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Jüdische Rundschau · 1921-06-21 · Heft 49 (21.6.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 49 (21.6.1921)
Date
1921-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 49 Seile 350 gesprochen wird, so sind dies luir die Wunsche der E f f c .1 d i *. Diese l.asscu d1,e Jude״ tu 1 s c 11al>c1> alle״ Griiii.l da/״. Aus R u ־' «>.!; ' »* » <• <״ I a d und Polen komme״ Jude״ liac.i I alasl iu nicht nur als Juden, sondern a|s r ra «yd er lelcale der Arbeit, der westlichen Zu!1sation die sie nach Palästina verpflanzen wollen. Vor allein gründen sie Gewerkschaften, Und dann heinülien sie sich gemeinsam mit den unwissenden Arabern «in Erzielung höherer Löhne, wahrend die Effciidi^ den unwissenden Araber ausbeuten wollen. Gokinel Wed• gewood ist auch der Meinung, daß die Unruhen hi Jaffa durch die Hetze der Effeudis liervorgcrufeii worden sind. Sie haben dieselben Mittel gebraucht, die inan überall anwendet, 11m Judenpogrome zu ver* anstaltcn. Leider hat die Regierung die Einwanderung unterbrochen, mit anderen Worten, man hat für den Pogrom den gewünschten Preis bezahlt. Wenn wir keine Juden mehr ins Land lassen, d a 1111 tu,* wir das, was die Effendis wollen, und wenn Sie den Effendis naeligebeii, werden Sie dem nächst mit einer Garnison von 5000 englischen Soldaten nicht mehr auslcominen können, Kednet sieht nur einen Weg, 11m die Juden in Palästina vor den Arabern zu schützen, ohne den britischen Steuerzahler irf ן! l■ ■ 1׳11r W / ZV ׳111 1 «1 r>*■•,. den Juden die Organisierung einer ״Sclbstwchr“ zu gestatten. Die Juden Palästinas und die Zionistische Organisation sind bereit, die zu diesem Zweck nötigen Gelder aufzuhringen. Die Befürchtung, die Juden könnten die Araber ,™greifen, ist unbegründet. Alle Welt weiß, daß es für eine Minderheit nicht ratsam ist, eine Melirheit anzugreifen. Die Juden sind das friedfertigste Volk in der Welt. Sie sind aber hier tatsächlich in einer Gefahr, denn auch die arabische Polizei hat sich an den Judenpogromen beteiligt. Redner schließt sicli der lAolitik Churchills an, die für die Durchführung der Balfour-Dcktaration in Palästina eintritt. Der bekam!le Kenner der Orientfragen, Major <) r in s l> y U o r e, hält eine lange politische Rede, in der er zunächst die ״Daily Miror“ und die ״Mn r ning Post“ angreift, die glauben, daß Englaiid sich aus Jerusalem und Bagdad zurückzieheii könne, ohne sein Prestige im Orient zu schädigen. England habe sich diesen Völkern gegenüber verpflichtet. Niemals in der Weltgeschichte hat ein großes Volk seine Versprechen auf diese Weise zurückgenommen, ohne dafür bestraft zu werden. Er spricht davon, dal) Palästina nach fast unbewohnt ist, daß im Westjordanland keine reine arabische Bevölkerung vorhanden ist, und nur jüdisches Kapital und jüdische Arbeit können das Land aufbauen. Lord Beaconsfald hat in Büchern wie ״Tancred“ die Ideale geschildert, die das jüdische Volk während der /weitauscndjährigen Verbannung gehegt hat. Diese Ideale beziehen sich nicht nur auf den Teil der Juden, die in Palästina leben, sondern auf die gemeinsame Anstrengung des ganzen jüdischen Volkes, Palästina atifzubauen. Als ich sali, was jüdische Kolonisten in Palästina geleistet hahen, überzeugte ich mich davan daß der Zionismus eine praktische Politik n Galiläa, wo es weniger Großgrundbesitz, gibt, ist. leben Araber und Juden friedlich nebeneinander. Nu; in den Städten wird gegen sie gehetzt. Es ist richtig daO in Palästina 15 Millionen Juden nicht imtcrkommei können, aber es wollen auch nicht alle 15 Millbnei Juden hingehen. Ein großer Teil des jüdischen Volke: wird wie bisher über die ganze Welt zerstreut bleiben Sie werden aber alle durch die jüdische Tra di tion _verbunden sein, deren einziger Mitieipmik Palästina ist. Wer den Zionismus ver stehen will, muß etwas von der j ii d i sehen Religion wissen. Er ist untrennbar mi religiösen Idealen und religiösen Gefühlen verbunden Der Zionismus ist tmtrennbar mit der Idee verbunden daü die Bibel von palästinensischen Juden gesehriebe wurde, daß der größte Beitrag des jüdischen Volke au die Menschheit aus Palästina kommt, daß die Psalme in Palästina geschrieben wurden, und sollten noch ein mal Psalmen geschrieben werden, sie werden wiede in Palästina und von Juden geschrieben werden. Da ist die Idee des Zionismus, und aus dieser Idee he! aus ist die Balfour-Dcklaratkm entstanden. Gerat! dieses Gefühl hat bei vielen Christen für den Zioni: mus Sympathien erweckt, und gerade dieser k u 1 tu re Ile Ausblick des Zionismus wird für de Nahen Osten von unschätzbarem Wert sein. Der Nahe Osten braucht dringend eine solche Bewegung. yc'wte Jahrhundert eine Annäherung zwischc ׳ okmT.V'f u״!.brin?en wird• *> wird das zu Zionismus zuzuschreiben sein. I nt lacht möglich, daß durch eine jüdische Universität in Jerusalem;sris: °s Ideale"übTrnehm« Sfdetn oJten^d"V™* ■gCiStiß' tischi'n j;:4,יי Gsten dafür seine 1>ra deutttngsvoU ist Man!11 ״״״, so wichtig und fc b'S3 der Existenz eines jüdfsdien^uernd^rfc^ist fi? JÜED1SCHE RUNDSCHAU__ Begriffe etwas ganz. Außergewöhnliches und Wunder-!vires Wir sind gewöhnt, den Begriff ״Jude mit Park-1 11111 •1111־J Wliitceliapel in Zusammeiilumg zu bringen. Ich war einmal zu Besuch l>ei einem jüdischen Landwirt, welcher des morgens zu »einem Viel! geht und abends nach der Arbeit im Felde nach Hause zarüekkeiiile. Das Leben in Gemeinden, wo die alte hebräische Sprache gesprochen wird, - das ist das hinreißend Neue, das wert ist, die Menschen zu gewissen Opfern anzufeuern. Sch möchte noch ein Wort über die Schwierigkeiten sagen, weiche sicli zwischen diesen Pionieren, die unsere Sympathie und Ermutigung verdienen, und den Arabern ergeben, welche etwas Furcht haben vor den Einwanderern, insbesondere vor dem neuen Zustrom. Wir müssen die Situation verstehen. Ich gebe zu, daß die neuen Einwanderer meistenteils aus den Ghettos Osteuropas kommen, aus der Ukraine, Rumänien, Bukowina, wo sie ein abgeschlossenes Leben unter ständiger Verfolgung geführt haben, und wo alle Phasen des letzten Krieges über sie hingegangen sind, vielfach den größten Teil ihrer Familie vernichtend. Sie haben den Bolschewismus erlebt und Wrangcl und verschiedene andere Machthaber, welche sic alle verfolgt haben. Diese Leute kommen mit allen ihren Vorurteilen und anerkanntermaßen bilden sie nicht jene goldene Brücke zwischen Ost und West. Redner spricht den Wunsch aus, esmögen recht viele se p h a r d i s c 11 e Juden aus den Mittelmeerliindern nach Palästina kommen, die den Arabern näherstehen und sich mit ihnen leichter verständigen können. Im jüdischen Palästina — fahrt der Redner fort — wird es die Aufgabe Großbritanniens sein, dafür zu sorgen, daß die heiligen Stätten der Christenheit besser beaufsichtigt werden als in der Vergaiigenheit. Unter der türkischen Herrschaft hat es jedes Jahr zu Ostern Ruhestörungen gegeben, blutige Auftritte zwischen rivalisierenden Sekten, die von der türkischen Regierung aufgehetzt wurden. Es ist ein großer Gedanke, daß das Land, das wir alle als heilig betrachten, unter solche Bedingungen gestellt wird, daß es von den Pilgern und Angehörigen aller Nationen als das Bcth.uis für alle Völker angesehen wird, jede Politik, welche darauf abziclt, uns von Palästina auszuschalten mul es de» Türken oder irgendeiner anderen Macht wieder zuzuspiclen, wird einen Ausbruch der tiefsten Entrüstung gerade bei dem religiösen Teil unseres Volkes zur Folge hahen, dem sicli keine ״Anti- Waste-Kampagnc“ (jene politische Gruppe, welche in England die Regierung mit dein Argument bekämpft, daß sie Gelder verschwendet) wird widersetzen können. Wir sind Ehrenpflichten cingcgangen, welche wir nicht leichtherzig abschütteln können, weil sich die Anti- Waste-Lcute, die kleinen englischen Spießbürger, den Teufel um Jerusalem und um das britische Reich scheren. Schließlich fordert der Redner den Minister auf, in der Verwaltung des Landes nicht zu viele englische Beamte zu verwenden, sondern palästinensische Juden, Christen und Moslems. Diese♦׳ werden vielleicht weniger kundige Vcrwaltungsbenmtc* sein, aber sie werden, wenn sic zusammen arbeiten, mehr für eine Verständigung wirken. Die Durchführung der Balfour-Deklaraiton wird dem Minister einen grollen Namen in der Geschichte schaffen, und das englische Parlament wird auf dieses Werk stolz sein können. Nach Qrmsby-üove spricht• Lord Ce eil, der sich dem Vorredner vollinhaltlich anschlicßt und den Zionismus als eine gesunde und praktische Idee ansieht. Der einzige, der gegen die Bewilligung der Kredite sprach, war H a rm s wo rth. Er sagte, er sei weder Zionist, noch Antiziouist, er sei aber der Meinung, daü in der jetzigen Lage England nicht imstande sei, für jiidischnationnle Angelegenheiten Geld auszugebeti. Die Juden sind ein sehr reiches Volk uni! können selbst ihr ״National I Linie“ bezahlen, wenn sie es wollen, Die von Churchill verlangten Kredite wurden vom Parlament ohne Wiederspruch bewilligt. Die englische Presse über Churchills Rede London, lb. Juni. (J.C. B.) Die gesamte englischc Presse bespricht in Leitartikeln die vorgestrige Rede des KotuJiialminislcrs Churchill. ״T i m e s“ schreiben, daß der größte Teil von Churchills Rede vernünftig war. Nur gewisse Stellen seien unrichtig gewesen. Wir bezweifeln — sagt das Blatt — ob er die Bedeutung der zionistischen Bewegung in ihrer ganzen Tragweite erfaßt, ob er den Charakter der Ln Palästina entstandenen Schwierigkeiten kennt und ob er die Konsequenzen des Unvermögens Herbert Samuels, diesen Schwierigkeiten energisch entgegenzutreten, versteht. ״Daily Mail“ spricht sich gegen weitere Ausgaben in Mesopotamien und Palästina aus und erklärt, daß die Erhaltung dieser beiden Länder auf Kosten ihrer Einwohner zu geschehen habe. ״Daily Chronicle“ drückt als Regieningsorgan die Hoffnung aus, daß die Regierung an ihrer zionistischen Politik in Palästina festhalten werde. Jude» und Araber können einander wirklich nützlich werden; cs dürfe daher nichts unterlassen werden, um den Geist der Zusammenarbeit unter ihnen zu entwickeln. Das britische Imperium hat auch mit Rücksicht auf die Nahe Palästinas vom Suez-Kanal ein Interesse an diesem wichtigen Lande. Niemand anders als die Juden sind imstande, Palästina zu einem glückhaten und sich selbst verteidigenden Lande zu entwackeln. Churchills Regierungserklärung LA1s!*jütische Programm Englands in lH7ll, mir Palästina, das zum ersten Male in der Ba|f()tlr> Deklaration niedergelegt wurde und durch den V״' trag von Sevres infolge des Beschlusses Jei Obersten Rates in San Remo allgemein anerkannte völkerrechtliche Satzung wurde, harrt noch immer seiner Durchführung. Der Mandatsentwurf, den England bereits im Dezember dem Völkerbund vorgelegt hat, ist bisher vom Völkerbund immer nod! nicht erledigt worden, inzwischen hat England, wo sich eine gewisse Opposition gegen die Uebtmalmic des Mandates in Parlament und Presse geltend machte, den Kolonialminister Churchill nach dein Orient entsandt, damit er auf Grund seiner persön. liehen Studien dem Parlament Bericht erstatten kann. Churchill ist bereits seit Wochen von seiner Reise zurück, und die geplante Regierungserklärtin׳( wurde immer wieder hinausgeschoben. Durch dit• Ereignisse, deren Schauplatz Palästina in der ersten Maiwoche war, haben die Erklärungen Churchills ein besonderes Interesse gewonnen. Nachdem das englische ‘Parlament zur Ostpolitik Stellung gC. nommen hat, ist nun die höchste Eile für die Bestätigung des Mandates geboten, damit die staatsrechtlichen Zustände stabilisiert und dadurch di; Grundlagen zu umfangreicher aufbauender Arbeit gesichert werden. Nunmehr hat die lange erwartete Aussprache am 14. Juni stattgefunden. Dagegen die Uebernaltme der Mandate im Mittleren Osten vom Standpunkt der gebotenen Sparsamkeit Stimmung gemacht wird hatte Churchill sich vor allent mit den Fragen auseinanderz.usetzen, die den Militäretat in diesen Lau. dern betreffen, wobei klar ausgesprochen wurde, daß die Zivilverwaltung keinerlei Zuschüsse beansprucht, sondern aus den Eingängen des Landes selbst ihre Kosten deckt. Churchill hat daher zunächst dargelegt, daß die gegen die Mandate vorgebrachten Argumente stark übertrieben sind, da die gegenwärtigen Kosten der militärischen Besetzung gegen früher erheblich vermindert worden und diese Ausgäbe eigentlich nicht unmittelbar mit dem Mandat zusammenhängt, da dieselben Truppen zum reguliircn Friedensbestand gehören und auch daun Kosten verursachen würden, wenn sie nicht in Paliistina, sondern anderswo stationiert wären. Es kann also keine Rede davon sein, daß England seine Truppen aus PaLästina zurückzieht; diese Erklärung Churchills ist von Bedeutung auch zur Beurteilung der sogenannten jüdischen Legionenfrage. Bei dieser Gelegenheit mußte sich jedoch Churchill auch über die Verpflichtung äußern, die England dem Zionismus gegenüber zu erfüllen bat. Er hat dies mit großer Bestimmtheit und Eindeutigkeit getan. Die Verpflichtung, die England durch die Balfour- Deklaration übernommen hat, ist vollkommen bindend, und niemand darf wagen, an ihr zu rütteln. Nur für den Fall, daü die englische Lcistungs* fähigkeit selbst ein Ende hätte, nur für den Fall dieser ״höheren Gewalt“, könnte davon gesprochen werden, daß England darauf verzichten muß, seine Verpflichtung zu erfüllen. Ehrenvoll wäre dies nicht, und heute sei man noch weit entfernt davon, ein derartiges beschämendes Bekenntnis ablegen zu ן müssen. 1 Durch die zionistische Frage wird allerdings j das Problem der Regierung Palästinas außerordentj lieh kompliziert. Der englische Minister hat für j diese Schwierigkeit der Sache völliges Verstandnis, aber er wendet sicli scharf gegen eine Methode, die aus Angst vor diesen Schwierigkeiten den gordischen Knoten zerhaut und bestellende Notwendigkeiten aus der Welt schaffen will. Wir stehen der Tatsache gegenüber, daß bei einer normalen demokratischen Vertretung des Willens der Landesbevölkerung wahrscheinlich die Fortsetzung der jüdischen Immigration verboten würde. England stellt somit vor dem schwierigen Problem, daß es in diesem besonderen FaLl sich über seit Prinzip, den Willex■ der Landesbevölkenmg besetzter Gebiete zu respektieren, int einem gewissen Sinn hinwegsetzen muß. Es imiB dies tun, weil cs au» der Erkenntnis, daß auch die Judenfrage einer Lösung bedarf und daß Palästina ein sehr dümt bevölkertes Land ist, sich schon vor Jahren in der zionistischen Frage festgdegt hat. Allerdings erklärte der Kolonialminister, daß England die Verantwortung für die Einwanderung auch insofern trage, aLs die Einwanderung mit den Interessen der Landesbevölkerung in Einklang gebracht werden muß. In diesem Sinne wiederholt Churchill die Er- Klärungen, die Herbert Samuel am 3. Juni abgegeben hat. Er hält sich auch an Samuels Interpretation des Begriffes ״National Home“. In sehr warmen Worten schildert der Minister seine Eindrucke vom jüdischen Kultur werk in Palästina. Die Entwicklung dieses Werkes weiter zu fördern und

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