Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 46-47 (10.6.1921)
- Date
- 1921-06-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652356--14077-2671863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 328 JÜED1SCHE RUNDSCHAU liehen Ausbruches der Mordinstinkte der Ober- 1 kommiusar die Notwendigkeit empfindet, unbedingt zunächst die arabische Bevölkerung zu beruhigen und jeder antijüdischen Agitation, die mit dem Sdilagvvorl von den ״jüdischen Hcrrschaftsgeltislen“ arbeitet, den Boden zu entziehen. Aber mich in diesem Fall glauben wir, daß der Ton der Rede verfehlt war. Denn man dient der Aufreehterhaltung der Ruhe schlecht, wenn man sich völlig aul den Boden der Gewalttäter stellt. Es ist schon oben bemerkt worden, daß es möglich gewesen wirre, beruhigende Worte für die Araber zu finden, auch ohne die jüdische Würde preiszugeben. Wir teilen die Ansicht, daß bei nationalen Bewegungen gewaltsame Unterdrückung seitens der Regierung nicht nur liimiliissl*» sondern auch unzweckmäßig־ ist, weil gerade eine unterdrückte Bewegung um so mehr Kräfte aufbriugt. Aber bei allem Verständnis für Vcrsläiuiigimgsnotwendigkeitcn darf niemals das Mittel der Gewalt sanktioniert werden. Die Rede bedeutet aber nicht nur in ihrem politischen Teil eine vollständige Kapitulation vor dem arabischen Terror, sondern auch ihr sachlicher Teil ist eine weitgehende Konzession. Der Oberkommissar erklärt, daß die Bedingungen Palästinas eine Masscnimmigralion nicht znlasseu. Die Ein- Wanderung wird für die nächste Zeit wesentlich In׳>cl11ä11k1. Von dem Element, das bisher den Hauptbestandteil des Eimvanderimgsstromes gebildet hat, den Chahi/im, sollen nur solche hereingelassen werden, welche genau nachwciscn könnet), daß sie im Lande Arbeit finden werden. Diese Bestimmungen sind äußerst hart und müssen insbesondere darum bekämpft werden, weil sie im Zusammenhang mit der von den Arabern erhobenen Forderung nach Einstellung der jüdischen Immigration erlassen wurden. In Wahrheit entspringen .sie politischen und nicht Ökonomischen Motiveit Palästina ist zwar ein unentwickeltes Land, und es gibt in der Tat heute nur bc.sdimukte Arlvitsmüglichkeiten. Trotzdem ist cs in keinem Lande der Well möglich, alle Arbeitsgelegcnheitcn für Menschen, die Ideen, Initiative, Intelligenz und Kraft mithringen, voratisz.usehen. Nach einer solchen Methode wären wahrscheinlich bis heute nicht viele Einwanderer ins Land gekommen; und dennoch haben beinahe alle Chainzim Arbeit gefunden. Die jetzt angekündigte.t Be- Stimmungen sind aber gleichzeitig ein ungeheurer Vorwurf gegen die Zionistische Organisation und ein Mahnruf in letzter Stunde. Der größte Teil der eiiiwaiuleniden Chaluzim ist in der letzten Zeit von der Regierung beschäftigt worden. Die Zionistische Organisation hat infolge des völligen Versagens der Geldaktion keinerlei Arbeiten unternehmen können. Nun hat die Regierung selbst die Einwanderung beschränkt und ist offenbar auch nicht mehr geneigt, jüdische Arbeiter bei Notstandsarbeiten zu verwenden, weil sie die Vorwürfe der Araber fürchtet, die gegen diese Vcr- Wendung protestieren. Die Frage ist nun: Wird die Zionistische Organisation dieses Verbot einfach!als Schicksalsschlag hinnelmten und sich damit begnügen, Protestvcrsaminlungeii zu arrangieren, oder aber wird sie das einzig Mögliche endlich tun, nämlich selbst für Arbeit sorgen, als Arbeitgeberin und Arhcilsvcrnuttlcrin in größtem St auftreten א In der letzten Zeit ist auch in Amcrik; wyie gemeldet wurde, ziemlich viel Geld für de Keren Hajessod aufgebracht worden. Es muß nu die Möglichkeit bestehen, großzügige wirtschaf liehe Arbeiten zu beginnen. Wir haben nllerdiitj bis jetzt noch nicht gehört, daß konkrete Pliii hierfür vorüegen, mit Ausnahme des Rutenbergsclu Projektes, das bei solchen Anlässen immer erwähl wird; aber wir wollen bis zum Beweis des Gege: teils unserer Leitung nicht die unverzeihliche U terlassungssündc zumuten, nicht für die Vorher!, ftmg solcher Pläne gesorgt zu haben. Es ist 111 keine Zeit mehr zu verlieren. Es müssen sofo vom Keren Hajessod Arbeitsgelegenheiten g schaffen werden, und die Durchführung; der Arbi und der Ansiedlung muß durch Kreditinstitiitiom ermöglicht werden. Gerade jetzt kam die Nac rieht, daß die palästinensische Regierung die A beiterbank konzessioniert hat. Es ist unsere wie Aufgabe, dieses Institut schnellstens aktion .11'1'0'1™י damit es zusammen mit de nmrfu uvC^0Tdctl Begmn von Arbeiten ntöglf Sl n \J!d, ar!dC Cl«!uzim absorbier! können, welche iieute stürmischer denn ie v *»דייייזירצמ•Dic *"־™■׳»"׳ “*■ aiDaten wud auch in den Autrcn ,w tnXk!Jas,״be^edhkrtnU1^ ״n<ien׳ sic wc1dc״ ״ic nettr das berechtigte oder unberechtigte Gofü hab0״ ״־1, ,״־ Einwandcer d״,־T2 , "t iener ״kl?ß 11«Einwanderung von jener Reg.erung, die die Durchführung der Clevcl&nd entscheidet gegen f»ltck London, 8. Juni (Tel. d. ״J. R.“)• Die amerikanische zionistische Jahreskonferctiz (Convention) in Clcvcland lehnte das Vertrauensvotum für Muck mit 153 gegen 71 Stimmen ab. Die gesamte artterlkanlsche Leitung einschließlich Mack, Brandeis, Stefan Wiae, de Haas hat demlssionierL ♦ Die Nachricht über das Resultat der zionistischen Convention in Clcvcland, die uns unmittelbar vor Erscheinen des Blattes z.ugclit, zeigt, daß der Delegiertenlag der amerikanischen Zionisten sich mit mehr als Zwoidrittel-Majorität für Wcizmauu und gegen die bislierigc .amerikanische Leitung ausgesprochen hat. Das Mißtrauensvotum gegen die amerikanische Exekutive, das seinesgleichen in der Geschichte des Zionismus picht hat, ist ein Beweis dafür, daß die Massen der amerikanischen Zionisten kein Verständnis dafür haben, daß in der schwierigsten Zeit des Zionismus, die wichtigste Aktion des Augenblicks, die Sammlung für den Keren Hajessod, von zionistischen Führern sabotiert und dadurch die gesamte zionistische Arbeit und das Lehen des Jisehuw gefährdet wird. Kein Zionist wird ohne Gefühle tiefsten Bedauerns davon Kenntnis nchmen, daß so prominente zionistische Gestalten wie Brandeis, Mack, Weiß um! de Haas durch die Ent- Wicklung aus der Leitung ihrer Landesorganisation herausgedriing: worden sind. Wir hoffen, daß diese Männer bald wieder aktiven Anteil an der Arbeit nehmen werden, und /.war nicht mehr in einer unfruchtbaren Opposition. Der amerikanische* Zionismus wird neue Führer wählen müssen; bisher ist nicht bekannt, wer dafür auset'schcn ist, doch scheint es, daß die Person Samuel Untermeyers dabei eine Rolle spielen wird. Das wichtigste aber ist, daß auf Grund der Beschlüsse von Clcvchuul in ganz. Amerika jetzt eine mächtige Keren I lajessml-Aktiou mit größter Beschleunigung durchgeiültrt wird. Weizmann hat gesagt, New York allein könne den Aufbau Palästinas finanzieren. Sicher ist, daß ungeheure Mittel in Amerika zur Verfügung stehen. Der Ernst der Stunde legt eine ungeheure Verantwortung auf die amerikanischen Zionisten. Wir hoffen, daß die Convention in Clcvcland eine Periode der Tat einleiten wird. * Von der Eröiimtng der Convention liegt folgendc Meldung vor: New York, 6, Juni 1021. (Telegramm des Zion. Büros.) Die Convention der amerikanischen Zionisten wurde gestern eröffnet. Die zionistische Delegation nimmt an den Beratungen teil, Samuel Untermeycr bemüht sich, einen Ausgleich zwischen den gegnerischen Anschauungen zustande zu bringen, und die amerikanischen Führer erklären sieh bereit, den Keren Hajessod in Ucbereinstimmung mit den Londoner Beschlüssen anzuerkennen, unter der Bedingung, daß folgende Abiimlcrungcn zugestaiidai werden: E Der Keren Hajessod verpflichtet sich, den amerikanischen Zeichnern für 27 ״/o ihrer Zcichnungen Shares des Jcwish Colonial Trust auszufoigen. 2. Der Keren Hajessod bedient sich der Shares des J.C. T. für finanzielle Investitionen. 3. Die amerikanischen Zionisten erhalten eine wesentliche Vertretung in der Budgetkommission der Weltorganisation. 4, Die Verwaltung in Palästina darf das Budget nur mit Bewilligung der Budgetkommission abündern. 5, Die Aufsicht über den Keren Hajessod führt die zionistische Exekutive, Brandeis wird an der Konferenz nur dann teiinchme», wenn der Friede zustande gekommen ist. Die ersten amerikanischen Chaluzim New York, 51׳. Mai. (J. C. B.) Mit dem Schiff ״P a k aha 111 e s“ sind die ersten '50 Chaluzim aus Amerika nach Palästina abgegangen. Werkzeuge für Palästina New York, 31. Mai. <J. C. B.) Das hiesige Komitee zur Versorgung der palästinensischen Arbeiter- Schaft mit Werkzeugen hat einen großen Posten Werkzeuge eiugekauft, die der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ausgeliefert werden sollen. Demnächst geht ein Schiff mit Werkzeugen direkt von New York nach Palästina ab, das u. a. acht Traktore, Steinbrechmaschinen usw. enthält. der nationalen Heimstätte übernommen hat, aus dem Munde des ersten jüdischen Statthalters von Paliistina verkündet, ist ein schwerer Schlag. Aber wir dürfen in diesem Augenblick uns nicht wieder damit begnügen zu protestieren, sondern wir müssen einseheti, daß ein gut Teil der Schuld an dieser Maßnahme auf uns selbst zurückfällt. Darum ist es auch in unsere Hand gegeben, den Rückschlag, den die Ereignisse von Jaffa gebracht haben, durch positive Arbeit wieder gutzumachen, R.W. _Nr. 46/47 ״New York allein könnte Palästina aufbauen“ Aeußerungcn Weizmanns über die nächsten praktischen Aufgaben. Während seiner Anwesenheit in Moatteul (Kanada) gewahrte der Präsident der zionistischen Exekutive, Professor Weizmann, einem Redakteur des ״Cana dkm Jcwish Chronicle“ ein Interview, in welchem er sich über die gegenwärtige Lage in Palästina eingehend äußerte, Professor MZerzmonn wurde unter andcicm v om I ntervie wer gefragt: Welche Arbeiten werden in Palästina begonnen werden müssen, sobald die nötigen Mittel aufgebracht sind t ״Die wichtigste Arbeit“ ~ antwortete Professor Weizmann - ״ist, Häuser, iü r die Chaluzim zu bauen. Es macht sich Mangel an Baumaterialien fühlbar, welche bisher aus Galizien importiert wurden; daher wäre cs von Wichtigkeit, in Kanada eine Gesdlschaft zur Ausfuhr von Baumaterialien aus Kanada nach Palästina zu gründen.“ — Wenn die Aufbringung des Keren Hajessod ge- Jingt, wieviel Chaluzim wird mau in diesem Jahre nach Palästina bringen können? ״Wenn "der -Keren Hajessod in diesem Jahre 10 Millionen Dollar aufbriugt, wird man 50 051) Chain zim ins Land brihgen körnten. Und 50 000 fzalu/tiu in diesem Jahre bedeuten 100 000 im nä elf ste n.“ — Was kann eine Person mit kleinem Kapital in Palästina anfangen? ״Zurzeit ist in Palästina nur für zwei Arten von Emigranten Platz, für C h a 111 z i m , svelehe sich durch keine Mühe abschrecken lassen, kein« Gewinne suchen, sondern zufrieden sind, daß sie im Laude sind, und für solche, welche Kapital in Palästina anlegen wollen, um das Land aufzubaueit. Per- Sonett mit kleinem Kapital müssen zurzeit allerhat«! Störungen gewärtigen, die sich aus dein schwattketukn Valutakurs, der, politischen Sittiatiuit und aus dem Wohnungsmangcl ergeben. All das wird mit der Zeit verschwinden, aber gegenwärtig muß man damit rechnen.‘' — Welches sind die Hauptaufgaben des kommenden Ziomstenkongresscs? ״Der Keren Hajessod und die Einwanderung nach Palästina — das sind die wichtigsten Fragen. Wir müssen viel Hoden erwerben, um die Zahl der jüdischen Bewohner in Palästina zu vermehren.“ — Was haben die amerikanischen Juden noch zu tun, außer Geld für den Keren Hajessod aufzttbringen? ״Sehr viel, das amerikanische Judentum muß ebenfalls C 11 a I u z. i m g r 11 p p e n liefern, welche für Palästitu begeistert um! gut vorbereitet sind und 'die hebräische Sprache beherrschen; diese werden die Clialtiz.iiiigruppcu der osteuropäischen Lander ergänzen und den Geist des Westens in das jüdische Heim einführen.“ ״New York allein“ ~ ittlir Professor Wcizmann fort — ״w ä re inist ״ n d e , 1׳ a 1 ä s t i n a a 11i - zttb :tuen, wenn die New Yorker Judcnschnft die richtigen Führer hätte und über die Lage richtig aufgeklärt würde. Uns ist cs nicht schwer gewesen, die New Yorker Judcnschnft darüber aufzuklären, worin ihre Pflicht gegen Üen Keren Hajessod besteht, und in der kurzen Zeit, die wir in New York weilten, ist es uns gelungen, mehr als 3!״ Millionen Dollar für den Keren Hajessod atifzubringen.“ Empfang zu Ehren J. Naiditsch's New York, 30. Mai. (J. C. B.) Das Keren Hajessod-Komitee für die Vereinigten Staaten gab einen großartigen Empfang für den Direktor des Keren Hajessod, J. Naiiditsch, an dem u. a. die Herren Louis Lipsky.^Dr. Srfimarjah l.evin, Abraham Goldberg, Ussischkin, Schaluin Asch, |)r. Weizmann, Morris Rottenberg und Pe t c r Sc h w e i z e r teilgenoinmcii haben, Letzterer, der soeben aus Palästina zurückgekehrt ist. zeichnete ihr den Keren Hajessod 100000 Dollar, von welchen er 25 000 sofort eingezahlt hat. Verhandlungen mit dem Joint Ne w York, 31. Mai. (J. C. B.) Das Keren Hajessod-Kontitee für die Vereinigten Staaten hat mit dem A. j. 1). C. Verhandlungen wegen einer Beteiligung des letzteren mit wenigstens 500000 Dollar an der in Gründung begriffenen Hypothekenbank für Palästina eingcleitct. Verschiebung der Wahlen für den amerikanisch-jüdischen Kongreß New York, 30. Mai. (J. C. B.) Einer Kundmachttng des Provisorischen Komitees des jüdischen Kongresses in. Amerika zufolge wurden die Wahlen liir den Kongreß auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Grund hierfür wird zwar nicht angegeben, es ist aber bekannt, daß die Führer der Kongreßbewegung gegenwürtig von den Arbeiten für den Keren Hajessod derart 111 Anspruch genommen sind, daß es unratsam erscheint, die Kräfte zu zersplittern, zumal der Wiederaufbau Palatrtitm stets einen Hauptpunkt im Programm des jüdischen Kongresses bildete.