Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 00 Seite 426 JUEPISCHE RUNDSCHAU Palästina in engstem Einvernehmen mit dem nrabischen Reiche Zusammenarbeiten. Ein jüdisches Palästina kann nicht nur den palästinensischen Arabern, sonder» dem ganzen arabische» Kornplex die wertvollsten Dienste leisten, weit wert* vollere, als wenn auch dieses kleine Land noch!ausschließlich arabisch wäre und mit arabischen Mitteln allein entwickelt werden müßte. Eine solche Harmonie der Interessen von Juden lind Arabern durch einen vernünftigen, auf aufrichtiger Politik beruhenden Ausgleich liegt auch in den Intentionen Englands, welches gleichzeitig den Ara* bern und den Juden die Verwirklichung ihrer nationalcn Wünsche zugesagt hat. Leider haben sich die Araber bisher, besonders in Palästina, von Tendenzen beeinflussen lassen, welche die gesamte englische Orientpolitik stören wollen. Heute müssen sie endlich einsehen, daß die französischsyrischen Einflüsse ihnen selbst nicht günstig sind, und daß sie ihr Ziel viel leichter mit englischer Hilfe erreichen können. Sie müssen aber auch einsehen, daß ein unverrückbarer Bestandteil den■ selben englischen Politik, ,welche ihnen die Schaffung üroßarabiens in Aussicht stellt, auch die Schaffung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina ist. Darüber darf kein Zweifel gelassen werden. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, sofort die Beziehungen zu dem jieugcschnfl'cncH mcsopotamischeu Königreich her• zustellen. Die Schwerpunkte unserer Politik müssen nach Bagdad, Kairo und Damaskus verlegt Werden. Bei der Actions-Comite-Sitzung hat besonders Soko* low die Notwendigkeit einer großzügigen Araberpolitik betont. Hoffentlich ist dies keine akademische Feststellung gewesen. Der Kongreß wird ein deutliches Wort an das arabische Volk sprechen müssen. Es ist eine Lebensfrage unserer künftigen Arbeit, daß die verantwortlichen arabischen Stellen über unsere Pläne richtig aufgeklärt werden, damit der verhetzenden Agitation der Boden entzogen wird und der mörderische Gegensatz, der heute zwischen den zwei Völkern erzeugt worden ist, so schnell als möglich abgebaut wird. Der Bericht der Reorganisntionskommissimi, über den so viel gesprochen wurde, ohne daß der Wortlaut der OeÜ'eiUlichkeit bekannt gewesen wäre, ist nun endlich veröffentlicht worden. Die Redaktion des ״Jüdischen Volksblattes“ in Mährisch- Ostrau hat sich der umständlichen Mühe unterzogen, den gesamten Text aus dem Englischen ins Deutsche zu übertragen und hat ihn zusammen mit den Antworten Dr. Ruppins und einem im amerikanischen ״New Maecabean“ erschienenen Interview Ussisclikins vollinhaltlich abgedruckt. Die Nummer lag bereits zur Actions-Comite-Sitzung in Prag vor. Bei der Actions-Comite-Sitzung wurde nur sehr wenig über den Konflikt zwischen der Reorganisationskommission und der Exekutive gesprachen. Weizmann hat sich darauf beschränkt, den prinzipiellen Gegensatz zwischen der Exekutive und den amerikanischen Zionistenführern in aller Schärfe zu charakterisieren, aber er ist auf die Detailfragen nicht eingegangen. Von den Vertretern der amerikanischen Richtung war keine einzige repräsentative Persönlichkeit in Prag anwesend. Auf dem Kongreß wird cs anders sein, und cs ist daher zu erwarten, daß dort der Bericht der Re- Organisationskommission auch noch eine größere Rolle spielen wird. Richtig ist jedenfalls Wcizmanns Feststellung, daß dieser Bericht und die darin enthaltene Kritik zu Unrecht als Waffe im politischen Kampf verwendet worden ist. Mit dem sachlichen Teil des Berichtes, sowohl in seinem kritischen als auch in seinem konstruktiven Teil, werden weite Kreise aus allen zionistischen Lagern übcrcinstimmcn. Es muß auch immer wieder betont werden, daß viele Punkte der Kritik bereits von anderen Seiten, z. B. seitens der paläsjincnsischcn Arbeiterparteien, lange zuvor fornmliert worden sind. Weizmann selbst hat in der Sitzung des Actions-Comites zugegeben, daß auch nach seiner Meinung die Palästinaarbeit reformbedürftig ist, und Dr. Ruppin sagt in seiner Antwort, daß der größte Teil der Vorschläge, welche die Rcorganisationskommission gegen Ruppin riehtet, von ihm selber stammt und von ihm in Palästina den Herren der Rcorganisationskom mission übergeben worden ist. Die Sachlichkei der Diskussion wird außerordentlich erschwer wenn sofort politische und persönliche Moment ״den Vordergrund treten, wo nüchterne win schafthehe Tatsachen unter sorgfältiger Beachtun aller Umstände geprüft werden sollen. Es war FjrtSC״ritt’ wenn es klänge, die Frag der Reform der Palästmaarbeit auf dem Kon irre rnn sachlich und “1m Zusammenwirken aller rx siüv gerichteten Kräfte zu behandeln. Das Materia das der Reorganisationsbericht zusammenstell kann dabei wertvolle .,Dienste leisten, wenn es ohne Voreingenommenheit für und gegen behandelt wird. Darum ist es Aut, daß die deutsch sprechende zionistische Oe ffe nt lieh keif durch die dankenswerte Tat des mährisch-ostrauer Volksblattes die Möglicbkeit hat, sich über den Bericht der Reorganisationskommission zu informieren. * Wie falsch cs ist, die Kritik an der palästinensischen Arbeit als ein Monopol oder eine Erfindüng der Amerikaner zu bezeichnen, geht wieder hervor aus der soeben hier angelangten letzten Nummer des palästinensischen Arbeiterorganes ״Hnpoel-Haza'ir“. Die Nummer ist zum großen Teil der Frage der öffentlichen Arbeiten In Palästina gewidmet, anläßlich der Konferenz der Chausseearbeiter, welche diesen Monat stattfinden sollte. Eine ganze Reihe von Artikeln, von denen wir einen wiedergeben, untersucht mit rücksichtsloser Offenheit die Gründe für den Mißerfolg der Chaussecarbeiten. Die Chausscearbcit hat einen großen Teil der einwandernden Chaiuzim bcschäftigt, die dort mit großer Hingabe die schwerste Arbeit verrichteten. Alle Reisenden, die Palästina besuchten, waren des Lobes voll über den Idealismus und die Leistungen dieser Arbeitsarmeen. Auch die englischen Minister Mond und Churchill haben die jüdischen Stralknbautcn als einen der stärksten Beweise für die Kraft des zionistischen Gedankens empfanden. Und doch hatten auch diese Arbeiten das furchtbare Gespenst im Gefolge, das so viele Zweige der jungen palästinensischen Arbeit bedroht: Das Defizit. Ein Leitartikel der erwähnten Zeitschrift zählt eine ganze Reihe von Gründen auf, welche als Rechtfertigung dieses Wirtschaftliehen Mißerfolges angeführt werden könnten: Mangel an Betriebskapital und infolgedessen mangelhafte technische Ausrüstung, die Konkurrenz der billigeren Unternehmer, anfänglicher Mangel au Selbstvertrauen der Arbeiter, lokale Schwierigkeiten usw. Trotzdem aber, sagt der Artikel, bleibt ein Rest übrig, der der mangelnden orgnnisatorischen und fachlichen Schulung der Arbeiter selbst zur Last gelegt werden muß. Darum ist es notwendig, daß die Arbeiter Selbstkritik üben, aus den Erfahrungen lernen und der Mißstände Herr zu werden trachten. Es ist notwendig, daß geschulte Kräfte, womöglich mit Erfahrungen auf dem Gebiet der kooperativen Arbeit, zur Leitung herangezogen werden. Die palästinensische Arbeiterscliaft, die unter schwersten Bedingungen arbeitet, um den Grundstein zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes zu legen, ist von Europa und Amerika im Stieb gelassen worden. Von dort hätten die Sachverständigen kommen müssen, um gemeinsam mit den die Lokalverhältnisse kennenden alten Arbeitern die Organisation dieser Arbeiten durchzuführen. Sie sind nicht gekommen und Sie stehen auch nur zum kleinen Teil zur Verfügung. Wieder ist in einem der wichtigsten Zweige die Vorbereitung und Ausbildung geeigneter Menschen verabsäumt worden. Wieder ist der Beweis erbracht, wie wichtig es wäre, vorausschauend geeignete Menschen in der Diaspora für die verschiedenen palästinensischen Bedürfnisse auszubilden. Gerade die Amerikaner und die Herren der Rcorganisationskommission, welche die schwachen Punkte unserer Palästinaarbeit sehen, zeigen keinen Weg, um dem Uebel abzuhelfen. Gerade sie behandeln die Fragen der Menschen- Vorbereitung geringschätzig. Unsere ganze Palästinaarbeit ist Neuland, wir können nur Schritt für Schritt vorwärtskommen und müssen immer wieder Fehler machen, um aus ihnen zu lernen. Aber gemachte Fehler dürfen kein Anstoß zu Freude an Kritik sein. Die Amerikaner kritisieren; die palästinensischen Arbeiter kritisieren auch, aber sie arbeiten zugleich und suchen immer neue Wege zu dem feststehenden Ziel, Es ist doch ein Unterschied zwischen diesen zwei Arten der Kritik. Empfang der zionistischen Exekutive Amerikas beim Präsidenten Harding London, 25. Juli. (J, C. B.) Wie aus New York gemeldet wird, wurden die Mitglieder der neuen Exekutive der amerikanischen Zionistischen Organisation vom Präsidenten Harding im Weißen Haus« empfangen. Mr. Conheym dankte im Namen der Exekutive dem Präsidenten Harding für das seinerzeitige Handschreiben an Dr. Weizmann, in welchem der Präsident nicht allein Interesse, sondern auch Sympathie für den Zionismus bekundete. Mr. Conheym führte in seiner Ansprache aus, daß Palästina das Symbol von Frieden und Zusammenarbeit zwischen den drei großen Religionen der Welt werden wird. Präsident Harding nahm die Adresse mit Dank entgegen und verweilte mit den einzelnen Mitgliedern der Exekutive in längerem Gespräch. Sir Stuart Samuel über die Lage in Palästina Der britische Steuerzahler zahlt keinen Penny — Agitatoren und Hetzer erzeugen die Wirren Am letzten Sonntag hielt, wie unser Londoner Korrespondent berichtet, der aus Palästina zurückgekehrte Präsident der Jewish Board of Dcputies, Sir Stuart Samuel, in der Vollversammlung dieser Körperschaft eine bedeutsame Rede, welche in der gesamten englischen öffentlichen Meinung lebhaften Widerim!] findet. Sir Stuart Samuel erklärte, daß seine Reis« nach Palästina keinerlei politischen Zweck hatte, aber er müsse dennoch Auf einige Momente allgemeinen Interesses Hinweisen, So las er in den Zeitungen, daß die britischen Steuerzahler darüber murren, daß die Politik, welche die Schaffung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina sich zum Ziele gesetzt hat, kostspielig sei und eine Erhöhung der Lasten der Steuerzahler zur folge haben werde. Das ist völlig הוו w a 11 r. Tier britische Steuerzahler zahlt nicht einen einzigen Penny für die jüdische Heimstätte. England hat heute eine Garnison von 5000 Mann in Palästina stehen. Diese britischen Truppen, welche heute in Erez-Israel sielt befinden, wären dort auch dann erforderlich, wenn in dem Lande kein einziger Jude leben würde. Im Gegenteil, in diesem Falle wären viel mehr Truppen erforderlich, denn gäbe es dort keine Juden, die sich durch ihre Loyalität und Ordnungsliebe aus den übrigen hervorheben, so müßte eine größer« Garnison im Lande gehalten werden. Nur die Existenz einer solchen irie,|. liebenden und gutorganisierten Bevölkerung, wie cs die Juden in Palästina sind, gestattet eine viel kleinere Garnison, als in anderem Falle notwendig gewesen wäre. — Die Juden decken auch ihre eigenen Erziehung skosten aus eigenem, obgleich die Juden den sechsten Teil der Jahrcseiimahmcn Palästinas im Betrage von 2 800 000 Pfund Sterling beisteuern. Sir Stuart Samuel führt weiter aus, daß, wenn Palästina sich selbst überlassen bliebe, ohne von aussviirts beeinflußt zu werden, sieh niemals irgendeine Störung ergeben wurde, f)h> Duelle der Wirren liegt außerhalb Palästinas. Agitatoren und Hetzer kommen aus allen Lagern, reizen die Bevölkerung auf, die bekanntlich ein leicht erregbares Element ist. Die ״Morning Post“ hat ihren ständigen Korrespondenten in Palästina, der uiiaiKgc.cizt intrigiert. Es gil» dort auch andere Intriganten, die falsche Gerüchte in Umlauf setzen. Diese Individuen, die falsche Behauptungen ausstreueu, die Bevölkerung aufreizen, kümmern sich nicht im geringsten darum, daß sic damit die größten Gefahren über ein unschuldiges Volk hcraufbcscliwörciu Es ist höchste Zeit, daß dies allerorten verstanden und die wahre Situation erfahren werde, und daß Menschenleben nicht länger in ununterbrochener Gefahr schweben. Sir Stuart Samuel schloß seine Rede wie folgt: ״Ich möchte zum Schlüsse auf die großen Sch wier i g k c i t e 11 11 i n w e i s c n, denen die Aufbauarbeiten in Ercz-lsracl gegcnüberstchen. Sie brauchen sich nur den felsigen Boden des Heiligen Landes anzusehen, um eine Idee davon zu erhalten, wieviel Arbeit erforderlich ist, bis dieser Boden zu neuem Leben erweckt und fruchtbar gemacht werden kann. Es ist eine schwere Aufgabe, die große Kraftanstrengung erfordert und einen großen Glauben voraussetzt. jeder, der die Menschen, besonders aber die Chaiuzim, die diese Aufgabe auf sielt nahmen, in ihrer Arbeit behindert oder entmutigt, jeder, der uns c r c nationale Energie zu schwächen oder zu zerstören sucht, tut ein großes Unrecht und lädt eine große Schuld auf sich. Was wir brauchen, ist, eben unseren Enthusiasmus lebendig zu erhalten und den Willen derjenigen, die sich an diesem schweren Werke engagiert haben, zu stärken. Ungeachtet der großen Schwierigkeiten ist es sicher und außer jedem Zweifel, daß die Männer, die sich diesem Werke widmen, es auch durchführen werden bis zum siegreichen Ende, doch darf ihre Arbeit nicht obstruiert werden. Es ist daher unsere Pflicht, diesen Männern gegenüber unsere Schuldigkeit bis an die Grenze des Möglichen zu tun. Die Grenze zwischen Palästina und dem Libanon Beirut, 23. Juli. (J. C. Ft.) Die hiesigen arabisehen Blätter erfahren, daß die englisch-französische Kommission zur Festsetzung genauer Grenzen zwischen Palästina und dem Libanon nunmehr zu einem Einverständnis gelangt sei. Wie verlautet; sollen einige Dörfer, darunter auch die jüdische Kolonie Metulah, aus dem Kreise Tyrus atisgcschiederi werden, wogegen zwei andere Ortschaften diesem Kreise einver* leibt werden sollen. Eine besondere Kommission, begleitet von 150 Soldaten, wurde zur Grenze entsendet, um die territorialen Aenderungen vorzunehmen und sie in die Landkarte einzuzeichnen. Ramadan-Besuche in Jerusalem Dr. Eder, derzeitiger Vorsitzender der Zionist!- sehen Kommission, und die Herren Ycllin und Meyuchas, die Vorsitzenden der ־Vereinigung der Juden Jerusalems, statteten während des Ramadan-Festes den folgenden arabischen Herren Besuche ab: Mr. Nosch&schibi, Bürgermeister von Jerusalem, Ismail Bek Hussein! und Richter Jerallah.