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Jüdische Rundschau · 1921-07-12 · Heft 55 (12.7.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 55 (12.7.1921)
Date
1921-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. יא_____JUEDltCM B RUNDSCHAU 6re$-Jsrael Konzessionen in Palästina in der 9, Session des Ad viso ry Council (Palästinensischer Staatsrat) kam die Frage der Kon- Zessionen zur Sprache. Der O b e r k o m m i s s a r machte bei dieser Gelegenheit folgende Mitteilung: 1. Die palästinensische Regierung Ist bereit, zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gewisse Kon- Zessionen für wirtschaftliche Unternehmen gemeinnützigen Charakters zu erteilen. 2. Die Regierung untersucht gegenwärtig das Anliegen einer Gesellschaft Uin eine Konzession auf die Versorgung der Stadt Jaffa und Umgebung mit elektrischem Strom durch Ausnutzung der Wasserkräfte des Audscha. (Ruthcnberg-Projekt. — Anm. d. Red. d. ״J. R.3 (.״. Die Vergebung von Kon- Zessionen wird bis auf weiteres unter folgenden Oedingungen geschehen: a) Eine Konzession wird, sei es an Einzelpersonen, sei es an Gesellschaften, für die Naturschätze des Landes oder für ein anderes Unternehmen, das für die Allgemeinheit von Bedeutung ist, nur unter der Bedingung erteilt, daß die K'onzcssionäre sieh bereit erklären, die zu erwartende Dividende auf eine gewisse Höhe zu beschränken, während der diese Hohe übersteigende Gewinn in einer noch )festzusetzenden Form der Allgemeinheit zugute kommen soll b) Es werden keine Konzessionen erteilt auf Ausbcutung von Mineralien oder Naphthaquellen, auch ist das Suchen nach Mineralien oder Naphthaquellen vorläufig nicht gestattet, c) Gemäß dem Vertrag von Sevres darf keine Konzession erteilt werden, die mit einer von der türkischen Regierung an Mitglieder der Entente oder ihnen gehörenden Gesellschaften vor dem 20. Oktober 1914 erteilten Konzession in Widerspruch steht. Die Entwicklung von Tel-Awiw Der Magistrat von Tel-Awiw hat seine durch die Unruhen in Jaffa gestörte Tätigkeit wieder in vollem Umfange aufgenommen. Die Allenbyslraßc wird bis an den Strand geführt, die Baustoffabrik ״S y 1 i k a t״ nähert sich ihrer Vollendung und wird Ende Juli ihren vollen Betrieb autnehmen können, ln den Bau sind vorläufig •1000 Pfund investiert. Auch der Häuserbau macht gute Fortschritte. Ungefähr 20 fm Bau befindliche Häuser werden in einigen Wochen bezogen werden können. Weitere 30 Häuser werden Ende des Sommers fertiggestellt sein. Diese 50 Häuser sind ohne jegliches auswärtige Kapital gebaut worden. Außerdem befaßt sich der Magistrat augenblicklich mit einem Bauplan für Errichtung von Geschäftshäusern. Die Bedenken gegen die Errichtung von Geschäften in Tel-Awiw, das als ausgesprochene Gartenstadt gedacht war, wurden unter dem Eindruck der letzten Ereignisse fallen gelassen. Im Gegenteil, cs besteht sogar die Neigung, sich von Jaffa-Altstadt loszulösen und das Geschäftszentrum hach Tel-Awiw zu verlegea Die Anglo-Palestine Company hat sich diesen Er- Wägungen nicht verschlossen und׳ dem Magistrat zu diesem Zweck eine Anleihe in Aussicht gestellt. Auch eröffnet die A, P. C, demnächst eine Filiale in Tel-Awiw. Der Magistrat hat lieh auch mit der Frage der Versorgung von Tel-Awiw mit Lebensmitteln be- •chüftlgt und hat sich mit den benachbarten jüdisehen Kolonien ln Verbindung gesetzt. Ein Preis* Prüfungsausschuß wurde eingesetzt, tun den Lebensmittelwucher zu• bekämpfen. Auch die Fleisch- und Fischversorgung lut der Magistrat in seine Hände genommen. ln den letzten fahren sind in der Nähe von Tel- Awiw kleine jüdische Siedlungen entstanden, die vor kurzem in Tel-Awiw eingemeindet werden, 90 daß es auf dem besten Wege ist, sich zu einer rein jüdischen Stadt zu entwickeln. Auch die Polizei in Tel-Awiw, unter dem Polizeichef Halperin, ist jüdisch und untersteht dem Magistrat. Tel-Awiw hat nach den Ereignissen in Jaffa viele Flüchtlinge aufgenommen, die in auf städtischem Terrain abgeschlagenen Zelten untergcbracht wurden. Einquartierung der neuen Palästina• Immigranten in den Kolonien London, 6, Juli. (J.C. B.) Dem Bullctüi des Waad Hazirim zufolge bereiste der Vorsitzende der Zionist Commission die jüdischen Kolonien, um dort die «forderlichen Anstalten für die Unterbringung der heuen jüdischen Einwanderer za treffen. Es sollen zu diesem Zwecke in den Kolonien Lager und Zelte errichtet werden, damit die neu einwandernden Chaluzim nicht mehr in Jaffa, Tel-Awiw oder Haifa ihre erste Unterkunft finden müssen, was allerhand Schwierigkeiten und Komplikationen verursache. Die Chaluzim sollen künftighin direkt vom Hafen in die Kolonien gebracht werdet». Die Vorbereitungen and bereits weit fortgeschritten. Häuserbau der Älisrachi - Baugesellschaft Jerusalem, l. Juli. (J-C-B.) Die etablierte Mi srach i- Ballgesellschaft ״Bajit W’gan“ hat ein Terrain von 1500 Dunam für Häuserbauzwedce käuflieh erworben. Die Lage in Palästina j Nachstehendes ist ein Auszug aus einem I Artikel des palästinensischen Berichterstatter(» des ״Manchester Guardian“. Im Jaffacr Distrikt herrscht auch heute noch da9 Kriegsrecht, 1u1d seine Anwendung bildet ein intcrcssantes Kapilel der Verwaltung des Landes. Man erlebte das seltsame Schauspiel, daß große Pöbelmasscn I tuitcr dem Kriegsrecht ungehindert Demonstrationen voranstaltcu konnten. Obgleich die Schuld der Polizei vom ersten Tage an außer Zweifel stand, wurde sie im Amt belassen und sie übte das besondere Privileg, arabische Häftlinge, welche von den Soldaten eingebracht wurden, ohne weiteres in Freiheit zu setzen. Eine kleine Episode, die sich drei Wochen nach den Exzessen zutrug, wird wohl die Qualität der Jaffaer Polizei am besten beleuchten. Ocgcn zwei Polizisten wurde auf Grund der vorliegenden Beweise die Anklage des Mordes in konkreten Fällen erhoben und ihre Verhaftung angeordnet. Wenige Tage später waren diese Polizisten wieder in Freiheit und gingen nun daran, die Hauptzeugen gegen sie zu verhaften und zu bedrohen. Unter der Leitung dieser selben Polizei wurde die Untersuchung gegen die schwerbelasteten Personen und ihre Identifizierung durchgeführt, und mit Hilfe dieser selben Polizei wurde die Suche nach der verborgenen Plünderungsbeute und den Hauptplünderer!» vorgcnwnmcn. Auel» andere merkwürdige Bilder und Kontraste des Kriegsrechtes hatten! sich in Jaffa gezeigt. Der Scheich, unter dessen Führung der Sturm auf P e t a c h- T i k w a 11 erfolgte, ist nach kurzer Haft gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Hingegen wurde Schapiro, ein jüdischer Kolonist, der an der Spitze der Verteidigung von Pctach-TJkwah stand, verhaftet, in offenem Wagen unter Bewachung von Soldaten mit aufgepflanztcm Bajonett durch die Straßen geführt, nach Jerusalem gebracht und schließlich in den Kerker ge• worfen (Inzwischen ist Schapiro befreit worden. A. d. Red. d. ״J. R.“), all dies, wie dem Schreiber dieser Zeilen von einem ausgezeichnet informierten Offizier erklärt wurde, ״zur Besänftigung der Araber.“ Die zwei wertvollsten Dokumente der Wirksamkeit des Kriegsrechtes in Jaffa jedoch sind die Einkerkerung zweier kleiner Kinder im Alter von acht und sechs Jahnen gemeinsam mit ihren Elfern, und die Affäre der Jaffacr Dockarbeiter. In Jaffa landete ein Boot mit jüdischen und nichtjüdischen Passagieren, Die Dockarbeiter erklärten, die Landung eines Juden nicht zuznlassen. Unter den Reisenden befand sich ein christlicher Ingenieur aus Deutschland, der gekommen war, um die Montierung mehrerer Maschinen vorzunehmen, und zwei katholische Arbeiter aus Polen. Diese i dürften erst!ander», nachdem ihr Bekenntnis einwandfrei fcstgcstellt war. Die von der Untcrsuchungskommission vom Obersten Byron, der das Kommando in Jaffa fiihrtc, vertretene Theorie war, daß seine Aufgabe die Aufrechtcrhaltung der Ordnung gewesen sei und. daß er vor der Wahl) die Araber oder die Juden zufriedenzustellen, naturgemäß die Araber bevorzugte, weil sie die ziffernmäßig stärkere Körperschaft sind. Wie fmmer man nun über diese Theorie auch denken mag, Tatsache ist, daß die Art, wie sic in Jaffa in Anwendung gebracht wurde, cs glücklich zuwege braditc, den Respekt vor der britischen Behörde bei de in arabischen Mob restlos zu töten. Hat sich schon die Militärverwaltung nicht durch besondere Stärke ausgezeichnet, so war dies womöglich noch weniger der Fall bei der Zivilverwaltung. Das HLnausschieben der Aburteilung und Bestrafung Von Verbrechern und der Auffindung und Herbei* Schaffung der Plünderungsbeute wurde ununterbrochen beobachtet. Unmittelbar nach den Exzessen der Araber gegen die Juden unterbreiteten die arabischen Führer dem Oberkommissar eine ganze Reihe von Forderungen, darunter die Einstellung der gesamten jüdischen Ein- Wanderung, die Ausweisung der in der letzten Zeit cingewandcrten Juden, die Einberufung eines Parlaments, und, int allgemeinen gesprochen, das Ende der Politik der jüdischen nationalen Heimstätte, Gleichzeitig aber kabelten sic an den König von England und an die französische Regierung die Forderung auf Entfernung Sir Herbert Samuels und des Staatssekretärs iür juristische Angelegenheiten, Mr. Norman Beut iv ich. Als Geschenk dafür brachte ihnen der Obcrküiitmissar die Einstellung der jüdischen Einwauderung. Wenige Tage später wurden unter dem Druck einer Pöbddemanstratku» den wegen des Angriffs auf Chcderah mit Geldstrafen belegten Dörfern, aus denen *Ich diu PlüwJeKr rekrutierten, diese Strafen erlassen. Gleichzeitig wurde bekanntgemacht, daß der Obcrkoinmissar mit der Regierung Sr. Majestät in Verhandlungen stehe und am Geburtstag des Königs wichtige po!itische Erklärungen abgeben werde. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß die systematischen Unruhen das Ergebnis von Agitationen waren und die ersten Früchte eines bestimmten festen Planes sind. Verbrechen und Ausschreitungen wurden imgesühnt verübt und oft nicht ohne Zeichen der Anerkennung gelassen, ln den Augen sowohl der ärgsten Feinde als auch der besten Freunde der Verwaltung galt ihre Schwäche als ihre hervorstechendste Eigenschaft. Manches mag auch zur Entschuldigung vorgebracht werden. Die aus den Distrikten einlaufenden Berichte ließen die Möglichkeit eines allgemeinen Aufstandes erkennet». Das Militär erklärte sich unfähig, gegen eine solche Masse vorzugehen. Die Angst vor einem Seite 393 zweiten Mesopotamien beherrschte den Oberkommissar unausgesetzt. Diese Befürchtungen waren augenschctu* lieh übertrieben, und die Ratgeber der militärischen Verwaltung und die Spczialbcratcr des Obcrkommissars zeigten keine 'Neigung, diese Befürchtungen zu zerstreuea Die Armee ist durcliaus keine Freundin der Baifour-Deklaration und auch der Großteil der Beamten einschließlich mehrerer solcher, die auf einflußreichsten Posten stehen, sine! ihr nicht sonderlieh zugetan. Wir kennen nunmehr die politischen Erklärungen des Obcrkommissars. Er selbst betrachtet sie als ein Einlenken vor dem Irrtum, den er durch die Aufhebung der Einwanderung begangen, und als eine notwendige Aendcrung der Politik, damit ernstere Wirren abgewehrt werdea Die Zeit wird lehren, ob der Oberkommissar mit seinem Vorausbück recht hat oder nicht. Inzwischen bekunden die Araber ihre Unzufriedenheit, weil ihnen um einige Geringfügigkeiten weniger als alle ihre Forde* rangen bewilligt wurden. Auf der anderen Seite gibt es keinen Juden, der die Erklärungen des Oberkornmissars nicht als eine völlige Zunichtemachung der Baifour-Deklaration anschcn würde; nicht die leiseste Kritik des Verbrechens als politischer Waffe, keine einzige entschiedene Erklärung, daß die Ordnung aufrechterhalten werde und Leben und Eigentum im Lande gesichert werden sollen. Die Juden zählen ihre Toten und ihre Verluste und sehen zu, wie Verbrechen und Ausschreitungen mit den weitestgehenden politischen Zugeständnissen belohnt werdea Sic fühlen sich nicht glücklich. Sie wissen wohl, daß die Zemtralrcgierung keine Neigirng besitzt, von ihrer 'Politik unter der Drohung der Gewalt ab zu weichem Sie hoffen, daß der Oberkommissar nunmehr der Anarchie endgültig ein Ziel gesetzt hat und daß fortan die Regierang auch wirklich regieren wird. Die Situation ist für den Oberkommissar schwierig und beängstigend. Sie fordert von ihm eine entschiedene Haltung. Sie fordert die Loyalität seiner Untergebenen und die verläßliche und freundschaftliche Mitarbeit der Armee. All dies müßte gesichert sein. Und wäre auch in jedem anderen Lande naturgemäß gesichert, nur nicht in Palästina. Der Zionismus auf der Konferenz der englischen Arbeiterpartei Die von den englischen Poale-Zion, welche zur englischen Arbeiterpartei gehören, unterbreitete Palästinaresolution wurde von der Jahreskonferenz der Arbeiterpartei am 23. Juni in Broghton vorgelegt Der poalezionistische Delegierte Schcrtok brachte eine Resolution ein und wurde von Mc. Lean unterstützt, Er sprach von der neuer» Verantwortung, welche der eng* lisclien Arbeiterbewegung durch die Tatsache aufcrlegt sei, daß England das Mandat über Palästina übernommen hat. ״Eine der Verpflichtungen der Arbeiterpartei ist es, darüber zu wachen, ob Palästina nur das neue Zentrum der kolonialen Ausbeutung werden soll, oder ob es ein neues Arbeitszentrum von nationa'.er und sozialer Wiederbelebung für Millionen Heimatloser Juden wird. Dk? jüdische Kolonisationsbewegung In Palästina hat nichts mit kolonialer!*olitik zu tun. Wir suchen in Palästina keine neue Kolonie für unser Mutterland, sondern ein Mutterland für unsere zerstreuten Kolonien. Wir wollen dort weder Rohstoffe für unsere Industrie, noch einen Markt für unsere Fabrikanten finden, sondern neue Arbeitsquellen und ein neues wirtschädliches Leben für unser Volk.“ Schcrtok erklärte ferner, daß die zionistische Arbeiterbewegung nicht in Konflikt mit den Interessen der arabischen Arbeiter und Bauern stellt, und Uaß die kolonisatorischen Möglichkeiten des spärlich bevölkerten Landes sehr große sind, wenn sic nicht künstlich eingeschränkt werdea Er schloß mit den Worten: ״Wir brauchen die Hilfe der internationalen Arbeitcrbewcgnng — vor allem Ihre Hilfe. Das jüdische Volk hat wahrend des Krieges in beispiellosem Elend gelebt. Die zehntausende ermordeter Juden in der Ukraine, in Polen und in Ungarn geben Zeugnis da- 1״oa Der wirtschaftliche Ruin ist unbeschreiblich. Die Tore fast aller Länder sind den Einwanderern verschlossen. Palästina ist natürlich noch nicht imstande, die Millionen aufzimdmicn, die einwandern möchten. Es muß aber ein Anfang gemacht werdea Nur die Hoffnung, daß wenigstens zukünftige Geschlechter ein freies und gesundes Volk in Palästina erleben werden, gibt unseren Massen den Mut zmn Auslurren!“ Der folgende Redner, Mc. Lean, sagte: ״Ich möchte die Resolution unserer jüdischen Kameraden unterstützen. Wir wissen, daß cs eine Bewegung im jüdischen Volke gibt, welche die Rückkehr der Juden nach Palästina erstrebt. Die britischen Arbeiter haben stets das Recht aller unterdrückten Nationalitäten auf Selbstbestimmung unterstützt. Ueberdies sollten wir das Recht des ältesten aller Völker anerkennen, des Volkes, das mehr zerstreut und unterdrückt worden ist als irgendein anderes, in das Land seiner Väter zurückzukehren und dort sein Leben gemäß seiner eigenen nationalen Tradition zu entwickeln. Jüdische Kameraden! Die britisdhen Arbeiter rufen Euch zu: Gott fördere Eure Arbeit!“! Die Resolution wurde einstimmig mit Beifall angenommen.

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