Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 39-40 (17.5.1921)
- Date
- 1921-05-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Delegiertentag fordert, daß der Kongreß eine von einheitlichem Willen geleitete Exekutive cinsetzt, die die verantwortliche Führung auf allen Gebieten zionistischer Tätigkeit ausübt. Der Sitz der Exekutive soll entsprechend den gegenwärtigen politischen, organisatorischen und finanziellen Erfordernissen in London sein. Die Aufbauarbeit in Palästina soll von einem in Palästina wohnenden Teil der Qesamtcxekutivc geleitet werden, unter Heranziehung von Vertretern des Jischuw. 3. Politik. Der Delegiertcntag der Z. V. f. D. bekundet sein festes Vertrauen in die von England in der Balfour- Deklaration niedergelegtc und von der palästinensischen Landesverwaltung unter Sir Herbert Samuel bereits cingelcitcte Politik, welche zur Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina führen soll. Der Delegiertcntag vertraut darauf, daß keinerlei Zwischenfälle die Durchführung dieser Politik beeinträchtigen werden. Es ist der ernste Wille des jüdischen Volkes, den Wiederaufbau Palästinas in friedlichem Einverständnis mit der arabischen Bevölkerung dttrchzufiihren. Der Delegiertcntag erhebt jedoch entschiedenen Protest gegen die blutigen Exzesse in Jaffa und erwartet, daß der jüdischen Bevölkerung die nötige Genugtuung gewährt und daß für Aufrechterhaltung der Sicherheit Sorge getragen wird. Der Delegiertcntag spricht die Erwartung aus, daß die zurzeit verfügte Sperrung der Immigration unverzüglich wieder aufgehoben wird. Die Stetigkeit der Einwanderung und Kolonisation ist die unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen der jüdischen Aufbauarbeit in Palästina 4. Keren Hajessod. Der Delegiertcntag erblickt in der Schaffung •des Keren Hajessod als der zentralen Institution für den Aufbau Palästinas eine Aufgabe aller Juden. Die intensivste Arbeit für den Keren Hajessod muß im Vordergrund aller zionistischen Tätigkeit stehen. 5. A m c r i k a. Der Delegiertcntag gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Bemühungen der Exekutive unter Der neutrale Jugendbund für Palästina Am 15. und 16. Mai hielt der Verband der neutralen jüdischen Jugendvereine Deutschlands seine Führertagung in Cassel ab. Es waren etwa 2000 Führer anwesend. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung bildete die Palästinafrage. Es wurde eine von l)r. Alfred Apfel, Dr. Cora Berliner, Dr. Fritz Krombach, Dr. Gustav Löffler, Fritz Sclnvarzschild, Paul Aufsesscr, Clairc Finkenstein, Rabbiner Dr. Lazarus, Kurt Neu eingebrachte Resolution unter großer Begeisterung einstimmig i.11 folgendem Wortlaut angenommen: ״Die Führertagung des Verbandes -der jiklisehen Jugendvercinc Deutschlands betrachtet die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina j als eine historische Tatsache, die parteimäßiger Behandlung entrückt bleiben muß. Sie hofft, daß vielen in ihren Heimatländern entwurzelten Glaubensgenossen in Palästina eine auf der Religion der Väter aufgebaute Heimstätte erstehen wird, aus der belebende religiöse und geistige Impulse ^Cl״ Judentum und der ganzen Welt Zuströmen, r)ie Fiihrertagung erwartet, daß die erforderliehen Mittel in einer Weise gesammelt, verwaltet und verwandt werden, die es den deutschen Juden jeder Richtung ermöglicht, sich freudig an einem großzügigen, einiieitlichen Sammelwerk zu beteiligen. ln dieser Erwartung richtet sie an die Mit* glieder der Jugendvereine und darüber hinaus an die deutschen Juden den Appell, sich an den Sammlungen und an dem Aufbau Palästinas opferbereit zu beteiligen.“ Die. Resolution wurde von Teilnehmern aller Richtungen, ob Agudist, ob Zentralvereinler oder liberaler Rabbiner, lebhaft unterstützt. Die Annahme der Resolution ist eine bedeutungsvolle Tat. Zum ersten Male hat damit eine nichtzionistische Or- Führung Dr. Weizmanns zur Durchführung der I Keren Hajessod-Aktion in Amerika, sowie zur Aufrechterhaltung der Einheit und Autorität der Ge- Samtorganisation von Erfolg begleitet sein werden. Der Delegiertcntag erwartet, daß die zionistischen Führer alles tun werden, um die Einigkeit innerhalb der Weltorganisation wieder herzustellen und über alle Einzelfragen zur Verständigung zu gelangen. An die itmerikanlsclie Convention Antrag des H a poe 1-Hazai r (vom Hauptausschuß auf genommen). Angesichts der Ereignisse in Jaffa, die zeigen, welche Gefahren dem Jischuw von einer weiteren Verzögerung des Aufbaus drohen, appelliert der Delegiertentag in brüderlicher Gesinnung dringend an die Convention der amerikanischen Zionisten, die Einigkeit im amerikanischen Zionismus herzustcllen und sofort eine energische Kampagne für Keren Hajessod cinzulciten. Keren Alijah Der Delegiertentag beauftragt den G. A., u n - v e r z ü g 1 i c 11 Mittel für die Berufsvorbereitung und Uebersiedlung von Chaluzim zu beschaffen. Die Verwaltung dieser Gelder soll einem unter der Aufsicht des G. A. stehenden Komitee übertragen werden, in welchem den mit der Chaluzarbeit direkt beschäftigten Organisationen entsprechender Einfluß zuzusichern ist. Resolution zur Arbeit in Deutschland (Antrag Blumenfeld und Genossen.) In der Ueberzeugung, daß der Keren Hajessod alle jüdischen Gruppen für die Arbeit zum Aufbau Palästinas einheitlich zusanimcnfassen muß und kann, billigt der Delegiertentag die bisherige Politik des Gcschäftsführcnden Ansschusses gegenüber den nichtzionistischen Organisationen. Die Voraus- Setzung und Folge dieser Politik ist die zietbewußte Stärkung einer entschiedenen zionistischen Gesinnung, die möglichst viele Zionisten in Deutschland zu echtem Pioniertum erzieht. Diese Gesinnung gebietet vor allem, daß der Geschäftsführende Ausschuß — bei dem die zentrale Leitung aller zionistischen Arbeiten liegen muß — 1. alle Einrichtungen trifft, um unsere Jugend menschlich, geistig und fachlich auf ein nationales jüdisches Leben in Palästina vorzubereiten, 2. die Einwanderung nach Palästina mit allen Kräften fördert, 3. die Erkenntnis der nationalen Not- Wendigkeiten auf dem Gebiet der Paliistinaarbcit und der Galutharbeit, insbesondere auch der sozialen Arbeit durch einheitliche Führung der Presse und der Propaganda stets klar zum Ausdruck bringt. ganisation ihren Willen bekundet, sich mit aller Kraft für den Aufbau Palästinas einzusetzen. Der Beschluß ist auf Grund der Reden Dr. Apfels so zu verstehen, daß damit eine Beteiligung am Keren Hajessod angebahnt wird. Wir werden auf 'die Tagung und auf die Bedeutung des Beschlusses noch zurückkommen. Die Sitzung des A; C. in Prag London, 9. Mai. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat die nächste Sitzung des Großen Actions-Coinitcs für Mittwoch, den 22. Juni nach Prag einberufen. Die Sitzung dürfte eine 1 Woche dauern. Den Bericht über Amerika wird, falls Präsident Dr. Weizmann bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht von seiner Amerikareisc zurückgekchrt sein sollte, das Mitglied der Exekutive Ussischkin, welcher sich am 28. Mai nach Europa einschifft, erstatten. Von Amerika werden 15 Delegierte erwartet. Dr. Liemes Rücktritt vom Jüdischen Nationalfonds Durch die von der Exekutive der Zionistisehen Organisation und vom Direktorium des J. N.-F. in letzter Zeit befolgte Bodenpolitik fühlte sich Herr Nchemia de Liemc, welcher kürzlieh als Mitglied der Exekutive zurückgetreten ist, veranlaßt, nunmehr auch sein Amt als Gouvernor und Managing Diredor des J,N.-F. niederzulegen. Bis zur Neuregelung durch die demnächst tagende Generalversammlung des J.N.-F. wird er dem Hauptbüro Lm. Haag mit seinem Rate bereitstehen. Seite 281 Die Lage in Palästina Offizieller Bericht über den Angriff auf die Jüdischen Kolonien London, 9. Mai. (J.C.B.) Das Kolonialministerium erhielt vom High Commissioner Herbert Samuel folgenden Bericht über den arabischen Ueberfall auf die jüdischen Kolonien: Anläßlich der muselmanischen Feiertage versammelten sich zehntausend Araber in Ramleh, wo auch der Zivilsekretär General D e e d e s sowie andere hohe Beamte anwesend waren. Führende Muselmanen hielten Festreden und forderten die Versammlung auf, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Dessenungeachtet haben kleine arabische Scharen die jüdische Kolonie Rechoboth angegriffen. Die Polizei schlug die Angreifer zurück, wobei einige Araber gefallen sind. Am gleichen Tage hat eine andere arabische Gruppe die Kolonie Chedera attackiert. Auch dieser Angriff wurde von der Polizei zurückgeschlagen, wobei drei Araber getötet wurden. In den anderen Teilen des Landes herrscht Ruhe. Die arabischen Ueberfätle London, 11. Mai. (J.C.B.) Wie aus Jerusalem gemeldet wird, erstrecken sich die arabischen Ucberfäile nicht bloß auf Petach-Tikw a h, sondern auf die ganze Umgebung, wo Juden wohnen. Genauere Einzelheiten stehen noch aus, doch weiß man, daß einige Personen verwundet wurden. Liste der Schwerverwandeten Jerusalem, 10. Mai. (J.C.B.) Bei den Ausschreitungen in Jaffa haben folgende Juden schwere Verwnmdungen erlitten: Josef Barasch, Jakob Freimann, Sara Go Id mann, Samuel Garsi weiser, Secw G o l d b e r g , Sara Goldschmidt, Kogan, Jakob Lederberg, Jehuda Sakofski, Salzmann, Schoschana Sindak, Matitjahu Tcitelbäum und Mordechai Ulschynski. Unter den Leichtverwundeten befinden sich auch Dr. Menachem Schcinkin und Boris Goldberg. Gründung Jüdischer Selbstwehrea Jerusalem, 10. Mai. (J. C. B.) Im ganzen Lande, wo Juden in größerer Anzahl wohnen, werden jüdis ehe Selbst wehren begründet, um gegen allfällige weitere arabische Angriffe gerüstet zu sein. Wie nachträglich gemeldet wird, wurde beim Ueberfall auf die Kolonie Chedera ein jüdischer Kolonist verwundet. Die Darstellung des ״Haarez“ Die eben eingclangte Nummer ״Haarez“ vom 2. Mai bringt folgende Telephonmeldung aus Jaffa über den Anfang der Ereignisse: ״Heute veranstalteten die M. P. S. I. (Kommunisten) eine Maifeier. Der Zug bewegte sich in den Straßen Jaffas und kam nach Tcl-Awiw. Bewaffnete Schutzleute hielten die Ordnung aufrecht. Das Publikum in Tcl-Awiw protestierte gegen das Absingen von jiddischen Liedern in Tel-Awiw. Die Feier verlief friedlich. Der Zug der M. P. S. I. bewegte sieh dann nach den arabischen Straßen. Die M. P. S. I. versuchten, die Araber zur Teiln a h m e an der Demonstration zu bewegen. Die Araber beantworteten die Bemühungen der M. P. S. I. mit Schlägereien, die zu einem Einschreiten der Polizei führten. Auf dem Platz zwischen Newe-Schalom und Tel-Awiw gaben Schutzleute Schreckschüsse ab, um weitere Zusammenstöße zu verhindern. Weitere Meldungen stehen noch aus.“ Abgesehen von dieser einzigen Nummer ״Haarez“ sind bis zur Stunde aus Palästina weder neue Zeitungen noch Briefe eingetroffen. Palästinas VVareneinfuhr und -ausfuhr. (J. C. B.) Die Warencinfuhr nach Palästina belief sich im rebruar auf •160 307 C, ein Zuwachs von über 170 <)95 C gegenüber dem entsprechenden Monat des vergangenen Jahres. Der Ausfuhrhandel aus Palästina im selben Monat belief sich auf 259 533 C, eine Abnahme unter ■12 663 L gegenüber dem entsprechenden Monat des vergangenen Jahres. In den Kwuzoth. Die drei Daganiah-Gruppcn in Untergaliläa haben einen kleinen Wald gepflanzt, der sich von Daganiah-Alpeh bis Dagatiiah-Uimmcl erstreckt. Der Wald enthält 500 Odbäumc und trägt den Namen ״T e 1 - Ch ai- W a 1 d“. Einwanderung jüdischer Arbeiter aus Saloniki. Der Oberrabbiner von Saloniki, Bcnzion U siel, teilte dem Waad Hazirim mit, daß in Saloniki eine große Bewegung unter den jüdischen Arbeitern für die Auswanderung nach Palästina besteht, und bat den Waad Hazirim, diese Bewegung zu fördern. Der neue Stadtplan von Jerusalem. Nach dem nunmehr festgestellten neuen Stadtplan von Jerusalem soll die Altstadt unverändert bestehen bleiben. De Neustadt wird in zwei Teile geteilt, in denen zwecks moderner Entwicklung auch die Niederlegung von Hausern vorgesehen ist.