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Jüdische Rundschau · 1921-06-10 · Heft 46-47 (10.6.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 46-47 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46/47 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 33t Presse ־ Rundschau Aus der deutsch-jüdischen Presse Die Paiästinafragc beschäftigt nach wie vor die nichtzionisUschc jüdische Presse Deutschlands. D:c Nachwirkungen des Beschlusses des Zcntralvcrcins z.c1L gen sich in einer lebhaften Pressepolemik, welche be* sonders in der ״Jüd i s eh -lib e r al e n Z c i t u ng', Breslau, geführt wird, Rechtsanwalt Erich S p i t /. ־ Bi cslau ist in einem Artikel ״Mußte daß sein?“ sehr heftig gegen die Stellungnahme des Zcntralvcrcins aufgetreten. Ihm antworteten eine Reihe von Autoren, darunter Max Vog c Ist e in-Breslau und der bereits berüchtigte Protestrabbiucr Dr. Jacob aus!Dortmund, welche beide heftig gegen eine Beteiligung an der. Palästinaarbeit sich äullern. Vogelstein begründet seine Ablehmmg damit, dal! der Keren Hajessod nntionaljüdischcn Zwecken dient und zitiert als Beweis jene Artikel der ״Jüdischen Rundschau“, wo von ״nationalem Kapital“ die Rede war, ohne zu verstehen, daß ״nationales“ Kapital hier im üegensatz zu Priva.tkapital verstanden ist und nichts zu tun hat mit natioiialpolitisclicn Zwecken, sofern diese außerhalb der Kolonisation verstanden werden. Dr. Jacob erklärt, daß es nicht geht, ״für eine englische Kolonie Geld aus den ärmsten Ländern zu ziehen, um dem reichen tmd mächtigen England die Kosten zu sparen“. Wenn die Zionisten die Schaffung einer Einheitsfront wünschen, so sollen sie, ״nachdem sie sich von der Verkehrtheit ihrer Ideen überzeugt haben, sieh rückhaltlos auf den Boden des Zentral- Vereins stellen“. Derselbe l)r. Jacob, der nicht die geringste Spur von Verständnis und scheinbar auch nicht den geringsten Willen zu einer Verständigung zeigt, führt j m einem anderen Artikel desselben Blattes aus, daß die Gefahr eines ״zionistischen Liberalismus“ für das deutsche Judentum Hoffnungen auf Palästina setzt, dum das liberale Judentum sei ganz wesentlich ״entstanden als Opposition gegen die Gebundenheit des Judentums an Palästina“. Darum habe das liberale Judentum konsequentenveise alle Erinnerungen aai Zion aus den Gebeten und dem Kultus gestrichen; es sei völlig unmöglich, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Zur PaUistinafragc äußert sich auch Dr. Paul j Nathan, der seine positive Stclliiiignahme für die i Palästinaarbeit damit begründet, daß infolge der Gebernähme der Paliisliimvcrwaltung durch England ״der zio* nistische Traum ausgeträumt“ sei und der Kampf zwischen Zionisten um! Nichtzkmisten daher keine Grundlage mehr habe. Johannes W i 111 e 1 in verteidigt auch nachdrücklich die gefaßte Resolution des Zentral- Vereins und weist darauf hin, daß die Zionisten in Wirklichkeit nicht daran denken, ihre nationaljiidisdien Bestrebungen aufzugeben, ״Zur seihen Zeit, da R.-A. Klee den Biujan Haarcz gründet, verlangt er in der jüdischcn Gemeinde die Gründung jüdischer Schulen“. Daher sei es notwendig gewesen, allen zionistischen Bestrebungen energisch cntgcgcnzutretcn. in der Nummer vom 3. Juni schreibt dann noch Spitz ein Schlußwort unter dem Titel ״Dennoch!“ Spitz antwortet den erwähnten Gegnern, indem er zunächst die Beschlüsse des Rabhinerverbamles und der B.-B.-Großloge zitiert. Erverteidigt seinen Standpunkt, daß auch bei starkem deutschem Hciinatsgefiilil eine Arbeit zugunsten Palästinas möglich ist, und führt gegen das Argument von der Verarmung des deutschen Judentums die Tatsache an, daß auch heute noch genügend Luxus herrscht, so daß auch Geld für Palästina da sein kann. /Allerdings meint Spitz, daß bei der heutigen organisatorischen Form des Keren Hajessod für einen Nichtzionisteil die direkte Bcitragslcistung unnötig ist, es handelt sich aber um den Willen zur Palästinaaufbauarbeit, der sich die geeignete Form schaffen muß. ln ähnlicher Weise wird auch in der Zeitschrift der ״K a 111 c ra d e n“ zur Paiästinafragc Stellung genommen. Der Artikel von Vogelstcin ist auch dort »!!gedruckt, ebenso eine positive Stellungnahme van Fritz Weißbart. Eine andere Frage, die die deutsch-jüdische Presse stark beschäftigt, ist die Gründung des Verbandes na t i o na lde u t sch c r Juden. Der Gründer des Verbandes, l)r. Naumann, entfallet eine Regsamkeit der publizistischen Propaganda, die einer besseren Sache würdig wäre. Er 'überschwemmt sämtliche jüdischen mul nlchtjiidisclien Zeitungen mit Artikeln. Letzthin hat tr der Presse■ mitgeteilt, daß der Verband seine Ursprungiiclien Salzungen dahin abgeändert hat, daß nunmehr Personen, die jus dem Judentum ausgeschieden sind, nicht aut'gcnuinmen werden können. Offenbar war es dem Verband doch zu unangenehm, daß er durch die Aufnahme von Dissidenten seinen Gegnern ein heqiiemes Agiiationsmittel bot; denn aus innerer Ueber- Zeugung dürfte er doch die Statuten nicht geändert haben. Die jüdisch-liberale Presse, die unter dem Einfluß des Zentralvereins steht, betrachtet den Verband nationaldeutscher Juden als scharfen Gegner; die ״Jüdischliberale Zeitung•‘ in Breslau hat z. B. einen Artikel Naumanns erst angenommen, nachträglich wieder ahgelehnt und erst nach langen Kämpfen zwei Monate später abgedruckt. Naumann vertritt in seinen Artikeln immer wieder die Anschauung, daß seine Gründung eine.rein deutsche Angelegenheit sei und jene Menschen vereinigt, die eben innerlich ganz und gar Deutsche sind und keine Beziehungen zum Judentum mehr kennen. Demgegenüber steht die Presse des Zcntralvcrcins auf dem Standpunkt, daß der Zentralverein bereits diejenige jüdische Organisation ist, welche die deutschgesinnten Juden zusammenfaßt und daß es keiner neuen Organisation bedürfe. Ausführlich hat sich mit Naumann Dr. Ludwig Holländer im Aprilheft ״im Deutschen Reich“ auseinander gesetzt. Dort wird zitiert als antisemitische Beurteilung der neuen Gründung eine Acußerung der Zeitschrift ״Deutschlands Erneuerung“, wo mit Bezug auif die Gründung des Verbandes nationaldeutscher Juden fol,geintes gesagt wird: ״Der Hauptträger des Internationalismus ist das Judentum, und es bleibt es auch, selbst wenn es in der Not des Erkanntseins bei uns auch einen ganzen Flügel ins nationale Lager abkommandieren sollte,“ Dieselbe Anschauung, die hier von antisemitischer Seite über die neue nationaldeutsch-jüdische Bewegung geäußert wird, finden wir in jüdisch-liberalen Zeitungen in bezug auf Biujan Haarcz. So veröffentlicht Fritz, Stell in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, Breslatt, einen Warmingsruf, ״Augen auf!“, in welchem er darauf hinweist, daß Biujan Haarcz solche Juden, die dem Nationaljudeiituiu fernstehen und lediglich Koionisationsarbeit in Palästina leisten wollen, unter Vor- Spiegelung einer nicht-nationalen Palästinaarbeit in die zionistische Partei locken wollen. ״Zur Charakterisierung dieses Vorgehens der Zionisten genügt es eigentlich vollkommen, wenn man nur darauf hinweist, daß der Führer dieser neue» Gruppe kein anderer als R.-A. Klee ist, derselbe Klee, dessen rigoroses Auftreten und radikal national-jüdische Ansicht uns ja von seinem vorjährigen Besuch her in lebhaftester Erinnerung ist Eine Partei unter seiner Führung wagt cs, uns vorzugaukeln, daß der Eintritt der sonst nur mit Hohn und Spott bedachten Rachinoneszionisten bewirken könnte, daß die radikal gerichtete Jugend im Zionismus zur Mäßigung ungehalten würde. Ganz abgesehen davon, handelt es sieh liier um einen üei.iunungskiihhandel übelster Art.“ — Lebhaft begrüßt wird die Gründung von Biujan Haarcz im ״Hamburger Israelitischem Familienhlatt“ von Rabbiner Dr. Jamp e I. Er sagt vor! der neuen Organisation: ״Es ist eine weniger deutliche, dafür aber um so rücksichtslosere Absage an den jüdischen Nationalismus, den die jüngeren Führer als den Endzweck des Zionismus bezeichnen.“, , . ״Wer in die zionistischen Kreise eingeweiht ist, weiß, daß mindestens 05 ס/יי der zionistisch gesinnten Juden in der Paiästinafragc lediglich ein soziales Werk sehen und daß das Odium der jüdisclinationalen Schwärmerei in Wahrheit nur auf enge studentische Kreise zurückfälit.“ Nun sei die Zeit gekommen, daß auch die ״Führer Israels“ sieh an dem Zionismus beteiligen, und ihnen habe die Biujan Haarcz-Födenition neue Pforten geöffnet. Der ״Israelit“, das deutsche Organ der Agudas Jisroel, beschäftigt sieh auch eingehend mit der Palä st i 11a f ra g e. Er begründet dabei den von uns mehrfach gebraivdinarkten ungeheuerlichen Beschluß der Wiener Zeutralratssitziing der Agudas Jisroel, welcher eine Abänderung des Artikels 4 des Palästinamandatsentwurfs zugunsten der Agudas Jisroel verlangt und diesen Wunsch selbst auf die Gefahr hin geltend machen will, dadurch die Erledigung des Mandates zu verzögern. Die Agudali hat sich für ihr Verhalten eine neue Formet zurechtgelegt, welche der ״Israelit“ folgendermaßen, wiedergibt: ״Dis jüdische Volk, soweit es sich nicht von der Thora entfernte, bedarf nicht der Wiederbelebung־, weil es gottlob nie aufgehört hat zu leben. Auch die Betätigung für Erez- Israel 'bedarf nicht des zionistischen Ansporns, wohl j aber nimmt diese Betätigung dank der politischen Umgestaltung in Erez-lsrael neue Formen an. Mit einer unglaublichen Naivität wird immer wieder von der politischen Umgestaltung Und von dem Mandat gesprachen, das die Errichtung einer jüdisclinationalen Heimstätte vorsieh,t, als ob die Agudas Jisroel niemals die 'giftigsten Pfeile gegen diejenigen geschleudert hätte, welche alle ihre Kräfte eingesetzt haben, um dieses Resultat zu erreichen. In der Beilage des ״Israelit“ wird eine ausgiebige Polemik gegen die zionistische Presse geführt wegen ihrer Berichterstattung über die Wiener Aguda,!!•-Konferenz. Es ist offenbar den Veranstaltern jener Konferenz sehr unangenehm gewesen, dal! die Nachrichten über die dort gefaßten Beschlüsse in die ()Öffentlichkeit gedrungen sind, bevor die geplanten Aktionen ausgeführt waren. Wir haben bereits berichtet, welchen Sturm der Entrüstung diese Beschlüsse, besonders im Osten, ausgelöst haben, wo ln großen Versammlungen gegen die Störungsaktion der Agudali, Stellung genommen wurde. Besonders ajigcsclien hat es der ״Israelit“ natürlich auf den Misraclii; die im ״Israelit“ begonnene Fehde wurde von Lazarus Barth, in der iiiisracliistisch-jüdischen Presse n,11fgenommeu, Audi, der zionistische Deiegierteutag in Hannover bietet dem ״Israelit“ Gelegenheit zu einer eingehenden Kritik des Misrachi, dein, er vorwirft, daß er Vorbeugungen nach links macht und Kampf nach rechts führt. Iin übrigen erklärt er irn Anschluß an seinen Bericht über den Delegierten(;׳,׳,׳, daß die Orthodoxie bereit sei, eine gemeinsame Plattform für praktische Palüstinafragqn änzunchmen. Er bemängelt, daß die Diskussion übe,r die Verständigung mit den Nichtzionistcn stets nur die liberalen Nichtzionisten im Attge hatte. Interessant ist ein Bericht über die Audienz des Gerer Rebben beim Oberkommissar Herbert Samuel, wobei der Rebbc dem Oberkommissar versicherte,, ״es sei die mächtige Sehnsucht ajlcr Kreise der orthodoxen Juden der Diaspora, sich in Ercz-lsrael niederzulassen und dort insbesondere auch, den Handel und die Industrie zu beleben“. — im, übrigen befaßt sich der ״Israelit“ ln einer ausführlichen Artikelserie mit der ablehnende» Stellung der Orthodoxie zum neuen Gemeinckbund, * Warschauer Agudah und Palästina Die Warschauer jiddische Zeitung ״Moment“ bringt eine Karikatur des Führers der polnischen Zionisten, Grünbaum, wie er die Palästinabotschaft des nach Palästina entsandten Agudisten-Führcrs, des sogenannten ״Gerer Rebben“ (Rabbi von Gura) liest und entsetzt ausruft: ״Noch eine solche Botschaft — und wir haben niemanden, mit dem wir uns licrumschlagen könnten." In der Tat ist die Haltung des Agudah-Organs ״Der Jiid“ in Warschau so palästinensisch, man möchte fast sagen: zionistisch, daß man manchmal glaubt, ein gut zionistisches, wenn auch orthodoxes Organ vor sieb zu haben. Besonders interessant sind die darin veröffentlichten politischen Artikel, die in der ganzen agiidistischcn Presse, die bekanntlich di« politische Tätigkeit der Zionistischen Organisation ablchntc und verhöhnte, ein Novum bilden. Ben Schmu el spricht in Nr. 11 der erwähnten Zeitung über ״die Lage jn Palästina“, die dadurch verschuldet ist, daß England nicht sein Wort gehalten lind nichts unternommen habe, um eine breite Einwanderung nach Palästina zu ermögliehen. England hätte den Einwanderern freien Boden zur Verfügung stellen müssen, damit wir nicht auf die arabischen Käufe angewiesen sind. England hätte den Arabern energisch erkUiren müssen, da 11 die jüdische Heimstätte beschlossene Sache ist und keine Intrigen es von der Erfüllung des gegebenen Versprechens abbringen werden. Vor allem hätte aber England die Tore Palästinas weit öffnen müssen, damit möglichst viele Juden in kürze stier Zeit dorthin strömen und die Majoritat des Landes bilden können.!Das war für England weniger mit «lein Auiwand erheblicher Mittel als mit gutcuu Willen verbunden. Aber diesen guten Willen hat eben England nicht gezeigt. Wir verlangen von England keine Gnade. England braucht Palästina für sich; wir müssen an England Forderungen stellen, ohne deren Erfüllung wir außerstande sind, die uns gestellten Aufgaben zu erfüllen. Wir brauchen nicht zu befürchten, daß eine schärfere Sprache uns schaden könnte. Wenn das Mandat so schwach ist, daß es keine mutigere Sprache verträgt, wird es ohnedies nicht erfüllt werden. Unsere Forderungen müssen sein: Freie Einwanderung, Uebcrlasstmg von Boden zu ״iinstigcu Bedingungen, Schaffung von Finanzinstituten, Aenderutig in den Be- Ziehungen zu den Arabern. England wird uns Gegenr forderungen stellen. Diese Forderungen übernehmen wir mit Freude, wenn wir wissen, daß uns die Möglichkeit gegeben wird, aus Palästina wirklich ein jüdisches Heim zu machen. Die wankelmütige Politik der offiziehen Zionisten kann keine guten Resultate bringen.“ Es ist erfreulich zu sehen, wie die Warschauer Aguda über die Forderungen, die ״w ir“ zu stellen haben, und über die Gegenforderungen, die ,.vir“ zu erfüllen haben, denkt. An der unentschlossenen Politik der ״offiziellen Zionisten“ sind aber mehr die ״nichtoffiziellen Zionisten“ schuld. Hätte das ganze Judentum hinter den offiziellen Zionisten gestanden, ihnen Mut zugesprochen, statt sic im. Rücken zu bekämpfen, ihnen die Mittel geliefert, die erforderlich sind, um> eine große Zahl von Juden ins Land zu bringen — sie hätten dann eine andere Sprache in London führen können, vielmehr — diese scharfe Sprache wäre erst gar nicht notwendig. Unsere Macht liegt nur in der Einigkeit des ganzen Volkes. Ueber diese Frage schreibt auch Dr. F e ss l e r in der erwähnten Zeitung. Es heißt dort u. a.: ״Die Tatsache, daß die Arbeit in Palästina endlich eine reale und praktische Form angenommen hat, hatte zur Folge, daß große Teile der jüdischen Massen insbesondere der Jugend, sich mit Palästina psychologisch verbunden fühlen. Jeder Rückschlag kann, besonders für die Jugend, die in Palästina nur ciu tcrritoriclles ideal sucht, gefährlich werden. Oekon.0misch ist es sehr wichtig, daß große Teile der intdlektuellen und kaufmännischen Schichten ihren Luft- Gewerben den Rücken kehren, um׳ sich der produktiven Arbeit zu widmen. Man muß die nächsten entscheidenden zehn Jahre politisch und wirtschaftlich ausmitzen. Das Mandat ist nicht so wichtig. Es ist nichts mehr als eine papierne Brücke. Wichtig ist ~ praktische, methodische, ökonomische Arbeit. Dazu gehört das ganze Volk. Man maß alle Streitigkeiten beiseite lassen, den inneren Frieden hersteilen, mit Orthodoxen, Amcrikaivern und sogar mit Assiniilantcn. Die Zionistenfüll rer müssen den Ruf ertönen lassen: ״das Vaterlaiul ist in Gefahr“, -- denn es ist wirklich in Gefahr,“ So sprechen jetzt die Warschauer Agudisten. Und wenn es ihnen mit diesen Worten ernst ist — wird sich mit ihnen sehr schnell eine einheitliche Front errichten lassen. Freilich zeitigt dieses Streben nach einer Einhdtsfront mitunter sonderbare Früchte. Dieselbe Zeitung druckt einen Artikel von Schitlowsky ab, dem IVjale- Zion-Führer, der in Amerika für die Einführung der jiddischen Sprache in Palästina, die Schaffung einer jiddischen Universität in Jerusalem u. a. m. eintrat. Was bei dem Kommunisten Schitlowsky natürlich ist, muß doch hei der Agudah befremden. Die Agudahzeitung tritt ein für das ,,Kulturprogramm“ von Schitlowsky, das sich vom zionistischen dadurch unterscheidet, daß es die Schulen jiddisch sehen möchte. Dieser Block der äußersten Rechten mit der äußersten Unken ist übrigens nicht neu. Von altersher kämpften die Rabbiner Palästinas gegen die hebräischen Schulen und traten für den Jargon in den Talmud-Thora-Schulen ein. Sie haben jetzt in den Kommunisten würdige Bundesgenossen gefunden. Dieselbe Erscheinung ist auch in Litauen zu beobachten. Die Agudah-Konfcrenz in Wien hat beschlossen, mehrere Deputationen zu entsenden: nach Palästina, nach London, nach Genf, nach Amerika. In der Presse liegen

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