Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1921)
- Date
- 1921-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652358--14100-2671888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 : St&ätpUW'r ׳ («»11 s כשר v> J-‘n«icb|. 1״eren Kinde (»ינז* ™«wu; •r IMS 3 £§ s 1461 f ul 1 20. i 5 i % C, \ \ v_^/ 11<נב) J. R«l.kU>■ mnd VefUf V IS, Sä<fc.U*• Str.ß. 8. Er״h«•* H« DUn.ta» nod Fr•!».*. B«»j*pr«U bei du Eipedili•• «md d«o FMtlBtuD »iwWljitirtiah IS.— M. la DaaUAUod. AuaUBtUabo■*״״ ״»" w״d« l. d« Wibrune du .ia..ln.. U"d« buubo.l. <נג~-.d Nummer 49jjBerll11|J'^^ An/. ctgen-Vcrwaltung« Verlag Alwin Loeweathal. Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 Telephon: Amt Zoatjrwn 4814 uud 4815. Aa1«l|«Bpr•(! für di« NonpftieiilittU2,50II, rnaiHiciiooxMgoo 4 M. pro ZoiUs. AmolroBBchlufil Dieastag «ad Freitag nachmittag 4 Uh». «Telephon: Ublaad 845 «.844, Poitacbedtkooto: Beriia Nr. 1739X . Tür Oeiterreich. Poataparkaaeenajnt Wien, Konto Nr. 156 030• f' Für Tachfrchoelowake«: PeeUparknaseaamt Prag, Konto Nr. 156030■ r /*mm, RedaktiontaihluS Sonntag und Mittwoch aadbmittag. —• •טף סזן* תרס״א [ xxvi. jahrgT Der Zionismus erstrebt IQr das jQdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.1 TTT\ רץ © IM© an© n Churchill hielt am 14. ds. Mts. seine lange auf• geschobene Erklärung über die Politik im Mittleren Osten. Churchill gab zunächst eine allgemeine Uebersicht über die Entwicklung, die zur gegenwärtigen Situation geführt, und dann einen detaillierten Bericht mit be* sonderer Berücksichtigung der Militärausgaben. Im Verlauf seiner Rede führte er folgendes aus: In bezug auf Palästina wurde im Jahre 1917 ein Versprechen von großer Bedeutung gegeben, dahingehend, daß, wenn Großbritannien aus dem Kriege siegreich hervorging, es sein Möglichstes tun würde, um dort ein jüdisches nationales H e i m zu errichten. Wir können nun derartig cingegangene Verpflichtungen nicht leichten Herzens von uns weisen und dadurch die Bevölkerung dem Anarchismus um! der Konfusion schlimmster Art ausliefern, noch die Juden in Palästina der Willkür der Araber preisgeben. Ein der• artiges Vorgehen würde sieh nicht mit dem bisherigen Pfliclitbcgriff des Parlaments decken, Es ist nutzlos, jetzt Zeit und Energie mit Debatten darüber zu verschwenden, ob wir klug oder unklug mit der Lieber• nähme solcher Verpflichtungen gehandelt haben. Wir sind unbedingt verpflichtet, einen aufrichtigen, ehrlichen und geduldigen Versuch zu machen, unser gegebenes Ver• sprechen e i 11 z u l ö s e n, und ob dies nun populär oder unpopulär ist, so ist es doch der cinzigcWcg, den die britische Regierung und das Unterhaus ein• schlagen kann. Unsere Verpflichtung ist nicht unbegrenzt. Es könnte ein Punkt erreicht werden, wo wir gezwungen werden, zu erklären, daß wir zu schwach sind, daß wir nicht berechtigt sind, weitere Opfer vom britischen Steuerzahler zu verlangen, daß die Lage unserer Finanzen oder unsere militärische Leistungsfähigkeit uns keine weitere Leistung gestatten. Dies wäre ein sehr bc• schämendes und trauriges Bekenntnis, und nach sorg• fähigster Ucberlcgung glaube ich, daß cs nicht wahr wäre, derzeit zu sagen, daß wir zu schwach sind, oder daß unsere Leistungsfähigkeit uns nicht gestattet, unsere Verpflichtungen zu erfüllen. (Beifall.) Im Gegenteil, unsere Pflicht ist es, auszuharren, und ich hoffe, wir •werden einen ehrenhaften und schließlich günstigen Ausweg finden. Nachdem er eingehend über Mesopotamien ge• sprechen hat, wendet sich Churchill Palästina zu. Er sagt: Was Palästina betrifft, so ist dort gegenwärtig das Problem schwieriger als in Mesopotamien. Anderer• •veits ist es im militärischen Sinne geringfügiger. Meso• potamien ist ein großes, schwer zugängliches Land, während Palästina an allen Punkten vom Meer aus er• reichbar ist. Es ist ein Land, das vermittels Kraft• wagen von einem Ende zum anderen im Laufe eines Tages, oder noch schneller, durchkreuzt werden kann. Obglcidi, nach mir zugegangenen Informationen, die Gefahr in Palästina gegenwärtig größer ist. als in Mesopotamien, so könnte man doch, sollten dort Un• ruhen ausbrechen, ihrer leichter Herr werden. Der Grund der Unruhe in Palästina — der einzige Grund -- liegt in der zionistischen Bewegung und m den von uns gemachten Versprechungen und übernommenen Verpflichtungen. Wäre es nicht um dieser Versprechen willen, so besteht kein Zweifel, daß die in Palästina auf Kosten Englands unterhaltene Garnison entsprechend reduziert werden könnte. Unsere streit■ fähige Garnison ist dort auf 5000 Mann reduziert worden. Ich kann keine Hoffnung erwecken, daß diese Streitmacht in unmittelbarer Zukunft wesentlich ver• ringert werden könnte. Im Gegenteil, cs ist möglich, daß wir eine leichte Verstärkung benötigen werden. Die Gesamtausgabe, zu der wir letztes Jahr in Pa- Sästiua gezwungen waren, betrug 6,5 Millionen. In diesem Jahr wird sie 4׳»/* Millionen betragen, hiervon jedoch 2‘/3 Millionen für die Demobilisierung eines großen Teiles der indischen Truppen. Daher kann ich sagen, daß die Ausgaben der militärischen Garnison in Palästina jetzt 2Va Millionen betragen. Es ist auch nicht richtig zu sagen, daß diese Ausgabe erspart worden wäre, wenn wir Palästina nicht erhalten hätten, denn, der Hauptteil der Truppen in Palästina sind reguläre britische Einheiten, und wenn sic nicht in Palästina stationiert wären, so müßten sie anderswo stehen, bevor nicht das Haus beschließt, die Vorkriegsstärke der britischen Armee herabzusetzen. Ich bin jedoch weit davon entfernt, die Schwierigkeiten des Problems zu unterschätzen. Wir wollen einmal sehen, wie es mit den Juden und Arabern in Palästina steht. Ich habe die Deklaration Mr. Balfours erwähnt. (Zwischenruf: Wird der Völkerbund in Palästina vertreten sein?) Nein, wir haben genügend Komplikation auch ohne dies. (Heiterkeit.) Die Schwierigkeit, bei diesem Versprechen einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina besteht darin, daß sie mit unserer gewöhnliehen Politik in Widerspruch steht, die Wünsche der Bevölkerung in einem Mandatsgebiet einzuholen und ihnen Vertretungskörperschaften zu geben, sobald sie hierfür reif sind; solche Institutionen würden sie jedoch sicherlich dazu benützen, sofort ein Veto gegen jede künftige jüdische Immigration cinzulcgcn. So groß auch die Schwierigkeiten sind, so glaube ich doch, daß wir mit Geduld, Kaltblütigkeit und ein wenig Glück einen Ausweg finden werden. Das britische Reich ist von Optimisten aufgebaut worden, nicht durch Negationen, in Palästina leben ungefähr 500000 Moslems, 65000 Christen und etwa 63000 Juden. Nach dem zionistischen Immigrationsplan sind im letzten Jahr etwa 7000 Juden nach Palästina gebracht worden. Diese Einwanderung und die Propagauda, von der sic begleitet war, hat unter der arabischen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Nicht so sehr die Zahl der Einwanderer war es, welche diese Erregung erzeugt hat, sondern die unausgesetzten und lauten Erklärungen der Zionistischen Organisation in der ganzen Welt — die zu machen sie vollkommen berechtigt ist — bezüglich ihrer Hoffnung und ihres Strcbeus, aus Palästina ein vorwiegend jüdi sch cs Land zu machen, bewohnt von Juden aus aller Welt, und ferner die Befürchtung, daß diese Juden vor allem aus Zentraleuropa und insbesondere aus Rußland kommen werden. Die Araber glauben, daß sie in den nächsten Jahren von Tausenden von Immigranten aus Zeiitralcuropa überschwemmt werden, weldic sie von ihrem Land vertreiben, die kargen Lebensmittel des Landes aufzehren und eine vollkommene Herrschaft über seine Einrichtungen und Schicksale erwerben. In Wirklichkeit sind diese Befürchtungen unbvgründet. Die Zionisten sind gezwungen, um die Begeisterung und Unterstützung zu finden, die sie brauchen, ihre Sache mit größter Hingebung, Ucberzeugupg und Hoffnung zu vertreten, und diese ihre Kundgebungen sind cs, die die Araber erregen, nicht der gegenwärtige Umfang der Einwanderung, Wir haben dort Sir Herbert Samuel, der dem Hause wohlbekannt ist; ein fähiger mid erfahrener liberaler Politiker; ein Mann, dessengleichen wir eine große Menge brauchen würden in der Regierung eines so weitverzweigten und versciiicdenartigcn Reiches wie das unsere. Er ist auch ein begeisterter Zionist. Ich verfolge seine Tätigkeit mit großem Vertrauen und gebe ihm das größte Maß von Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. Er hat kürzlich eine neue Deklaration au die Völker gemacht, in welcher er die Phrase ״National Home“ interpretierte, die in dem Versprechen der britischen Regierung von 1917 gebraucht worden ist. Er sagte: ״Diese Worte meinen, daß die Juden, ein über die ganze Welt zerstreutes Volk, dessen Herzen stets Palästina zugekchrt waren, instand gesetzt werden, hier ihr nationales Heim zu finden, und daß eine Atvzahl von ihnen innerhalb der Grcikzcn, die durch die Zahl und die Interessen der gegenwärtigen Bevölkerung bestimmt sind, nach Palästina kommen sollen, um durch ihre Mittel und Kräfte die Entwicklung des Landes zutn | Vorteil aller seiner Bewohner zu fördert».“ Dies ist wahrhaftig nichts, wovor die Araber sich fürchten müßten. Die ganze jüdische Immigration wird sehr sorgfältig überwacht und kontrolliert werden, sowohl int bezug auf die Zahl, als auch auf den Charakter der Einwanderer. Kein Jude wird hereingebracht werden über die Zahl hinaus, welche durch den zunehmenden Wohlstand des Landes und die Entwicklung seiner Naturschätze beschäftigt werden kann. Es besteht kein Zweifel, daß gegenwärtig das Land sehr unterbevölkert ist. Jeder, der die Arbeit der jüdischen Kolonien, welche in den letztet« zwanzig bis dreißig Jahren in Palästina begründet wurden, gesehen hat, wird überrascht sein von den enormen produktiven Resultaten, die sie erreicht haben. Ich hatte Gelegenheit, die Kolonie Rischon le-Zion, ungefähr 12 Meilen von Jaffa, zu besichtigen, und dort, auf uinvirtlichem Boden, zu beiden Seite!» umgeben von Wildnis und Unkultur, wurde ich hincingeführt in ein blühendes und fruchtbares Stück Erde, wo der dürftige Boden hergerichtet ist, gute Ernten und ausgezeichnete Kultur hervorzubringen, ja sogar Weingärten und die hervorragendsten Orangen, alles geschaffen in 20 oder 30 Jahren durch die Anstrengungen der jüdischen Siedler, welche hier leben. Dann, als wir weiter gingen, wurden wir von 50 oder 60 jungen Juden umringt, die auf Ihren Pferden daher sprengten, und von Siedlern der Kolonie. Als wir schließlich: das Zentrum erreichten, waren dort 300 bis 400 atlerliebste Kinder aufgestellt, aus .allen Altersstufen und eine ebenso große Anzahl weißgekleideter junger Mäd• chcn. Man lud uns ein, die ausgezeichneten hier gc• wachsenen Weine zu probieren und die mannigfachen Schönheiten der Orangenhaine zu betrachten. Nachdem ich dieses Werk gesehen habe, das mit solcher Mühe hergesteüt worden ist, frage ich, ob jemand zu sagen wagt, daß die englische Regierung, nachdem sie sich einmal der Sache angenommen hat, dies alles im Stich lassen und cs einem brutalen Angriff der fanatischen arabischen Bevölkerung überlassen solL Es würde undankbar sein, wenn wir so etwas zulasse!» würden. Ich spreche auf Grund eigenen Augenscheins. Sogar die arabischen Häuser um die Kolonie herum waren richtige Ziegelbauten statt der üblichen arabischen rohen Lehmhütten. So sehr hatte die jüdische Kultur auf ihre Umgebung eingewirkt. Ich habe keinen Zweifel, daß mit der Entwicklung der Hilfsquellen Palästinas, falls jüdisches Kapital cingreift, wie e9 wünschenswert wäre, namentlich zum Zwecke der Ausnutzung der Wasserkräfte des Jordan und der Errichtung von elektrischen Kraftquellen im Jordantai, deren Errichtung sehr einfach ist, daß Jahr für Jahr neue Möglichkeiten eines guten Auskommens für eine gewisse Anzahl jüdischer Einwohner entstehen werden, und die Ta:- Sache, daß sie ihr Auskommen gerade durch die neuen Hilfsquellen gewinnen, wird den allgemeinen Wohlstand des ganzen Landes heben, und Arabern und Christen eben90 zugute kommen, wie de!» Juden. Ich sehe keinen Grund, warum nicht vorsichtig und allmählich ein ständiger Strom jüdischer Einwanderer in das Land kommen sollte, und daß dieser Strom in jedem Stadium von einer allgemeinen Zunahme des Wohlstandes der gesamten Bevölkerung ohne jede Beeinträchtigung begleitet sein sollte. Das ist jedenfalls die Aufgabe, zu welcher wir uns entschlossen haben und die wir meiner Ansicht nach durchzuführen verpflichtet si!»d. Wir können unmöglich unsere Zustimmung gebe!», daß die jüdischen Kolonie!» zugrunde gehen oder die Einwanderung für alte Zukunft eingestellt wird, ohne daß wir damit uns endgültig auf den Standpunkt stellen, daß das Wort Englands im Osten und im Mittleren Osten nicht mehr gilt. Wenn, wie wir hoffen, den Arabern in Palästina Vertretungskörperschaflen bevvi!l(gt werden, dann werden ihnen in dem Staatsakt, durch welchen dies geschieht, Vorkehrungen getroffen werden müssen, welche innerhalb vernünftiger Grenzen die Einwanderung von Juden in das Land sichern, soweit sie ihren eigenen Weg gehen und ihre eigenen Unterhaltsmittel schaffen. Unsere Rolle wird dabei sein — um ein Wort von Lord Salisbury zu gebrauchen — die eine Seite zur Nachgiebigkeit und die andere zur Zurückhaltung zu veranlassen. Die Debatte Nach Churchill spricht Lord Winterton, der die Rede Churchills sehr lobt. Er sagt, daß auch er die Schönheiten von Rischon-le-Zion und. die jüdischen Leistungen in Palästina bewundert; je• doch dürfe man trotz alledem die Araber nicht unter• schätzen. Sie sind zwar einfache Bauern, doch wohnen sie bereits in Palästina seit 1600 Jahren, während deren cs dort keine jüdischen Landarbeiter gab. Man müsse versuchen, die Gerüchte zu zerstreuen, daß der Boden den Arabern weggenomtnen und den Juden ausgelicfcrt werden soll. Auch er tritt dafür ein, daß man Herbert Samuel Gelegenheit gibt, seine Pläne in Palästina durchzuführen. General Townshend spricht über seine langjährigen Erfahrungen mit den Arabern. Aus seiner Praxis weiß er, wozu Araber unter dem Einfluß des religiösen Fanatismus fähig sind. Der Araber respektiert nur die Gewalt, und die englische Administration muß dies berücksichtigen, wenn sie im Lande Ruhe habe!» will. Der bekannte radikale Abgeordnete und Vertreter der Arbeiterpartei Colonel Wedgewood hielt eine ausführliche Rede, in der er den Zionismus verteidigte. Es entspreche nicht den Tatsachen, wenn behauptet wird, daß die starke Garnison in Palästina nur mit Rücksicht auf den Zionismus notwendig ist Jeder englische Soldat in Palästina beschützt den Suezkanal. Zweifellos war ■ bisher unsere militärische Atmosphäre gegen die Juden und für die Araber. Unsere Militärs verkehrten in den Kreisen der Effendis, der ehemaligen türkischen Beamten und Großgrundbesitzer. Und wenn uns heute hier von arabischen Wünschen k