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Jüdische Rundschau · 1921-07-05 · Heft 53 (5.7.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 53 (5.7.1921)
Date
1921-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 378 JÜEPISCHE RUNDSCHAU stolz sein können. Aus einer türkischen, der Auabeutung der Effomlis und der Erpressung einer bestechlichcn Beamtensdiaft ausgeliefertcn Satrapie, die noch alle Schrecken des Krieges durchgcmacht hat, ist in kurzer Zeit ein Land geworden, in dem alle Ansätze zu einem geordneten wirtschaftlichen und politischen Leben vorhanden sind. Das Advisory Council und die verschiedenen Orgaiiisationen des Landes sind die Keime, aus denen dereinst dem Lande augepallte politische Institutionen sich entwickeln können, kost, Telegraph, Telephon, Eisenbahnen, Chausseen, Häfen werden nach europäischem Muster vervollkommnet, die Zölle und Steuern sind geregelt und konnten sogar in manchen Fällen herabgesetzt werden. Die Anfänge eines eigenen Landessehulsy.stems sind gemacht׳ worden. Die Regierung hat Schritte lmtemommen, um die Landwirtschaft zu heben. Das Land bat •zuin ersten Male ein eigenes Budget erhalten, das ausschließlich vom Lande selbst gedeckt wird. Weitere Reformen, zu deren Durchführung man größere Mittel braucht, die nur auf dem Wege einer Anleihe aufgebracht werden können, müssen bis nach der Ratifizierung des Mandates verschoben werden. Bedenkt man die Schwierigkeit der Aufgäbe, die Samuel zugefallen ist, bedenkt man weiter, daß sich Palästina noch immer in einem Ex-lex- Zustand befindet, der weitgehendere und dnscliueidende Maßnahmen nicht gestattet, daß das Verhältnis zu den Nachbarländern noch nicht geklärt ist, wird man erst die Leistung Samuels in diesem Jahr zu würdigen verstehen. Seine Lage ist keine beneidenswerte. Er ist von den Arabern, nach den! glanzvollen Auftreten in den erstem Tagen ״Malik-al-Jahud“, König der Juden, genannt worden. Es gibt aber nichts tragischeres, als einen verlassenen König. ״Der König rief und alle alle kamen“. Wir haben ihn im Stich gelassen. Wir verlangen Rechte, ohne daß wir imstande wären, diese Rechte, die auch Verpflichtungen nach sich ziehen, auszuüben. Seine Lage ist um so tragischer, als er, der dazu berufen war, in Palästina eine jüdische Heimstätte zu errichten, durch unsere Untätigkeit gezwungen ist, das Land ohne uns, also mit den Araber« zu entwickeln, was auf unsere Arbeit in den nächsten Jahren hemmend wirken muß. Aus dieser Stirnmutig heraus ist die Rede vom 3. Juni zu erklären. Sie sollte der Lärmpolitik der Worte ohne Taten ein Ende machen und die Araber beschwichtigen. Er sagte, vielleicht in einem Tone, der etwas würdiger hätte sein können, was wir bereits früher gesagt haben: Die Baifour-Deklaration ist ein verstellbarer Rahmen. Jeder Jude, der nach Palästina kommt, erweitert diesen Rahmen, aber auch nur wenn er dort ist. Man kann die Entwicklung Palästinas nicht solange hemmen, bis wir einmal unsere Streitigkeiten beendet haben über den Heist des Judentums, über Maximalismus und Minimalismus, über Sozialismus und Privatinitiative, über Entwurzelung und Verwurzelung usw. ״Stroh wird uns nicht gegeben, aber Ziegel verlangt man von uns,“ Wir haben Samuel schmählich im Stich gelassen und — murren gegen ihn. Erst müssen wir unsere Pflicht tun und die Mittel für eine größere Einwanderung aufbringen. Es wird sich sodann heraussteilen, daß der von Samuel entworfene Einwanderungsplan so elastisch ist, daß man sogar große Massen nach Palästina bringen kann. Diplomatische Reden sind immer dehnbar, es kommt in der Politik nur auf die reale Wirklichkeit an. Diese Wirklichkeit zu schaffen — ist unsere Pflicht. Sie hängt nur von uns ab, von uns allein, nicht aber von guten oder schlechten diplomatischen Reden. lun wir in diesem Jahre unsere Pflicht und wir haben im nächsten Jahre eine bessere Rede — wenn wir schon auf schöne Reden solchen Wert legen . . . Konferenz der europäischen Landesverbände Dienstag, den 5. Juli, treten in Wien im Saale des mederösterroichischen Ocwerbcvcreines die Vertreter last aller mittel- 11 nd osteuropäischen zio-!'!1!״!״״ " d u s v c יי b « » d e zusammen, um in _ angloser Weise zu den kardinalen Fragen des nst1>1־r uVic |י .r *־' s * * * Stellung zu nehmen. Vonsciten des «tL?Wk‘VCrbandC* 8i״d diU Herren 1״«• zu dieser3K״״füht־ ,d0״ Mhm ״nd Dr• Tartakowcr verbind dclcK״rt• Dcr Deutsche Landesmuf Kurt Blutcln.n'” Felix R0*e״blttth uiiu tvui 1 *> 1 u m c n f c 1 ü vertreten. ׳״׳ ׳־* .*'״״״ f»«» pdultoVUlL;. s(“cr 1״p“ Orcj-35rocl Ein palästinensische* Parlament Jerusalem, 28. Juni. (J.C.B.) Der High Commissioncr Sir Herbert Samuel übermittelte dem Waad Leumi eine offizielle Mitteilung, daß das englische Kolo 11 ia Im in is ter iunt seinem Vorschlag auf Einberufung eines aus der licvölkerung Palästinas zu wählenden Pari a ments zugesti m m t habe. Die Mitteiluug besagt weiter, da» demnächst die Verfassung für Palästina proklamiert werden soll, die den Text der Baifour-Deklaration enthalten wird. Die jüdische Einwanderung wird In Uebereinstimmung mit der Erklärung des Oberkommissärs vom 3. Juni erlaubt und geregelt werden. ’ Die unerwartete amtliche Mitteilung Sir Herbert Samuels rief unter der palästinensischen Judeuheit, insbesondere itn Waad Leumi, die größte Ueberrasdmng hervor. Der Waad Leumi trat zu einer außerordentlichen Vollsitzung zusammen, um die durch die eingetroffeticn Mitteilungen des Oberkommissärs geschaffene Lage zu erörtern. Zwei Mitglieder des Waad Leumi, und zwar die Herren David Yellin und Ben Zwi, begeben sich nach Prag, um an der Sitzung des großen zionistisdien Aktionskomitees teilzunelunen und dort einer! ausführlichcn Bericht über die gegenwärtige politische Lage im Lande zu erstatten, Einstellung arabischer Zeitungen in Palästina Jaffa, 28. Juni. (J.C. B.) Die ' Behörden haben das Erscheinen des arabischen Blattes ״Pa 1 c sti ne“, welches trotz wiederholten Verweises die Herze gegen die Juden und Zionisten fortführte, verboten. Der in Damaskus erscheinenden arabischen Zeitung ״A I i f Ba“ wurde von der palästinensischen Zensurbehörde die Einfuhr nach Palästina verboten. Die Bilanz der Exzesse in Jaffa Jerusalem, 25. Juni. (Privat.) Jakob Kleba- 11 ow, früherer Generalsekretär der Zionistischen Organisation in Rußland, welcher sich jetzt in Palästina belindet, zieht folgende traurige Bilanz über die jiidischen Verluste bei den Exzessen in Jaffa: Die •10 Toten, welche diesen Exzessen zum Opfer fielen, hinterließen etwa 20 Witwen und Waisen. Von den 200 Verwundeten haben etwa 100 von ihrer Hände Arbeit siclr und ihre Familien erhalten, von ihnen befinden sielt Iris heute noch 19 in Spitalspflege und sind arbeitsunfähig. Etwa 2000 Personen wurden obdachlos und können nicht in ihr Heim .zurtickkchrcn. Etwa 300 Familien haben materiellen Schaden erlitten. Ungefähr I 200 Familien wurden gänzlich ruiniert. Etwa 300 Per- I sanen wurden durch die Einstellung verschiedener Arbeiten und Betriebe infolge der Exzesse arbeitslos, Dr. Eder über Samuels Deklaration Jerusalem, 29. Juni. (J.C. B.) Das Bulletin der ״Zion. Kommission“ vom 10. Juni enthält eine Kundgebung von Dr. Eder, die zur Deklaration Herbert Samuels Stellung nimmt: ״Die Rede des Oberkommissärs ist vom ganzen jüdischen Jiselutw iu Paliistiiu mit großer Niedergeschlagenheit aufgciiouimen worden. Schon im ersten Teile seiner Rede, die das Erzielmngswesen im Lande behandelte, schlug der High Commissioncr einen tm- I angenehmen Ton an, indem er mit keinem Worte der großen jüdischen Bi'diingsaiistncngiingeu Erwähnung getan, obgleich die Juden die einzigen Volks-, Musik- und Handelsschulen in diesem Linde unterhalten. Der 1 weitere Teil seiner Rede, in welchem von der p.)litischen Lage gesprochen wird, war durch einen Konimentar über die Baifour-Deklaration ciogeleitet, für welchen in allem über dieses Thema bisher Geschriebenen oiler Gesagten keinerlei Berechtigung vorhanden ist. Der | Oberkommissür erklärte, daß die englische Regierung J niemals darein willigen wird, den Arabern die heiligen Stätten oder das Land überhaupt wegzunehmen, oder daß daselbst eine jüdische Regierung begründet werde, mit über die mohammedanische und christliche Mehrheit zu herrschen. IX>r Obcrkonmüssar unterließ es jedoch, gleich die Aufklärung hinzuzufügen, daß das jüdische Volk niemals solche Wünsche v o r g c b r a c h t hat. Dies sei nicht die richtige Art der Herbeiführung einer Verständigung zwischen den Arabern und den Juden. Weiter wurden in dieser Rede die Schritte augckiindigt, die unternommen werden sollen, um die mohammedanische und diristliehe Bevölkerung davon zu überzeugen, daß die englische Regierung gerecht handeln werde, ohne daß dabei auch nur mit einem Worte erwähnt worden wäre, was die Regierung zur Sicherheit der jüdischen Bevölkerung zu unternehmen gedenke. Es ist jedermann im Lande bekannt, daß an der Spitze der meisten Verwaltungsdepartemcnts englische Beamte stehen, während sich die Departcments für Finanzen und Votksgesundhcit in arabischen Händen befinden, Mau luthe erwartet, dnli zumindest nach den Ucbcr- Lilien auf die friedliche jüdische Bevölkerung in den Kolonien Petach-Tikwalt, Owtierali, Kfar-Saba, FüHIni und Rechoboth diejenigen, welche Mord und Plümlerang zur politischen Waffe machten, verdammt werden würden. Statt dessen wurden die Juden bestraft, die _ __ Nr. 53 sich auf die englische Regierung und deren Versprcchungen verließen und zahlreidte Opfer brachten um in das Land ihrer Väter m kommen und sich daselbst anzusiedeln. Die Rede des Oberkomtnissärs klingt jedoch so, als ob die Einwanderung als Strafe für die Juden eingeschränkt wäre und als ob sie diejenigen wären, die geplündert, gemordet und vcr. wund et hätten. Warum habe denn der Oberkommissär nicht die arabische Polizei verdammt? Der High Commissioncr drückte den Wunsch nach Frieden zwischen allen Einwohnern im Linde aus, dies ist auch unser Wunsch. Er möge aber nicht vergessen daß unter den Einwohnern Palästinas sielt auch Juderi befinden, daß die Judeuheit der ganzen Wt|t ihre Blicke auf Sir Herbert Samuel wendet, daß er Frieden und Gerechtigkeit in diesem Lande wieder, herstelle und daß diese Wohltaten sowohl der jy. dischen als auch der nichtjüdischen Bevölkerung Palä. st Inas gegenüber angewendet werden sollen.“ Vom jüdischen Schulwerk in Palästina Dem vom Waad Hachimich herausgegebenen Reellenschaftsbericht über das dem Waad Ha/irim um«• stellte Schulwesen während der Jahre 5078/81 ist zu entnehmen: In den Jahren 1920 und 1921 sind zu den früher vorhandenen 10 573 Schülern noch 2658 Schul« hinzugekommen. Die Zahl der Schulinstitutioiien hat sich von QJ auf 135 erhöht, einschließlich der 26, die bereits früher bestanden und erst ün letzten Jahre dem Waad Hachinuch unterstellt worden sind. Die Zunahme der Schüler ist außer der natürlichen Entwicklung besonders der Eröffnung der neuen Kindergärten und der Ucbcrnahmc des lca-Schulwcrkcs mit 122() Schülern zu verdanken. Die Zahl der Mittelschulen mußte infolge der Knappheit der Geldmittel verringert werden; das Knaben- und Mädchengymnasium in Jerusalem wur• den vereinigt, ebenso die Jcscliihatli Harnischtalmim in Jerusalem mit dem Lehrerseminar in Petach-Tikwah und dem Lehrerseminar ״Misrach i“, weshalb sich auch die Zahl der Schüler in diesen Anstalten verringerte, so daß, wenn man von den lea-Schulen absieht, die Zunahme der Schüler im Jahre 192t nur 3,-1 Prozent ausmaeht. ln den dem Waad Hachinuch unterstellten Anstalten unterrichteten im Jahre 1919 4-18 Lehrer und Kindergärtnerinnen, im Jahre 1920 4S4 und im Jahre 1921 506. Das 7ionlstische Schulwesen fra Staatsbudget Jerusalem, 23. Juni. (J.C. B.) Das palästinensisehe Staatsbudget für das Finanzjahr 1921/22 sieht eine jährliche Subvention von 2675 ägyptischen Pfund für das zionistische Schulwesen im Lande vor. Diese Subvention wird unter anderen an die Bedingung geknüpft, daß diese Schulen, ungeachtet ihres privaten Charakters, jederzeit den Aufsichtsorganen des Staatliehen Direktoriums für Bildung und Unterricht zur lnspizierung offenstehen sollen. Eio Teil der Manuskripte Brenner» gefunden J. C. B. meldet aus Jerusalem, daß die bei der Ermondiutg Brenners verloren gegangenen Manuskripte nunmehr gefunden worden sind. Unter den Manuskripten befindet sich ein großer Roman ״Bat’chilla“ (Am Anfang), zwei kleinere Erzählungen, sowie eine ganze Reihe von Notizen. Auch das ganze Material für das 12. Heft ״Haadainah“ wurde dabei gefunden. Scheinbar fehlen aber noch eine ganze Anzahl Manuskripte. Aus einer Widmung für sein Kind ist zu entnehmen, daß er eine große Anzahl Romane und Novellen hinterlassen hat Jahreskonferenz der amerikanischen Poale-Zion London, 29. Juni. (J. C. B.) Die Jahrcskonicrenz der amerikanischen IVxtlc-Zion wird Ende Juli in New York zus imimmtreten. Ingenieur Kaplanski ist bereits in Vertretung des allwelt!ichcn Verbandsbiiros nach New York zur Konferenz abgereist. Namens des Arbeitssekretariats in Palästina schiffte sich der Arbeiterführer B. Katznelson nach Amerika ein, um daselbst vornehmlich für die palästinensische Arbeiterbank zu wirken. * Die wichtigste Frage, die die Konferenz ßeschäftigen wird, ist zweifellos die Frage der Teilnahme am zionistisdien Kongreß. Derzeit bestehen zwei Strörnungen, vor» denen die eine fiir Teilnahme ist, die andere die Teilnahme ablehnt. Es scheint also, als ob eine neue Spaltung innerhalb des ,abgespaltcncn ״rechten“ Poale-Zkni-Verbamlcs bevorstände, was sehr zu bedauern wäre und holfentlidt im Interesse der jüdischen Arbeiterbewegung vermieden wird. Kaplattski und Katznelson sind tür die Beteiligung am Kongreß, und hoffentlich wird es ihrem Einfluß gelingen, die amerikanischen Poaic-Zion, die wichtigste Landsmannschaft außerhalb Palästinas, für diesen Standpiuikt zu gewinnen. Ein Scholem Alejchem-Denkmal In Amerika In Anwesenheit vieler Schriftsteller und Verehrer wtn Scholen! Alcjdtcm ist in New York am fünften Todestage des Dichters sein Denkmal enthüllt worden.

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