Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Uebcrlcgen wir nn■ wie wir den Leitern unserer Politik gegenüber zu <f1/1'en haben, wenn wir ihre Kräfte vollauf ausmit/en wv1׳ Vf». Ls gibt nur die Alternative: Vertrauen oder rücksichtslose Ersetzung durch andere Menschen. Mißtrauen aber und dennoch Wiederwahl der nainlienen Personen ist ein unmöglicher Zustand. Die UnmiRkeW der Exekutive hat die politische Arbeit sicherlich erschwort. Die Rede J a bo t i n sk y s scheint mir hierfür symptomatisch zu sein. Ich lehne seine Auffassung von der Araberfrage als eine politische Unmöglichkeit auf das schärfste a b Die Leiter unserer Ikilitik haben jedenfalls ininier eine Vcrsöhmmg mit dem arabisdien V'olk angestrebt. Ihre Aufgäbe darf ihnen nicht dadurch erschwert werden, daß ein Mitglied der Exekutive von der eingesclibgenen und von uns gebilligten Richtung abweicht vxler abzuweidien scheint. Wollen wir nach dein Vorschlag de Liemes erstens legale Verhältnisse schaffen, so müssen wir jetzt auf dem Kongadl unter allen Umständen eine einheit■- liehe Leitung wählen. Es kann uns nichts daran gelegen sein, daß persönliche Entfremdung wiederum in persärdiehe Freundschaft venvandelt wird, leb erkläre, daß wir auf diesem Kongreß auf ein eindeutiges Programm hin unsere Exekutive wählen müssen. 111 den nächsten beiden Jahren wird sich nach der Meinung unserer verantwortungsvollsten Männer in Palästina das Geschick der Zionistischen Bewegung entscheiden. Der neugewältlten Exekutive müssen also alle Kräfte der Organisation zur Verfügung stehen. Das ist nur möglich, wenn Volk Klarheit geschaffen ist. Wir wissen, daß schwere Rückschlage möglich sind. Um so notwendiger ist es, daß nach diesem Kongreß auch die Minorität weiß, daß -ie moralisch verpflichtet ist, den Weisungen der Exekutive zu folgen, wenn Simon und de Liemc sich über den illegalen Zustand beklagen, so tragen sic selbst einen großen Teil der Schuld an den auierträglichen Verhältnissen der Organisation im letzten Jahr, Wir fordern ein klares IVograitrni der Politik, Palästinaarbeit, Organi sation, Geldbeschaffung und Propaganda und vcr- Langen, daß in •der neuen Exekutive alle Ressorts von einander abgegrenzt sind. Manche Delegierte erörtern die Frage des Wiedereintritts von Simon und De Licme in die Exekutive. Ich kann mir vorstellcn, daß einzelne Ressorts von Männern besetzt werden, die mit der von uns beschlossenen Richtung der Exekutive nicht übereinstimmen. Unerläßliche Voraussetzung ist jedoch, daß diese Männer wissen, daß sic sich ausschließlich auf ihr Ressort zu beschranken haben und daß keine Möglich׳ keilt für sie besteht, die vom Kongreß beschlossene Richtung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Legale Vcrhähnissc werden durch diese starke Exekutive geschaffen werden, die ihre Macht auf die Autorität des Kongresses zu ruck fuhren kann, wenn zugleich mit einer straffen Ressorteinteilung in London und vor allem in Palästina Beamte die Geschäfte der Bewegung verwalten, denen die Möglichkeit gegeben wird, unbeeinflußt von irgend־ welchen Strömungen als Diener tutsercr Bewegung den Willen der Exekutive in ihrer Arbeit auszuführen. Oltne die Schaffung eines solchen von allen unkontrollier■ baren Gewalten unabhängigen Beamtenstandes sind wirklieh legale Verhältnisse nicht denkbar. Hüten sie sich, die unverantwortlichen Angriffe gegen die Beamtenschaft fortzusetzen. Schlechte Beamte müssen uiimach sichtlich entfernt werden, als brauchbar befundene allen Zionisten) als legitime Vertreter der Organisation erscheinen. Sollten Sie den Beschluß fassen, daß Beamte der Organisation weder Delegierte noch Mitglieder des A. C. sein dürfen, dann werden Sie keine wertvollen Menschen für diese Posten finden. Aus der Tatsache der Beamten- Stellung darf im Leben der Organisation kein Vorzug erwachsen, Beamte dürfen aber auch keinesfalls Zionisten minderen Rechts sein. Interessant ist es, daß sich auch hier auf dem Kongreß die Beschwerden gerade gegen diejenigen Beamten richten, dk unbeeinflußbar ihre Pflicht erfüllen und alle Protektion noch so einflußreicher Gesinnungsgenossen pflichtgemäß zurückwdsen. Wir wollen zweitens die Bahn für dk R c o rg a n i - sation frei machen, Julius Simon tat uns Keinen Weg gezeigt. Ihn, den Feind der Theoretiker, möchte ich den Theoretiker der praktischen Arbeit nennen. Er hat Gelegenheit gehabt, Reformen durchzttführen. Wo sind seine Erfolge? Er verlangt statt lauter Worte stumme Taten. Die von ihm veranlaßten Memorandum ruhen stumm in den Schreibtischen, haben aber nicht zu praktischen Taten geführt. Erblickte er den Grund zu seinem Mißerfolg darin, daß man von ihm Verständnis für die Psychologie Palästinas verlangt hat und er sich dieser Forderung aus irgendwelchen Gründen nicht fugen konnte, so ist zu erwidern: entweder versteht man die Psychologie der Menschen und nützt diese Kenntnis für neuen Aufbau aus oder man wandelt sie, indem man zum Führer der Menschen wird, mft denen man arbeiten muß. Dekretieren kann in Palästina ganz, gewiß nur der, dem man dort das innere Recht zum Führertum zuerkennt. Es genügt also nicht, ein System für die Reorganisation auf/ustetlcn sondern es ist nötig, uns die richtigen Menschen vorzuschlagcn, denen man dieses werk anvertrauen kann. Nach unserer Erfahrung nraß je״« Reorganisation damit beginnen, daß scharf die Verwaltung in Palästina van der Beschaffung der Mittel getrennt wird. Ein Freund Simons sagte mir, Simon sei ein ausgezeichneter Zionist ״cif Jaffa“, er sollte aber seine Fähigkeiten auch ״fop London" bewähren, Sem und de Liemes Fehler bestand darin, daß ihre Kritik mit einer bestimmten zionistischen Gesinnung ver- Ivunden wurde. Dieser Irrtum muß aufhören. Kritik n v.a rwaltlm" und die Frage der jüdischen nationalert Dohtik sind zwei Dinge, die nichts miteinander zu tim haben. Die sachliche Kritik, die in Palästina insbesondere! auch in den Arbcitvrkreiscn sehr stark ist, ist dadurch sehr ^esehädi^t worden, dal) durch Simons und de Liemes Auftreten Kritik an dem wirtschaftlichen Aufbau mit Unrecht zur Angelegenheit einer bestimmten gesinnungsniällig geeinten Gruppe gestempelt wurde. Diese auf eine nationale!*olitik im Galuth und auf eine nath'maic Propaganda gerichtete Gesinnung sollte die Geldhosciiaffutig erreichen. Als ich aber Simon in Berlin fragte, welche Erfahrungen er in der Gcldbe- Schaffung gemacht liabe, erwiderte er: keine. Der Beweis, daß mit Hilfe der von ihm vertretenen Gesinnung Mittel zu erlangen seien, ist nicht erbracht worden. Unsere Erfahrungen sprechen dafür, daß nur auf dem von uns cingeschlagenen Wege die für den Aufbau erforderliehen Gelder beschafft werden können. Bei einer konseouent durcligcführtcn Trenmuig von Verwaltung und Geldbeschaffung wäre auch die Meinung, daß sich das Lebe» Palästinas nicht in der Zionistischen Organisation zu konzentrieren habe, unmöglich. Er will die Exekutive zu einem Kontrollorgan für alle palästinensischen Unternclimungcn ausgestaJtcn. Wer wird sich aber diese Kontrolle gefallen Lassen? Wer macht gerne die unrentablen Dinge? Der palästinensische Staat mit neunzig Prozent nicht jüdischer Bevölkerung kann gewiß für uns nur einen Teil der notwendigen öffentlichen Lasten übernehmen. Alle Erfahrungen zeigen, daß eine Reorganisation es sich zur Aufgabe machen muß, möglichst viele Machtmittel des jiidischcn Lebens in der Zionistischen Organisation zu vereinigen. Wissen wir heute doch alle, daß es in Amerika keinen größeren Fehler gegeben hat, als den Austritt der Zionisten aus dem Joint. Der Vorseitlag, den einzelnen Landsmannschaften Gelegenheit zu tvomlenintcrnchmungen in Palästina zu geben, scheint mir bei einer ernsthaften Reorganisation ganz ungangbar'. Das Chaos würde noch vergrößert werden. Richtig ist, daß der Reorganisation wie sie heute ist, viele Mängel anhaften, daß ein Umbau notwendig ist. Wir schlugen ״daher vor, Einrichtungen für diese Umgestaltung zu treffen. Das Organisation׳s-IX׳partemcnt muß Expositiire» in Amerika und auf dem Kont ine nt errichten, deren Aufgabe die Geldbeschaffung und die Erziehung zionistischen Lebens in den ihnen unterstellten Landern ist. Nachrichtenzentralen reichen nicht aus. Es muß von der Exekutive eingerichtete Stellen gehen, von denen aus eine wirkliche zionistische WillenxbikJung erfolgen kann Die durchgciülme Reorganisation muß die Mitnrbeit der N i c h t / i o 11 i s t e n bringen. Der Vorschlag Simons, den Rahmen dadurch zu erweitern, daß wir uns auf die Anerkennung des Basler Programms beschränken und die nationale [*oiitik den Landesorga nisatioiicn überweisen, kann keine guten Erfolge haben. Für den Beitritt zur Zionistischen Organisation ist niemals mehr als das Basler Programm, meist weniger verlangt worden. Eine Ucberwcisirng der nationalen Politik an die Landesorganisation wird keine Aenderang hervorrufeu. In allen Ländern, auch in denen des Wesens, werden wir zwei sich bekämpfende Parteien finden, und cs svird für die Nichtzionästen keinen Unterschied machen, ob diese Gruppen!viel! Weisungen einer Zentrale handeln oder aus eigenem Entschluß ihre Maßnahmen treffen. Simon geht sonder Vorstellung aus, daß eigentlich alle Juden Zionisten sein müßten. Diese Annähme ist irrig und dieser Irrtum ist nach unseren politischen Erfolgen besonders deutlich geworden. Wenn wir durcii noch so starke Gesüimuigskompromisse umscren Rahmen erweitern wollen, wir werden die Zahl unserer Anhänger nur unbedeutend vermehren. Hingegen ist es vielleicht möglich, durch die in dem geplanten Statut des Keren Hajessod vorgesehene B ü nd n i s po! i t i k Nichtzionisten für die Palästina arbeit zu gewinnen. Diesen Nichtzionisten muß natürlich ein entsprechender Einfluß gegeben werden, ohne daß wir ihnen deshalb den Keren Hajessod ausücfern. Für die Beschaffung der Mittel unter den Zionisten ist die nationale Propaganda und die nationale Erziehung das beste Atittef. Simon selbst, der nur die formale Anerkeniiting des Basler •Programms verlangt, beklagt sicii darüber, daß die amerikanischen Massen zionistisch nicht erzogen werden. Jahrzehntelange Erziehungsarbeit war nötig, ehe wir es wagen konnten, den Maasser zu verlangen und von einer größeren Zahl auch wirklich zu bekommen. Nur Menschen, die den Zionismus als ihr Schicksal empfinden, entschließen sich zu solchen Opfern und fügen sich der von uns beschlossenen Steuer. Simons Meinung, daß der Gedanke, am Aufbau Palästinas mitzuvvirkcn, genug Empfindungen puszulöse» vermag, wird durch das von ihm gebrauchte Wort ,,genug" gekennzeichnet. Der Zionismus wird nämlich den Aufgaben des Aufbaues nur dann gewachsen sein, wenn seine Menschen auch für die Zeit des Mißerfolgs und des Unglücks vorbereitet sind. Wir hrauchcn Menschen, die uns bei Rückschiä׳ gen treu bleiben und auf diese erzogenen Zionisten, die an• Sesichts von Mißerfolgen ihre Kräfte verdoppeln, muß die rganisation zugeschnitteu sein. Andere Völker kommen bei ihren nationalen Entscheidungen mit Leidenschaften aus, die für einen kurzen Zeitraum ausreichen. Im Anlauf wird Bestehendes zerstört. Unsere das jüdische Leben umwälzende Bewegung will in Jahren und Jahrzehnten einen Aufbau durchführen. Sie ist eine Revolution mit langem Atem. Sie braucht Menschen, die ihr unter allen Bedingungen ergeben sind, an die man außerordentliehe Forderungen zu stellen vermag. Der Versuch, Keren Hajessod eine Steuer iin Gegensatz zu privatkapitalistischen Unternehmungen zu bringen, ist absurd. Ohne Keren Haicssod wird auch Privatkapital keine Möglichkeit der Betätigung finden. Wir verlangen praktischen Idealismus und glauben, daß wir die Kräfte der judenheit dadurch gewinnen können, daß unsere Opfer- Willigkeit die in den nicht/ionistischen Juden Vorhändenen jüdischen Instinkte zu tatkräftiger Mitarbeit erweckt lind sie veranlaßt, an dein von uns im Keren Hajessod vorgeschlagenen Fonds mitzuarbeiten. Die Meinung aber, daß wir die Mitarbeit aller dadurch gewinnen können, daß wir sie zum Eintritt in die Zionistische Organisation auf irgendeine poch so kluge Weise bewegen, hat sich schon heute als ein Irrtum herausgestellt. Das Beispiel Amerikas und anderer Länder ist bekannt. Aufgabe des Kongresses jst es, klar auszusprechen, welche Maßnahmen zu treffen sind, um auch Nicht- Zionisten zur Mitarbeit ,am Aufbauwerk zu bewegen. (Lebhafter, andauernder Beifall.) Mcrcniinsky (Zeire*Zkm, Polen;: Es ist sehr traurig, daß wir, die wir nach einem Zeitraum von 8 Jahren wieder auf einem Kongreß Zusammenkommen, Reden anhören müssen, die sich mit MeinungsverscJue• denheiten persönlicher Natur befassen. Hier hatte eure• andere Atmospliürc geschaffen werden müssen. Man hätte über die Arbeitsmöglichkeiten sprechen müssen, um den richtigen Weg zu finden. Ich möchte nochmals darum ersuchen, daß wir nicht gegen Personen, sondern gegen Strömungen kämpfen. Es gibt verschiedene Strömungen. Uns trennt eine soziale Scheidewand. Man spricht von allen Seiten über den Aufbau Palästinas. Alle streben danach Aber ohne sich dessen bewußt zu werden, verzögern sie ihn. Man darf die Arbeit der Leitung nicht gering einschätzet. Die Leitung hat richtig daran getan, als sie nach Amerika ging. Die Leitung iuit zur Entwicklung der Emigration nichts getan. Schon auf dem X. Kongreß hat man nicht nur von Emigration nach Palästina gesprachen, sondern von Emigration überhaupt. Ihr X Kongreß hat die Sache richtig abgefaßt. Jahre sind vergangen. Wir haben die Balfour-iXklararion, wir haben San Remo, und was hairen wir bis jetzt erreicht? Wir haben von der Exekutive Zirkulare erhalten, daß für die Einwanderung nach Palästina noch nicht die Zeit gekommen ist. Ich frage unseren Führer Weizmann: Hat sielt nicht Wcizmann, als er nach Amerika ging, um die Keren Hajessod-Aktion in Gang zu bringen, auf das Cluiluzclement gestützt? Hat er sich nicht auf die in Palästina geleistete Arbeit berufen? Im Jahre 101Ö hat man ein Emigrationsbüro gegrandet. Dieses Büro hat verschiedene Projekte gemacht, aber praktische Arbeit hat es nicht geleistet. Dem Pariser Komitee wurden 803 Pfund zugewiesen, dem Generalsekretär 565 Pfund, dem ״Haoiarn" 3S5I Pfund. Und Sie alle, meine Herren, kennen doch den großen erzieherischen Wert des ״Haoiam‘'. Die Delegation hat 1261 Pfund gekostet. Und für Emigratbonszweckc wurden für die Zeit von neun Monaten im ganzen 225 Pfund ausgeworfen. ich frage Sie, ob dies richtig ist. Ob es richtig ist, daß der Sekretär, der nach Serbien und Bulgarien und erst andertlvalb Jahre später nach Warschau kam, 565 Pfund erhalten hat, und daß die Arbeiterorganisation, die für das ganze Volk von außerordentlicher Bedeutung ist, nur 225 Pfund bekommen hat? Wir hatten die Erlaubnis, 16 500 Familien nach Palästina zu bringen. Hat man dies getan? Wir haben dem Keren Hajessod nach London ein Memorandum geschickt. Man hat uns geantwortet, daß es einer gründlichen Prüfung unterzogen werden wird. Wir haben eine nationale Anleihe gefonlert. Geld hätten wir genügend bekommen können, denn das ganze iüdisclie Volk hätte es gegeben Rappins Antwort Dr. Arthur Ru pp in (lebhaft akklamiertj: Mit großem inneren Widerstreben ergreife ich das Won. Ich empfinde den schreienden Gegensatz von dem, was wir reden, und von dem, was wir tun sollen. Seit ich aus Palästina fort bin, das sind einige Monate, be* mühe ich mich in Versammlungen und Privatgesprächen den Zionisten klar zu machen, w i e ernst unsere Lage in Palästina ist, daß es gewaltiger Anstrengungen und der Zusammenfassung aller Kräfte bedarf, wenn wir in dieser lüstorischcn Stunde unsere Pflicht erfüllen wollen. Aber ich sehe zu meinem Schmerze, wie wenig diese Ermahnungen fruchten, daß das Werk der Selbstzerfieischung weitergeht, als ob es notwendig wäre, das was in Artikeln und Reden bereits bis zum Ueberdruß erörtert wurde, hier von neuem breirzutreteix Wäre uns der Ernst der Stunde aufgegangen, so hätten wir liier nicht vier Lage lang mit solchen Behagen in einem Sumpf von Kleinigkeiten herumplütschem könni-i* Das ist ein falscher Auftakt zu diesem Kongreß. Wir unterstreichen das, was uns trennt, und vergessen, was uns eint und uns allen teuer ist — Palästina. Ich schäme mich, wenn ich daran denke, weichen Eindruck es in Palästina machen wind wenn die Berichte von unseren ersten Debatten dorthin gelangen. Dort sieht man sehnsüchtigen Auges auf unsere Verhandlungen in der Erwartung, daß nach Jahren des Nichtstuns, des Wartens, von hier das erlösende Wort gesprochen werde, die Parole zum Aufbau Palästinas. Wir pber geben in unseren bisherigen Debatten unseren Palästinensem Steine statt Brot Und weichen Eindruck werden unsere Verhandlungen auf unsere Gegner machen? Sie werden, wenn dieser Kongreß nicht der Ausdruck eines einheitlichen gewaltigen Volkswillens ist. den Respekt vor uns verlieren und damit geht uns einer unserer wichtigsten Aktivposten verloren. ich bin gegen meinen Willen gezwungen, auf ■Angriffe zu antworten. Simon hat die Mitglieder der Exekutive einzeln Revue passieren lassen und abgetan. Ich gebe Simon das volle Recht der Kritik, speziell was meine Person betrifft, aber was er sagt, stellt im Gegensatz zu dem, was er als Mitglied der Re- Organisationskommission und der Exekutive getan hat. Ich trat, als ich nach mehrjähriger Abweseneit nach Palästina zurückkam, in die Zionist Gommissaon ein. Ich fand ein ganz anderes Palästina vor, als das Palästina, das ich vier Jahre vorher verlassen hatte. Es war verändert in den materiellen Grundlagen und in der ganzen Psychologie der Bewohner. Ich war sehr im Zweifel, ob ich in die Kommission eintTCten sollte. Ich tat es, weil ich eine Bresche sah und mich vcrpflichtet fühlte, in diese einzutretca Ich habe m der Zionist Commission kein Geld vorgehmden, aber ungeheuer erhöhte Ansprüche von allen Seiten' als Folge der politischen Erfolge, des größeren Rahmens der Bewegung. Geld konnte ich von Palästina aus nicht beschaffen. Das \var die Aufgabe Londons. Was ich tun konnte, war eine Reform der Organisation in Paastina zu verlangen, soweit ich diese für fehlcrtiaft hielt. Ich hielt sie für fehlerhaft. Schon zwei Monate nach memem Eintritt schrieb ich einen Brief an die Exekutive zur Jahrekonferenz, in dem ich darauf hinwies, daß die Organisation geändert werden müßte und positive Vorschläge dafür machte. Die Vorschläge be-