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Jüdische Rundschau · 1921-06-10 · Heft 46-47 (10.6.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 46-47 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 330 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46/47 Der Keren Hajessod als Wirfscbafts• instrumcnt im Anschluß an die Vorgänge von Jaffa ist in der jüdischen Oefientliclikeit mit Recht betont worden, daii die Zeit seit dem Beschluß von San Homo bei weitem nicht genügend ausgciiutzt vvorden ist. Noch hat das jüdische Volk wenig getan, um die unvergleichliche (Jiance, die ihm geboten ist, zu verwerten. Was aber hatte geschehen müssen, und auf weiche Weise konnte und kann die Entwicklung am schnellsten gefördert werden? Man sagt mit Kocht, daß dem Privatkapital eine außerordentliche Ralle xufalle, und man hat sich darüber gewundert, daß dieses nicht f.chnclier zu* fasse. Indessen, wer die wirtschaftliche Lage einigermaßen kennt, der weiß, daß es geraume Zeit dauert, ehe sich die Lawine des Kapitals, mit kleinen Mengen beginnend, zu großen Massen sich steigernd, auf ein Land liernblaßt. Die Mobilisierung des Privatkapitals bedarf zumeist weitreichender Vorbereitungen, psychischer wie kapital* technischer. Vorbereitungen für Palästina sind sogar in viel größerem Maße getroffen worden, als dies der Oefteutlichkeit im allgemeinen bekannt ist, mul fortdauernd fassen neue Anregungen Wurzel. Doch die Errichtung von Fabrikbauten und sonstigen industriellen Einrichtungen in Paläsiina erfordert längere Vorbereitungen, als man gemeinhin ahnt. Audi juristische Schwierigkeiten spielen in Palästina eine erhebliche Rolle, so die Verzögerung der Genehmigung des Mandatstextes, die dem großen Rutlienbergschcu Projekt im Wege stellt (von dem kleinen Spezialprojekt am Audscha abgesehen). Nach Genehmigung des Mandates dürfte auch die Anleihe erscheinen und größere Mittel für Verkehrsprojekte bereitstellen. Daß ganz allgemein die heutige Zeit der stürzenden Preise, der Kapiralknappheit, der großen Wirtschaftskrise einem wirtschaftlichen Neuaufbau konträr entgegenwirkt, braucht kaum betont zu werden. Viele Projekte, viele Lebenspläne, die sich auf Palästina konzentrieren, reifen erst langsam ihrem Ziele zu. Kein modernes Kolonialland ist mit einem Schlage geworden. I leberall war die Entwicklung zuiiiiehsl langsam, und erst allmählich steigerte sich das Tempo. Und nicht nur in Kolonialläudern war die Entwicklung so, sondern ebenso in der Heimat der modernen Welt, in den HauptwirtschafIsländern Europas. Hier aber trat eine Potenz in Tätigkeit, der im Anfang der modernen wirtscliaftlichcn Entwicklung eine überragende!Jedeutuug auch auf dem engsten wirtschaftlichen Gebiet ziikani, der Staat. Zwar der übertriebene Merkantilismus, der schließlich die Gesamtheit des Wirtschaftslebens nach kunstvollen Ideen leiten und lenken, es bereits einer Art Planwirtschaft unterwerfen wollte, mußte ziisammcnbrechcn, Aber die ursprüngliche Staatstätigkeit, welche in noch primitiven Ländern wirtschaftliche Gedanken durchdiiickte, Industriell eiaricluete und überall mit Geldmittela fördernd einsprang, ist von unabsehbarem Werte gewesen. Sie erst hat die Privatiniitiativc, die alle diese Dinge dann später besser machte, angeregt und ihr die nötigen Impulse verliehen. Sollen wir die Nutzanwendung auf Palästina ziehen? Wir brauchen auch dort zunächst eine reichlich mit Geldmitteln versehene Instanz, welche auf wirtschaftlichem Gebiete grundlegend, anregend und fördernd voraugeht, unabhängig davon, ob Kapitalschwieiigkeiten und widrige Zeiten sinkender Pivise, wie bisher, dem wirtschaftlichen Aufschwung eutgegensteiie«, unabhängig von juristischen Schwierigkeiten und Hemmungen aller Art, die den Privatmann zunächst abschrecken. Die Londoner Jahreskonferenz von 1020 hatte wohl diese Empfindung, als sie den Keren Hajessod ins Leben rief. Wie einst die zerkliilteten, von Schwierigkeiten aller Art heimgesuchten Territorialstaatcn Europas inmitten kriegerischer Zeitläufte, inmitten rechtlicher Zerklüftung, inmitten einer überlieferten Wirtschaftsvcria.ssung unct 1>e1 unentwickeltem Privatka durch ihr unmittelbares Eingreifen den mode Wivtschaftsstaat vorbereiteten, so brauchen eine analoge Instanz in Palästina. Der Ke Hajessod muß die große Kraft sein, \v« mitten in einer widerstrebenden Welt, trotz Ungunst der Konjunktur, Grundlagen legt, D; ist mit Recht das jüdische Volk zur Zahlung « '. c״c1 •'111’gerulen worden, damit, wieder an; jenen Zeiten der Grundlegung in Europa. <j Steuerleistlingen ersetzt um! ergänzt wird, linTO״״h«f,e'U1״ ״nstwci1״" "°cl1 nicht recht hngen lassen, und was nicht uncrhchliclio?Uäd'uesSrld'uf'"1• bef!'rf• D״״,U ״״u n uit gesagt, daß nunmehr das Privatkanital ruekzuhahe״ braucht. Im üegenteÜ, SJ ähnliche Tätigkeit des Keren Hajessod kann nur eine Grundlage, eine Anregung, eine Forde |f». (Wien, 25.-27. Mai) (Schluß des lieriehies aus voriger Nummer.) Die Beschlüsse zur Kindcrfürsorge ln bcziig au 1* die Kiiulerfiirsorgc wurde die Srliafüiiiff eines ''speziellen, unter der Leitung des Oberrnbiiiners Dr. Cliajcs und der Frau Anitta Müller stellenden L e n t r a 1 h i'i r« s für Kinder fürsorge in Wien beschlossen׳. Dessen Aufgabe ist: ״Organisierung und Durchführung von Kindertransporteil, Gründung von Transitheimen usw. Demnächst sollen mehrere Kindertransporte ״ach A r g e n l i 11 i e n , S ü d a 1' 1׳ i k a , I’ :1 r i s usw. ahgdien. Der' L x e k 111 i vc in Paris bleiben die Emigrat i o n lind F t ü c 1111 i 11 g s a 11 g e 1 c g e n ii c i t c n vorbehalten, mul zwar hauptsächlich die Herbeiführung des Zusammenschlusses aller jüdischen Hilfsorganisationen zur Lösung des E111 i g r a t i o 11 s p r o b 1 e in s und das Ausfiniligmtidicn von neuen Ländern, die den Emigratioivsstroiii auf/iindimen imstande wären. Hierzu ist ein inniges Zusammenarbeiten mit den politischen Faktoren vorgesehen, um durch geeignete Verhandlungen die politischen Vorbedingungen für die Einwanderung in die neuen Länder zu schallen. Gleichzeitig wurden die Grunil/iige der ersten demnächst auf/.imehiiicndcn W a i s e 11 a k t i o 11 festgesetzt. Frau Anitta Müller, Herr Ochberg aus Südafrika und Dr. Krämer sollen sich demnächst nach Wol- 11 y nie 11 hegeben, um einen Kindertransport zusammenzustellen. Die diesem Transport angehörenden Kinder sollen nach Wien zinr Duzenfiihiung, beziehungsweise! Beendigung ihrer Kur gebracht und gleich darauf nach Südafrika befördert werden. Ebenso soll eine spezielle Waisenaktion nach Palästina, jedoch nicht nach privaten, soudem gesell•.cliaftlichen Grundsätzen, durchgeführt werden. Zum Präsidenten des Zcntralrates wurde Prof. Dr. Simon sen (Kopeiühngen) gewählt, In die Exekutive in Paris sollen Vertreter einiger besonders wichtiger jüdischer Organisationen von K a n a d a , Ar g e 111 i n 1 e n und S ii d a f r i k a eintreten. Die Schlußsitzung Zu beginn der Sitzung verliest der stellvertretende Vorsitzende Dr. Klee eine Zuschrift der Zentralwohlfahrlsstelle der deutschen Juden, eine Organisation, die die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland umlaßt, in der sic die ständige Verbindung mit der Wehiiilfs/.entrnle wünscht. Sodann berichtet Kaplan über die brennende Ohabizimfrage in Wien, wo sich über 1000 Chalu/im auf der Durchreise nach Palästina befinden, die infolge des Einreiseverbotes hier der größten Not preisgegeben sind. Redner verlangt, daß der Zcntralrat sich an alle jüdischen Organisationen, die für die ukrainische Judenheit tätig sind, auf telegraphischem Wege um Hilfe wende mul selbst beitrage. Leo Mozkin erklärte, daß die Exekutive selbst einen Betrag zur Verfügung stellen und sich sofort telegraphisch an die ukrainischjüdischen Föderationen in London und New York um Hilfe wenden wird, I Sodann gelangt die Frage der R e o r g a 11 i s a t i o 11 ' und der Kooptation zur Verhandlung. Nach längerer Debatte wird beschlossen: ״Der Zentralrat beschließt, von folgende» Ländern im Einvernehmen mit den dortigen Hilfsorgamsafionen und derzeitigen Zciitralratsmitglicdcrn die nachstehend genannte Zahl von Vertretern zu kooptieven: beßarabien, Belgien, Danzig, Holland, Italien, Jugoslawien, Lettland, Rumänien, Wilna, Wien (ukrainisches Hilfskomitee) und Wolhynien je einen Vertreter, Polen bis vier, Ostga'lizien ein bis zwei, Tschechoslowakei ein bis zwei Vertreter, sodann eine entsprechende Zahl von Vertretern aus Amerika, Argentinien, Kanada und Südafrika. An Stelle des verstorbenen Mitglieds des Zcntralrates Fritz Mordeehaj Kaufmann wird der gewesene jüdische Minister in der Ukraine, Bartholdy-Latzky, gewählt, ln die Exekutive wurde Herr Obcrrabbiner Dr. Chaje.9 kooptiert. In ihrer letzten Sitzung beschäftigte sich die Tagung mit der Emigrationsfrage. IK׳r Vorsitzende der Exekutive, Herr Leo Mozkin (Paris), referiert über die Emigrationsfrage und stellt test, «laß diese eine der wichtigsten Abschnitte der sein, damit auf der von ihr geschaffenen Basis mmmehr die private Initiative sich um so stärker entfallen kann. Erich Marx. Abraham Ludwipol gestorben 11t den ersten Maitagen starb in Jaffa im Alter von bö Jahren Her bekannte hebräische Journalist A br a h a in Ludwipol. Bereits vor 30 Jahren besuchte er Palustiua und veröffentlichte seine Reiseeindrücke, die auf die jüdischen Leser seinerzeit großen Eindruck machten. Vor 15 Jahren war er Redakteur der hebräischen Tageszeituug ״Hazofeh“ in Warschau, die als die bestgeleitete hebräische Zeitung gilt. Er übersetzte auch mehrere wissenschaftliche Werke ins Hcbräiscäie, wie ״Die Geschichte der Orientvölker“ von Maspcro. Vor mehreren Jahren übersiedeltc er nach Palästina. Er ließ siel! in Tel-Awiw nieder und gewann bald einen großen l.mlluß auf die öffentlichen Angelegenheiten. Er bekleidete mehrere Acmtcr in. Tel-Awiw, und zwar war er Abgeordneter der Städte Tel-Awiw und Jaffa, Mitglied des Aufsiehtsrates des Gymnasiums, Friedensrichter usw. Tätigkeit der Wdthilfszentrale bilde. Das Auswanderuitgsprobkm der jüdischen Massen gehöre gegenwärtig zu den brennendsten Fragen unseres Volksdaseius. Reducr unterbreitet folgeiv.lc Rcsoliilioncn: 1; Der Zcntralrat beauftragt die Exekutive, in seinem Namen an alle jüdischen Hilfsorganisationen einen Appui! zu richten, in welchem die gesamte Situation der Jaden geschildert und die Rettung dieser Massen aus ihrer Hölle durch Auswanderung als eine der brennendsten Aufgaben des jüdischen Volkes proklamiert werde, 2. e : n e 11 Z 11 s a in 111 c 11 s e h 1 u ß s a in I! i c h «• r O r g a n i s a t io n e n , welche für dieses Ziel als lli!!'•,• Organisationen oder politisch-rechtliche Organisationen in Betracht kommen, für eine einheitliche und svv.e.,1!- tische Aktion zur IXrrchfitlmmg der großen Aufgabe in die Wege zu leiten; 3. durch die jüdischen Organisationen Mittel und Wege zu finden, um in einer Reihe von landen!, welche für größere jüdische Massen aufnahmefähig sind, rechtliche Erleichterungen oder Zulassung von Einwanderung zu erlangen. Mit allem Nachdruck müssen die großen Möglichkeiten der Erschließung Palästinas für die j ü «1 1sehen Aus w a »derer ausgemitzi werden; I. direkt oder indirekt seitens einer Reihe \.m Regierungen die• entsprechenden Zusicherungen zu erhalten, von denjenigen Staaten, in denen tiir die Ein- Wanderung keine Hemmnisse bestellen, spezielle Erklärungen zu erlangen, von denjenigen Staaten sodann, in denen die Einwanderung verboten oder l»eschränkt ist, Deklarationen zu erlangen, unter welchen Bedingungen die Erleichterungen für die jadi sehen Massen gewährt werden können. in erster Reihe soll die Exekutive die Staaten Südamerikas mul die englischen Kolonien in Betracht ziehen; 5. auf Grund einer Spczj.ileiujücte die Aufsieihmg einer ziffernmäßigen, eventuellen Verteilung «1er jüdischen Emigranten über die einzelnen Länder zu entwerfen; <). der Zentralrat ist überzeugt, daß in dieser kritischen Zeit des jüdischen Volkes an eine Regelung der Wanderung mit Erfolg nur herangetreteu werden kann, wenn zu diesem Zwecke alle jüdischen O r g a n i s a t i o n c n z 11 s a 111 111 e 11 g e s c 111 o s s 1' 11 werden; 7. der Zentralrat schließt sich dem Appell a n den V ö 1 k c r b 11 n d an, in welchem dieser auigeionlcn wurde, durch einen Appell an seine Mitglieder in verschicdcncn Staaten die Möglichkeit der Einwanderung bestimmter jüdischer Massen zu schäften; S. der Zentralrat beauftragt die Exekutive, ganz besondere Aufmerksamkeit «!er Zusammensetzung 'tler jüdischen Wandennassen zu/uwemien und 'durch eine S p e z i a! c ן»וו u c t e und ilurcli Einholung spezieller Materialien den Nachweis zu erbringen, daß die Auswanderermassen hauptsächlich durch nationale V'erfolgiiugeii aus ihrer Heimat gejagt werden, damit die Möglichkeit geschaffen werde, die in verschiedenen Staaten bestellenden Erleichterungen für die Eiuwandtrung solcher Elemente auszunützen; 9. die Exekutive wird beauftragt, in Ausführung der Beschlüsse der Karlsbader Welthihskonfercnz Schritte zu unternehmen, welche dazu führen können, daß eine zentrale Emigration*- un«l Uchcrwcisiingsbank zustande kommen soll; 10, der Zcntralrat legt es der Exekutive nahe, der Wanderung nach Palästina eine besouilere^ Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sodann wird noch folgende Resolution einstimmig angenommen: ״Der Zentralrat der jüdischen Welthilfszentraie, welcher sich mit der Lage der Flüchtlinge in Polen und Rumänien befaßt, ist der Ansicht, daß' «las Weiterverbleiben größerer Massen Heimioser in den Ländern des Ostens zu einer Katastrophe führen kann, trotz der Erleichterungen, die von den Regierungen dieser Länder für die Flüchtlinge gewährt werden. Deshalb sind alle Kräfte sämtlicher jüdischer Organisationen des Auslandes darauf zu richten, die Emigration der Flüchtling«: in transozeanische L ä n d e r zu ermöglichen.“ Nach Schluß der offiziellen Sitzung fanden noch mehrere Sitzungen tler erweiterten Exekutive statt, welche sich insbesondere mit den nächsten Aufgaben befaßten. Unter anderem wurde die Inangriffnahme von mehreren Hilfsaktionen in «len europäischen Ländern beschlossen. Englische Kolonien für jüdische Einwanderer London, 28. Mai. (J. C. B.j Ein aus Vertretern des Joint Foreign Committee und der ״ica“ bestehendes Komitee unterbreitete dem Kokmialministeriimi ein Meinorandiirn, in dem die Lage der jüdischen Auswamtcrer in Polen beleuchtet und die Regierung um die Freigäbe «1 c r englischen Kolonien für «J i c j ü - di sc he Einwanderung ersucht wird. Der Unter- Staatssekretär für Kolonien versprach eine ernste lind eingehende Prüfung dieser Angelegenheit. Jüdische Auswanderung nach Mexiko Warschau, 1. Juni. (J. C. B.) Das zentrale Hilfskomitee für die ukrainischen Juden beschloß die Entsendung eines Delegierten nach Mexiko, um sieb an Ort und Stelle über die Möglichkeiten für eine ostjüdische Einwanderung zu informieren. bezeichnende latsache, «laß tler amerikanische i sekretar für Oeffentliche Arbeiten, Mr. Samuel Do wz «. m. c״!cr ,.Tagung des Freimaurerkonven Washington für die Einbringung eines Gesetzes im greß aussprach, das eine Registrierung $ . c.!,’.e r 1״das Land kommenden Frei entfuhren soll.

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