Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 526 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12 wogten sich durchaus im Rahmen der später von der Re0rga1»isatkMskoMmissk)u gemachten. Eine Antwort auf diesen Brief habe ich nie bekommen. Statt einer Antwort erfuhr ich tlie Ergebnisse der Jahrcskonferciiz, die auf mich und alle Palästinenser einen niedersdimetternden Eindruck machten und von deren Böigen wir uns bis heute noch nicht erholt haben. Als Ussischkin von der jahreskonfereitz zuriiekkam und Bericht erstattete, sagte ich, ich hätte kein Recht, auf mciuein Posten in der Zionist Commission zu bleiben, nicht, weil ich in de» drei Monaten, die ich dort war, etwas unterlassen hätte, sondern weil ich mir sagte, _ eia Si in dieser Zeit für Palästina Geld wichtiger sei als dieser oder jener Mann und daß nur Vertrauensmänner der Amerikaner darauf rechnen konnten, Geld zu bekommen. Ich sandte deshalb meine Demission nach London. Auf dieses Demissionsgcsiich,. ergänzt durch einen Privatbrief an Wcizmauii, erhielt ich einen Brief von der Exekutive, gezeichnet von Simon, mit der Bitte, meine Tätigkeit fortzuseizen unter Ankündigung des baldigen Eintreffens der Reorganisafionskoiiimission und mit der Mitteilung, daß man in allen Punkten mit meinen früheren Vorschlägen einverstanden sei. Ich bin geblieben, nicht weil cs mir Freude machte, sondern weil idt die Arbeit, die mir teuer ist, nicht hiiiwertc» kann. Ich sagte der Reorgamsationskommission gleich bei ihrer Ankunft, daß ich aus den mitgcteiiteu sachliehen mul nunmehr mich persönlichen Gründe» tlie Arbeit nickt weiterführen könne. Ich kann nur in einer Atmosphäre des Vertrauens leben, wie ich sie in Palästina und der zionistischen Welt bis zum Kriege hatte. Aber jetzt schwächte das Gefühl, daß ich die jüdische Welt nicht hinter mir wußte, meine Arbeit«- frcwligkcit. Ich ,hatte aullcrdem nach ■vierzehnjähriger Arbeit in Palästina nötig, ein wenig auszumlien, um Distanz zu den Dingen zu gewinnen. Aber Herr Simon hat verlangt, daß ich die Arbeit weit erführe, und ich bin doch wieder geblichen. Schwer genug ist es mir gewoulen. Ich habe imiiicr von neuem verlangt, daß die Zahl der Mitarbeiter in _ Palästina größer würde, daß neue Leute kommen, damit die Arbeit nicht auf den Schultern eines einzigen liege. Aber Beider sind die neuen Leute nicht gekommen. Als Simon und de Liemc Palästina verließen, glaubte ich, daß wir schließlich doch eine neue Linie der Arbeit geiuiuleii hatten. Ihn so mehr war ich erstaunt, als ich den Bericht las, den die Kommission erstattete, ich s.111, daß es meine Vorschläge waren, aber der Ton des Berichles war so, als ob wir gegen diese Vorschläge gewesen wären. Die Frage der Priorität ist mir gleichgültig, aber ich verstand die Sache nicht. Ich wollte auf den Bericht überhaupt nicht antworten, wie ich es zum Prinzip habe, auf Angriffe nicht zu antworten. Die Arbeit ist mir zu wichtig, als daß ich meine Zeit dazu hergebe, auf jeden literarischen Angriff literarisch zu antworten. Aber in diesem Falle mußte ich doch antworten. Herr Simon sagt, cs ist wahr, ich hätte dieselben Vorschläge ״einacht, aber er iinputiert mir andere Motive. Woher er sie hat, weiß ich nicht. Herr Simon hat mir vorgehalten, ich passe nichts für eine solche Stellung, weit ich cs nicht verstehe, Fonds auseinander zu halten. Diese Ausführung ist in allen Punkten un richtig. Erstens: Ich habe allein nur die Gelder der P. L. L). C. und der Arbeiterbank verwaltet. Nicht ein Pfennig dieser Institute ist für andere Zwecke verwendet worden, wie Herr Simon selbst anerkannt hat. Zweitens: ln der Zionist Commission traf ich. als ich lüukam, gerade den Zustand an, den Sie tadeln, nämlich, daß dort alle Gelder in einen Topf geworfen wurden. Es ist also absolut falsch, daß ich diesen Zustand verschuldet hätte. Drittens: Mit dem Gelde, das von der Zionist Commission verwaltet wurde, hatte ich am allerwenigsten zu tun. Ich ging stets um die Kasscnstellc als den Ort des Grauens in weitem Bogen herum. Im August 1020 kam ein Telegramm aus London, daß die Fonds in der Zionist Commission getrennt verwaltet werden sollen. Das geschah dann, Nun kamen im September-Oktober die Cha'u/.im, cs gab Krankheiten, man brauchte dringend Geld. Da trat der Trcasurer an die Verwaltung• des Nationalfonds, die aus Ussisehkin, Ettinger und mir bestand, heran und sagte: Meine Kasse ist leer, Rimessen aus London sind angekündigt,! aber nicht da; ich muß auszah'.en; ich sehe keinen anderen Weg, als daß Sie mir das Recht geben, auf Grund des Geldes des Nationalfonds eine Anleihe bei der Bank zu machen. Wir haben diese Ermächtigung gegeben, dis ist nielit möglich, »11 Palästina Leute sterben zu Eissen, wenn man die Möglichkeit hat, vor Ankunft der Londoner Gelder durch" eine Anleihe über die kritische Situation liinwegzulooinmc». Als Herr Simon nach Palästina kam und dieselbe Situation sieh wiederholte, da hat er dieselbe Anleihe gemacht. Weshalb ist mir verboten, was Hern: Simon erlaubt war? Es ist nicht meine Absicht, Herrn Simon und de Liemc anzugreifen. Wir sind nicht so reich an Männern, daß wir uns gestatten könnten, die Autorität von Männern herabzusetzen, die wir morgen wieder brauchen werden. Aber ich appelliere von dem schlecht informierten Sinum an den besser zu informierende» mul ich erwarte von seiner Loyalität, daß er das־ Unrichtige in seiner Darstellung, richtigstellt. Simon sagt, man kann die Arbeiter nur ansicdeln, wenn sie eigene Ersparnisse haben. Damit bin ich theorctisch vollkommen einverstanden. Ich kann durch׳ meine Rede auf dem Wiener Kongreß belegen, daß ich schon vor acht Jahren dieser Ansicht war (Liest Stellen aus seiner kedc,) Wenn die Wirklichkeit aber die Möglichkett nicht bietet, die Theorie durclraüühren, so wird aus der richtigen Theorie ein falscher Doktrinarismus. Es gibt unter den jetzigen landwirtschaftlich erfahrenen Arbeitern keine, die Ersparnisse besitzen. Bei den jetzigen Verhältnisse» glaube ich auch nicht daran, f ״f" ArtxMer in kurzer Zeit Ersparnisse machen ״?.;,,,m1 •<:T a,’cr, ״.,dlt die Verantwortung dafür vers ' k ’,,5'\ Cr 13'1־׳״wirtschaftlichen Kolonisation mit yersctu.ukkUn Armcn ־zu warten, bis die Arbeiter vielleicht Ersparnisse haben werden. Es gibt Situationen in denen man mit Unternehmungen nicht war cn ka״״ bk Alle Voraussetzungen ihres Öclingcwi Ws zu,n ktzh.» Iota erfüllt sind, ln solcher Situation befinden wir n״' Wir sind gezwungen, unsere Arbeit in Palästina zu tun^ aiici: wen״ manche Faktoren für ihr Gelingen noch 1111sicher sind. Id: komme zu den Vorwürfen des Herrn de Liemc und den Kaufen in lim i'k-Jcsrec'l, Wir!iahe1 ״ms wirklich einer Kompetcnz.ühersehreitungbei diese» Käufen schuldig gemacht, ich habe cs von Anfang an cingestanden’, aber sie war nicht eine böswillige, sondern :huch die Verhältnisse nitfgezwiiiigen, und ich glaube, daß in einer Stunde, in der cs sich darum handelt, wichtige PosilUrnen zu sichern oder zu verlieren, eine Kompetenz.- iiberschreittmg besser ist als Kadavergehorsam. (Beifall.) Die Darstellung, als ob wir die Sache wenige Tage vor Eintreffen der Kommission vorgcnominen hätten, ist falsch. Der Vertrug wurde im August 1920 unterschrieben, die Kommission kam im November. Die Anznhiung war eine l'olge des unterzeichnet«» Vertrages, wir hatten einfach unsere Unterschrift zu respektieren. Ich hätte die Sache gerne dem Urteil der Herren Simon und de Liemc überlassen und auf ihre Ajikunft gewartet, wenn wir Zeit gehabt hätten. Ich bin fest überzeugt, sie hätte» die Verträge auch unterschrieben. Ich komme zu de Licmes Angrifi auf den von mir geprägten Ik-griii: Kolonisnlion auf R.ik'üzalihmg, Was meine ich damit? Als ich nach Palästina kam, brachte ich fast keine Mittel mit im Verhältnis zu den gewaltigen Anforderungen, die ich vorfand. Ich war gezwungen, mit lächerlichen Bcträgen, mit wenige» tausend Franken landwirtschaftliche mul städtische Kolonisation, Industrie usw. zu beginnen. Daß ich cs der reichen Ica und Rothschild nicht gleichtim konnte, ist selbstverständlich. Nun mußte aber doch irgend etwas geschehen. Der Zustand war nicht so, daß man ruhig dasitzen konnte. Es war Stagnation, Unzufriedenheit unter den Arbeitern und Auswanderung. Da habe ich. übrigens gezwungen durch, die Tatsache, daß wir Liinuercien hatte», die besiedelt werden mußten, diesen Ausweg gewählt, daß ich eine und später noch einige Farmen gründete. Es ist uns gelungen, mit ganz geringen .Summen (Sie werden mit Staunen hören, daß es bis 191t nur 51HKV.) bis öl)(HM Pfund Sterling waren) durch diese Betriebe neues Leben in Palästina zu erwecken. Aber die Farmen waren im Anfänge infolge von Geldmangel; mir provisorisch eingerichtet. Wir waren jedes Jahr gezwungen, Neuanschaffungen 7.11 machen. Es mufite jedes Jahr etwas zugebaut werden usw. Das nenne ich Kolonisation auf Raten- Zahlung. In Daganiah, wo Reingewinn war, wurden die Komplettierungen größtenteils aus den Gewinnen gemacht. Aus meinem Referat über wirtschaftliche Arbeit werden Sie sehen, daß wir »och nicht die riehtige Form der landwirtschaftlichen Kolonisation zu finden imstande waren. Wir sind noch nicht so weit, dem Einwamlcrcr zu sagen: Wenn du so und so viel Geld investierst und das und das tust, hast du eine lamlwirtschaftliche Existenz gesichert. Aber daß wir keine Versuche zur Auffindung besserer Methode» gemacht hätten, wie Herr de Liemc behauptet, ist nicht richtig. Wir haben auf unseren Farmen sehr viel durch Versuche erfahren und gelernt, Und was die positiven Resultate betrifft, s0׳ könnte ich Herrn Simo» fragen: Was haben Sie in den zwei Jahren ihrer Amtsführung getan? Als Sie Ihren Bericht schrieben, war ich erst acht Monate in Palästina. J» die z.wci Jahre von Simons Amtsführuug fällt tlie gewaltige Hochkonjunktur nach der Halfour-Deldaration, tlie ,uns hätte Millionen ־ bringen können. Warum ist diese Situation von Simon nicht nusgeniitzt worden? Sie, Herr de Liemc, schreiben am 25. April ein Zirkular, in welchem Sie an die Landessanimelstellen Ihre Demission mitteile» und durch Ihre Ausführungen das Vertrauen und die Gehefreudigkeit untergraben. Das ist unter allen Umständen unzulässig. (Redner verliest hierauf einige Stellen aus dem Zirkiilar.) Gegen die Enick-Jesreel-Käufc ist Herr de Liemc, aber er schlägt vor, man solle für 3000009 Pfund Sterling städtischen Boden kaufen. Ich •frage: was Nt besser: 50 0000 Dutinui in Emck-Jesree! für 200000 Pfund Sterling oder (100000 Ellen Boden in Jerusalem für 350 000 Pfund Sterling, Ich bi» der Ucberzcugung, daß der Kauf Emck-Jesrecl nötig war. Er gibt uns erst die Möglichkeit, die Kolonisation praktisch zu versuchen, nicht wie bisher, in der Luft zu fechten. Vielleicht habe ich große Fehler gemacht. Ich glaube, daß jeder, der i» Paläsiiua arbeiten wird, Fehler mache» wird. Aber wir lernen hierbei. Leider gibt cs nicht mathematische Lehrbücher für die Laiulivirtschaft und Kolonisation in Palästina, aus denen man für jeden Fall die Rege!» lernen kann. Ich habe noch andere Fehler. Es war ein Felder, daß ich die ganze Zeit zu viel verschwiege» und alles, was man mir miflnd, wie ein Packesd getragen habe. Ich hätte von de» anderen mehr verlangen sotlc». Ich hätte auch heute geschwiegen, wenn es sich nur tun meine Person gehandelt hätte; cs handelt sich jedoch um das Werk, das in Palästina durch die Zionistische Organisation geschaffen wurde und dieses Werk werde ich nicht 11eruntem׳iHeu lassen, Es hat einen Wert, Sie mö׳״en sagen, was Sic wollen. Seit der Zeit, da ich nach Palästina kam, mul auf meinen Vorschlag ist der erste Kredit für Tcl-Awiw von dem Nationalfornis gegeben worden, der de» Bau Tcl-Awiws ermügliebt hat. Ich habe mit dem wenigen Geld«,' das vor- It.iiiden war, die ersten Farme» gegründet und neues l-el>e» in die Landwirtschaft und Kolonisation hereingebracht. Das Paliislitmami hat den jemenitischen Juden den Weg nach Palästina gewiesen. Wir hoben die’ Privatkapitalien in der Form von Achusoth organisiert und jedem Privatkapitalisten mit Rat beigestanden, der sich ixirgab bringen. Sorgen Sic dafür, daß nicht unsere Kinder und Enkel uns beschuldigen, daß der große Moment ein kleines Geschlecht gefunden hat. (Lebhafter!angaiili.illeikler, sich stets erneuernder Beifall, der uc» zu einer großen Ovation für Ruppin gestaltete.) Ovation für Achte Sitzung den 5. September 192t, nacht■!,) an uns gewendet hat. Der beste Beweis für unsere Tätig keit ist das Vertrauensverhältnis, in dein die Jude» Palästinas und auch die Zionisten außerhalb Palästinas vor dem Kriege zu uns standen. Ich glaube, daß wir das Maximum vollbracht habe», das mit den geringen Mitteln möglich war. Weizmnim hat mehr als einmal gesagt, daß seine Erfolge durch die vorn »gegangenen praktischen Erfolge ermöglicht wurden. Und nun genüg von diesen Sachen. Ich schäme mich, daß ich die Zeit des Kongresses damit in Anspruch nehmen mußte. Bringen Sie, die Sie uns kritisieren, neue Männer und neue Pläne, aber hören Sic auf, negative Kritik zu üben. Ich wünschte, es wäre mir eine prophetische Zunge ׳)״geben, tun Hüten die Erkenntnis zu vermitteln* daß diese Stunde nimmermehr vviederkehrt. Sie tragen die Vernntwortung für die Zukunft unserer Bewegung und des jüdischen Volkes. Sk könne» es bergauf, Sic können es (Mont;1 g Wir bringen aus der Montag-Nachtsitzung, die die Generaldebatte abschloß, nachstehend Weizmanns Rede und werden den übrigen Bericht naebtragen. Weizmanns Schlußwort Weizmann (mit stürmischem Beifall begrüßt): Ich habe mit großer Geduld den vielen Reden zugehört, die hier von dieser Tribüne gesprochen worden sind, und ich fürchte, daß ich die Geduld des Kongresses auch in dieser späten Stunde werde in Anspruch nehmen müssen, denn ich habe viel zu sagen. Es ist meine Pflicht und ich bin von meinen Freunden und Gegnern auigcloidert worden, klar über die politische Lage zu sprechen. Ich werde mich bemühen, ohne Schönfärberei — Herr Fischer — ganz objektiv, wie cs einem, der daran beteiligt ist, möglich ist, objektiv zu sein, die Lage schildern. Um sie zu verdeutlichen, möchte ich erklären, auf welchen Grundlagen nach meiner uninaßgeblichen Meinung die jüdische Politik, die wir geführt haben und für welche wir heute noch Rede stehen, sich aufgebaut hat. Zwei Grundlagen waren es, die hauptsächlich für den Aufbau der Politik maßgebend waren. Die erste lag sozusagen außerhalb uns. Das war eine Koinzidenz von jüdischen Interessen mit den Interessen derjenigen Macht, die heute als Mandatarmadit für Palästina dasteht. Das war Großbritannien. Und da ich bei diesem Punkt« bin, der, wie idt fürchte, von vielen mißverstanden wird, mochte ich auch eine kleine Erklärung hinzusetzen. Wenn Sie sich, meine Herrschaften, cinbilden, daß diese Koinzidenz der Interessen eine strategische ist, so bauen Sie auf einer falschen Grundlage. Wenn Sie glauben, daß wir uns dazu hergegeben haben, als Agenten der englischen imperialistischen Politik in Palästina und im Nahen Osten zu fungieren, 90 bauen Sie auf einer fal selten Grundlage. Und ich werde noch offener sein. Wenn es genützt hätte, wenn es für das jüdische Palästina genützt hätte, daß wir der englischen imperial,stischen Politik dienen, so hätte ich das getan; und ich glaube, ich hätte mit reinem Gewissen von diesem Kongreß das Absolutoriuni dafür verlangt. Das ist es aber nicht, und wenn Sie heute alle englischen Imperialisten fragen, ob ihnen Palästina für ihre imperialistischen Zwecke nötig ist, so werden Sie ein glattes Nein bekommen. Palästina ist für England vom strategischen, vom militärischen Standpunkt nutzlos, und diejenigen, die sich eingebildet haben, daß wir, das ist das jüdische Palästina, absolut notwendig sind für den Lebensnerv Englands, den Snezkanal, Italien sich geirrt; vielleicht verstehen die englischen Strategen ihr eigenes Interesse nicht, das ist möglich. Aber das ist ihre Meinung. Wenn Sie heute die Vertreter der englischen Marine und der englischen Armee fragen, so werden Sie von hundert Antworten 95 gegen das Bcibchaiten von Palästina bekommen. Also bilden Sie sich nicht ein, die Beschützer des Suezkanals zu sein. Dafür hat England anderweitig gesorgt. Es ist aber eine andere Koinzidenz, von Interessen: Gerade die, auf welche K a p I a tt s k i aufmerksam gemacht hat, aber gedacht hat, daß wir diese Koinzidenz übersehe» haben. Das ist, was man englisch ״goodwill“ nennt, der ״gute Wille“ des jüdischen Volkes. England nüt seinem weltumspannenden Bück hat vielleicht aus Gründen, die ich andeuten möchte, mehr und eher als irgendeine andere Nation verstanden, daß die Judenfrage wie ein Schatten über der Welt lierunispaziert und zu einer ungeheuren Kraft des Aufbaues und zu einer ungeheuren Kraft der Destruktion werden kann. Und England hat uns verstanden - und darin liegt vielleicht ein kleines Verdienst von uns, daß wir dazu beigetragen haben, daß . es uns versteht —, daß diese Ausnützung des jüdischen guten Willens und die Kaiiaüsiening der jüdischen konstruktiven Kräfte durch Paliistinn von ungeheurem Nutzen wäre. Und darum waren es nicht die englischen Generäle und nicht die englisdien Imperialisten, sondern die englischen intelU-Utudieii, die zunächst zur Grundlage unserer Politik wurden. Balfour hat die Balfour-Deklaration schon lange vor dem Kriege erkannt, der Krieg hat sie nur beschleuiiigt Solche Männer waren es, auf die wir uns mit Sicherheit stütze» können. Diese kleine geschiehtliehe Fülleitung ist zum Teil eine Antwort, die schon mein Freund, Kollege und langjähriger Mitarbeiter gcgeben hat, die Antwort auf das Schmerzwort vom ״Dipiomatisieren“. Sie haben in einem Ihrer Sätze an meine Gefühle als Gentleman appelliert, ich tue dasselbe. Die zweite Grundlage war der Wille des jüdische» Volkes nach Palästina. Das waren die Grundpfeiler, auf denen sielt das ganze Gebäude, die Balfour-Deklaration, San Remo und das Mandat mit allen seinen Fehlern und Lücken aufgeb,׳tut bat. Das waren die zwei Eckpfeiler, und ich dachte 7־ ich lege hier ein Bekenntnis als daß die Rolle, die meine Arbeit spielt, eine zweite und drittklassige sein wird und nicht eine erstklassige. Ich betrachte mich als nicht mehr und nicht weniger als einen Straßen־ feger auf dem internationalen Wege. Meine Aufgabe war, Hindernisse zu beseitigen, einen Pfad zu schatten, manchmal einen großen Weg, manchmal einen kleinen, manchmal einen geraden Weg und manchmal ging er auch nicht gerade. Ich wußte, daß es kein deredi 11ameieeh sein werde, ich wußte, daß es eine via dolorosa für lange Jahre sein wird. Die Rolle, die uns?»gefallen war, fortwährend die Straße zu fegen, wäre leichter gewesen, wenn man auf dieser Straße fortwährend gegangen wäre. Und ich erwartete, daß auf dieser Straße das jüdische Volk zu marschieren anfangen und durch diesen Marsch die Straße erweitern werde. Das gcschah aber nicht. Das geschah nicht in dem Maße, wie es hatte sein sollen, darum ist unsere Arbeit, die am Anfang eine ehrenvolle Aufgabe war, dazu gebracht