Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-05-24 · Heft 41 (24.5.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 41 (24.5.1921)
Date
1921-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652351--14023-2671804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

!0 «מ׳״״יד i m. 8•;!,• *• ■% Sb• «l״—■ JUUktiQ. .״d V״l.» W IS. SüdwUch* Straß• 8. Er.cfc.mt M« Di*״»tag ■»d Fieit.j, B«1uftpr«i» bei d« Eipeditl״» un^ ‘J־ Poitümtero viert.ljihriidi IS.— M. In D«ut»cI1l«(1d. Au«l»1)d״bono• M0Dt» wctcUd 10 6*t Wihruny &•* «ituclowo Land»? j>er«<*>p Nummer 41 I Berlin, 24. V 1921 AnzelgewVoTwnltungi Verlag Alwin Loewentlml, Berlin NW 7, Dorothcenatr. SS Tatepkoo: Au4l Zentruni 4814 und 4819• (är di« •<eueagw«u*1tene NonparoiHezoil• 2,50KL« . י f•miKcQtr)k«ig«& 4 M. pro Zeit«, AnulytBicbluflt Dieontag und f*r«iU; «1d>a(tUg 4 ULr. Telephon J Uhlsad 84$ 846 ,וו. Po*t*dhe*kkontot Barlio Ut. 17392, Für ^Ocitcrreich. Pou**p»rk***4m1mt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Techochoelowakei: F־«»Up»tk»M«n*ot Pr»f, Konto Nr. 156030, — RecUktmoMchluß Sonntag und Mittwoch ■achmitt•?« — טז׳ אייס תרס״א• XXVI. Jahrg. Oar Zionismus erstreb! 10r das JOdlsche Voll! die Schaffung elnar Öffentlich« rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm" Der Rabbinerverband för dis Palästinawerb Der Deutsche Rabbinerverband, der am 17. und 18. d. M. in Frankfurt tagte, hat einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: I. Durch den Krieg und seine Fotgeerschcinungen sind bei der Schicksalswende des Vater- Landes die religiösen, kulturellen und karitativen Schöpfungen des deutschen Judentums schwer in Mitleidenschaft gezogen, zum Teil in ihrem Bestand bedroht. Der Rabbinerverband hält es für eine heilige Pflicht des deutschen Judentums, trotz der Ungunst der Zeit mit allen Kräften für ihre Erhaltung zu wirken. 2 Durch die Neugestaltung der Verhältnisse in Palästina ist die Hoffnung gegeben, daß für zahlreiche unserer Giaubensbrüder dort eine Heimstätte geschaffen wird. Der Rabbinerverband erklärt es für eine heilige Pflicht des gesamten Judentums, an diesem Werk Anteil zu nehmen und sich an der Aufbringung der Mittel tatkräftig zu beteiligen, in der Voraussetzung, daß der Aufbau im Geiste der Lehre des Judentums erfolgt und die aufgebrachten Mittel dem Dienst parteipolitischer Zwicke entzogen werden. Wie wir erfahren, waren etwa 100 Vertreter aller Richtungen des deutschen Judentums (mit Ausnähme der extremen Trennungsorthodoxie) anwesend. Das einstimmige Votum des gesamten deutschen Rabbinerstandes für die Teilnahme am Aufbau Palästinas ist um so höher zu bewerten, als es beweist, daß auch nichtzionistisclie Juden die Sache für eine heilige Pflicht erklären, die gewisse deutsch-jüdische Organisationen ablehncn zu müssen meinen. as Landunösverboi Die Großloge U. 0. B. B. für Palästina Das Gcneralkomitcc des U. O. Bne-Brith, Großloge für Deutschland, hat in der Sitzung vom 22. Mai beschlossen, mit der Zionistischen Organisation und anderen an Palästina interessierten jüdischen Organisationen zusammenzuarbeiten, um Palästina als bevorzugtes Immigrationsland auszugestalten. Der Orden erklärt den Aufbau Palästinas in diesem Sinne als ein großes allgemein jüdisches Hilfswerk, fordert aber eine paritätische Zusammensetzung der Leitung des Aufbauwerkes und Garantien für die ausschließliche Verwendung der gesammelten Gelder in Palästina. Die jlcutsdien Logen sollen sich an dieser Aktion beteiligen, ohne Beeinträchtigung ihrer Mitaxbeit beim Wiederaufbau des 'deutschen Vater- Landes und ihrer Fürsorge für das notleidende deutsche Judentum und die in Deutschland weilenden jüdischen Flüchtlinge. Die Keren Hajessod-Koderenz in New York Samuel Untermeyer Vorsitzender des Komitees New York, 18. Mai. (J.C. B.) Am Sonntag, den 15. Mai, fand in New York eine Konferenz der Keren Hajessod-Organisation unter dem Vorsitz des Richters Strahl statt. Herr Samuel Unterm e y e r, der hervorragendste amerikanische Advokat, übern מ lim den Vorsitz des Board in den Vereinigten Staaten und erklärte in seiner Rede, daß der Zionismus weder als amerikanisch noch als europäisch angesehen werden könne, sondem daß er eine Weltbewegung sei und als solche geleitet werden müsse. Dr. W c i z m a 11 n wandte sich in einer glänzenden Rede an die Gegner des Keren Hajessod in Amerika und ersuchte sie, den Kampf einzustellen oder wenigstens bis zum Zionistenkongreß in Karlsbad Waffenstillstand zu schließen. New york, 10. Mai. (J.C.B.) ln der jüdisehen Gemeinde in B ro w n v i 11 e, Brooklyn, fand eine Keren Hajessod-Versammlung statt, die unter großer Begeisterung der Anwesenden verlief. Dr. Weizmann und andere Mitglieder der Delcgation richteten an die Versammlung einen Appell für den Keren Hajessod, den die Anwesenden mit einer sofortigen Zeichnung von 100000 Dollar beantworteten. Den hier vorliegenden Nachrichten zufolge laufen ununterbrochen beim Keren Hajessod-Komitee Zeichnungen ein. Bisher sind etwa 800000 Dollar bereits eingezahlt worden. Berlin, 22. Mai. Die Ereignisse in Jaffa haben eine Folge gehabt, die in der ganzen zionistischen Arbeit schmerzlich fühlbar wird. Die palästinensische Regierung hat die Landung in den palästinensischen Häfen verboten, und mehrere Schiffe mit Ein- Wanderern und Chaluzim mußten den Rückweg anbeten In den europäischen Zentren der Emigration, besonders in Warschau, Wien und Triest, stauen sich die Palästinafahrer; auf die ersten Nachrichten von den Ausschreitungen in Jaffa haben sich zahlreiche Chaluzim sofort aufgemacht, um an die Stätte der Gefahr zu eilen; aus Warschau sind 500 Chaluzim abgefahren. Sie alle haben Palästina nicht erreicht. Die Emigrantenschiffe fahren nicht ab, da sic nicht in Palästina landen dürfen, die Chaluzim stehen völlig mittellos und unterkunftslos in den großen Städten da, und die lokalen zionistischen Organisationen haben die größte Mühe, für ihre notdürftige Unterbringung Sorge zu tragen. Die zionistische Exekutive hat gegen das Landungsverbot sofort Verwahrung ein* gelegt, und cs wurde ihr versichert, daß die Maßrege! nur ganz vorübergehend sei und etwa für zwei Wochen gedacht. Gleichzeitig aber wird die Immigrationssperre von arabischer Seite als der Bankrott des Zionismus und Durchsetzung der arabischen Forderungen gefeiert. Diese Situation ist äußerst gefährlich, und es darf kein Zweifel darüber bestehen, daß die Sperre der Einwanderung eine provisorische Maßregel ist für die Zeit, bis Sicherungen für die Aufrechtcrhaltung der Ruhe getroffen sind. Denn eine längere Sperre könnte die Wiederaufnahme in einem späteren Zeitpunkt nur noch schwerer machen. Die jetzt bekannt werdenden Einzelheiten beweisen, daß nicht zu viel, sondern zu wenig Juden bis jetzt ins Land gekommen sind. Sogar die Araber selbst äußern sich enttäuscht über das Versagen der zionistischen Arbeit. Sie sehen nur neue Einwanderer ins Land kommen, aber sic sehen kein neues Leben lind keine wirtschaftliche Befruchtung und sehen vor allem keine reale Macht, mit der sic ernsthaft zu rechnen bereit wären. — Die Araber haben heute den Eindruck, daß in der Tat versucht wird, die Herrschaft einer kleinen jüdischen Minorität über die arabische Majorität im Lande aufzuricliten. Es ist der zionistischen Politik nicht gelungen, diesen Argwohn zu zerstreuen, weder durch Aufklärungen und Propa ganda, noch — was viel wichtiger wäre — durch Taten. Die Politik der Deklarationen hatte eine gute Berechtigung nur unter der Voraussetzung, daß die Taten mit den Worten parallel gehen; große Worte ohne Leistungen haben nur die Wirkung gehabt, die Araber zu verbittern. Es ist vielleicht jetzt die letzte Möglichkeit einer Entscheidung. Die zionistische Welt rnuß endlich mit Taten ihre Entschlossenheit erweisen, das jüdische Volk muß zeigen, ob es bereit und fällig ist, den Aufbau seines Landes vom! nehmen. Wenn noch lange gezögert wird, so dürfte es zu spät sein. Herbert Samuel hat das Problem immer richtig gesehen und immer wieder den Ruf nach verstärkter Ein- Wanderung erhoben; die Organisation war nicht imstande, seiner Aufforderung nachzukommen Audi die uns freundliche Regierung ist zu schwach, um ohne unsere Mithilfe unsere Sache durchzuführen Die Zionistische Organisation für fortgesetzte Einwanderung London, 16. Mai. (J.C. B.) Wie wir erfahren, ist die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation gegen jegliche, selbst vorübergehende Einsteilung der jüdischen Einwanderung nach Pabistina. Schon die Zurückhaltung der auf dem Wege befindlichen jüdischen Emigranten würde der zionistisehen Sache nur abträglich sein, da dies von den arabischen Agitatoren als zionistischer Rückzug betrachtet würde. Die einzig richtige Politik des jüdischen Volkes kann gegenwärtig keine andere sein, als die fortgesetzte, weit größere Einwande■ rung und die Versorgung der Immigranten mit allem Erforderlichen, damit die konstruktive Arbeit in Palästina beginne» könne. Erklärung der britischen Regierung London, 19. Mai. (J. C. B.) Die Zionistisclie Organisation hat von der britischen Regicrung die offizielle Verständigung erhalten, daß die Einstellung der Emigration nach Palästina eine vorübergehende Maßregel ist. Die britische Regierung, hat den Wunsch, klar zum Ausdruck zu bringen, daß ihr Beschluß, das Mandat über Palästina im Hinblick auf die Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in diesem Lande anzunehmen, nicht erschüttert worden ist, und daß er durch Gewalttaten gewisser Elemente der palästinensischen Bevölkerung niemals erschüttert werden kann. Die britische Regierung und die palästinensische Verwaltung sind entschlossen, die Ordnung im Lande aufrechtzuerlialten und die Entwicklung seiner Naturschätze zugunsten aller seiner Einwohner fortzuführen. Die Einstellung der Emigration Die Lage in Wien, Warschau und Triest Wien, 14. Mai. (J.C. B.) ln Wiener und Warschauer zionistischen Kreisen herrscht große Erregung über die Weisung, vorderhand jede Emigration nach Palästina aufzuhalten. Die Zionistisdie Landesorganisation von Oesterreich und die Vertreter von anderen zionistisdien Gruppen haben energischen Protest gegen diese Maßregel erhoben. Die Situation der Chaluzim, welche auf der Palästinareise bereits in Wien eingetroffen sind, ist außerordentlich schwierig, da alle Vorbereitungen für ihre Abreise nach Palästina getroffen sind. Dauernd treffen neue Chaluzim ein; die meisten haben über ihre gesamten Mittel bereits verfügt und sind gerade nur im Besitz der Reisekosten, so daß sie sich in einer sehr kritischen Lage befinden. Die Beriditc aus Warschau besagen, daß dort analoge Verhältnisse herrschen. Mehrere tausend Chaluzim stehen zur Abfahrt bereit. Die Nachrieht von der Einstellung der Emigration hat in der jüdischen Bevölkerung eine noch viel niederdrückendere Wirkung gehabt als die Nachrichten über die Ausschreitungen in Jaffa. Triest, 15. Mai. (J.C. B.) Ununterbrochen kommen Emigranten aus verschiedenen Ländern nach Triest, um nach Palästina weiterzufahren. Dos Palästinaamt in Warschau hat den Instruktionen der zionistischen Kommission, die Abwanderung von Chaluzim im gegenwärtigen Moment aufzuhalten, nicht Folge geleistet. Ungefähr 500 Chaluzim sind in Triest eingetroffen. Das provisorische Landongsverbot Jerusalem, 14. Mai. (J. C. B.) Die palästinensische Regierung hat unter dem Druck gewisser Kreise in Aegypten und Palästina die Ausschiffung der Passagiere, die mit den letzten, zwei Dampfern vor Jaffa cingetroffcn sind, verboten. Die Zionist Commission und der Waad Leumi legten gegen die Handlung der Regierung Verwahrung ein, Sie erhielten von der Regierung die Versicherung, daß dieses Verbot bloß für die Dauer von zwei Wochen in Geltung bleibe. Die Landung in Aegypten ebenfalls verboten Kairo, 18. Mai. (J.C. B.) Ein Dampfer mit 153 Emigranten und Chaluzim an Bord, denen die Landung in Palästina nicht gestattet worden ist, lief in Alexandria an in der Hoffnung, daß den Emigranten gestattet werden wird, in Aegypten die Aufhebung des Landungs- Verbotes abzuwarten, um dann nach Palästina zu fahren. Zur großen Empörung der ägyptischen Zionisten haben die Behörden die Landung verboten und die Chaluzim zur Rückkehr nach Konstantinopel gezwungen. Viele dieser Emigranten sind über sechs Monate unterwegs und sind gänzlich mittellos. Alle Vorstellungen der Zionistischen Organisation, die Be• willigung für eine provisorische Landung dieser Mensehen in Alexandria zu erlangen, waren erfolglos. De« Zustand der Emigranten ist jämmerlich. Unter ihnen befinden sich zwei Frauen, die täglich ihrer Entbindung entgegensehen. Trotzdem mußte der Dampfer am 17. Mai abfahren, um nach Konstantinopel mrückzu׳ kehren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.