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Jüdische Rundschau · 1921-07-22 · Heft 58 (22.7.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 58 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 413 Nr. 58 ntifbringen können, wie der Nichtamerikaner Weiznuutti in wenigen Monaten? Weil Wei/niann /!! dem nationalen üein 111 der jüdischen Massen sprach, die zu der aus Notabeln bestehenden Leitung des amerikanischen Zionismus kein Vertrauen nielir hatten. Nach Macks eigenem Liugestaudnis ist sein Appell um Geld wirkungslos gewesen. Es ist keine Frage, daß der Geldmangel und nur der Geldmangel uns in die heutige fürchterliche Situation gebracht hat. Wären die führenden amerikanischea Zionisten nationale, nicht ängstlich auf ihre prominente Stellung bedachte Zionisten, die jeden Anschein mangelnder amerikanischer Gcsinnung zu vermeiden suchen, gewesen, hatten sie die Londoner Exekutive nicht unter hundert Vorwänden von ihrer als ausschließlich erklärten amerikonischen 'Domäne fcrngehaltcn, hätten ihnen die nur national zu packenden Massen Gefolgschaft ge־ leistet, wir stünden heute anders da. Bedarf cs noch eines schwerwiegenderen Beweises, um zu zeigen, wohin die Preisgabe der nationalen Idee auch praktisch (vom Ideellen völlig abgesehen) führt? Nationale Konzentration, Konzen-• tration aller nationalen Kräfte ergibt sich als Forderung dieser entscheidungsschweren stunde. Innerzionistisch heißt das — Sammlung aller unkompmmißlerisch national Gesinnten und scharfe Betonung des nationalen Charakters der zionistisehen Bewegung. Außenpolitisch bedeutet es für den Zionismus Heranziehung des gesamten Judentums, das wir auch in seinen nicht national empfindenden Teilen zu seinen nationalen Kräften rechnen, selbstverständlich ohne jeden Gewissenszwang für uns und für sie. (Das ist der Unterschied zwischen ״ßinjan Haare/.‘• und uns; dieser ist zwar sehr radikal nach außen, umsoweniger aber nach innen. Wir verlangen von niemandem, der nationaler Jude nicht sein will und sein kann, daß er jetzt, nur auf Sau Remo hin, Zionist werde; der Zionismus besteht nicht darin, daß man für Palästina Geld hergibt, das kann man auch als N’ichtzionist. Wir ziehen es vor, radikal nach innen, <1. h. gegen uns selbst ־zu sein und an uns Fordeningcn zu stellen, bevor wir das an andere tun.) So könnte, wenn man diese Gedankengänge auf eine kurze Formel bringen will, dein Kongreß die Resolution vorgelcgt werden, dal] der Kongreß, der die Teilnahme am Aufhau des jüdischen Palästina als Aufgäbe und Pflicht des gesamten Judentums betrachtet, die nationale Idee ilcs jüdischen Volkes als unantastbares Grundprinzip der zionistischen Bewegung und Voraussetzung der Zugc hör igk eit zu ihr neuerdings ausd r ii c k 11 c h erklärt. (Ein /weiter Artikel folgt..' Griechen oder Türken? An'äfilid; der auch von uns veröffentlichten Havas- Meldung über griechische Judenpogrome in Ismid sendet das griechische Konsulat in Dresden an die Dresdner Ortsgruppe folgende Notiz über fürk! sehe Greta׳! in Deirmcndjik. Für die von ד ii 1■ k e I! ii: Deirmcndjik niedergemetzcltcn Juden i scheinen sich die Griechen (nach Meldung der griechen- I freundlichen Mavas-Agentur) dadurch revanchiert zu I haben, da 11 sie ihrerseits die Juden in Ismid ausj gtpüimlcrt haben. Mach einem Telegramm aus Smyrna vom!1. ii. M. verurteilte das griechische Kriegsgericht die Mohammedaner Mehmed Kirlimousscoghlou und Monstafa Mahmoudoglou zum Tode, weil sie überführ: wurden, mit anderen Komplizen ״unbekannten Aufenthaltes“ 26 Israeliten aus I )ekmemijik bei Aidin niedergemetzelt zu haben. Diese Israeliten machen die Blutsteuer aus, welche die israelitische Nation der türkischen Grausamkeit im Verlaufe des im Juni 1010 slattgefundenen Gemetzels in Aidin gc/'vlt hat. Groben Eindruck erregte beim Kriegsgericht die Ansage eines jungen Israeliten, namens Jacob Mole x , ,Sohn eines israelitischen Notabeln aus Deir-!mn.ljüj, dessen ganze Familie vernichtet wurde. Noch unter dem Alpdruck der fürchterlichen Ervignisse entwarf der Zeuge das ganze Bild des Gemetzcls. Laut seiner Aussage schritt die Mörderbandc, die den kemalistischen Horden angchörte, gleich nach ihrem Einfall in Dcirmendjik zur Verhaftung von 26 Israeliten. Nachdem sie ihnen ihr ganzes Hab und Gut geraubt hatte, verschleppte sie die Unglücklichen durch das Dorf bis zu den Ufern des Mäanders und warf sie in den Fluß, Hierauf begannen die Henker vom Ufer aus auf ihre Opfer im Wasser zu schießen, so daß diejenigen, die dem Ertrinken entkamen, durch Feuer vernichtet wurden. Der Zeuge war ebenfalls mit den übrigen Opfern ins Wasser geworfen worden, jedoch wurde er später von Griechen gerettet und nach Deirmcndjik gebracht, wo er einige Tage darauf die beiden Mörder wiedererkannt«. gcz. Consulat Royale de Qrece ä Dresde. Kongreß-Stimmen Der XII. Zionistenkongreß Wir geben hier den Auszug aus einem Artikel von Dr. A. Marmore! aus dem ״Peuple Jttif“, Paris, vom 21. Juni 1021. Schon der letzte Kongreß war nur ein schwaches Echo in der Reihe öffentlicher Sitzungen, die wir seit Gründung unserer Organisation abhielten. Seitdem hat die jüdische Welt einen Wendepunkt ihrer Existenz überschritten. Die Zionistisch« Organisation hat die Balfourdeklaration, hat San Remo zu verzeichnen , . . Der 12. Kongreß muß die Bilanz unseres Gewinnes und unserer Verluste zielten und den zu verfolgenden Weg weisen, und um diese guten Resultate zu erreichen, ist es nötig, daß der Kongreß zu gleicher Zeit ebenso wsa^müsssssssm 650000 Oelbaunte und Nutzhölzer wurden bisher vom Jüdischen Nationalfonds für die Aufforstung Erez Israels gepflanzt. Ein wesentlicher Teil dieser Pflanzungen, die die Voraussetzung jeder gosunden Kolonisation bilden, ist im Herzlwald vereinigt als ewiges Denkmal der lebendigen Palästinaarbeit Theodor Herzls. Jeder Zionist gedenke zum 20. Tammus (26, Juli)• dam Todestage Herzls! der Baumspende des Nationalfonds I Soll die Veröffentlichung rechtzeitig erfolgen, so muss der Betrag für die Bfttimipendo soforc an den Jüdhchen Nationnlfmidu, Berlin W 15, Sächsische Str 8 (Postscheck* kouto Berlin 28247) geschickt werden.! וו!וווווווווווויוווווווווווו!ווווווווי1ווווווווו j viel Klugheit wie Geschlossenheit und Arbeitsfähigkeit I beweist. Die Wahl des Ko 11 g r e Ii pr ä s id e n t e 11 ist von großer Wichtigkeit. Er muß ein Zionist von sicherem Gefühl sein, imstande, den Kongreß und den Zionisinus gegen die Exekutive zu verteidigen, um nicht das gleiche klägliche Schauspiel wie die Londoner Konferenz zu geben. Abgesehen vom Präsidenten des Kongresses muß eine gute Wahl des Präsidenten des Permanenzaus- Schusses getroffen werden, dessen Aufgabe es bekanntlieh ist, die Mitglieder der Exekuti ve Und alle Funktionäre vorzuschlagen, um sozusagen über unser Menschenmaterial zu verfügen. Wir werden den Bericht dev Exekutive hären. Für die politische Arbeit handelt es sich um einen Zeitraum seit dem November 1 Dl 7. Eine politische Kommission wird sich über die Vergangenheit zu äußern haben Der Kongreß wird laut und deutlich das zu sagen haben, was er unter der Bezeichnung ״jüdisch-nationales Heim“ versteht. Es liegt ihm ob zu sagen, daß er unsere Rechte auf Palästina nicht zu bemessen braucht im Verhältnis zu den H) I'ro/ent, welche die jüdische Bevölkerung gegenwärtig darstellt, sondern es handelt sich in Wirklichkeit um Millionen von Juden, welche beanspruchen, dorthin zu gehen, welche sich als künftige Bürger des Landes betrachten und von denen man Geld für den Aufbau fördert. Ich bestehe auf diesem Punkt, und die letzte Erklärung Sir Herbert Samuels bestätigt gerade unsere Ansprüche, Es handeh sich um nichts mehr uivd nichts weniger, als die jüdische Einwanderung zu /beschränken. Wie sollen wir unter diesen Umständen eine Majorität werden, um das jüdische Nationalhcini zu errichten? Die Araber werden sich natürlich vermehren, und wir werden nicht die Möglichkeit haben, auf irgendeine wirksame Weise unser Land und die Aktion zu vergrößern. Und dennoch sind wir es, welche Lord Curzon als das einzige Element bezeichnet, das imstande ist, Palästina neu zu errichten. Wie sind diese beiden Dinge in Uebcreinstimmung zu bringen? I>ern Kongreß obliegt es zu erklären, welches die Bedingungen sind, die er als unerläßlich für den Aufbau des jüdischen Palästina erachtet. An zweiter Stelle werden wir unsere Politik betreffs der Araber fcstzulegen haben. Es ist überflüssig, über diesen Punkt, wie über alle anderen, zu sagen, daß unsere Exekutive sich als der Aufgabe nicht gewachsen gezeigt hat. Unsere besten Leute, wie z. B. Dr, Yehuda, sind abseits gehalten worden. Ich glaube, daß das Prinzip jüdischer Arbeit, welches darin besteht zu sagen ״keine arabische Arbeit“, ein Prinzip, das in Palästina propagiert wird, uns sehr viel Schaden zugefügt hat. Es gibt in Palästina genügend Arbeit für die Araber, wie es Arbeit für die Juden gibt. Auf dem Kongreß müssen wir erklären, daß wir, die Juden, den Arabern Arbeit geben werden. Es ist nötig, daß wir uns ebenso mit unserem Arbeiterprobtem beschäftigen. Sie sehen, wie man jüdische Kommunisten zum Vorwand genommen hat, sie werden ebenfalls in der Erklärung Sir Herbert S a - inuels erwälint, um die unerträglichen Maßnahmen gegen die jüdische Einwanderung zu rechtfertige.!. Unsere Arbeiter sind im allgemeinen von sehr vorgeschrittener» Ideen erfüllt. Das ist ihr Recht. Aber unser Recht ist cs zir fordern, daß sie keine der Gesamtheit schidliehe Politik treiben. Wir werden obligatorische Schiedsgerichte für Arbeiter und Arbeitgeber schaffen. ״Mm» muß einen Weg finden, um diese Beziehungen herzustellen. Was das militärische Problem anlangt, so ist die Lösung, die mir die gerechteste und am meisten der Situation entsprechend erscheint, folgende: Die Mandatarmaeht muß uns schützen. England sollte im Lande eine Militärmacht erhalten, um diejenigen an Lehen und Eigentum zu sdiiii/en, für die sie das Mandat erhalten hat. Wir sollten verlangen, daß das Direktorium des Keren Hajessod uns einen detaillierten Arbeitsplan vorlegt, den es für die verschiedenen Zweige der palästinentischen Kolonisation vorschlägt. Diejenigen, die den Bericht der Reorganisaüonskommistiotv gelesen haben, die sich aus den Herren Szold, £imon und de Lieme zusammensetzte, konnten sehe״, welche ungeheurc Menge Geld für unfruchtbare Unternehmungen ausgegeben worden Ist. Wir müssen den Schulen helfen. Ich sage helfen, und nicht, wie wir es bis jetzt getan haben, zum größten Teil zu ihren Ausgaben beitragen. Es darf nicht mehr sein, daß wohlhabende Kolonien sich der Verpflichtung der Schulgcrechtsame entziehen. Die Reorganisationskommission Hatte ebenfalls den Eindruck, daß cs zuviel Lyzeen, zuviel Musikschulen gibt, und ich füge persönlich hinzu, daß die Gründung einer Universität in einem Lande, wo es noch nicht die für die Krone aller Unterrichtsinstitute erforderliche Atmo- Sphäre gibt, eine Absurdität ist. Wir sollten das Land kennen, und zu diesem Zweck muß man Forschungsbüros errichten, die bequem benutzbar sind, Auskunftsbüros müßten wahre und genaue Informationen erteilen, Was Unternehmungen anlangt, so müßten die bis jetzt erzielten Resultate uns vorsichtig machen. 85 Prozent der in den letzten Jahren nach Palästina gesandten Gelder sind in arabische Taschen geflossen. Dieses System muß geändert werden. Wir müssen die• für die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung des Landes er forderlichen Bedingungen schaffen. Wir müssen ein Ausgabenbudget haben, das gut j abgestimmt und gut gegliedert ist. | Der Nationalfouüs müßte reorganisiert werden, j Ich werde noch zwei Vorschläge Vorbringen: 1.! Die Ernennung einer Finanzkommission, deren Mit-;;licder nicht dein Actions-Gomite und der Exekutive entnommen sind, und die bestimmt ist, in einem vollkommen unabhängigen Sinn alle vom Zionismus gemachten Ausgaben zu kontrollieren; 2. die Schaffung einer beratenden Körperschaft in Palästina, die ans Vertietem der Föderationen zusammengesetzt ist. Es sollten diejenigen, welche mindestens JO000 Francs für der* Keren Hajessod gegeben haben, das Recht haben, zu den Föderationen zu gehören. Dieser Rat mit je einem Mitglied für jede kleine oder große Föderation, müßte eine beratende Rolle bei unserer zionistischen Kornmission haben. Ich glaube überdies, es wäre wünscht nswert, einer jeden Föderation eine Arbeit in Palästina anzuvertrauen, für welche sic sich am geeignetst.n hält. Ferner meine Vorschläge für die Verwaltungsorgane der Organisation: Das Exekutivkomitee müßte aus fünf Mitgliedern bestehen, die natürlich in derselben Stadt wohnen 1m׳J ohne Präsident arbeitet». Der Kongreß sollte außerdem eine politische Kommission aus drei Mitgliedern ernennen, welche in verschiedenen Ländern wohnen können und welche mit der Exekutive in den politischen Fraget! Zusammenarbeiten. Das Actions-Comite, das beratende und kontrollierende Institut, sollte sich aus mir 20 bis 21 Mitgliedern, abgesehen von der ganzen Vertretung der Föderationen, zusammensetzen. Für Palästina sollte der Kongreß drei Mitglieder ernennen, welche zusammen mit den Vertretern des Jisdnib und des dort ernannten Rates arbeiten müßten. Dies sind einige der Ideen, die sich auf die Arbeit des Kongresses beziehen. Eine Geschichte d«s Zionismus Wer sich bisher über die Geschichte des Zionismus, von seinen Anfänger» bis zur jüngsten Gegenwart, iuiurmieren wollte, war genötigt, selbst zum Historiker zu werden. Er fand nur Material, aber nirgends die zusammenfassende Darstellung, die ihn über das Werden dieser Bewegung und ihren jetzigen Stand fortlaufend unterrichtet hätte. Da erschien im vorigen Jahre Adolf Böhms: ״Zionistische Bewegung“ (im Welt- Verlag, Berlin); sie gab in prägnanter Form und in tiefeindringender Betrachtungsart diese Geschichte bis zum Tode Herzls. Wie wir jetzt erfahren, wird noch vor dem XII. Zianistenkongreß in Karlsbad der zweite Band dieses Werkes (ebenfalls im Welt-Verlag), der die Geschichte des Zionismus bis zur Gegenwart behandelt, vorliegen. Man darf mit Recht auf diese Darstellung gespannt sein, die ein Mann vorn Range Böhms diesem neuesten Abschnitt der Geschichte gegeben hat. Der bereits erschienene erste Teil läßt vermuten, daß wir in diesen beiden Bänden nun wirklich die Geschichte des Zionismu» in deutscher Sprache vorliegen haben.

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