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Jüdische Rundschau · 1921-08-09 · Heft 63 (9.8.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 63 (9.8.1921)
Date
1921-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 450 JUEPISCHE RUNDSCHAU sondern Menschen, mit denen wir Jahrhunderte lang in Brüderlichkeit Zusammenleben müssen. Das jiidisehe Volk, das in Polen und Rußland und anderwiirls so lange die bittere mul sclnnerzüelie Erfalirung gemacht hat, wie einem Volk zu Mute ist, das als Menschen ־zweiten Ranges und geringeren Wertes geachtet wird, das national ziiriickgesetzt ist und in seinen kulturellen Rechten beeinträchtigt, darf nicht die lächerlidhc Rolle des Freigelassenen spielen, der nun auch einmal den Herrn zeigen mochte und mir auf den Moment wartet, wo die Rollen getauscht werden können. Wenn wir nicht die Ucberzeugung hätten, daß der Zionismus eine gerechte Sache ist, wenn wir nicht die Uebcr- ־Zeugung hätten, daß ein von Juden gegen ein anderes Volk veranstalteter Pogrom auch dann eine Unmöglichkeit ist, wenn die Juden die zehnfache Mehrheit haben, dann hätten wir kein Recht, gegen 'die Pogrome in der Ukraine und sogar in Jalta zu protestieren. Unser Protest wäre dann nichts als das Ressentiment des Schwächeren״ Heute stellen wir am Anfang einer nationalen Aufgabe. Wir kommen in ein Land, in dem wir mit einem anderen Volke zu leben haben. Alles hängt davon ab, mit welcher Gesinnung wir in das Land konimeii. Harum ist unsere Araberpolitik heute zum guten Teil eine Politik der Erziehung des jüdischen Volkes. Das jüdische Volk muß sich in allen seinen Teilen darüber klar werden, daß wir den scheinbar und ,für den Augenblick einfacheren dafür aber um so aussichtsloseren Weg der Gewalt, in welcher Form immer, nicht gehen können und nicht gehen dürfen, sondern daß uns mir der viel schwerere, anstrengenden■ und vielleicht sogar opfcrvollerc Weg »!er friedlichen Eroberung offen sieht. Diesen Gedanken im Volk zu verbreiten, ist die vornehmste Aufgabe unserer Politik, zu deren Lösung wir den ganzen Apparat der Schule, der Presse, der Parteien und Vereine mobilisieren müssen. Wenn die Spannung des Augenblicks dazu verführt, daß unsere beste Jugend von einem militaristischen Wahn befangen wird und mit aggressiver Gesinnung irgendwelcher Art nach Palästina kommt, wenn sie sich dort das Los des kämpfenden Abenteurer« statt das Los des mühselig Stein auf Stein bauenden Arbeiters erträumt, dann ist die ganze ־zionistische Idee in Gefahr. Das jüdische Volk war zwei Jahrtausende politisch inaktiv. Es wäre die größte Schmach, wenn es in den! Augenblick, wo es wieder zu politischer Aktivität gelangt, sich von Ideen und Methoden in Bann schlagen ließe, welche die jüngeren, barbarischen Völker, die heute die Welt verwüsten, noch nicht überwunden haben. Unsere Stellung zu den Arabern und unsere Gesinnung in dieser Frage sind der Prüfstein für das wiederenvachende jüdische Volk, das sein Zion neu errichten wollte. Her zionistische Kongreß wird zu dieser Frage ein klares Wort sagen müssen, das der Würde der zionistischen Idee entspricht. Aber entschieden kann die Sache nidit auf Kongressen werden, sondern nur im Volke selbst, in einer stetigen, inneren Entwicklung, die das Volk zu seiner Aufgabe heranreifen läßt. R. W. Der kanadische Ministerpräsident zur Eiuwanderungsfrage Die Zionistische Organisation in Kan,ad,■1 hat nn den kanadischen i'remicruiiiiisler nach London ein Kabel folgenden Inhalts gesandt• Kanadische Zionistische Organisation sehr beunruhigt über die Aufhebung Immigration jüdischer Pioniere nach Palästina, dadurch Verzögerung und Gefährdung Ausfülmtng britischer lärlitik dort befürchtend. Bittet Sie ergebenst Kobnialamt ersuchen seine Stellungnahme wn« seren Bemühungen Aufbau Palästinas gegenüber im Sinne San Rctno-Beschlusses wiedererwägen. Canadian Zionist Organization A. J. Frei in a n, President. Hierauf erhielt sie folgende Antwort: ״Habe Kokmialsckrctär konsultiert. Erhalte fo gende Auskunft: Aufhebung Immigration seitens R gierung Sr. Majestät nur als provisorische Maßnahme gu geheißen. Palästinensische Regierung gestattet jetzt Ei reise der verhältnismäßig kleinen Anzahl Immigrante die sieh bei Erlaß der Sperre bereits unterwegs!> landen Ungefähr fünfzehnhundert an Zahl. Danach b absichtirrt man im Verein mit Zionistischer Organisatk so viele Immigranten hineinzulassen, als das industriel und landwirtschaftliche Leben der Gemeinschaft absc biercn kann, aber nicht darüber hinaus. Die Juden!״: der Welt dürfte nach reiflicher Ueberlegung zugeben, d; cs kaum in ihrem Interesse weder als Gemcinsdu: noch als Einzelpersonen läge, daß eine große Anza Immigranten ms Land kommen sollte, ohne Aussicht׳ auf Arbeit und Lebensunterhalt, was geschehen wün, wenn mehr Inmigranten hincingelasscn werden als a sorbiert werden können. Unabhängige Immigranten, R sende und gewisse andere Kategorien werden berc ,eingelassen Premierminister.׳' Ein pasr Fordernden für den XII. Kongreß Von Dr. Martin Roscnblüth, zurzeit Karlsbad. 1. Keren llajessod und Kongreß. 111 den zionistischen Parteiorganen wird immer wieder vom Siegesztige der Keren 1 iajesscxl-Propagamla und der Mnnsser-ldec berichtet. Immer neue Länder■ werde« für den Keren Hajcssod begeistert, und wenn mir die Hälfte des Enthusiasmus, von dem unsere Zeitungsorgane erzählen, sieh in bare Münze verwandeln liclie, müßte der Keren llajessod eigentlich schon vollständig beisammen sein. Leider gibt es, das wird allenthalben /.ugestnmlc», in jedem Landesverbände noch immer Zionisten, die die persönliche Verpflichtung zur Maasserciitrichtung noch nicht 30 recht begriffen haben, und einige Landesverbände haben demgemäß ziemlich scharfe Beschlüsse gefaßt, mit deren Hilfe sie den säumigen Gesinnungsgenossen auf den Leib rücken wollen, liier hat ein üdegiertentag beschlossen, daß derartige Zionisten in Zukunft keine Ehrenämter in der Zionist:- sehen Organisation mehr bekleiden dürfen, dort hat ein Delegiertentag dem Landcskomitee sogar das Recht gegeben, solche Zionisten aus der Partei aus/.uschtidlcn. Aber haben diese radikale» Beschlüsse bisher geholfen? Hat man irgendwo verstrebt, sie in Wirklichkeit um• zusetzen? Ich glaube nicht. Ich könnte sonst nicht LEIPZIGER MESSE treffen sich während der Messe allabendlich im Sekretariat der Ortsgruppe, Keilstr. 411• * Besprechung der zionistischen Tagesneuigkeilen » Gemütliches Beisammensein * Heitere Veranstaltungen * Kaltes Büffet. verstellen, daß es immer noch Ortsgruppen-Vorsitzende, Mitglieder zionistischer Zentralkomitees, ich wage sogar zu behaupten, Mitglieder des Actions-Gomites gibt, von denen es notorisch ist, daß sie ihrer persönlichen Ataasser- Verpflichtung durchaus nicht nachgekommen sind u. zw. ganz, gleichgültig, ob man den Maasser als Maasser oder als ״Vorbild" betrachtet. Demgemäß kann cs uns auch passieren, was nach meiner Meinung allerdings wirklich eine Schande wäre, daß nidit nur eine ganze Reihe von Gesinnungsgenossen von der Ehre des zionistischc» Wahlrechts zum Kongreß Gebrauch machen, ohne bisher iiir den Keren llajessod gezeidmet zu haben, sondern daß auch Delegierte am Kongreß erscheinen könnten, die für ihre Person den Maasser noch nicht bezahlt haben. Meine Forderung richtet sich an den Permanenzaussdniß. und ich mödttc diese für unsere Kongresse und für die zukünftige Gestaltung der Zionistischen Organisation so wichtige Kör!>ersehaft (deren Mitglieder natürlich alle den Maasser entrichtet haben, müssen), dringend bitten, bei allen Personalvorsclilägen, die sie dem Kongreß unterbreiten wird, mag es sich nun 11m die Wahl des Präsidiums oder der Sdiriftfiihrer oder der zukünftigen Exekutive oder des zu• künftigen Actions-Comites oder welcher zionistischen ln. stanz auch immer handeln, nur Gesinnungsgenosse« in Vorschlag zu bringen, von denen einwandfrei und über jedem Zweifel erhaben feststeht, daß sie persönlich den Maasser entrichtet haben. Ich bin fest davon überzeugt, daß ei« rigoroses Vorgehe» des Permanenzausschnssos iit diesem Punkte von sehr heilsamer Wirkung auf alle zionistische Landes- und Smulervcrbändc sein würde. 2. Die Besoldung der Beamten. Als langjähriger höherer Beamter der Zionistischen Organisation hoffe ich, daß es auf diesem Kongresse endlich einmal z.u einer offenen Aussprache über die zionistischen Beamten, ihre Stellung und Besoldung usw. kommen wird, nachdem in den letzten Jahren in einer ganzen Reihe von Ländern die merkwürdigsten Angriffe, leider meist nidit offen, sondern irgendwie vorsteckt, gegen uns - ich identifiziere mich in diesem Punkte mit alle» meinen Kollegen — erhoben worden sind. Gerade in dieser Hinsicht täte eine gründliche Reinigung der Atmosphäre not, und wir zionistischen Beamten werden diesmal beim Kongreß darauf bestehen, daß sie erfolgt Hier nur ,eine einzige Förderung: Vor dem Kriege war die Zionistische Organisation in ihrer Entwicklung schon so weit fortgeschritten, alle Beamtvnsicllen, auch die der höchsten zionistischen Beamten, nämlich der Mitglieder der Exekutive, zu besolden, und cs ist mir und vielen meiner Freunde unbei'reiflich, aus welchen Gründen die zionistische Bewegung in dieser Hinsicht in ein rückläufiges Stadium zu treten und sich den Standpunkt des KcltiUahjiidentums zueigen zu machen droht, das immer noch scharf zwischen besoldeten ■und unbesoldeten Beamten unterscheidet. Ich kann beim besten Willen wirklich nicht begreifen, warum bei uns eine Schande sein soll, was in Amerika, England, Deutschland, Frankreich, immerbin doch auch Kulturländern, als selbstverständlich betrachtet wird, daß nämlich die höchsten Staatsbeamten, Ministerpräsidenten, Minister, Staatssekretäre ausnahmslos besoldet werden. Ich hoffe und wünsche, daß der Nr. ßs Kongreß in dieser Beziehung gründlich Wandel sdvt‘fn wird* indem er für das nächste Vcrwaltungsjahr eine״ Etat bewilligt, der nicht einen dunklen lösten hälter“ mit irgend einer Summe dotiert, sondern, Wll, es in jedem Staatshaushalte üblich ist, spezifiziert jy, alle Bcnmtcnstellen, ,™gefangen von den höchsten fv amten der Organisation, nämlich den Mitgliedern 4., Exekutive, einen bestimmten Betrag auswirft 3. Actions-Comite. Nachdem die Jahreskonferenz, in LteuLm cvks schönen Tages auf Antrag der Organisatior*kommix,Ma beschlossen hatte, die Zahl der Mitglieder des Acti.uk. Comites auf 45 fcstzusctz.cn, trat ich im Permancnzaus• ausschuß, der damals Senioren-Konvent hieß, dafür cm daß diese 45 Mitglieder ohne Rücksicht auf irgenäwclch; proportionelle Verteilung auf die zionistischen Landes, verbände, sondern einfach auf Grund ihrer persönlich.t, Eignung für das Ehrenamt eines Mitgliedes des Actions-Comites gewählt werdet» sollten. Jeh beim, tragte außerdem, daß man bei der Nominierung jcr Aciions-Comiie-Mitglieder bemüht sein möge, möglichst viele Irische, junge und unverbrauchte Kräfte heranzuziehen, auch wenn infolgedessen eine Reihe alter, bewährter Gesinnungsgenossen, die Jahrzehnte Mi!' glieder des Actions-Gomites gewesen waren, deren V«• dienste aber zum Teil der Vergangenheit ™gehörten, aus dem Actions-Comite ausscheiden müßten. Ich hatte damals den Mut, oder wie andere meinen, die Kühr:■ heit, eine »ach diesen Gesichtspunkten aufgestellte Personenliste in Vorschlag zu bringen. Meine Vorschläge sind damals sang- und klanglos in der Versenkung ver- Schwunde», und auf Vorschlag־ des Seniorenkoma.a;״ wählte die Jahreskonferenz ein Actions-Comite von üIht 90 Mitgliedern. Inzwischen dürfte cs wohl der .Mehrzahl aller Zionisten, insbesondere aber auch deren. <f:e für die Aufstellung jener Liste mit üner W -Vamen verantwortlich sind, klar geworden sein, daß eia sjMus Acthms-Gomitö de» Bedürfnissen unserer < b ',r.:üiU.->n in keiner Weise entspricht. Allenthalben wird 4t Wunsch laut, daß man die Mitgliederanzahl des ActUas- Comites sehr erheblich reduzieren möge, damit eben wieder eine Körperschaft geschaffen wird, ehe in der Tat drei- bis viermal jährlich Zusammentritten und auf diese Weise eilte kontrollierende und richiimggebeivlv Instanz der Exekutive gegenüber bilde» kam». Da ich aber auf Grund der Erfahrungen bei der jahreskonferenz voraussehe, daß trotz, dieser allgemeinen UÜberzeugung im letzte» Augenblick aus kleinlichen Rücksichten versucht werden wird, immer mehr u»d mehr Personen ins Actioivs-Oomite hiiteinziibugsiereit, richte ich hier an alle Landes- und Sonderverbände und an alle ihre Delegierten die Bitte, beim Kongreß darauf zu bestehen, daß das Actions-Comite ohne jede Rücksicht darauf, ob der eine oder der andere Landesverband in ihm vertreten ist, aus Männern zusammengesetzt wird, die für dieses Amt besondere Eignung auf weiset!, und daß möglichst viel junge, frische und unverbrauchte Kräfte in diesem reorganisierten Actions-Comite ihren Sitz haben. Der Permancn/aus-chull aber sollte, bevor er dein Kongreß Personalvorschlägc für das Actions- Comite unterbreitet, sich durch persönliche Rücksprache mit jedem einzelnen darüber vergewissert ha hen, daß der Betreffende unter allen Umständen bereit ist, viermal im Jahre und, wenn die Exekutive es verlangt oder die Ereignisse cs erfordern, auch noch öfter zu den Sitzungen des Actions-Comites, wo immer sie auch sein mögen, zu reisen. Ein reines Ehrenamt, das zu nichts verpflichtet, darf die Mitgliedschaft im Actions-Gomite nicht sein. Die Lodzer Kaufieute in Palästina Wie wir bereits mitgeteilt haben, entrichte eine Abordnung von Lodzer Kau Heuten die p.1 Li stinenrische Regierung um Uebcrhssim״ von Bode» in Hauerpaeht zwecks Lriiditung von Textilfabriken in Palästina. Die Abordnung hat nunmehr von der landwirtschaltliehen Abteilung de» Bescheid erhalte», daß nach Ratif»2icrung des Mandates, falls es nichts enthalten wird, was dieser Konzession im Wege steht, den Lodzer Kautlcu'.en Boden zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt werden wird. Das Landwirtschaftsdcpartcineiit ersuchte die Abordnung, ein ausführliches Expose eiiuureichen über die Zahl der Knufkute, die sich am Unter- »dunen beteiligen wollen, über die Art der Industrie, die sic in Palästina zu entwickeln ־beabsichtigen, über die Höhe des zu investierenden Kapitals, sowie über die Bodeufläcbe, die sie für ihre Zwecke benötiget». Der Führer der Abordnung der Lodzer Kaufleute, Herr Lusternik, hat in Jerusalem eine Perlmutte rfabrik eröffnet. Vor neun Jahren wurde eine solche Fabrik von Nathan Strauß gegründet, die jedoch bei Kriegsausbruch stiligelegt werden mußte. Die Maschinen wurden von der türkischen Regier»!״ requiriert und die Einrichtung vernichtet Herr Lusternik brachte Maschinen und Arbeitsgeräte mit Zunächst wurde mit der Fabrikation■ von Knöpfen begonnen. In Kürze sollen auch Kunstgewerbearbeiten und Schmuck- Sachen in der Fabrik angefertigt werden. ״Forderungen der holländischen Zionisten“ Zu der in Nr. 60 der ״jüd. Rundschau" von uns unter dem Titel ״Forderungen der holländischen Zionisten" veröffentlichten Zuschrift wird 1ms aus Holland nti(geteilt, daß die dort zusammcngestelltcn Forderungen keineswegs als Plattform der holländischen Zionisten bezeichnet werden können, vielmehr stellen sie nur die Meinung der Unterzeichneten dar. In Holland gibt es ebenso wie anderswo zwei Strömungen im Zionismus.

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