Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1921)
- Date
- 1921-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 06 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 Die Angriffe auf Dr. Weizraann ln der Londoner Tageszeitung ״Di‘•־ Zeit“ nimmt der Herausgeber Morris Meyer nt den IXikumenton Steilung, welche ״Jcwish Clironidc“ am 12. August veröffentlicht hat und die wir bereits in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erwähnt haben, Meyer, der gleichfalls in einer gewissen Opposition m Dr. Weizmaun steht, schreibt darüber: ״Das eine Dokument, das amerikanische Memorandum, ist in dein üblichen amerikanisch aufgeblasenen Ton geschrieben und Richter Brandeis wird darin als Halbgott hingestellt, dein Dr, Weizmann nicht gefolgt hat. Das zweite Dokument ist ein Brief von Dr. Marmorck ״J'accuse“, in welchem Dr. Weizmann angegriffen wird, weil England und Frankreich sich nicht über andere Grenzen Palästinas geeignet haben, weil Churchill den Arabern und Juden versichert hat, daß sic beide ein nationales Heim in Palästina haben werden und für ähnliche Dinge. Diese Angriffe auf den zionistische» Führer hätten vielleicht gar nichts geschadet um) wir hätten sicher gegen ihre Veröffent- Hebung nichts einzuwenden gehabt, wenn sie nicht zu einer so unpassenden Zeit erschienen wären. Leider sind die.se Angriffe an demselben Tag e r s c h i e - ne,», wo die arabische Delegation־ vom Kolonial minister empfangen werden sollte, und der ganze Einfluß der Araber und ihrer Freunde darauf konzentriert wurde, die Balfour-Dcklarat;o;1 und den San Rctno-Beschluß aufzulichcn. Für jeden Juden mit einem Funken Nationalgcfühl muß es klar sein, daß in einem derartigen Moment Dr. Weizmann nicht durch Angriffe aus dem eigenen Lager gestört werden durfte. Auch Gegner seiner Führung hätten ihn üi diesem Moment, wenn schon nicht stärken, so doch wenigstens nicht schwächet» dürfen, damit er seine ganze Aufmerk• s.mikeit darauf konzentrieren kann, dein arabischen Einfluß e.ntgegenzuwirkcn. ln einem solchen Moment ist ein solcher Angriff gegen Wei/mann ein Ueberfall auf die Bewegung. Für diese Handlung sind nicht nur die Verfasser des Dokumentes verantwortlich zu machen, sondern auch diejenigen, die sie ausgerechnet jetzt veröffentlicht haben. Es wäre kein Unglück gewesen, wenn man die Veröffentlichung eme Woche verschoben hätte. Wir protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die Leute, die in diesem Augenblick Zänkereien und Streitigkeiten im eigenen Lager erzeugen, die zum Untergang führen können, wie die inneren Streitigkcjten vor der Zerstörung des Tempels, deren Jahrestag wir heute, am י). Aw, begehen. Wir erheben diesen essi/u des nationalen Judentums höher stehen als diese esseen des nationalen Judentums höher stehen als diese oder jene Person. Streitigkeiten wegen der Führerschaft, wegen Ockonomic und Parteipolitik sind innere zioiHStisclic Fragen und müssen so beschränkt werden, daß sie nicht den allgemeinen Zweck stören,‘' Prophezeiungen des ״J. C, B.“ Das Präsidium des Kong.־ sscs. — ,Die neue Exekutive, Berlin, 15. Aug. (J.C. B.) ln hiesigen cinge weihten zionistischen Kreisen zirkuliert folgende Liste des Präsidiums des XU. Zionistentongresses: erster Vorsitzender Lord Rothschild, zweiter Vorsitzender Prof. Otto War bürg, als Vizepräsidenten kommen die Herren Louis Lipski (New York), David Yellin (Jerusalem), Prof. Pick (Misrachi) und Dr. Hantkc (Berlin) in Betracht, deren Wahl gesichert erscheint. London, 15. Aug. (J.C. B.) ln den maßgebenden zionistischen Kreisen ist man überzeugt, daß der Kongrell keine besonderen Acnderungcn im bishörigen Bestände der zionistischen Leitung bringen werde. Man erwartet die Wiedereinsetzung aller oder fast aller gegenwärtigen Mitglieder der Zionistischen Exekutive in ihre Aemter und hält es für wahrscheinlich, daß der Kongreß die neue Exekutive durch zwei neue Mitg 1 i e d e r, und zwar durch die Herren N a id i t s c h und Dr. Georg Ha Ipern verstärken werde, ln diesem Falle würde Naiditsch die Verantwortung für den Keren Hajcssod beibehaiten, während Dr. Halpern als Finanzfachmann die Aufsicht über die zionistischen Bankinstitutionell übernehmen wird. Der Keren Hajcssod soll der Zionistischen Organisation cngerangegliedert werden und wird gewissen Acnderungcn in bezug auf seine Verwaltung unterliegen Der neuen Exekutive werde wahrscheinlich auch ein Vertreter des ״M i s - rachi" angeboren, wofür Prof. Pick in Aussicht genomincn sei. Auch die Zusammensetzung der Zionist Commission in Palästina dürfte gewisse Aendcrungen aufweisen, da eine stärkere Vertretung des paiästfr.ewsisehen Jisekuw erwünscht ist. Man glaubt, daß der neuen Zionist Gommission zwei Vertreter des JKcIvuw angehören werden. Amerikanischer Häuserbau in Palästina Jerusalem, 13. Aug. (J. C. B.) Die hier ein־;einoffenen Delegierten der ,American Pakstine Building Corporation“ erklärten den Pressevertretern, daß das jüdische Palästina bloß durch die amerikanischcn Juden aufgebaut werdet» könne. Dies werdeauch geschehen. Die Bedeutung der Delegation liegt darin, daß ihr erstklassige Fachleute auf dem Gebiete der Häuserba.uindustrie ä »gehören. * Aus der Zelre-Zioii-Bewegang Am 12. August wurde in Warschau der Parteilag der dortigen Zetrc-Zion eröffnet. De Zeire-Zion haben sich bekanntlich in Polen von dem allgemeinen ziorüstisehen Landesverband vollständig losgelöst und bilden ebenso wie der Misrachi eine selbständige Föderation. Bei der Eröffnung waren 133 Delegierte anwesend, welche Zahl sich am zweiten Tage auf 150 erhöhte. Vertreten waren außer Polen auch die dem polnischen Staatsverband angeschlossenen Gebiete Zcntraiiitauen, Wolhynien, Pin&k, Baranowicri, Brisk und Grodno. Auch eine Delegation der russischen Zeire-Zion, welche gerade aus Sowjetrußland gekommen war, nahm an der Konferenz teil und wurde mit einer lebhaften Ovation begrüßt. Die Zionistische Exekutive hat ein Begrüßungsschreiben gesandt. Nach den üblichen Begrüißungsansprachen erstattete der Vorsitzende, M e r c - minsky, den ausführlichen Bericht über die Tätigkeit während der letzten zwei Jahre, ■■■«■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■י B ■ a ■ m m & m Täglich bringt den einzig offiziellen Bericht ■ über den a | XII. Zionistenkongreß f £ die vom Kongreßbüro herausgegebene 5 ta a I Kongresszeitung 1 £ Sie enthält in jeder Nummer den ausführlichen £ g Bericht über alle Verhandlungen und Veranstal- ■ £ tungen des vorhergehenden Tages und wird be- E g reits mit den Frühz.ügen direkt an die Besteller g a versandt. Sie bietet daher die ■ 0 0 S schnellste und zuverlässigste S 0 ■ S Berichterstattung über den Karlsbader Kongreß. £ g Abonnements auf die Gesamtausgabe (8—10 g 5 Nummern) zum Preise von Kc. 25,— (Mk. 25.—) ■ £ sind unter Einsendung des Betrages aufzugeben £ g an das Büro des XU. Zionistenkongresses, Karls- ■ £ bad, Schützenhaus, oder an die Administration der £ | Jüdischen Rundschau, 115, Sächsische Str.8 \ Konferenz der Zeire-Zion Großrumäniens (Von unserem Berichterstatter.) Z. M. C e r r» a u t i, 8. August. In der Zeit vom 3. bis 7. August tagte in Ccmauti eine Konferenz der Delegierten aller Zeirc-Zion-Organisationen Großrumäniens. An dieser nahm auch das Mitglied des Actions-Comites Herr Elieser Kaplan teil. Die erwarteten Vertreter der ״H i ta chd u th‘‘ aus Er ez- Israel trafen aus bisner unbekannten Gründen nicht ein. Die Konferenz faßte eine ganze Reihe bemerkenswerter Beschlüsse: 1. In programmatischer Beziehung: Die allrumänische Partei ״Zeire-Zion“ ist zionistisch-sozialistisch und gehört zur ״Hitachduth“. 2. Bezüglich Erez-Isracls wird gefordert: Freie Ein- Wanderung unter ausschließlicher Kontrolle der zionistischeu Leitung und Kolonisation auf nationalisiertem Boden. Als geeignete Mittel hierfür werden angesehen: Moschwci-üwdim, Schaffung von Masterfarmen durch die Arbeiterhank und sofortige Zuführung der in Palästina befindlichen Arbeiter ־zur Landwirtschaft. Schließlich wurde eine Vertretung der Arbeiterschaft bei der Verwaltung des Keren Hajcssod verlangt. 3. In kultureller Hinsicht wurde beschlossen, das kulturelle Niveau der jüdischen Massen zu heben und die Jugend professionell za erziehen. Ferner wurde den Parteimitgliedern verboten, an antihebräischen ln,uitutionen teilzuiiehmeu. Aus der großen Zahl der Referate rügten zwei besonders hervor, das des El. Kaplan über ״Die allgemeine Lage“ und das Referat des Obmannes der Bukowinacr Zeirc-Zion-OrganLsation, des Herrn Dr. B. Fuchs, über ״Die ökonomische Tätigkeit »m Gahrth“. Dr. F u c I» s verlangte die Einleitung einer intensiven Genossenschaftsbcwegung, Eintritt in die Gewerkschaften, in denen autonome nationale Sektionen zu schaffen wären, und Ucbcrlcitung des jüdischen Volkes zu produktiver Arbeit durch Schaffung von Fachschulen. Die Konferenz brachte in vielen Hinsichten kein endgültiges Ergebnis. Es wurde daher auch beschlossen, die Entscheidung über die Grundlinien der Arbeit der Hitachduthkonfcrcnz zu überlassen, die in der Zeit vom 27. bis zum 31. August in Karlsbad Stattfinden wird, Ein größer Teil der Debatten wurde in hebräischer Sprache geführt. Gründung einer Agtida-Organisation in Amerika New York, 8. August (J. C. B.). Auf einer hier durch die europäische Delegation der Agudos Jisroel einberufenen Rabbiner-Konferenz wurde beschlossen, eine s t ä ת di ge O rgan i sa t ion der Aguda in den Vereinigten Staaten ins Leben zu rufen. Zur Ausführung dieses Beschlusses wurde sogleich ein Aktionsausschuß gewählt, um mit der Organisierung der orthodoxen jüdischen Elemente, namentlich in den Bethäusern, zu beginnen. j Waller Levin Am 14. August 1Q21 verstarb in einem Sanatorium im Gruncwald unser Gesinnungsgenosse Herr Walter Lev in. Schon als Gymnasiast wurde Levin Zionist. Gewöhnt, nicht viel zu reden, aber aus dem für recht Erkannten die Konsequenzen zu ziehen, gab er zu einer Zeit, als in Deutschland noch fast niemand daran dachte, sich beruflich umzuschichten und auf Palästina einziistellen, sein philologisches Studium auf, ließ das augenehme Leben in seinem Elternhause, seinen sehr grollen jüdischen und nichtjüdischen Freundeskreis, seine vielseitigen künstlerischen und literarischen Interessen zurück und ging als Landarbeiter nach Palästina. Er arbeitete in Kinercth bei Alfred Treidel, dem inzwischen gleichfalls verstorbenen Vorkämpfer der Schaffung eines selbständigen jüdischen Bauernstandes in Palästina, und wurde von ihm immer als einer seiner besten und zuverlässigsten Arbeiter bezeichnet. Nach wenigen Monaten wurde er von einer schweren Krankheit, die wohl schon jahrelang in seinem Körper gesteckt harte, befallen, und während des Krieges gelähmt nach Deutschland zurückgebracht Hier lebte er, ans Krankenlager gefesselt, aber doch mit warmem Herzen und immer regem Geiste seinen künstlerischen, literarischen und zionistischen Interessen folgend. Als durch die Ereignisse von San Rcmo die zionistische Idee sich zu verwirklichen begann und der Keren Hajessod-Gcdankc in die Welt gesandt wurde, wurde Walter Lwin von ihm so ergriffen, dali er sich zu täglicher Arbeit für ihn zur Verfügung stellte. Trotz schwerer körperlicher Beschwerden wurde er Monate hindurch täglich im Fahr- und Tragstuhl zu seinem selbstgewählten Wirkungskreis gebracht. An dem Erfolg der Keren Hajes&od-Arbcit in Groß-Berlin hat seine hingehende Tätigkeit wesentlichen Anteil Wir verlieren in Walter Levin einen Gesinnung!»- genossen, der still und selbstverständlich immer auf seinem Posten zu finden war, wenn es z;t handeln galt. Walter Levin war immer liebenswürdig, stets hilfsbereit Eine Unterhaltung mit diesem freundlich-humorvollen, vornehmen und klugen, sich für alles interessierend«» Geist war stets eine Freude. Die noch am Tage vor seiner Uebcrsiedhuig »ns Sanatorium, am Q. August, mit ihm zusammen gearoeitet haben, stehen fassungslos vor der Nachricht von seinem Tode. Wir fühlen es in dieser Stunde deutlicher als je, daß das jüdische Volk in ihm einen jener seltenen Menschen verloren hat, di« ohne Rücksicht auf sich und ohne Gerede nach außen still und treu ihre Pflicht taten. (ieorg Wöllstein. Zur Ostjuden-Einwarderung In Nr. 64 der ״Jüd. Rundschau“ befindet sich auf Seite 460 in der Notiz, die die Aeußerung des Ministers Domfnieus ■über die Zahl der cinge-wanderten Ostjuden wiedergibt, ein sehr entstellender Druckfehler. Es heißt dort, die Zahl der in Deutschland eingewamderten Juden betrüge 1 01)0 000, während sie tatsächlich 100 000 betragen hat. . Eine hebräische Verlagsgesellschalt in Konstantinopel Konstantinopel, 12. August (J. C. B.). Der hebräische Dchter Ch. N. B i a l j k verhandelt mit einer Anzahl hiesiger jüdischer Notabein wegen Gründung einer hebräischen Veriagsgeseilschaft ״Dwir“ in Konstantinopci. Welßrulhenischcs Hilfskomitee in Berlin ln der Berliner weißruthenisehen Kolonie besteht der Plan, ein eigenes Hilfskomitee zur Lmdertmg der Hungersnot in Sowjet-Weißruthcnie» (Gouvernements Minsk, Witcbsk, Smolensk «nd Mohilew) ins Leben zu rufen. Die e r st e Si t zung der anregenden Gruppe, der verschiedene hervorragende Weißruthencn ohne Unterschied der Partei und Nationalität angehören, wird amSonnabend, den 20. Äugtest, 7 Uhr abends, in der i Wohnung der Weißruthenisehen Mission (Berlin W 30, Motzstr, 21, Hp׳t., Tel. Nollendorf 2875) stattiinden. Allerlei Anfragen sind ebenso an die Mission zu richte״' Vermischte Nachrichten Der Brand in Pinsk. Die jüdische Gesellschaft ,.ORT“ erhielt die Nachricht, daß bei dem letzten großen Brand in Pinsk das dortige Maschinen- und Werkzeuglager der ״ORT•• vollständig abgebrannt ist. Auch die Handwerkei schule und das Lager der Produktionsgcnosscnschaft ist verbrannt. Der Schaden ist sehr groß. Das Berliner Komitee der ״OKI“ hat sofort eine Million polnischer Mark überwiesen. Die Pariser Zentrale der Gesellschaft hat einen Delegierten nach Pinsk geschickt, um die allgemeine Lage und den Grad der Arbeitslosigkeit fcstzustellen. Ueberfall auf eine jüdische Kolonie bei Konstantinopel. Die in der Umgebung von Konstantinopel gelegene jüdische Kolonie Messiiah Cliadascha wurde von Banden überfallen und gründlich ausgcplündert. Viele Kolonisten wurden grausam verprügelt und mußten sogar die Kleider vom Leibe abgeben. Großartiger Empfang Dr. Gasters in Rumlinien. Dem hervorragenden Gelenrtcn und sephardischen Chief Rabbi Ln London ist nach seinem Eintreffen in Rumänien, von wo er seit 1SS5 verbannt wurde, ein imposanter Empfang bereifet worden Tausende von Personen hatten ihn schon am Bahnhof erwartet und ilun rauschende Ovationen dargebracht Antisemitische Flugschriften in Indien. Die jüdischc Gemeinde in Bombay überreichte der Regierung einen Protest gegen die Tolerierung der Verteilung antisemitischer Flugschriften durch €01. Lt. Fraser, welcher der ״Europäischen Gesellschaft“ in Kalkutta als Mitglied angehört.