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Jüdische Rundschau · 1921-07-05 · Heft 53 (5.7.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 53 (5.7.1921)
Date
1921-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für TecbechoalowekeU PeaUperkeeaenemt Preg, Konto Nr. 156030. *־־* RedektiooaachluS Sonntag und Mittwoch ■ecbmittag. —• »כט, פיון* תרפ״א | xxvi. jahrgT Der Zionismus erstrebt fflr das JOdlsche Volk die ScHaflung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.״ Zum XII. Zionistenkongreß Bckanntmccliung Ober die Wahlen innerhalb der Z. V. f. D. Die Wahlen zum XII. Kongreß finden in der Zeit vom 31. Juli bis zum 7. August 1921 statt. Jedes Mitglied der Zionistischen Organisation Ist wahlberechtigt mit erreichtem 18. Lebensjahr, wählbar mit erreichtem 24. Lebensjahr. Die Wahlen finden nach dem System der Proportionalwahl mit gebundenen Listen statt. DieZ.V.f. D. bildet einen einheitlichen Wahlbezirk. Jede Ortsgruppe bildet einen Stimmbezirk. DerVoratand derOrtsgruppe gilt als Wahlausschuß für den Stimmbezirk. Die Wahlvorschläge sind spätestens bis zum 19. Juli 1921 einschließlich im Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8, einzureichen. Für jeden Bewerber kann ein Ersatz• bewerber benennt werden, der an die Steile des Bewerbers tritt, falls dieser ausscheidet. Kein Bewerber darf auf mehr als einem Wahlvorschlag an erster Steile stehen. Jeder Wahivorschlag muß von mindestena 100 Wählern unterzeichnet sein. Kein Wähler darf mehr als einen Wahl- Vorschlag unterschreiben. Auf das in der heutigen Nummer der ״jüdischen Rundschau“ veröffentlichte Wahlrcglementwird im übrigen verwiesen. Es wird hierdurch zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufgefordert. Die Wahlausschüsse (Ortsgruppenvor■ stände) werden gleichzeitig aufgefordert, die erforderlichenMaßregeln für die Durchführung der Wahlen nach den Vorschriften des Wahlregletnents vorzubereiten. Berlin, 4. Juli 1921. Oie Haußtwahlkommisston der Zionlstischeo Vereinigung für Deutschland I. A. Rosenblöth. « Die Sitzung des Actions-Comit£s Das Londoner zionistische Büro teilt mit: Die Sitzung des Actions-Comitcs beginnt in Prag am 10. Juli, Folgende Mitglieder der Exckutive werden tcilnehinen: Weizinann, Sok o J o w, Cowcn, Jabotinsky, L i c 11111 e i m, U s s i s c 11 k i n und R u p p i n. Dr. Eder ist in- •folge dringender Unabkömmlichkeit in Palästina verhindert, an der Sitzung teilzunchmen. Das Direktorium des Keren Hajessod wird vertreten sein durch Dr. Fe i we 1 und N a i d i t sc 11. Die Sitzung wird sechs Tage dauern. Die Tagesordnung ist folgendermaßen in Aussicht genommen: 1. Bericht über die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung. — Referenten: Weizmann und Sokolow, 2. Finanzbericht — Josef Cowcn. 3. Bericht über Keren Hajessod — Dr. Fei wcl und Naiditsch. 4. Bericht der Zionist Commission — U s s i s c hkin und Ru pp in. 5. Bericht über den Nationalfonds — Prof, W a r b ti r g. 6. Bericht über Immigration, Organisation und Vorbereitung des Kongresses — Lichtheim. Ferner werden in Prag Sitzungen des Direktoriums des Keren Hajessod, des J. C. B., der A. P. C. und des J.M.S. stattfinden. Za den Kongreßwahlen In der Sitzung des Landes Vorstandes vom 3. Juli t<)21 wurde eine H auptwafokommission zur Leitung d״J Wahlen im Gebiete Oes Deutschen ,Reiches eingesetzt, der Vertreter aller Gruppen angehören. Ein Jahr Herbert Samuel Von Ch. A. Krupnik. Es war nicht Konigsgeburtstag allein, den Samuel zum Anlaß für seine Rede vom 3. Juni über seine bisherige Tätigkeit in Palästina genommen hat. ln diesen Tagen jiilirt sielt zum ersten Male die Zeit, in der die englische Regierung, unserem Drängen nachgebend, die Militärverwaltung, die uns jede Arbeit in Palästina unmöglich machte, absetzte und an ihrer Stelle eine Zivilverwaltung einsetzte. Um uns jeden Zweifel an das Wohlwollen dieser Regierung zu nehmen, stellte die englische Regierung an die Spitze der Zivilvcrwalnmg Herbert Samuel, einen der besten engliseiten Administratoren und Politiker, der nicht nur ein stolzer Jude ist, sondern sich offen zum Ziotiismus bekannte und als Zionist nach Palästina ging. Das war der Höhepunkt unserer Erfolge, das war die Krone des Werkes von Versailles und San Remo. Dieser Erfolg der zionistischen Politik war um so überraschender, als sie nur von einem Teil des jüdischen Volkes — dem lebendigsten - - getragen wurde und sich auf keine reale Macht, mit der allein man in der Politik zu rechnen gewöhnt war, stützen konnte. Es war die Macht der I d c e, die die weitsichtigen englisclien Staatsmänner als werdende reale Macht hoch cinschätzten. Es war der (ilaube an unsere Zukunft, an unsere Opfcrwilligkcit, an unsere Fähigkeit, die uns gegebene Chance auszunutzen, um unseren zweitausendjährigen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Von diesem Glauben war auch Wei z 111:11111 erfüllt, als er sich bei der englischen Regierung über die Schikanen der Militärverwaltung beklagte und ihre Entfernung als eine Vorhediugting für den Beginn unserer Tätigkeit verlangte. Es ist vielleicht nicht uninteressant, liier das zu wiederholen, was Wciznianti am Abschiedsbankett in Anwesenheit von englischen Politikern über die zukünftige Tätigkeit von Samuel gesagt und was ihm dieser geantwortet hat. Es heißt in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 2. Juli v. J. (Nr. 43): ״Der Vorsitzende Dr, Wcixninnn begrüßte Herbert Samuel. Es sei schwer für die jetzt Lebenden, so führte er in seiner Rede aus, die ganze Bedeutung der jetzigen Vorkommnisse zu begreifen. Der High Commissioncr gehe jetzt nach Palästina im Namen der englischen Regierung wie auch der Liga der Nationen, die der Schaffung eines jüdischen natiolialen Heims für Palästina zugestiinmt hat. Eine große Aufgabe stellt ihm bevor, große Schwierigkeiten stellen sich ihm entgegen, aber auch große Möglich• keilen bieten sieh ihm. Er hat den jüdischen Common• wealtb in allen seinen Zweigen zu entwickeln. Er muß auch die Brücke schaffen zwischen den Juden und den anderen Völkern, ganz he.xmdcrs dem arabischen Volke, mit dem wir in Frieden und Freund- Schaft leben wollen. Groß und schwer sind die Aufgaben, aber die englische Regierung konnte zu deren Durchführung keinen passenderen Mann wählen als Herbert Samuel. Er opfert jetzt für Palästina seine brillante Karriere. Ich bin sicher, sagt Wcizniami, daß der Segen des ganzen jüdischen Volkes Samuel auf seinem Wege begleitet. Die ganze Welt wird von nun ab auf uns Juden blicken, was wir tun, und ich bin sicher, daß das jüdische Volk in Ehre seine Pflicht erfüllen wind. In seiner Antwortrede führte Samuel aus; Es wurde gesagt, daß ich Palästina meine Karriere opfere. Ich betrachte jedoch meinen Schritt keineswegs als Opfer, sondern als Privilegium. Ich bin mir clor Bedeutung dieses wichtigsten Momentes in der Geschichte des jüdischen Volkes und des Heiligen Landes vollauf bewußt. Das Schicksal des jüdischen Volkes ist eng verbunden mit dem Lande, und umgekehrt. Mein sehnlichster Wunsch ist es, auch den Wohlstand des arabischen Volkes zu fördern. Wir wünschen einen starken arabischen Staat als Nachbarn. Ich bin überzeugt, daß, wenn unsere Gefühle sich in Taten unisctzcii werden, kein Raum mehr für Zwistigkeiten sein wird und alle Anzeichen von Streit, wie sie leider letztens vorgekommen sind, verschwinden werden. Ich werde in Palästina unparteiisch sein. Ich bin mir der Schwierigkeiten voll bewußt, jedoch gewohnt, Schwierigkeiten zu überwinden.“ Am 2. Juli landete Samuel in Jaffa und tun 7. Juli verlas er im Regierungspalais auf dem Oelberg vor den Vertretern aller Gruppen und Schieltten der Bevölkerung die ״Königliche Botsehaft“, in der die Richtlinien der zukünftigen Politik in Palästina dargelegt waren, ln aller Erinnerung ist noch die freudige Begeisterung, mit der das ganze Judentum die ersten Schritte Samuels in Palästina verfolgt hat. In jenen Tagen war das Wort Weizmanns von dem ״Segen des ganzen jüdischen Volkes, der Samuel auf seinem Wege begleitet“, Wirklichkeit geworden. Es ist kaum ein Jahr her seit jenen Tagen der Begeisterung und der Hoffnung, und es will scheinen, als ob unser Verhältnis zu Samuel um einen Grad kühler geworden wäre. Es ist direkt erschreckend, wie schnell wir unsere besten Mensehen verbrauchen. Ohne in unserer Geschichte billige Vergleiche mit anderen Führern zu suchen, die wir ebenfalls bei dem ersten Mißerfolg, der dazu noch vom Volk verschuldet war, im Stich gelassen haben, muß man sagen, daß hier Samuel von uns, die nichts von unseren Versprechungen gehalten haben, ein großes Unrecht geschieht. Dieses Unrecht ist aber auch eine politische Kurzsichtigkeit. Wenn Samuel das einzige, was er von uns bisher erhalten hat, nämlich unsere moralische Unterstützung, verliert, dann kann er sich nicht mehr halten, er muß gehen. Seine Rolle gilt dann als ausgespielt, denn er ist nicht nach Palästina gegangen, um dort einen arabischen Staat zu gründen. Der Abgang Samuels müßte aber von der ganzen politischen Welt als unser Bankrott gedeutet werden. Samuel ist nach Palästina als unser Mann gegangen. Ein Mißtrauensvotmn für ihn ist das Eingeständnis unseres Versagens, ist ein .politischer Selbstmord. Wir werfen Samuel den Progrom in Jaffa, die schlechte Untersuchung, die unterbrochene Ein- Wanderung und schließlich die Rede vom 3. Juni vor, in der die Balfour-Deklaration eine abschwächende Auslegung gefunden hat. Gewiß, es war für uns ein schwerer Schlag, ein Pogrom in Palästina! Die Gloriole uni Palästina, die uns ukrainische Szenen in Palästina unmöglich scheinen ließ, ist um vieles dunkler geworden. Aber sind nicht wir selbst schuld daran, daß wir uns von dieser Gloriole haben blenden lassen und den vielen Anzeichen einer Pogromvorbereitung, die die hebräische Presse Palästinas jetzt veröffentlicht, keine Aufmerksamkeit schenken wollten? Wir haben die Araber durch demonstrative Forderungen herausgefordert, die in der Praxis sofort nicht erfüllt werden können, und zwar durch unsere Schuld. So verlangen wir noch jetzt bei jeder Gelegenheit die ״freie Masseneinwandernng“ und waren verstimmt, als Samuel vor ungefähr acht Monaten der Zionistischen Organisation 16 500 Pässe zur Verfügung gestellt hat, die die Einreise von zirka 80000 Personen bedeuten könnte. Wir erwecken bei den Arabern den Eindruck, als ob wir uns in Massen auf Palästina stürzen wollten, jagen ihnen unbegründete Furcht ein, die in das Gegenteil Umschlägen muß, sobald sich unsere absolute Schwäche hcrausstcllt. Das Sodom-Gericht von Jaffa ist uns bis jetzt poch in der Tat völlig unerklärlich, dies tun so mehr, als an der Spitze des Justizwesens in Pa- Jästina ein Jude und alter Zionist steht. Was aber die Unterbrechung der Einwanderung betrifft, so ist es nur zu bedauern, daß sie in Verbindung mit den Ereignissen von Jaffa gekommen war und von den Arabern als ein Zugeständnis aufgefaßt wird. Es muß aber offen heraus gesagt werden, daß, nachdem wir ein ganzes Jahr haben verstreichen lassen, indem wir uns nur mit inneren Streitigkeiten beschädigten, ohne auch nur das geringste fiir die Ohaluxim zu tun, die weitere Einwanderung ohnedies hätte eingeschränkt werden müssen. Wenn es in Palästina auch keine Araber gäbe, man könnte auch dann nicht größere Einwanderer-!nassen dorthin bringen, ohne für sie Arbeit und Lebensmittel vorbereitet zu haben. Diese Vorbereitung aber war die Voraussetzung, von der Samuel nicht erst am 3. Juni d. J., sondern in der oben zitierten Rede vom 15. Juni v. J. in London sprach. Die Rede vom 3. Juni machte auf uns deshalb einen deprimierenden Eindruck, weil wir alles vergessen haben, was Samuel unzählige Male vorher gesagt hatte, und weil wir hier nur denjenigen Teil von ihr gelesen haben, der sich auf die weitere Politik bezieht. In der Rede, deren voller Wortlaut uns jetzt vorliegt, gab aber Samuel auch einen Ueberblick über seine Tätigkeit im Laufe des ersten Jahres seiner Regierung. Es ist eine I Glanzleistung eines Juden, auf die wir mit Recht

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