Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-08-09 · Heft 63 (9.8.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 63 (9.8.1921)
Date
1921-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652372--14226-2672028
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

¬ע¬ י*! jpw-,... 82 t be- •U er- -«im, nebst aadsr Dr. Xi'einonds- I I i f? I tjggf ן ץ״“ , s*. ..cü ec RkI.V«־. »d V״l.t W IS, Si*.!.ch. SU.fi. 8. E״•*״' H™ Di•״«!«* «od FnU.«. B«mns»fr•!» bei der Expedition " Peatiintern viert.ljihrlidl IS.— M. In D.utichl.nd׳ M«Bta werden In der Wibruaff de» «inrcloco Lender Nummer 63 1 Berlin, 9. VIII.!921 Antelgen-Vefwaltungi '^«rlag׳ Alwin Loewenthal, Berlin NW 7, Dorotheen.tr. S5 TeUphea: Ami Zentrum 4314 and 4815. Amitttganpret* für die alobeoreepalteue NoopereülMeile3.-•ML« FemiUeaeatef^ea 4 M. pr« Zeile. Aaielj•aaclaluflt Dieo*Uy •ad Pult«; ■ediadttaf 4 Wir. Telfiphon: Ubiand 645 •.84$. Poatacfcerfckoatol Berilo Nr. 17392• Fui Oeatmeida. Poetaparkaasaoamt Wieo, Konto Nr, 136 430. Für T*d3*choaiowaket: Peetaparkaeaeaamt: Prag, Konto Nr. 1.56050• - Redaktionaacbluft Sonntag und Mittwod» »aabmitta;. — »«"ה, אס חרס ) Xxv1 JahrgT Der Zionismus erstrebt fflr das JQdlscho Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina, ״Baseler Programm.״ 4 0. >n. Tel. ta!exinige ra»C. .1© 2468 tuen, Die zionistische Exekutive und die arabische Delegation London, 4. August. (J.C. B.) Die Ankunft der arabischen Delegation aus Palästina wird liier täglich erwartet. Wie wir erfahren, werden Vertreter der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zu einer formellen Konferenz mit der •arabischen Delegation zusaniincntreten, um eine Grundlage für die Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina zu finden, die eine friedliehe Zusammenarbeit beider Völker am Wieder• aufbnu Palästinas ermöglichen soll. Das Kolonialministcrium bekundet großes Interesse für diese arabisch-zionistischen Verhandlungen, ln politischen Kreisen wird erwartet, daß zwischen den zionistischert Aspirationen und den arabischen Ambitionen ein modus vivendi gefunden werden wird. Die palästinensische Gendarmerie Das Bulletin der Zionistischen Organisation teilt mit: Der Oberkommissar, Sir Herbert Samuel, hat seine Zustimmung zur Bildung einer palästinensischenGendarmerietruppe gegeben, die den Zweck hat, die Grenzen gegen den Einfall von Räuberbanden zu schützen und die Zivilpolizei bei der Aufrecliterhaltung der inneren Ordnung zu unterstützen. Diese Truppe soll verwendet und eingeübt werden als eine militärische Polizeitruppe, und nach einer Ucbungszeit von sechs Monaten soll sic in Gruppen von entweder 50 berittenen oder!00 Fußsoldaten in Baracken in verschiedenen Teilen Palästinas stationiert werden. Nur Personen von bester Qualifikation werden angenommen werden. Die Stärke der Trappe soll 500 betragen, und zwar 300 Kavalleristen und 200 Infanteristen. Die Truppe wird gemischt sein und aus Juden, Arabern und Christen bestehen. Die Zensur in Palästina Eine Anfrage im englischen Unterhaus. London, 5. Aug. hn Unterhaus richtete Ltn. Comm. Kennwort 11 y an den Kolonienminister die Anfrage, ob die Zeitungszensur in Palästina noch geübt werde; wenn ja, weshalb die Freiheit der Presse unter dem britischen Mandat nicht erlaubt sei. Er fragte weiter, ob dem Minister bekannt sei, daß Teile seiner eigenen Unterhausrede über den Voranschlag des Departements der Angelegenheiten des mittleren Ostens vom Zensor in Palästina für die Zeitungen gestrichen wurden und was der Grund dieses Vorgehens sei, und schließlich, (ob die Steile des Zensors in Palästina auf Kosten der britischen Steuerzahler oder der Bevölkerung von Palästina bestehe. Namens des Ministers antwortete Mr. Wood: ״Die Antwort auf den ersten Teil der Frage ist bejaliend. Die Zensur ist im gegenwärtigen Augenblick, da das Land durch akute politische Fragen in Unruhe versetzt wird, notwendig. Ein großer Teil der Bevölkerung ist noch völlig unwissend und kann deshalb durch eine ständige Propaganda leicht zu Handlungen verleitet werden, welche die öffentliche Sicherheit beeinträchtigen. Bezüglich des dritten und vierten Teiles der Frage fehlen mir noch die In formationen und ich habe die Untersuchung der Angelegenheit veranlaßt. Die Kosten der Zensur bilden einen Teil der Verwaltungskosten Palästinas, welche von den dortigen Steuerzahlern getragen werden.“ Leutnant Kcnnworthy, durch diese Antwort nicht befriedigt, wollte durch eine neue Anfrage eine klare Antwort darauf haben, ob die palästinensische Zensur das Recht habe, die Rede eines aktiven Ministers zu zensurieren, wenn ihr irgendeine Stelle gefährlich erscheine. Als Mr. Wood noch einmal bat, .sich zu gedulden, bis die Informationen cinlangcn würden, «rollte Mr. Kcnnworthy noch wissen, ob Mr. Wood ihm die Information in der sicherlich ungewöhnlichen Angelegenheit, daß eine Ministerrede zensuriert werde, mitteilcn werde, was Mr. Wood zusagte. r~.1 •“*׳» t»•— -I t. 7 so; Neue Landungsschwierigkeiten in Jaffa Jerusalem, 1. August, (J. C. B.) Von den im Hafer» von Jaffa .™gekommenen 30 jüdischen Passagieren konnten bloß zwei, und zwar Dr. Weinberg und ein» Sohn U s s i s c h k In s, in Jaffa landen. Die andere» mußten in Haifa ausgeschifft werden, da die arabischen Bootsleute in Jaffa die Ausschiffung verweigert haben Bialik kommt nach Deutschland Konstantinopel, 2. August. (J. C. B.) Ein französischer Dampfer ist mit ISO russischen Emigranton an Bord nach Palästina abgegangen. In diesem Transport befinden siel» auch einige der jüngst aus Odessa gekommenen hebräischen Schriftsteller, für welche die palästinensische Regierung mit Rücksicht auf den Dichter Bia 1 ik, eine spezielle Einreisebewilligung erteilt hat Bialik ist nicht mitgefahren, er begibt sich dieser Tage in hebräischen Vcrlagsangekgenheitcn nach Deutschland und von dort zum Zionistenkongreß nach Karlsbad. Kongreömandate fflr Weiziuann und Jabot!nsky London, 4. August (J.C,B.) Die Zionistische Organisation Südafrikas verständigte telegraphisch die zionistische Exekutive, daß bei den dort durchgeführte» Wahlen, zum XU. Zionistenkongreß sechs Delegierte, darunter W e i 7. m a 11 n und J a b o t i n s k y gewählt wurden. Diese Wahl ist «ine Demonstration einerseits dcs Vertrauens zu unserer politischen Führung, andererseits für die jüdische Legion. Berichterstattung über den Kongreß Während des Kongresses erscheint die ״Jüd. Rundschau“ regelmäßig und wird einen zusammengefaßten Verhandlungsbericht veröffentlichen. Der genaue Verhandlungsbericht wird auf Grund des Protokolls in der offiziellen Kongreßzeitung veröffentlicht, die während der ganzen Dauer des Kongresses täglich erscheinen wird. Wir empfehlen allen unsern Lesern dringend das Abonnement dieser Kongreßausgabe. Bestellungen sind umgehend zu richten an die Administration der ״Jüdischen Rundschau“, unter gleichzeitiger Einsendung des Abonnementsbetrages von 26 Mark für die ganze Ausgabe. Eine Erklärung gegen Herbert Samuei Die Chaluzim in Konstantinopel K 0 n s t a n t i n op e I, 3. August. (J. C. B.) Der Leiter des Iticsigeiv Palüstinaamtcs, Dr. Temkin, ermächtigt uns zur Erklärung, daß die vom High Comnüssioner Sir Herbert Samuel während des Empfanges des Waad Lcumi erhobenen Beschuldigungen des Bolschewismua gegen die in Konstantinopei wartenden Chaluzim unbegründet sind und sich in Widersprach zu den von Major Morris abgegebenen schriftliehen Erklärungen über die von ihm perlustricrtcn Chaluzim befinden, ln dem von Major Morris am 23. Juni abgesandten Rapport an das britische Ivoiisulat, von welchem er eine Abschrift dem Palästinaumtc überließ, befindet sich k c i n W o r t von B o I s c h e w i sm u s u. dergl. Major Morris erklärte in diesem Schriftstück ausdrücklich, daß die von der Einreisebewilligung nach Palästina vorläufig ausgeschlossenen Chaluzim aus dem Grunde zurückgewiesen werden mußten, da sie weder über Kapital verfügen noch die Aussicht haben, gegenwärtig Arbeit in Palästina zu bekommen. Major Morris besuchte die Chaluzim-Quanierc und äußerte sich überaus beifällig über den Geist dieser Emigranten. Er versprach, auf seinem Rückweg über Konstantinopei auch den Zurückgebliebenen die Einreisebewilligung zu erteilen. Eine Weltkonferenz der Jüdischen Nationalräte New York, 5. August. (J. C. B.) Im Einklänge mit den Beschlüssen der in Prag abgehaltenen Sitzung der Vertreter der jüdischen Nationalräte einzelner Länder wurde, hiesigen Meldungen zufolge, eine allgemeine Konferenz der jüdischen Nationalräte aller Länder für Mitte September 1. J. nach Karls• bat! einberufen. Neue jüdisch-polnische Verhandlungen? Wie ״Nasz Kurier“ meldet, hat Ministerpräsident Witos mit Dr. Nossig den Plan der weiteren Bemühungen bezüglich Regulierung der jüdischen Frage besprochen. Die Konferenzen sollen nach Abschluß der gegenwärtigen Kabinettskrise wieder aufgenommen werden. . Wie es scheint, ist also Dr, Nossignicht geneigt, seine dem polnischen Judentum unerwünschte Einmischung aufzugeben. Der Prüfstein Die arabische Delegation soll dieser Tage in London eintreffen. Sie hat den Auftrag und die ausgesprochene Absicht, in England die Kreise der Regierung, andere einflußreiche politische Kreise, die Presse, die gesamte Oeffentüchkcit, gegen den Zionismus zu mobilisieren. Sie fordert die Annullicatng der Balfour-Deklaration und die Einsetzung einer autonomen von der Bevölkerung gewählten Regierung in Palästina. Schon vor ihrer Abreise hat Sir Herbert Samuel der Delegation erklärt, daß ihre Forderung nach Aufhebung der Balfour-Deklaration keine Verhandlungsbasis bilden kann. Die englische Regierung sei überhaupt nicht in der Lage, diese Delegation offiziell zu empfangen; aber auch in den informativen Besprechungen, die in London abgehalten werden sollen, bildet das Festhalten an der Balfour-Deklaration sowohl in ihrem ersten als auch in ihrem zweiten Teil die unerschütterliche Voraussetzung. Eine Meldung, die wir heute veröffentlichen, kündigt an, daß zwischen der arabischen Delegation und der Zionistischen Exekutive Besprechungen stattfinden werden. Es ist nicht vorauszusehen, welchen Erfolg solche Besprechungcn haben können. Das eine scheint uns aber festzustehen, daß von zionistischer Seite alles getan werden muß, um nicht nur die arabische Delegation, sondern die ganze Oeffentüchkcit davon zu überzeugen, daß die Pläne der Zionisten keinerlei aggressive Absichten gegen die Araber haben. Wenn auch der begreifliche Ue’oerschwang eines jahrtausendelang in seinen einfachsten Lebensfunktionen gehemmten und nun vor der Aussicht auf Rehabilitierung und allmähliche Wiedergenesung stehenden Volkes den Gedanken an Ercz Israel als der jüdischen Heimstätte mit der Aussicht auf nationale Freiheit, auf nationale Selbstbestimmung und eigenes nationales Leben verband, so ist doch niemals vergessen worden, daß Palästina für alle Zeiten ein von zwei Nationen bevölkertes Land sein wird und beiden Nationen gehört. Für die Juden ist es das Zentrum ihrer nationalen Existenz, für die Araber ist es ein Siedlungsland, in welchem sie seit vielen Generationen wohnen, im Verbände mit dem erstehenden großarabischen Reiche. Die Zukunft Palästinas kann nur durch eine enge jüdisch-arabische Bundesgenossensebaft gesichert werden. Es ist allerdings fraglich, ob die jetzt in London befindliche Delegation derjenige Faktor ist, der für die Zukunft des arabischen Volkes in Palästina wirklich maßgebend ist. Aber so sehr wir uns davor hüten müssen, nach Art der Generalstäbe der verschiedenen kriegführenden Staaten im Weltkrieg einzelne Faktoren, die unsere Rechnung stören, zu bagatellisicren, so sehr wir verpflichtet sind, die arabische Delegation ernst zu nehmen und mit ihr über die Zukunft Palästinas zu verhandeln, ebenso sehr müssen wir uns hüten, das Wesen unserer arabischen Politik jetzt wieder nur in Verhandlungen zn sehen, die in London oder Paris zwischen einzelncn Personen am grünen Tisch geführt werden. Die wichtigste Araberpolitik, die wir zu führen haben, ist die Annäherung im Lande selbst; die beginnt mit der respektvollen Achtung des arabischen Volkes, mit der peinlichen Vermeidung jeder Handlung, die als Provokation der Araber erscheinen kann, und endet mit der persönlichsten Bemühung jedes einzelnen palästinensischen Juden, die Seele des arabischen Volkes verstehen zu lernen, den arabischen Menschen seiner nächsten Umgebung im persönlichen Leben nallezukommen, ihnen zu helfen und ihr Vertrauen zu erwerben. Wir müssen uns gestehen, daß die Anschauungen, die heute ein großer Teil der Zionisten und insbesondere auch der Palästinenser, von den Arabern hat, geeignet sind, uns für ewige Zeit von des Arabern zu trennen, das heißt aber, den Zionismus zu begraben. Es ist eine ungeheuer schwierige Aufgabe, unser eigenes Volk, das durch die Ent- Wicklung der letzten Jahre und durch die unseligen Lehren des Weltkriegs, der die Meinung züchtete, daß Roheit und Gewalt die einzigen Mittel sind, sich in der Welt zu behaupten, während er für Tiefersehende gerade das Gegenteil hätte beweisen sollen, verdorben ist, zu der Erkenntnis zu erziehen, daß die Araber nicht der ״Feind“ sind, 1 I ו 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.