Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1921)
- Date
- 1921-08-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 01 Seite '437 c w 3־.** 500 KM> )50 >00 )50 50ז 50(!50 K» »0 m too ne, en (er 00 yn JUEDISCHE RUNDSCHAU Palcstir.e Development Council in Amerika Die am 3. Juli unter Vorsitz von J ml je Mack in Pittsburgh .dattgefundenc Konferenz der Anhänger der früheren zionistischen Exekutive hat sich ais ,,Palestine Development Council“ mit Justicc Br and eis als Ehrenvorsitzenden und Mack als Präsidenten konsü-!liiert, Aufgabe dieses Coiuicils wird sein, die ^Schaffung ökonomischer Unternehmungen in Palästina laut dem Programm der vorjährigen Konvention in Buffalo. Zweig- Organisationen sollen in jeder Stadt Amerikas geschaffen werden, in den Debatten trat Rabbi S i l v e r scharf gegen die Zionistische Weltorganisation auf und forderte die Bildung einer besonderen Fraktion wie der Bmjan Haare/ in ״Deutschland. Mack und Brandeis waren dadail die jetzige Minorität in der v;״״n-Uw1'1u>11 tür, Zionistischen Organisation verbleibe mul so;uif eine Acndcrimg des jetzigen Kurses harre. Mack erklärte, daß diese Ver- Sammlung sieh nicht mit Z e r s t ö r u n g s a r bei t befassen soll, sondern mit praktischen ökono- ,uiseiten Unternehmungen. Alexander Aronso lut aus Palästina griff die Methoden der Woltorganisation an und forderte aggressive Schritte gegen dieselbe, Rabbi Silvcr war für die Tcilnaltmc am Zk>- nistenkougreß, damit nicht Weizmann selbst als Schilderer der amerikanischen Verhältnisse dort auftrete. Nathan Strauß jun. erklärte, die Konferenz versammle sich nicht als die Minoritätcngruppe der amerikanischen Zionistischen Organisation, sondern als Versammlung amerikanischer Juden. Mack war gegen die Beteiligtmg am Kongreß und führte aus, daß die Ab- Wesenheit Brandeis׳ und die Tatsache, welche Art Delcgierte Amerika eigentlich vertreten werden, wohl mehr wirken würde, als eine eigene Teilnahme am Kongreß. Es wurde, wie bereits berichtet, beschlossen, sich nicht am Kongreß zu beteiligen, sondern diesem ein schriftliches Memorandum über den Standpunkt der (irnppe zu unterbreiten. Der Palestine Development Council erklärt sich unabhängig von der a nterikanisdien Zionistischen Organisation wie auch der Zionistischen Weltorganisation. Die Gruppe beteiligt sieh nicht an Jen inneren Angelegenheiten der Zionistisch en Organisation, wenn auch den einzelnen Mitgliedern der Gruppe das Recht zusteht, sich in der /iomsthclien Organisation zu betätigen, ln einer Schlußrede betonte Brandeis, daß der Fehler der europäiselten Führer darin bestünde, daß sic nicht einsehen wollten, daß die politische Arbeit längst zu Ende sei. Auf seinen Appell tun zahlreiche Geld- Zeichnungen wurden an Ort und Stelle 210 000 Dollar gezeichnet, die binnen 30 Tagen cingczahlt werden müssen. Es zeichneten 11. a.: Nathan Strauß 25 000, Mary Fels 30 000, Justice Brandeis 10000, Sol. Rosenbloom 35000 (ein Teil davon für die Universität), Detroit 50 000, Frau Guggenhelmer 5000 Dollar. Zum Schluß wurden Rabbi Wise, Nathan Strauß jun., Mary Fels, Solomon Rosen bloom, Dr. Fricdenwald, Frankfurter, Rabbi Silvcr tnv.l Hugo Pnm mit der Ausarbeitun״ der genauen Statuten für diesen Council gewählt. Die Deoikfn - Greuel Mat» soll doch nicht von jüdischen Pogromen so sprechen wie das der ehemalige jüdische Minister der Ukraine, Herr L a t zk i- Ber toId i, i!n Ostjüdischen Studentenverein getan hat. Wenn man Den ik ins schaucrcrregendcn, wahnsinnig-blutrünstigen Judenmetzeleien aufzählt, 9011 man alles andere beiseite lassen. Vielleicht muß man Europa gegenüber, der Entente gegenüber, die die russischen Bandcnfültrer unterstützt hat, Beweise bringen, daß die russischen Antibolschewisten die Metzeleien organisiert hatten. Für uns ist das doch schon Längst klar. Außerdem — man soll doch nicht mit Deriikin, Sch ul gin, und wie sie dort heißen, polemisieren. Wozu das? Trotzdem, der Grundgedanke des Herrn Latzki in seinem Vortrage war richtig. Die jüdischen Pogrome in der Ukraine waren bestimmt durch die politische Lage, durch das Wesen der ganzen aiitibolschewistischen Bewegung in den Jahren 1918-1019. ■HH1m»MH1n1»MHnnM1nwn1M11 18 a u a Der einzige offizielle Bericht über den XII. Zionistenkongreß ln Karlsbad erscheint ln der ongresszeitung herausgegeben vom Büro des XII. Zionistenkongresses. Erscheint täglich mit Ausnahme des Sabbatlis früh morgens mit dem genauen ausführt iehen Bericht über die Verhandlungen des vorhergehenden Tages. / Zusendung unter Kreuzband direkt an die Besteller, z Abonnements auf die Gesamtausgabe (8—10 Nummern) zum Preise von Kc. 25.— sind unter Einsendung des Betrages aufzugeben an das Büro des XII, Zionistenkongresses, Karlsbad, oder an die Administration der ]üdisoliBn Rundschau, fö 15, Sächsische Str.8 Kein Arbeifsmangel in Palästina Jerusalem, 25. Juli. (J. C. B.) Laut den stalistisehen Ausweisen der Zionist Commission haben alle in der letzten Zeii ciugcwandcrtc» Chaluzim Arbeit gefunden und zwar jeder in seinem Fache. Zwischen den ledigen Einwanderern befindet sich zurzeit fast kein Arbeitsloser mehr, im Gegenteil, es herrscht wieder Mangel an Arbeitshänden. So wurden vorige Woche 150 Arbeiter zu verschiedenen Arbeiten vergehlieh gesucht. Die zionistische Kommission schritt zur Gründung eines allgemeine» Arbeitsvermittlungsbüros für das Land, dessen Hauptaufgabe die Zuweisung der Arbeit entsprechend den Fachkcnntnisscn der Arbeitnehmer sein wird. 'Es soll dadurch verhindert werden, daß qualifizierte Facharbeiter und Intelligenzler zur Annahme nicht entsprechender Arbeiten gezwungen werden. Einwanderung nach den Vereinigten Staaten Die scharfe Handhabung und prohibitive Wirkung des neuer» Einwanderungsgesetzes der Vereinigten Staaten von Nordamerika, das clie jährliche Zuwanderung für Angehörige fremder Nationalität auf 3 Prozent ihres Bevölkerungsstatus in den Vereinigten Staaten im Jahre 1910 beschränkt, geht aus folgendem Vorfall hervor. Auf Grund eines im letzten Augenblick aus New York eingegangeneu Kabels wurden sämtliche Polen, dar* unter' 254 Juden, von der Einschiffung mit dem am 14. Juli fahrplanmäßig von Hamburg nach New York abgehenden Dampfer ״Mount Clay“ zurückgewiesen. Dieselben sind zur Fahrt mit dem Dampfer ״Mount Carroll״ zum 21. Juli zugeliatsen» damit ihr Eintreffen erst im August — im Rahmen der festgesetzten Einwandererzahl — erfolgt. 10R1sf1nB11c11aBBHN11H«aeBaaBnaaa1iBBHaaa«MaB*BaB■■ Die Pogrome waren das Organisationsprinzip der reaktionären russischen Armee in Südrußland, Von Anfang au waren die zahlreichen Armeen nur zu einem Zwecke aufgebaut: Geld bei der Bevölkerung zu pumpen. Unzählige Werbebüros in allen Straßen Kiews, die miteinander konkurrierten, trieben eben■» dunkle, wie gewinnbringemle Geschäfte. Jeden Tag tauchten neue ״Armeen“ auf, die nur ein Ziel batten — die Bevölkerung zu neppen und die Taschen der ״Führer“ zu füllen. Solange cs ging, sammelte man bei der Bevölkerung, bei ״Profcofis“ (Verein der Industriellen) und ähnlichen Organisationen. Diese freiwilligen Beiträge wurden aber allmählich immer spärlicher, der Appetit aber wuchs immer mehr, man mußte neue Quellen suchen. Und diese neuen Quellen waren die Juden. Die Juden müssen Mittel hergeben. Das ist doch ganz bequem, man braucht nur in ein jüdisches Haus zu gehen und zu nehmen. Denn die Ausgaben wachsen, die Armeen häufen sich, jeder Soldat muß Kriegsgesclienke nach Hause schicken.... Judenmorde und Judenplünderungen waren das einzige Mittel, um die Armeen vorwärts zu bewegen. Plünderungen waren das nächste und wichtigste Ziel nicht nur für die Soldaten, sondern auch für die Offiziere. Eine Räuberbande, der man staatliche Bestrebungen unterschob. Dann — der Haß! Diese namenlose, wahnsinnige Wut! Jetzt ist cs aus mit der Legende vom gutmütigen, russischen Volke, das von der Regierung aufgehetzt wird. Das ganze Volk, alle Schichten, alle ohne Ausnahme nahmen an den Blutbädern teil, ■Das alles ist bekannt, längst bekannt, Prosknrow, Fa stow, Radoinysl, Kiew.,. Das ist aber nicht alles. Mögen die Zahlen noch so drückend hoch sein, mögen die Einzelheiten noch 90 furchtbar sein. Wer kann begreifen, was die Leute dort erleben? Wer kann den Abgrund erblicken, der sich bei diesen Erzählungen eröffnet? Wißt ihr, was Schreckenfolter bedeutet? Im jüdischen Viertel von Kiew sind die Zäune zwischen den Häusern durchbrochen. Da9 ganze Vicirtcl — ein großes Haus. So ist es, wenn nicht sicherer, doch weniger einsam. Die Angst foltert nicht 90 grausam. . , . Kommt die Nacht — sie beginnt für die Juden ganz früh, schon ain Nachmittag — die schmalen, düsteren Straßen vom ״Rodel“ werden stockfinster. Die Häuter in ängstliche Dunkelheit und Stille ge* hüllt. Eine schauerliche schreckerfüllte Spannung Bald sicht man Gruppen Bewaffneter in den Straßen herumschlendern. Mit Laternen gehen sie, schweigend, ohne Aufregung, wie zu ihrer täglichen Arbeit. Sie kommen in ein Tor hinein. Bald hört man von dort Schreie, Todesschreie, wahnsinniges Geheul. . . . Das Geheul trägt sich von einem Hause zum anderen, von einer Straße zur anderen. Das ganze Viertel heult, jammert, schreit. Ganze Straßen jammern .... Als man den Mitarbeiter Dcnikiiis, General Bredoff, fragte, warum er keine Maßnahmen gegen die Judenmorde in Kiew anordnet, antwortete er: ״Dagegen kann nur Todesstrafe helfen. Diese Strafe ist aber unmöglich anzuwenden — meine Soldaten werden es nicht begreifen . . . .״ J. Blumberg. Neue Gefahren für die russischen Juden Riga, 28. Juli. (J. C. B.) Laut hier eingetroffenen Nachrichten aus Sowjetruülarxi bewirkte dort die Hungerkatastrophe eine ungeheure Stärkung des Antiseraitismus namentlich in den Gouvernements Saratow und Samara. In Simbirsk wurden sogar Pogromversuche gemacht, sie konnten jedoch rechtzeitig unterdrückt werden. Hier eingetroffene Flüchtlinge halten die Einleitung einer großzügigen Hilfsaktion zugrinsten der hungernden jüdischen Bevölkerung in den Wolgagebieten für dringend geboten, da die dortigen Juden buchstäblich dem Hungertode preisgegeben sind. Die Freigabe der jüdischen Answanderung aus Sowjetrußland Reval, 19. Juli, (J. 0.».) Wie aus Moskau berichtet wird, hat das jüdische Kommissariat beschlossen, einen Vertreter des skandinavisch-jüdischen Hilfskomitees zu einer Konferenz nach Warschau einzuladen, um auf der Grundlage der bereits veröffentlichten Auswanderungsbedingungen die Organisierung der jüdischen Auswanderung aus S 0 w j et ru ß 1 a n d in allen Details zu besprechen. Jüdische Einwanderung nach Mexiko New York, (J. C. B.) Ein aus drei Personen bcstehendes Komitee reiste vor einigen Tagen auf Voranlassung des Exekutivkomitees der B’ne-B’rith aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko ab, um die Lage der jüdischen Einwanderer festzustellen, die, nachdem ihnen der Eintritt in die Vereinigten Staate» verweigert worden ist, nach Mexiko in immer zunehmender Anzahl gewandert süul. Die jüdische Schutz- und Einwanderungs-Hilfsgescllschaft tragt zur Linderung der unter diesen Ein- Wanderern bestehenden Not ,bei. in einem auch vom Präsidenten der B’ne-B’rith an die mexikanische Regierung gerichteten Appell ersucht der Präsident, die vor den Verfolgungen in Zentraleuropa Geflüchteten üi Mexiko aufzunehmen und sie, wie er bemerkt, als hilfsbedürftige Bürger zu unterstützen. Zionistischer Delegier tentag in Ungarn Kürzlich wurde in Budapest der XIV. Deleeiertentag der ungarischen Zionisten zwei Tage hindurch abgehalten. Durch die antisemitische Hetzereien, und durch die Absplitterung der bestjüdischen Gegenden von der ungarischen Landcsföderation ist die Arbeit sehr er- Schwert worden. Trotzdem machte die zionistische Sache in Ungarn große Fortschritte. So erschienen von ■14 Orten 226 Delegierte. Nach Erörterung der politischen Lage iin Zionismus und der Lage der ua- (?arischen Juden wurden die Referate über Keren Kajemeth, Palästinaamt, Propaganda und Keren Hajessod erstattet, die von einer regen Arbeit Zeugnis gaben. Herr Eugen Polnay, gewesener Minister, erschien auf einer der Sitzungen und überbrachte die Begrüßung der Nichtzionisten, indem er auch die Mitarbeit bei dem Keren Hajessod zusagte. Dies ist der beste Beweis, daß die Masse der ungarischen Juden sich nach zionistischc Ideen und Palästinaarbeit orientiert hat, sonst hätten die früheren Führer die Notwendigkeit dieser Orientierung von selbst nicht eingesehen. Bei der Tagung sind die Misrachisten in bedeutender Zahl vertreten gewesen. Herabsetzung der Frachtkosten nach Palästina. Ende dieses Monats werden die Triester SchiffahrtsgeseUschaften für den Mittelmeer- und Schwärz e n in c e r- Verkehr neue Frachtbriefe in Kraft setzen. Da die Absicht besteht, für Waren, die aus entfernten Gebieten kommen, besondere Frachtermäßigungen zu gewähren, werden die Tarife in einigen KoLationen stark herabgesetzt sein. So sollen vor allem süddeutsche Waren eine zwanzigprozentige Ermäßigung auf die Tarifpreise genießen, während österreichische, ungarische und tschechoslowakische Waren (je na dt der Entfernung ihrer Abgabe Station) eine Frachtreduktlon von 10 bl» 20 Prozent erfahren sollen, Die Wahlen mm XII. Zionistenkongreß finden in der Zeit vom 31. Juli bis 7. August 1921 statt m Wahllokal seiner Ortsgruppe abgehen, Nur wer verreist ist, oder wer nicht int Bezirk einer Ortsgruppe wohnt» darf den Stimmzettel brieflich einsenden I