bewilligt. Wir ha!>01> immer darauf bestanden, d.iß wir j nur eine Sammlung haben mul daß alle Gelder durch den Keren I lajessod );eben sollen. Die Einneblung der Agrarbank ■verstieß gegen diese Prinzipien. Die Agrarbank sollte von NiclU/ionisten gegründet werden. Herr Simon sagte׳. Oie Exekutive hat diese Agrarbank bewilligt. ן s w,1r aber zu jener Zeit niemand von den Mitgliedern ifer Exekutive in London, 11. 11. also, Herr Simon hatte sie bewilligt. Ich war niemals dafür, daß wir die Arheil für den Keren Majeseoil nur mit den reichen Leuten beginnen, bür uns war es ein V o 1 k s f o n d s und ich konnte in dieser Hinsicht mit den Herren nicht in Liebereinstinununp kommen. Als wir sahen, daß unsere Arbeit umsonst sein würde, haben wir demissioniert. Wir haben aber keine Annoncen in die Zeitungen gerückt, daß wir zuriickiretroten sind. Herr Simon zitierte hier einen Brief an midi. Ls ist alles wahr. Herr Simon hat aber mehl alles vorgelesen. Wahrend seiner Anwesenheit in London erklärte Herr Simon, er wisse nichts von der Agrarbank, und in diesem Briefe brachte er klar zum Ausdruck, daß die Agrarbank von ihm am Tage seiner Abreise bewilligt worden sei. Es ist keine Frage der Personen, es ist ein Ideenkampf: Die gesunden Volksmassen haben diejenigen fallen gelassen, die gegen die Idee der Wiederbclebung des Volkes gearbeitet haben. (Beifall.) Ussiachkifts Schlußwort M. M. U ssi sch k i 11 (lebhaft begrüßt): Der Moment, in dem wir uns jetzt befinden, ist zu ernst und nur eine restlose Aufklärung der Mißverständnisse kann uns die zur Zusammenarbeit nötige Ucbereinstiimnung bringen. Ich will hier nur über Palästina sprechen. In einem Augenblick höchsten Glückes vor vier Jahren, als es uns allen schien, der Beginn der Oculali! sei gekommen, haben wir die schönsten Hoffnungen auf die Erfüllung unserer kühnsten Träume gehabt, aber mit einem Schlage hat sich unsere ganze Lage geändert. Wir standen vor einem vollständigen Ruin des östlichen Judentums, unseres wichtigsten Reservoirs von Mensehen, von Geld, von nationalem Willen und aufbatienüer Energie. Uuu dieses Unglück ist der Grund all unserer Unzutricdenlieit, der Verbitterung, der Selbstzerfleischuitg. Mau bat mich liier gefragt, wie ich, ein Gegner der Legion, in einer Exekutive bleiben könne, die für die Legion sei. Ich meine, «laß ich kein Recht habe, mit IlK'aictischon i n :01! in der Exekutive Konflikte lierauh.ubescliwöre!!. Eine Legion macht man oder macht man sie nicht; aber man diskutiert nicht darüber (Beifalb. Mein Freund und Gegner Jabotinsky hat gestern einen Fehler begangen, indem er auf diese Lage aus- Führiich cingcgangen ist. Einer» noch• größeren Fehler würde aber derjenige begehen, der jetzt wiederum gegen die Legion sprechen würde. Und nun zum Waad Fhuirini (Zionist Commission). Man sagt, Millionen seien durch den Waad Hazirim nach Palästina gekommen, ohne daß etwas Gesundes, Lehensfälliges, Dauerndes geschaffen worden wäre. Diese Iicsdiukligung entbehrt jeder Grundlage. Wir wollen uns einmal vorstellen, was wäre geschehen, wenn der Waad Hazirim nicht tätig gewesen und das Geld nicht ins Land gekommen wäre. Der Jischuw wäre vollständig vernichtet worden, der Boden, eleu wir gekauft haben, wäre in arabischen Händen verblieben. Neue Häuser wären nicht gebaut, die 29 neuen Siediungspimkte wären vernichtet worden, die Arbeiter hätten sie verlassen müssen. Und — was am wichtigsten ist — die Schulen, die wir seit 10־ Jahren uuerniüilüdi ausbauen, wären geschlossen worden. 13(100 Kinder würden in den Straßen Jerusalems und in anderen Städten und Kolonien lierumsdilendcm und 500 Lelirerfamilieu hätten das Land verlassen müssen. Die IS (HK) Clialuzim, die in den letzten IS Monaten ins Land gekommen sind, hätten es nicht gewagt, sich dorthin zu begeben, und sogar der alte Jischuw, besonders Petach .Tikwah, wäre vollständig zugrumlegcrichtet worden. Ich seihst war ja nur eine kurze Zeit im Lande, vom Oktober 1019 bis Juni 1 <>20 und vom September 1020 bis Februar 1021, aber wir wollen liier in Kürze überschauen was dort geschehen ist. Das wichtigste ist der Boden kauf. Von allen Seiten hören wir den Ruf: warum kauft die Zionist Commission keinen Boden? Bis zum August 1020 war ja der Bodenkauf verbalen und es geht nicht an, daß wir in Palästina illegal vor- ״eben. Aber bei der ersten Möglichkeit haben wir einen teil der berühmten Emek Jesreel gekauft. Den Dank, den wir dafür bekommen haben, kennen Sie ja gut. Ich weil! nicht, ob der Boden billig ist oder nicht, aber sieben Direktoren des N.-L. hallen dafür und einer dagegen gestimmt leb möchte Ihnen etwas sagen, nicht um mich für die Vergangenheit zu rechtfertigen, sondern damit es als Richtlinie für die Zukunft verwertet wird: Boden ist teuer, aber wenn es sielt um I ahisttna handelt, so gibt es etwas, was noch teurer ist, und das ist die Zeit. Wir haben in einem halben Jahre das Fünffache an Boden erworben, als der N.-F. üi zwanzig Jahren, und es beillt noch immer, die Zionist Commission tue nichts. Der zweite Punkt ist H ä u s c r 1> a u. Als ich noch Odessa wohnte ohne jede Verbindung mit Palästina, ibe ich instinktiv diesen Hätiscrimngel vorausgesehen und zusammen 1111t Goldberg eine Häuserbau-Gcseüscluift gegründet. Man hat aber vergessen, daß zum Häuscrhnu etwas fehlt, was man englisch ״moncy“ nennt. Sie wissen, daß m unserem Budget nicht ein einziger Schilling tur «len Hauserbau vorgesehen war; und trotzdem haben "51• ש?י?״n Jaffa, in Kfar-Saba, in Haifa, bei und Jerusalem, Mit Pfennigen, durch Darlehen und mit Ul habe Pctad» Tikwah in En-Ganim. anderen 'inan zicrungsvcrsuchcn haben wir das ferti״■ ge ט ra cii t ,und d: e erst en aus Amerika kommenden 100( HK) Hypothekenbank bestimmt, zerden schon in laffa Phi. St haben wir iür eine' und in aller' “ Häuser fertig sein. hier nicht über das System soreeKon n׳RrB ’ S 111׳״ Gelegenheit genug bef der pJlätfijcbStf habet *ste Madinaint u a.) lie weÄle’ew Sn‘ •ehr Wein und armsind; aber wmn SieWr dk in allerkürzester Zeit werden schon in Jaffa 200 der ersten Kolonien vor sich hätten, Sie lütten Ihnen | erzählen können, wie klein und winzig die ersten Ko- |!,U'.ieii waren. Und dabei hatten sie doch einen so reichen 1 Vater, Baron RotlisehiUL Sie werden sagen, man muß , das System wechseln. Ich habe aber voriges Jahr in; London, auch vorgcsdtlagcn, daß wir die Kwuzoth in 1 Mosdmwe Owdini umwandeln. Die Konferenz hat das j abge'.eliut; es blieb also nichts anderes übrig, als ent- ן weder auf neue Männer zu warten, die unsere Pläne anerkennen, oder die Kwuzoth zu vernichten. Da haben wir gesagt: noa nossuinus. Nicht an einem einzigen Stein wird gerüttelt werden, so lange wir Kraft haben, j Was wir geschaffen haben, gut oder schlecht, wird bestellen bleiben, bis jemand kommt!nid cs besser inacht. Ob ich in der Exekutive sein werde oder nicht. Ich habe mir vorg־enomn1en, wenn ich nicht mehr bauen kann ich wenigstens als Wächter das zu behüten, was wir ins jetzt geh aut haben. Viertens: Kredit Privatinitiative. Audi j das haben wir nicht vernachlässigt Rtippin und ich sind! für jede private Initiative, die mit uns arbeitet, mit uns! zusammcngcht und die Arbeit der Organisation ergänzt.! Wir sind gegin jede Privatinitiative, die spricht und 1 nidits tut, sondern unsere Arbeit kritisiert. Zur Privatj initiative gehören «hei Dinge: Politische Hilfe, luforiiiatkjiie.11 und Kredit. Für jeden Kapitalisten, der »ach Palästina kam, mußten wir hei Oberkommissär und anderen Behörden intervenieren, um für ihn KonzessL oneti zu erwirken, und wenn alles fix und fertig war, war dieser Kapitalist längst über alle Berge, was uns natürlich in eine peinliche Situation dem Oberkommissar gegenüber versetzt hat. Die Information sei schlecht, ungenügend. Unsere Informationen können vorläufig überhaupt nicht genügend sein. Dazu gehören entweder Fachleute für jede Industrie oder eine entwickelte In- «histrie. Letztere besteht in Palästina nicht und im Waad Hazirim eine Schaar von Fachleuten zu engagieren sind wir nicht imstande. Wir brauchen Pioniere zweierlei Art: mit physischen und materiellen Kräften; aber schon der Talmud hat darauf hingewiesen, daß Menschen lieber ihr Lehen als ihr Geld opfern. Die Schul frage ist das rote Tuch für_ unsere Opposition geworden. Herr Simon, vergessen Sie denn, daß Sie beim fünften Kongreß auf der Galerie blieben zum Zeichen des Protestes dagegen, «Saß man die Kullurlrage von «1er Tagesordnung abgesetzt hatte? Das Schulwesen ist die Seele unseres ganzen Werkes. Das,ist unser einziger Trost, das bißchen Kultur und das bißchen Hebräisch, das wir geschaffen haben; aber man hat — nicht Simon und de Lieme, aber ihre Helfersheller — einen liiiUlichen Kampf gegen die Lehrer entfacht, gegen die Pioniere unserer Kultur, die ebenso viel gelitten und geopfert haben, wie die anderen Pioniere. Vergessen Sie nicht, «laß in Palästina sielt eine Assimilation an die englische Aristokratie entwickelt, mit der wir auf Leben und Tod kämpfen müssen, und unsere Streiter in diesem Kampfe sind die Schüler unserer Schulen. Nicht eine Schule, nicht ein Kindergarten darf aufgegeben oder einer privaten Gesellschaft ausgelicfcrt werden. Nicht deshalb ist unser Schulbudget groß, weil wir zu viel Schulen haben, sondern weil wir zu wenig für die anderen Zwecke des Aufbaues tun. Jetzt macht das Schulbmfgct dreißig Prozent unserer Ausgaben aus. Wir Italien aber ein Budget von vier Millionen vorgeschlagen, in dem das Schulwesen nur 8 Prozent ausmachte. Dieses Projekt ist in die Taschen von Brandeis und de 1 laas gewandert und dort begraben worden. Nicht mit Kleinigkeiten und Geiz werden Sie das Volk begeistern. Die Chaluzim: Krankheiten, Fieber, ein Leben in Zelten und alle möglichen Leiden, die die Chaluzim erdulden müssen — an all dem ist natürlich die Zionist Commission schuld. Aber was können wir machen ohne Geld. Unsere Politiker möchten alles auf die Rcfiierung abwälzen; es ist aber unser größtes Aktfvum, «laß wir so viel Clialuzim ins Land gebracht haben. Und nun einige Zahlen, ln den letzten 20 Monalen hat die Zionist Commission 550000 Pfd. erhalten. Davon entfielen 30 Prozent auf das Schulwesen, 10 Prozent für die Agrikuliurkolonisation, 9 Prozent der Medicat Unit (Hmlassnh), die vollständig unabhängig von 1111s arbeitet, (1 Prozent Technische Abteilung, 0 Prozent nationale Organisation, Unterstützung der jüdischen Poiizei, Eisetibnlmarbeiler usw., 18 Prozent Immigration, 0 Prozent Administration. Uchrigens, was die Administration betrifft, schimpft man wieder auf die hohen Gehälter und die große Zaltl der Beamten. Ich frage die hier sicherlich anwesenden Vertreter der verschiedensleu instiSiiikmcii, welche von ihnen mit einem geringen Unkostensatz arbeitet? Wobei nicht außer acht gelassen werden soll, daß derselbe Apparat auch die doppelte Arbeit zu bewältigen imstande •ist. Auch Simon und de Lieme mußten zugeben, daß die Gehälter sehr gering sind. Die Zaiit der licamten haben sie nur um 8 verringern können, weil sie die betreffende technische Abteilung abgeschafft haben. Zum Schluß möchte ich auf die arabische Politik cingchcn. In den letzten Jahren haben mehrere Herren sich dieser Arbeit gewidmet. Wenn die Resultalc י nicht befriedigend sind, so ist das die Schuld der objektiven Tatsachen. Ich weiß, daß man mit den Arabern nicht durch das Schwert und durch Provokationen verhandeln kann; aber jede Verhandlung hat ihre Grenzen. Wir sind für ewig dazu verurteilt, eine kleine Insel im arabischen Meer zu bleiben; das heißt aber nicht, daß wir uns demütigen und unterwerfen sollen. Wir müssen schweigen und nach Palästina gehen. Wir werden noch manche schwere Minute durchleben müssen. Gehen wir aber nach Palästina, zehn um zehn, hundert um hundert, tausend um tausend, hunderttausende; und die arabische Frage ist gelöst So ist die Lage. Schwer ist sie, ökonomisch und politisch. Es gibt aber Todesqualen, die mit dem Tode endigen, und Geburtswehen, die neues Leben bringen•. Die Gafulhlekkn sind Todesqualen. In Palästina erleben wir die Geburlswelten eines neuen nationalen jüdischen Lebens. Unser Weg ist schwer, eine via dolorosa. Wir brauchen in Palästina zwei Arten von Chaluzim, solche die Steine bauen, und solche, die gesteinigt werden Wenn Ihr jetzt jemanden nach Palästina sendet, wählet Chaluzim, Pioniere, die furchtlos die Steine aufnehmen die Ihr auf sie werfet (Stürmjacher, andauerader BeifalL) Die Rede Sokolows N a 11 u rn Sokolow, Präsident des Kongresses, belitt die Rednertribüne und teilt den Inhalt einer soeben erhalteneii Üegrüßungsdepcsche mit, die vom High Commissioncr Sir Herbert Samuel eingelaufcn i:,t. Die Depesche faulet: ״Ich sende dem Zionistenkongreß meine herzlichen Grüße und freue mich, daß die Umstände seine neuerliehe Versammlung gestattet haben, ich wünsche, daß seine Beratungen zu Fortschritt und Eintracht in P,1l.istisia führen, dem meine Bemühungen uitautlmilidi!>t. widmet sind. Herbert Samuel.“ (Langanhallender Beifall, die Delegierten erheben sieh von den Sitzen; Widersprucli auf der äußersten Linken. Nach dieser Mitteil»!!״ und einigen Minuten Applaus und Aufregung beginnt Sokolow zu sprechen.) Geehrter Kongreß! Liner der Herren Vorredner machte die Bemerkung, daß jetzt nach der Erfüllung der nationalen Bestrebungen der leidenden Völker, wo immer ein Kongreß eines solchen Volkes stattfinden würde er wäre ein begeisterter Kongreß, während unser Kongroß nach der Ansicht dieses Herrn ohne Begeisterung vor sich geht. Der Herr irrt sich in zwei' Punkten. Erstens sind wir nicht die einzigen, die auch nach den Erfüllungen mit schweren Sorgen beladen sind. Ich möchte nur ein Volk erwähnen, ein Volk, en das ich von dieser Tribüne aus Worte der Aufmunterung richten möchte, ein Volk, das uns nahe steht, das schwergeprüfte Volk der Armenier (großer Beifall) Würde sich dieses Volk jetzt zu einem Kongreß versammeln, so hätte, es vielleicht noch mehr zu klagen als wir. Ich konnte noch so manch anderes Volk* anführen, aber ich beschränke mich auf dieses eine Beispiel. Zweitens sind solche Feststellungen subjektiv und dienen oft dazu, Stimmungen zu erzeugen, die tatsächlieh nicht vorhanden sind. Der Keim der Zersetzung wird durch solche Worte ins Herz gelegt und düstere Schwermut bemächtigt sich derjenigen, die anstatt des Verzagens, benifen sind, zu begreifen, zu retten, zu leiten. Von der Generaldebatte des Kongresses habe ich etwas anderes erwartet und vom Kongress;: erwarte ich es noch. Was hat dieser Kongreß zu tun? Was ’ sind seine Pflichten nach der wcch-elvolleu und ercignisrcichcn Zeit, die an unserer Erinnerung vorbeigebt? Der Kongreß hat zwei Pflichten: Das Geschehene zu würdigen und für das zu Schaffende Beschlüsse zu fassen. Es handelt sich nicht darum, in die Vergangenheit unseren Blick zu richten, das können wir dem Historiker überlassen. Aber es handelt sich darum, von dem in unserem Leben Geschehenen ״Akt zu nehmen“. Anstatt dessen drehte sich die Generaldebatte Ivuiptsiidilieh um eine Spezialiragc, um eine Polemik für oder gegen die Herren Simon und de Lieme, eine Polemik, die fast in einen zweibändigen Roman: ״Simon und de Lieme“ ausgewachsen Ist. Es ist die Fortsetzung eines früher schon in unserer Presse und Broschüren gemachten Polemik, die schon in dieser Form etwas übertrieben war, aber deren Breittrctung hier, auf diesem Kongreß, irn Laufe der Tage, keinen Sinn hat. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Gewiß ist in wirt-.ehaftUeUen Fragen vieles zu bessern und gewiß haben unsere Kollegen mein nur das Recht, aber auch die Pflicht, in dieser oder jener Form mitzuarbeiten. Zu diesem Zwecke sind sie ja zum Kongreß gekommen; sie werden Gelegenheit haben, mit unseren Sachverständigen zu verhandeln, ihre Ansichten in den Kommissionen zu vertreten und ich will hoffen, daß jeder gesunde Gedanke und jeder praktische Vorschlag sicherlich akzeptiert werden wird. Das Dramatisieren des Inzidents der Kooptierung und des Riicktritts der beiden Herren aus der Exekutive hat die Phantasie zu sehr beschäftigt. Sie sind unsere Kollegen und sind zum Kongreß gekommen und was sie zu vertreten haben, werden Sie Gelegenheit haben zu vertreten. Ich bedauere auch lebhaft, daß man das Nichterscheinen des Herrn Oberrichters Bratuleis und einer Anzahl seiner Freunde, wie auch die diesem Nichterscheinen vorangegangenen Polemik zu einem großen Problem atugebauscht iiat. Icit habe «lic größte persönliche Modiachiurig für Mr. Brandeis und es ist eine meiner angenchmsten Erinnerungen, daß ich während meiner amerikanischen Tour, vor acht Jahren, die Bekanntschaft dieses vortrefflichen Mannes gemacht und daß ich auch etwas dazu beigetragen habe, ihm der zionistischen Tätigkeil näher zu bringen. Einer der Herren Vorredner hat es hier erwähnt, daß ich auf unserem vorigen Kongreß, in Wien 1013, darüber berichtete. Das stimmt vollständig. Ich hielt es und halte es noch j'etzt für eine schätzenswerte ,Aquisition, eine so bedeutende Kraft, einen so klaren Geist, wie den des Mr. Brandeis, für die Mitwirkung und Mitberatung zu gewinnen. Hier wurde mit Bezug auf Mr. Brandeis das Wort ״Neophyt“ gebraucht. Das ist kein schönes Wort; wenn man einen solchen Termin gelten lassen soll, so liegt das hebräische Wort ״Ger“ viel näher. Wenn jemand zu einem Bekenntnis, zu einer Idee in der edelsten und idealsten Weise bekehrt wird, durch andere oder durch die ,Entwicklung eigener Ideen -- dann ist er ein Ger Zcdek. Wir schätzen einen solchen, freuen uns über den Sieg der Idee, haben volles Vertrauen in seiner lJeher- Zeugungstätigkeit, sind sicher, daß er uns versteht, daß er ganz uns gehört — trotzdem werden wir ihn doch nicht gleich zum Oberrabbiner von Prag machen. Der Zionismus hat auch seine Probleme, iri die man sich lange vertiefen muß und die man nicht in kurzer Zeit so beherrschen kann, daß man das Richtige trifft. So entstehen Meinungsverschiedenheiten, die man aber nicht als Krisen und Gefahren anzusehen hat. Für einen solchen Ideenkampf haben wir den Kongreß und ich bin sicher, daß Justin Brandeis und seine Freunde, die doch für den Zionismus viel gearbeitet und weiter tätig sein wollen, zum nächsten Kongreß erscheinen werden. Wer auch immer eine gewisse Richtung hat und etwas durchsetzen will, ob Groß oder Klein, muß zum Kongreß kommen und zu überzeugen suchen. Der Kongreß ist wie ein Prisma, das die Strahlen bricht und zuglcich wie ein Spiegel, der sic zurückwirft. Das ist das Prinzip unserer Organisation und daran müssen wir fcsthalten. Ich begreife nicht, wie man daran Anstoß nehme» konnte, daß unsere Delegation, mit Herrn Präs. Dr. weizmann an der Spitze, nach Amerika gegange» ist