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Jüdische Rundschau · 1921-08-30 · Heft 69 (30.8.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 69 (30.8.1921)
Date
1921-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 69 JUBDISCHE RUNDSCHAU Seite 467 ft en er te Ol US te Bf &- a.t tt US en Sc i $h «11 tir t)n ne Fs Je r1• eitin Ae ■ת! ,־bi -Ui;rer abe e*■'■ udi io- 1 Z!I dir jvn ist erdaß eis bo mcr derates a ts heit der alie, icns licht daß nen, eifei; kt -a״c nur»- wird UJXi 004- *׳ird. 1s*jc- und eino* ,eben & ist rsön- «dien ׳ auf in ton «Jcw ־»8 י tssen, Kotlr auptnach sclicfl marja 1 f des I «amte J ,einer! iahen• J 9 W 0 TT /3 . nslis1nsGn©1n1 summ Au?bau und Abwehr Von Davis Trietsch. Wichtigstes Erfordernis der gegenwärtigen Situahon ist: Beschleunigte Einwanderung im allergrößten Ausmaße, für das die wirtschaftlichen Voraus- Setzungen entweder gegeben sind oder geschaffen werden können, Dabei gilt der allgemeine Grundsatz aller Wirtschaftlichkeit, daß mit den geringsten Mitteln in der kürzesten Zeit ein Maximum an Wirkung anzustreben ist. Alle anderen Gesichtspunkte haben hinter dem einer solchen raschesten und größten Einwandcmng unbedingt zurückzustehen. Diese Forderungen ergebe» sich aus der Notlage der Juden und aus der Verpflichtung zur raschsten Sicherung der Jüdischen Heimstätte, die uns nur zu dem Zweck zugestandcu wurde, daß wir sic verwirklichen, Die Verbindung dieser Erfordernisse mit Spezialwünschen oder Vorbehalten parteipolitischer reiigiöser mler sozialer Art ist unzulässig, auch jede Bevorzugimg bestimmter Berufe, außer wenn damit eine Bcs c h I c u n i g u n g der Einwanderung oder Inart.spruclinähme geringerer Mittel verbunden ist. Diese Dinge sollten klar sein und werden von jedem Nichtvorcingenommwwn ohne weiteres anerkannt werden. Anders aber war es in der bisherigen Praxis der jüdischen Palästinabestrebungen, und dies gilt bis auf den heutigen Tag. Alle offiziellen und fast alle sonstwie bei uns maßgeblichen ,Beurteiler dieser Dinge gehen von dem Ackerbau als 11״ e r“ großen Grundlage der jüdisehen Palästinabestrcbimgen aus und möchten am liebsten volle f 00 °,u der Einwanderer im Ackerbau (nebst den durch diesen ermöglichten Berufen) unterbringen. Daß aber die J 11 den unter allen Berufen der Welt gerade vom Ackerbau am wenigsten verstehen und am wenigsten zu irgendwelchem Bauerתtum passen. daß der Bauemberuf, wie er unseren Ideologen vorschwebt, durchaus kein Ideal, sondern ziemlich der rückständigste aller Berufe ist. daß Palästina ohne jüdische Betätigung bereits große Ueb erschösse an Landesprodukten hat. daß es ferner innerhalb der Landwirtschaft gerade für den Ackerbau sich am wenigsten empfiehlt, — sondern im G e g c »teil; daß für Palästina gerade die intensivsten und industriellsten .Formen der Landwirtschaft die geeignetsten sind, und daß die Juden ebenfalls für diese Formen der Landwirtschaft noch am ehesten sich eignen, .... alles dies sind unseren Fachleuten und unseren sonstigen maßgebenden Personen noch fremde Erkenntnisse. Schon damit sollten sie aus der verantwortlichen Leitung des wirtschaftlichen Teiles unseres Aufbauwerks ausschciden. Schon wer in der früheren Periode an solchen Prinzipien festhalten konnte, und gar noch, wer unter den neuen Verhältnissen sich von so grundlegenden Fehlern nicht befreien konnte, wird schwerlich — etwa auf Grund neuer Beschlösse und neu festgclcgtcr Richtlinien -- so schnell utnlernen können, daß seine neue Einstellung für die entscheidende Periode unseres Aufbauwerks noch zurecht kommen kann Aber damit nicht genug: Die Oettinger, Ruppin, Julius Simon. Ussischkin usw. usw. haben sich auf Kostenziffern der Kolonis.ition festgelegt, die -• für unterstützte bäuerliche An- Siedlung — zwischen 1000 und 2000 .C per Heimstatte schwanken. Dies aber heißt nicht die Kosten unserer Kolonisation berechnen, sondern: .... ihre Unmöglichkeit beweisen. Daß die betreffenden eine Kolonisation irgendwie nennenswerten Umfangs bei solchen Kosten- Ziffern für möglich gehalten haben und als Grundlage unseres gesamten Werkes proponicren, würden sie selbst .׳ür den Fall als völlig ungeeignet für die Leitung (oder maßgebliche Beeinflussung) unseres Aufbauwerks erscheinen lassen müssen, auch wenn dies nicht schon aus ihrer allgemeinen Einstellung zu den prinzipiellen Problemen sich bereits zwingend ergeben hätte. Aber auch damit noch nicht genug: Die Betreffenden haben teils in ihren eigenen Programmen und zum anderen Teil in der rückhaltlosen Anerkennung solcher Programme unserem Aufbauwerk ״Grundlagen“ zu biete» versucht, die an Mangelhaftigkeit allgemeinster und speziellster Art kaum zu überbieten sind. Solche sogar, aus deren richtiger Verwertung völlig andere Grundlagen sogar für eine landwirtschaftliche Sicdlungstätigkeit zu gewinnen wären. Völlig anders im Verhältnis wie 1:5, wie 1:10 und wie 1:20. Völlig anders bis zur Umkehrung ihrer unbewußten Beweise für die Unmöglichkeit solcher Pläne in Unterlagen für eine hoch rationell et billige Kolonisationstätigkcit Wo derartige Mangel sogar der Rechnung vorliegen, würde wiederum dies allein ausreichen, um das Verbleiben der Betreffenden in irgendeiner maßgeblichen Beeinflussung unseres Werkes absolut ausz u s c h 1 i e ß e n. Diese Beurteilung ist scharf und hart. Sie muß es aber sein, wenn wir unser Werk vor dem Zusammenbrnch noch vor seinem Anfang behüten wollen. Allerdings müssen die hier aufgestellten ■Behauptungen bewiesen werden. Das sind sie bereits. Erheblicher Raum ist der Aufdeckung dieser Dinge in meiner Zeitschrift ״Volk und Land“ gewidmet gewesen. Dort war — auch in einer Form, die sicli dem Leser einprägen kann — der Nachweis einer solchen Menge von Ungeheuerlichkeilen in Auffassung und Einzelheiten erbracht worden, daß es nur eine Rettung dagegen gab: totschweige n. Aber das Material ist da, und das Verschulden der Leitung und der Oeffentlichkeit, die trotz dieser Warnungen bei so unsinnigen Aufbauideen blieben, ist um so schlimmer. Hier nur eine kleine Wiederholung einiger der auffallendsten Feststellungen. ln seine ״Methoden und Kapitalbedarf der jüdisehen Kolonisation“ hat Oettinger -- wahrscheinlich unter dem Einfluß des Dunstkreises der verschiedenen europäischen Zentralbiiros - Dinge zusanimengeschricben, die an Unklarheit und Unsinnigkcit kaum zu überbieten waren. Mir genügte sein Hauptresultat, daß unterstützte Kolonisation tausend Pfund pro Familie kosten müsse, um seine ganzen Ausführungen sofort ab/ulchncn. Andere, die sich die Mühe nahmen, seine Angaben zu rubrizieren, halfen zu der Feststellung der größten Widersprüche innerhalb dieser Schrift Und bei Nachrechnung der einzelnen Wirtschaftstypen ergab sich, daß die bloße Richtigstellung vor! Rechenfehlern nicht nur Oettingcrs Kostensumme widerlegte, sondern die seines Kritikers bes t ä t i g t e, der auf den ersten Anhieb — eia Fünftel bis ein Zehntel von Oettingcrs Ziffern als ausreichend taxiert hatte. Diese Oettingersehc Literatur nannte dann Ruppin ״das Gediegenste, was jemals in unserer Kolonisations- Iiteratur erschienen sei“ (er selbst hat es nachher übertroffen). Julius Simon urteilte darüber wie folgt: ״Was Oettingcrs Buch so wertvoll macht ist seine durchsichtige Klarheit. ln der Schrift erhält die zukünftige zionistische Palästinaarbeit ihre systematische Grundlage. Sie ist berufen, die Klärung der bisher vielfach verworrenen Anschauungen vom Wesen und Inhalt einer nationalen Kolonisation herbeizuführen. Wenn etwas den Wert unserer bisherigen Arbeit in Palästina charakterisieren kann, dann ist es die Tatsache, daß dieses Buch vor zehn Jahren unmöglich hätte geschrieben werden können. Jetzt ist cs geschrieben, von einem Fachmann, der in der jüdischen Kolonisation zu Hause ist und auf dem festen Boden von Tatsachen steht. Sorgen wir dafür, daß sich sein Wert bald beweisen kann: unter der leuchtenden Sonne des palästinensischen Himmels.“ Licht hei nt machte aus fleißigem Studium von Oettingcrs und Ruppins Unterlagen ein ganzes System und wird damit zum Kirchenvater des Minimalismus (den er heute glücklicherweise wieder fallen Hißt). Boeltm gerät sowohl über Oettingcrs wie über Ruppins ״Methoden“ usw. in helle Verzückung usw. usw. Aber genug von Oettinger, der im Gegensatz zu seiner eigenen Literatur sich rühmt, in seiner tatsächlichen Arbeit Methoden zn pflegen, intensiver als meine Vorschläge. (Nur schade, daß die Oettingerianer diese gesunde Intensität nicht mitmachen und partout nur an seiner kranken Literatur festhalten wollen.) Ruppin geht in seinem Aufbaubuche viel s y s t ematischcr vor. Alles ist schön geordnet. Seine Rubrizierungen sind lückenlos. Ihm genügt das, um seine Methode für sehr wissenschaftlich zu halten lnhaltlich freilich steht cs damit ganz anders. Nicht nur macht Ruppin jeden Irrtum Oettingcrs mit (erhöht allenfalls dessen Kostenziffern um ein Viertel), er fügt aus Eigenem noch weitere hinzu und gelangt so zu einer kleinen, langsamen und einseitigen Kolonisation, wobei er die sozialen Gegensätze künstlieh verschärft, indem er reichen Leuten aus Volksmittein Zuschüsse verschafft, um ihnen den Erwerb größerer Landparzellen und die Beschäftigung von mehr Arbeitern zu ermöglichen. Anstatt auf sozialen Ausgleich und wenigstens in der Richtung auf gleiches Landmaß hinzusteuern, schafft Ruppin den Typus des ״ewigen Arbeiters“. Wörtlich sagt er, ״die in den Kolonien und Farmen beschäftigten fast 1500 Arbeiter sind ein vorgebildetes Menschenmaterial für zukünftige Ansiedler und dadurch von großem Werte“. (Zahlreiche andere Stellen im Buche zeigen, daß cs sich nicht um die Ansiedlung der Arbeiter selbst handelt, sondern ihr ״großer Wert“ liegt darin, daß sie irgendwelchen ״Herren- Ansieclkm“ nützen werden!) ״Bekanntlich“ soll in Palästina möglichst nur Undwirtschaftlich kolonisiert werden. Tatsächlich eignet sich das Land noch am besten für intensivste Kuituren. Die besten Kolonien pflegen den Obstbau usw. Zuerst verlegte man sich meist auf Weinbau. Dann auf Orangen. Zuletzt auf Mandeln. Diese letzte Kultur hat offenbar große Vorzüge, denn jetzt bedeckt sie in unserer Kolonisation wesentlich mehr als die Hälfte samtlieber den Wein- und Baumkulturen gewidmeten Flächen. In Ruppins Berechnungen läßt sich der Vorzug aber nicht erkennen. Denn alle diese Rentabilitäten schwanken bei ihm nur zwischen 10 und 13 °/ö, neuerdings sogar nur zwischen 10 und 11 °/0. Eine höchst auffallende Uniformität. Um in dieses Schema zu passen, darf der Mandelbaum durchschnittlich nur zirka 1 kg tragen, ln dieser Ruppinschen Tabelle tut er das auch. Dann wird auch noch dein Alandei preis Gewalt angetan und die Uniformität der Rentabilitäten von sechs verschiedenen Baumkulturen wird damit zum Stimmen gebracht. Wissenschaftliche Methode! Wieviel aussichtsreicher wäre unsere ganze KoHmisation, wenn die hauptsächlichste Baumkultur mehr brächte! Glücklicherweise findet sich in dieser Hinsicht eine Unstimmigkeit zwischen Ruppin und Oettinger. Denn aus einer Kombination der Unterlagen beider kommt schon die dreifache Rentabilität heraus, und wenn wir gar aus Ruppin selbst uns Trost gegen seine eigenen Tabellen holen wollen, so finden wir bei ihm sogar zw an zigfach höhere Mandelerträge. Das heißt (nach einer kurzen Wartezeit) zirka 200 “n jährlich. Zu den bedeutenderen landwirtschaftlichen Tätigkeiteti gehört auch die Milchwirtschaft. Hierüber sagte ich in ״Volk und Land“: ״Ruppin schließlich nimmt den .Milchertrag v1!״ zwei Kühen (nach Oettinger •1000 Liter im Jahr) als den Eigenbedarf der Ansiedlerfamiliei» an. Wenn die Leute das nach normalen Anschauungen überschüssige Milchquantum nicht für Schwimmübungen brauchen, «.0 kann es auch hier nur daran liegen, daß die Kühe unserer Offiziellen eben hervorragend minderwertig sind. Kälber bringen sie auch nicht zur Welt, weder bei Ruppin noch bei Auerbach. Es ist ein Jammer.“ Allerdings ist auch von dem palästinensischen Milchvielt nicht mehr zu erwarten, wenn es (nach Ruppins Vorschlag) mit Ri/.inuspreßrückständen gefüttert wird. (Ihm schwebt dabei vorherige Entbitterung dieses tödlich wirkenden Materials vor. Aber er sagt es nicht, und es wird dem auf diese Weise gemordeten Milchviehbestand nicht wieder zum Leben verhelfen, wenn die Aufklärung nach schwebt.) Interessant sind auch die Kartoffelernten. Eine mittlere Ernte bringt bei Ruppin per Hektar 93Vz dz, bei Oettinger lbö. Dafür gibt dann Oettinger einen Wert von 4 Frcs. per Doppelzentner an, während Ruppin IO1/״ annimmt. In Wirklichkeit ist der Preis längst noch viel höher und ebenso in Wirklichkeit lassen steh bei guter Arbeit viel höhere Ernten erzielen. Aber schon nach den Ziffern bei beiden Autoren lassen sich Ertragsziffern von 2400 .aber auch von 374 Frcs. pro Flektar berechnen! Gegenüber der Ungleichheit bei den Siedlern (künstlicher Gegensatz zwischen Herr und Knecht) tritt Ruppin bezüglich der Hühner und Bienen für größte Gleichheit ein. Millionär und Tagelöhner haben den gleichen Hühnerstall, der 500 Gokifrancs kostet Alle Ansiedler hält Ruppin an, Bienenzucht zu treiben, um damit auf 20 Frcs. per Jahr zu kommen (etwas über 5 Centimes per Tag — sollten sielt dafür Juden finden, die sich die ohnehin schwierige Landwirtschaft noch komplizieren?). Als ich Oettingcrs Ziffern bestritt, setzte sich Ruppin mit seiner ganzen Autorität für sie ein, verlangte von Oettinger Aufklärungen, schickte ihm diese nochmals zurück, als sie ihm nicht zu genügen schienen und war erst mit der zweiten Ausarbeitung zufrieden, die er triumphierend in der ״Rundschau“ veröffentliehen ließ. Ohne zu merken, daß die dort behandelte gü n - stigste Einzelheit wiederum nur ergab, daß eine bloß rechnerische Richtigstellung das vor» Oettinger berechnete Kapitalerfordernis als das Fünffache dessen erwies, was nach Oettingcrs eigener Ansicht genügen mußte. Es gelang, dies damals festzustellen. Trotz eines ausdrücklichen Beschlusses, in die Nachprüfung der Rechnung nicht eintreten zu wollen. Sogar in der ״Rundschau“ erschien die Klarstellung der Saahe unter dem Titel ״Das Ende der Affäre Oett i n g e r“. Aber wie wenn nichts geschehen wäre (wie wenn nicht die Möglichkeiten unserer Kolonisation dadurch fünffach vergrößert worden wären!), hielt man weiter an der Unfehlbarkeit der offiziellen Unterlagen fest, und in der Arbeit dieser entscheidenden Jahre ließ man weiter den minimalistischen Standpunkt dominicren, der zu einer noch minimaleren Einwanderung und zur größten Gefährdung des uns wie durch ein Wunder »!gefallenen politischen Erfolges führte. Jetzt sagt Lichtheim: ״Hätten wir statt einer Einwanderung von 10 000 eine solche von 109 000 gehabt, so wäre das nicht passiert“ Jetzt behaupten alle, daß nur eine große und schnelle Einwanderung uns retten könne v . . vielleicht in der Hoffnung, daß die neuen ״Beschränkungen“ die Sache schon verhüten werden. Aehnlich wie man früher 20 Jahre lang den Zionismus

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