Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1921)
- Date
- 1921-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 310 _ _ _ Die ״rührende Einigkeit“, wie Kaphm-Kogaii sagte, war kei» Resultat eines ״Katholikentages“. Weder der M i srach» »och 1J a j> ocl-H a z a i r habe» auch mir auf ihres Programms verzichtet. Aber in klarer eine Sezession allen nur schaden kann, Parieien zu einem Bündnis verstanden, ie Walinm*; seiner besonderen Interessen sicherstellt. Keiner verlangte vom anderen die Preisgäbe seiner Anschauungen, was zu einem tmbaiiugum Auseinander■׳׳eilten der Organisation führen mühte. IXmi Nationalen E i 1111 c i t s 1> 1 o c k ist hierbei wichtigere Rolle /.'ttgelallen, als man fiülier konnte. Als blolles Ddensivmittcl gegen Haare/ gedacht, hat er, als die stärkste 1 Grundstock des Delegiertcntages gebildet einen l'nnkt Erkenntnis, daß haben sich Hie das jedem die eine weit anuehuieii B i 11 i a n *arlci. den .1ז tm<l ermöglichte die rasche UiMimg einer regierungsfähigen Mehrheit. Nicht wenig hat dazu die Acndcrung beigetragen, letzten Jahre innerhalb der extremsten Parteien gegangen ist. L>as Verhalten der A g 11 d a 11 Misraclii kkirgemacht, dal! nur innerhalb der Organisation eine ersprießliche Arbeit in die im vor ..sich hat dem Zionistischen mehr mit ihnen erbittertsten muß, bei dem J UED ISCHE RUNDSCHA U leie», hätte man auch mit ihnen verfahren. Wa» ihnen übelnalm! — ist der ultimative Charakter die Ausnahmestellung׳, die sic für nehmen. Noch mein׳ aber waren über ihr Niclucr׳scheinen verärgert, ׳merkte mit Recht, daß man nicht Personen die es nicht für notig hielten, zu erscheinen, um Rechenschaft Ami abziilege». Eine solche Nr. 43 man ihrer sieh alle Lin und für Palästina möglich ist und daß gerade ein Zusammenarbeiten mit den Zionisten die letzteren zu Rücksicht auf die Religion zwingt, als ein Brudi oder gar ein Auftreten geg‘•־» sie, das den Kampf zwischen beiden Teilen verursachen der .\l i s r a c 11 i innerhalb der A g u d a 11 aiifgehen würde. Aber auch H a p o e 1 - 1 i a /. a i r hat vom Leben etwas gelernt. Sie stellen keine Anträge mehr auf Nationalisierung des Bodens, auf ein Palästina ohne Privatkapital usw. Der Boden gehört uns vorläufig noch nicht, auch fehlt uns jede Macht zur Durch* tührvtvg einer solchen Nationalisierung, ->׳c wären fioh, wenn *das Privatk.ipital nach Palästina kommen und für möglichst viele Juden Arbeitsgelegenheit schaffen würde. Demi das begriffen alle — daß wir in Palästina zwei Sachen brauchen — Juden utvd Arbeit jüdische Arbeit. Aut keinem Dclegiertentag sind so wenig Phrasen gesprochen worden wie in Hannover, Fast alle Reden waren kurz, sachlich, inhaltsvoll. Nicht einmal T r i e t s c h hat lange gesprochen. Trotzdem stand kein Dclegiertentag Trietsch so nahe, wie der XVil. Wäre nicht sein scharfes Auftreten, das manchen von ihm abstößt, wäre es wünschenswert, ■laß man ihn mehr zur Koloiihaliousuibcit heranzieht. Wir sind nicht übermäßig reich an solchen Kräften, und es ist ein Verbrechen, einen solchen Mann wie Trietsch 1111ausgenutzt zu lassen, Den Höhepunkt des Üelegiertentages bildete Zweifelsohne die Rode Blumcnfckls am Sonntagvormittag. Illuiiirnft'ld vi'i'MU'hle in ilic'.er Rede die Piiii.'ipieu iestzuset/en, die allein ein erfolgreiches und friedliches Zusammenarbeiten der verschiedenen Parteien innerhalb des Zionismus sowie innerhalb des Judentums überhaiipf erst möglich machen. Verschiedene Zwischenrufe seiner Gegner, auf die Blumenfeld prompt eingegangen ist, boten ihm willkommene Gelegenheit, sich mit ihnen in geschickter Weise auseinander/uset/cii. Die Beifallsstürme des ganzen Hauses, sowie die zu dieser Rede abgegebene Erklärung des Misrachi-Redners Barth zeigten deutlich, daß Blumenfeld den rechten Weg unserer Politik gefunden hat und daß sein offener Radikalismus nicht nur als Grundlage zionistischer Propaganda dienen kann, sondern auch ehrlichere Erfolge bei Nichtzionisten erlangt, als die Kompromißgeneigtheit seiner Gegner. Nach den Widerwärtigkeiten und Streitigkeiten des vergangenen Jahres war es eine Genugtuung, solch feste, zielbewullte und würdevolle Worte zu hören. Von zwei Dingen hat man auf dem Delegierte״- tag nicht gesprochen. Außer den vom Vertreter des Misraclii in London, Herrn Leo Voß, hebräisch gesprochenen Ikgrüßuugs- Worten, hat kein Mensch, weder in den Referaten noch in den Debatten über di׳: hebräische und sonstige Kulturarbeit in Deutschland gesprochen. Als ob dies nicht eine der wichtigsten Fragen der Erziehung, der Vorbereitung, der Berufsausbildung wäre! Die ewige Ausrede, der Mangel an Geld, dispensiert uns doch nicht von der Beschäftigung mit diesen Fragen. Audi für andere Sachen fehlt es uns au Geld, Line starke hebräische Bewegung macht sich bei der Jugend bemerkbar. Pflicht der Organisation ist es, der Jugend zu helfen, mit ihr zu gehen. Läßt die Organisation die Jugend im Stich, sucht sic nicht die Führung der Jugend zu übernehmen, so wird ihr die Jugend den Rücken kehren und sich von ihr abwenden. Es darf keine Gelegenheit uivausgcnutzt bleiben, ohne daß darüber gesprochen werden sollte. Nach Lage der Dinge "1^ ז,tsehland da zu berufen, das Lchrcrpcrsonal für 1ulastina zu liefern, wenigstens für die Naturwissen- . schäften. Viele junge zionistische Akademiker, die in Deutschland vergebens auf eine Anstellung warten, wurden in Palästina hei genügenden hebräischen Keimtmssen imtergebracht werden können. Dasselbe gilt für Litauen, Polen und andere Länger. Dali man sieh ־‘?׳'u״Kl'1Kt0 Kenntnisse aneignen kann, haben die in Borh5 ״׳' *11״'ochschuW und im Seminar < ־,t.il ״ rD,e dcutsch«n Zionisten iiafur sorgen, dan ihre Kinde als sie selbst. Auch von Bin ja״ Haare 2 wurde wem״״ ״. zuf0ie״ Ä ״ dC" hat man'*versucht i ur l? ״״, nCh'f ״• Ab״ auch da fehlte hVmchtc ein 12,•״?T1U״d Qr011׳ Ueberall es begriißt Lbvf 1 Fncdc״sw‘msch' Allc es uegruut 1 tauen, wenn sie gekommen wären mi״_ « ÄL*SS ׳SS Forderungen, in Anspruch Delegierten Delegierter he Wiederwahlen könne, vor dem Delegiei'teiuaj! über das ihnen aiiverlrauie Negierung des Delegiertentags, eine solche Geling- Schätzung der Wähler kamt sieh keine Partei, keine Organisation ohne Gefallt׳ gefallen lassen. Der XV'll. Dehgierieiitng hat mit der vereinsmäßigen Politik gebrochen, die Acinter an verdiente Persönlichkeiten zu verteilen, ohne Rücksicht darauf, oh sie mit den Ansichten der Delegierten übercinstimmcn oder nicht, ln anderen Parlamenten kommt es öfters vor, tlall Minister mit dem Wechsel der Ansichten der Majoiität!!!»gesetzt werden, ohne daß jemand darin eine persönliche Zurücksetzung sicht. Ehemalige Priisideuten werden nachher Minister, und die Minister selbst wechseln ihre Posten, »Sine daß siel! jemand davon betroffen fühlt. Der Zionismus ist kein Verein, der Ehrenposten zu vergeben hat. Zionismus ist Gesininmg, lind mir derjenige kamt den Zionismus nach innen wie nach außen vertreten, der den jeweiligen Anschauungen der Mehrheit der Partei entspricht. Hmerika Das Ende einer Komödie musseil Ie!־ mehr Hebräisch können, Die Konferenz zwischen Weizmann und Mack New-York, 24. Mai. (J.C. B.) Ueber Initiative eittllußreicher jüdischer Persönlichkeiten New-Yorks trat eine inoffizielle Konferenz, zur Anbahnung einer Ver stänüigimg zwischen den Fühlern der europäischen und der amerikanischen Zionisten zusammen. An dieser Konferenz nahmen Dr. Weizmann, Ussischkin, Richter Mack und Professor Frankfurter teil, die ihren Standpunkt vor der Konferenz darzttlegen stichle«, Iu einer fast zweistündigen Rede verteidigte Mack die Politik der amerikanischen zionistischen Exekutive und hob, ebenso wie der zweite Redner, Professor Frankfurter, die bekannten Vorwürfe gegen die europäischen Führer hervor. Er trat besonders gegen die Förderung der ״Gegenwartsarbeit“ im jetzigen Moment sowie gegen den Erwerb von Etnek Israel und die schlechte Verwaltung <lcr im Besitze der Zionist Coiuiulsuiou hielt heliiidliehett Gelder auf. 111 seiner Antwort wies Dr, Weizmann auf die grundsätz׳ liehen Differenzen zwischen tler Exekutive der zio nistischen Weltorganisation tutd der amerikanischen zionistischen Organisation und die keineswegs einwand ,freien Quertreibereien gegen den Keren Hajessod hin Er erklärte, daß er und seine Kollegen mit Leuten wie Professor Frankfurter, die mit jüdischen Bestre billigen und jüdischer Politik nicht mitfühlen, nichts Gemeinsames haben. Ussischkin verlangte in seiner Rede Aktivität mul Disziplin von der amerikanischen Exekutive. Line derartige Kritik wie die des Keren Hajessod könne nur auf dem Kongreß geübt werden, wo die Oppo neiden Gelegenheit haben werden, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Er verteidigte den Erwerb von Emek Israel und erklärte, derartige Erwerbe bei jeder sich daibieicnden Gelegenheit vornehmen zu wollen. Die Reden der europäischen Führer machten einen starken Eindruck auf die Versammelten. Die Konferenz zeigte, wie notwendig und wertvoll es sei, die Zweifel unparteiischer Personen zu beseitigen und die Arbeit der europäischen Zionisten klarzumuchcn. Die Convention in Cieveland New York, 27. .Mai. Wie das J. C. B. meldet, ' sind die bisher durchgeführten Wahlen zur Convention in Cieveland zugunsten tler Weltorganisation ausgefallen. Die meisten Delegierten haben von ihren Ortsgruppen die Weisung erhalten, die Autorität der Welt- Organisation gegenüber den Gegnern des Keren Hajessod zu wahren Keren Hajessod-ßcwcgung in Amerika New York. (J. C, U.) Die jüdischen Gemeinden von Newark tmd Jersey City im Staate New Jersey haben versprochen, eine Million Dollar in 5 Jahren für den Keren Hajessod aufzubringen. Der zionistischen Delegation wurde iu beiden Städten du großartiger Empfang bereitet, wobei Vertreter der Behörden mul der jüdischen Gemeinden Dr. Weizmann und Dr. S, Lewin bewill komm »etc». Die Einwauderungsbill unterschriebe!! New York, 24. Mai. (J.C.B.) Trotz zahlreicher Telegramme, die aif den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Ersuchen abgesandt wurden, die EtnwauderungsbiU zurückzuziehen, Unterzeichnete Präsident H a r d i n g vorgestern das vom Kongreß und Senat angenommene Gesetzes- Projekt, betreffs der Einschränkung der Einwanderung. Diese Tatsache rief große Entrüstung bei der jüdischen Bevölkerung Amerikas hervor. Krakau, 18. Mai. (J.C.B.) ״Nowy D/icnnik“ bespricht in einem mit diesem Titel übcrsdiriebetivn Leitartikel den Abbruch der jüdisch-pol- »isch cn A 11 sgle i ch s ve rh n ml! u ״gen ״m! dit fest, daß die Erklärung der jüdischen Sejmdcpaticilcii, nicht langer diese Komödie mUm idteti zu wolle!!, die allgemeine Zustimmung der jüdischen Bevölkerung in Polen gefunden hat. Die Juden Polen; haben aus den sich seit einem Jahre h'm/tehcmlen ergebnislos״! Verhandlungen die Hebe•zeugung gewonnen, daß der Vcrständigiingsuiile lediglich auf jüdischer Seite vor-!landen war, während die polnische Regierung bloß de» eine» Zweck verfolgte, das Ausland zu täuwhni und bei den jeweilig wiederholte» Verständigungskoiferenzcu offiziöse Mitteilungen für die europäischen Hauptstädte, insbesondere für Amerika, zu lancieren, <(nß der polnisch-jüdische ״Friede" unmittelbar vor dem Ah• Schluß stelle. Nun haben die jüdische» Abgeordneten diesem Täuschungsmanöver ein Ende gemacht, da mit die jüdische Bevölkerung in Polen selbst, sowie das an der Lösung der Judenfrage• in Polen interessierte jüdische Volk in aller Welt, die Lage klar übersehen können. Es gehe nicht an, daß einerseits jahrelang Ansglcichsvcrhandlungcn mit der polnischen Regierung geführt werden, während andererseits dieselbe Regierung die alte Vcrfolgungspolitik den Juden gegenüber nicht einmal gemildert habe. (Durch den Abbruch dieser Verhandlungen hat wieder einmal ein von d e u t s c 11 - j ii <1 i s c h e r Seite unternommener Vermittlungsversuch sein Ende gefunden. Es wäre nun hoch an der Zeit, daß jüdische Politikaster aus Deutschland endlich ihre Hände von der polnischjüdischen Politik lassen, die die gewählten Vertreter der polnischen Juden ohne Einmischung von außen, wenn auch mit der Unterstützung des gesamten jüdisehen Volkes, zu führen haben. — Red. d. ״J. R.“j Die Wiener Tagung des Zentralrates der jüdischen Weithiifskonferenz Am 11. ds. Mts. wurde in Wien die Tagung des Z e» t r a1r at e s der jüdischen W e11 h i I f s• Konferenz von Karlsbad eröffnet. An der Tagung nehmen folgende Mitglieder teil: Leo Müzkin (Paris), Professor Simon sen (Dänemark), Abg. Färb st ein, I)r. Kiumel, Bürgin (Polen), Jefrojkin (Rußland), Dr, Klee (Berlin), Höchberg (Südafrika), LI, Kaplan (Rußland), Abg. Hellmann (Riga), Dr. E. Margulics (Tschccho- Slowakei), Oberrabbiner Dr. Chajes, Anita Müller, Dr. N. M. Gelber (Ostgalizien), Ing. Wl. Temkin und Dr. M. Krämer. Auf der Tagesordnung standen: 1. Berichte, 2. Kinderfürsorge, 3. Emigration, •1. Reorganisationsfrage. Die Tagung, welche nicht öl (entlieh war, würde am 27. ds. Mits. geschlossen. Wir werden über die Konferenz noch berichten. Das Wiener Palästina-Amt Aus zentralen in Wien London wird gemeldet: In Anbetracht der Aufgaben, die das Zionistische Palästinaanu innerhalb der jüdischen Paliistinawanderung zu erfüllen hat, hat das Exekutivkomitee der Zionistisehe» Organisation in London beschlossen, das Wiener Paläsiinaaint zu einer Institution der Lxekutive umzugestalten und ihren Sekretär, Herrn Dr. Martin Rosenblüth, mit der Leitung des Amtes betraut. Das Exekutivkomitee erwartet, daß;die an der Palüstinawanderung interessierten zionistischen Gruppen in Wien dem Amt in seiner neuen Gestalt ihre tatkräftige Unterstützung zukommen lassen werden. Große Subsidien des Brfinner Gemeindcr&tes für jüdische Erziehungszwecke Brünn, 12. Mai. (J.C.B.) Ueber Antrag der jüdischen Gemeinderäte hat der Gemeinderat der mährischen Hauptstadt Brünn in seinem Budget für das Jahr 1621 folgende Summen für die jüdischen Schul- und Erziehungszwecke bewilligt: Für die jüdische Kinderwärmestube 35 760 tschechische Kronen, für die jüdische Tagesheimstätte 46 3UO Kr., für die jüdische Mittelschule 67 710 Kr., für die jüdische Volksschule 41 650 Kr. und für den jüdischen Kindergarten 17 300 Kronen, zusammen 210720 tschechische Kronen. Die Forderung nach jüdischen Schulen in der Bukowina C z e r 11 o w i t z, 12. Mai. (J.C.B.) Die ,,Ostjudische Zeitung“ bespricht an leitender Stelle die einmütige Forderung aller jüdischen Parteien in der Bukowina, die von den jüdischen Kindern besuchten Schulen in den Bukowinaer Städten in nationaljüdische Schulen mit hebräischer und rumä• nischer Unterrichtssprache umzuwandeln. Das Blatt fordert die rumänische Regierung auf, ihr Wort, das sie den Juden wiederholt in dieser Sache gegeben hat, endlich einzulösen und nicht ewig bei leeren Vcrspreclumgen zu bleiben. ״An der Regierung ist es — schließt das Blatt — die jüdische Schule zu dem zu machen, was sie sein will, zur nationaljüdischen Schule.“