Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 44 (3.6.1921)
- Date
- 1921-06-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 316 J UEDISCHE RUN uo^im w Wiener Brief S- Wien, Ende Mai 1021. Die Ereignisse in Jaffa haben ihre Wirku1i;:c11 n.iturgemäß aiicit auf Wien ausgestralilt, da Wiens zentrale faKi• mul sein Cli.ir.ikler als Diirdigaugspimkl f״r die Palä st iuaci invalide rmig aus dem Osten diesem Orte besondere Wichtigkeit für die Erez-Israel-Imnügration vorleihen. Neben dem Wiener l> a I ii s t i na a in t, dessen Tätigkeit bereits heute eine weit mein׳ als lokale Hedeutung hat (was anscheinend von der zionistischen Oesamtexckiilive in London noch immer nicht gehörig erfaßt wird, da das Wiener Palästinaamt bis he de keine Dotation von London erhält), ist hier ein eigenes Chaluzim-Fürsorgckomitec begründet worden, welches bisher in Wien für seine Zwecke recht ansehnliche Summen autbringeu konnte, Das infolge der Jaffaer Ereignisse verfügte Einwtinderungsverbut hat mm beide Wiener Organisattomm vor schwere Aut* gaben gestellt, <1״ /.ur/.eit mehr all 1000 C lut In* /Am in Wien festge 11 alten sind, für die gesorgt werden muH, bis die Tore PaUUtiiws wieder geöffnet werden, Dies erfordert kolossale Summen, welche man nun aufzubringen versucht. Die Vorgänge in Jaffa haben überhaupt in Wien starken Widerhall erweckt. Dies zeigte sieh deutlich in einer von der hiesigen Zionistischen Organisation veranstalteten K 11 n d g e b u n g , welche m n s s e n halt besucht war. Besondere Bedeutung erhielt diese Kundgebiing durch eine Rede des Oberrabbiners Dr. CI 11 a j e s, welcher die politischen und organisatorischen Folge mitgen aus den Ereignissen in Erez-Israel zog mul darauf lünwics, dal) die gegenwärtige politische Unklarheit, vor allem die Verzögerung der Annahme des Mandatsentwurfes durch den Völkerbund, viel zu den traurigen Vorfällen beigetragen habe, daß aber auch die Cüciehgültigkeit des jüdischen Volkes, welches bisher nichts Entscheidendes für das Aufbauwerk getan habe, die gefährliche Lage geschaffen habe. Dabei wies Dr. Cliajcs auch auf die verderbliche negative Tätigkeit der ״A g ti d a s J i s r o c 1 “ hin. Es wurde eine von Professor Freud beantragte und eingehend begründete Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: ״Wir stellen an die englische Verwaltung in Palästina das Ersuchen, die jüdischen Ein־ wo lin er von Palästina an der Auf re eilt* 0 r 11 a Kiin g <1 c 1־ Sich e 111 ׳ e i I und Ordnung im Lande tcilnchmen z.u lassen.‘' Der englischen Regicrung und Sir Herbert Samuel wurde in dieser Resolution das Vertrauen ausgedrückt und gleichzeitig Aufhebung des provisorischen Einwamlerungsverbotes verlangt. Während die jüdische soziale Fürsorge in Wien angcsichls der wachsende״ Bedeutung der Stadt als jüdischer Durcligaugsort immer neue Probleme hervorbringt, wurde vor wenigen Tagen vom ,,American Joint Distribution Committee“ die Liquidierung seiner Wiener Z w 1׳igstclle beschlossen. Damit hat der ״Joint“ wieder sein völliges Unverständnis für die soziale iliifstätigkeit kundgetan, da er au einem der wichtigsten Punkte für die Judenheit seine Tätigkeit für unnötig hält. Die Methoden des ״Joint“, nach denen sein Hilfswerk geführt wird, müssen Befremden und stärkstes Mißtrauen hervorrufen, wenn, wie in unzähligen anderen Fällen, so auch diesmal, klar wird, daß von sozialem Verständnis keine Spur vorhanden ist. Zur gleichen Zeit, da diese Liquidierung bekannt wird, tritt in Wien die Exekutive jj e r Karlsbader Wclthilfskonfercnz zusammen. Ihrer Tagung, über dk noch berichtet werden soll, kommt gerade im gegenwärtigen .Moment erhöhte Bedeutung z»; denn angesichts des sich immer deutlicher offenbarenden Zusammenbruchs der gänzlich unsozialen ״Joü»t“-HiHc, der auch durch Reorganisationsprogramme mit schönen Devisen wie ״rekonstruktive Hilfe“ u. dgl. nicht verschleiert werden kann, muß endlich die so notwendige Organisierung eines von wirklich sozialer Einsicht geführten, demokratischen und auf produk- ־tiver Hilfc atilgcbauten gesamtjüdisclien Hilfswerkes energisch durchgeführt werden. Für ein solches Hilfswerk ist gerade Wien von besonderer Wichtigkeit. Die Wiener K 1111 u sge 111 c i n d e , die größte Judcngcmciiide in Europa, ist jedoch für ein soziales Hilfswerk, bei dem sie sicher eine wichtige Rolle z.u spielen hätte, in ihrer heutigen Form gänzlich unbraiichbar. . Sie ist unfähig, die primitivsten Aufgaben z.u erfüllen, denn sie ist bankrott. Sie hat ein unge- «lrcktcs M i 11 i » n e 11 d e f i z i t. Ais die i'i zionistisehen Vertreter im Herbst H)2;> in <1011 Vorstand der Kiiltiisgeineinde gewählt wurden, erachteten sie es als Hauptaufgabe, die Sanierung der Gemeinde durchztt» führen und erklärten sich bereit, bis zu deren Ab- Schluß;die politischen Differenzpunkte /urüekzustcUen. Du jedoch e:ne erfolgreiche Sanierung der Gemeinde- Verhältnisse ohne grundsätzliche Zuerkennung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts an alle Gemeindeimtglicdcr nxlit herheigeführt werden kann, verlangten die zionistischen Vertreter die Einsetzung eines Wahlreformausschusses zur Aendcrung de« Wahllehe1!il1 V<W1 ‘“י" IU’״k‘ mchr ־'di 60י'״ dcr Wien kbuuku Juden ausgeschlossen sind. Dk nichtlk1rt1e?a״rldaßMaiC>riUU. Wil״gtC Ci־״ abcr ”stc״te ,. , ’ d'lß SIC “d-ht daran denke, das Wahldiihwan''U?dem'• “IUi im ^*11111'v'chtsausschulS wurde He Wabtreform immer verschleppt; ja <״״״ ן ״T ״ <er hingen Zeit sage und schreibe zwei Sitzungen °r. Als die Zionisten nun in! Ausschuß eine Erklärung "ÄT"*Hי״״"1״״, 1״ S X Majoriä,IV a1Hu. ״0 *״״hodoxen, Majorität habe nicht die Absicht, über eine W a 111 r e f o r 11: a 11 c 11 nur zu sprechen. Eine solche gewissenlose itolitik, welche die Grundläge für die Sanierung der Gemeinde begräbt, damit ein paar assimilatorische ״Spitzen“ und einige ungarischnationale Trciiuungsorllioiloxe ein paar Monate langer auf den Vorslaudsstülile» sitzet», können die Zionisten nicht mehr niitmaclien. Der zionistische Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Fried mann hat demissio liiert; das bedeutet, daß die zionistischen Vertreler nicht mehr mit der Majorität Zusammenarbeiten. Nunmehr wird cs zum offenen Kampfe• kommen, bei dem die JudcDschnft Wiens Gelegenheit haben wird, den derzeitigen Machthabern in der Gemeinde unzweideutig ihre Meinung zu sagen. Die Majorität des Kultusvorstandes hat in den sieben Monaten ihres Regiiucs, z, B, beim Religionslehrerstreik, so deutliche Proben ihrer gänzlichen, geradezu gefährlichen Unfähigkeit gegeben, daß sie fort muff. Jetzt gibt es wieder eine Lolmbeweguug unter de 1t Angestellten, die Ge* mcindekftssvn sind leer, (Juki ist durch Anleihen nicht aufztthriiigeu, Soli es 1,1 der Wiener jüdischen Ge« meiiule nicht zum offenen Bankrott kommen, s.1 muß der heutige Kultusvorsiaiiil eiligst das Feld räumen. Er dürfte auch die Feiertage nicht überleben. Während der assimilatorischen Majorität in der Kuhusgemeimle die drei orthodoxen Vertreter Handlangerdienste leisten, wühlen sie — nach bewährtem Muster — in ihrer Schul', der bekannten Schiffschul’, welche die ungarisch orientierte Tre11nungsorth׳.>doxie umfaßt, gegen den Bestand einer einheitlichen Kultusgemeinde. Die Scliiffsehnl’ hat unlängst gefordert, daß ihrem Rabbinnt eine von der Kultusgemeindc und vom Staate anerkannte autoritative Sonderstellung eingeräumt werde. Damit wird der Versuch unternommen, einer separaten orthodoxen Judengemcindc öffentlich-rechtliche Anerkennung zu verschaffen und so Verhältnisse ein/tiführen, wie sie in Ungarn und zum Teil in Deutschlum) bestehen. Nun repräsentieren die frommen Schiffsdmltingarn in Wien kaum 15״/״ der orthodoxen Juden, Die übrigen, in einem Verband der gcsctzcstrcucn Vereine ״Agudas liacharedim“ zusammeugescltlossen, haben gegen diese Quertreibereien Protest eingelegt und dabei darauf hingcwiesen, daß die Schiffschiillciite nicht das Recht haben, im Namen der orthodoxen Jiidenhcit Wiens z.u sprechen. — Es ist ein erfreuliches Symptom, daß in den Kreisen der orthodoxen Juden, soweit sic wirklich jüdisch und nicht magyarisch sind, der Gedanke der Gemeiiideeiiilieii, welche die organisatorische Keimzelle der nationalen Einheit ist, so kräftig gestützt wird. Die Erziehungstätlgkeit der Alliance Isr&dlite in Jerusalem Im Oktober vorigen Jahres cröffncte die Alliance Isradlite Universelle die erste Klasse eines Lehrerseminars in Jerusalem. Der Eröffnung wohnten auch die Vertreter des Wand Hachinueh bei. Bei Schluß des ersten Semesters wurden die Schüler von den Vertretern des Waad Hachinueh, den Herren Dr. Bravor, Duschkiu und Kabak, in sämtlichen Fächern geprüft. Dr. Kabak, der die Schüler in Hebräisch prüfte, äußerte sieh sein’ befriedigt über die Kenntnisse der Schüler in Bibel, M i s c h n a h und Neuhebräisch. Dr. Braver, der über langjährige Erfahrungen au orientalischen Schulen verfügt, glaubt, daß dieses Institut eine wichtige Aufgabe für die Schulen der Alliance im Orient erfüllen wird, indem es europäisch gut geschulte Lehrer, die zugleich über gute hebräische Kenntnisse verfügen, erziehen wird. Das zensurierte Memorandum. Das Präsidium des Waad l.eunii überreichte am!1. Mai dem Oberkonunissär ein Memorandum über die letzten Ereignisse, dessen Veröffentlichung im ״Haare/.“ von der Zensur inhibiert wurde. Ein Kommunist verhaftet. Abraham Le monosoff, einer der Führer der linken Poale-Zion (Konuuunisten), wurde verhaftet und nach Jerusalem überführt unter der Beschuldigung, daß er einer der ersten Demoustrauten in Jaifa gewesen ist. Die Jerusalemer Handelskammer über Jaffa. In ihrer letzten Sitzung beschäftigte sich die Jerusalemer Handelskammer mit den Ereignissen in Jaifa. Sie drückte dir tiefstes Bedauern über den Ausbruch der Unruhen und ihre Sympathie für die Opfer aus. Es wurde beschlossen, ein entsprechendes Schreiben an die Stadt Jaffa zu richten. Der palästinensische Außenhandel im März. Die gesamte palästinensische Ausfuhr betrug im März 5S1000 iig, .C, was ■ISOOi) £ mehr als im Vorjahre mismacbt. Der gesamte Import betrug 10t) 000 £ gegen 114 000 £ im März des vergangenen Jahres. An der Spitze der importierenden Länder stand England mit 251000 £, es folgte Aegypten mit'56 000, Amerika mit 26 000, Frankreich mit 25 000, Italien mit 17 00',), Holland mit 15 001), Japan mit 10 000 iig. C. Die Haupteinfuhrguter waren der Reihenfolge nach Kohl, Buuimvoiiwaren, Zucker, Reis mul Bauhölzer. Abschaffung des Oktrois in Palästina. Das Oktroi mul die verwandte Kantare-Stcuer — beides indirekte Steuern — die bisher von den palästinensischen Gemeinden erhoben wurden, sind nunmehr abgeschafft worden. Zum Ausgleich des Defizits wurde der Zoll auf Weine, Spirituosen und ״Unliebe Getränke von 1 auf 2 Prozent erhöht. Die spezielle Gemeindeabgabe aut Alkohol, Petroleum und ähnliche brennbare Produkte wurde durch Erhebung eines zweiprozentigen Zolles abgelöst, dessen Ergebnis den Gemeinden ־zur Verfügung gestellt wird, *״ Die Tagung des Rabbinerverbandes Am Mittwoch, den 18. Mai, fand in Frankfurt a. M. nach fünfjähriger Pause eine Hauptversammlung <se< Alleemcinri! Rabbiuerverbamlcs m Deutschland statt. In den gastlich zur Verfügung gestellten Räumen <|cr I'r111kiurt-Lo״e fanden sich gegen 100 Rabbiner aus ״a'uz Deutschland zur gemeinsamen Aussprache zusammen Schmerzlich vermißt wurden die Rabbiner aus dem obcrschlesischci» Inüustriebe/irk, die durch die politischen Ereignisse an der Reise verhindert waren. No b e 1 - Frankfurt a. M., der seit Guttmaims Tod die Geschäfte führt, begrüßte die Erschienenen mit einer warmherzigen Ansprache, Den Auftakt zur Tagung gab sodann Baeck- Berlin mit einem Referat über ״Die religiösen Strötnungen der Gegenwart“. Er führte ungefähr folgendes aus: Die Gegenwart will nicht zurück zu einem Früheren, sondern will eine Zukunft. Und jede Zeit, die eine Zukunft sucht, ist eine Zeit der Religion, Die Kräfte I der Hoffnung, die in einer Zeit wirken, werden daran! erkennbar, wie sie die Vergangenheit schildert, In der i Geschichte, die sie schreibt, stellt jede Zeit sich selber dar. So können wir die religiösen Richtungen und die religiöse Sehnsucht unserer Zeit in ihren Werken der Religionsgeschichtc erfassen. Zwei Typen findet unsere moderne Religionsgeschichte im Leben der Religi ,11: den m y s t i s c 11 e n und den p r o p h c t i s c h e n. 1 )er eine ist der, der nur nach dem heile der Seele und ihrer Erlösung verlangt, der andere der, der für Gott wirken, Gott zur Geltung bringen will. Der eine ist der religiös-egoistische, der andere der religiös-ethische Typus. Audi die beiden bestimmenden Ridituiigen der Gegenwart stehen darin vor uns. Die eine ist die, welche das Erlebnis der Religion sucht, das Irrationale und das Knltisch-Aesthctische, diese Richtung, die vor allem in Deutschland ihren Weg gefunden lnt. Die andere ist die sozial-radikale, die von der Schweiz ausgeht, die die Welt gestalten und erneuern will. Das Judentum steht als Religion einer kleinen Minorität in der Ge• fahr, daß es sidi in der Abwehr den herrschenden Rieh• hingen anzupassen versucht, in der Gefahr der reli• giösen Mimikry. So wollte das Judentum in der Zeit, wo der Ruf ״Zurück zu Kant" besonders auch im deutschen Protestantismus laut wurde, selbst auch kan• 1i,•misch sein und es stand davor, daß es als bloßer religiöser Moralismus erschien. Und ebenso ist heute die Gefahr, daß es sieh zu sehr der bloßen My-tik an• nähern will. Unsere Zeit hat uns gelehrt, das Umgestaftende und das Irrationale unserer Religion deutlicher zu sehen. Beides ist nicht immer genug erkannt worden, Unsere Propheten sind nicht bloß Etiiikcr gewesen und ihre messianischen Verkündigungen nicht bloßes seiituncntales Zukunftsbild; sie waren Männer des Neubruches, Revolutionierende, und sie waren Männer des Zu-Eudc- Denkens. Und sie sind auch nicht bloß Männer der gebietenden Klarheit gewesen, sondern Menschen, die das Geheimnis ergriff und überwältigte. Dieses letztere besonders muß gegenüber der Rationalisierung des Judentums betont werden. Das Judentum hat beides: sein Rationales und sein Irrationales, es hat sein Gebot und sein Geheimnis, seinen Weg und seine Tiefe, es hat sein Ethisches und sein Mystisches. Und das Eigentümlichc des Judentums ist gerade die Spannung zwischen den beiden, die Einheit, die aus dem Gegensatz hervorkommt, ln dieser Paradoxie lebt das Judentum, Hier ist Gott der trawszendente und doch der immanente, der Gott der Ferne und doch der Gott der Nähe, der erhabene Gott und doch der, dessen Odem in uns ist, hier ist die Gottesidee und doch der persönliche Gott. Hier ist der Mensch geschaffen und soll doch ein Schöpfer sein. Er gehört zur Welt und ist doch über der Welt. Fiier ist sein Leben göttlich durch seine Bedeutung und doch gottlos ohne sein Tun. Es ist alles und ist doch an sich nichts. In dieser Paradoxie, in der Wahrheit, die über dem Gegensatz ist, liegt das Eigene des Judentums. Das Eigene des Judentums gilt es zu finden. Damit gelangen wir zu uns selbst. Es folgte ein Referat von Selig mann, Frankt'urt a. Al., über ״Aufgabe und Stellung des Rabbiners in der Gemeinde“ und von Arnold Lazarus, Frankfurt a. M., über ״Wirtschaftliche Fragen des Rabbiner- Standes“. Seligmann untersuchte in historischer Dar- Stellung das 'Entstellen des neuzeitlichen Rabbiner• Standes, wie er sich seit dem ersten Dritte! des 16. Jahrhunderts allmählich aus dem alten Rabbiiiermm entwickelte. Heute entspricht den A u f g a b e n vor allem in Preußen die Stellung des Rabbiners in keiner Weise. Den Kampf um die gesetzliche oder in der G e m c i n d c v e r f a s s 11 11 g verankerte Stellung des Rabbiners betrachtet der Rabbiner-Verband als ein Gebot moralischer Selbstachtung und als eine Notwendigkeit im Interesse des jüdischen Uemeindclcbens. Lazarus stellt nach Behandlung einiger Einzelheiten den Antrag, daß der Vorstand des Rabbinerverbamies unverzüglich und nachdrücklichst bei den Gemeinden seiner Mitglieder deren Einreihung in die gehörige Gehaltsgruppe der staatlichen Besoldungsordmmg zu fordern und die Durchführung dieses Verlangens mit allen geeigneten Mitteln zu betreiben habe. An beide Reteratc schloß sich eine gemeinsame Aussprache, in deren Verlauf dem Lazarusseben Antrag zugestinunt wurde und ferner beschlossen wurde, die Forderung zu erheben, daß der Rabbiner Mitglied des Vorstandes sein müsse. Die Versammlung hörte sodann R o sc n t h a 1, Köln, und Gold mann, Leipzig, an, die sich als Referent und Korreferent zu der P a l ä s t i » a f r n g e äußerten. Die sich daran anschließende Debatte behandelte die gesamte Not der Judenheit und der jüdischen Eimichtiutgen. Es ergab sich eine Einmütigkeit in dem Wunsche, die Palästina-Kolonisation zu fördern, zugleich aber wurden-Bedenken dahin geltend gemacht, daß es nicht angebe, ein Werk 7.u fördern, wenn nicht die Gewahr gegeben sek 1ia־ß es in religiösem Sinne getan wird, und daß ferner die Not der jüdischen Anstalten m Deutschland Sammlungen für sie selbst notwendig mache. Die Willcnsmeinung der Versammlung fand in der bereits veröffentlichten Entschließung Ausdruck, die einstimmig zur Annahme kam. Zum ersten Vorsitzenden wurde Nobel, Frankfurt am Mau», gewählt.