Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JU ED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 60 Seite 431 von 5 bis '/,8 Uhr bei Herrn San.-Rat Dr. Userstein, Kaiserallee 114. , , . . Sonnabend, den 6, August, abends 9 Uhr, Loge Agtidao Achim, Gormaunstr. 29. ״ ,,, , , Sonntag, der, 7. August, 10 bis l Uhr mittags, Monbijoupl. 1, im Misrachi-Uüro. , . ts steht jedem Wähler frei, wann und wo er das Wahlrecht ausliben will. 8. Persönliche Wahlaufforderungen ergehen nicht. Der Fiauptvorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung, gez. Dr. Egon Rosenberg. Wahlaufruf des Nationalen Efnheitsblocks Zionisten! Die Wahlen zimi XII. Zionistenkongreß stehen vor der Tür! Um der zionistischen Welt zu beweisen, daß durch die Spaltungsversiiehe von Binjan Haarez die Oesthlosscnhcit de!, deutschen Zionismus nicht erschüttert werden konnte, haben wir uns mit den anderen an der Wahl beteiligten Gruppen zur Aufstellung einer getncinsaincn Liste verbunden. Die Vereinigten Zionistischen Gruppen umfassen: D i c Gruppe des Nationalen E i n h e i t s - b 1 <> c k s. Die Gruppe der unabhängigen Zionisten (Gruppe Loewe-Gponemann). Den H a p o e I - H a z a i r. Das Programm der ״Vereinigten Zionistischen Qruppeu'• ist bestimmt durch die Beschlüsse, die der XVII. Delegiertontag in Hannover einmütig gefaßt hat. Im Sinne dieser Beschlüsse fordert der ״Nationale Einheitsblock‘•: 1. A u f 1 e c 111 e r 11 a 11 u 11 g der Einheit d e r Z i o n i s t i s c 11 e n Weltorganisation. 2. A u f r e c 11t e r h a 11 u 11 g des n a t i o n a 1 p o 1 i ־ tischen Charakters der zionistischen Bewe gütig als unerläßlicher Voraussetzung für die Erringung politischer Erfolge und für die Gewinnung der ideellen und materiellen Kräfte zum Aufbau Palästinas. 3. Entschiedene Durchführung der B a i f o 11 r - Deklaration auf dem Gebiete der Politik und Vorwahimg in Palästina durch die Mandatarmaeht. 4. Herstellung eines friedlichen E i u v e r n c 11 - mens mit der arabischen Bevölkerung in Palästina. Sicherung von Lehen und Eigentum der jüdisehen Bewohner von Erez-Israel. 5. Sofortige Durchführung des vom Actions-Comitö in seiner Prager Sitzung formulierten Programms für den N c 11 b e g i n n e i 11 e r p r o d u k t i v e n Kolonisationsarbeit. Entschiedene Förderung der Privatinitiative, Sicherung der Interessen der Allgemeinheit, insbesondere auf dem Gebiete der Bodenpolitik, 6. Sicherstellung einer stetigen Ein wänder u n g nach Palästina. Schaffung von Garantien, daß die Regulierung der Immigration durch die Mandatarmacht lediglich im Einvernehmen mit der Zionistischen Weltorganisation erfolgt. 7. Schaffung von Einrichtungen, um unsere Jugend menschlich, geistig und fachlich auf ein nationales jüdisches Leben in Palästina vorzubereiten. S. Ausbau des Keren Hajessod zu einer zentralen Institution für den Aufbau Palästinas unter Be* teiligung der ganzen Judenheit. Zionisten! Zionisten! Die zionistischen Gruppen, welche auf dem zionistischen Delegiertentag in Hannover vertreten waren (ntit Ausnahme des Misrachi, der innerhalb seiner Weltföderation wählt), haben sich über die Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste für die Wahlen zum XU. Zionistenkongreß geeinigt. Die Liste führt die Bezeichnung ״Liste der Ver* einigten Zionistischen Gruppen.“ Listenführer ist Dr. Arthur Hantke. Wir fordern die deutschen Zionisten auf, aus• schließlich der Liste der ״Vereinigten zionistischen Gruppen“ ilne Stimmen zu geben. Die Grundlage unseres Zusammenschlusses bilden die bekannten Beschlüsse des letzten Delegicrtcntages der Z, V. f. D. in Hannover, die den Beweis erbracht haben, daß über wichtige Grundfragen unserer Bewegung zwischen den Vereinigten Gruppen Einigkeit herrscht. Uns eint vor allem die Uebcrzeugung, daß der nationale Gedanke das unverrückbare Fundament unserer Bewegung ist, dessen Erschütterung einer Preisgabe der zionistischen Idee glcichkäme. ן in dem Augenblick, wo angesichts der gefährdeten 1 Situation eine Konzentration aller nationalen Kräfte notwendig ist, um jene aufbauende Kraft zu erzeugen, die allein auch das Gesamtjudentum zur Mitarbeit an unserer großen Sache mitreißen kann, haben die Unterzeichneten Gruppen eine Wahlvcreinbarmig geschlossen, gemäß welcher die Kandidaten der Gruppen, unbeschadet ihrer prinzipiellen Steifung in programmatischen Einzelfragen, auf eine gemeinsame Liste gesetzt werden. Wir sind dabei im Bewußtsein der großen Verant’Aortung von dem Gedanken ausgegangen, daß in dieser Zeit eine Zersplitterung der Stimmen und ein Wahlkampf nur Energiecn rauben würde, die für aufbauende Arbeit bitter notwendig sind. Wir hoffen dadurch erzielt zu haben, daß der gesamte deutsche Zionismus geschlossen für unsere Liste elntrcten und so die Wahl zu einer Manifestation gegen alle separatistischen Bestrebungen in der Weltorganisation ebenso wie in der Landesorganisation, zu einer Kund• gebung für den nationalen Zionismus gestalten wird. Wir fordern alle Zionisten, welche die Grundsätze einer der drei vereinigten Gruppen anerkennen, auf, vollzählig bei der Wahl za erscheinen und die Liste Nr. 2 Arthur Hantke zu wählen. Deutsche Zionisten! Es gilt, innerhalb der Weltorganisation die Stellung des deutschen i Zionismus zu behaupten! j Deutsche Zionisten! I Wählet alle die Liste 2 Arthur Hantke! j Vereinigte Zionistische Gruppen: 1 Nationaler Einheitsblock Dr. Loewenslein. Dr. Hirsch. Stimmt für dieses Programm eines auf seine; innere Kraft vertrauenden Zionismus!! Stimmt gegen:! die Störung der Einigkeit und Disziplin durch! Binjan Haarez,; die Verwässerung des zionistischen Gedankens i durch Binjan Haarez,! die Vernachlässigung des Keren Hajessod durch j Binjan Haarez! Alle Stimmen für die Liste Hantke - Rosenblüth - Buber . Locw« « Blumenfeld der Vereinigten Zionistischen Gruppen! Nationaler Einheitsblock: I. A.: Dr. Löwen stein. Dr. S. Hirsch. Gruppe unabhängiger Zionisten Prof. Loewe. Rechtsanwalt Gronemann. Hapoel Hazair. Max Strauß. Weltsch. Wahlaufruf des Binjan Haarez An der Schwelle des 12. Kongresses müssen wir mit voller Offenheit bekennen, daß das Jahr nach San Rcino uns schwere Enttäuschungen gebracht hat. 1*0grome und Einwaiiderungsbcschränkung sind die Symptome der schweren politischen Krise, in der sich das jüdische Palästina zurzeit befindet. Wenn wir den Ur- «MIWMIMHnMMWWIMnmiMimimBi Oer einzige offizielle Bericht über den XII. Zionistenkongreß in Karlsbad erscheint in der Kongresszeitin herausgegeben vom Büro des XII. Zionistenkongresses. Erscheint täglich mit Ausnahme des Sabbaths früh morgens mit dem genauen aus• führlichcn Bericht über die Verhandlungen des vorhergehenden Tages. / Zusendung unter Kreuzband direkt an die Besteller. / Abonnements auf die Gesamtausgabe (8—10 Nummern) zum Preise von Kc. 25.— sind unter Einsendung des Betrages aufzugeben an das Büro des XII. Zionistenkongresses, Karlsbad, oder an die Administration der 30discl1en Rundschau, W15, Sächsische Str.8 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■י■■•■ Sachen dieser Krise nachgehen wollen, müssen wir uns des bekannten Wortes Lloyd Georges erinnern: ״Ihr j Juden habt jetzt euren Start, zeigt, was ihr könnt.“ Das jüdische Volk hat die Erwartungen nicht erfüllt. I Es ist bis zur Stunde nicht gelungen, ein großzügiges j Aufbauwerk in Palästina ins Leben zu rufen, wie es die j Maudatsmacht von uns erhofft hat Heute sind Zionisten 1 aller Richtungen zu der bitteren Erkenntnis gelangt,; daß die Mittel der Zionistischen Organisation für diese Riesenaufgabc nicht ausreichen und daß das jüdische Palästina nur mit den Kräften des gesamten jüdischen Volke9 verwirklicht werden kann. 1. Die Gewinnung der gesamten Judenheit für Erez- Israel ist deshalb unser bedeutsamstes Problem, es zu lösen, ist Aufgabe des 12. Zionisten kongresses! In Ucbcrcinstimmung mit dem Mandatsvertrag, der die Mitarbeit der nichtzionistischen Judenheit am Palästinawerk vorsieht, hat der Zionisten kongreß den organisatorischen Rahmen für diese Mitarbeit zu schaffen, unter Wahrung der Selbständigkeit und Rechte der Zionistischen Organisation. 2. Binjan Haarez ist der Uebcrzeugung, daß der Widerstand großer Kreise des jüdischen Volkes gegen die Palästinaarbeit schwjnden wird, wenn im Gegensatz zu der bisherigen Methodik — man denke an den mißlungenen Versuch, einen jüdischen Kongreß in Deutschland einzuberufen — das Ziel unserer Bewegung — die Errichtung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina — allein maßgebend ist. Als Bedingung der gesinnungsgemäßen Zugehörigkeit zur Zionistischer» Organisation darf lediglich das Bekenntnis zum Baseler Programm verlangt werden. Jede darüber hinausjjeliendc Forderung muß vom Kongreß als Schmälerung unserer großen Volksbewegung und als Schwächung ihrer Werbekraft in unzweideutiger Form abgelehr.t werden. Keine Sorge um den nationalen Gedanken! Erez-Israel kann aus innerster Notwendigkeit nur national sein, aus welchen Motiven auch immer die Mitarbeit der Diasporajuden sich herleitcn mag. Der Wille zur Mitarbeit steht uns höher al9 ״Gesinnungstüchtigkcit“. Die gesamte Judenheit soll die materiellen Mittel für den Wiederaufbau des Landes schaffen, ln dem Gedanken des Keren Hajessod, der Selbstbesteuerung, erblicken wir «in bedeutsames Fundament. Sache des Kongresses ist es, den Keren Hajessod mit einem Zaun gesetzlicher und organisatorischer Sicherungen zu umgeben, daß ihm das snverschütterliche Vertrauen des jüdischen Volkes gewährleistet wird. Der Wirkungskreis des Keren Hajessod ist gewissenhaft zu umgrenzen und den primären Postulaten des Aufbauwerkes dienstbar zu machen. Aus seinen Mitteln sind ausschließlich die Ausgaben für öffentliche Arbeiten (Straßen, Verkehrsmittel, Hafenanlagen, Aufforstungen usw.) zu bestreiten. Jede Verwendung für andere Zwecke ist strikte abzulehnen, seine Verwaltungsunkosten sind auf das denkbar geringste Maß cinzuschränken. 4. Der Keren Hajessod kann nur ein, wenn auch bedeutsames Mittel des Aufbaus sein. Die entscheidende Aufgabe, Menschen, zahlreiche Menschen, ins Land zu bringen, ihnen Arbeitsmöglichkeit zu verschaffen, ist nicht durch eine noch 90 große Spcndcnsammhing zu lösen. Nur persönlicher Unternehmungsgeist verbürgt die künftige Prosperität des Lindes. Der Kongreß muß mit Deutlichkeit aussprechen, daß er alles zu tun bereit ist, um die Initiative nicht nur zu tolerieren, sondern zu ermuntern und in den Dienst des Aufbaus zu stellen. Es muß sich endlich der Gedanke durchsetzen, daß der Anschluß an das englische Imperium die Möglichkeit ausschließt, mit anderen wirtschaftlichen Methoden und Ideologien den Aufbau Palästinas zu vollziehen, als es der große Wirtschaftskörper, dessen Glied Palästina ist, zuläßt. Erez-Israel ist kein Boden für Volkswirtschaftliche Experimente. 5. Ucber der Förderung des persönlichen Unternehmungsgeistes darf indessen die Fürsorge f ü r d i e jüdische Arbeiterschaft, insbesondere ihre sorgfältigste Berufs Vorbereitung, nicht vergessen werden. Denn die auf Grund solcher Vorbereitung geleistete Qualitätsarbeit begegnet der in der kapitalistischen Wirtschaft bestehenden Gefahr, daß die jüdischen Arbeiter durch die jeweils billigsten Arbeitskräfte verdrängt werden. 6. Die Kolonial bank ist entsprechend der Ausdehnung des neuen Aufgabenkreises zu einem machtigen Finanzinstitut auszugestalten, das allen öffentlichen und privaten Palästina-Unternehmungen dient. Zweigstellen sind in allen größeren Judenzentren zu errichten. 7. Sicherung von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung Palästinas muß der neu zu wählenden Leitung höchste Aufgabe sein. Sie hat der Frage ihre größte Aufmerksamkeit zu widmen, in welcher Form diese Sicherung der jüdischen Siedlung am zweckmäßigsten gewährleistet ist. S. Wir erwarten vom Kongreß, daß bei der Auf- Stellung des Etats der Zionistischen Organisation die Grundsätze strengster Sparsamkeit zur An wendüng gelangen, insbesondere der Beamtenkörper nach Möglichkeit eingeschränkt wird. Dies sind die Forderungen, die wir vor die Oeffeiltlichkcit des Kongresses zu bringen wünschen. Eine Reihe hier nicht zu erörternder, schwerwiegender politischer Probleme (Grenzführung, Araberfrage usw.) wird die künftige Leitung zu lösen haben. Vom Kongreß aber erwarten wir, daß er unsere Forderungen mit dem Verantvorthchkeitsgefühl behandein wird, das der Ernst der zionistischen Situation erfordert. Eine schmerzliche Dissonanz geht durch unsere Reihen. Mit tiefer Trauer vermissen wir auf diesem Kongreß, dem Kongreß des ״Aufbaues“, verdienstvolle, weite Kreise des amerikanischen Zionismus. Namen von gutem Klang im Judentum. Der Kongreß möge bemüht sein, die Forderungen, die nicht nur vom Binjan Haarez erhoben werden, sorgfältig zu prüfen, auf daß die Kluft in den zionistischen Reihen nicht unüberbrückbar wende. Der Vorstand des Binjan Haarez i, V. Dr. Witkowsky. Wahlplattform des Hapoel-Hazair Die heutige kritische Situation in Palästina forden von der zionistischen Bewegung entschlossenes Handein, das durch klares Bewußtsein des zionistischen Zieles bestimmt wird. Unser Ziel ist der Aufbau des jüdischen Palästina durch Schaffung einer freien arbeitenden hebräischen Gesellschaft! ohne Ausbeuter und Ausgebeutete, Nur durch klares Erfassen und beharrliches Fest* halten dieses Endziels wird es möglich sein, ein PalästiruL zu schaffen, das nicht nur ein Abklatsch» des Oolus mit allen sekien Schäden, sondern ein wirkliches Abbild eines neuen, gesunden, jüdischen Volkes ist.