Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 269 mit ungeeigneten Elementen und wegen mangelnder Arbcitsgelegenheit daselbst eine Einschränkung erfuhr. Die Maliregel einer vorübergehenden Sperre Palästinas seitens der palästinensischen Behörden war mit einer Anweisung der Londoner Regierung an das hiesige Generalkonsulat verbunden, Kat. A-hmigranten bis auf neiteres das Visum zu verweigern. Wir hatten sehr bald somit nur die Möglichkeit, Kat.!!•Emigranten zu helfen und solchen A-Emigranten, denen wir der hicsigen englischen Paßbehörde gegenüber Esistenzaussiehten in Palästina gewährleisten konnten. Schwierigkeiten bestanden und bestehen zum Teil noch infolge des Verhaltens der Konsulate der D u r c h r e i s e 1 a nd e f. Mit Unterstützung des englischen Konsulats erreichten wir, dal! das italienische Visum nunmehr ohne weiteres erteilt wird, nachdem die Sicherheit der Weiterreise der Emigranten von Triest unsererseits gewährleistet wird. , ,. . , Auch mit der Pallzentrale der hiesigen osterreich i s c 11 c 11 Gesandtschaft trafen wir eine Regelung des Inhalts, dal! jeder Palästinaemigrant, der unser Garantieschreiben verwies, das Durchreisevisum erhalten sollte. Diese in der Praxis gut funktionierende Regelung wurde durch einen Erlaß des Wiener Bundesministcriuins des Addieren geändert, in dem bestimmt ist, daß die Erteilung des österreichischen Durchreise- Visums von der Vorweisung einer genau gckennzeichneten Legitimation des Wiener P a 1 ä s t i n a a in t c s in Zukunft abhängig ist. Ohne diese Legitimationskarte erhält kein Palästinafahrcr die Durchreiscerlaubius durch Oesterreich. Unser an das Wiener Btmdcsmimsterium gerichtetes von der hiesigen österreichischen Gesandtseliaft befürwortetes Ersuchen, unserem Palästinaamte das Recht zur Ausstellung eigener Legitimationen zu erteilen, dürfte in allernächster Zeit eine befriedigende Erledigung finden. Bis dahin ist in dieser Angelegenheit eine interimistische Regelung getroffen. Die aus Deutschland abzufertigenden Palästinafahrcr erhaben jetzt also ohne Schwierigkeit auf unsere Empfelilung hin die erforderlichen Visa (englisches Einreise-, italienisches und österreichisches Durchreisevisum). Die Pak'istinanmtcr in Riga, Reval, Kowno und Danzig belinden sich in einer weit ungünstigeren Lage, da sie nicht die Möglichkeit haben, ihren Palästinafaltrern das öster-!viehische Visum zu beschaffen. Wir haben infolgedessen bei der Palizentrale des Auswärtigen Amtes wie beim österreichischen Konsulat interveniert und erreicht, daß sämtliche Palästinat'nluer, die von den genannten Palüstiiiaämtern abgefertigt werden, das deutsche Durchrcisevisum erhalten, •uline bereits das österreichische vorweisen zu müssen; sie erhalten dieses durch die Vermittlung des Berliner Palästinaamtes. Um der zuweilen unerträglichen Schwierigkeit der Durchreisevisa zu entgehen, haben wir versucht, die von Hamburg abgehtnden Palästina anlaufenden Frachtdarr.picr der Levante-Linie für Passagier-Transporte 111 geringem Umfange uns nutzbar zu machen. Ein in dieser Hinsicht gemachter Versuch ist leider fehlgeschlagen. Es hat sich hcrausgcstellt, daß für ein Anlaufen Pahistinas nicht die volle Gewähr übernommen werden kann. Die Abfertigung des weitaus größten Teiles der Palästinafahrcr wird dadurch erschwert, dal! diese nicht im Besitze der ertorderiiehen Pässe sind. Ein Visum wird nur erteilt, wenn ein Paß vorhanden ist. Die Beschaffung eines Passe,־, stößt in vielen Fällen aut 1111übcrwindlichc Schwierigkeiten. Nun besteht allerdings die Möglichkeit, vom englischen Konsulat ein Laisscz Passer in ganz bestimmten Fällen zu erlangen. Die Voraussetzung für die Erteilung eines solchen Laisscz Passer ist die Unmöglichkeit der Beschaffung eines regulärc!! Auslandspasses, jedoch muß diese Unmöglichkeit in den tatsächlichen außenpolitischen Verhältnissen begründet sein. Eine lediglich durch die persönliche Lage des Palästinafahrers herbeigefiihrte Unmöglichkeit gewährt in keinem Falle das Recht auf Erteilung eines Laissez Passer. Es müssen natürlich irgendwelche amtlichen Urkunden vorgewiesen werden können, auf Grund deren das Laissez Passer ausgestellt wird. Als solche Urkünden• gelten z. B. Personalausweise, Arbeitcr-Legitimationskarten, Aufcnihnltskartcn usw. Das Laissez Passer kommt demnach im allgemeinen für solche Personen in Betracht, deren S t a a t s a n g c - Hörigkeit ungeklärt ist, z. B. für die aus Ostgalizien Stammenden, deren Gebiet noch umstritten ist und weder Polen noch der Ukraine gehört. Der ukrainische Auslandspaß als solcher wird vom britischen Konsulat nicht anerkannt, ist aber eine gültige Unterläge für die Ausstellung eines Laisscz Passer. — Weißrussische Pässe sind dagegen ein durchaus ungccignetes Legitimationspapier; es wird daraufhin auch kein Laisscz Passer erteilt. Wer aus Weißrußland stammt, muß sich einen russischen Paß beschaffen. Neben Personen, die gewissermaßen staatenlos sind und die Absicht haben, in Palästina für die paliistincosische Staatsbürgerschaft zu optieren, erhallen auch solche, die in Palästina geboren sind, ein Laissez Passer. Dieses hat sechs Monate Gültigkeit, und zwar nur für die in ihm angegebene Reiseroute und ist ein Ausweispapier, das jedoch nicht, wie irrtümlich ange« nomincn wird, den Inhaber zum palästinensischen Bürger macht. Diese Regelung in der Frage der Paß- und Visen- Beschaffung hat sich allerdings erst nachmannigfachen Schwankungen in der Durchführung herausgebildet. Die Erledigung der Paßformalitäten für nichtdeutsche Staatsangehörige macht im allgemeinen außerordentliche Schwierigkeiten und erweist sieh leider in vielen Fällen als undurchführbar. Bei deutschen Staatsangehörigen konnte Paß- und Visumbeschaffung ohne jede Schwicrigkeit erfolgen. In Kürze zusammengefaßt können wir feststellen, daß folgende Voraussetzungen für einen Palästinafahrcr vorhanden sein müssen: 1. Reisepaß des Heimatlandes. 2. Deutsches Ausreisevisum. Wer —- die Eignung für Palästina vorausgesetzt — einen Paß besitzt, bekommt auf Grund eines Einführungsschreibens, wenn er B-Emigrant ist, bzw. auf Grund eines Zertifikates, ׳wenn er A-Emigrant ist, ein englisches Einreise vi sum, nach* dem er sich vorher bei der Reisegesell* schaft Maawirim. eine Schiffskarte bestellt hat. :Danach erhält er das italicntsene Durchreisevisum und auf Grund unserer L .י■ g i t i tn a t ions k a r t c , für die z wc 1 I a II bi l d er ei n z u s e 11 d e 11 sind, das ost e r r cm c 111 s c 11 e Durch rcisevisum. 1 m \ iclfach vorhandenen Irrtüinern zu begegnen, müssen wir darauf aufmerksam machen, daß die von , f. ,01, °.״cr. Exekutive herausgegebenen Zertifikate leutglich die Verpflichtung der Zionistischen Oiganisation gegenüber der palästinensischen Regierung darstcllcn, für Unterkunft, Verpflegung mul Arbeitsbeschaffung dieser tiutgramcnkalcgoric zu sorgen. Diese Verptlichtuug darf mellt so aufgefaßt werden, als ob sie jedem einzelnen Emigranten gegenüber bestehe. Kein Aus- Wanderer, der «in Zertifikat erhält, darf hieraus irgendwelche wie immer gearteten Ansprüche an die Zionistisctie Organisation ableiten. Eine gegenteilige Auffassudg würde die Selbständigkeit und die Tatkraft unserer Emigranten lähmen, ihnen den Geist des Pioniertuins rauhen. Die Reise- 'und Transportigesellschaft Maawirim, Berlin, Auguststr, 15, hat einen Reiseführer herausgegeben, in dem die augenblicklich bestehenden Reiserouten, Eisenbahnmul Sehiffahrtspläne, die Zollvor- Schriften, die Gepäckbeförderung, sowie die Adressen der Palästinaämter, der Konsulate u, a. angegeben sind. Der kürzeste Reiseweg aus Deutschland geht über Salzbürg—Tarvis—Triest. Mit der Steigerung der Ein- Wanderung setzte auch ein häufigerer Schiffsverkehr des Lloyd Tricstino ein. Neben den Postdampfern, die alle 14 Tage verkehren, gibt es Eildampfcr (״Wien“ und ״Helouan“), die alle acht Tage von Triest abgehen. Da die Eildampfcr nur bis Alexandrien fahren, müssen die Palästinafahrcr von dort aus die Eisenbahn benutzen. Die Reise ist mit mancherlei Zollplackercien mul Unbequemlichkeiten verbunden. Eine wesentliche Besserung ist dadurch eingetreten, daß die Maawirim einen besonderen Dampfer, der speziell für die Beförderung von Emigranten eingerichtet ist, in Dienst gestellt hat. Dieser fährt direkt bis Jaffa, so daß die Eisenbahnfallrt fortfällt, und wird eine Fahrtdaucr von etwa sechs Tagen haben. Es ist in Aussicht genommen, daß dieser Dampfer alle drei. Wochen verkehren soll. Das erstemal wird er am 15. Mai von Triest abfahren; er ist für 775 Passagiere eingerichtet. Der Preis beträgt inkt. Bett und Verpflegung C 6.12.—. Rechnet!0:111 dazu die Bahnreise bis Triest, sowie die Kosten für die Beschaffung der Visen, so belaufen sich die Gesamtkosten der Reise bei Benutzung dieses Dampfers auf etwa 2500 M, Das Pn Li st i na amt machte cs sich zur besonderen Aufgabe, den Emigranten, besonders den bedürftigen, Fürsorge angedeihen zu lassen, soweit seine Mittel dies znließcn. Das Arbeiter-Fürsorgeamt erklärte sich bereit, Palästinaemigranten zu einem geringeren Preise als dem üblichen Aufnahme im Einigrantenhcim zu gewähren. Privatim gelang es zuweilen, auch Handwerkszeug, Kleidung und Wäsche für die Palästina fall rer zu beschaffen. Notwendig war vor allem in vielen Fällen ein Zuschuß zit den Reisekosten. Es wird ohne weiteres verständlich sein, daß es den meisten Arbeitern unmöglich ist, die sehr erheblichen Kosten für die Reise selbst auf/ubringen. Nur den Grubenarbeitern gelang es hin und wieder, sich durch ihre Arbeit allein die erforderlichen Reisemittel zu ersparen. In zahlreichen Füllen, wo cs sich um besonders geeignete Leute handelte, versuchte das Palästina amt trotz großer Schwierigkeiten Geldmittel aufzubringen. Es ist ihm gelungen, auf diese Weise cinc!r Anzahl von Palästinafahrern überhaupt die Möglichkeit zur Reise zu verschaffen, da cs sieb in den meisten Fällen nur um einen Reisezuschuß und nur selten um Zahlung der ganzen Reisekosten handelte. Die Summe, die durch das Palästiuanmt aufgebracht worden ist, beläuft sich auf 71 000 M. Wir sind uns bewußt, daß die Fürsorge für die Emigranten durchaus unzureichend ist und empfinden j cs sehr schmerzlich, daß aus Mangel an Mitteln unsere! Arbeit sehr gehemmt •ist. So war cs uns z, ß. nicht j möglich, bestimmten besonders geeigneten Elementen, | wie den Kriegsgefangenen, die Möglichkeit zur lieber- Siedlung nach Palästina zu verschaffen. Diese Kriegsgefangenen, die an schwere körperliche Arbeit gewöhnt und liier auf dem Laude oder in den Fabriken nicht nur körperlich, sondern oft auch fachlich eine recht gute Ausbildung erfahren haben, konnten trotz vielfach ausgezeichneter Eignung nicht befördert werden, weil sie bei dem geringen Lohn, auch in zuweilen sieben Jahre langem Frondienst, sich die erforderlichen Gelder zur Reise nicht verschaffen konnten. Nur in einzelnen Fällen konnten wir hier cingreifcn. Wir bemühten uns viel׳- fach, ihnen wie auch den anderen Paläslinafahrcrn bei der Wiedeiunknüpfung von Beziehungen mit Verwandten in valutastarken Ländern behilflich zu sein und empfahlen allen, die sieh an uns wandten, sich rechtzeitig mit ihren Angehörigen in Verbindung zu setzen, um. von diesen die erforderlichen Reiseniittcl zu erlangen. Der größte Teil der Kriegsgefangenen mußte leider in die ukrainische Hölle zu rück kehren oder wurde nach Sowjetrußland zum Dienst in der roten Armee zurückbefördert. Noch ist ein erheblicher Teil vorhanden, der sehnsüchtig darauf wartet, daß man ihm die Uebersiedlung ermöglicht. Zahlreiche von ihnen haben sich sogar an das Gomite des Delegations Juivcs in Paris gewandt, das sich jedoch auch außerstande sicht* finanzielle Hilfe zu leisten. Hier wäre cs Aufgabe der Juden in Deutschland, die nötigen Reisekosten aufzubringen. Die deutschen Behörden erweisen sich durchaus entgegenkommend und gestatten denjenige!! Kriegsgefangenen, die von uns für die Reise naCn Palästina vorgemerkt sind, in Deutschland zu verbleiben, bis ihre Ausreise erfolgen kann. Sie gewähren ihnen audi jede mögliche Erleichterung zur Beschaffung des erforderlichen Ausreisevisums, Bei den leider vorhandenen großen Schwierigkeiten ist eine bessere Unterbringung der Palästinafahrer zurzeit nicht möglich. Wir wissen, wie unzulänglich die Unterkunft in dem allgemeinen jüdischen Emigrantenheim ist und sind uns auch dessen bewußt, daß das Zusammensein mit anderen Emigranten für die Palästinafahrer in mancher Hinsicht von schädlicher Wirkung ist. Aus Mangel an Mitteln ist aber leider eine Aenderung vorläufig unmöglich. Um dem Geldmangel abzuhelfen, bcan tragte das Palästinaamt bei der Zentrale «'-י׳- wiederholt, aus den Geldern des Keren Hajessod Mittel fürdie Alijah zur Verfügung zu stellen. Die Exekutive in London erwiderte, daß sie die Frage erwäge, jedoch wurde ein Entschluß noch nicht gefaßt. Das Palästinaaint ist außerstand■.', einen großen Teil seiner Aufgaben zu erfüllen, wenn ihm nicht ganz andere Mittel zur Verfügung stehen, als cs bisher der Fall war; denn bislang konnte von der Organisation nicht ein Pfennig dem Palästinaamte zur Verfügung gestellt werden. Neben der Fürsorge für die aus Deutschland Auswaitdcrfiden bat das Palästinaamt auch die Aufgabe, für die D urch w a n d e r e r Sorge zu tragen, Berlin ist der Knotenpunkt für alle Palästinawanderer aus Lctiland, Esthland,' Litauen und Danzig, wie auch für einen Teil der aus Rußland und Polen kommenden. Das Palüstinaamt hatte für Unterkunft, Verpflegung und Be- Schaffung der noch erforderlichen Visa dieser Palästinawamlerer zu sorgen. Gerade die Abfertigung der Durchwunderer bereitete oft außerordentliche Schwierigkeiten. Manche von ihnen hatten unterwegs ihre Pässe verloren, anderen war ihr Gepäck abhanden gekommen, einige waren bestohlen worden, so daß in vielen Fällen eine Verzögerung der Reise eintrat und es uns außerordentliche Mühe kostete, alles wieder in Ordnung zu bringen. Vor allem kamen, namentlich aus Polen, wiederholt Transporte an, ohne die notwendigen Geldmittel zur Weiterfahrt. Wir sahen uns gezwungen, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um auch diesen Durch vanderern die Weiterreise zu ermöglich׳,•!!. Eine stärkere Auswanderung nach Palästina setzte erst ein, als die Auswanderungsbeschränkungcn gefallen waren und die Zertifikate aus London eintrafen, die uns die Möglichkeit gaben, Arbeitern zur Auswamlcrung nach Palästina zu verhelfen. Dies trat zu Beginn dieses Jahres ein. Bis Ende Dezember betrug die Zaht der Auswanderer ISO, davon 43 Durcliwandcrer. Seit dem I. Januar sind bis zum 15. Mai insgesamt 425 Palästinafahrcr befördert worden, davon sind 125 A-Emigranten, 300 B-Emigranten. B-Emigrantcn sind nicht nur solche, die über 120 englische Pfund verfügen, sondern auch eine große Zahl von Arbeitern, die eine Aufforderung von Angehörigen oder Freunden aus Palästina erhalten haben, die von einer palästinc.;• sisclien Behörde (Waad Haziriin, Wand der Kolonie 1 usw.) bescheinigt war, bzw. eine Anzahl von Bauhand• , werkern, die die Ballgesellschaft• Haboiieh in einem be- 1 sonderen Schreiben angefordert hatte. Von den 425! Palästinafahrern waren 04 nur Durcliwandcrer, die voll anderen Palästinaämtern abgefertigt waren, j Der Drang zur Auswanderung ist auch in Deutsch- ן land außerordentlich stark, sowohl unter den Juden, die bereits in Deutschland ansässig sind, als auch unter denjenigen, die sich erst seit einigen Jahren in Deutschland aulhaltcn. In den letzten Monaten hatte das Palästinnamt einen täglichen Besuch von etwa 30 bis 40 Leuten, die zur Reise nach Palästina bereit waren. Die Aufgabe des Palästinaamtes bestand vor allein auch darin, eine Auswahl unter den Leuten zu treffe», die sich meldeten. Es wurden Zeugnisse der Arbeitgeber, Empfehlungen der Ortsgruppen und anderer zionistischer Organisationen verlangt. Ein großer Teil von ihnen mußte abgelehnt werden, weil er weder die körpcrlichc Eignung, noch die fachlichen und moralischen ׳Qualitäten hatte. Andere mußten leider trotz Eignung auf ihre Uebersiedlung verzichten, weil ein Pali vorläufig nicht zu beschaffen war oder die Geldmittel nicht aufgebracht werden konnten. Besonders mußten Leuten abraten, ohne ausreichende Ucbcrsiedelung zu bewerkstelligen, Mann sich entschloß, seine Familie lassen, um sic später, wenn er sich nachkommen zu lassen. Außer den wir verheirateten Geldmittel ihre außer wenn der vorläufig hier zu cingcordnct hätte, in London persönlichen Besuchen hatten wir täglich eine Fülle von Briefen aus allen Teilen Deutschlands von .Leuten, die sich allerdings meistens nur deshalb zu einer Ucbersicdelung nach Palästina entschließen wollten, weil sich ihnen ein anderer Ausweg nicht darbot. Jede Au sw 01• sung, jede Durchführung der Maßnahmen des Demobijmaclumgsaussdiusses, wodurch zahlreiche Arbeiter arbeitslos wurden, veranlaßte viele von ihnen, sich tun Hilfe an das Palästinaamt zu wenden. Da cs unmöglich war, von Berlin aus lediglich durch Briefwechsel die Auswahl aus den sich meldenden Palästinafahrern zu treffen, setzten wir uns besonders mit den jüdischen Arbeiterorganisationen und Arbeit»- wie Arbeitcrfürsorgeämtem in Verbindung, die bei ihrer Kenntnis des in Betracht kommenden Materials am besten geeignet waren, die notwendige Sichtung vorzunehmen. Sonst wandten wir uns an die Ortsgruppen um Auskunft über die Palästinafahrcr, die sich bei uns meldeten. Die Frage der persönlichen Uebersiedlung, sowie der Wunsch, Unternehmungen in Palästina zu gründen und geschäftliche Beziehungen anzuknüpfen, brachte uns eine Fülle mündlicher wie schriftlicher Anfragen. Soweit es sich dabei um Anfragen spezieller Art handelte, leiteten wir diese an die Zionist Commission bzw. an Vertrauensmänner in Palästina weiter, ln sehr vielen Fällen mußten wir allerdings nach unserer Kenntnis der Verhältnisse des Landes von vornherein die vorläufige Unmöglichkeit der Durchführung des Unternehmens den Auskunftwünschenden vor Augen führen. Bedenklich erschien uns die Beantwortung der sehr oft an uns herangetretenen Frage, welche Waren in Palästina cinzuführen seien, besonders wenn der Fragesteiler weder Kaufmann■ war, noch eine Kenntnis der betreffenden! Branche besaß. Wir fühlten uns verpflichtet, auf das Risiko solchen Unternehmens aufmerksam zu machen. Die Vermittlung für den Ankauf von Grundstücken und Landstcllcn in Palästina können wir zurzeit wegen des Fehlens einer entsprechenden Organisierung dieses Arbeitszweiges in Palästina nicht übernehmen. Die zahlreich cinlaufenden Angebote von allerlei nur erdenklichen Gegenständen vieler Firmen konnten gleichfalls keine Berücksichtigung finden. Ebenso konnten wir auch den oft geäußerten Wünschen nach Vermittlung von Stellen nach Palästina nur selten entsprechen, solange vor allem aus Palästina selbst Nachfragen bei uns nie cingehen. Wir können dagegen jedem jungen körperlich kräftigen Menschen, der sein rach versteht, durchaus nur raten, nach Palästina zu gehen, audi wenn er nicht ein festes Engagement schon in der Tasche