Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-05-24 · Heft 41 (24.5.1921) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 41 (24.5.1921)
Date
1921-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652351--14024-2671805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

jjf*) r ר f" --J׳ t I י. 1 4#־ ■ ׳ few ׳ ״. j fe f' ך־־׳־־ך ך;* * cr^ r CJ>, Sitzung des Advisory Committee Aus Jerusalem wird uns berichtet: Umnittelbar nach Einlangcu der Nachrichten über die Unruhen in Jaffa trat der Advisory Council unter dem Vorsitz des Oberkonunissärs für Palästina, Sir Herbert Samuel, zu seiner achten Sitzung■ zusammen. Nach Eröffnung der Sitzung gab Sir Samuel im eigenen Namen und namens der Mitglieder des Beirates dem tiefen Bedauern über die während der letzten Tage in Jaffa zutage getretenen Unruhen Ausdruck. Diesen Ausschreitungen fielen bis zur Zeit der Sitzung des Beirates 20 Menschenleben zum Opfer, wahrend 2üt) Personen mclir oder weniger schwere Verletzungen erlitten haben. Die Regierung habe sofort Truppen, Polizei Verstärkungen und einige Panzerwagen nach Jaffa entsendet und die Ordnung sei wicdcrhcrgestellt. Es sei bereits eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen worden. Der Beirat möge die Versicherung entgegennehmen, daß alle schuldigen Personen mit aller Strenge bestraft werden. Sir Samuel gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß sämtliche Mitglieder des Beirates ־ohne Unterschied den Wunsch haben, den Hinterbliebenen der Todesopfer sowie den Verwundeten ihr Beileid und Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. D r. H a b i b S a 1 i tn gab die Erklärung ab, daß er und seine Mandanten mit tiefem Bedauern und aufrichtigem Kummer von den stattgefundenen Vorfällen Kenntnis erhielten und daß sie von tiefem Mitgefühl mit den Verwundeten und den Angehörigen der Gefallenen erfüllt sind. Er richte an den Oberkommissar die Bitte, alle Personen, welche die Unruhen verursacht haben, mit aller Strenge der verdienten Strafe zuzuführen, so daß in Zukunft keine Ausschreitungen Platz greifen und der Friede dauernd hergcstellt werden könne. Seiner Mcinimg nach wäre gerade hier die größte Strenge am Platz als die einzige Methode, die Wiederholung solcher beklagenswerter Ausschreitungen unmöglich zu machen. Ben-Zwi gab gleichfalls dem Mitgefühl mit den Betroffenen Ausdruck. Er forderte, daß die Untersuchung und die Bestrafung der Schuldigen an den Mordtaten unverzüglich in Angriff genommen und durchgeführt werden mögen. Die Strafe müsse eine e x e m - plansch strenge sein, denn es bestehe die groß« Gefahr, daß, wenn die Vergeltung nicht unmittelbar eintritt, ähnliche Vorfälle sich auch an anderen Orten wiederholen könnten. Zur öffentlichen Beruhigung sei eine gemeinsame Untersuchung durch eine Kommission, bestehend aus Regicrungsbcamlcit und Vertretern der Bevölkerung, unerläßlich. Die Untersuchung habe sich ebenso auf die Zivilisten wie auch auf diejenigen Regierungsbeamten zu erstrecken, welche an den Mordtaten tcilgenommcn haben. Toukan Bey fordert nach einer Beileidsktmdgelumg für die Opfer und eiere» 1 iinterbliebeueu gleichfalls die sofortige Einleitung der Untersuchung zur Fest- Stellung der Verantwortlichkeit für die Vorfälle. Den Distriktsgouvcmeuren müsse der Auftrag erteilt werden, alle Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, damit ähnliche Zwischeufälle, welche in der Bevölkerung große Besorgnis wachnifen, rechtzeitig verhütet werden. Die beklagenswerten Ereignisse hatten nicht cintrctcn können, wenn die Regierung in Jaffa die erforderlichen Vorsichtsmaßnahincn getroffen und den dortigen Zuständen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Sir Sam 11 e 1 teilte in seiner Erwiderung mit, daß die Untersuchung über die Ursachen der Ausschreitungen bereits tags vorher cingeleitet wurde und mit der größten Beschleunigung durchgeführt werde. Gegen die schuldigen Personen werde mit der größten Strenge vorgegangen werden. Sollte cs sich hcrausstclleu, da*ß einzelne Regierungsbeamte, wie dies Herr Ben-Zwi angedeutet hat, tatsächlich an dem Verbrechen tcilgcnommen haben, 90 werde ihre Bestrafung eine viel schärfere sein, als diejenige der übrigen Schuldigen. Die Regierung werde sofort nach Einlangen des Berichtes über das Ergebnis der Untersuchung mit der dem Ernste der Ereignisse entsprechenden Raschheit handeln Hilfe für die Opfer der Unruhen Die zionistische Kommission drahtet aus Jerusalem, daß QöOO £ erforderlich sind zur Hilfeleistung für die Opfer der Unruhen. Dieser Betrag schließt außergewöhnliche Ausgaben ein zur Unterstützung der unbeschäftigten Chaluzim, Darlehen an verschiedene Handwerker und intcrimistische Zelte für diejenigen, deren. Wohnungen zerstört wurden. Verständlgungs-Konferenz Ko״f״LEifÄ Rcfilcn״K ^nd in Jaffa Konferenz arabischer und jüdischer D gierten unter Teilnahme von Sokolow stat katte, die Methoden zu beraten, wie Ordnung in Jaffa wiederherzustellcn seien. Es ׳ Die arablscF.cn Forderungen London, 16. Mai. (J.C.B.) Der Präsident des mohammedanisch-christlichen Komitees sandte am 12. Mai aus Jaffa an sämtliche englischen Zeitungen folgendes Telegramm; ״Die arabische Bevölkerung Palästinas, Mohammedaner und Christen, fordern von der britischen Regierung eine konstitutionell gewählte Regierung unter britischem Mandat, die Annullierung der Balfour- Deklaration und die Einstellung der jüdischen Einwanderung.“ Die einzige Zeitung, die dieses Telegramm veröffentlichte, ist die ״Morning Post“. Wie man die Araber beruhigt Jerusalem. (J.C.B.) Die Bemühungen der Zionistischen Kommission konzentrieren sich jetzt auf die Frage der Wiederaufnahme der jüdisehen Einwanderung nach Palästina. Einer Ab- Ordnung der Kommission, die bei Sir Herbert Samuel vorstellig wurde, erklärte der Oberkommissar, der erlassene Befehl sei nur vorübergehend wegen der Unruhen in Jaffa erlassen worden. Er solle widerrufen werden, sobald die Rulie wiederhergestellt ist. Die Nachricht von der Unterbrechung der jüdischen Palästinawanderung wird von gewissen Kreisen über alle arabischen Dörfer des Landes verbreitet. Das erste Urteil in Jaffa Jerusalem, 17. Mai. Die erste Verbandlung gegen die bei den Jaffaer Unruhen Verhafteten hat bereits stattgefunden. Das Urteil hat in jüdisehen Kreisen große Erregung hervorgerufen, weil verschiedene Araber, welche schuldig befunden wurden, während der Unruhen aus jüdischen Läden gestohlene Waren verborgen zu haben, zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden sind, während gleichzeitig ein scphardischer Jude, Albert Franco, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er einen Revolver trug. Hierbei ist noch zu bemerken, daß Francos Laden bei den Unruhen geplündert und sein Schwager getötet worden ist , Die Lage in Jaffa London, 16. Mai. (J. C. B.) Wie die Zionist Commission mitteilt, wurde die Ruhe in Jaffa nicht mehr gestört. Die in den gemischten Vierteln der Stadt wohnenden Juden wurden nach Tel-Awlw gebracht. Die Hilfsaktion für die Geschädigten soll dieser Tage beginnen. Die Chaluzim werden inzwischen in Tel-Awiw in Zelten beherbergt und verpflegt, da deren Quartiere in Jaffa demoliert wurden. Die arabische Polizei ist noch immer nicht entwaffnet Mr, Harry Sacher und Capitain Horcs Samuel (ehemaliger Offizier der jüdischen Legion) wurden zur Vertretung der jüdischen Interessen' in besonderer Mission nach Jaffa entsendet. Eimrclliclfen über die Vorgänge London, 15, Mai (J.C.B.) Die Zionistische Organisation erhielt vom Waad Hazirim in Jerusalem weitere telegraphische Einzelheiten über die Ereignisse in Jaffa, demzufolge während der Ausschreitungen bloß jüdische Geschäfte geplündert wurden. Unter den Verhafteten befinden sich 20 Juden. Etwa 40 arabische Polizisten sind, des Verbrechens des Mordes beschuldigt. Es wurde weiter festgcstcllt, daß die Mehrheit der Verletzten Kopfwunden von Geschossen erhielten. Die Zionistische Kommission beschäftigt sich zurzeit mit der Fest- Stellung der Vcrmögcnssdiäden, die die Juden erlitten haben. Das Leichenbegängnis der Opfer Ucber das Leichenbegängnis der Opfer der Ausschrcitungcn in Jaffa werden uns aus Jerusalem folgende EinzcUtclten berichtet: Die Bestattung der Opfer fand am 3. d. Mts. nachmittags statt. Die Särge wurden einzeln von Chaluzim auf den Friedhof getragen. Die Irdischen Uebcrrcste des gefallenen Dichters J. Ch. Brenner wurden abwechselnd von den anwesenden hebräischen Schriftstellern, unter ihnen euch A. Z. Rabbinowitsch und Sokolow, getragen. Eine unabsehbare trauernde Menge nahm an der Feier teil. Zum Zeichen der gemeinsamen Trauer setzten sich sämtliche Anwesenden auf den Friedhofsgrund nieder und verharrten mehrere Minuten in tiefem Schweigen. Erst bei Einbruch der Abenddämmerung verließ die große Traucrgemeindc schweren Herzens die letzte Ruhestatte des jüngsten Opfer des jahrhundertealten Kampfes uro das jüdische Heim in Palästina. Das Obcrrabbinat von Jerusalem hatte alle Vorbereitungen getroffen um den Todesopfern von Jaffa die letzte Ehre zu erweisen I wurde jedoch daran verhindert und sandte Beileid» tclcgnunme an den Stadtrat von Tel-Awiw, den jüdi- 1 sehen Staatrat und den Rabfokiatsausschuü von Jaffa. Die Ermordung von Brenner Ein Augenzeuge, der die Leichen der Ermordeten gesehen hat, erzählt im ״Haarez“ folgendes: Brenner und die ganze Familie Jazker, bei der er gewohnt hatte, sind auf grausamste Werse ermordet worden. Die Mörder schlugen auf sie mit Spitzhacken ein. Ein Teil des Kopfes von Brenner war ganz abgerissen, ebenso waren die Leichen von Jazker und Schatz entstellt. Brenner wurde am Sonntag nachts ermordet. Noch am Sonntagnachmittag besuchten ihn einige Genossen und schlugen ihm vor, in die Stadt zu übersiedeln. Seine Wohnung liegt am Rande der Stadt. Er wollte aber darauf nicht cingehcn und glaubte, daß er sich wird verteidigen können. Den Verletzungen erlegen Jerusalem, 14. Mai (J.C.B.) Von den bei den Exzessen in Petach Tikwah verwundeten Juden sind Gisim Abschalom, Grünstein Chaim, Rappaport Nathan ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der jüdischen Todesopfer erhöht sich dadurch auf 35. Arabische Pressestimmen Die arabische Zeitung ״Karmel“ (Haifa) veröffentlichte am 18. Mai einen Leitartikel unter dem Titel: ״Der zionistische Bankrott“. Unter anderem wird den Zionisten vorgeworfen, daß sic jüdische Emigranten in das Land gebracht haben, ohne sich erst um die für deren Erhaltung notwendigen Mittel zu kümmern. Die Emigranten seien daher dem Lande zur Last gefallen und haben die Preise in die Höhe getrieben. So^ar die Emigranten selbst seien nicht zufrieden. Die Zionisten müßten daher ihre Politik ändern und erst die Gelder aufbringen, bevor sie die Emigration fortsetzen können. Der Jerusalemer Zensor hat die hebräische Ueber- Setzung dieses Artikels, welche in einem Blatt erscheinen sollte, konfisziert. Churchill über die Ereignisse London, 16. Mai (J.C.B.) Der Staatssekretär für Kolonien, Mr. Churchill, beantwortete eine Anfrage im Unterhaus, ob das Kolonialministerium in der Lage sei, dem Hause nähere Einzelheiten über die Unruhen in Jaffa mitzutdien, dahin, daß die vom High Commissioncr Sir Samuel erhaltenen Nachrichten bereits der Presse übergeben wurden. Inzwischen sei eine Untersuchungskommission eingesetzt w er■ den, und er glaube nicht, daß die Veröffentlichung weiterer Details vor Beendigung der Untersuchung möglieh sein werde, Telegramm der Arbeiter Palästinas an die Labour Party Die ״Achduth Haawodah“ sandte am 5. Mai folgendes Telegramm an die Labour-Party in England; ״Der arabische Pöbel, aufgehetzt durch Effeniis und Beamte, veranstaltete am 1. Mal ein Blutbad unter den Juden Jaffas. Einzelne Fälle von Gewalttaten kamen schon am frühen Morgen vor. Es liegen Beweise vor, daß cs sich um einen vorbereiteten Pogrom handelt. Der große Umzug der jüdischen Ar• beiter, der mit Erlaubnis der Regierung in Tel-Awiw veranstaltet wurde, ging in Ordnung und Frieden vorüber. Eine andere Ansammlung von nur einigen Dutzend Leuten, die auf einer dem arabischen Viertel nahm Straße eine Demonstration veranstalteten, wurde von Störenfrieden und arabischen Schutzleute überfallen. An der Plünderung der Geschäfte und den öffentlichen Mordtaten beteiligten sich die Schutzleute, die Waffen unter die Angreifer verteilten und auch selbst schossen. Viele von ihnen legten ihre Uniform ab, um nicht erkannt zu werden. Sie benutzten dabei Messer, Gewehre und Bomben. In das Immigrantenheim drangen Schutzleute während der Mittagsmahlzeit mit Handgranaten ein und ermordeten dort zwölf Männer und eine Frau, während vierzig weitere Leute verwundet wurden. Die lokale Adm i n i s t rat ion ergriff drei Tage lang nicht die zur Herstellung der Ruhe nötigen Maßregeln, ln der arabisehen Vorstadt wurde am nächsten Tage eine jüdische Kolonistenfamilic und der bei ihnen wohnende bc deutende Schriftsteller, Brenner, ermordet. De Zahl der bereits zur Beerdigung gelangten Toten erreich' bis heute 37, die der Verwundeten 200. De Gefahr ist noch nicht vorüber. Die Schuldigen verbreiten Verleumdungen über die Juden im allgemeinen und, dic Arbeiterbe wegfing im besonderen. Wisset die Wahr■ heit und tut Eure Pflicht, gez. Achduth Haawodah.“ Die Resolution der englischen Föderation Der Vorstand der cnglisclien Zkmistenfödcrat»״ hat eine Resolution angenommen, in welcher er seine Twucr f**־** die Jaffaer Unruhen ausspricht und hin zufügt: ״Der Rat wünscht sem vollständiges Vertrauen in die Bemühungen des Oberkommissars zur Wiederherstellung der Ordnung im Lande auszudrüdeen, f und die erste Hoffnung, daß sofort Schritte unters I nommen werde«, eine zunehmende jüdisch« Eürw&n׳• I derung nach Erez-Israel herbeizuführen“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.