Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-06-24 · Heft 50 (24.6.1921) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 50 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652359--14111-2671900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 50 JUED!SCHE RUNDSCHAU Seite 359 iO dten uvie. •che, »gor flau, 1917 derben, regt eser sich ete. ree •rrs. üllt, iem als daß daß und gev־.־i r, Ort Es des!runtinet che im ber 'erin ich!eit me die > i ־ a s so cn, nddie ige Montag, 27. Juni, 79־ Uhr, Blüthnersaal Redner: Eintritt 8 Mark. Die Lage der Juden in Polen Für die soeben eröffnet« Ssejmsession haben die jüdischen Abgeordneten eine Reihe von Interpellatkineu vorbereitet, bezüglich der letzten Vorfälle und des Verhältnisses der Regierung zur jüdischen Bevölkerung, so u. a. wegen des Ucberfalles der Warschauer Polizei auf die Maiversaminlungcn der jüdischcn Arbeiter, Konfiskation und temporäre Ein- Stellung der ״Hazcfira“, des amtlichen Boykotts der Juden und des Vorgehens, welches antisemitische Oehcimerlässe herausgibt. Eine Abordnung intervenierte beim Qcneraldelegierten, Dr. Galccki, in Angelegenheit der jüdischen Emigranten, die in letzter Zeit von den Behörden aus der sogenannten neutralen Zone wieder über die So vv j et g re n ze abgcschobcn werden. Die Delegation überreichte L>r. O a 1 c c k i die eingetroffeneu alarmierenden Telegramme und verwies auch auf den Leitartikel der ״Chwila‘‘ vom 9. Mai, worin über die zwangsweise Abschiebung der Flüchtlinge über den Zbrucz durch den Bezirkshauptmann von Skala berichtet wird. Der Oeneraldclegierte brachte der Angelcgcnlicit sein regstes Interesse entgegen und berief eine Konferenz mit den Referenten des betreffenden Departements ein, als deren Folge einer der betreffenden Hofrate in den Skalaer Bezirk delegiert wurde, mit dem Auftrag, die Durchführung der Verordnungen zu sistieren bezüglich derjenigen Auswanderer, die iltre Identität dokumentieren können oder für deren Identität das lokale Rettungskomitee die Bürgschaft übernehme. Wie die jüdischen Blätter aus Polen melden, haben sich au der Grenze geradezu haarsträubende Dinge ereignet Die unglücklichen Flüchtlinge wurden an der Orenze der bolschewistischen Ordnungstrnppe ״Tschercswytschaika“ übergeben, was bei den Methoden dieser Bande geradezu der Todesstrafe gleichkommt, da jeder Flüchtling als Oegcnrcvolutionär angesehen und behandelt wird. Die Warschauer ״Oazeta Wnrsznwska“ verlangt, daß Polen die Ostgrenzc schließe (ist inzwischen geschehen. Anm. d. R. d. ״Jüd. Rdsclt.“) und systcmatisch alle diejenigen ausweise, die von dort aufs polnische Tcrritanuai gelangt sind. Man könne jedoch folgende Konzessionen machen: Die Auswanderer sind in besonderen Internierungslagern unterzubringen; für ihren Unterhalt haben die jüdischen Vereinigungen ä Ja Alliance Israelite zu sorgen; für die Rettung ihres Lebens haben die Auswanderer eine besondere Steuer zu entrichten; jeder Auswanderer muß in der polnischen Darlehenskasse eütc Kaution erlegen, als Sicherheit dafür, daß er nicht flüchten und nach Ablauf einer ganz genau festgesetzten Frist Polen verlassen werde. Für die Unbemittelten soll diese Kaution durch jüdische Vereinigungen erlegt werden. Außerdem müsse die polnische Regierung von den kompetenten jüdischen Kreisen in England, Amerika, Frankreich und Deutschland verlangen, daß diese ihren Einfluß für das Steigen des Kurses der polnischen Mark ausüben. Sollten die Juden diese Bedingungen nicht akzeptieren, so soll die Regierung die Ostgrenze schließen und sofort mit der Abschiebung der Juden beginnen. Nach Bestätigung der Ernennung Dr. Poz n a n s k i s zum Warschauer Rabbiner durch die jüdische Gemeinde, haben die orthodoxen Vertreter an den weiteren Oemeindesitziuigen nicht mehr teilgcnommc«. In mehreren Sitzungen wurde beschlossen, daß die orthodoxen Vertreter sich vorderhand von den Ocmeindcsitzungen fern- /uhalteii und Schritte zu unternehmen hätten, damit die Regierung den erwähnten Gemeindebeschluß nicht be- *tätige. Die Ausglcichsverhandlungcn zwischen der Regierung und den jüdischen Vertretern sind allem Anscheine naclt ins Wasser gefallen. Der große Tamtam, den die polnisdtc Regierung geschlagen hat, anscheinend um dem Auslande Sand in die Augen zu streuen, hat sich wieder als ein Bluff erwiesen. Nun aber meldet sich die Agudah zum Wort. Nach gewohnter Methode sucht sie im Trüben zu fischen, und der Führer der ״Schiome Emunc Isroel“, der agudistischcn Orthodoxie, will neue Ausgkkhsverhandlungen einleiten. Er hat sich zu diesem Zwecke mit dem jüdischen Antisemiten Dr. Diamant, dem sozialdemokratischen Abgeordneten, ins Einvernehmen gesetzt. Der Plan, welcher der Regierung vorgelegt werden 90U, sicht so aus: verhandeln sollen für die Juden: die ״Schloine Emune isroel“, die jüdischen Sozialdemokraten ■und die jüdischen polnischen Assimilantcn. Bedingung: Ausschluß der Zionisten und Nationaljuden, also jener, welche bisher die Verbandhingen führten. Wie man sicht, ein volles Bündnis zwischen der Orthodoxie und den beglaubigten Totengräbern des Judentums; denn man muß wissen, wie die jüdischen Sozialdemokraten und die Assimilanten zur jüdischen Sache stellen, um ein solches Beginnen in seiner ganzen Tragweite zu würdigen. Die Orthodoxie unter Anführungszeichen versucht eben immer und überall durch Prinzipienverrat zu einem politischen Kuhhandel zu kommen und an die Stelle ehrlicher Volks■ ׳-־־**— ביום ד, כני סיון,.29 יוני תאסף אספה עברית בהשתתפותו של מנחם אוסישקץ SophienHtritfike IO, Sophleusiüe באורם 11ur*e על יד בית הנתיבות ההתחלה בשמונה ומחצה. דמי כניסה-שלשה מרק Die Judenverfolgungen in Wilna Lm Zusammenhang mit der Zwangsmobilisation, die von General Zeligowski in ״Zentral-Litauen“ betrieben wird, werden jetzt in Wilna sehr oft Razzien in den Straßen veranstaltet. Leute, hauptsäcldich Juden, die ihrem Aussehen nach im militärpflichtigen Alter stehen, werden aufgehalten. Diejenigen, die der polnischen Sprache nicht mächtig sind, also Wcißruthenen, Juden und Litauer, werden auf Zwangsarbeiten geschickt Es kommen dabei sehr oft Ausschreitungen schlimmster Art seitens der Bewachungsmannschaften vor, unter welchen hauptsäcldich die Juden zu leiden haben. Dieser Tage ist auch der Redakteur der jüdisehen Zeitung ״Najer Morgen“ aufgehalten worden, der von den Polen besonders arg mißhandelt wurde. Die Aussperrung der Juden von der Lemberger Universität Lemberg, 1. Juni. Dem ״Wpered“ zufolge, fand vorgestern in Lemberg eine massenhaft besuchte Protest- Versammlung der jüdischen Studentenschaft Ostgaliziens statt, in der gegen die Nichtzulassung der jüdischen Hochschüler zum Studium an der Lemberger Universität, energisch Stellung genommen wurde. Es wurden Be- Schlüsse gefaßt, in denen die Abschaffung der Ausnahmebestimmungen bezüglich der jüdischeu Hochschüler gefordert wird. E Sfi poiitik die Hintertreppenpolitik zu setzen. Sie wird damit in Polen kein Glück haben. Inzwischen hat Dr, Diamant Acußcrungcn getan, die von dem agudistisehen Plane sehr deutlich abrückea Einer der Gründe für das Stocken der polnischjüdischen Verhandlungen scheint das Herannahen der Wahlen zu sein, und Minister wie Parteiführer wollen sich offenbar nicht als irgendwie ״judenfreundlich“ — kompromittieren. Dagegen entfaltet die Presse wieder einen geradezu tollen Antisemitismus, die Vorgänge in Obcrschlesicn, Englands antipolnische Haltung werden als ein Werk der Juden hingcsiellt, die Polen verderben wollen, und das Organ des großen polnischen Helden und Staatsmanns Padcrcwskt berichtet von einer jüdiselten Gcheimvcrschwörung gegen Polen, deren Führer unter anderem der Zionist und englische Minister Sir Alfred Mond sein soll. Im Verhalten der Behörden und der Gesellschaft in Polen zu den Juden hat sich also nicht das mindeste geändert, die Behörden überbieten sich in Antisemitismus, beim Schankkonzessionswesen werden nur jüdische Konzessionen kassiert, das Kriegsministerium schließt in seinen Gehcimerlüsscn mit deutlicher Absicht die Juden von den verschiedensten Verwendungen aus usw. Lloyd George weiß wohl, warum er dem Geist der polnischen ״Ord- Die zulässige Emigrantenzahl aus Polen nach Amerika Warschau, 1. Juni, (J, C. B.) Das amerikanische Konsulat beginnt schon heute mit der Erteilung der Visa für die Emigranten aus Polen nach Amerika, deren Kopfzahl für das laufende Jahr nicht 36 000 übersteigen dürfe. Das Konsulat wird alle 30 000 Pässe im Verlaufe von fünf Monaten, und zwar bis 31. Ohtober laufenden Jahres visieren. nung“ mißtraut! (״Jiid. Volkszeitung“.) Abschaffung von zivilrechtlichen Beschränkungen für Juden in Polen Warschau, 17, Juni. Bei der letzten Sitzung der juristischen Kommission des polnischen Parlaments, in welcher die Abschaffung der aus der russischen Zeit überkommenen zivilrechtlichen Be- Schränkungen für Frauen behandelt wurden, stellte der jüdische Deputierte Hartglas den Antrag, auch den Absatz des bürgerlichen Gesetzbuches, laut welchem in Polen Nichtchristen nicht die Vormundschaft über Christen übernehmen dürfen, zu streichen. Sämtliche Kommissionsmitglicder stimmten diesem Antrag mit Rücksicht auf die Staatsgrundgesetzliehe Gleichberechtigung zu bis auf zwei Angehörige der nationalen Volksvereinigung (Paderewskipartei). Der Vertreter des Justizministers dagegen ersuchte zwecks Einholung von Direktiven (?) um Verschiebung eines Beschlusses bis zur nächsten Sitzung. De Kommission nahm diesen Antrag an. (W.M.) Eine jüdische Hochschule in Litauen Kowno, 1. Juni. (J.C. B.) Der Unterrichtsaus• schuß des litauischen Parlaments hat das vom jüdischen Minister Dr. S o 10 w e j t sc h i k unterbreitete Projekt für die Errichtung einer jüdischen Hochschule aus Staatsmitteln angenommen. Eine palästinensische Stimme über den deutschen Zionismus ״Haarez“ widmet dem deutschen Zionismus einen großen Artikel, in dem S. S c h w a r z anläßlich des Delegiertentages in Hannover über die Lage i11׳ deutsehen Zionismus spricht. Schwarz stellt den itohen Wert des deutschen Zionismus für die ganze Bewegung fest, der immer auf einer gewissen Höhe gestanden hat, ״Das nationale Element war zunächst nicht stark ausgesprochen, aber die Organisatkmsarbcit, die praktischen Parteiaufgaben haben die deutschen Zionisten immer glänzend erfüllt. Allmählich hat sielt der deutsche Zionisinus geändert. Die Auffassung von der nationalen Frage ist tiefer geworden. Die versprengten Reste des anationalen Zionismus, des reinen politischen Zionismus, haben das allgemeine Bild nicht gestört. Besonders war der deutsche Zionismus durch seine Disziplin und seine Geschlossenheit bekannt, die al'.ein ihm eine führende Rolle im Weltzionismus verschafft haben. Die neue Zeit hat auch in den deutschen Zionismus die Spaitungskrankhcit getragen. In den Spalten der ״Jüdischen Rundschau“ tobt der Bruderkampf, fortwährend erscheinen neue Gruppen aut der Bildflächc, die sich untereinander in nichts unterscheiden. Für die neue Föderation ״Binjan Haarcz“, die besonders ihre Treue zum Baseler Programm betont, liegt,kein Grund und keine Notwendigkeit vor, sich abzusondern. Sie betont nur den Wert der Privatinitiative für den Aufbau Palästinas und schwächt das nationale Moment i!n politischen Zionismus ab. Das ist alles.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.