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Jüdische Rundschau · 1921-06-10 · Heft 46-47 (10.6.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 46-47 (10.6.1921)
Date
1921-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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R«).ktio■ «ni VerUg W 1J, SiA.Udb. Slr.8« R. Er.Ast«» W« Di»»t«g ««d Pr.it.g. B«.ug.pr«. bei der E*p*d1t>on 0«d den P.,!Jm?«ro viertetjihiliA IS.— M. In DesleAUod. A>»le»d««bomne• ■VnU we,d«a 1« der W«hn1«g im «la».loe« Nummer 46/47 | ״ Berlin,70. VI 1921 / An geigen *Verwaltung» Vertag Alwin Loeweaihal. Berlin NW 7, Dorotheeaitr« S5 T#i«pboa: Amt Zentrum 4814 aod 4815. Aaieig«apr •11 f3r di« •letycbsreepeiteQ« Nonpe/ellUieJl• 2,50 M*!,*aiitientnxMgca 4 M. pro Zeile. Ad*•! jon«c!1iuÜ t DieanUg «ad FroIUf ieebnitt•? 4 Vhi. Telephon: UbUnd 845 u.846, PoatecfeedkkoQto: Berlin Nf. 17592. Für Oe1t«nrcicfe. PoeUperkcuieenemt Wie״, Konto Nr. 156 039. Fui TndhechoaloweVeit PeateperkAMcnemt Prag, Konto Nr. 156030• *“־ RwUkttonevihluR Sonntag und Mittwoch eechmitUg. — xxvt..Jahre־ per Zionismus erstrebt fOr das JQdlsche Volk dla Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm" Die Einschränkung der Einwanderung Herbert Samuels Rede vom 3. Juni \ui i. Juni, dem Geburtstag des englischen 1 Königs, hielt der Oherkommissar Herbert Samuel m Jerusalem eine Reüc, in der er die gegenwiirtige Situation beiiatulellc. Das Zionistische Bitro in London hat folgenden telegraphischen Wortlaut aus Jerusalem übermittelt erhallen: ״Ich freue mich, fesistellen /u können, dall im Volke ein lebhaftes Hediirfnis besteht, die Wohltaten der Li־/, ich 11 »g /u genießen; dies ist in der Tat die erste Vorbedingung eines nationalen Fortschritts, H e Regierung hat ein umfassendes Schema ausgearbeitet. iucIi dem in einem Zeitraum von vier Jahren׳ das ganze Land mit Sduilen bedeckt sein wird. Die Bevölkerung der Ortschaften muH die Gebäude und die l'iurielmuig beistellen, die Regierung wird die (ic* holler der Lehrer und die anderen Kosten der Erhaltung beitrugen. Während der letzten fünf Monate sind il neue Dorfschulen eröffnet worden, welche 1300 Kindern Elementarunterricht gewähren, während dd vom Staate unterstützte Schulen, welche in den letzten zwei Jahren von der Bevölkerung seihst eröffnet worden waren, ebenfalls von der Regierung übernommen worden •üul. 3(1 weitere Schulen werden während des lautenden Vcrwaltiingsjahres eröffnet werden. ‘Gleichzeitig "erden Maßnahmen ergriffen werden für die Entwicklang der zwei Lehrerseminare für Lehrer und Lehrerinnen. Es sind auch Lehrer bestellt worden, die in den Beduinenlagern leben und dort die Kinder unterrichten. All dies wurde von den allgemeinen Einnahmen des Landes geleistet, ohne Notwendigkeit einer besonderen Besteuerung. Unterstützungen werden einer großen Anzahl von Schulen gegeben, die von Rcligionsgomeinscliafu'it und anderen Organisationen erhalten werden. Ich komme jetzt /ur politischen Situation. ich bedauere außerordentlich, dall die H a r - ייי o 11 i e /wischen den G1 a u b e n s b e k c 11 n t ־ nissen 1111 d Völkern Palästinas, die herzustellen mein ernstestes Bestreben war, noch nicht erzielt worden ist, und ich halle sorgfältige Aufmerksamkeit den Maßregeln gewidmet, welche zu ihrer Sicherung geeignet sind. Zunächst möchte ich nochmals auf das unglückselige Mißverständnis zurüekkommen, welches in bezug auf die Formel der B a 1 f o u r-D c k I a r a t i o n -״ die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palüstina - Tntstandcn ist. Ich höre immer wieder, in Gelen Kreisen, daß die arabisch« Bevölkerung Paliistinas niemals ihre Zustimmung dazu geben wird, daß ihr Land, ihre heiligen Stätten und ihre Aecker ihnen weggenommen und Fremden gegeben werden; daß sie niemals ihre Zustimmung geben werden, daß eine jüdische Regierung ringe setzt wird, um die moslemische und christliche Majorität zu beherrschen. Die Leute sagen, sic können nicht verstehen, wieso die britische Regierung, deren Gerechtigheit in der ganzen Welt bekannt ist, jemals zu einer solchen Politik ihre Zustimmung geben konnte. Ich antworte, daß die britische Regierung, welche in der Tat die Gerechtigkeit über alles stellt, niemals einer derartigen Politik z 11 g e s t i tn m t hat und niemals־ zustinimeii wird. Das ist nicht der Sinn der Balfour-Deklaration. Vielleicht bringt die IJcbcrsctzung des englischen Textes ins Arabische nicht den wirklichen Sinn der Worte zum Ausdruck; sic bedeuten, daß den Juden, einem Volke, welches über die ganze Welt zerstreut ist, dessen Herzen aber stets nach Palästina ״crichtct waren, die Möglichkeit gegeben wird, hier ihre Heimat zu linden und daß eine Anzahl von ihnen — innerhalb der Grenzen, welche durch die Zahl und die Interessen ,נ"SGP-'nwärügen Bevölkerung gegeben sind — nach a'״.s,llw kommen soll, um durch ihre Mittel und Kräfte dazu beizutragen, das Land zum Vorteil aller seiner Bewohner zu entwickeln. Wenn irgendwelche Maßnahmen notwendig sind, um die moslemische und christliche Bevölkerung /״ überzeuge», daß diese Prin- ״■״״״ ‘*cr werden beobachtet werden und daß ihre Rechte wirklich sicher sind, dann wer- ״ *c!' 5 Maßregeln ergriffen werde n. iknn che brifisehe Regienmg, welcher durch das Mandat das Gluck der palästinensischen Bevölkerung anvertrant ls!',l''v1־r" jemals eine Politik zulassen, welche diese Bevokerung begründeterweise als mit ihren religiösen, politischen öder ökonomischen Interessen in Widerspruch sichend empfinden könnte. Was die Immigration betrifft, so ist cs fn der Tat notwendig, daß ihr mfang genau i nt Verhältnis steht z.u der Beschäftigung, die die Immigranten im; Lande finden können und ferner, daß diese Beschäftigung n e 11 e Arbeiten betrifft und Arbeiten von dauerndem Charakter. Die Immigration wurde eingestellt während der'Untersuchung der Situation; sodann wurden Bestimmungen festgelegt, wonach Personen folgender Kategorien nach Palästina hereingelassen werden: Reisende, Personen mit s c 1 b s t ä n i d i g e in Vermögen, Fachleute, Verwandte! palästinensischer Einwohner, welche von diesen wirtj schaftlich ganz ahhiingen, und Personen, welche defi* I »i t i v e Aussicht auf Beschäftigung haben, ) wobei der Arbeitgeber bzw. die Unternehmung genau angegeben sein muff. Hinzu kommt noch eine bes c 11 r •:i » k t e Anzahl von Personen, welche zur Zeit der Verhängung des Einwandertingsverbotcs gerade eingetroffen ist oder in ettropäisehen Häfen eingeschifft wurde, denen jetzt gestattet werden wird, ins Land zu kommen. Aber es muß endgültig anerkannt werden, daß die Bedingtmge» Palästinas derart sind, daß sie nichts Derartiges wie eine Masseninunigration zulassen. Ich bin ängstlich darauf bedacht, daß die palästinensische Bevölkerung inniger mit der unter dem Mandat eingesetzten Verwaltung verbunden wird, und die Frage, in welcher Weise eine freie und anerkannte Meinungsäußerung gesichert werden kann, findet gegenwärtig die größte Beachtung der Londoner Regierung. Inzwischen schlage ich vor, sofort Schritte zu unternehmen, tim eine innigere Beratung über wichtige r e V c r w a 11 u n g s 11t;1 ß n a h in e 11 zwisehen der Regierung und verantwortlichen Personen, die namens aller Teile der Bevölkerung sprechen, zu sichern, Es ist die Absicht der britischen Regierung, nach dem Inkrafttreten des Mandats Anstalten zu treffen für die palästinensische Regierung, Die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung sollen nicht nur vollkommen . durch das Mandat selbst sichergestcllt werden, sondern cs werden sicherlich in diesem Dokument auch Einrieltlungen dafür vorgesehen werden. Schon jüngst wurde in Aussicht gestellt, daß Schritte unternommen werden, um das System der Wahl der Stadtverwaltungen wieder einz.iifiiliren. Was die ernslcn Unruhen betrifft, die jüngst in Jaffa und Umgebung stattgefunden haben, erwarte ich den Bericht der unparteiischen Kommission, welche jetzt die Ereignisse und ihre Ursachen untersucht, bevor ich selbst meine Meinung äußere. Sicher ist jedoch, daß nichts die schweren Verbrechen, Morde, Ueberfiillc, Räubereien entschuldigen kann, welche dabei stattgefunden haben. Eine große Zahl von Fällen sind jetzt im Stadium der Untersuchung, und diejenigen Personen, welche an den Verbrechen schuldig befunden werden, sollen ihre verdiente Strafe empfangen. Den Familien der Getöteten und den Geschädigten spreche ich meine herzliche Teilnahme aus.“ Herbert Samuels Deklaration Der Eindruck in Palästina Jerusalem, 6. Juni (J.C.B.). Die jüdische Bevölkerung Palästinas ist aufs äußerste bestürzt über die letzte Deklaration Herbert Samuels sowohl bezüglich seiner Auslegung der Balfourdeklaration, als auclt bezüglich seiner künftigen Politik. Infolge der strengen Zensur ist die jüdische Presse außerstande, die wahre Stimmung der Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen. Die Vertreter des palästinensischen Judentums, welche an der Feier des Geburtstags des Königs teilnahmen, verließen in großer Aufregung den Saal. Heute, Montag, am 6. Juni, findet eine außerordentliche Sitzung der Zionist Commission und des Waad Leumi statt, um über die Situation zu beraten. Die Demission von Ben •Zwi abgelehnt Wie wir bereits in Nr. 44 der ״Jüd. Rundschau" gemeldet haben, hat J. Ben-Zwi, der Vertreter der palästinensischen Arbeiterschaft im Advisory Council (Palästinensischer Staatsrat) sein Amt nicdergelegt. Soeben erhalten wir aus Palästina die Nachricht, daß der Oberkommissar seine Demission nidht angenommen hat. Die Rede Samuels Die Rede, die Sir Herbert Samuel atn 3. Juni in Jerusalem gehalten hat, wird zweifellos in der jüdischen Welt mit einiger Verblüffung aufgenommen werden. Schon aus den Vorgängen des letzten Monats konnte inan schließen, daß diese Rede recht zurückhaltend ausfallen wird. Aber wir haben doch erwartet, daß zumindest eine scharfe Verurteilung der Vorgänge in Jaffa und der ganzen verhetzenden Agitation von dein Oberkonunissnr ausgesprochen werden wird, und daß er Maßnahmen ankündigen wird, die eine Wiederholung ähnlicher Vorgänge verhüten. Selbstverstündlich haben wir auch erwartet, daß die Rede den Arabern gegenüber versöhnliche und entgegenkommende Töne finden wird, denn es ist keineswegs das Ziel der zionistischen Politik, einen Konflikt mit den Arabern herbeizuführen oder auch nur die Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu verschärfen. Es hätte in diesem Augenblick von seiten des englischen Oberkommissars, der nicht zufällig ein Jude ist, sondern als Vertraucnsinann auclt des jüdischen Volkes und zur Durchführung der Errichtung der jüdischen Heimstatte auf seinen Posten berufen wurde, mit Nachdruck und mit dem durch die Furchtbarkeit der Situation gebotenen Ernst dargelegt werden können, daß auch das jüdische Volk den innigsten Wunsch hat, mit den Arabern politisch und menschlich in herzlichsten brüderlichen Beziehungen zusammen• zuleben, daß auch die Zionisten nicht daran denken, eine Herrschaft über die Araber aufzuiiciiten oder irgendwelche arabische Bevölkerungsteile zu unterdrücken; daß gerade das jüdische Volk, das in allen Ländern der Welt als Minorität unterdrückt und an freiem nationalem Leben gehindert wird, das größte Verständnis dafür hat, daß eine Politik der Ungerechtigkeit gegen ein anderes Volk verwerllich und unzulässig ist. Eine solche Ver- Sicherung aus dem Munde des Oberkommissars hätte zweifellos einen tiefen Eindruck machen müssen. Es ist bisher von jüdischer Seite versäumt' worden, ein wirkliches Verhältnis zu den Arabern zu finden, sic über den Zionismus aufzukliircn und ihnen durch die Tat zu beweisen, daß wir uns als verwandtes Volk mit ihnen zu gemeinsamer kultureller Arbeit verbinden wollen; cs war vielleicht weniger Schuld, als Ungeschick und Unzulänglichkeit der verantwortlichen Mensehen. Gerade in diesen Stunden, wo durch die fürchterlichen Mordtaten von Jaffa die Stimmung begreiflicherweise äußerst verbittert wurde, wäre eine ernste Erklärung dieser Art von tiefster Wirkung gewesen, besonders aus einem .Munde, auf den alle Augen gerichtet sind. Daß Herbert Sainuel es nicht für nötig gehalten hat, in seiner Rede auch den jüdischen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, ist ein Versäumnis, das wir außerordentlich bedauern müssen. Aber mehr als das. Samuel hat durch seine Darstellung geradezu den Anschauungen der Hetzer Rechnung getragen. Er hat durch seine Versieherung, daß die englische Regierung niemals eine Herrschaft der Juden zulassen wird, und durch seine Verwässerung des Begriffes ״National Home" geradezu den Eindruck erweckt, als ob er die Ansicht teilte, daß die jüdischen Aspirationen der nichtjüdischen Bevölkerung Gefaltr bringen können. Er spricht sehr ausführlich von Maßnahmen, die zur Sicherung der nichtjüdischen Bevölkerung und ihrer religiösen, politischen und ökonomischen lntcressen ergriffen werden sollen. Es ist eine Ironie, wenn nicht ein Hohn, daß unmittelbar nach dein Pogrom in Jaffa, der die völlige Schutzlosigkeit der jüdischen Bevölkerung in blutiger Deut- Jichkcit gezeigt hat, der Oberkommissar des Landes nichts stärker zu betonen weiß, als die Notwendigkeit des Schutzes der nicht jüdischen Bevölkerung. Kein Wort wird darüber gesagt, daß auch — nicht nur etwa die ״religiösen, politischen und ökonomischen Interessen" — sondern das Leben und die körperliche Sicherheit der Juden unverictzlich sind. .Wir verstehen, daß diese Rede ein Dokument der Politik ist. Sie ist offenbar so zu erklären, daß infolge der bis heute anhaltenden Erregung־ und der noch immer drohenden Gefahr eines neuer-

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