Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1921)
- Date
- 1921-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 351 |||e w ■■■. ■ 49 H H-'Ziio■ tfour- Vcr. des »inte niuer de» vor. »odi , wo ihmc tcnd dem sönitten!hier ung die sten hills das gedie latsdie beit idte ime der ־ird, ws- Üildaß cht, ihre lariten;engen .usdat gu- Min Pa. Es;ine' •ing ung Bei uch lern lies an, •ur• »indn.' gs- 7all 1en ine •iit, ein zu igs ntfür 1dte. en de 7ir >rler ״g Sm, in er ui 1s er in in 1rm er in ir* et* tir ale Üd siclicrzustellen ist die Pflicht der Mandatarmacht, deren sich die englische Regierung voll bewußt ist. Nach der Rede Samuels ist es erfreulich, solche festen Worte aus dem Munde des verantwortlichen englischen Regicrungsmanincs zu hören. Churchill hat mit viel größerer Bestimmtheit von den englischen Verpflichtungen gegenüber dem Zionismus gesprochen, als es Samuel getan hat. Er hat auch deutlich ausgesprochen, daß England Gewalttaten, wie sic unlängst in Palästina geschehen sind, nicht dulden wird. Dies ist freilich eine Forderung, die unbedingt an eine Macht gestellt werden muß, der die Aufreclitcrhaltung 'der Ruhe und Ordnung im Lande obliegt. Es wäre jedoch verfehlt, wenn der Zionismus, gestützt auf Churchills Versiehe• rungen, wieder der Macht Englands vertraute und sich in Sicherheit wiegte. Gewiß ist der Schutz und die Hilfe Englands eine notwendige Vorausset/unff unserer Arbeit unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Es ist die größte politische Chance, die wir ausnützen müssen. Aber sie ist noch keine Verwirklichung. Wir müssen, belehrt durch die Tatsachen, die nächste Zeit zu intensivster, prakti- ‘•־eher und politischer Arbeit verwenden. Die durch das neue Einwanderungs-Reglement gegebenen Arheitsmöglichkeilen sind noch immer so beträchtlich, daß wir zunächst zufrieden sein könnten, wenn unsere Krähe zu ihrer vollen Ausnutzung ausreichen. Wenn der Keren Hajcssod genügend Mittel zur Verfiigung haben wird — und wenn nicht unter dein Eindruck der traurigen Geschehnisse und der aus ihnen sich offenbarenden bitteren Wahrheit das jü* disdie Volk jetzt das Geld gibt, dann müßte man wahrhaftig an seiner Lebenskraft zweifeln —, dann werden in Palästina auch Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden und wirtschaftliche Positionen, die auch politisch von der größten Bedeutung sind. Aber außerdem muß unsere Politik sein־ stark nach der arabischen Seite orientiert werden. Der vernaciilüssigte Kontakt mit den Arabern muß aufgenommen werden. Die Araber müssen über die wahren Ziele des Zionismus aufgeklärt werden. Bis in das letzte arabische Dorf muß das Flugblatt, die Zeitung, der Wanderredner kommen und den Arabern klarmachen, daß wir sie nicht vertreiben und auch nicht beherrschen, sondern mit ihnen leben wollen. Das palästinensische Judentum selbst muß sich viel stärker als bisher dieser Notwendigkeit bewußt werden. Wir müssen uns abgewöhnen, die arabische Bewegung gering zu schützen, auch wenn sic vielleicht keine nationale Bewegung im europäischen Sinne ist. Wir müssen auch damit rechnen, daß die Araber ihre antizionistische Politik weiterführen werden, und wenn wir keinen Weg finden, eine direkte Aussprache mit ihnen herbeizuführen, dann wird uns auch Churchills Deklaration nicht viel helfen. Eine Frage, die in diesem Zusammenhang wieder aufgetaucht ist und in den Diskussionen eine große Rolle spielt, scheint uns allerdings von gelängerer Bedeutung zu sein: Wir meinen die Auslegung des Wortes ״National Home“ (nationale Heimstätte). Wir erinnern daran, daß gerade wir, d. h. der deutsche Zionismus im allgemeinen und die ״Jüdische Rundschau“ im besonderen, stets gegen jene Gruppe von Zionisten gekämpft haben, die eine maximalistische Deutung des Wortes ״nationale Heimstätte“ festlegcn wollten. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß das jüdische Palästina das sein wird, was wir daraus machen, daß es schließlich nirgends in der Welt auf formale Deklarationen ankommt, sondern auf die wirklichen schöpferischen Kräfte. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen einen Juden- Staat bauen und am allerwenigsten durch einen Federstrich. Kein einziges Staatswesen der neuesten Zeit ist so entstanden, vielmehr war stets ein vollentwickeltes Volksleben da, bevor die staatsrechtliehe Selbständigkeit anerkannt werden konnte. Das Gegenteil wäre nicht nur ein Unikum in der Geschichte, sondern ist auch in sich widerspruchsvoll. Worauf wir Wert legen, ist ein blühendes jüdisclies Volksleben, in dem sich die Kräfte unseres Volkes frei entfalten können, im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Welt, wo nicht nur viele individuelle jüdische Fähigkeiten verkümmern müssen, nicht nur die Juden immer wieder in eine parasitäre Stellung hineingedrängt werden, sondern vor allem keine Möglichkeit einer originalen jüdisehen Schöpfung vorhanden ist. Diese Möglichkeit zu geben, dazu ist die nationale Heimstätte unseres Erachtens berufen. Wenn heute von gewisser zionistischer Seite gegen die Rede Samuels und den ihr entsprechenden Teil der Rede Churchills wieder Sturm gelaufen wird, so halten wir dies für einen Kampf mit Windmühlen. Es wäre wertlos, wenn die englischen Staatsmänner mit noch so emphati• sehen Versicherungen den Judenstaat in Aussicht stellen, wofern, unsere Kräfte für den Aufbau nicht ausreichen. Die Rede Churchills mit den Lobpreisungen der bisherigen zionistischen Arbeit, mit seinen bewundernden Schilderungen der jüdischen Kolonien beweist wieder, daß auch im politischen Leben nur wirkliche Leistungen, nur geschaffene Tatsachen den Ausschlag geben. Wir haben die Balfour-Dcklnratiou .und San Rcmo als historische Ereignisse gefeiert, weil in diesen politischen Akten zum erstenmal von den Weltmächten das Recht des jüdischen Volkes auf Eigenexistenz anerkannt worden ist. Diese Anerkennung ist ein historisches Ereignis von ungewöhnlicher Bedeutung. Wir waren uns aber stets darüber im klaren und haben cs in diesen Spalten immer wiederholt, daß die Deklarationen tns keine Heimstätte schaffen, sondein daß sie nur einen — allerdings ungewöhnlich günstigen — politischen Rahmen schaffen, den wir ausfüllen müssen. Es ist daher auch ein großer Irrtum, wenn heute nichtzionistische Kritiker uns Vorhalten, daß durch die neue Interpretation, die Samuel und Churchill dem Begriff ״National Home“ gegeben haben, die ״zionistische Illusionspolitik“ zusnmmengcbrochen ist, — wie es jüngst wieder Dr. Nathan im ״Deutschen Reich“ tut. Soweit der Zionismus der Wille zum Aufbau eines jüdischen Volkslebens in Palästina ist, ist er unabhängig von allen politischen Konstellationen und Interpret»- tionen. Selbst Dr. Nathan wird nicht leugnen, daß ohne diesen Willen bisher in Palästina nichts geschaffen worden wäre. Soweit jedoch der Zionismus sich politischer Methoden bedient hat, so darf man nicht verkennen, daß es ihm und nur ihm gelungen ist, die Anerkennung der Weltmächte für den Gedanken des jüdischen Palästina zu erringen. Er hat die widerstrebende Welt gezwungen, sich mit der Judenfrage zu beschäftigen und einen Weg zu ihrer Lösung zu suchen. Wenn letzthin im englischen Parlament von verschiedenen Seiten immerhin in einer Weise von jüdischer Arbeit gesprochen worden ist, die sonst nicht üblich war, so ist dieser Respekt vor dem neuen Judentum, diese Anerkennung der Größe der zionistischen idcc ein Faktor, den ein jüdischer Politiker nicht geringschützen cliirüic. Doch darüber hinaus sei festgestellt, daß die durch unermüdliche politische Arbeit errungenen Erfolge des Zionismus auch auf das jüdische Volk dm größten Eindruck gemacht haben. Alle die Kritiker der zknüstlsdica Politik, von den Organen der Aguda bis zu Dr. Nathan scheinen ׳rar weht zu bemerken, wie sdir 8k selbst unter der Wirkung der Tatsachen stehen, welche durch die ״lllusionspolitik“ geschaffen worden sind. Wenn beispielsweise Dr. Nathan heute für eine eigenartige jüdische Kultur in Palästina eintritt und für dieses Ziel zu arbeiten bereit ist, so ist auch dieser Fortschritt durchaus eine Folge der Entwicklung der letzten Jahre. Dr. Nathan hat kürzlich selbst gesagt, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, Vergangenes zu vergessen. Wir wollen darum auch seine Erwähnung des Kampfes um das TechniKuni unerörtert lassen. Wir wünschen vielmehr aufrichtig, daß alle diejenigen Juden, die gleich Nathan die Entwicklung einer, jüdischen Kulturlebens in Palästina wünschen, gemeinsam mit den Zionisten daran arbeiten, damit die große Möglichkeit eigener kultureller Schöpfung, die die gegenwärtige Konstellation bietet, voll ausgenützt wird. Die steckengebliebenen Chaiuzim Anläßlich einer Anfrage im Oberhaus über die Einwanderung in Palästina erklärte Duke of Southerland im Namen der Regierung, daß zwei Beamte des Palästinadepartements sieh nach Konstantinope! und Triest begeben haben, wo die Emigranten stcckengchlieben waren. Die Regierung hat bcschlossen, sofort den 1500 Emigranten, die vom Einwanderungsverbot unterwegs überrascht worden waren, die Einreise zu bewilligen. Sobald diese Clnluzim im Lande untergcbracht sein werden, wird zusammen mit der Zionistischen Organisation beraten, wieviele Emigranten weiter beschäftigt werden können, denen dann die Einreiseerlaubnis sofort erteilt wird. Ferner bemerkte Redner, daß es nicht stimmt, daß eine große Zahl der nach Palästina kommenden Emigranten von kom* munistUchcn Ideen angesteckt seien. Weitere Urteile in Jaffa Jerusalem. (J.C. B.) Ein arabischer Schutzmann, der ein jüdisches Mädchen vergewaltigt hat, wurde zu 13 Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt. Ein anderer arabischer Schutzmann, der zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist auf unerklärliche Weise verschwinden. Wie ich Zionist wurde Von Albert Einstein. (Xachtlriiclt nur mit OueUenanKat)« ) Bis vor einer Generation betrachteten sich die Juden Deutschlands nicht als Angehörige des jüdisehen Volkes. Sic fühlten sich lediglich als Mitglieder einer Religionsgemeinschaft und viele von ihnen stellen noch heute auf diesen Standpunkt. Sie sind in der Tat viel assimilierter als die russisehen Juden. Sic sind in gemischte Schulen gegangen und haben sich dein deutschen Volks- und Kulturleben angepaßt. Dennoch und trotz der offiziellen Gleichberechtigung, die sie genießen, bestellt ein kräftiger sozialer Antisemitismus. Und es sind gerade die gebildeten Kreise, die sich zun» Träger der antisemitischen Bewegung gemacht haben. Sie haben sogar eine ״Wissenschaft“ des Antisemitismus aufgebaut, während die Gebildeten Rußlands, zumindest vor dem Kriege, im allgcmeinen philosemitisch waren und häufig ehrliche Anstrengungen machten, die antisemitische Bewcgung zu bekämpfen. Das hängt mit verschiedenen Ursachen zusammen. Zum Teil hat diese Erscheinung ihre Ursache darin, daß die Juden einen weit über ihre Zahl hinausgehenden Einfluß auf das geistige Leben des deutschen Volkes ausüben. Während man nach meinem Dafürhalten die Ökonomischcn Positionen der deutschen Juden gewaltig überschätzt, ist in der Tat der Einfluß der Juden auf Presse, Literatur und Wissenschaft in Deutschland sehr stark und drängt sich auch dem oberflächlichcn Beobachter auf. Es gibt sehr viele, die eigentlich keine Antisemiten sind und in ihrer Argumentation ehrlich sind. Sie betrachten die Juden als eine von der deutschen verschiedene Nationalität und fühlen sich darum durch den wachsenden jüdischen Einfluß in ihrer nationalen Eigenart bedroht. Wiewohl vielleicht der Prozentsatz der Juden in England zum Beispiel nicht viel unbedeutender ist als in Deutschland, üben die englischcn Juden sicherlich nicht die gleiche Wirkung auf die englische Gesellschaft und Kultur aus, obwohl ihnen dort die höchsten amtlichen Steilen zugänglich sind und ein Jude - was in Deutschland nahezu undenkbar ist — zum obersten Richter oder zum Vizekönig Indiens ernannt werden kann. Vielfach ist der Antisemitismus eine Frage politischen Kalküls. Es hängt oft nur von der Partei ab, der jemand angehört, ob er sich zum Antisemitisnius bekennen wird. Ein Sozialist wird, auch wenn er ein überzeugter Antisemit ist, seine Gesinnung nicht bekennen oder betätigen, weil dies nicht in das Programm seiner Partei paßt. Bei den Konservativen wiederum entspringt der Antisemit tistnus oft nur aus dem Wunsch nach der Ausnützung von Instinkten, die in der Bevölkerung vorhanden sind, ln einem Lande wie England, wo der jüdische Einfluß kleiner und die Reaktion der Nichtjuden darum viel geringer ist, hemmt der Bestand alter, eingewurzelter liberaler Traditionen das schnelle Wachstum des Antisemitismus. Ich sage das, ohne mich auf persönliche Kenntnis des Landes berufen zu können. Ich war nie in England“). Dennoch war schon die Haltung, welche die englische Wissenschaft und Presse gegenüber meiner Theorie einnahmen, recht kennzeichnend. Während itn allgemeinen in Deutschland die Beurteilung meiner Theorie von der Parteistellung der Blätter abhing, hat die Haltung der englischen Wissenschaftler bewiesen, daß ihr Sinn für Objektivität sich nicht durch politische Gesichtspunkte trüben läßt. Die Engländer haben — was ich hier hinzufügen möchte — überhaupt auf die Entwicklung unserer Wissenschaft in hohem Maße eingewirkt und die Prüfung der Relativitätstheorie mit besonderer Energie und besonderem Erfolg in Angriff genommen. Während in Ameiika der Amisemitisnius nur gesellschaftliche Formen amiimmt, macht sich in Deutschland der politische Antisemitismus noch viel stärker als der gesellschaftliche bemerkbar. Ich sehe die Sache so an, daß die Tatsache der rassenhaften Besonderheit der Juden notwendigerweise ihre gesellschaftlichen Beziehungen zu den Nichtjuden beeinflussen muß. Die Konscquenz, die die Juden m. E. daraus ziehen müßten, ist der Tatsache ihrer Besonderheit in ihrer sozialen Lebensweise und ihren kulturellen Leistungen Rechnung zu tragen. Zunächst müßten sie eine gewisse vornehme Zurückhaltung zur Schau tragen und nicht so sehr auf eine gesellschaftliche Vermischung erpicht sein, von der die anderen nichts oder sehr w׳cnig wissen wollen. Andererseits hat der Antisemitismus in Deutschland Wirkungen, die man vom jüdischen Standpunkt begrüßen »Ute. Ich glaube, daß das ’) Der Artikel ist während Prof. Einsteins Aufenthalt I ** 1י Amerika, sohin vor seinem Besuch in England geschrieben. — A. d, R.