Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1921)
- Date
- 1921-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen über die Arbeit für das Bibliothek«־ wesen in Erez-Israel Von der Hauptsammclstellc, Prof. Dr. Heinrich Loe we, Berlin NW 52, Flcmingstr. 12. Wahrend des Hochsommers ist die Sammeltätigheit für die Bibliotheken des neuerstehenden jmiisrlie״. Palästina etwas langsamer geworden. _ Immerlun haben wir eine Anzahl von erfreulichen Erfolgen zu verzeichnen. Von verschiedenen Seiten wurden uns Buclier zngcsamit, die zum Teil sehr wertvoll sind, unter aen Spender« waren: Rechtsanwalt Dr. Albert Bner, liejiin, l)r, Paul Borchardt vom Institut bibliographKijic international in Brüssel, Dr. Max Brod, Prag, 1 rot. Dr. Rudolf Cohn, Königsberg־*. Pr. (weitere 200 Konigsbcrccr Dissertationen zu der großen von ihm gestifteten, Sammlung), Waisenluvusdirektor Dr. Sicgimmd Feist in Berlin, Georg H e pn c r, Berlin, Ascher Levy, Pol/in (auf Vcranl. v. Siegfried Levy, Stettin), Or. Erich .Marx, Charlottenbnrg, D«־. Powitzcr, .Berlin, das Rabbiner-Seminar zu Berlin, Arthur Sack, Berlin, Hermann Struck, Berlin, btaüt- Bibliothek zu Königsberg i. Pr., Dozent Dr. J. Wollige in uth, Berlin. Fräulein Rosa Fiderer hat die Bibliothek testamentarisch bedacht und bestimmt, daß vor allem alle ihre Bücher der Bibliothek zufallen 9011c«. An einmaligen Geldbeiträgen für die Bibliothek«• zwecke erhielten wir von S. Feldstein, Cassel (durch Simon Strauß) 500 M., Dr. Kurt Joachim Grau, Neukölln 10 M., M. Grill, Hannover, 50 M.. Julius L c v i. Gießen 5 M., Sallj W d o w i n s k i, Dortmund 100 M., Robert u. Hermann Grünthal, Berlin, 200 M An Jahresbeiträgen (einstweilen für fünf Jahrei sind uns seit dem letzten Ausweis zugegangen: Von Karl Schlcisner, Hannover 1000 M., Dr. S• Sch wa rzschi Id, Frankfurt a. M. 500 M., Dr. Emmo Löbl, Leipzig 1000 M., Geschwister Feist, Franka. M. 100D AL, Dr. Salomon Hildesheimer, Berlin 250 M., Beer Sudo witsch (erste Rate) 500 M., Dir. Sab Translatcur, Treptow b. Berlin 300 M., liesekie! K r e i s t m a n n, Leipzig 200 M.; ferner durch Simon Strauß, Kassel von Ferd. Josephs, Kassel 100 AL, Leojwld Strauß, Kassel 200 M., Leopold Co 11 e«, Dinslaken 300 M. So erfreulich diese Beiträge sind, — sind wir doch nur durch sie in der Lage, dringende Bitten aus Jertisalern wenigstens zum Teil zu befriedigen — 90 bedeuten sie so lange einen Tropfen auf den heißen Stein, so lange Einzel- und vor allem Jahresbeiträge nicht m viel größerem Maße als bisher der Bibliotheksverwal׳• tun״ zugehc-11. Jerusalem ist eine Stadt, die nach Büchern hungert. Und diese einzige Bibliothek der Stadt ist erst am ersten Anfänge ihres Werdens. Um so wuchtiger ist es, daß überall das Interesse für diese einzigartige und bedeutungsvolle Kulturstätte Palästinas erwacht 111 letzter Zeit hatten wir Gelegenheit, für die Simon- Strauß-Stiftung und für die Solomon-Rosenbloom-Stif• tun״ größere Erwerbungen von Zeitschriften und Büchern machen zu können. Die Hauptsammclstellc in Berlin wind in ihrer Arbeit gestützt durch das Pa 1 ä s t i n a-Hochschu 1komitee (unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Otto War bat rg und Pnof, Dr. Albert Einstein) und bat ihrerseits außerhalb Deutschlands die Arbeit angeregt, vor allem in Lettland, wo unter der Leitung des Univ.- Pnof. I>r. Lazerson in Riga ebenfalls ein Palästina- Hoehschulkomitec diese Sammeltätigkeit leitet. Herr Buchhändler Glücksmann, der speziell die Büdiersanun- Hingen führt, hat seit dem letzten Ausweis wiederum wertvolle Bücherspenden gesandt. In Litauen hat die hebräische GynuusjalJugend zur Zeit der Anwesenheit von Prof. Loewe beschlossen, ihrerseits im Laufe LEIPZIGER MESSE SZionlsten treffen sich während der Messe allabendlich im Sekretariat der Ortsgruppe, Keilstr. 411• * Besprechung der zionistischen Tagesneuigkeiten * Gemütliches Beisammensein * Heitere Veranstaltungen * Kaltes Büffet. 25. September bis 16. Oktober Ücsinnnngsgcnossen, welche zur Messe nach Frank• furt kommmi, werilou gobeteu, ihre Adressen der Frankfurter Zionistischen Vereinigung, Unterlindau 21 mit/.uteile«. 11 i<«. N.-F.-Kotnmission Frankfurt übernimmt Besorgung von Unterkunft, Kommissionen usw Stellung von Dolmetschern, Hilfskräfte für die Messe, Büroarbeiten während dor Mowien gegen Spenden in den ,1. N.-F. Zuschriften an die Adresse A. Goldmann, Frankfurt am Main, HammunBtrasse 2 p. öS Die Zahl der Benutzer der Bibliothek betrug am j 1. April 1<)20 rund 60, am 1. April 1921 bereits 700. j am 1. Juli 1921 batte sie bereits die Zahl 1003 über-! schritten. Auch die Zahl der Bücher konnte sich insbesondere infolge der Tätigkeit unserer Hauptsnmmcl-! stelle in dieser Zeit um mehr als ein Viertel vermehren. , Heute ist die Bibliothek klein. Aber sic könnte sehr j groß sein. Wenn jeder Jude auch nur ein einziges ׳ wertvolles Buch beisteuern würde, so würde die Biblio- 1 tliek in kurzer Zeit hierdurch die größte Bibliothek der Welt sein können. Wenn jeder Jude, der dazu imstande ist, sieh für verpflichtet halten würde, einen Jahresbeitrag für die nächsten fünf Jahre in entsprechender Höhe zu bewilligen, 30 wäre damit jede Finanznot der Bibliothek zu Ende. Aber dazu gehört, daß die Erkenntuis durchdringt, daß es kein besseres Mittel zur friedlichen Durchdringung Palästinas gibt, als eine »ilchc allgemeine Bibliothek, und daß sic dazu berufen ist, die geistige Brücke zwischen den Bewohnern des Landes und den Einwanderern zu schlagen. vom fünf Jahren die Summe von einer Million Reichsmark für die Universität in Jerusalem zusammenzubringen. Der bisherige Erfolg zeigt, daß das Ziel nicht zu hoch gegriffen ist. Außerdem hat sic die Bücher- Sammlung zu ihrer besonderen Aufgabe gemacht. Gleich nach dem Schabuothfeste ging sie an diese Arbeit. Im Laufe weniger Wochen hat sie mehrere tausend zum Teil recht wertvoller Bände ziisaniim׳!!gebracht, ln der Schweiz arbeitet das hauptsächlich aus Universitäts- und Gymnasialpnofcssorcn bestehende Komitee ״Pro Bibliotheca Juaaica“ (Adr.: Dr, Norbert Weid!er, Zürich, Geßner-Allee 52) mit gutem Erfolge und in , T s c h e c Ho s I o w a k i e n wird augenblicklich ein Lanj deskomitee ins Leben gerufen, das ebenfalls größtenteils j aus Universitäts-Bibliothekaren und Professoren be-! steht. In Polen wird die eigentliche Arbeit jetzt j erst beginnen. In den Ländern des Westens wird die Tätigkeit für die Biblkithck vom Londoner Büro aus geleitet. Bisher kt der Gedanke, daß jeder jüdische Verlasser, Drucker und Verleger sich für verpflichtet halten sollte, von jedem erscheinenden Druckwerke (Buch, Zeitschrift. Dissertation usw.) mindestens ein Ehren- Pflichtexemplar an die Bibliothek abzuiiefern, noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden, ln voriger Mitteilung war unter den Spendern von Büchern auch Dr. Ferdinand Priebatsch genannt, der Inhaber von Priebatschs Verlagsbuchhandlung in Breslau. Heute können wir mitteilen, daß uns der Verlag seine sämtlichen Publikationen als Ehrenpflichtexemplare zur Verfügung stellt. Hierbei sei auf Anfragen bemerkt, daß neben den Dissertationen jetzt die an ihrer Stelle gedruckten Auszüge ebenfalls in Frage kommen. Von großer Wichtigkeit ist es, daß sich überall Bezirks- und örtliche Saininclstellcn bilden, die uns mit Bücher- und Gcldsammlungen bei unserer Arbeit helfen. Da die Hauptsammclstclle noch immer nicht in der Lage ist eine berufsmäßige Hilfskraft anrustcllcn, 90 werden namentlich Studenten gut daran tun, ihr freiwillige Hilfsdienste zu kistci.1. Gelegentlich des am 1. September in Karlsbad ziisammcntretcnden Zionistenhcmgrcsses ist Freunden der Bibliothek Gelegenheit geboten, miteinander in persönliehe Fühlung zu treten und die Angelegenheiten der Bibliothek von Jerusalem und des palästinensischen Bibliothekswesens gemeinsam zu beraten. Wir bitten schon jetzt alle von außerhalb nach Karlsbad kommenden Freunde der Bibliothek diese Absicht an Prof. Dr. Heinrich Loewe mitteilen zu wollen. Ort und Zeit der Karlsbader Bibliathekskonferer,7. wird noch bekannt■* gegeben. Unter der Bezeichnung ״Jerusalem-Bibliothek“, Konto Nr. 35 002 (Prof. Dr. Heinrich Loewe) hat die Bibliothek ein Postscheckkonto beim Postscheckamt Berlin NW 7. Alle Zuschriften sind an Pnof. Loewe, Berlin! NW 52, Flemingstr. 12, zu richten. Eine nene Vierzehnraillionensanimlung des Joint Chicago, 7. August. (J. C. B.) Die soeben geschlossenc Konferenz des Peoples Relief Committee beschloß, sich an der neuen Sammelaktion des American Joint Distribution Gommitte zur Aufbringung von 14 Atillkmcn Dollar für das jüdische Hilfs- und! Wiederaufbauwerk in Europa und im Orient zn^beteiligen. Diese Sammclkampagne wird im Herbst beginnen. Sprecbsaal (Ohne Verantwortung der Redaktion.) Zum ״Brief aas der Schweiz“*) (Siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 51.) Der N. W.-Korrespondcnt bemerkt u. a.: ״Von eitler . .. Wochenblatt für die Schweiz“ eine Reihe von Artikeln und Aufrufen zwecks Schekclpiopagaiida publiziert wurden. Ferner wurden an sämtliche Juden der Schweiz ausführliche Schekelzirkulare in deutscher und französischer Sprache verschickt. Hunderte von Schekelbroschiiren gelangten zur Verteilung. Die Erhebung der Schekolim im Wege der Nachnahmenerhebung ist im vollen Gange. D r. M. Schabad (Basel), 30. Juni 1921. *) Aus technischen Gründen verspätet. Verfall und Aufstieg Von Dr. Felix A. Thcilhabcr. Im Jüdischen Verlag erscheint demnächst eine gänzlich neue Bearbeitung des schon 1911 erschienenen Buches von Felix Ä. Th ei 111 ab er, ״Der Untergang der deutschen Juden“, dessen lnhalt heute wie damals von höchstem aktuellem Interesse sein dürfte. Der Verlag hat uns freundliehst das nachfolgende Stück des Buches zum Vorabdruck zur Verfügung gestellt. Der Appell an den Idealismus in Ehren: Hat nicht das offizielle Judentum auch im vorigen Jahrhundert für die altjüdischen Ideale gekämpft? Gab es nicht ein Heer von Vorständen, Rabbinern, Lehrern, Schriftstellern, die für die Erhaltung und Erneuerung tagtäglich warben? Hat nicht die Pogromgefahr Tausende aufgesehreckt, die ihr Sein längst vergessen hatten? Hat aber das Leben nicht stärker gewirkt und selbst die Orthodoxie von der Frühehe verjagt? Gut, weckt mit Posaunen die Himderttausende aus der Apathie und Lethargie, erfüll! sie mit neuem religiösen und nationalen Willen. Vor allem schafft ein gesundes Volkstum, Möglichkeiten normalen l.iebcslebcns, ökonomische Grundlagen, kurz reformiert an Haupt und Gliedern, werdet Juden wie d;*e der früheren Zeiten, modelt eine neue Welt in die opponierende Umwelt,!nacht eit! neues Volk mit neuen oder alten Gesetzen — wo ihr könnt! Esten, Irländer und Litauer sind zu neuem nationalen Bewußtsein erweckt worden. Ihnen kam die Einheit um! dje Kraft des eigenen Grund und Boden zustatten, Sprache, Sitte und Kultur, politische und wirtschafiliche Interessen, Einflüsse und Beengungen. Andere untergeh ende Völker fanden nicht mehr den Weg zum Leben. So die Indianer, die aus ihren alten Lebensbedingungen verdrängt, ihrer früheren Kultur entwurzelt, der modernen Zivilisation kein Paroli bieten können. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Analogie ihres Schicksals mit dem der Westjuden darzulegcn, aber eines gehört festgehalteii: ״Ein Volk, das von Moses bis zu den Propheten, bis Hillel und Jesus von Nazareth, von Spinoza bis Mendelsohn, und Heinrich Heine bis Karl Marx und Lotnbroso, mit soviel Wirklichkeit und Glanz dem menschliehen Geist und der Zivilisation diente, hat seine letzten Worte noch nicht gesprochen“, glaubte bereits 1911 A. Vakfisis in den ״Dokumente des Fortschritts“ prophez.eicu zu können. Und weiter heißt es dort: ״Auf dein Boden seiner Väter physisch neugeboren und der Verwiikliclim!״ eines alten durch die soziale Gerechtigkeit verjüngten Ideals nachstrebend, wird es der Menschheit ohne Zweifel eines Tages um so schönere und eigenartigere Früchte bieten als sie auf den gesegneten Feldern der Freiheit gereift werden,“ Heine meinte, Gott verläßt überhaupt kein Volk und wenn ein Volk aus Ermüdung oder Faulheit einschläft, so bestelle er ihm seine Wecker, die verborgen in irgendeiner Abgeschiedenheit ihre aufriitteliide Stunde erwarten. Und wirklich, in den Jahren, in denen die Zer- Setzung das europäische Judentum erfaßte, entstand eine nationale Bewegung, welche die Juden von den Ein- Wirkungen der europäischen Einflüsse befreien, die normale soziale Struktur und die jüdische Kultur im Lande der Väter erneuern und dort die sichernde Erhaltung der jüdischen Art bewerkstelligen will. Und ein gesundes jüdisches Volk wird werden, allerdings abseits von den Trümmern dieser Judenheit und diese Judenheit verachtend. Diese Fseudojudeithcit mit ihrer unjüdischen Politik, mit dem Bruderkrieg aller gegen alle, der Unzahl der religiösen Richtungen, der Nationalen, der Fremdgebürtigen. Diese absterbende Judenheit mit unverbesserlichem, fast verbrecherischem Optimismus jener wie ein Morphiumrausch Delirierenden oder der im praktischen Pessimistnus und im Zynismus Frohlockende, die real das sinkende Schiit' verlassen. Diese demoralisierte Judenheit, deren Mitläufer im lndifferentismus nur den Sinn auf das eigene Wohl, den Beruf und die Genüsse des Lebens gerichtet haben. Wie itn Jalirmarktstrubei treiben unverständige Millionäre, schwerfälliger Mittelstand, flatterhafte Juden in Ghettofurcht, Angst vor Pogromen, das ganze Unglück einer anormaler, Geschichte und eines unnatürlichen Lebens. Und so bleibt das unglückliche Häuflein der deutscheu Juden, schaffenslustig und wissensdurstig, von Erfolgen gesegnet und von Neid und Mißgunst verfolgt. Und ihrem Tun und Leben scheint die alte verklärende Sonne, unbekümmert um die Frage: Ob ihre Gemein,- schalt erfolgreich dieses Jahrtausend durchsegeln wird zum sicheren Port, oder ob es wie cirt Wrack auf hohem Meer nach vielen glücklichen und schweren Fahrten, von allen Wellen und Winden getrieben, zuletzt ziel- und zwecklos umherpeitscht, sadi muhselig über Wasser hält, bis die Fluten über das lecke Schiff zusammenschlagen. Biicherschau Volkstümliche Geschichte der Philosophie. Von Kar! Vorländer. Internationale Bibliothek, Band 62. Verlag J. H. W. Dictz Nachfl. G.ni. b. H. in Stuttgart,!,reis broschiert 20 M., gebunden 21 M. Das Buch stellt den Versuch dar, eine populäre ״anz knappe Ucbersicht ״für den freklenkenden Mann aus dem Volke“ zu geben. Der Verfasser selbst sucht eine Brücke zwischen Kant und dem Marxschen Sozialismus Der Juden wird sowohl im Altertum als auch im Mittelalter gedacht, außerdem werden natürlich die großen jüdischen Philosophen (Spinoza, Cohen usw.) behandelt. Bei Cohen fehlt leider ein Hinweis auf seine jüdische Rehgtonsphilosophie. Das Buch ist zur ersten UricnUenmg für Laien sehr gut geeignet. 1 IUI JUUIMJfeC •Silit von Hermann Schwab, sind in! hebräischer lieb Setzung von J. Z. Rimon und J, Fink (nebst Vokabul: im Verlag L. Sänger, Frankfurt a. M., erschienen.