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Jüdische Rundschau · 1921-05-27 · Heft 42 (27.5.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 42 (27.5.1921)
Date
1921-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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J UEDISCH E RUNDSCHAU Seite 301 42 Nr. 42 von ti,:en ׳erlx; terte! stellt tken- Jemzwei leren men, >000 anvon sind, auch aus, üeu, sten erbe ittel beordndcl ber- ׳mle Fanem sein •heil •iksnrt- und es >en. mul heu >ein satz )en, gen und ten- :״es tion cht- und ׳irt- Paiich es all- :enzu ein, n e im 'gor zu den :htuch nisten!er• in״ erird, 4e* cfierin en. tes für SO aft :hfür 1er 1er zu af- Ml, an ti« en en :n. lean en •m tit ■ei oin :lt ft- ־1 rie m in ת n n rder der industrieller uns Bescheu weiden, daß die Verkehrserschlicßuiig, die Krie״ unserem Lande gebracht hat, nicht unerhebliche Veikchrsmögliclikoiteii im Binnenwie im Außenhandel mit sich bringt; besonders spielt hierbei die Nähe ries Stie/kanals und Aegyplens eine grolle Rolle. -- Es ist klar, dall in unserem Falle die unnatürlich grolle Proportion des Handels innerhalb der Bcnifsschichtuiig t er Juden eingeschränkt werden mull, aber es wäre der grollte Fehler, wenn au dem notwendigen und mogliehen Handel Palästinas gerade die Juden einen _ gelingeren Anteil nehmen wollten, als ihrer bisherigen lleriifsschiditung und ihrer Begabung _ entspricht. Handwerk und Industrie müssen wir״ ausdehnen, beseiidcrs in der Riclniuig der für den Häuserbau in Betracht kommenden Betätigungen. In dieser Richtung׳ sind!mell die ungelernten Arbeitskräfte in der Hauptsache auszubilden. Daneben aber sollte jeuei Einzelzweig der Industrie gefördert werden, der Allseitigkeit handwerklicher und tiitigimg nälierhi iugt. .. , , ״ Von den Industrien ist selbstverständlich atil ulejenigen, die mit der Landwirtschaft Zusammenhängen, besonderer Viert zu legen, daneben aber auch auf üiejenige», die der Eigenart der Juden am besten entsprechen. Hierher gehören die zahlreichen Zweige der technischen Industiic und besonders auch der feinmechanischen Berufe und Industrien, die Bekleidungsbrandien usw. Schließlich werden in unserer Berufssdüchtung die freien Berufe und die Berufslosen eine erliebüche Rolle spielen. Auch die Bedeutung der letzteren darf nicht ׳ unterschätzt werden. Wie in der bisherigen jüdischen Einwanderung das Chalukkaclcmcnt eine große Rolle ״!spielt hat, so dürfte es auch im neuen Palästina seine Bedeutung haben. Dieses Chalukkaclcmcnt als ein Pissivum der Volkswirtschaft zu betrachten, ist i'.itsdi. Z11 jedem Volksganzen gehört auch die Unter- Stützung der Berufstmiiiliigcn. Wenn Palästina neben allem anderen —- auch in einem gewissen Maße als .\sylkutd, als Altersheim der ganzen jüdischen Welt ln׳tr,u11־kt wird, und wenn diese jüdische Welt in irgendeiner Form die finanziellen Lasten davon trägt, so wäre es absurd, vom Standpunkte Palästinas aus diese Eiemente als ein Passivuni zu betrachten, und so wie 1 in Altersheim von seinen Insassen lebt, so würde auch Palästina zu demjenigen Teil, für den es als Altersheim der ganzen jüdischen Welt figuriert, ebenfalls hiervon leben, In diesem Sinne ist Altersversorgung und Fürsorge für Berufsunfähige auch als Aktivum zu betrachten, und dazu kommen noch alle möglichen nationalem und humanitären Gesichtspunkte. Aber auch von diesen abgesehen und rein wirtschaftlich betrachtet, kann schon die bloße Verpflegung von Hunderttausenden zu einem großen Aktivum der Volks- und Laiulcswirtschaft gestaltet werden. So ist es einer der ganz großen Fehler der bisherigen landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina gewesen, die Verpflegung der Chahikkabcvöikcrung nicht zu einem wichtigen Faktor der Kolonisation im Lande gemacht zu haben. Zweifelloser als die wirtschaftlichen Vorteile des \sylcharakters Palästinas werden d i e Vorteile erkannt, die dem Lande daraus erwachsen, daß mehr und mehr vom jüdischen E r / i e 1111 ng s w e s e 11 nach Palästina verlegt wird. Man hat das hebräische Gymnasium von i'cl-Awiw als die größte jüdische Industrie Jaffas bezeichnet. Sehr viele Leute leben davon, das zahlreiche Juden des In- und Auslandes ihre Kinder auf das Gymnasium schicken. Der Drang nach jüdischer und hebräischer Erziehung ist in der ganzen Welt sehr lebendig geworden. Die Schaffung entsprechender Institute in Palästina würde neben dem direkten Nutzen iiir tlas Land auch den Zuzug von Kindern aus der ganzen Welt zur Folge haben, die der Einwanderung der Eltern in zahlreichen Fällen vorausgehen wird. Besondere Bedeutung kann das Werk der Waisener/iehung׳ für Palästina naben. In dem Maße, in dem die sonderbaren Bedenken zurücktreten, die vielerseits noch gegen Palästina itn Gange sind, wird ntau sich in der jüdischen Welt daran gewöhnen, wenigstens den Vollwaisen die beste Form jüdischer Erziehung zuteil werden zu lassen, die nur im jüdischen Palästina möglich ist und für die baldigst geeignete Kräfte und Institutionen geschaffen werden müssen. Als die geeigneteste Form jüdischer Siedlung in Palästina sieht Trietsch die Gartenstadt an, Ansätzc dazu sind im neuen Palästina bereits vorhanden, Tel-Awiw erinnert schon an eine Gartenstadt, doch sind die Gärten dort noch sehr klein und können den eigenen Bedarf an Gemüse, Obst und Gefliigelprotluktcn nicht decken. Die bisherige jüdische Kolonisation krankt daran, daß die Produktion für den eigcucti Bedarf viel zu gering war, und ein verhältnismäßig großer Teil der aus den verschiedenen Quellen kommenden Einnahmen gelangt sehr schnell an die nichtjüdisch« Bevöikerimg. Es muß daher dahin gestrebt werden, die jüilische Wirtschaft produktiver und unabhängiger zu machen. Die einseitige Forcierung der Landwirtschaft ist kostspielig, langwierig um! wenig erfolgreich. Die städtische Einseitigkeit weist als Hauptnachteil die Abhängigkeit von der nichtjüdischen Produktion auf. In der Form der Gartcostadtkolonisation vereinigen wir städtische und ländliche Produktionen und einen weitgellenden Ausbau der Produkte innerhalb des jüdischen Kteists. Unter Gartenstadt verstehen wir jene Form der Siedlung, in welcher städtische und lamhvirtschaftliehe Produktionen vereinigt sind. Als zum Wesen der Gartenstadt gehörig wird in den Garienstadtbestrebungen der ganzen Welt das Hauptgewicht auf Vermeidung der Bodenspekulation gelegt. LHe dnreh die Tatsache der Siedlung entstehende Wert- Steigerung des Bodens soll nicht dem Einzelnen, sondern dem Gemeinwesen für Zwecke der Ausgestaltung und Verbesserung seiner Einrichtungen zufliellen. Weiut wir von dem aktuellste» Teil der Frage, von der Gartenstadtbcwcgiurg Jaffas ausgehen, so sehen wir, daß es sich meistens um Leute handelt, die der Enge, der Teuerung und der Unproduktivität entgehen wollen, unter der sie in Jaffa und auch in Tel-Awiw leiden, — Zustände, die sich bei der nidtt unbeträditliehen Zunahme der jüdischen Bevölkerung täglich verschlimmem. Bauplätze kosten heute in Tel-Awiw bis zu einem ägypt. Pfund pro Quadrat-Elle (1600 £ pro Dunam von 920 qm). Der Mietspreis hat bereits 5 £ pro Zimmer und Monat erreicht;' )111 ganzen beträgt die Miete pro Quadratmeter bis z.u ■1 £ jährlich, während bereits schöne Neubauten für 6 X pro Quadratmeter ausgefiilirt werden. Die Errichtung neuer Gartenstädte würde den Boden- und Mietwucher beseitigen, und durch nebenberuflichen <i;«rtcnba» die Lebenshaltung verbessern und verbilligen. Die Nähe zur Stadt würde es jedem freistclten, irgendwelcher Beschäftigung in Jaffa nachzugchcii, weshalb auch viele Kauflcute, Handwerker, Beamte, Lehrer usw., die ihre bisherige Beschäftigung bcibchnltc» wollten, sieb ebenfalls den Gartcnstadlgiiippeu Jaffas angeschlossen haben, Für den Verkehr zwischen den Gartenstädten und Jaffa hätte eine Automobilliuie zu sorgen, wie sie jetzt schon zwischen Jaffa und Tel-Awiw bestellt. Von größter Bedeutung ist die industrielle Seite der Gartenstadt, Besondere Aussichten bieten gegenwärtig die folgenden Industrien bzw. industriellen Berufe. ln erster Linie steht die Vorbereitung von Heimstatten selbst. Die ganze jüdische Einwanderung und aiicli die Gartenstadtbewegung sind ja nur als Anhinge zu betrachten, insofern als für jede absehbare Zeit mit einer von Jahr zu Jahr vermehrten Einwandcrung zu rechnen ist. Unter solchen Umständen bietet die Vorbereitung Von Heimstätten für die Ansiedler der nächsten Jahre das weitgehendste und das lohnendste Feld der Betätigung. Alien zum Hausbau gehörigen Berufen werden sielt auf jede absehbare Zeit günstige Erwerbsmöglidikeitcn bieten. Die Holzbearbeitung (für Bau- und Möbelzwecke) bietet, ebenfalls groß.• Chancen. Von sonstigen Industrien neunen wir z. B. die Textilbrauche und Zigaiettcnindustrie, die Kartonagcnfabrikation und das Kuivstgewerbe. Für alle diese bestehen bereits weitgehende Vorarbeiten. In der Vereinigung mehrerer solcher Industrien in einer Gartenstadt liegt die beste Aussicht für einen gesunden Aufbau, rasche Erfolge und gute Rentabilität. Die Vermeidung von Arbeitslosigkeit wäre zum größten Teil schon durch die Vielseitigkeit der industriellen Möglichkeiten gewährleistet, wie auch durch das weite Feld der lamlwirtschaftlichen (vorwiegend gartenbaulichen) Betätigungen, wie sie in dieser SieUltuigsfonii geboten sind. Die Mittel, die zu einer Gartenstndtgründun״ nötig sind, richten sicli zu sein׳ nach dem speziellen Fall, um in dieser Hinsicht allgemein gültige Kalkulationen geben zu können, dennoch werden die nachstehenden Angaben von Wert sein: 500 Familien sind eine Art Minimum für eine Gartenstadt, Schon im ersten Jahr sollten wenigstens 200 Familien (resp. 1000 Seelen) angcsicdclt werden. Das erforderliche Bodenmaß für 500 Familien wird je nach der Nähe oder der Entfernung von der Stadt und je nach den anderen speziellen Verhältnissen zwischen 1000 und 5000 Dunam schwanken können. Innerhalb eines Umkreises von etwa 5 km von Jaffa werden bereits 2000—3000 Dimain für 500 Familien sehr schöne Möglichkeiten bieten. Der Boden, der anschließend an Tel-Awiw 100—200 £ pro Dunam kostet, wird innerhalb eines 5 km-Radiiis schon fiir weniger als 10 £ zu haben sein. Ein Betrag von 50 X für den Boden der Heimstätte wird je nach Nähe der Stadt oder zum Zentrum der Siedlung und je nach der Größe der Parzelle (1—10 Dunam pro Familie) für rund 50 £ zu haben sein. Für Straßen und Ameliorationen wird 111;m den gleichen Betrag zu rechnen haben. Ein Haus läßt sicli auf /.ivka 100 £ pro Raum veranschlagen (3 Zimmer von zusammen 50 qm mit Küche und Nebenräumen werden gegenwärtig in gutem Steinbau auf zirka 500 £ kommen). Dieser Gesamtbetrag von 600 £ für Bauplatz, und Haus entspricht kaum einem Drittel der bisher gezahlten Preise. Dadurch wird eine solche Form der Ansiedlung einem sehr viel größeren Kreise ermöglicht als bisher. Wirklich großzügig läßt sich jedoch nur arbeiten wenn Hypotheken- und Baukredite dem jüdischen Ansiedlungswcrk zugänglich gemacht werden. Auch Versicherungsgesellschaften und Genossenschaften können fiir die Finanzierung In Betracht kommen. Die Rentabilität jeder Art von Unternehmungen, die sich mit Beschaffung von Boden und Häusern befassen, steht außer jeder Frage, und die Gründung spezieller Gartcnätadtgcsellschaften würde die außerordentlichste Förderung der Einwanderung und der Kolonisation bedeuten, diese I ns tiihr Kapital Das palästinensische Bankwesen und die deutschen Juden Referat von Jacob W o 1 f f, Frankfurt M. Will man über die Mitarbeit der deutschen Juden am Wiederaufbau Palästinas sprechen, so wird Cs put sein, darüber sich zunächst Klarheit nt vcrschaftcu, was in Palästina zunächst zu tun, und was am wichtigsten ist, um in möglichst naher Zeit zur Ver* wirklicnuug zu kommen. Da dem Delegicrleutage dieses Thema von vier Rednern vorgetragen wird, so will ich versuchen, das Gebiet zu behandeln, das mir durch meinen Beruf am nächsten liegt, uin dann zu untersuchen; inwieweit ‘die deutschen Juden trotz aller derzeitigen Widerstände doch in der Lage sind, am Wiederaufbau Palästinas tcilzuiveliiucn. Die Vorbedingung für jede gesunde wirtschaftliche Entwicklung in jedem Lande, ist ein auf reeller Basis lullendes geordnetes Bankwesen. Die jetzt in Palästina bestehende Ordnung auf diesem Gebiet widerspricht den einfachsten kaufmännischen Anforderungen, die man verpflichtet, an das Bankwesen zu steilen. Es herrscht keine eigene Währung; cingcführt ist das nach meiner Auffassung schädliche und für die Verhältnisse Palästinas viel zu schwere, ägyptische Pfund, also eine Währung, die noch uni 2'/ä ״/« teuerer ist, als die englische. Ebensowenig kann von einem eigenen Bankwesen die Rede sein. Die durch uns begründete Anglo Paicstiuc Comp, besitzt mit ihren 300000 £ ein viel zu geringes Eigenkapital, tun irgendwelchen bestimmenden Einfluß auszuüben, dies um so weniger, als sic, wie bekannt ist, über 350 000 £, also mehr als das gesamte Eigenkapital in Hypotheken, die auf längere Jahre laufen, festgelegt hat. Diese Hypotheken sind nun z, T. aus alter Zeit zu einem niedrigen Zinsfuß gegeben; wie es mit den Eingängen der Zinsen und Annuitäten steht, ist sehr fraglich, da zurzeit gemäß den bestehenden Gesetzen Siibhastationcn und auch sonstige Zwangsmaßnahmc» gegen böswillige Schuldner kaum durchfühlbar, in den meisten Fällen sogar undurchführbar sind. Es ist also in der Tat so, daß diese Bank Geschäfte mir mit den bei ihr hinterlegten Depositen machen muß, ein ganz ungewöhnlicher, aber auch ungesunder Zustand, wahrlich keine beneidenswerte Situation, weder für die Bank selbst, noch für die Dircktoten. Daher die in Palästina so vielfach auftaiichenden Beschwerden über dieses Institut und ihre vermeintiche böswillige Ablehnung von noch so sehr gesicherten Krediten. Daß natürlich an eine Böswilligkeit nicht zu denken ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß die Bank im Laufe der Jahre durch die Macht der Verhältnisse gezwungen worden ist, von dem eigentliehen Bankgeschäfte abztiwcichcn, um die Stelle der Hypothekenbank zu vertreten. Und gerade dadurch unil die damit in Verbindung stellende Hergabe von einer Hypothekensumme, die mehr als das ganze Eigenkapital verschlungen hat, ist sie selbst heute in ihren flüssigen Mitteln außerordentlich beschränkt. Die Flüssigmachung dieser Bank ist also eine außerordentlich wichtige Aufgabe der nächsten Zeit. Die anderen in Palästina domizilierenden Banken sind reine Geschäftsinstitute, Filialen größerer, ausländischer Unternehmungen, so die Ottumancbank, die bekanntlich jetzt einem englisch- . französischem Konsortium gehört, und deren Leitung in Konstantinopcl und London liegt. Ferner die Bnnca di Roma und der Credit Lyonnais. Ferner ist in den Räumen der früheren Dcutsch-Palästina-Bank, die ihren Sitz in Berlin hatte, und die zurzeit von der englischen Regierung liquidiert wird, die Anglo Egyptian Bank domiziliert, die sicli bereits eines guten Rufes erfreut, aber doch recht wenig Verständnis für die Forderungen zeigt, die wir als Juden erheben müssen. Audi sie kann nach meiner Meinung die Aufgaben niemals lösen, die wir an ein Bankinstitut fiir die Entwicklung eines jüdischen Palästinas stellen müssen. Welche Institute wären nun von unserer Leitung zu errichten, die die Gewähr für eine Entwicklung bieten, wie wir sie von unserem Standpunkt aus verlangen müssen. Dazu würden gehören: a) ein Zentralbankinstitut, mit dem Recht der Notenausgabe, b) eine Hypothekenbank mit dem Recht der Pfandbriefausgabe (etwa in Form der in Deutschland bestellenden Landeskreditkassen), c) eine Agrar- und Inilustriebank. d) eine Arbeitcrbank. Uni es vorweg zu sagen: Alle tute sollten aber möglichst aus öffentlichen Mitteln erhalten und der^ Privatinitiative entzogen sein. So sicher cs sein muß, daß die geschäftlichen Angclegenheitc» dieser Institute nach rein kaufmännischen Prinzipien erledigt werden müssen, damit sich das Geschäft frei von jeder politischen Beeinflussung cmwickeln kann, so unbedingt notwendig aber ist es, daß eine Stelle geschaffen wird, die die Entwicklung Palästinas auf diesem Gebiete mir im Einklang mit der Leitung vorsieht. Werfen wir min einmal einen kurzen Blick auf die Funktionen und die Organisation der oben erwähnten vier Institute. Es kann naturgemäß nicht davon hier die Rede sein, bis in alle Einzelheiten genau Richtung und Zweck dieser Institute zu besprechen oder gar festzulegcn, das muß und wird die Aufgabe von Fachleuteii sein, die der demnächst zusammentretende Kougrell für diese Aufgaben wird bestellen müssen. Hier können wir nur von den großen Linien sprechen, ohne auf Einzelheiten und auf die Begründung dieser Einzelheiten näher einzugehen. a) Das Zentralbankinstitut mit dem Recht der Notenausgabe. Die Begründung eines neuen Institutes hierfür brauchte m. E. nach nicht erwogen zu werden, da un ere Organisation bereits durch den von Dr. H e r z 1 begründeten jüdischen Kolonialtrust eine Institution hat, die hierfür durchaus ernstlich bereits in Frage kommt. Wie Sie wissen, kontrolliert die Zionistische Organisation durch die Griindungsantcilscheine dieses Institut. Die Erhöhung des Eigenkapitais auf etwa 2 Millionen Pfund dürfte ausreichen, aber immer unter dem Gesichtspunkt, daß unsere Organisation die Majorität des Aktienkapitals in irgendeiner Form in der Hand behält. Gleichzeitig müßte das Privileg zur Ausgabe von Noten augestrebt werden. Wenn dies erteilt ist und unter dieser Voraussetzung muß die Frage ventiliert worden, wie die Deckung der auszugebenden Noten, damit sie vollwertig sind, zu gestalten ist. Auch hierfür gibt es in der Geschichte der englischen Kolonisation gute und nachahmenswerte Beispiele. Als den geeignetsten und nach meiner Auffassung wirklich gangbarsten Weg glaube ich folgende Anregung zur Erwägung anhclmstellcn zu sollen. Die palästinensische Regierung gibt, wie Sie wissen, eine Anleihe heraus, die auf 2' ״ Millionen Pfund beziffert wird, die, wenn es irgendwie angängig ist, ganz, in jüdische Hände untergcbracht werden sollte. Der jüdische Koionialtrust sollte nun mit den Mitteln, die aus dem Keren Hajcsstxl der Organisation zufließen, einen Betrag von etwa 500 000 Pfund erwerben. Diese Anleihe wäre bei der palästinensischen Regierung als Sicherheit zu!unterlegen, und auf Grund dieser Sicherheit sollte dann die palästinensische Regierung dem jüdischen Kolonialtrust das Recht der Notenausgabe in etwa drei- bis vierfach höherem Betrag gewähren, so daß also etwa Uö bis 2 Millionen (Mund Noten des jüdischen Kolonialtrusts, als des Notcniiistituis zur Ausgabe gelangen. Die weitere Entwicklung ergäbe sich dann ganz von selbst, ohne daß ich hier daraut näher cinzugchcn brauche. Eine weitere Funktion des jüdischen Koloniahrusts wäre Ausgestaltung zu einer Mantelgesellschaft für die oben genannten Bankinstitute und für alle Gesellschaften, die außerdem noch aus nationalem Interesse begründet werden und deren Kapital aus öffentlichen Mitteln beschafft wird. Feiner müßte sich das Arbeitsgebiet ,s Koionialtrusts nur auf oben angegebene Dinge beschranken, vor allen Dingen aber, müßte es ihm verboten sein, Depositen anzunehmen oder rein bankgeschäftliche Transaktionen zu machen. Das Arbeitsgebiet könnte sich analog dem der Deutschen Reichsbank gestalten lassen.

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