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Jüdische Rundschau · 1921-05-17 · Heft 39-40 (17.5.1921) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 39-40 (17.5.1921)
Date
1921-05-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 282 jUEDl SCHE RUNDSCHAU Nr. 39/40 Vor der Erklärung Churchills im Parlament (Von unserem Londoner H-Korrespondentcn.) London, 9. Mai 1921. Als der Rat des Völkerbundes bei seiner letzten Sitzung sich ansdiiekte, die ihm zugegangenen Mandats» entwürfe in Behandlung zu nehmen, erklärte bekannt- Ucli Bai tour namens der englischen Regierung, daö diese Wert darauf lege, daß zumindest das Alaudat über Palästina so lange zurück gestellt werde, bis der eben ernannte Koloniatm«lister Churchill, der sich damala auf der Reise nach Aegypten befand, Gelegenheit gehabt haben würde, über seine Erfahrungen und Feststellungen der englischen Regierung zu berichten und Beschlüsse über die in Zukunft cinzusclilngemlc Politik in den Mandatsgebieten herbeizufiilire«. Infolge dieses Standpunktes wurde damals die Erledigung der Mandate zuriidyiestellt. Churchill hat inzwischen nicht nur an der Konferenz in Cairo teilgenonmien, sondern auch Palästina seihst besucht und sich schon dort in seinen Reden, ohne viel Rückhalt, auf den Boden der Politik gestellt, welche, soweit Palästina in Betracht kommt, in der Balfour-Deklaration zum Ausdruck gebracht und in dem Mandatsentwurf in der Hauptsaehe formuliert ist. Während Churchill noch in Palästina war, wurde dem englischen Parlament von der Regierung die Versicherung gegeben, daß Churchill möglichst schnell nach seiner Rückkehr eine Erfclä* rimg im Parlament nbgeheu würde, aus welcher die Richtlinien der künftigen Politik und insbesondere auch das Ausmaß der englischen, aus ihr erwachsenden Vcr- Pachtungen sich entnehmen lassen würden, Churchill ist zurückgekchrt, nachdem er in Paris noch wichtige Unterredungen mit der französischen Regierung hatte, und es sind Wochen verflossen, ohne daß die versprochene Erklärung abgegeben worden wäre. Zum großen Teil ist dies allerdings auf die schwierige innere Lage Englands zurückztiführen, die die Aufmerksamkeit des Parlamentes in erster Reihe auf die industriellen Fragen und in zweiter Reihe auf die Auseinandersetzung mit der Sinn - F ein-11 e wegu n g kouzentriert. Nachdem schließlich der Ministerpräsident nochmals erklärt hatte, Churchill würde Anfang Mai zu seiner Erklärung kommen, wurde sie für die erste Woche des Monats erwartet und wäre wahrscheinlich schon erfolgt, wenn nicht die Vorgänge in Jaffa dazwischengekommen wären und gezeigt hätten, daß die zum großen Teil von auswärts verhetzten chauvinistischen arabischen Elemente in Palästina gerade den Versuch machen, durch Gewalttätigkeiten die englisdie Regierung ün letzten Augenblick noch kopfscheu zu machen. Die Untersuchung, die in Palästina Zweifellos mit ausreichender Energie durcligeführt werden wird, wird zeigen, ob die Fäden der organisierten Hetze direkt oder indirekt auch von gewissen antibritischen oder antisemitischen Stellen in Paris und London gezogen werden. Aber schon jetzt kann man sagen, daß, wenn eine Absicht vorhanden war, Churchill daran zu verhindern, auf Grund der in Palästina empfangenen Eindrücke und der mit Sir Herbert Samuel vereinbarten Richtlinien vor das Parlament zu treten, diese Absicht nicht erreicht worden ist, wenn auch natürlich nicht verkannt werden kann, daß Churchill vor den letzten Ereignissen in Palästina vielleicht eine optimistischere Auffassung zum Ausdruck gebracht liätte, als er es jetzt wird tun müssen, da er gezwungen sein wird, zu erklären, ob und wieweit die englische Regierung gesonnen ist, ihre Politik, die sich auf den übernommenen Verpflichtungen aufbaut, eventuell auch mit einem gewissen Nachdruck durchzusetzen. Im ״Daily Telegraph“ veröffentlicht ein an• scheinend sehr gut unterrichteter Korrespondent die Grundzüge, die angeblich Churchills Standpunkt zu der Fragen des Nahen Ostens bezeichnen. Die beiden Haupt■ zöge des Programms sind die Einrichtung einer großer Linie für Luftverkehr von Europa über Indien uael; Australien und zweitens die Organisierung einer Kette von autonomen Staaten im mittleren Osten Für diesen Zweck wird, soweit Mesopotamien ir Betracht kommt, die Kandidatur Emir F e i s a 1 s be׳ günstigt, Transjordanien soll ein unabhängige! arabischer Staat unter der provisorischen, Re■ gierung Emir Abdullahs bleiben, wobei aber eir bestimmter tnodus vivendi mit der Verwaltung Pa■ tästinas und dem französischen Protektorat in Syrier zu vereinbaren ist. Die Organisation von Palästina sagt der Korrespondent, soll auf der gegenwärtiger Grundlage weiter ausgebaut werden. Palästina soll sein! eigene Verteidigungsmiliz haben, die aus dci jüdischen und arabischen Bevölkerung zusaiumengesetz wird. Der Hafen von Haifa soll in großzügiger Weis! entwickelt werden, um den Ausgangspunkt für ein! transkontinentale Motorlinie und später für eine Eisen bahn vom Mittelmecr nach Mesopotamien zu werden Auch soll hier die Linie für die Petroleumröhren enden die das mcsopotamische Oel zum Mittelländischen Mee bringt. Die Hedjas-Balin soll unter Verwaltung eine gemischten Kommission gestellt werden, deren Lcituni cm Englandci Lccrniiumt, der Mitglieder der intcr essierten Staaten angehören sollen. v?taa ten in Arabien anlangt, so sc beabsichtigt, die Dynastie des Königs von Hedjas um des Imam von Yeinen durch finanzielle Subvention zu unterstützen. Auf diese Weise soll der E Englands festgcsteUt werden, ohne daß England allzu große Verpflichtungen übernimmt. Aus diesen Andeutungen ergibt sich allerdings e System weitgehenden Entgegenkomme an alle arabischen Wünsche in Me sopotamien, Hedjas und Y e m e n , ein sehr weitgehendes Entgegenkommen auch in bezup auf Transjordanien. Transjordanicn »11 offenbar in einer gewissen losen Form in den Bereich des Palästina-Mandates einbezogen weiden und demnach auch in einem, noch nicht bekannten Ausmaß in die Kompetenzsphäre der Verwaltung Palästinas eiligeschlossen sein, ohne daß deswegen die Beziehungen Englands zu der Bevölkerung Transjordaniens auf dein internationalen Wege des durch den Völkerbund bestätigteil Mandates genau formuliert werden; cs bliebe demnach diu Möglichkeit, diesen sozusagen einseitigen staatsrech|tliehen Akt, entsprechend der Entwicklung der Verhältnisse, in Zukunft abzuändern. Im Einklang mit dieser Politik für Transjordanien scheint unter anderem die Berufung des früheren Gouverneurs voll Hebron und späteren Leiters der Landkommission, Major Abramson, auf dem Posten des Advisors (Beraters) des Emir Abdullah hinzuweisen. Major Abramson gehörte der Administration Palästinas schon zur Zeit des militärischen Regime an und gehörte zu der nicht sehr großen Zahl von Beamten, die sich in jener Zeit für die Zukunft nicht kompromittiert haben. ZL Di« Ortdgrujipen werden dringend um Beschleunigung der SCHEKELSAMMLUNG und Uol)0rw«i8ung der oiuBcgnngeneu Beiträge oreuebt, da der Landesvorstand bi* zum 81. L׳]al 1921 mit der Exekutive der Weltorganisation abreehnen muß. Zionistische Vereinigung für Deutschland Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Depositen* knsse, Kurfürateudamm 211, Postschokkonto: Berlin 8091 7 Während demnach das Parlament auf die äugekündigte Erklärung Churchills wartet, hat die Regierung dem Parlament soeben das Militärbudget überreicht, das insgesamt einen Betrag von 106 000 000 £ aiisprieht. Auf die Einzelheiten des Militärbudgets, soweit cs im Zusammenhang mit der Orient- und Mandats- Politik der englischen Regierung steht, wird noch zurückzukommen sein. Es ist aber jedenfalls schon heute von Interesse, fcstzustellen, daß der Leitartikel der ״Times“ am 9. Mai, der Betrachtung des Mißtärbudgets gewidmet, den Titel ״Das Militärbudget und Mr. Churchill“ trägt, obgleich Churchill bekanntlich das Kriegsministerium verlassen hat, als er das Kolomalamt übernahm. Die ״Times“ sucht trotzdem im Militärbudget die Spuren seines Waltens und findet sie in einigen Posten, die sic — nicht findet. Der Grund hierfür ist, daß die militärischen Ausgaben, die England im Zusammenhang mit den Mandatsgebieten erwachsen, aus dem Militärbudget herausgenommen und auf das Konto des Kolonialamtes übertragen wurden, so daß demnach die militärischen Lasten Englands kleiner zu sein scheinen, als sie wirklich sind, und daß die mit dem Mandatssystem verbundenen Auslagen mit Posten belastet sind, die eigentlich auf das Militärbudget Großbritanniens gehören. Die ״Times“ erhebt dagegen Einspruch und schreibt: ״Wir müssen wiederum einen ganz emphatischen Protest gegen den Vorschlag der Regierung cinlegen, die Kosten der Truppen im Mittleren Osten aus dem Militärbudget herauszunehmen und auf das Konto des Kolonialamtes zu setzen. Das Ist ein Versuch^ unsere wirklichen militärischen Ausgaben zu ver- Schleiern und das Abgeordnetenhaus soll dem kräftig widerstehen.“ 1111 weiteren beschäftigt sich dann der Leitartikel der ״Times“ tatsächlich nicht mehr mit den Posten, die im Militärbudget enthalten sind, sondern mit der Churchill z.ugeschriebcnen Politik im Mittleren Osten, speziell Ln bezug auf die Araber. Sie schreibt, daß es schwer sei, fcstzustellen, welche Gesamtsumme der englische Steuerzahler in diesem Jahr für die englischcn Truppen im Nahen und Mittleren Osten, außerhalb der englischen Grenze, zu zahlen haben wird. Die Politik, die Churchill in bezug auf die arabischen Ansprüche verfolgt, sei durchaus abzulchnen, cs sei eine Politik des Entgegenkommens gegenüber den grandiosen Plänen pan-arabisch er Träume. Solche Projekte müssen das britische Reich in unbegrenzte Gefahr und Verbindlichkeiten hineinziehen, ohne jemals eine sichere Position zu schaffen, solange alle Verhandlungen mit König Hussein, Emir Feisal und Emir Abdullah geführt werden, deren Rivale, Iben Saud, der Herr von Ncjd, beiseite gelassen wird. Die Churchill zugeschriebenen Pläne seien auf Sand gebaut, da eine geschlossene arabische Zustimmung nicht zu erwarten ist. Dadurch wird die Sicherheit aller Rohriinien für den Pctrolcumtransport und aller Stationen für den Luftverkehr dauernd in Gefahr sein und nichts gewonnen. Die ״Times“ unterstreicht daher die Forderung, ״unsere Politik soll sein, uns von aller Ver» Wicklung in arabische Angelegenheiten fernzuhalten, unsere Verpflichtungen in Mesopotamien auf das kleinstmöglichste Maß herabzudrücken und zu erklären, daß wir außerstande sind, dauernde Subsidien an arabische Häuptlinge zu bewilligen, die wir nicht in der Kohlen- Industrie bewilligen können“. Charakteristischerweise wird in diesem scharfen Artikel, der Churchills Erklärung im Parlament vorangeht, kein einziges Wort des Protestes über die Churchill zugeschriebene Po!n־ä; in Palästina verloren. Das stimmt mit der Tat. sachc überein, daß die öffentliche Meinung in E.-g. land, soweit sie wirklich maßgebend ist — im ment und in der Presse — tatsächlich keine Neigung zeigt, sich von der gegen die Ausgaben der Regierung im Orient gerichteten Angriffe zu einer Ablehnung der Verpflichtungen verleiten zu lassen, die mit der Ucbcr. nähme des Mandates für Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration verbunden sind. Das Heeresbudget für Palästina London, 11. Mai, (J. C. B.) Die Regierung VCr. öffentlieht das Mccresbudget für das jaltr 1921/22, ■welchem hervorgeht, daß in Palästina •1501) englische m«j 3200 Kolonial- und indische Soldaten verbleiben werden, Keren Hajcssod in Lettland Nachdem die technischen Vorarbeiten für den Keren Hajcssod in Lettland durch Herrn S, Salz mann gemacht worden waren, setzte die Agitation für tlen Keren Hajcssod mit voller Kraft ein. In den letzten zw« Wochen bereiste Professor Heinrich Löwe Lettland, Er sprach mit dem größten Erfolg in mehreren von vielen Tausenden Zionisten und Nichtzionisten besuchten Versammlungen. In der letzten Woche besuchte der Minister M. So lo we i t sc h ik gleichfalls zu Propagandazweckcn für den Keren Hajcssod Lettland. Er sprach in einem Massenmeeting in Riga. Der Erfolg war überwältigend. Auf einem ihm zu Ehren veranstalteten zionistischen Bankett wurden über 2 Millionen Rubel für den Keren Hajcssod gezeichnet Die Vereine ״Z e i r e - Z i o n“ und ״H e c h a 1 u z“ nehmen an der Arbeit für den Keren Hajessod den regsten Anteil. Es wird geplant, in der Pcßachwoehe jede» jüdische Haus zu besuchen und zur Zeichnung für den Keren Hajessod aufzufordern. Mit Bestimmtheit wird erwartet, daß die Von der lettischen /ionistischen Organ!- sation für den Keren Hajessod bestimmte Summe von 25 Millionen Rubel gezeichnet werden wird. Ukrainisches Hilfskomitee in Argentinien Wir werden gebeten mitzuteilen, daß sielt in Argentinien ein ukrainisches Komitee gebildet hat, mit dein Zweck, notleidenden Handelsleuten aus der Ukraine Hilfe zu gewähren. Besonders will sich das Komitee mit der Ucbcrsicdlung von ukrainisehen Juden, die in Argentinien Verwandte haben, befassea Die Adresse dieses Komitees Lautet: ״Unio״ Israeli ta Ukraina, Buenos Aires, 631, O mb u.“ Hiifsvcrein der Deutschen Juden Das Zentralbüro für jüdische Auswanderung»- angclegenheiten (Hilfsverein der Deutschen Juden) bittet uns um die Veröffentlichung folgender Zeilen: Es kommt in letzter Zeit öfter vor, daß Emigranten mit dem Reiseziel Argentinien in unserem Büro crscheinen, um Beistand in folgender Angelegenheit nachzitsuchen. Sie können nämlich die Weiterreise nicht an• treten, weil sie cs verabsäumt haben, sich die für sie notwendige Reiseerlaubnis seitens der argentinischen Einwandcnmgsbehörden in Buenos Aires rechtzeitig von ihren Angehörigen in Argentinien zu beschaffen. Ol ine diese Einreiseerlaubnis aber erhalten sie nicht das Visum seitens des argentinischen Konsuls. Diese Unterlassung rächt sich oft schwer. Die Emigranten sind gezwungen, sich — was sehr erheb* liehe Kosten verursacht - telegraphisch mit ihren Ver- | wandten in Argentinien in Verbindung zu setzen, und! es vergeht eine geraume Zeit, bis Nachrichten und i Papiere aus Argentinien cintreffen. ln der Zwischenzeit 1 müssen die Emigranten aber in Berlin bleiben, um auf die Papiere zu warten. Dieser nicht vorausgesehene Auf- : enthalt ist, insbesondere, wenn es sich um Familien; handelt, mit vielen Kosten und Unannehmlichkeiten für; die Emigranten verknüpft.; Folgende Personen brauche״ eine Speziale/• ■ 1 a u b n i s der argentinischen Einwanderungsbehörden j in Buenos Aires für die Einreise: alleinreisende Kinder j unter 15 Jahren, alleinrcisende Personen über 60 Jahre,! allcinrciscndc schwangere Frauen, alleinrcisende Fr;men; mit Kindern unter 16 Jahren, Familien ohne Familienj haupt oder Vater. Reisende nach Argentinien, dk zu j den vorgenannten Personen oder Kategorien gehören,; müssen sich also, um sich große Unannehmlichkeiten ׳ zu ersparen, ehe sie sich in Bewegung setzen, j durch ihre Verwandten in Argentinien die geforderte Ein-; reiseerlaubnis unbedingt zuschicken lassen. Die jüdische Bevölkerung von Gazah. In Gazah lebten vor dem Kriege ISO Juden, die während des Krieges die Stadt verließen. 50 Juden sind nunmehr zurückgekchrt, und ihre Zahl steigt ständig. Ein jüdisches Schulhaus wurde errichtet. Die Regierung 1k- ■willigte 5000 äg. £, um die Straße von Gazah nach dem Meere zu verbessern.

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