Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1921)
- Date
- 1921-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Erst auf diese Weise ließe sich ein wirkliches Bild über die Meinungen des Kongresses gewinnen, und die Debatten gelegentlich der Abstimmung der Resolidionen im Plenum könnten dann wirklich auf ein Minimum beschränkt werden. Wenn zur Tagesordnung selbst eine Bemerkung erlaubt ist, so möchten wir darauf hitiweisen, daß es uns nicht richtig erscheint, die Abstimmung über die Resolutionen der Palästina-Kommission vor der Debatte über Keren Hajessod anzusct/.cn. Die ResoIutionen bezüglich Palästinas müssen diesmal vor allem konkrete kolonisatorische Arbeiten betreffen, das Budget der ״Zionist Commission“ oder der au ihrer Stelle neu zu schaffenden Expositur der Exekutive in Palästina muß vom Kongreß genehmigt werden. Solche Beschlüsse können aber nicht gefallt werden, solange über unser wichtigstes Finanzinstrument, den Keren Hajessod UuklarJicit bestellt. Vielleicht kann der Kongreß oder das Büro aus eigener Machtvollkommenheit hier eine Umstellung vornehmen. Ebenso scheint es uns inopportun, die• Absiiimmtiig der politischen Resolutionen auf den letzten Tag zu verlegen, der ohnedies durch den Organisationsbericht und die Waiden genügend belastet ist. Es ist möglich, daß gerade die politischen Resolutionen auf diesem Kongreß lebhafte Meinungsverscliieden lieiten hervorrufen werden, die auch für die künftige Gestaltung unserer Arbeit und für die Waiden Konsequenzen haben können. Es wäre eine Unvorsichtigkeit, die Abstimmung darüber auf den letzten Augenblick zu verschieben. Im übrigen hoffen wir, daß es de!־ Exekutive möglich sein wird, die erforderlichen Berichte, Ref-Taie u nri Anträge noch vordem Kongreß zu veröffentlichen. Es wäre eine bedauerliche Erscinvcrung der Arbeit, wenn die Delegierten erst mitten in der anstrengenden Kongreßarbeit das Material zur Kenntnis bekommen und dann natürlich nicht mehr ordentlich studieren können, so daß eine gewisscnliafte .Stellungnahme zu den Problemen unmöglich wird. Dies gilt besonders für die Fragen des Palästina-Budgets. Da in der vergangenen Woche eine Konlercnz wegen der Kokmisatiousfragen staltgcfmulen hat׳, so ist zu hoffen, daß die Anträge der Exekutive rechtzeitig bekannt werden. ״Jewish Chronide“ vom 12. August vcröifentlicht das Memorandum, welches die ehemaligen Führer der zionistischen Organisation Amerikas dem Kongreß vorlegen werden. Das Memorandum ist gezeichnet von Mack, Wisc, Friedenwald, Nathan Strauß, Frankfurter, A\ary Fels, de Haas und Robert Szold. Es enthält eine Darlegung des amerikani- «dien Standpunktes und die Geschichte des Bruches zwischen der Weltorganisation und den Amerikauern, beginnend mit der Londoner Konferenz. Das Schriftstück erhebt eine Reihe von schärfsten Anklagen gegen Dr. Weizmann und die Führer der Weltorganisation. Gleichzeitig veröffentlicht Herr de Haas eine Zuschrift, welche die Haltung der amerikanischen Dissidenten rechtfertigen soll, ln derselben Nummer der ״Jewish Chronide“ reitet auch Dr. Mamiorek eine scharfe Attacke gegen die Leitung. Es ist natürlich unmöglich, dieses ganze Material an dieser Stelle in deutscher Sprache wiederzugeben. Dennoch wollen wir versuchen, unseren Lesern in der nächsten Nummer wenigstens einen Auszug aus den erwähnten Schriftstücken zu geben, da es ganz unabhängig von der Stellungnähme in den verschiedenen Streitfragen zur Information und zur Bildung eines eigenen Urteils zweifellos notwendig ist, beide Teile zu hören. Anfrage im Unterhaus Am 10. August stellte im Unterhansc Ormsby- Dole an den Unterstaatssekretär des Aeußcren die Anfrage, ob Muza Kasim Pascha El Hussein!, ehemaliger Bürgermeister von Jerusalem, welcher namens eines nioslemisdien Komitees von Palästina nach verschicdcuen Hauptstädten Europas kam, um gegen die Politik Englands und der Alliierten in Palästina zu protestieren, vom Papst in Audienz empfangen worden ist; ferner!ob der britische Vertreter beim Vatikan her dieser Unterredung anwesend war and ob dieser Besuch beim Papst von der britischen Regierung geneliuligt war. Unterstaatssekretär Harms worth beantwortete die erste Frage bejahend, die zweite und dritte Frage verneinend. ßir J. D. Rees fragte den Staatssekretär für die Kolonien, ob indische Soldaten dazu verwendet worden sind, um Muhammedaner an der freien und unbeschränkten Ausübung ihrer religiösen Bräuche in Jerusalem za Itindern. Mr, Wood erklärt, er habe darüber keine Informatione!» und bitte tun Material, um eine Unterwuchung anstelk'ii zu können. Ormsliy-üore! Ist es nicht eine Tatsache, daß seit dem Einzug Allenhys in Jerusalem christliche Wadijxistcn an den christlichen heiligen Stätten und indischmoslemische Soldaten an den moslemischen heiligen Stätten aufgestellt worden sind, am die türkischen Truppen zu ersetzen? Mr. Wood bittet, die Frage schriftlich einzubringen. QiiNnBBBroMnaaMBHnwBBasuKKaKaiiMHaMBBinaRi ■ ■ w a a a m m Täglich bringt den einzig offiziellen Bericht über den XU. Zionistenkongreß die vom Kongreßbüro herausgegebene Kongresszeitung Sic enthält in jeder Nummer den ausführlichen bericht über alle Verhandlungen und Veranstaltungen devorhergehenden Tages und wird bereiis mit dm Dühziigen direkt an die Besteller versandt. Sie bietet daher die schnellste־ und zuverlässigste Berichterstattung über den Karlsbader Kongreß. Abonnements auf die Oesamtausgabe (&—10 Nummern) 7.u«n Preise von Kc. 25.— (fAk. 25.—) sind unter Einsendung des Betrages aufzugeber! an das Büro des XU. Zionistenkongresses, Karlsbad, Schiitzenhaus, oder an die Administration der ]Qdischsn Rund^hau, If IS, Sächsische Stp.8 n! נו a El B ca R B B □ U מ u SS n m n u H ttBBBBBBBHBBaUB«BBBBBBBBBBBBBflBB1a8BBflpaBBa 6rej-3sraei N.-F.־WeItkonfcrenz| Li׳ dem Kongreß unmittelbar voransgcheiidc I. .V r. W e 11 k o 11 f e r c n z, welche am 28. August ir. Karl bati Zusammentritt, wird alle aktiven Mitarbeiter des J. N'.-f. vereinen, Prof. Warburg eröffnet die Konferenz. Sie sowohl als auch die N,־F,•Ausstellung, für welche mm auch das Goldene Buch und da* Mentor• imrii bereitgestellt sind, wird allen Kongrcßbcsuchcra frei zugänglich sein. Vom Advisory Council Die 10. Sitzung des Advisory Council fand am 19. bis 20. Juli statt. Man nimmt an, daß dies die letzte Sitzung des gegenwärtigen, ernannten Advisory Council sein wird, da für den neuen Rat demnächst Wahlen ausgeschrieben werden sollen. Hugo Bergmann — Inspektor des jüdischen Schulwesens Wie ״Haare/“ mitteilt, ist die palästinensische Regierung •mit Dz. B e r g m a n n, dem gegenwärtige!» Leiter der jüdischen Nationalbibliothek, in Verhandlungen getreten, an Stelle von Dr. Duschkin den Posten eines Regierungsinspektors des jüdischen Schulwesens in Palästina zu übernehmen. Dr. Bergmann wird vvahrscheiiw lieh am 1. Oktober seinen neuen Posten atmeten. Kleine Nachrichten Die Beamten der ״Anglo Palcstine Company haben sich zur Errichtung einer eigenen geschlossenen Siedhing in Tcl-Awiw zusammengetan. Der Bau der ersten Häusergruppe, bestellend aus zehn Einfamilienhäusern ist bereits in Angriff genommen worden. Laut ״Haare/.“ vom 15. Juli wurden in Palästina bisher gegen 12 000 Schekel abgesetzt, und zwar 9000 bei den in Parteien Organisierten und 3000 an Parteilose. Der Misrachi hat gegen 2000 Schekel verkauft. Am 11. Juli wurden die Recht sanwaltsprüf ungen beendet. Von den zehn angemeldeten Juden haben acht und von fünf Arabern vier die Prüfung bestanden. Die von der Regierung eingesetzte Unters uch u n g s komm i ssion wegen der Unruhen im Lande hat die Untersuchungen in 'Jaffa bereits abgeschlossen und untersucht jetzt die Vorfälle in Pctach- Ttkwali und Kfar-Saba. Am 17. Juli wurde das Urteil gegen den jüdischen Polizisten K us c h n i r gef mit. Der von den Recht»• unwlilten Sacher, Samuel und Dtuikclbluw verteidigte PoMit wurde «u «sein Monat«! Gcfiinpl» verurteilt, unter Anrechnung von zwei Monaten Unti»*udtung1h0ft, Betrachtungen und Konsequenzen für den deutschen Zionismus Von Ernst •Marcus, Berlin. I. Die Kongreß wählen sind vorüber. Wer jetzt trotzdem noch spricht, kann nicht in den Verdacht kommen, ׳ Stimmenfang zu treiben. Die Zionistische Organisation hat keinen ürumi, auf das Niveau ihrer Versammlungen stolz zu sein. Nicht einmal der Ernst der Situation, in der sich der Zionismus nach innen und außen befindet, liat dazu beigetragen, wahrhaft klägliche Debatten zu verhüten, die unter dem bequemen Gewand der Politik die Leere und den wortreichen Leichtsinn der Streiter verbergen sollten. Wir haben einen ,,Regierungsblock“ , Gott sei Dank möchte man sagen, weif er wenigsten« die Arbeit gewährleistet, die als Existenzminimim! erforderlich ist. Darüber hinaus ist er leider nur ״Block“!, d.!1. hewcyungsarni. Wir haben eine Opposition —, Gott sei Dank würde man sagen, wenn ihre Kritik nicht durch die Kritiklosigkeii, mit der sie derselben gegenübersteht, wertlos gemacht würde. Wir brauchen jeden Groschen, sagt die Opposition, deswegen müssen wir an die Mensche!» Konzessionen machen. Das ist der Zionismus der Tat! Wir brauchen jeden Mann und jeden Groschen, sagt die Regierung. Deswegen müssen wir die Menschen! für ■unsere itkv gewinnen! Das, erwidert die Opposition, ist Starrsinn der Radikalen, die nur für die Idee kämpfen. Alan darf nicht nach den Gesinnungen der Menschen fragen. Das Baseler Programm fragt da auch nicht, es fordert die Tat. Hütet euch vor der Phrase' IL Wohin steuern wir? Gewiß, wir haben uns nicht vor der Phrase gehütet. Das Fehlen jeder lebensvollen Wirklichkeit für das jüdische Volk, die Träume unserer leicin zu begeisternden Jugend haben eine Sphäre gescitaffcn, in der man mit Worten leider!sieht geizte. Die Führer haben nicht den Blick in die Menschen geliabt, der die Geführten vor dem schlimmsten Feind jeder idealistisch! n Bewegung schützte: Vor der Un- Wahrhaftigkeit, die aus der Kluft zwischen Liebe «* einer Idee, Worten für die Idee und Tun für die Idee empo! wächst. Mau wollte Disziplin und erstickte als Mittel dazu den Geist! Wo ist der tatkräftig-selbständige Nachwuchs! •Man tut Hoiiercs als Menschen können, als z’.iel verkündet - und das darf man —. aber inan bat zugleich gesagt:!nun sei aut dem Wege, man diene mit Se'ibstcntüußerung, und das darf man nicht, wenn es nicht wahr ist. Unsere Menschen, die jungen und die Alten, die Wirklichen und die Träumer, nat man solange mit l-Msaunenstöüen vor» ihrer eigenen Kraft zu überzeugen versucht, bis sie auch die lauteste!» Posaunen nicht mehr hörten. Sie sind taub geworden und unzulänglich waren sie stets. Nun schweigen die Ehrlichen und die Feigen; Jeder fühlt; für das Unmögliche sind wir zu klein, der Weg nach Palästina ist ein irdischer, ein weiter Weg eines kleinen Volkes in ein mühevoll aufzubaueivdes Land. 111. Radikalismus heißt: Wollen jeder Unmöglichkeit entgegen! Er braucht nicht Lüge zu sein: Er wird es, wenn er zur .Selbsttäuschung führt, zum Wichtigtun und zur Hohlheit. Fültrer haben die Kräfte ihrer Bataillone zu kennen und danach die Marsch tage zu bestimmen. Unsere Führ rer riefen; wir marschieren pro Tag 100 km! Diet lagernden Truppen antworteten: 1-A.! IV. Was geieistet wurde, haben die Ehrlichen getan, die Bekannten und die Namenlosen, die es in jeder Bewegung gibt. Wenn sie Beamte der Organisation! sind und als solche bezahlt werden, sollte sie das nicht Andeutungen aussetzen, die schlimmer wirken als offene Beleidigungen. Viele empfinden es tief schmerzlich, daß die Zeit die Menschen zwingt, entweder in Berufen für Brot zu sorgen oder für den Dienst einer Idee Geld nehmen zu müsse 11. Leute, die sich darin fügen, sind immer die Besten — naturgemäß. D e Institution ist häßlich. Kann ״BLnjan Haarez“ sie;indem? V. Zur Not darf sich nicht die Lüge gesellen. Erkennt endlich: wir alle sind unzulänglich! Werft die ewigen Schwätzer zum Tempel hinaus! (Nicht die Wechsler.) Züchtet sie nicht in Jugmdvcrbänden! Stärkt den Geist dadurch, daß ihr nur verlangt, was geleistet werden kann! Sprecht auch räch da’s Wort ״Galuth“ verächtlich aus. Wir alle wissen, daß wir Palästina wollen. Wir leben im Galuth. Das Leben fordert sein Recht. Wer Askese vom Leben predigt, lügt. Wir brauchen Lebensfreudige. Ist cs soweit gekommen, daß wir uns gegenseitig fragen: Warum bist Du noch nicht in Palästina Herr Arno Wagner?'(Versammlung im Tiergartenhof.) Sollten wir uns nicht wenigstens vorher prüfen: was hast du selbst getan? Mögan andere uns durch ihr Uutes Hoden gestört fiabtml Immerhin haben de auch arbeitet