Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 59 (26.7.1921)
- Date
- 1921-07-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 422 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 59 €׳?$!-Israel Die Freilassung Rewutzkis Der vor kurzem wegen Veröffentlichung bolschewistischer Schriften verhaftete Abraham Rewutzki wurde frcigelasscn. Die palästinensischen Kommunisten und die 111. Internationale Reval, 19. Juli. (J. C. B.) Der Kongreß der III. Internationale hat beschlossen, im künftigen Kongreß den Vertretern von China, Turkestan, der Mongolei und Palästina bloß das Recht zu geben, mit berate »der Stimme *!!gelassen werden, da die Parteien dieser Liinder nicht genügend organisiert seien. Die Bewaffnung der jüdischen Kolonien Die arabische Zeitung ״Al-Karmel" teilt mit, daß die Einwohner von Nazareth den Gouverneur von Phönizien angefragt haben, ob das Gerücht der Bewaffnung der jüdischen Kolonien richtig sei. Daraufhin erteilte der Gouverneur folgende Antwort: lieber Galiläa könne er nichts aussagen. Was Phönizim anbetrifft, hat die Militärverwaltung den jüdischen Kolonien eine kleine Anzahl von Gewehren zur Verfiigung gestellt, mit denen sie sich im Falle eines Angriffes verteidigen sollen, bis die Regierung ihnen Hilfe sclucker» kann. Die Juden werden diese Gewehre nie zu Angriffen gebrauchen. Die Regierung hat folgendes Verfahren gewählt: Die Gewehre werden in einen! Zimmer unter Verschluß aut'bewahrt, den Schlüsse;:׳ erhält der Regierungsbeamte, falls ein solcher in der Kolonie vorhaiKlen ist; falls es in der Kolonie keinen Regierungsbeamten gibt, werden die Schlüssel dem Vorsteher der Kolonie übergeben, der persönlich die Verantwortung für den vorschriftsmäßigen Gebrauch der Waffen trägt. Ke Gewehre dürfen nur auf Befehl des Gouverneurs oder im!׳'alle der Notwehr an Personen verteilt vvcrden, die bei der Regierung eine Kaution hinterlegt haben. Jeder rechtswidrige Gebrauch der Waffen zieht den Verlust der Kaution und die strafrechtliche Verfolgung nach sich. Die Ablösung des Egyptian-Labotir-Corps Bekanntlich sind heim englischen Militär in Palästina mehrere Tausend ägyptische Arbeiter beschäftig־(. Seit langem werden mit der Militärverwaltung Unterhandln!!- gen geführt wegen Ablösung dieses sogenannten ״Egyptiatv-Labonr-Corps" durch Juden. Es haiwielt sich meistens um grobe Arbeiten. Die Verhandlungen stießen auf Schwierigkeiten von beiden Seiten. In de'! letzten Zelt hat die Militärverwaltung beschlossen, probeweise 200 jüdische Arbeiter anznstcllcn. Falls der Versuch gelingen sollte, werden allmählich weitere jüdische Kräfte herangezogen werden Zweite Weltkonferenz Hapoel-Hazair- Zci'rc-Zion Jerusalem, 19. Juli. (J,C. B.) Laut Beschluß des Waal Poel des Hapoel-Hazair wird in Karlsbad vor dem Kongreß eine zweite Konferenz der Hitaclulnth /usammentreten. Auf ihrer Ta-gcsordnung stellt vor allem die Stellungnahme zu den Prägen des Kongresses, die Beschlußfassung über das endgültige Programm des Verbandes, die Frage der Bildung einer Arbeitsgemeinschaft alle•;׳ sozialistischen Parteien im Zionismus und die Pläne für die zukünftige Arbeit in Palästina, sowie die für die Palästinaarbeit in! Gaiutli, Münknaktieogcsellscliaft in Palästina Aus Haifa wird berichtet: Unter dem Einiluß von Baron J a!וו e s d e Rothschild hat sein Vater, Baron Edition d, wieder angefangen, sich für die Industrie in Palästina zu interessieren. Eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 5 Millionen!•'ranken wurde gegründet, deren Großteil für die Gründung von Mühlen Verwendung finden soll, die Mehl nach der Art des importierten, nicht nur für die Landesbcdürfnissc, sondern auch für Export für die angrenzenden Länder vermahlen soll. An der Spitze dieser Gesellschaft ״Societe des grands nroulins de Palcstine“ stehen erstklassige Fachleute, so der nichtjüdiscbe Ingenieur Schnick aus Deutschland, und die Juden Willy David (Deutschland) und Schiller (Elsaß). Die Gesellschaft hat von der Alliance in der Nähe der Eisenbalmstatkiii einen entsprechenden Platz in Ilaifa erworben um] der Mülilenbau 9011 in einigen Wochen in Angriff genommen werden, Baron Edmund de Rothschild hegt auch großes Interesse für die Parfümericindustric und entsandte zu diesem Zweck 11 e i f e t z, einen bekannten Chemiker, nach Palästina, um dort die entsprechenden Studien vorzuuehmen. Dieser kam zur Ueberzeugun», daß dieser Industriezweig in Palästina eine große Zukunft verspricht, und beschloß, in Sch uni, in der Nähe von Sidnon-Jakob und vielleicht auch i!1 P e t a c h T i k - w a h eine Parfümeriefabrik zu gründen. Diese Fabriken werden von einer besonderen Aktiengesellschaft gc- \ Donnerstag, 23. Juli, ebenda 3 Uhr Uolslorsaal, Köthener Str. 38 (Am Potsdamer Platz) der Berliner Zionistischen Vereinigung Kcdc2׳Gr: Lazoriic Barth Eintritt 2 Mark. 1י"־־# .*•־•■» üüujioi Ein Wähler, der in der Wahlzeit vom 31. Jali bis 7. August 1921 verreist ist, oder der nicht im Ortsbezirk einer Zionistischen Ortsgruppe wohnt, äbt sein Stimmrecht folgendermaßen aus: I. Er schreibt einen Stimmzettel aus, der fol• gendermaßen aussehen kann: Liste Nr. 1 Liste Nr. 2 Binjan Haarez odoi1 Verilalgfs Zisnistitäs Grupps« Dr. Kallenschor Or. Hsntks der aber auf keinen Fall mit dem eigenen Namen des Wählers unterschrieben sein darf. II. Diesen Stimmzettel legt er in einen Umschlag und verschließt denselben. III. Den verschlossenen Umschlag legt er in einen zweiten, äußeren Umschlag, der folgendermaßen adressiert werden muß: An die Hauptwahlkommission der Zionistisehen Vereinigung für Deutschland Berlin W 15 Sächsische Str. 8. In den äußeren Umschlag legt er ferner die Schekclquittung oder Ortsgruppenmitgliedskarte und außerdem ein Schreiben folgenden Inhalts: Ort, Datum. An die Hauptwahlkommission der Zionistischen Vercinigung für Deutschland. Anliegender verschlossener Umschlag enthält meinen Stimmzettel für die Wahlen zum XII. Zionistenkongreß. Mein Wohnsitz ist.Ich befinde mich zurzeit auf Reisen, (oder: In.befindet sich keine Zionistische Ortsgruppe), Schekclquittung (bzw. Mitgliedskarte) füge ich bei, (Evtl. 10 M. füge ich bei.) Ich versichere, daß ich bereits 18 Jahre alt bin und mein Wahlrecht noch nicht anderweitig ausgeübt habe. Mit Zionsgruß (Unterschrift) Heimatsadressc! IV. Wer keine Schekclquittung oder einen anderen Ausweis zur Hand hat, oder wer noch nicht Schekel gezahlt hat, kann statt der Quittung oder des Ausweises zehn Mark beifügen. Die zehn Mark werden zurückgezahlt, falls nachträglich nachgewiesen werden kann, daß der Schekel bereits entrichtet war. V. Die Stimmzettel sind ungültig, falls der Brief an die Zionistische Vereinigung f, Deutschland vor dem 31. Juli oder nach dem 7. August 1921 zur Post aufgegeben worden ist. Die Hauptwahlkommission der Z. V. f. D. Binjan Haarez Nr. 1 der ״Mitteilungen" von Binjan Haarez brachte eine Notiz, nach der in Frankfurt a. M. eine Binjan Haarez-Gruppc gegründet sei, deren Vorsitz Herr Professor Dreyfus übernommen habe. Diese Mitteilung ist nicht zutreffend. Herr Professor Dreyfus gehört, wie er uns schreibt, dem Binjan Haarez überhaupt nicht gründet werden, die zu einem festgesetzten Preise von den Bauern die Pfianzenblüten erstehen, welche Pflanzen die Kolonisten nach besonderer Anordnung züchten sollen. Auel! verschiedene neue landwirtschaftliche Pläne sollen mit Baron Rothschilds Hilfe ihrer Verwirklichung entgegcngclicn. (J. P. Z.) Zum Todestage Theodor Herzls Ain 20. Tammus sind 17 Jahre vergangen, seit Theodor Herzl uns entrissen wurde. Die Ereignisse der letzten Jahre haben die große nationale Befreiungsidee des verewigten Führers wie nie zuvor ihrer Verwirklichung näher gebracht, seinem zielbewußtcn Wirken ist es in erster Reihe zu verdanken, wenn das jüdische Volk heute für die Gestaltung seines nationalen Schicksals reif geworden ist. Gerade jetzt, im neuen Werden des jüdischen Schicksals, dürfen wir nichts unterlassen, um unser wichtigstes Kolonisationsinstrument, den Jüdischen Nationalfonds, für die großen Aufgaben der nächsten Zeit mit allen Mitteln auszurüsten. Wir fühlen, zumal am Todestage Herzls, erneut die Pflicht, seine Persönlichkeit nicht nur ln Worten, sondern auch durch tatkräftige Förderung unserer Institutionen zu ehren. Ein siciitbares Zeichen dieser Ehrung ist der Herzlwaid, der als Zeieher, ewigen Dankes für unseren Führer Sn Palästina gepflanzt wird und dem großen Ziele der Aufforstung Erez Israels dient. Auch wir wollen helfen, daß dies schöne Denkmal der Treue und der lebenden Arbeit immer würdiger seiner Größe werde. Darum ergeht an alle Juden, die sich zu unserer Idee bekennen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. Tammus (26. Juli) einen Baun: im Herzlwaid! Bezeuget durch diese Spende die ewige Dankesschuld an den .Mann, der euch das jüdische Lebensideal gegeben hat! Kongreß-Stimmen R. S. schreibt in der ״Jüdischen Woche“, Köln, vom 15. Juli u. a.: ״Der anormale Zitstand der verflossenen Jahre hat dem starken E i 1111 e i t sge f ü U1, welclies ehedem Hauptmacht der zionistischen Bewegung war, erheblieh Abbruch getan. Er hat das Bewußtsein der Zionisten, eine geschlossene Kampftruppe zu sein, trotz aller inneren Gegensätze erheblich eingeschränkt und geschwächt. Der nur lose Zusammenhang zwischen den einzelnen Landesverbänden konnte es nicht verbindern, daü diese eine völlig selbständige, von der grollen zionistischen Ocffentlichkcit unabhängige und unbeeinflußte Politik trieben, weiche nicht immer im Sinne und zu in Vorteil unserer Sache war (Amerika, Polen). Und so mußte es kommen, daß die Autoritat der W c 11 o r g a ni sa t i o n und ihrer Leitung bedenklich sank, daß man in ihr vielfach mir eine diplomatische Instanz, eine nur nach außen hin wichtige Einrichtung sah und sic nicht mehr als Sy inbol der Solidarität des ganzen Volkes, als Sinnbild des erstrebten Staates, als Ausdruck des Einheitswiliens der Judenhcit anerkannte. 1111 Osten verlor sieb in weiten Kreisen das Vertrauen zur Zionistischen Organisation, da man sieh einem ״Verhandlungskabinett" nicht ausliefcrn wollte und da — eine Wirkung des hier gekennzeichrieten Zustandes — die offiziellen Träger des Zionismus in Polen mit den dortigen Assimilanten an Patriotismus wetteiferten; denn ihr Sinnen war, durch die Zerstörung des Bewußtseins der lnterterritoria-Iität der Bewegung, lokal orientiert und Ihre innere Kraft war zu; bewußter, inopportuner, iiaiionakr Politik nicht stark genug. Welche Verheerung die Krkgszeit in den Vorstellungen amerikanischer und z. T. auch deutscher Zionisten angcrichtct hat, ist genugsam bekannt. Ucbcralt treten Bestrebungen gegen den, der reinen Idee entsprungenen alhvc'tlichcn Charaktcr, gegen die Staathnftigkeit der Zionistischen Organ.- satior. auf um! leugnen ihr inneres Wesen zugunsten weitgehender Anpassung an lokale Verhältnisse und Vor- Stellungen. Hier midi der Kongreß entscheidend, revolutionär ciivwirken. Schon sein Zustandekommen, auf welches wir ja so lange gewartet haben, muß das schwindende Staatsbewußtst in wieder wecken. Er muß eine machtige Volksdemokratien sein (was nicht unbedingt mit viel Geräusch verbunden sein braucht).“ Aussprache über den Kongreß Um den Berliner Zionisten Gelegenheit zu geben, sich über die Hauptfragen des Kongresses zu orienticren und auszusprechen, veranstaltet der Hapoel-Hazair in der Roscnthalcr Str. 56 (Agudath Achimi am Sonnabend, den 30, Juli, 6. und 13. August, abends 8>/2 Uhr, drei Vortragsabende über folgende Themen; t. Die Sitzung des A.-C. und der Kongreß. Redner: Chawer Dr. Wcltsch. 2. Die Frage der Legion, Redner: Chawer Dr. Strauß. 3, Die Araberfrage, Redner: Chawer Josef Blumberg (siche auch Vereinskaleivder). Wir weisen ausdrücklich auf diese Veranstaltungen hin, weil kaum eine ähnliche Möglichkeit in Berlin besteht, zu den Fragen des Kongresses Stellung zu nehmen.