Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1921)
- Date
- 1921-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrg, Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung einer Offentllclwechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ IS©s©ta4I®EMEß dtes WsismI Sj©i1111I Empfang des Waad Leumi bei Herbert Samuel Am S. Juli empfing der Oberkommissar Sir Herbert Samuel das Präsidium des Waad Leumi, die Herren Y eil in, 'Thon und Be 11 Z w i, in längerer Audienz, wobei sich eine eingehende Aussprache über die Lage im Lande und über die Wünsche der jüdisehen Bevölkerung Palästinas entwickelte, Der Oberkommissar nrgierte die Vorlage der .Vorschlage für die Organisation der Gemeinden, um die finanzielle Stellung des Rabbiimts sichern zu können. Der Waad Leumi iiat bisher diese Vorschläge wegen der Differenzen zwischen Orthodoxie und Nicht- Orthodoxen niciii vorlegen können. Das Gespräch wandte sich den Vorgängen in Jaffa zu, und die Deputation wies darauf hin, daß nicht das geringste gescheite, um den bedauerlichen Zuständen in Jaffa ein Ende zu machen. Auch die Mörder der letzten zwei Opfer, des Feldhändlers und seines Sohnes, sind noch nicht in Untersuchung. Der Oberkommissar erwiderte, daß diese Angelegenheit seiner Kompetenz entzogen sei, da sie einem Kriegsgericht »!gewiesen ist, das gegenwärtig den Geisteszustand׳ des Mörders prüfen lallt. Wegen der Einwanderung der unterwegs angehalteilen Chaltizim nahm der High Comniissioncr die Beschwenlen des Waad Leumi entgegen und erklärte, dal! man allmählich wieder auf die Beschränkungen, die von Anfang an, also vor dem 3. Juni, in Geltung waren, zurüekgehe. Bezüglich jener größeren Einwandcrtingsgi tippen, die nicht ins Land kommen dürfen, obwohl sie im Besitz britischer Visa sind, sagte Sir Herbert Samuel, daß die Konsuln diesen Einwanderern wohl auf Grund der Empfehlung der Zionistischen Organisation Visen iT'.ciltvn, es stellte sich aber heraus, daß unter ihnen Bolschewiken waren. ln Kons ta 111 i 11 opc 1 hätten von 150 üesudistcllcrn aus diesen und anderen Gründen mir 70 die Einreisebewilligung erhalten. In T riest und Wien habe Major Morris dem größten Teil der Chaluz.im die Einreisebewilligung erteilt. Das Präsidium des Waad Leumi erklärt«, daß es sich weiterhin um die Aufhebung der am 3. Juni festgesetzten unnatürlichen Beschränkungen bemühen werde. Sir Herbert Samuel erwiderte, es bestehe die Gefahr der Arbe i t slo s i g k e i t, da die palästinensische Regierung keine Anleihe erhalten habe und daher die öffentlichen Arbeiten einstellen müsse. Man müsse für künftige Einwanderer die Arbeit erst vorbereitet». Dagegen meinten die Vertreter des Waad Leumi, daß seit der Eroberung des Landes durch die Engländer 13000 bis '20000 Juden ein wunderten. Nu!■ 2000 von ihnen haben Beschäftigung bei den öffentlichen Arbeiten gefunden; dies ist nur ein kleiner Teil der bei öffentlichen Arbeiten Beschäftigten und entspricht dem Prozentsatz der jüdisehen Bevölkerung im Lande. Hätte man für die Einwanderer erst einen Arbeitsplatz finden müssen, so wäre nur ein kleiner Teil von ihnen ins Land gekommen. Hierauf brachte das Präsidium Wünsche boz.'Jglieh der Stellung der hebräischen Sprache vor. Sir Herbert Samuel hat kürzlich bei einer Sitzung der Handelskammer in Jaffa, der er präsidierte, vorgeschlagen, die Sitzung in englischer lind arabischer Sprache zu führen, da alle Anwesenden diese Sprachen Die hebräische Sprache in Palästina Anfrage im Unterhaus Im englischen Unterhause richtete Major Steel die Anfrage an den Minister für Kolonien, welche Sprachen in Palästina als Amtssprachen gelten, ob die hebräische, wenn sie zu diesen Sprachen gehört, an erster Stelle figuriert, und wenn dies der Fall ist, aus welchem Grunde diese Verfügung getroffen wurde. Es wird ferner gefragt, ob es wahr sei, daß in Palästina •nur derjenige eine Regierungsstelle erlangt, der hebräisch lesen und sprechen kann, und schließlich, wie groß die Zahl der in Rcgicrungsdienstcu stehenden Christen, Mohammedaner und Juden einschließlich der bei den Eisenbahnen und Postämtern angestcllten Personen ist. 111 Beantwortung dieser Anfrage erklärt Mr. Wood: In Palästina gibt es drei Amtssprachen: Englisch, arabisch und hebräisch. Die hebräische Sprache ist den anderen zwei Sprachen nicht vorangestellt. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist für eine Anstellung im Rcgieningsdicuste nicht unerläßlich. Die Gesamtzahl der Regierungsbeamtcn und -diener einschließlich des Personals der Eisenbahnen und der Postverwaltung beträgt 2571, von denen 1338 Christen, 719 Moslems und 514 Juden sind. Die von Oberst Wedgwood dazwischengestellte Frage, warum den Christen eine so enorme Bevorzugung eingeräumt wird, blieb unbeantwortet. beherrschen, und von der hebräischen Sprache ab/ti- \ sehen. Der Waad Letinii erklärte dem High Comj missioner, daß er durch solche Aussprüche den Gegnern i dc9 Hebräischen Waffen in die Hand gebe. Gleich-!zeitig wurde darüber geklagt, daß die hebräische Sprache in den Versammlungen des Rates von Palästina zurückgesetzt werde. Dort werden die Anträge des RegLerungsdcpartemcnts den Mitgliedern des Rates!vorher englisch, arabisch und hebräisch verteilt, in der Sitzung selbst aber nur arabisch vorgelesen. Der High Coiiimissioner erklärte, dies gescheite nur deswegen, weil unter den von der Regierung ernannten Mitgliedern des Rates sich ein Scheik befinde, der des Lesens unkundig sei. In Hinkunft werde die Vertesung der Regierungsanträge ganz entfallen. Seme Bemerkung in der Handelskammersitzung habe nur die Absicht gehabt, die Sitzung, welche ohnehin sieben Stunden währte, abzukürzen. Sitzung des Waad Leumi Das Präsidium des Waad Leumi hat eine Sitzung der Exekutive einberufen, um über die weiterenSchritte, insbesondere in Angelegenheit der Organisierung der Gemeinden, zu beraten. ln der dreitägigen außerordentlichen Sitzung des Waad Leumi, in welcher die aktuellen politischen Fragen im Lande und eine Reihe von rein zionistischen Angelegenheiten zur Erörterung gelangten, sind folgende Resolut io neu u1»d Beschlüsse gefaßt worden: 1. Die Vollsitzung des Waad Leumi erachtet die von der Regierung cmgeleileten Schritte zur Schaffung eines Parlaments in Palästina als illegal, solange das Palästinamandaat vom Völkerbund nicht ratifiziert worden seL 2. Spricht sich gegen die in der Erklärung des High Coinmissioner vom 3. Juni angekündigten Einrichtung einer gemischten Gendarmerie aus. 3. Fordert die Exekutive der Zionistischen Welt- Organisation auf, ihr Möglichstes zur Beschleim igung der Ratifizierung des Mandatsüber Palästina zu tun und dafür zu sorgen, dajß im Mandat die Rechte des jüdischen Jischuw für die Zeit, in der die jüdische Bevölkerung Palästinas bloß eine Minderheit bildet, durch besondere Garantien gewährleistet werden. 4. Fordert die zionistische Exekutive auf, unverzüglich eine Kolonisation in großem Maßstabe zu inaugurieren und eine politische Aktion zur Schaffung einer jüdischen Wehrmacht zu Verteidigungs-Zwecken zu unternehmen. Die Sitzung nahm zum Schluß noch eine Rcsolution an, in der die Spaltung in der amerikanisclicn zionistischen Organisation bedauert wird, da sic sowohl die politische Arbeit der Zionistischen Organisation als auch die Position des Jischuw in Palästina schwächt, und appelliert daher an alle amerikanischen Zionisten, den 12. Zionistenkongreß in Karlsbad zu beschicken und sich der Autorität der allwcltiielicn Zionistischen Organisation unterzuordnen. Jerusalem, 23. Juli. (J.C. B.) Die arabische Delegation bat sich nach Europa eingcschifft. Die Abordnung ist aus Muselmanen und Christen zusammc«gesetzt und wird Von Mussa Kiazim Pascha geführt. Sie dürfte anfangs dieser Woche in London cintreffen, Wie bereits gemeldet, werden nucli zwischen ihr Und der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation Verhandlangen über die Schaffung eines modus vivendi zwischen Arabern und Juden in Palästina stattfinden. r*.'־.־־'" .... ■rrn■:m■ |T ■■»min»lr<». r* ,«'*md Die Kongre£w&hlen beginnen am 31. Juli! Verlautbarungen au! S.430 dieser Nummer innni ■1m kai Rundschau Königreich Mesopotamien -- Die Reorganis&tions* Kommission R. W. Berlin, 27. Juli. Die Ernennung des Emir Faisul zum König von Mesopotamien, die von England vorbehaltlich der Zustimmung des zu befragenden inesopotamischen Volkes genehmigt wurde, bedeutet einen neuen Abschnitt in der Entwicklung der arabischen Bewegung. Der Plan der Schaffung eines großen arabischen Reiches ist während des Krieges aufgetaucht, als es England gelungen war, weite Kreise des arabischen Volkes auf seine Seite zu bringen. England hat den Koreischiten Hussein in Mekka dazu ausersehen, eine arabische Dynastie zu begründen und hat ihm den Titel eines Königs von Hedschas verliehen. Es ist bekannt, daß der Sohn des Genannten, Emir Faisul, nach Kriegsende zum König von Syrien bestimmt worden ist und seine Residenz in Damaskus aufschlug, in jenem Teil des Vorderen Orient, der in die französische Einflußsphäre gehört. Frankreich hat gegen diese Aktion, welche ein Mitglied der von England prolegierten Familie zum Staatsoberhaupt von Syrien machen wollte, sofort eine Gegenaktion cingeleitet, seinen Statthalter, General Gouraud, zum alleinigen Herrn von Syrien erklärt und den Emir Faisul mit Waffengewalt vertrieben. Die französische Agitation, welche von Syrien aus die gesamte englische Oricntpoiitik zu durchkreuzen versuchte, hat bekanntlich auch dem Zionismus stets von neuem Schwierigkeiten bereitet. England hat inzwischen seine Politik mit der Familie Hussein fortgesetzt. Vor einigen Monaten wurde das Ostjordanland als autonome Provinz erklärt, in die Einflußsphäre der englisch-palästinensischen Verwaltung gezogen und des Emir Faisul jüngerer Bruder, Emir Abdullah, dort als Fürst eingesetzt. Herbert Samuel selbst hat gezeigt, daß er auf die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zu Abdullah großen Wert legt. Nun hat England, bevor noch das Mandat über Mesopotamien und Palästina bestätigt ist, seine Zustimmung zur Ein- Setzung Fatsuls als König von Mesopotamien gegeben. Damit wäre ein neues arabisches Reich mit dem Mittelpunkt in Bagdad geschaffen und eine direkte Linie von Kairo über Transjordanien nach Mesopotamien hergestellt, wo sich das arabische Reich unter einem mehr oder weniger ausgesprachen englischen Protektorat erstrecken soll. England hat während des Krieges den Arabern Zusicherungen gegeben, weiche nicht weniger \erbindlich sind als die Balfour-Dcklaration. Die Schaffung der erwähnten arabischen Reiche kann als eine Stufe der Verwirklichung dieser Versprechungen angesehen werden. Daraus ergeben sich auch für die zionistische Politik Gesichtspunkte, die bisher unseres Erachtens nicht genügend stark berücksichtigt wurden. Einerseits wird es immer klarer, daß die Verwirklichung der arabischen Aspirationen mit englischer Hilfe Fortschritte macht, die die Araber selbst vor dem Kriege kaum für möglich gehalten hätten; andererseits zeigte es sich deutlich, daß das Zentrum der arabischen Interessen keineswegs in Palästina liegt, vielmehr in anderen weit gröfleren Territorien, deren Kultivicrung noch genügend Zeit und Kraft in Anspruch nehmen wird. In Palästina aber soll, neben der I arabischen Bevölkerung und ohne die geringste ) Beeinträchtigung ihrer Rechte und Entwicklung^* möglichkeitcn, die nationale Heimstätte des jüdisehen Volkes errichtet werden. Die Juden sind imstande, mit ihrer Intelligenz, ihrem Kapital und ihrer Hände Arbeit und kraft der ihnen innewohnenden Liebe zu dem historischen Boden, diesen Landstrich, der inmitten der arabischen Umgebung, mitten im künftigen arabischen Reiche liegt, in kurzer Zeit zu hoher Kultur emporzuführen. Die Araber selbst werden cinsehen, daß die Bundesgenossenschaft der Juden für sic eine ungeheure Hilfe darstellt und weit vorteilhafter ist als der aufreibende und brudermörderische Kampf, der jetzt geführt wird. Die Juden müssen sich dessen bewußt sein, daß Palästina eine Insel in dem großen arabischen Territorium bildet, und sie werden in fl 11,1111 I MTmiHnmuaUS»1’.•——MQBMWS—a— Die arabische Delegation